Circum Carpati VII: Fahrzeug-Gruselkabinett und Kombinatsstrecke in Craiova

Es geht weiter auf unserer Rumänientour, heute von Ploieşti nach Craiova, wo wir am späten Nachmittag ankommen wollen. Dort hoffen wir noch auf die letzten Dresdner T4D, die wohl einzigen Fahrzeuge, die nicht komplett zugeklebt durch die Stadt rollen. Überrascht werden sollten wir auch von der langen Kombinatsstrecke, die noch immer auf ganzer Länge betrieben wird.


Donnerstag, 12. Mai 2022 II:

Schon wieder lagen nun am frühen Nachmittag in Ploieşti 240 Landstraßenkilometer zwischen uns und Craiova. Knapp vier Stunden würde man dafür wohl rechnen dürfen, immer südlich des Karpatenbogens, der nur weit am Horizont zu erkennen war. Entsprechend recht eintönig war diese Fahrt abermals. Zu tangieren galt es diesmal mit Targoviste, Piteşti und Slatina drei der lästigen Provinzstädte. Komplette Durchfahrten wurden uns hier dankenswerterweise größtenteils erspart, da wir jeweils die Straße wechseln mussten und die beiden ersten Städte nur im Süden anschnitten. Durch Slatina mussten wir dann wohl oder übel einmal durch, dafür wurden wir im Anschluss aber mit einem Stück Autobahn mitten im Nichts belohnt. Immer mal wieder scheinen solche Stücken aufzutauchen, die bereits fertiggestellt sind und dann quasi im Nichts beginnen, vielleicht zehn bis zwanzig Kilometer lang sind und dann ebenso unvermittelt wieder enden. Besonders absurd an diesen Autobahnstücken ist, dass sich die Arbeiten zum Weiterbau meist an beiden Enden nur in einem rudimentären Zustand befinden, wenn es denn überhaupt sowas wie Arbeiten gibt. Oft stehen dann noch ein, zwei Brücken irgendwo im Nichts, aber von einer ernsthaften Weiterführung der Autobahn ist wenig zu erkennen. Bleibt halt die Frage, ob die schon fertiggestellten Teile nicht längst wieder baufällig sind, bis denn mal irgendein weiterführendes Stück daran anschließt…
Uns verschaffte das jedenfalls zwischen Găneasa und Balş ein ungewohntes Gefühl des erhabenen und schnellen Reisens. Leider war der Spaß eben auch fast schneller wieder vorbei, als dass man es richtig hätte genießen können 😀
Zu meiner Überraschung konnte ich aber von der Autobahn auf der parallelen Bahnstrecke einen der urigen, zweiachsigen, roten Malaxa-Triebwagen in Gegenrichtung durcheilen sehen. Das war ja mal ein Ding – ich dachte diese Karren wären nun doch endlich mal ausgemustert? Vielleicht inzwischen im Bahndienst tätig? Es könnte sich jedenfalls lohnen, die Gleise mal etwas genauer im Auge zu behalten, denn die nächsten Kilometer würde die Strecke mit dem Ziel Craiova noch parallel verlaufen. Wenige Minuten später von der Autobahn runter, waren die Schranken erneut geschlossen. Das konnte doch nur ein Gegenzug sein. Ich lotste und also im nächsten Ort Robăneşti zur Strecke rüber. Schnell noch auf die Sonnenseite gestanden und nach kurzer Zeit kam dann in dem beschaulichen Bahnhof ein durchaus eindrucksvoller Güterzug durchgerumpelt.


Robăneşti ist ein typischer kleiner Bahnhof im Nicht, natürlich aber besetzt und zur Zugdurchfahrt kam dann auch der Stationsvorsteher mit Mütze und Kelle auf den Bahnsteig.


Ich hatte ja gedacht vielleicht käme auch in diese Richtung ein Malaxa durch, dieser stattliche Güterzug mit “SLM-Diesel” war aber auch nicht verkehrt.

Mehr war nicht zu machen, auch wenn wir den Zug schnell wieder überholt hatten. Aber die Strecke ging dann doch bald von unserer Route ab. Ein Hotel hatten wir in Craiova direkt an dem Platz im Westen der Stadt gebucht, wo die Hauptlinie 100 endet und die kurze Stichstrecke zum Depot abgeht. Gebucht hatten wir das als ich vorhin gefahren war – meine Mobildaten streikten noch immer. Heute Abend würde ich mich da mal in die Hotline hängen, nachdem ich keinerlei Möglichkeit fand, das Problem auf anderem Wege zu lösen.

