Über den Monatswechsel August/September ging es für Tobi und mich für etwas über eine Woche zu den drei Straßenbahnbetrieben Norwegens in Bergen, Oslo und Trondheim. Am meisten reizte natürlich “unserem” Typ Braunschweig in Trondheim zum Ende der Reise endlich einmal einen Besuch abzustatten, aber auch Bergen und Oslo sollten nicht vernachlässigt werden.
Dieser Reisebericht wird erstmals ein wenig ein Gemischtwarenladen aus Aufnahmen und Texten von Jonas und mir. In Oslo und Trondheim trennten sich unsere Wege die meiste Zeit und so hat jeder ein bisschen anderes beizutragen. Insbesondere in Bergen und Oslo werden von mir einige Auszüge abseits der Straßenbahngleise ergänzt werden. Jonas wird ansonsten den Hauptteil der Berichte aus seiner Sicht schreiben, wobei wir uns wohl immer wieder gegenseitig ein wenig hineinpfuschen werden, ich aber im Wesentlichen nur hier und dort Aufnahmen oder Passagen aus meiner Sicht einstreuen werde. Um nicht für allzu große Verwirrung bei der Erzählperspektive zu sorgen, steht jeweil vorangestellt, wer gerade schreibt.
Prolog
[Jonas]: Mein Urlaubskalender war für den Sommer 2025 eigentlich schon fast restlos ausgebucht. In diesem Jahr war mir, bedingt durch das Studium, wiedermal nur das halbe Jahr ab August zum Reisen geblieben. Eine Ausnahme bildete nur der kurze Ausflug nach Sofia. Durch diese Einschränkung in der Reisezeit hatte ich im August und September mit der Polentour und dem Griechenlandurlaub bereits zwei etwas größere Reisen dicht hintereinander gebucht. Dazwischen blieben gerade mal etwas über zwei Wochen, um mich zuhause etwas auszuruhen und sozusagen vom Urlaub zu “erholen”. Doch spät im Frühjahr meldete sich dann Tobi und fragte mal nach, wie ich zu einer gemeinsamen Reise stehen würde. Eigentlich hatte Tobi geplant, mit Johannes eine gemeinsame Tour zu unternehmen. Die Planungen wurden dann aber aus familiären Gründen frühzeitig abgebrochen. So fragte Tobi dann mal bei mir an, ob Interesse an einer gemeinsamen Reise bestünde und warf ein paar potenzielle Ziele in den Raum. Generell war ich dem nicht abgeneigt. Urlaub hatte ich noch reichlich über und zu viel Urlaub konnte es schließlich auch nicht geben.
Es stellten sich nur zwei entscheidende Fragen: Einerseits das “wann?”, andererseits das “wohin?”. Im Raum standen Nordspanien, Süditalien und Norwegen. Je nachdem, wo es letztendlich hingehen sollte, würde natürlich auch die Reisezeit variieren. Nordspanien geht im Grunde das ganze Jahr, schließlich ist dort nördlich des Kantabrischen Gebirges immer schlechtes Wetter, die Temperaturen dafür aber auch im Hochsommer sehr erträglich. Süditalien braucht man zwischen April und Oktober nicht wirklich machen, möchte man nicht in der Hitze dahinschmelzen, was mir in diesem Jahr mit den fünf Tagen in Sofia schon gereicht hatte.
Tobi war allen Reisezielen aufgeschlossen gegenüber, er hatte schließlich die Vorschläge geliefert und überließ mir die Wahl. Nach einiger Überlegung fiel meine Entscheidung auf Norwegen. Zwar stand Norwegen als Reiseziel auch aufgrund des hohen Preisniveaus nicht ganz oben auf meiner Liste, irgendwie hatte ich aber schon Lust auf eine solche Reise. Und zu zweit halbieren sich ja viele Preise auch. Damit blieb jetzt noch die Frage der Reisezeit. In Norwegen ist das mit dem Wetter ja bekanntlich ohnehin ein schwieriges Thema. Je später im Jahr wir diese Reise machen würden, desto kürzer und unbrauchbarer würden Tage und Sonnenstände für Straßenbahnbilder. Später als September sollte es eigentlich nicht werden. Problem war nur, dass dort bereits meine fast zweiwöchige Reise nach Athen und Kreta anstand. Also im August geguckt, aber auch da war mit der Polentour wenig Platz. Letztendlich fiel die Wahl auf Ende August bis Anfang September. Die Reiselänge war schnell herausgearbeitet. Wir wollten überall genug Zeit haben, um auch mal mit hoher Wahrscheinlichkeit auftretende Regentage aussitzen zu können. So entschieden wir uns für jeweils drei Tage in Bergen und Trondheim. Dazu kamen 1½ Tage Aufenthalt in Oslo. Tobi war dort zwar 2023 schon intensiv gewesen, für mich war aber auch der Hauptstadtbetrieb noch Neuland, weshalb ich dort einen 1½-tägigen Aufenthalt heraushandelte. [Anmerkung Tobias] “Heraushandeln” ist ein großes Wort, der Vorschlag, den Nachtzug nach Trondheim zu nehmen, um mehr als einen halben Tag in Oslo zu gewinnen, kam schließlich von mir ;-)[/Tobias]
Ich wollte die Chance für ein paar Bilder dort nutzen, wenn ich schon Mal in Norwegen war und die Möglichkeit hatte auf einen Schlag gleich alle drei Betriebe des Landes zu erkunden. Festgezurrt wurde die Reise auf den 30. August bis 6. September. Somit wurde der Urlaub gewissermaßen zwischen meine beiden bereits feststehenden Urlaube gequetscht. Dementsprechend würde ich bereits drei Tage nach dem Ende des Polenurlaubs nach Norwegen starten und nur etwas über eine Woche vor Beginn des Griechenlandurlaubs wieder da sein. Sportlich, aber auch nicht unmöglich, war ja schließlich nur Urlaub.
Reisezeit und Reiseziel hatten wir damit von der Checkliste abgehakt. Blieb nur noch die detaillierte Planung des Urlaubs. Geplant war der Hinflug via Amsterdam nach Bergen. Von dort wollten wir mittels zweier Zugfahrten zunächst nach Oslo und im Anschluss nach Trondheim wechseln. Zurück würde es dann von Trondheim erneut via Amsterdam mit dem Flugzeug gehen. Die Buchung der Tickets und Hotelbuchungen, sowie die zeitliche Planung der Verbindungen übernahm Tobi, nachdem die generellen Fragen geklärt waren.[/Jonas]
[Tobias]: Flüge ab Hannover boten sich am ehesten mit der KLM über deren Drehkreuz in Amsterdam an, besonders da von dort auch Trondheim direkt angeflogen wird und die Umsteigezeiten perfekt waren. Der Hinflug sollte um 06.00 Uhr in Hannover starten und mit Umstieg in Amsterdam um 10:00 Uhr in Bergen landen. Direktflüge aus Hannover nach Norwegen gibt es nicht. Der Rückflug aus Trondheim sollte um 17 Uhr starten und mit Umstieg in Amsterdam würden wir ca. um 21:30 Uhr in Hannover landen. Die Preise beliefen sich für Hin- und Rückflug auf insgesamt rund 370€ pro Person. Die Zugverbindung Bergen-Oslo über die Bergenbahn, sicher eine der schönsten Bahnstrecken der Welt, wollte ich bei Tag genießen, sodass uns für diesen Transfer ein halber Fototag “verloren” gehen würde. Von Oslo nach Trondheim schlug ich dann wie erwähnt den Nachtzug vor. Einerseits würden wir für Jonas einen zusätzlichen halben Tag in Oslo gewinnen, andererseits würden wir uns gleichzeitig eine Übernachtung sparen. Durch das frühzeitige Buchen waren sowohl die Bergenbahn, als auch der Nachtzug quasi geschenkt und kosteten insgesamt nur 120€ pro Person.
Einen Tag vor Reiseantritt kam dann am Freitagmorgen noch eine Änderung des Hinfluges reingeflattert: Die Flugverbindung von Hannover nach Amsterdam wurde anscheinend kurzfristig gestrichen, zumindest ergab ein Check der Abflüge Hannover, dass der Flug tatsächlich nicht mehr existierte und wir nicht etwa wegen Überbuchung aus der Maschine geschmissen worden waren. Glücklicherweise wurden wir dank Star Alliance unkompliziert auf die Lufthansa via Frankfurt umgebucht. Das wäre dann wieder die Altbekannte 6.00 Uhr-Maschine ab Hannover. Dadurch hatten sich natürlich auch unsere eigentlich gebuchten Sitzplatzreservierungen erübrigt, wenigstens war aber in beiden Maschinen noch Platz. Wir mussten nur eine Stunde früher los, würden zum Dank fast vier Stunden in Frankfurt rumhängen und fast drei Stunden später als geplant um 12.45 Uhr in Bergen ankommen. Betonung auf “fast drei Stunden”, denn ab drei Stunden ziehen dann die Fluggastrechte und man bekommt einiges an Kohle zurück. So erlebt 2024 nach Catania, als ich auch schon einmal ewig in Frankfurt herumhing, zum Dank aber sogar mehr Erstattung bekam, als der Flug überhaupt gekostet hatte – es waren eben über drei Stunden gewesen. Wirklich schlimm war das alles nicht, hätte aber nicht sein müssen. Irgendwie häuft sich das bei mir in den letzten Jahren extrem mit den kurzfristig abweichenden Flugzeiten und Routen. Abgesehen von dieser Änderung, blieb bis zum Antritt der Reise aber alles wie geplant.
