Sehnsucht nach Typ Braunschweig – Norwegen 2025 II: Im Berliner Reko-Wagen durch Bergen

Der zweite Tag in Bergen stand größtenteils im Zeichen der Museumslinie. Neben einer kompletten Erkundung der übersichtlichen Strecke besuchten wir auch das Museum selbst und unternahmen eine Fahrt mit dem historischen Wagen. 


Sonntag, 31. August 2025: Im Berliner Reko-Wagen durch Bergen

In der Citybox gab es kein Frühstück und so galt es als erste Frage des heutigen Tages zu klären, wo wir denn unser Frühstück herbekommen würden. Während es für mich die erste Reise in Norwegen war und ich somit noch ein Rookie auf dem Gebiet der Essensbeschaffungsmöglichkeiten war, war Tobi nach seiner Reise nach Oslo schon bestens über die verschiedenen Möglichkeiten informiert. Wie bereits für den Snack am gestrigen Mittag gab es im Prinzip drei Optionen. Frühstück vom Narvesen, oder einer der Café-Ketten. Die Auswahl bei 7-Eleven und Narvesen überschneidet sich auch auf diesem Gebiet in beiden Läden zu großen Teilen und so fiel die Entscheidung weniger aufgrund der richtigen Kette als mehr aufgrund der geografischen Lage. Direkt an der Endhaltestelle Byparken der Bybanen befand sich ein Narvesen und direkt daneben ein Park mit Sitzmöglichkeiten. Der Plan stand also. Von der Citybox ging es den kurzen Weg zur Endstation Byparken rüber, dort kauften wir im Narvesen Frühstück und damit ging es erstmal in den Park mit einem Kaffee und etwas Süßem. Während des Frühstücks planten wir ein wenig den Tagesablauf. Da die Museumslinie nach Tobis Wissen den Betrieb erst um 10 Uhr aufnehmen würde, hatten wir davor noch etwas über zwei Stunden Zeit uns mit anderen Dingen zu beschäftigen. Die Überlegungen schwankten zwischen weiteren Erkundungen der Linie 1 oder 2 der Straßenbahn oder zunächst einem kleinen Abstecher in den durchaus sehenswerten kulturellen Teil von Bergen. Die Wahl fiel auf Zweiteres, für die Straßenbahn hatten wir auch am heutigen Nachmittag und morgen noch mehr als genug Zeit.

Auf dem Weg zum Frühstück fällt der Blick gegenüber unserer Citybox auf die Grieghallen. Ein recht brachialer Bau aus dem Jahr 1978, der als Konzerthalle für bis zu 1.500 Besucher dient.

Ein Großteil des sehenswerten Teils von Bergen befindet sich am und rund um den alten Hafen. Daher machten wir uns nach erfolgreichem Frühstück und einem Bild an der Endstation Byparken auf den Weg in Richtung Hafen, um dort neben dem weltbekannten Unesco-Welterbe Bryggen weitere Sehenswürdigkeiten von Bergen anzugucken.

Am Sonntagmorgen läuft der Verkehr an der Station Byparken vergleichsweise ruhig ab. Trotzdem wird ein angenehmer 15-Minuten-Takt gefahren. So stellt man sich ÖPNV vor. Stadler 229 hatte noch wenige Minuten Pause, bevor es auf den langen Weg Richtung Flughafen ging. Die Haltestelle ist genau auf die Länge eines Wagens abgestimmt. Viel länger dürfen die Fahrzeuge auch nicht werden, denn bereits kurz hinter der Haltestellenausfahrt befindet sich eine Straßenkreuzung. 

Seitlich der Endstation fordert das ehemalige Gebäude der Rikstelegraf und Rikstelefon eindeutig zum Fotografieren mit langen Brennweiten auf 😉

Am Hafen angekommen, durchquerten wir zunächst den bekannten Fischmarkt von Bergen, der sich am östlichen Ende des Bergener Hafens befindet. Nachdem wir den für meine Begriffe stinkenden Teil des Hafens passiert hatten, erreichten wir eine erste Häuserfassade, die dem Unesco-Welterbe Hanseviertel Bryggen zuzuordnen ist.