Wir kamen nun auf der 65 allerdings von Osten in die Stadt. Diese Straße durchquert in vier bis achtspurig die Stadt in Ost/West-Richtung und wird unterwegs von der 65 zur 6 und beschreibt einen leichten Bogen Richtung Nordwest. Auf ebendieser Calea București stößt irgendwann die einzige Straßenbahnachse der Stadt hinzu. Genauer an der Pasaj Electroputere, wo die Calea București den Bulevardul Decebal in einem vollständigen Kleeblatt kreuzt. Dieses Kleeblatt nutzt die Linie 100 zum Wenden, die ausschließlich den städtischen Abschnitt der Ost/Nordwest-Achse bedient. Mit dem Wenden durch das Unterfahren der Calea București durch zwei Blätter des Kleeblattes doch eine recht ungewöhnliche Konstruktion. Vom Kleeblatt sollten dann eigentlich die Linien 101 und 102 ins Industriegebiet nach Südosten zur Schleife Buclă am Ford-Werk abzweigen. Eine kurze Visite ergab allerdings, dass hier die Schienen mal so gar nicht blank aussahen und die Haltestellen noch weniger Ausstattung aufwiesen als sonst schon üblich: Genau gar keine. Dieser Teil der Strecke war also schonmal außer Betrieb. Interessant, wo doch vor wenigen Jahren eine Generalsanierung stattgefunden haben sollte, zu deren Zwecke die Straßenbahn komplett eingestellt war. Eigentlich sah die Strecke hier auch ganz in Ordnung aus, auch die Fahrleitung hing. Aber wer weiß, wie es hinter der nächsten Ecke aussieht… StreetView-Aufnahmen zeigten im Nachhinein, dass der Abschnitt im April noch befahren wurde, sich aber in einem beklagenswerten Zustand befand. Aufnahmen vom Mai 2022 zeigen dann das Herausreißen der Gleise, wohl zu Sanierung der Strecke?

Wir durchquerten die Stadt mal auf ganzer Länge bis zum Depotabzweig im Westen. Das Geschwimme in der hiesigen Rush-Hour war dabei wiedermal sehr unterhaltsam. Der grundsätzlich vierspurige Bulevard verbreitert sich in den Kreuzungsbereichen immer auf mindestens sechs Spuren, wobei eine der vorherigen Hauptspuren jeweils unvermittelt als Linksabbieger verendet. Dementsprechend muss der gesamte Durchgangsverkehr vor den Kreuzungen immer eine Spur nach rechts Schwimmen, wo allerdings am Rand auch immer wieder Taxen und ähnliches Anlegen. Vor den Kreuzungen entsteht daher immer ein recht spannendes Gewusel, wenn der Durchgangsverkehr irgendwie versucht, weiter geradeaus zu kommen, ohne wahlweise am Linksabbieger oder einem spontanen Parkstreifen rechts zu stranden. Faszinierend, wie das hier aber doch alles recht harmonisch abgeht, ohne brenzliche Situationen oder Gehupe. Klar, hin und wieder hat mal jemand verloren und muss sich dann wieder auf den nach rechts verschobenen Hauptstrom drängeln, aber auch hierfür herrscht dann in der üblichen Gelassenheit Verständnis bei allen anderen. Ach ja, ein bisschen was könnten wir uns von dieser Gelassenheit im Straßenverkehr schon abgucken…

Am westlichen Ende der Linie 100 angekommen, legten wir dann auch am Straßenrand an und schauten was so kommt. Unterwegs waren uns neben KT4D und Wiener E1, auch schon zwei Dresdner T4D entgegengekommen. Nach unserem Wissen gab es nur noch vier T4D, die überhaupt noch einsatzfähig sein sollten. Dementsprechend waren wir im Vorhinein nicht ganz sicher, ob die Karren überhaupt noch laufen würden und nun umso erfreuter. Da man nie weiß, was am nächsten Tag so rauskommt, wollten wir hier am Ende der Linie 100 gleich mal beide T4D verhaften. Die Linie 100 biegt hier hinter der Haltestelle im rechten Winkel nach Norden zur Depotzufahrt ab und wendet durch selbiges. Für die 101 und 102 würde es bei Craiovita theoretisch noch geradeaus weiter bis nach Termo Buclă, einem großen Kraftwerk, gehen. Ob da aber überhaupt noch etwas rausfährt, würde sich noch zeigen müssen. Es war bereits halb sieben und zwischen den innerstädtischen Platten größtenteils Schatten, sodass wir das restliche Sonnenlicht nun einfach hier draußen am Ende der Linie 100 verbrachten und uns einen ersten Eindruck über den Fahrzeugeinsatz verschafften.


KT4D 110 erreicht im Westen der Stadt die Endhaltestelle der Linie 100 Craiovita. Erst später fiel uns auf, dass der Wagen 102 eingeschildert hatte und wir ja mal hätten schauen können, ob der in unserem Rücken geradeaus weiter Richtung Kombinat fährt. Zehn KT4D wurden 1998 aus Berlin übernommen. Nachdem die Fahrzeuge lange Zeit noch im Originalzustand durch Craiova rollten, erhielten sie mit der ersten Sanierungsstufe des Betriebs ab 2015 eine kleine Auffrischung. Was großspurig als “Modernisierung” die Runde machte, beschränkte sich im Grunde auf etwas Plastikverkleidung an Front und Drehgestellen und einer großzügigen Folierung mit den verschiedenen Attraktionen der Stadt. Die Substanz an sich wurde jedenfalls nicht nachhaltig verbessert. Zumindest eine Klimatisierung für die Fahrerkabine und eine mehr oder weniger überflüssige Digitalanzeige wurden noch nachgerüstet, womit die KT4D schon die mit Abstand umfangreichste Frischzellenkur erhielten.


Aber wir waren vorerst auf die letzten T4D fokussiert, von denen zwei Exemplare im Einsatz standen. 13 der modernisierten Dresdner T4DMT wurden 2007 in Craiova übernommen. Zum Einsatz kamen an beiden Tagen die Fahrzeuge 209 und 212. Weiterhin sollen wohl noch die Fahrzeuge 203 und 207 einsatzfähig sein. Geschichte sind hingegen die schon ab 2001 aus Leipzig übernommenen, unmodernisierten T4D. Gleiches gilt für die elf ebenfalls 2007 aus Dresden übernommenen Beitriebwagen TB4D.