Blieb nurmehr die Buchung der Hotels übrig. Mit der noch recht jungen Citybox-Kette hatte ich sowohl in Antwerpen, als auch in Oslo bislang nur gute Erfahrungen gemacht. Der Zwitter aus Hotel und Hostel hatte auch in Bergen zwei Standorte, einen davon mitten im Zentrum an der Grieghallen. Die Citybox in Oslo in der Prinsens gate kannte ich noch aus 2023. In beiden waren dank des langen Vorlaufs von mehreren Monaten noch Zweibettzimmer zu für Norwegen sehr günstigen Konditionen zu haben.
In Trondheim sah das schon ganz anders aus. Die Citybox hat dort keinen Standort und alle Hotels waren zu bezahlbaren Preisen quasi schon ausgebucht. Nur noch zu absurd hohen Preisen waren letzte Restkontingente in den üblichen Ketten oder Upper Class Hotels verfügbar. Irgendwas schien dort in der Zeit stattzufinden, auch wenn ich vorerst nicht herausfand, was es war. Ich schaute etwas entlang der Bahnlinien außerhalb von Trondheim, später noch entlang der großen Ausfallachsen, die wenigstens von Buslinien noch einigermaßen häufig und bis spät in den Abend bedient werden. Letztlich fand ich eine kleine Hütte etwa mittig zwischen Trondheim und dem Flughafen, 17km östlich vom Stadtzentrum. Der 70er-Bus fährt dort bis spät in die Nacht einen 30min Takt entlang der Dörfer des Trondheimfjord. Der braucht zwar ein paar Minuten bis ins Zentrum, dass sollte aber nicht wirklich stören. Damit zurück zu Jonas.[/Tobias]
[Jonas] Straßenbahntechnisch hat Norwegen nicht mehr übermäßig viel Spannung zu bieten. In Bergen wird die moderne Bybanen seit jeher komplett mit Variobahnen bedient. Abwechslung bringt da vor allem die kurze historische Linie, die am Rand der Innenstadt von Bergen verkehrt. Oslo hat nach der vollständigen Auslieferung der neuen CAF Urbos 100 seit kurzem auch nur noch einen Wagentyp zu bieten. Was die Fahrzeuge angeht ist da Trondheim, speziell für uns, sicherlich am Interessantesten. Auch hier verkehrt zwar nur ein Wagentyp, allerdings “unser” Typ Braunschweig von LHB. Der einzige Betrieb neben Braunschweig, der diesen Fahrzeugtyp beschaffte. Und nachdem im November 2024 in der Löwenstadt der letzte “Typ Braunschweig” abgestellt wurde, muss man heute bis nach Trondheim reisen, um diesen noch einmal erleben und etwas in Erinnerungen schwelgen zu können.
Aber auch abseits der Straßenbahn hat Norwegen natürlich einiges zu bieten. Zwar würde bei einer reinen Städtetour nicht wirklich viel Zeit für die malerische bis spektakuläre Landschaft Norwegens bleiben. Zumindest auf der Fahrt mit der Bergenbahn von Bergen nach Oslo sollte sich uns die Möglichkeit bieten, einen kleinen Eindruck Norwegens abseits der Städte zu bekommen. Aber auch die Städte Bergen, Oslo und Trondheim sind abseits der Straßenbahn durchaus sehenswert.[/Jonas]
Samstag, 30 August 2025: Erste Sonnenbilder in Bergen
[Jonas]Der Plan sah einen Aufbruch um 03:45 Uhr in Richtung Flughafen vor. Tobi wollte mich bei mir zuhause aufsammeln und dann würden wir gemeinsam in Richtung Flughafen starten. Wirklich viel Zeit zwischen Aufstehen und abgeholt werden brauchte ich auch gar nicht. Vorsorglich schob ich mir ein wenig Müsli rein, um auf der Hinreise nicht zu viel Hunger mit herumzuschleppen. Dann wurden die letzten Sachen zusammengeschmissen und schon war Tobi da.
Der Weg zum Flughafen lief erwartungsgemäß ruhig ab. Am Flughafen hatten wir zuvor bereits einen Parkplatz auf dem P10 gebucht. Ein altbekannter Parkplatz, der schon für die Reise nach Sofia gewählt wurde und auch nochmals für die Reise nach Griechenland als Stellplatz herhalten würde. Billigste Kategorie mit Stellplatz ohne Überdachung und Shuttle-Service zum Terminal. Dem Auto war der Stellplatz im Freien relativ egal, steht es doch sowieso immer ohne Überdachung. Der Shuttle-Service wurde da schon zum größeren Problem. An der Haltestelle stand etwas von Fahrten alle 10-15 Minuten. Als nach 25 Minuten immer noch nichts gekommen war, wurden wir zunehmens etwas unruhig. So langsam aber sicher lief uns auch die Zeit weg und da nicht wirklich planbar war, ob der Shuttle-Service noch kommen würde, entschieden wir uns dafür, den Weg zu Fuß zu laufen. Wirklich weit war das nicht, einzig die nicht wirklich vorhandene Anbindung von Fußwegen zum Terminal war beim Überqueren der Straßen etwas nervig. Letztlich waren wir trotzdem innerhalb von zehn Minuten am Flughafen und brauchten weitere fünf Minuten, um im Flughafen selbst zum Abflugterminal zu gelangen. Noch waren wir sogar zu früh dran, denn der Schalter für die Gepäckabgabe hatte noch gar nicht geöffnet und es hatte sich schon jetzt eine lange Schlange gebildet.
Mit uns beim P10 hatte eine Frau ebenfalls auf den Shuttle-Service gewartet und noch ein wenig länger an der Station ausgeharrt, in der Hoffnung auf einen balidgen Service. Die beschwerte sich jedenfalls unablässig über diesen Nicht-Service und versuchte irgendwelche Nummern anzurufen, um die Beschwerde auch noch dem Flughafen mitteilen zu können. Der Shuttle war dann doch gekommen, kurz nachdem wir zu Fuß losgelaufen waren, und so tauchte die Frau kurz nach uns im Terminal auf und stand dann wieder mit uns in der Schlange des Gepäck-Schalters. Richtiger Alman-Move, dass sie sogleich eine Beschwerde-Mail aufsetzte, um noch irgendwie eine Entschädigung rauszuschlagen und gar nicht aufhören konnte sich über die kleine Planabweichung zu echauffieren. Wir nahmen das Ganze einfach mit einem Schmunzeln zu Kenntnis. Wir sahen auch nicht die Notwendigkeit, unsere Energie für so etwas zu verschwenden. Hatte ja auch so alles noch problemlos geklappt.
Als der Schalter irgendwann öffnete, ging es etwas zäh, aber zumindest konstant voran und kurze Zeit später hatten wir es sowohl durch die Schlange des Schalters als auch durch den Sicherheitscheck geschafft, wobei Tobis Rucksack aufgrund des Drohne-Equipment einem sehr genauen Check unterzogen und mehr oder weniger komplett entpackt wurde. Wo denn die Drohne sei? Im Koffer! Und die Akkus? Im Rucksack – wie es sich gehört. Passte alles. Danke und weiter.
Einige Zeit dauerte es noch, dann hatten wir auch das Boarding überwunden und saßen im Flugzeug auf unseren Plätzen. Der Flug nach Frankfurt war gefühlt schneller vorbei, als er angefangen hatte und schon standen wir nach einigem Fußweg in Frankfurt fürs nächste Boarding bereit, wobei die durch die Routenänderung bedingte Wartezeit jetzt natürlich etwas zäh wurde. Auch der Flug von Frankfurt nach Bergen verlief unspektakulär und ich vertrieb mir die Zeit ein wenig mit Serie gucken und Podcast hören. Dann waren wir auch schon sicher in Bergen gelandet und sogleich begrüßte uns das typische Norwegenwetter. Trist, ein wenig am Nieseln und zumindest durch den Sommer bedingt, moderate Temperaturen. Eine halbe Ewigkeit dauerte es in der Folge am Flughafen Bergen von der Parkposition zum Gepäckband zu kommen, um dort unsere Koffer wieder aufzusammeln. Dabei war der Flughafen von Bergen wahrlich nicht der Größte, den ich je gesehen hätte. Trotzdem schafften es auf dem langen Weg jede Menge Gänge, Rolltreppen und Türen zwischen Gate und Gepäckband. Am Gepäckband selbst angekommen, mussten wir mit Ernüchterung feststellen, dass wir uns noch deutlich mehr Zeit für den Weg hätten lassen können. Auf der Anzeige über dem Rollband wurde noch ein anderer Flug angezeigt und einige herrenlose Gepäckstücke drehten unermüdlich ihre Kreise, ohne davon erlöst zu werden. Eine Viertelstunde konnten wir uns an diesem Anblick erfreuen. Dann hatte es zumindest endlich unser Flug auf Position 1 auf dem Bildschirm über dem Rollband geschafft und kurze Zeit später kamen auch vereinzelt erst Koffer unseres Fluges auf das Rollband gefahren. Warum das aber so lange dauerte und auch immer nur vereinzelt Koffer ankamen, blieb ein Rätsel. Ob die Koffer alle einzeln per Hand zum Gepäckband gebracht werden mussten? Dann endlich nach einer halben Stunde erblickten wir den ersten eigenen Koffer, der andere folgte kurz darauf. Das war schonmal ziemlich mühsam gewesen. Egal, draußen lief uns bei diesem Wetter nichts weg.