[Tobias]Im alten Hafen von Bergen


Eine alte Weltkriegsbombe(?) liegt vor Bryggen auf der Promenade.


Weiter hinten im Hafen Richtung Bergenhus Festning liegen die gigantischen und immer etwas unförmig wirkenden Versorgungsschiffe für die Gasfelder vor der Küste Norwegens.[/Tobias]


Kurze Zeit später hatten wir uns am nördlichen Rand der Bucht Vågen, in der sich das Hafenbecken befindet, ein ganzes Stück weiterbewegt. Hier eröffnet sich der Blick auf die aus Holz bestehende Häuserreihe, die gestern noch im Abendlicht gelegen hatte. Was bei einem kurzen Blick auf die Fassade fast gar nicht auffällt, dass es sich bei einer der hinteren Häuserfassaden lediglich um eine große Plane handelt, da sich die Front des Hauses im Umbau befand.

Noch ein Stück weiter dem Hafenbecken stadtauswärts gefolgt, erreichten wir kurz darauf die Festung Bergenhus. Dabei handelt es sich um eine der ältesten Festungen Norwegens, die in Teilen noch original aus dem 12. Jahrhundert besteht. So wurde beispielsweise die Håkonshalle im 12. Jahrhundert errichtet, die noch heute vollständig vorhanden ist. Auf dem Bild ist sehr eindrucksvoll zu erkennen, wie nah sich die Festung am Wasser befindet. Durch einen kleinen Torbogen geguckt, fiel der Blick auf ein Schiff der Offshore-Schiffsflotte.


In einem kleinen Innenhof eröffnete sich eine schöne Kulisse mit den Gebäuden der Festung. Die große Håkonshalle befindet sich hier im Rücken des Fotografen, ließ sich von dieser Stelle aber nur schwer darstellen.

Es war inzwischen fast 10 Uhr und somit startete die Museumsstraßenbahn bereits auf ihre erste Runde. Höchste Zeit also, um sich vom kulturellen Teil Bergens zunächst zu verabschieden und uns wieder unserem primären Ziel der Reise, der Straßenbahn, zu widmen. Von der Festung aus war es nur ein wenige Minuten langer Fußweg bis zur Endstation Engen der Museumsstraßenbahn. Es ging am Hafenbecken zurück und hinein in die Innenstadt. An der Endstation Engen käme der Wagen mit Fahrtbeginn um 10 Uhr ab Møhlenpris ungefähr eine Viertelstunde später an. Das ging sich perfekt mit unserer Ankunftszeit an der Station aus und so zückten wir schon während unserer Ankunft die Kameras. Doch irgendwie ließ sich der Wagen enorm viel Zeit. Als nach 15 Minuten immer noch keine Spur vom Wagen war, guckte Tobi sicherheitshalber doch nochmal auf den Fahrplan. Dabei stellte sich heraus, dass der Betrieb gar nicht um 10 Uhr aufgenommen wird, sondern erst um 12 Uhr. Na gut, dann hatten wir jetzt noch knapp zwei Stunden Zeit uns mit anderen Aktivitäten zu beschäftigen, bevor wir uns der Museumslinie widmeten.


[Tobias]Wenn die Museumsstraßenbahn noch nicht fährt, gehen wir halt rüber zur “richtigen”. Dabei geht es vorbei am Pavillon am Byparken in prächtigem Blumenschmuck.

Nach kurzem Überlegen war klar, von Kultur hatten wir jetzt erstmal genug. Das käme zu einem anderen Zeitpunkt noch einmal auf den Tagesplan. Also los zur Bybanen. Zum Glück ist ja auch die Endstation Byparken von Engen aus nicht wirklich weit entfernt. Für eine intensivere Erkundung der Linie 1 reichte die Zeit bis 12 Uhr nicht aus, also wurde die Linie 2 in Angriff genommen. Dort wussten wir, dass ein ganzer Teil der Linie ohnehin im Tunnel verläuft und die Linie somit nicht wirklich vor Motiven überlief. Bis zur Station Bergen busstasjon verläuft die Linie 2 auf gleicher Strecke wie die Linie 1 und war bereits bekannt. Der interessanteste Teil folgte auf dem Abschnitt zwischen den Station Bergen busstasjon und Fløen. Hier führt die Strecke in Ufernähe des Store Lungegårdsvann entlang. Dieser Abschnitt des Meeres ist nur durch einen ganz schmalen Streifen an den Byfjorden angebunden, was das Ganze hier mehr wie einen See als wie das wirkliche Meer wirken lässt.