Als einzige Fahrzeuge konnten die T4D der “Modernisierung” im Zuge des ersten Schrittes der Generalsanierung des Betriebes im Jahr 2015 entgehen. So sind die Fahrzeuge weder durch seltsame neue Scheinwerferapplikationen, noch durch ganzflächige Folierung verunstaltet. Wie fast alle Fahrzeuge sind aber auch die T4DMT den Graffitis nicht entgangen. Hier hält T4DMT 209 an der Haltestelle Craiovita.


Wenig später passiert T4DMT 209 die Haltestelle in Gegenrichtung und biegt anschließend für die Schleifenfahrt Richtung Depot ab.

Wie die Sanierung der Fahrzeuge, so macht auch die Modernisierung der Infrastruktur einen mindestens halbherzigen Eindruck. Grundsätzlich scheint bislang nur der Abschnitt der Linie 100 zwischen Craiovita und der Pasaj Electroputere saniert worden zu sein. Wobei auch hier einige Abschnitte nicht so ganz toll aussahen, für rumänische Verhältnisse aber recht ordentlich. Trotzdem wirkte alles recht halbherzig: Von Beschleunigungsmaßahmen war keine Spur, sodass die Bahnen gerade im langen Abschnitt auf der Calea București zwischen den Plattenbauten meist länger vor Kreuzungen herumstanden, als sie fuhren. Sinnbildlich sind ein wenig auch die DFI-Anzeigen an den Haltestellen – oder besser das, was mal so etwas wie DFI werden sollte. Gut zu erkennen im vorletzten Bild an der Haltestelle Craiovita: Die autark geplante Anzeige hat weder ein dafür nötiges Solarpanel, noch ist überhaupt die Anzeige als solches verbaut worden, oder haben sich hier bereits die ersten Elektrodiebe zu schaffen gemacht? Jedenfalls standen diese Anzeigen, dort wo sie standen, jeweils nur als leere Gerippe herum…


T4DMT 212 direkt vor der Depoteinfahrt, wo gewendet und pausiert wird. Auch die Zufahrtsstrecke wurde saniert, auch wenn sich hier keine weitere Haltestelle befindet. Das Depot selbst machte dagegen noch einen sehr ursprünglichen Eindruck. Zumindest von der linken Fahrzeugseite war T4DMT praktisch das einzige Fahrzeug, das halbwegs anständig aussah.


Zurück am Rondell Craiovita fiel der Blick dann mal genauer auf die Gleise der Kombinatsstrecke. Sahen doch noch recht blank aus! Und tatsächlich kam wenig später der grüne KT4D 110 angeschaukelt, dessen Fahrt auf die Außenstrecke wir vorhin übersehen hatten. Die Lichtsituation ließ aber nicht wirklich etwas zu…


Wir befinden uns weiterhin am Rondell von Craiovita und haben uns etwa um 180 Grad gedreht. Gut zu sehen, das am Abzweig selbst, genau wie auf de Kombinatsstrecke, bislang keine Sanierung stattgefunden hat. KT4D 105 kommt vom Depot und wird gleich in Fahrtrichtung links auf den Bulevard Richtung Innenstadt abbiegen. Geradeaus ginge es weiter zum Kombinat. Diese Direktverbindung schien dem Zustand der Gleise nach aber schon lange nicht mehr befahren worden zu sein.


Die Sonne wich nun immer weiter. Aber T4DMT 212 durfte noch eine Runde drehen und rückt aus dem Depot auf die Linie 100 aus.

Mit der Sonne hatte es sich hier jetzt weitgehend. Blieb nurmehr ein Blick zur Überlandstrecke. Wenn zuletzt der grüne 110 gefahren war, dann müsste jetzt demnächst eigentlich wieder etwas rausfahren, wenn wir mal einen Stundentakt als Bemessungsgrundlage anlegten. Tatsächlich wählte wenig später der KT4D 109 den Weg geradeaus als Linie 102 nach Termo Buclă, dem weithin sichtbaren Wärmekraftwerk am Ende der Linie. Mit dem Auto war es auf der bald schnellstraßenmäßig ausufernden, parallel verlaufenden Straße ein leichtes, den dahinschaukelnden Wagen zu überholen. Schöner ist das Ganze natürlich am Vormittag mit dem Kraftwerk im Hintergrund, das wäre dann ein Punkt für morgen. Aber das tiefe Abendlicht machte jetzt auch was her, sodass wir dem KT4D noch bis zur Endschleife nachsetzten. Dem Auto schien derweil irgendwas unangenehm auf den Bordrechner geschlagen zu haben, jedenfalls meldete sich jetzt die Motorkontrollleuchte mit gelber Warnung zu Wort. Aber gelb kann man ja erstmal ignorieren oder nicht? Gerade weil der Wagen noch nagelneu ist, können da wohl recht wenige Fehlmessungen schon zu einer Wortmeldung des Fehlerspeichers führen. Die mittelt sich dann bestimmt wieder raus morgen, einfach mal nicht ganz so quälen das überforderte Dreizylinder-Motörchen 😀


KT4D 109 ist mit einem abendlichen Ritt auf der Überlandstrecke nach Termo Buclă betraut und befindet sich hier unweit der Haltestelle Doljchim II. Der 109 war noch der mit Abstand schönste KT4D, mit nicht zugeklebten Scheiben und frei von Graffiti. Die Folie selbst blätterte natürlich auch überall vor sich hin. Klebefolie auf Rost hält eben auch nicht lange und die Wagen sind ja nun auch schon wieder über fünf Jahre so unterwegs.