Nächster Tagespunkt. Die gerade erst wiedererhaltenden Koffer direkt wieder loswerden. Die Koffer sollte man schon irgendwie in der Citybox unterbringen können, wenn auch das Zimmer noch nicht fertig sein sollte. Dafür mussten wir vom Flughafen erstmal in die Innenstadt zur Citybox gelangen. Gut, dass es dort die direkte Verbindung der Bybanen gibt. Auf Anraten von Tobi hatte ich mir schon vor Reiseantritt die Skyss-App heruntergeladen, über die man an ein Ticket für die Stadtbahn von Bergen gelangt. Es gab wohl auch Ticketautomaten direkt an den Haltestellen, anscheinend sogar mit Kreditkarte als Ticketträger, aber so ging es doch einfacher und nachvollziehbarer. So konnten wir einfach direkt zur Haltestelle Lufthavn der Bybanen laufen und ohne weiter drüber nachzudenken einsteigen. So stellt man sich das doch vor.
Bevor es weitergehen soll mit der Reise vom Flughafen in die Innenstadt von Bergen hier kurz ein kleiner Rundumschlag zum Bergener Betrieb:
Genau genommen handelt es sich bei der Straßenbahn von Bergen um die heutige Stadtbahn “Bybanen”. Die erste Straßenbahn von Bergen wurde 1897 eröffnet und 1965 zu Gunsten des MIV, des O-Bus und zunehmend auch des Dieselbusses aufgegeben. Die Fahrzeuge wurden, wie damals üblich, im Byfjord bei Florvåg versenkt. Lediglich ein Fahrzeug blieb erhalten. Vom damaligen Netz existiert heute nur noch das neuaufgebaute Stück, das von der Museumsstraßenbahn bedient wird.
Der Fahrbetrieb vom durch jahrelangen Einsatz erhaltenen gebliebenen Depot Møhlenpris wurde 1994 zunächst auf einem kurzen, vom Depot ausgehenden Reststück, aufgenommen. Im Zuge ohnehin anstehender Straßensanierungen wurde die Strecke, dem Verauf der 1950 eingestellten Linie 3 folgend, 2021 bis Muséplassen und 2022 über Johanneskirken bis ins Stadtzentrum bei Engen vor dem Theater verlängert. Im August 2022 wurde die Strecke erstmals wieder bis Engen befahren.
Als einziges Fahrzeug der damaligen Straßenbahn existiert heute noch der Wagen 10 mit Baujahr 1897, der von der Versenkung im Fjord verschont blieb. Zudem gibt es den ehemaligen Osloer Wagen 74, der in das Bergener Farbschema versetzt wurde und die Nummer 47 erhielt.
1996 wurden drei Reko-Triebwagen sowie zwei Reko-Beiwagen aus Berlin beschafft. Von den Triebwagen 60 bis 62 stand bei unserem Besuch der Wagen 61 in Betrieb. Die Beiwagen können auf der Strecke ohne Umsetzmöglichkeit im Moment nicht eingesetzt werden. Die Museumsstrecke wird in den Sommermonaten am Wochenende zwischen 12 Uhr und 16 Uhr in einem Halbstundentakt mit einem Wagen bedient. Da es auf der gesamten Strecke keine Ausweiche gibt, ist ein dichterer Takt mit mehreren Fahrzeugen nicht möglich.
Die heute vorhandene Stadtbahn wurde im Jahr 2010 eröffnet. Zum damaligen Zeitpunkt belief sich das Streckennetz zunächst auf eine Linie mit 9,8 Kilometern Länge von der Innenstadt in den Vorort Nesttun. In den Jahren 2011 bis 2017 wurde die Linie 1 etappenweise bis zum Flughafen verlängert und weist inzwischen eine Länge von knapp 20 Kilometern auf. Dazu kam als neueste Ergänzung des Netzes im Jahr 2022 die Linie 2 hinzu, die mit einer Streckenlänge von 11,2 Kilometern das Netz vergrößert und nach Fyllingsdalen terminal führt.
Für den ersten Streckenabschnitt wurden in den Jahren 2009 bis 2013 zunächst 20 fünfteilige Fahrzeuge des Typs Variobahn beim Hersteller Stadler bestellt. Mit der Verlängerung zum Flughafen folgten 2015 bis 2016 weitere acht Fahrzeuge des gleichen Typs, allerdings in siebenteilig. 2017 wurden die erstbestellten 20 Fahrzeuge im Zuge einer schon bei Auslieferung als Option festgelegten Verlängerung ebenfalls auf sieben Teile erweitert, sodass die Fahrzeuge inzwischen alle die gleiche Länge aufweisen und baugleich sind. Zu Unterscheiden sind die verlängerten Fahrzeuge nur noch an der Fahrzeugnummer, sowie den Herstellerplaketten im Innenraum. Für die Inbetriebnahme der Linie 2 folgten 2020 bis 2022 weitere sechs siebenteilige Variobahnen, sodass der Wagenpark inzwischen 34 Fahrzeuge umfasst. Die Wagen tragen die Nummern 201 bis 234.
Damit zurück zum Tagesgeschehen: Wir hatten uns also einen Platz in der Bahn gesucht und konnte uns jetzt auf eine etwas längere Fahrt in Richtung Innenstadt einstellen. Für die knapp 20 Kilometer in die Innenstadt braucht die Bahn ungefähr 45 Minuten. Da es sich aber eher um eine Stadtbahn mit weitgehend besonderem Bahnkörper handelt, waren zumindest die Haltestellenabstände relativ groß und auch die gefahrenen Geschwindigkeiten nicht mit einer herkömmlichen Straßenbahn zu vergleichen. Die Strecke verläuft, abgesehen von einigen Abschnitten nahe der Innenstadt, konstant auf eigenem Bahnkörper mit Vorrangschaltungen, sodass der Individualverkehr keinen zeitraubenden Faktor darstellt. Was für mich aber am erstaunlichsten war, war der Komfort in der Bahn während der Fahrt. Die von Stadler gebauten Variobahnen sind bekanntlich nicht für ihren Fahrkomfort berühmt und haben gerade bei Kurvenfahrten durch die Multigelenk-Bauweise mit starren Fahrwerksmodulen durchaus ihre Probleme. Davon war bei dieser Fahrt über die komplette Strecke nichts zu merken. Das liegt nicht an den Fahrzeugen selbst, sondern an der excellenten Trassierung der Strecke. Die Trassierung durch den hügeligen und felsigen Großraum Bergens ist kompromisslos, mit zahlreichen, teils langen und tiefen Tunnels, unzähligen Brücken und großzügigen Radien. Man hatte schon das Gefühl, Geld hat hier nicht die größte Rolle gespielt. Selten erlebt man einen derart effizienten und komfortablen Neubaubetrieb. Selbst die eigentlich als Kurvenfräsen berüchtigten Variobahnen laufen dank herausragendem Gleisbaus und Unterhaltes elegant, wie vielerorts nichtmal klassische Drehgestellfahrzeuge.
Nach knapp 40 Minuten hatten wir die Station Nygård erreicht, die am nächsten zur Citybox liegt. Die Fahrt über hatte ich mir schon ein wenig die Umgebung angeguckt, die draußen an der Bahn vorbeizog, wobei auch immer wieder die Augen durch die aufkommende Müdigkeit zufielen. Trotzdem bekam ich große Teile von der Strecke mit. Da würde sicherlich einiges gehen in den nächsten drei Tagen.
Jetzt ging es erstmal zur Citybox. Wie bereits von Tobis Reise nach Oslo bekannt, funktionierte der Check-In in der Citybox ohne jegliches Personal an einem Check-In-Schalter vor dem eigentlichen Eingang in die Citybox. Wir waren uns nicht ganz sicher, ob wir jetzt überhaupt schon ins Zimmer einchecken könnten, zumindest das Gepäck wollten wir aber loswerden. Also einfach mal an den Schalter gestellt und geguckt, was so passieren würde, wenn wir dort den Code für unsere Buchung eingeben würden. Ohne irgendwelches Murren nahm der Schalter die Buchung an und schmiss nach erfolgreicher Zahlung auch sogleich eine Zimmerkarte aus. Schlau gelöst war auch die Option, sich für den zweiten Gast eine weitere Karte ausstellen zu lassen, was wir sogleich in Anspruch nahmen. Das Zimmer schien also schon fertig zu sein und so gingen wir gleich mal auf die Suche. Ganz am Ende des Flures unserer Etage wurden wir fündig und tatsächlich öffnete sich die Tür zum bezugsfertigen Zimmer. Das nutzen wir direkt, um einerseits unnötiges Gepäck loszuwerden und andererseits eine kurze Pause einzulegen.
Wirklich lange hielt es aber keiner von uns beiden auf dem Zimmer aus. Das Wetter draußen lachte einen zwar nicht wirklich an, für Bergen-Verhältnisse war es aber eigentlich ganz gut und so wollten wir die ersten Bilder des Tages umsetzen. Es war inzwischen fast 15 Uhr und so würde uns noch knapp eine Stunde bis zur letzten Abfahrt der Museumsstraßenbahn bleiben. Von der Citybox war die Strecke fußläufig erreichbar und so gingen es durch einige Gassen bis zur Station Muséplassen der Museumslinie.