Einziges Problem der Strecke am Wasser entlang: Auch hier boten sich nicht so wirklich Motive, da die Strecke über die komplette Länge bis zur Station Fløen von Hecken auf beiden Seiten begleitet wird. An der Station Fløen sind die Hecken zumindest nicht. Trotzdem stellte sich auch hier ein Bild mit Straßenbahn und Wasser nicht als allzu einfach heraus. Die Station wird jedoch mittels einer riesigen Treppenkonstellation mit den am Hang liegenden Häusern verbunden, sodass ich mich auf der Treppe nach einem geeigneten Motiv umsah. Nach einigem Hin und Her und mehreren Stellungwechseln hatte ich eine Stelle gefunden, an der es eigentlich ganz gut ging. Tobi postierte sich unterdessen an einem anderen Motiv, sodass an dieser Haltestelle zwei unterschiedliche Bilder entstanden. In der Folge trafen wir uns an der Station wieder und setzten weitere Bilder des entgegenkommenden Kurses um, bevor wir mit der nächsten Bahn weiterfuhren. Nach der Station folgt zunächst ein Tunnel und unmittelbar darauf die Kreuzungsstation Kronstad mit der Linie 1. Auch nach der Kreuzungsstation wird die Strecke nicht unbedingt spektakulärer und führt durch ein Industriegebiet. Weder mich noch Tobi riss das sonderlich von den Sitzen, sodass wir uns kurze Zeit später bereits in dem fast drei Kilometer langen Tunnel befanden, an dessen Ende sich die Endstation Fyllingsdalen terminal befindet.

An der Station Fløen hat gerade die Kreuzung zweier Wagen der Linie 2 stattgefunden. Wagen 217 entfernt sich aus der Station in Richtung Fyllingsdalen terminal. Aus der erhöhten Perspektive von der Treppe schweift der Blick neben der Straßenbahn auch über das Wasser und den dahinterliegenden, modernen Teil von Bergen. Während ich auf den Wagen wartete, konnte ich auf dem Weg entlang des Wassers jede Menge Menschen beobachten, die eine vormittägliche Laufrunde absolvierten. Das scheint hier irgendwie ein Volkssport zu sein.

Die Haltestelle aus der anderen Richtung gesehen: Wagen 220 verlässt die Station nach der kurzen Tunneldurchfahrt. Links zu sehen ist die interessante Treppenkonstellation, von der aus das letzte Bild geschossen war. Die Treppe schwingt sich zunächst über einen auf der Seite verlaufenden Radweg, um dort auf eine Rampe des Radweges zu stoßen, die die am Hang liegenden Häuser anbindet. Gleichzeitig kann man über diese Rampe auch von der Station auf den Radweg gelangen, was die ganze Konstruktion etwas unorthodox wirken lässt. Wenn man länger drüber nachdachte, erfüllte es aber passend seinen Zweck.


Beim Verlassen der Station lichtete ich den Wagen per Nachschuss ein weiteres Mal ab. Rechts im Bild befindet sich die Rampe, die vom Hang zum Radweg herunterführt, um auch den parallel zur Straßenbahn verlaufenden Radweg an die Station und die Häuser anzubinden.


Auf der nächsten Fußgängerbrücke über die Strecke bietet sich ein Überblick über die Strecke zwischen der Bergenbahn und der ausgeprägten Radinfrastruktur. 

Beweisbild abgehakt! Wirklich fotogen ist die Endhaltestelle Fyllingsdalen terminal nicht. Da wir aber schon den langen Weg durch den Tunnel auf uns genommen hatten, wollten wir zumindest dokumentieren, die Endstation gesehen zu haben. Viel weiter durfte die Straßenbahn hier auch nicht fahren, denn nach der Betonmauer geht es erstmal mehrere Meter bergab. In einer weiteren Ausbaustufe der Bybanen ist hier eine Verlängerung der Strecke vorgesehen. Wagen 220 hatte uns einmal durch den Tunnel befördert und wartete nun auf seine Abfahrtszeit.