Der Wagen wirbt für den örtlichen Sportclub, wie ich vorhin schon bei einer Vorbeifahrt dokumentieren konnte.


Wenig später wird in einem letzten Sonnenspot die Endschleife Termo Buclă erreicht. Die Schleife selbst lag schon im langen Schatten der Termocentrala Ișalniţa.

Das war es dann aber wirklich gewesen mit Sonnenbildern. 20 Uhr das letzte Sonnenbild – da gibt es schlechtere Ausbeuten. Blieb nun also das Aufsuchen des Hotels und alsbald die Beschaffung einer abendlichen Lokalität. Bei ersterem verrannten – bzw. verfuhren – wir uns gleich mal etwas, was ich als heutiger Navigator auf meine Kappe nehmen muss. Irgendwie dachten wir beide, dass unser Hotel Craiovita irgendwo am Rande der Innenstadt direkt am “Straßenbahnboulevard” liegt. Wir sahen uns das direkt vorher sogar noch bei OSM an, verpeilten dann aber beide, dass das Hotel praktisch direkt neben der gleichnamigen Endstation Craiovita liegt und wir quasi eine Stunde schon direkt vor der Tür gestanden hatten. Was für eine Fehlleistung 😀

Nach der Ehrenrunde über den Bulevard fanden wir das Hotel dann aber doch, das dem üblichen Business-Standard entsprach und erstmal keinen Grund für Beschwerden lieferte. Wichtiger waren dann doch die allmählich knurrenden Mägen – das letzte ernsthafte Essen war der kleine Imbiss mit Cappuccino bei McD – wenn man das den als “richtig” bezeichnen möchte. Ich versuchte mal die Fressmeile ausfindig zu machen und mir bei der Navigation dorthin nicht gleich den nächsten Fauxpas zu leisten. Dies gelang dann zu meiner Ehrenrettung auch mit Bravour, auszusetzen hatte ich nur etwas an der Auslassung einer Parklücke, die für mein Leon-trainiertes Auge für den Scala auch locker gereicht hätte. Zum Glück fand sich wenige Meter weiter eine weitere Parklücke, sonst hätte das auch Abzug für die heutige Chauffeur-Leistung gegeben 😉

Die große Shopping-Mall an der wir nun angelandet waren, war gerade dabei zu schließen. Sah aber auch nicht danach aus, als gebe es dort drin eine Fressmeile, eher Fassion. Also mal den Massen und dem Lärm nach. Nach dem Nichts in Brăila und unserem lauschigen Hinterhof-Seitenstraßenlokal gestern in Ploieşti, kamen wir heute wirklich mal wieder an der zentralen Fressmeile an. Und hier war richtig was los. Musik wummerte aus den Bars und mehrere Lokalitäten luden zum Draußensitzen bei nicht verkehrt aussehenden Speisen ein. Kurzentschlossen setzten wir uns einfach in das Erstbeste. Und es war wirklich suuper lecker, wenn auch viel zu viel, obwohl wir uns schon alles teilten. Die Platte mit gebackenem Hänchen war aber ohnehin für zwei ausgelegt. Dazu einen riesigen Salat mit allem drin was es braucht – außer den komischen Fleischstücken, die braucht es dann nicht unbedingt im Salat. Dazu so eine geniale Soße, ein bisschen wie eine Metaxasoße – nur eben in lecker – und frisch gebackene Brotfladen und Ofenkartoffeln. Unser kleines Tischchen war wirklich hoffnungslos überladen. Daher gab es dann für jeden auch nur ein winziges Tellerchen mit Besteck, auf den man sich von den in großen Behältnissen dargereichten Speisen aufladen konnte. Mir läuft jetzt noch das Wasser im Mund zusammen 😀
Irgendwann weit nach satt mussten wir uns dann aber doch geschlagen geben, sonst nimmt das ein unschönes Ende. Für Unterhaltung war derweil nicht nur durch die sich füllenden Bars und Lounges ringsum gesorgt, sondern auch durch den unbeholfenen Versuch eines improvisierten Street-Volleyball-Spiels. Aus einer Mischung von völliger Unfähigkeit und Promillespiegel war das Ergebnis nicht ganz olympia-tauglich. Es war auf jeden Fall eine super lebendige Szene heute Abend, trotz des Donnerstages, aber das dürfte wohl auch der nahen Universität geschuldet sein – da ist schließlich jeden Tag Freitag 😀 Auch sonst hat die Innenstadt etwas mehr zu bieten, als es die Fahrt entlang der Straßenbahn auf dem ceaușescu-esken Bulevard vermuten lässt. Einen genaueren Eindruck konnten wir während unseres Aufenthaltes aber nicht gewinnen, nur was wir heute Abend auf der Essensuche so nebenbei mitnahmen.


Beim Palatul Administrativ din Craiova dürfte es sich wohl um so etwas wie das Rathaus handeln.

Interessante Betonarchitektur am Piața Regele Ferdinand și Regina Maria.