Schon nach kurzer Wartezeit kam Wagen 61 um die Ecke nahe der Station Muséplassen gefahren. Gewohnt unsouverän sah das Herumrucken des Reko-Wagens um die enge Kurve aus. Der ehemalige Berliner 223 003-1 wurde hier in die historische Bergener Lackierung versetzt und erhielt die heutige Nummer 61. Kurz nach der Kurve erreichte der Wagen die Haltestelle Muséplassen.

Da der Wagen nur wenige Meter später an der Haltestelle Muséplassen anhalten musste, blieb uns genügend Zeit, um einige Meter hinterher zu laufen und einen Nachschuss auf dem Platz vor dem Historisk Museum umzusetzen. Die Fahne rechts neben dem Wagen stellt die Haltestellenmarkierung dar, die bei jeder ersten und letzten Fahrt des Tages jeweils aufgestellt und abgebaut wird.
Lange dauerte es nicht, bis das Fahrzeug von der Endstation Engen zurückkehrte. Genau genommen dauert es bei der nur etwa 1,5 km langen Strecke nie lange, bis einem der Wagen wieder begegnet. Wir standen auf den Stufen zum Eingang des Museums, um den Wagen auf seinem Rückweg in Richtung Møhlenpris quer ab festzuhalten. Dadurch kommt der Fløyen samt dort hinaufführender Standseilbahn ins Motiv.