Wurzeln schlagen wollte wir hier nicht. Das Einkaufszentrum, welches sich hier direkt an der Endstation befindet, war am Sonntag geschlossen. Dementsprechend bot sich hier nicht einmal eine strategische Kaffeepause an. Das eine und einzig mögliche Bild der Endstation war auch schon abgearbeitet und somit hatten wir die Linie 2 bereits vollständig erkundet. Inzwischen war es 11:15 Uhr und somit startete die Museumslinie schon in 45 Minuten. Folglich blieb uns gar nicht mehr so viel Zeit. Wir setzten uns wieder in den immer noch wartenden Wagen 220 hinein und ließen uns die gesamte Strecke der Linie 2 bis zur Station Kaigaten zurückfahren. Die Linie 2 hat eine zur Endstation Byparken der Linie 1 vorgelagerte Endstation mit dem Stationsnamen Kaigaten. Die Haltestelle wurde zur Eröffnung der zweiten Linie eingerichtet um die Endstation Byparken zu entlasten, die bei einem 5-Minuten-Takt unter der Woche teilweise durch zwei Kurse der Linie 1 gleichzeitig belegt ist. Von der Station waren wir schnell ein zweites Mal am heutigen Tag an der Endstation Engen angekommen und warteten erneut auf die Ankunft des Wagens. Anders als noch um 10 Uhr kam dieser um kurz nach 12 Uhr auch angefahren und es wurden die ersten Bilder des Wagens bei Ankunft an der Station selbst und bei der Abfahrt des Wagens geschossen.


An der Endstation hatte der Wagen 61 nach der ersten Fahrt des Tages nach Engen erstmal Pause. Da es sich um die erste Runde des Tages handelte, konnten wir beobachten, wie die Haltestellenfahne aufgestellt wurde, um die Haltestelle als solche zu markieren. Der Wagen war hier bis ganz an das Ende des Gleises gefahren und durfte auch wirklich kein bisschen mehr vorrücken, sonst wäre das Fahrzeug aus den Gleisen gehüpft. Das Gleis nach dem Fußgängerüberweg ist auch sehr knapp bemessen und reicht gerade so für die Länge des Wagens, um den Fußgängerüberweg nicht zu blockieren.


Bei der Ausfahrt versuchten wir uns an einem Querschuss mit Ulriken im Hintergrund. Leider lief parallel zur Straßenbahn eine Person in den Wagen hinein, sodass sich das Fahrzeug nicht ganz frei zwischen den beiden Bäumen zeigte. Trotz des typischen Bergenwetters ohne Sonne brachten die Blumen und Häuser gepaart mit dem Wagen einiges an Dynamik in das Bild.

Bevor wir uns der nächsten Runde des Wagens widmeten, brauchte es einen zweiten Kaffee am heutigen Tag. Anlaufstelle war dafür wieder der 7-Eleven an der Ecke bei der Endstation Engen. Nach dem Verlassen des Ladens fing es plötzlich an, wie aus Kübeln zu Schütten und das Wetter passte sich noch ein Stückchen weiter dem Ruf von Bergen als regenreichste Stadt Europas an. Wir ließen uns davon aber nicht unterkriegen und postierten uns nicht weit entfernt vom 7-Eleven unter einem kleinen Dach, um ein Bild des Wagens in der Straße vor der Endstation umzusetzen. Danach ging es in Richtung Møhlenpris los. Wir wollten uns nach und nach bis zur anderen Endstation, an der sich auch das Depot und Museum befindet, vorarbeiten. Für die Rückfahrt hatten wir es schon fast bis zur Station Johanneskirken geschafft. In der Folge ging es bis zur Station Muséplassen weiter, an der wir gestern unsere Erkundung der Museumslinie gestartet hatten. Ab hier war die Strecke für uns also noch unbekannt. So wirklich viel verpasst hatten wir auf dem Streckenabschnitt zwischen den Stationen Muséplassen und Møhlenpris nicht. Die Strecke verläuft dort zunächst in einer dunklen Straße entlang einer unfotogenen Mauer bevor sie ein wenig nach rechts schwenkt und bis zum Depot eigentlich ohne weitere Motive weitergeht. Dementsprechend sahen wir uns an keiner Stelle dazu angehalten, einen Fotostopp einzulegen und gingen direkt bis zum Depot durch. Dort bot sich zumindest bei der Einfahrt auf das Depot-/Museumsgelände ein Bild für den einfahrenden Wagen, den wir kurz darauf im strömenden Regen dort ablichteten.