Biserica Sfântul Ilie zur blauen Stunde

Leicht überfressen schlenderten wir anschließend zurück zum Wagen und kurvten durch das etwas verwirrende Straßengeflecht der Innenstadt zurück zum “Straßenbahnbulevard” und hinüber zum Hotel. Ich hing mich dann mal in die 1&1-Hotline – nur mit Osmand zu navigieren und ansonsten von der Außenwelt abgeschnitten zu sein, war dann doch etwas nervig. Überraschend wurde ich direkt ohne Warteschlange zu einem Mitarbeiter in Montabaur durchgestellt. Ja, er könne sehen, dass die Bestätigungsmail an mich heraus gegangen sei, die eigentliche Buchung im System aber nicht stattgefunden habe. Da er auch keine offenen Forderungen gegen mich finden konnte, entschuldigte er sich mit den Worten, er werde mal bei der Technik in Berlin anrufen und verschwand für bestimmt fünf Minuten aus der Leitung. Zurück meldete er sich mit der profanen Antwort, das sei ein Bug, in Berlin bekannt und betreffe alle Kunden gleichermaßen, es sei derzeit nicht möglich, über das Control-Center Optionen zu buchen. Fast hätte ich losgeprustet vor Belustigung. Meine Entschuldigung für alles, was in Zukunft nicht funktioniert, würde ab jetzt auch lauten: “Sorry, das ist nen Bug, wissen wir”. Warum bitteschön werden denn die Kunden und selbst die eigene Service-Hotline nicht informiert über sowas. Die Kunden versuchen jetzt zu abertausenden Tarifoptionen zu buchen, was sie auch bestätigt bekommen, aber im Hintergrund wird gar keine Buchung ausgeführt?! Wäre doch nicht zu viel verlangt, wenn so ein Problem bekannt ist und tagelang anhält, dass dann auch im Control-Center und der eigenen Hotline so zu kommunizieren. Denn eine Lösung ließ sich schließlich finden und das ist ja das Wichtigste. Er könne die Buchung für mich manuell ausführen. Ja bitte doch! Hier übrigens gleich noch so ein 1&1-Witz: Man kann entweder einmalig für einen Monat 2GB zubuchen für 14,99€(!), oder dauerhaft, aber monatlich kündbar ebenfalls 2GB für immer noch teure 9,99€. Finde den Fehler! Richtig – einfach für 9,99€ buchen und direkt wieder kündigen und zack feddich: 5€ weniger bezahlt. Da werden echt Dumme gesucht. Verschriftlich mit Sternchen-Anmerkungen kann man da ja vielleicht noch Dumme finden, aber als mir diese mir bereits bekannten Optionen dann mündlich und fairerweise auch vollkommen transparent vorgetragen wurden, wirkte das Ganze doch recht absurd und auch der wirklich freundliche Service-Mitarbeiter konnte keine Argumente für 14,99€-Paket finden… Ich bedankte mich freundlich – der Mann konnte ja auch nichts für die Misere – und wenig später kam nun endlich die “richtige” SMS-Bestätigung und das Getröpfel mit 64kbit hatte nach fast zwei Tagen endlich ein Ende. Hurra! Willkommen im digitalen Deutschland des Jahres 2022.

So konnte ich dann zumindest beruhigt schlafen – gut das hätte ich auch so gekonnt – aber allein unterwegs wäre das schon mega nervig gewesen mit dem Mobildatenausfall.

Morgen steht dann bis frühen Nachmittag noch Craiova auf dem Plan. Die Wiener hatten wir schließlich sträflich vernachlässigt heute und an der rumpeligen Kombinatsstrecke müsste doch auch noch was gehen. Wie inzwischen zur Gewohnheit geworden, geht es dann über die warmen Nachmittgasstunden weiter nach Timisoara.


Freitag, 13. Mai 2022 I:

Wie fast immer begrüßte uns um kurz nach sieben strahlender Sonnenschein vor dem Fenster. Was war da eigentlich los in diesem Urlaub? Außer mal bisschen Siff, einem halben Tag in Galaţi und zwei Schauern in Iaşi, schien einfach durchgehend die Sonne. Kein einziges Mal hatte ich vor oder während dieser Reise überhaupt einen Wetterbericht bemüht. Wäre auch ziemlich müßig, denn bei so einer Rundreise mit fixem An- und Abflug hat man nicht viel Spielraum. Aber wir kamen auch nie wettertechnisch irgendwo in Verlegenheit, am Plan etwas zu drehen, sondern konnte diesem fast 1:1 folgen.

Das Frühstück war anständig, konnte aber mit dem Hotel Central in Ploieşti bei Weitem nicht mithalten, auch wenn der Saal wieder äußerst opulent daherkam. Man – oder besser Frau – war aber leider wenig daran interessiert, den Gästen noch einen zweiten Kaffee anzubieten.

Wir standen dann direkt mal an die Haltestelle rüber und wollten eigentlich eine Runde mit der Tram über den “Straßenbahnbulevard” drehen. Aber Moment mal: Stand nicht gerade jetzt das Licht an der Überlandstrecke optimal für die Aufnahmen mit dem Kraftwerk im Hintergrund? Und Richtung Stadt dreht die Straße leicht, sodass die Sonne dort nun genau in der Achse Stand. Der Plan war also denkbar schlecht und wir gingen doch gleich wieder zurück zum Auto. Ich übernahm heute wieder das Steuer und sogleich waren alle gestrigen Beschwerden der Motorkontrollleuchte verflogen. Bin vielleicht einfach netter zum lieben Scala 😀