[Tobias]Hinter uns der Eingang ins Naturhistorische Museum, dass trotz in Norwegen bereits nahender Off-Season noch recht gut frequentiert wirkte.[/Tobias]
Für die nächste Runde des Wagens wollten wir uns nun einem anderen Teil der Strecke widmen. Die Station Muséplassen befindet sich im Prinzip genau in der Mitte der Strecke, sodass uns von hier die freie Wahl blieb, in welche Richtung wir uns bewegen wollten. Wir entschieden uns, weiter in Richtung Engen zu laufen. So blieb noch ein wenig mehr Zeit, ein passendes Motiv zu finden, da wir vor dem Wagen wegliefen. Wirklich weit mussten wir nicht gehen, bevor uns schon das nächste Motiv ins Auge sprang. Entlang der kurzen Strecke durch die Innenstadt wimmelte es nur so vor Motiven, sodass wir bereits an der Station Johanneskirken fündig wurden. Die für die Station namensgebende Kirche war leider komplett eingerüstet und gab kein Motiv her. In die andere Richtung ergab sich dafür etwas. Das war jedoch eher ein Motiv für die Rückfahrt des Wagens in Richtung Møhlenpris. Weniger Meter weiter ergab sich dann auch für die Fahrt in Richtung Engen ein passendes Motiv. Die Strecke fällt hier Richtung Stadtzentrum ab, während eine parallele Straße eben verläuft und so einen erhöhten Standpunkt für einen Blick hinab in die Gasse mit der Straßenbahn bot.