[Tobias]Der Rekowagen auf seiner zweiten Runde Richtung Engen bei perfektem Bergenwetter in der Magnus Barfots gate. Im Nachhinein einer meiner Favoriten von der Museumslinie. Mehr Bergen geht fast nicht.[/Tobias]

Mühsam arbeitete sich der Reko-Wagen 61 um die Kurve die Steigung zur Station Johanneskirken hinauf. Gerade bei diesem Anblick wurde die für Kurvenfahrten eher ungeeignete Bauweise mit starrem Fahrwerk und einzig Primärfedern sehr deutlich. Hier auch nochmal schön zu sehen, die beiden bereits gestern beschriebenen Straßen, die entgegengesetzt ansteigen bzw. abfallen und an der Station Johanneskirken auf gleichem Niveau zusammentreffen.

Für die Rückfahrt des Wagens fällt der Blick auf den Vorplatz des naturhistorischen Museums. Der Wagen erreicht gerade die dazugehörige Station Muséplassen. Die Haltestellenfahne war an dieser Station sicherheitshalber an der Laterne festgebunden, um einem möglichen Wegfliegen vorzubeugen.

Der kurze Aufenthalt an der Station Muséplassen reichte für einen kleinen Stellungswechsel aus, sodass bei Abfahrt des Wagens von der Station die Statue samt davorliegendem Löwen in den Fokus rückte. Bei dem Mann, dem das Denkmal gewidmet ist, handelt es sich um Wilhelm Frimann Koren Christie. Er war ein bekannter norwegischer Jurist und Politiker und lebte vom Ende des 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts.

Eine letzte Steigung muss Wagen 61 noch erklimmen, dann hat er eine weitere Runde geschafft und mit der Station Møhlenpris seine Endstation am Museumsdepot erreicht. Ein kleines, aber doch für Kenner der Historie der Bergener Straßenbahn sehr schönes Detail, ist die Nummerierung der kurzen Linie als Linie 3. Damit folgt die Linie nicht nur dem Schema der vorhandenen Linien 1 und 2 der Bybanen, sondern auch dem Ursprung des Streckenverlaufs, welcher im ehemaligen Bergener Straßenbahnnetz von der Linie 3 befahren wurde.

Auf das Gelände vom Bergens Tekniske Museum fährt der Wagen nur ein ganz kleines Stück hinauf. Dort findet der Fahrgastwechsel mit den aus der Wagenhalle kommenden Passagieren statt, bevor es kurze Zeit später wieder auf die nächste Runde geht. Wir hatten unter einem Baum stehend, um uns vor dem immer noch andauernden Regen zu schützen, noch einige Zeit ausgeharrt, bis der Fahrer den Fahrerstand gewechselt und das Frontlicht in Richtung Engen angeschmissen hatte.

Von dem Regenwetter brauchten wir jetzt mal eine kurze Pause. Dementsprechend fassten wir einen neuen Plan: Da wir ohnehin gerade am Museumsdepot angekommen waren, wollten wir dem Depot selbst auch einen Besuch abstatten. Für Erwachsene sollte der Eintritt jeweils 150 NOK, umgerechnet knapp 15 Euro kosten. Das war zwar nicht gerade wenig, dafür war in dem Preis auch die Fahrt mit der Museumslinie inbegriffen und wir konnten das Projekt unterstützen, was es uns erst möglich machte, hier überhaupt Bilder einer historischen Linie schießen zu können. Neben einigen weiteren Straßenbahnfahrzeugen zeigt das Museum auch abseits der Straßenbahn einige interessante Verkehrsmittel, wie beispielsweise einen historischen Trolleybus. So vertrieben wir uns erstmal die nächste halbe Stunde die Zeit in dem Museum und sahen uns ausgiebig um.