Länger als eigentlich geplant widmeten wir uns die nächsten zwei Stunden der Überlandstrecke. Am Ende des Industriegebietes gibt es dort noch die Zwischenschleife CLF, wo die 101 endet. Die 102 verläuft dann praktisch über Land weiter bis zur Termocentrala Ișalniţa. Beide Linien werden im Stundentakt bedient, sodass bis CLF ein Halbstundentakt besteht, bis Termo Buclă ein Stundentakt, wie wir im Laufe des Vormittages herausfanden. Wir “verloren” hier zwar etwas mehr Zeit als geplant, aber der “Straßenbahnbulevard” gibt nun außer Brutalismus in Reinform wirklich nicht viel her, ganz abgesehen vom tosenden Autoverkehr, der das Fotografieren nicht spaßiger macht. Hier draußen war zwar der Takt etwas mühsam, aber zumindest recht zuverlässig und die Motive mal etwas anderes. Überhaupt sollte die Überlandstrecke den Besuch hier in Craiova herausreißen, denn mit deren Betrieb hatten wir nicht wirklich gerechnet, so richtig hatten wir die Strecke eigentlich gar nicht auf dem Zettel. Zusammen mit den noch eingesetzten T4DMT, von denen einer dann im Verlauf sogar mal bis CLF raus durfte, war der Besuch hier doch zumindest aus fotografischer Sicht eine positive Überraschung, nachdem die Erwartungen diesbezüglich im Vorhinein wirklich ausbaufähig gewesen waren.


Vom Hang des Bahndamms der parallel führenden Strecke entstand die erste Aufnahme erneut mit dem “schönsten” KT4D 109 und nun am Vormittag mit der Termocentrala Ișalniţa im Hintergrund. Dieser Komplex scheint zumindest noch zu arbeiten, ein ernsthaftes Beförderungsbedürfnis wurde aber nicht erkennbar.


Hinter der Zwischenschleife CLF hatten wir den KT4D 109 stadteinwärts wieder überholt und nach einem sportlichen Wendemanöver standen wir rechtzeitig für eine Aufnahme im Gewerbegebiet bereit – vielleicht war auch ich heute Morgen gar nicht sooo nett zum Scala. Im Hintergrund schaukelt gerade ein weiterer KT4D stadtauswärts. Wie wir an der Endschleife Termo Buclă feststellen mussten, lief dieser als 101 nur bis zur Zwischenschleife CLF. Damit war dann auch die Taktung und Linienführung auf der Außenstrecke geklärt.


So warteten wir dann eben rund eine halbe Stunde an der Endschleife Termo Buclă bis der nächste Kurs ganz hinaus fuhr. Mit den Fahrzeugen hatten wir derweil Glück heute, denn der KT4D 101 war dann frei von Graffiti und mit halbwegs hinnehmbarer Folierung wohl immerhin noch das zweitschönste KT4D-Exemplar.


Einmal durch die leicht verwilderten Reste der Wendeschleife, ist KT4D 101 bereit für die Rückfahrt in die Stadt.


In der langen Reihe rumänischer “Kombinatsstrecken” macht auch diese in Sachen Erhaltungszustand keine große Ausnahme. Dafür geht es angesichts der Bahntrasse rechts und der Schnellstraße links aber hübsch grün und bunt zu, als KT4D 101 die Haltestelle Pod Amaradia erreicht.


An der Zwischenschleife müsste dann ja gleich der halbe Gegenkurs enden. So kam dann auch direkt und zu unserer Freude der zumindest einseitig schöne T4DMT 212 des Weges und biegt in die Zwischenschleife ein. Das ständige Wenden auf der schnellstraßenartigen Piste wollte derweil auch gekonnt sein, denn der Gegenverkehr kann auch mal mit 100 Sachen angerast kommen und einen 40-Tonner bremst man auch lieber nicht aus… Weiter draußen ist dann sogar eine unüberwindbare Barriere in der Mitte und es muss immer semi-legal an Linksabbieger-Lücken in der Barriere gewendet werden. Geht aber alles und wird rumänientypisch auch nicht seltsam beäugt.


Bis zur Abfahrt war es dann noch einige Minuten hin, aber für eine Aufnahme von der Schokoladenseite lohnte sich das Warten allemal. T4DMT 212 bricht an der Zwischenschleife CLF Richtung Stadt auf.

Nach dieser “Landpartie” mit einigen rasanten Fahrmanövern zwecks maximierter Bildausbeute, war nun wohl oder übel noch der Part in der Stadt dran. Zumindest einige repräsentative Aufnahmen der brutalistischen Straßenbahnachse dürften dann auch irgendwie nicht fehlen, zumal noch immer die Wiener E1 auf ihre Würdigung warteten. Es ging also einmal mitten in die Stadt, wo wir das Auto unweit des Piata Centrala anlegten und einfach mal einige Meter entlang des “Straßenbahnbulevard” – der Calea București – durch die schon ordentlich aufgeheizte Stadt liefen. Mit dem vergleichsweise dichten Takt auf dieser Innenstadtachse durch die Linie 100, kamen wir auch wieder auf den Titel dieses Teils zurück, denn was hier so auf den Schienen rollt, ist schon wirklich ein Gruselkabinett. Über die sogenannte “Modernisierung” der KT4D und E1 hatte ich ja schon geschrieben. Aber als seien die Fahrzeuge dadurch nicht schon genug entstellt, treten sie inzwischen mit einer wilden Mischung aus abblätternder Folie, darunter hervorkommendem Rost und verschiedensten Graffiti-Schichten auf. Am Schlimmsten ist das dann bei den Fahrzeugen, wo auch noch alle Scheiben überklebt, respektive übersprayt sind. Dort sind die einstigen Silhouetten der Wagen dann praktisch vollständig verschleiert. In dieser Hinsicht hatten wir auf der Außenstrecke heute Vormittag wirklich noch Glück, dass die wenigen Fahrzeugen wenigstens aus gewisser Distanz oder von der richtigen Seite noch ganz gut aussahen.