Während des kurzen Weges zum nächsten Motiv schweifte der Blick etwas abseits der Straßenbahn über Bergen. Bei diesem Anblick wird die Stadt ihrem Namen in jedem Fall gerecht. Zwischen jeder Menge Bergen gelegen, ist auch die Stadt selbst relativ hügelig und teilweise deutlich in die Hänge der umliegenden Berge gebaut.

Zunächst fiel der Blick von unserem erhöhten Standpunkt in Richtung der Haltestelle Johanneskirken. Wagen 61 verschwindet gerade in der tiefen Häuserschlucht. Schön zu sehen ist auf diesem Bild die farbenfrohe Gestaltung der Häuser, bei denen gerne mal alle Häuser einer Reihe unterschiedliche Farben haben.

90 Grad nach links gedreht, fällt der Blick auf die Gasse an deren Ende sich schon fast die Endstation Engen befindet. Wagen 61 hatte sich soeben durch die enge Kurve gequält und fährt nun mit zunehmendem Tempo die gerade Straße entlang. Aus dem Eckhaus, welches der Wagen gerade passierte, tönte durchgehend laute Musik und immer wieder hingen Jugendliche aus dem Fenster. Die nicht ganz so dunklen Sommermonate müssen schließlich gefeiert werden.
Wir bewegten uns zu unserem für die Rückfahrt vorgemerkten Motiv zurück, an dem zehn Minuten später auch Wagen 61 wieder ankam. Auch hier weht rechts die Fahne, die auf die Haltestelle Johanneskirken aufmerksam macht. Nachdem sich der Wagen die nicht unerhebliche Steigung heraufgekämpft hatte, gab es eine kurze Pause an der Station, obwohl niemand zu- oder ausstieg.
Die vorletzte Runde der Museumsstraßenbahn mit Abfahrt um 15:30 Uhr ab Møhlenpris, war nun in beiden Richtungen im Kasten. Eine letzte Abfahrt um 16 Uhr sollte noch folgen, bevor es das auch schon wieder gewesen sein sollte mit der historischen Linie am heutigen Tag. Diese Chance wollten wir nutzen und zwei letzte Bilder des Wagens umsetzen. Zunächst hatte uns nun aber der Hunger überkommen, seit einem Frühstück am Morgen im Frankfurter Flughafen hatte es nichts mehr gegeben. Also zum nächsten Laden, um sich mit etwas zu essen einzudecken für die nächsten Stunden des Tages. In Norwegen ist das in den Städten meistens denkbar einfach. Es gibt an fast jeder Ecke einen 7-Eleven oder einen Narvesen. Worin der Unterschied im Sortiment zwischen den beiden Ketten liegt, blieb mir etwas schleierhaft, das Angebot war in beiden Läden meist ziemlich ähnlich. So befand sich auch in diesem Fall wenige Meter entfernt von der Endstation Engen eine 7-Eleven Filiale. Diese erreichten wir nach wenigen Minuten, in denen wir dem weiteren Streckenverlauf bis zur Endstation folgten. Schnell ein Stück Pizza und einen Kaffee gezogen, schon konnte es mit dem Fotografieren weitergehen. Einige Zeit dauerte es noch, dann rumpelte der Wagen die lange Gerade entlang in Richtung Engen.

[Tobias]Wir stehen am anderen Ende der Geraden durch die abfallende Magnus Barfots gate, durch die der Rekowagen gleich das Streckenende bei Engen erreicht. Die Museumslinie zieht auch immer wieder interessierte Blicke “normaler” Besucher Bergens auf sich.[/Tobias]
Die Überquerung der Straße zur Endhaltestelle vor dem Theater läuft hier ganz ohne Sicherung ab. Die Straßenbahn hat in Norwegen grundsätzlich Vorrang, wenn keine abweichende Regelung vorhanden ist. Bei der defensiven Fahrweise der Norweger funktioniert das auch recht gut.
Nur wenige Minuten später kam der Reko von der Endhaltestelle zurück und fuhr in Richtung Feierabend. Inzwischen kämpfte sich die Sonne schon intensiver durch die Wolkendecke. Die Verlängerung bis vor das Theater war die jüngste Erweiterung der Strecke.
Das sollte es für heute mit der historischen Linie gewesen sein. Weiter Bilder würden dann am morgigen Sonntag folgen, an dem wir die gesamte Zeit von 12 Uhr bis 16 Uhr für die Linie nutzen wollten. Jetzt brach gerade die Sonne für kurze Zeit immer wieder durch die Wolken durch. Also nichts wie zur Bybanen, um das wenige Sonnenlicht am Tag nicht abseits der Straßenbahn zu verschwenden. Von der Endstation Engen der historischen Linie bis zur Endstation Byparken der Linie 1 der Bybanen sind es nur wenige hundert Meter. Schnell ging es also zu Fuß zur Station Byparken hinüber, um die Sonne für erste Bilder auf dem Streckenabschnitt zwischen Byparken und Nonneseter zu nutzen. Zwar schien jetzt die Sonne, nur die Strecke lag hier nicht mehr so richtig im Licht und wurde schon von einigen Schatten durchzogen. Trotzdem setzten wir in der Folge zwei Motive um, bevor wir die Strecke der Linie 1 ein wenig herausfuhren.
Eines der meistgesehenen Motive der Stadtbahn ist die hübsche Häuserzeile zwischen den Stationen Nonneseter und Byparken. Wirklich innenstädtisches “Straßenbahn-Flair” gibt es nur auf diesem kurzen Abschnitt auf der Kaigaten zwischen dem Bahnhof und dem Streckenende am Byparken. Variobahn 221, die im Gegensatz zu den ältesten Fahrzeugen bereits siebenteilig geliefert wurde, rollt hier über die Kaigaten auf die Endstation zu.
Auch wenige Meter weiter am Hauptbahnhof von Bergen eröffnete sich noch eine kleine Sonnenlücke, in der der Kopf vom folgenden Wagen 203 Platz fand. Der Wagen hat gerade als Linie 1 die Station Nonneseter verlassen, während dahinter bereits die nächste Linie 2 folgt. Auch am Samstagabend wurde hier noch ein erstaunlich dichter 7-8-Minuten-Takt auf beiden Linien gefahren. Im Hintergrund hat sich sogar die Spitze des Ulriken aus dem Schatten gekämpft und erstrahlt im Abendlicht.
Hier auf dem kurzen Innenstadtabschnitt fand sich zur jetzigen Uhrzeit keine Stelle mehr, an der einer der siebenteiligen Wagen komplett oder zumindest in großen Teilen in der Sonne abgelichtet werden konnte. Daher blieb uns nichts anderes übrig, als eine der Strecken hinauszufahren. Wir entschieden uns für die Linie 1, bei der wir zumindest wussten, dass sich immer wieder Motive ergeben würden. Auf der Suche nach einer passenden Sonnenstelle ging es in der Folge bis zur Station Kronstad. Nachdem sich die Linien 1 und 2 an der Station Bergen busstasjon trennen, überkreuzen sich beide Linien an der Station Kronstad noch einmal. Die Linie 1 hat ihre Haltestellenanlage auf erhöhtem Niveau, die Linie 2 hält im 90-Grad-Winkel zur Linie 1 eine Ebene tiefer. Beide Linien sind hier durch eine Rampe für Betriebsfahrten verbunden.
Wir verließen die Linie 1 in Kronstad und sahen uns die Situation genauer an. Bevor wir noch einige Stationen weiter in Richtung Flughafen mit der Linie 1 fuhren, genehmigten wir uns bei Godt Brød jeweils ein Kaffee und Stückchen. Diese kleine Auszeit von der fotografischen Tätigkeit sollte in den folgenden Tagen zur Gewohnheit werden, in einem Land, in dem man sich zur Schonung des Geldbeutels sonst eher wenig in die Gastronomie begibt.