Auf der 100 darf auch heute der Graffiti-geplagte T4DMT 209 rennen. Dabei täuscht die Leere der Straße hier mächtig. Es gilt: Entweder der Wagen hält irgendwo an der Haltestelle und legt dann zu einer Rotphase des von hinten kommenden Autoverkehrs ab, dann entstehen solche Aufnahmen. Oder der Wagen schwimmt mitten im tosenden Verkehr mit und man kann die Kamera fast herunternehmen. Die Gesamtstrecke der Linie 100 sieht derweil fast so aus wie hier. Nur der Mittelstreifen verschwindet irgendwann in beide Richtungen. Zwischendurch gibt es Richtung Craiovita noch eine interessante Hochstraßenkonstruktion, die sich aber mangels Fußweges praktisch nicht umsetzten lässt. Außer dem Beifahrer gelingt per Zufall ein Bild während der Autofahrt, was wir tatsächlich versuchten auf der Weiterfahrt nach Timisoara 😀


Es folgt der KT4DMT 212 von der Linie 102, den wir zwischenzeitlich längst überholt hatten. Da im Osten derzeit baubedingt ohnehin für alle Linien am Pasaj Electroputere Schluss ist, wurde das Linienschild für die nächste Runde schon mal auf 100 gewechselt.


Dann auch endlich mal einer der Wiener. Nicht dass die sich rar gemacht hätten, aber wir hatten sie irgendwie etwas umlaufen, zumal jedenfalls heute auch keiner auf der Außenstrecke zum Einsatz kam. E1 651 hinter der Haltestelle Piata Centrala Richtung Pasaj Electroputere. Zehn Wiener E1 von SGP erreichten 2005 Craiova. Sieben Fahrzeuge sind wohl noch vorhanden, von denen die vier Fahrzeuge 651, 652, 653 und 658 heute im Einsatz standen.


Neben den Bildern auf gut Glück vom breiten Fußweg am Rand des Boulevards, bieten sich natürlich auch Tele-Schüsse von den Haltestellenplattformen an. Nicht zu weit reinzoomen sollte man derweil auch bei E1 653. Was da alles wegblättert und -rostet an der “modernisierten” Front…


Der Halt an der Haltestelle Teatrul Național gab die Chance, wieder die Perspektive zu wechseln und beim Ablegen von der Haltestelle auf eine Lücke im Verkehr zu hoffen. Wo endet hier die Folie und wo fangen Rost und Graffiti an? Die Übergänge sind fließend…


Die “grüne” Perspektive über den Mittelstreifen und vor allem auch mit den interessanteren Bauwerken auf der Südseite der Calea București hatten wir heute Vormittag natürlich verpasst und für die Überlandbilder darauf verzichtet. Dann muss es eben bei nicht optimalem Licht gehen, dachte sich der Mitreisende. Gut, um die dunkle Seite des E1 653 ist es schonmal nicht schade 😀


Unfassbar langsam wühlen sich die Bahnen auf dem Boulevard von Haltestelle zu Haltestelle und über die Kreuzungen. Und dass, obwohl die Tram eigentlich über ihre eigene Spur verfügt und sich auch überraschend diszipliniert daran gehalten wird. Aber dass wir dem Dresdner eben von der Zwischenschleife CLF bis zum Piata Centrala ganze zehn Minuten abgenommen haben spricht wohl für sich. Hier treffen sich der E1 658 und der KT4D 109 auf der Calea București an der Haltestelle Piata Centrala.


Wenig später verlässt der E1 658 die Haltestelle Piata Centrala. Vielleicht der am übelsten zugerichtete Wiener den wir sahen.

Wir hatten es hier jetzt gesehen auf der Calea București. Eine große Streckenwanderung will man hier nun wirklich nicht starten 😀 Aber wir hatten ein paar repräsentative Aufnahmen im Kasten und wollten jetzt abschließend noch zur interessanten Endschleife im Kleeblatt der Pasaj Electroputere schauen. Der Name Electroputere ist natürlich insbesondere in der Bahnszene bekannt für mehrere Großserien an Diesel- und Elektrolokomotiven, die nicht nur in Rumänien große Verbreitung fanden, sondern auch in anderen Ländern des ehemaligen Ostblocks und sogar bis nach China. Ein Teil der dortigen Produktionsanlagen scheint wohl noch irgendetwas zu tun, zumindest das ehemalige Verwaltungsgebäude unweit der Straßenbahnschleife, direkt neben der derzeit nicht befahrenen Strecke, verwandelt sich derzeit aber eher in einen Lost Place. Der weitere Plan war nun also noch am östlichen Ende vorbeizuschauen und dann aufzubrechen. Wie wir so am McCafé vorbeikamen auf dem Weg zum Auto, brauchte es praktisch keine Worte und wir sahen uns bei Cappuccino und einem Stück Kuchen im Inneren wieder, bevor wir uns dann wirklich zur Pasaj Electroputere verschoben.


Ein ehemaliges Verwaltungsgebäude von Electroputere. Rechts auf der Straße verläuft die derzeit nicht betriebene Strecke. Im Hintergrund enden daher derzeit alle drei Linien im Kleeblatt der Pasaj Electroputere.


KT4D 101 ist von der Calea București in das Kleeblatt abgebogen und verliert nun an Höhe, um hinter der Endhaltestelle die Calea București zu unterqueren und auf der anderen Seite wieder aufzufahren. Das linke Gleis dient der Anbindung der derzeit nicht befahrenen Strecke ins Industriegebiet.


Auch die moderne Mall ist nach dem Schienenfahrzeughersteller benannt. KT4D 101 steht an der regulären End- und Starthaltestelle der Linie 100, die nun auch von den Linien 101 und 102 genutzt wird. Diese würden hier ansonsten von links kommen, bzw. dorthin abzweigen. 


Auf der anderen Seite der Pasaj Electroputere fährt der Wiener E1 652 kurz nach seinem Fahrtbeginn wieder auf die Calea București auf. Der einzige Wiener, der seine Ganzkörperfolierung wieder verloren zu haben scheint oder nie eine bekommen hatte. Die Lackierung schien jedenfalls noch einigermaßen frisch, auch wenn der Wagen schon wieder zu gesprayt wurde.


Es folgt KT4D 105 an fast identischer Stelle. So richtig scheint man die winzigen digitalen Zielanzeiger nicht zu nutzen, die nur in die KT4D eingebaut wurden. Einige zeigten zwar etwas an, alle Wagen fuhren aber zusätzlich mit dem althergebrachten, analogen Schild hinter der Frontscheibe.


Als wir uns schon von Craiova verabschiedeten, kam dann schon wieder der T4DMT 209 daher. Dieser ließ sich doch gut an der Abfahrt von der Calea București zur Endhaltestelle ablichten.


Auch bei diesem gilt: Nicht genauer hinsehen! Einfach nur siffig und abgerockt zeigt sich der Wagen insbesondere bei der Heckansicht mit dem riesigen, zugespachtelten Loch. Das ist schon gesteigert verwahrlost und ein würdiger Abschluss des Guselkabinetts.


Auch die T4DMT “dürfen” nun schon wieder 15 Jahre durch Craiova rollen, ohne dass je etwas an den Wagen getan worden zu sein scheint. Man sieht es ihnen doch ein wenig an…

Das war es dann aber wirklich mit Craiova. Ein Fazit zu ziehen bei diesem letzten mir nach Ploieşti noch fehlenden Betrieb Rumäniens fällt ein wenig schwer. Einerseits hat mich der Besuch aus fotografischer Sicht sehr positiv überrascht dank der Fahrzeugvielfalt einerseits – mit den Dresdnern hatten wir nicht mehr so ganz gerechnet – vor allem aber der Überlandstrecke, mit deren Betrieb wir ebenfalls nicht mehr so wirklich gerechnet hatten. Das nun die Strecke zu Ford nicht lief – geschenkt. Etwas entsetzt waren wir hingegen was den Zustand des Betriebes an sich angeht: Die Einstellung der Überlandstrecke zumindest ab der Zwischenschleife CLF könnte vielleicht nur noch eine Frage der Zeit sein, denn hinter dem Gewerbegebiet und der Zwischenschleife kommt dann bis Termo Bucla wirklich überhaupt nichts mehr und die Sanierung dieses abgerockten Streckenabschnittes scheint angesichts des nicht vorhandenen Fahrgastpotenzials mehr als fragwürdig. Wirklich erschrocken waren wir aber über den Zustand der Fahrzeuge: Die sogenannte “Modernisierung” oder auch nur Auffrischung der KT4D und E1 mit dem ersten Sanierungsschritt 2015 verdient wirklich ihren Namen nicht. Die Substanz der Fahrzeuge ist einfach nur erschreckend und auch das äußere Erscheinungsbild mehr als nur kläglich. Klar, die Fahrzeuge haben ihre Lebenserwartung längst überschritten und in Rumänien rechnet man ja auch mit etwas runtergewirtschafteten Straßenbahnen und auch in anderen Städten ist die Substanz der Altfahrzeuge eher schlecht. Anderswo wird sich aber wenigstens etwas Mühe gegeben und die Betriebe scheinen auch etwas Engagement zumindest in das Erscheinungsbild der Fahrzeuge zu stecken. Aber irgendwie wirkten die Karren hier einfach nur ranzig und verwahrlost. Man hatte einfach so gar keine Lust da einzusteigen und eine Runde mitzufahren. So verließen wir Craiova in dieser Hinsicht mit gemischten Eindrücken Richtung Timisoara. Würde derzeit nicht der südöstliche Streckenteil saniert und 17 neue Niederflurwagen beim ukrainischen Hersteller Tatra-Juk bestellt sein, man würde sich über die Zukunft schon noch ein wenig Sorgen machen, wenn auch nicht in dem Ausmaß wie in Brăila. So aber scheint die Zukunft wohl gesichert, wenn ich auch keinen Kenntnisstand darüber habe, was denn jetzt angesichts des Angriffskrieges in der Ukraine seit Februar aus der Bestellung der Niederflurwagen geworden ist.

Im nächsten Teil erreichen wir dann gegen Abend mit Timisoara den ersten der drei westrumänischen Betriebe, wo wir – Überraschung – noch bis Morgen Mittag verweilen, bevor es weiter nach Arad geht.

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