An der Station Kronstad angekommen, fällt der erste Blick auf den entgegenkommenden Kurs der Linie 1. Wagen 218 hat gerade die Station verlassen und passierte einen modernen Einkaufs- und Wohnkomplex in dem sich auch das Café Godt Brød befindet, in dem wir uns wenig später niederließen.
Der nur sechs Minuten später folgende Wagen 225 schaffte es dann perfekt in einen kurzen Sonnenspot während des Fahrgastwechsels. Genau unter der Haltestelle verläuft die Unterführung der Linie 2 Richtung Fyllingsdalen terminal.

Der Blick fällt nach dem Bild an der Station der Linie 1 auf die gleichnamige Station der Linie 2 eine Etage tiefer. Wie im Hintergrund zu sehen, existiert an dieser Haltestelle eine Gleisverbindung zwischen den beiden Linien, die im normalen Planbetrieb jedoch nicht genutzt wird. Variobahn 220 fährt gerade in die Station ein. Im Hintergrund der Ulriken mit der Seilbahn.
Nachdem wir gemütlich unseren Kaffee getrunken und unser Stückchen gegessen hatten, ging es noch ein wenig weiter die Strecke entlang. Noch hatten wir die Hoffnung nicht aufgegeben, weiter draußen weitere Sonnenbilder umsetzen zu können. Wir fuhren bis zur Station Sletten, an der wir eine geeignete Stelle fanden, mit einem Sonnenspot auf ganzer Fahrzeuglänge. Die Sonne verabschiedete sich, den dunklen Wolken nach zu urteilen, aber gerade wieder für längere Zeit. Sollte nicht bedeuten, dass wir sie heute nicht wiedersähen – in Norwegen weiß man nie. Fünf Stationen weiter an der Station Nesttun terminal kehrten wir schließlich um. Dort entstand ein letztes Bild unserer ersten Erkundung der Linie 1 von dem Wagen, mit dem es in der Folge die weite Strecke bis ganz zurück zur Endstation Byparken ging.
Ein eigentlich ganz hübsches Motiv ergab sich kurz hinter der Station Sletten. Wir schoben uns die Steigung hinauf und konnten so den nachfolgenden Kurs 224 in Richtung Bergen festhalten. Zugegeben, das Plattenbau-Hochhaus war nicht sonderlich schön und auch die Kirche reihte sich von der Schönheit am unteren Ende ein. Der Blick in den Hintergrund mit der hügeligen Landschaft, durch die sich die Stadtbahn ihren Weg bahnt, war dafür recht ansehnlich.
An der Station Nesttun terminal gibt es so etwas wie eine kleine Fußgängerzone. Hier sieht die Strecke schon wieder deutlich mehr nach einer Straßenbahn, als nach einer Stadtbahn aus. Leider war es am Himmel in den letzten Minuten immer dunkler geworden, weshalb sich Wagen 218 hier im Dunklen in der Fußgängerzone zeigt. Am Samstagabend begrenzte sich die Aktivität in dieser Fußgängerzone lediglich auf ein kleines aufgeblasenes Männchen, welches nach Kunden buhlend vor einem Fastfood-Laden herumschwang.
Zurück an der Station Byparken sahen wir uns rund um den Lille Lungegårdsvann, den in der Innenstadt liegenden See, etwas um und wollten herausfinden, ob mit dem See im Vordergrund noch ein Bild mit Straßenbahn möglich wäre. Da wir am Abend noch auf einen der umliegenden Berge wollten, in der Hoffnung dort vielleicht einen Sonnenuntergang zu erleben, hatten wir ohnehin noch ein wenig Zeit, die wir bis dahin vertrödelten. Also einfach mal gucken, was da so geht. Wir liefen von der Station Byparken zunächst auf die andere Seite des Sees. Die Stadtbahn verläuft von hieraus gesehen zwar hinter einer Reihe von Bäumen, trotzdem waren die Wagen noch gut zu erkennen, die dort fast im Minutentakt in beiden Richtungen durchhuschten. Im Vordergrund präsentierte sich in der Mitte des Sees eine Fontäne. Im Hintergrund erhebt sich der Hang, an dem auch die Standseilbahn sowie die Bergstation des Fløyen zu sehen ist. Ein sehr schönes Motiv insgesamt, fehlte eigentlich nur noch passende Sonne. Kurze Zeit später brach die Sonne dann durch die Wolkendecke und sorgte in Kombination mit den dunklen Wolken im Hintergrund für ein brillante Stimmung. Einzig für Sonne auf der Straßenbahn reichte es nicht mehr, die war schon zu sehr in den Baumschatten der Bäume versunken. Trotzdem entstanden mit dem goldenen Abendlicht einige wundervolle Bilder rund um den Lille Lungegårdsvann.
[Tobias]Für den kleine See im Stadtzentrum, den Lille Lundgegardsvannet, gab es noch einmal norwegische Theaterbeleuchtung.

Blick über den See auf die Bergen kulturskole und den omnipräsenten Ulriken im Hintergrund.[/Tobias]

Einzig für ein vernünftiges Bild mit Straßenbahn in der Sonne reichte es hier nicht mehr. Oben ist gut die Bergstation der Standseilbahn zu erkennen, mit der wir auch gleich noch auf den Fløyen fahren.
Zum Abschluss des Tages hatten wir uns zu einer Fahrt auf den Fløyen entschieden, um dort einen eventuellen Sonnenuntergang genießen zu können und auch sonst der Stadt dabei zuzugucken, wie sie langsam in der Dunkelheit versinkt. Der Fløyen befindet sich direkt neben der Innenstadt. Auf den Berg führt die Fløibane, die einzige Standseilbahn Norwegens. Die Standseilbahn startet nicht weit entfernt vom Fischmarkt und Innenstadthafen von Bergen. Die Talstation ist aus der Innenstadt fußläufig erreichbar. Der direkte Weg führte vom Lille Lungegårdsvann über den Hafen, sodass wir dort noch eine kurze Pause einlegten. Gerade war die Sonne wieder hinter einer Wolke hervorgekommen und brachte der Häuserzeile am Hafen Abendlicht.

Genau im richtigen Moment kamen wir am Hafen vorbei, als dort gerade die Sonne perfekt die Häuserzeile ausleuchtete. Bei der Häuserzeile handelt es sich um einen Nachbau, nachdem mehrere Brände dafür gesorgt hatten, dass die Häuser nicht mehr original verblieben waren und wiederaufgebaut werden mussten. Trotzdem ein schöner Anblick, der sich uns hier im Abendlicht bot.

Die Kamera schwenkte etwas nach rechts und so kamen weitere historische Häuserzeilen ins Bild. Davor tummelten sich jede Menge Boote und Yachten unterschiedlicher Größe.

Das Sonnenloch war schon wieder weitergezogen und hatte den Hafen verlassen. Dafür wurde erneut der Berghang in Sonne getaucht, den wir bereits vom Lille Lungegårdsvann aus sehen konnten. Genau passend war gerade der rote Wagen der Fløibane auf dem Weg zur Bergstation, während der blaue Wagen zuvor auf dem Weg nach unten noch im Schatten durch das Bild gefahren war. Genau mit dieser Bahn sollte es gleich den Berg hinauf gehen.
Zu lange verweilten wir nich am Hafen, denn wir wollten schließlich auf dem Berg sein, bevor die Sonne untergegangen wäre. Also ging es nach der kurzen Fotosession zur Standseilbahn. Am Ticketautomaten mussten wir zusammen 380 NOK, umgerechnet 32€ pro Person für die Hin- und Rückfahrt blechen. Selbst für norwegische Verhältnisse eher Touristenpreise. Aber es blieb uns schließlich nichts anderes übrig, hoch laufen wollten wir ja auch nicht und hatten auch gar nicht die Zeit. Schließlich wollten wir oben sein, bevor es dunkel war.
Zumindest war der Wagen schön leer als es kurze Zeit später nach oben ging, sodass wir schon während der Bergfahrt ein wenig die Aussicht genießen konnten, die an der Bergstation sicherlich nochmal schöner werden würde. Von der Bergstation waren es nur wenige Meter zur Aussichtsplattform, auf der sich schon jede Menge Menschen tummelten, mit offensichtlich der gleichen Idee wie wir. Trotzdem war es nicht übermäßig voll und die Aussichtsfläche so weitläufig, dass man sich eigentlich nirgends so richtig im Weg stand. Die Sonne ging letztlich in einer Wolkenschicht unter und schaffte es auch nichtmehr, wie erhofft durch eine weitere Lücke die Wolken von unten in bunten Farben leuchten zu lassen. Nichts desto trotz konnten wir einige stimmungsvolle Bilder mit Lichtspielen einfangen und anschließend dabei zusehen wie die Stadt langsam in die Dunkelheit sank. Ein wenig erinnerte mich das Ganze an das Miniaturwunderland, wenn dort die Nacht simuliert wird und in allen Häusern die Lichter angehen. Auch die Größe der Häuser passte bei einem Blick von hier oben überein.
Ein einziges Mal schaffte es die Sonne noch durch die Wolkenfront, die langsam aber sicher über Bergen gezogen kam. So beschien die Sonne zumindest noch einen ganz schmalen Grad auf dem Wasser, für ein Erreichen von Bergen selbst reichte es nicht mehr. Gleichzeitig präsentierte sich über der Stadt ein riesiges blaues Loch.

Ein weiteres Mal war es der rote Wagen der Fløibane, der es hier in mein Bild schaffte. Zwar war die Sonne bereits hinter den Wolken verschwunden und ließ nur noch die Wolken selbst am Himmel leicht erstrahlen, trotzdem war der Wagen auf seinem Weg nach unten sehr gut am dunklen Hang zu erkennen. Von der Plattform aus konnte man schon fast die halbe Strecke der Bahn überblicken.

Panorama der Bucht von Bergen am Byfjorden.

Das Warten auf den Sonnenuntergang war heute vergebens, aber angesichts des durchschnittlichen Bergenwetters, ist auch eine solche Lichtstimmung schon mehr, als man erwarten darf.

Der Blick schweift ins Stadtzentrum. Links hinter dem Lille Lungegårdsvann ist ein riesiger Betonklotz zu erkennen. Dabei handelt es sich um die Konzerthalle Grieghallen. Dahinter befindet sich in einer der Häuserzeilen die Citybox, in der wir unser Quartier hatten. Sogar die Fontäne in der Mitte des Lille Lungegårdsvann wird bei Nacht beleuchtet.
Zehn Minuten nach dem letzten Bild in diese Richtung war es schon ein ganzes Stück dunkler geworden. Dadurch kamen die Lichter nochmal deutlich besser zur Geltung.
Ein letzter Blick ging etwas weiter ins Inland. Über die gesamte hügelige Landschaft zogen sich ins Inland die Häuser, die jetzt mit den ganzen Lichtern deutlich besser zu erkennen waren. Irgendwo zwischen den unzähligen Häusern schlängelt sich auch die Linie 1 in Richtung Bergen lufthavn hinaus, während die Linie 2 einen kleinen Bogen durch die Stadt dreht und dann schnell im rechts zu sehenden Berg verschwindet.
Das soll es vom Fløyen gewesen sein. Es wurde von Minute zu Minute kälter, der Wind frischte auf und der Ausblick würde nicht mehr besser werden. Den Zeitpunkt der Talfahrt hatten wir nicht exklusiv gewählt, sodass die Standseilbahn gut gefüllt war. Nach wenigen Minuten hatten wir die Talstation erreicht und der Wagen kotzte die gesamte Touristenmasse inklusive uns wieder im Stadtzentrum aus. Wirklich viel stand für heute nun nicht mehr an. Einzig ein letzter und ganz entscheidender Punkt war noch auf der Liste. Das Abendessen! Nachdem es über den Tag hinweg nicht übermäßig viel zu essen gegeben hatte, würde es jetzt schon etwas mehr brauchen. Mit der Gastronomie ist das in Norwegen natürlich schwierig. Wir deckten uns stattdessen im Grunde auf der gesamten Reise in Supermärtken und den Convenience Stores, also 7-Eleven und Narvesen ein. Zum Glück befand sich ein Kiwi-Supermarkt direkt neben der Citybox, sodass wir das Gekaufte nicht lange durch die Gegend tragen mussten. In der Folge ging es aufs Zimmer und wir ließen den Abend mit dem Essen und erstem Bildersichten ausklingen. Für morgen stellten wir nur einen groben Plan auf die Beine, der vor allem weitere Bilder an der Museumslinie beinhaltete. Dazu dann aber mehr im nächsten Teil von “Sehnsucht nach Typ Braunschweig”.