Bei Wagen 62 handelt es sich um den zweiten von drei aus Berlin übernommenen Reko-Wagen. Von Wagen 60 fehlte in der Halle jede Spur. Auch Wagen 62 sah nicht so aus, als wäre er in letzter Zeit in Betrieb gewesen und hatte schon an einigen Stellen Rost angesetzt. Zumindest im Internet gibt es jedoch Bilder, auf denen auch der Wagen 62 hier in Bergen schonmal in Betrieb war. Die 47 im Vordergrund gehört dem aus Oslo stammenden Wagen 74, der ins Bergener Farbschema versetzt und mit neuer Nummer versehen wurde.


Neben Wagen 62 stand der Wagen 10. Dabei handelt es sich um den einzigen erhaltenen originalen Wagen der Bergener Straßenbahn mit Baujahr 1897. Zu besonderen Anlässen kommt auch dieser Wagen auf der Strecke zum Einsatz. 


Der Wagen 10 ist ein tolles Beispiel eines betriebsfähigen Exemplars aus der Anfangszeit elektrischer Straßenbahnen. 


Auf der anderen Seite der Halle war ein alter Trolleybus aufgestellt, in dem man sich sogar hineinbegeben und Platz nehmen konnte. Die hinteren Türen sind so eng gebaut, dass durchaus die Frage erlaubt sein muss, wie ein einigermaßen flüssiger Fahrgastwechsel vonstattengehen soll und vor allem auch, wie etwas breite Menschen den Bus betreten sollen. Auch heute gibt es in Bergen noch einen Trolleybus. Bei unserem Besuch kamen die Trolleybusse jedoch nur ohne Nutzung der Oberleitung und teilweise abseits der Fahrleitung zum Einsatz. Zum Zeitpunkt unseres Besuches war noch nicht klar, ob es sich nur um eine temporäre Einstellung des Betriebes handelte, oder ob der Trolleybusbetrieb in Bergen zu einem endgültigen Ende gekommen war. Kurz nach unserem Besuch wurde am 1. Oktober 2025 durch das Parlament die endgültige Einstellung des Betriebes und stattdessen die Umstellung auf Batteriebusse beschlossen.


Ganz am Ende der Halle haben auch die ehemaligen Wagen der Fløibanen einen Platz bekommen. Bei den beiden Fahrzeugen mit Baujahr 1974 handelt es sich um die dritte Generation an Wagen der Fløibanen und damit bereits um die vorletzte, da die Bahn inzwischen Wagen in fünfter Generation einsetzt. Bereits ab der zweiten Generation hielt erstmals das Farbschema mit einem Wagen in Blau und einem Wagen in Rot Einzug, welches bis heute noch so fortgeführt wird.

[Tobias]Blick durch die Museumshalle von den Stufen zwischen der Fløibanen. Auch verschiedene Kraftfahrzeuge habe im Museum ihren Platz gefunden.


So zum Beispiel ein alter Volvo-Bus, in dessen verchromten Scheinwerfer sich der Trolleybus spiegelt. Die Ausstellung war durchaus schön arrangiert und nicht alles dicht zusammengestellt, sodass sich auch solchen fotografischen Spielereien anboten. Leider standen ausgerechnet die drei Straßenbahnwagen etwas gedrängt.[/Tobias]

Inzwischen hat die Bergener Straßenbahn schon ein stolzes Alter von 129 Jahren erreicht. Somit wurde 2022 das 125-jährige Jubiläum der Straßenbahn gefeiert, worauf auch mit einem Aufdruck auf dem Wagen 61 aufmerksam gemacht wird.

Vereinzelt lassen sich die deutschen Ursprünge des Wagens auch heute noch deutlich erkennen. Neben der noch immer deutschen Dachbeschriftung finden sich auch im Inneren des Wagens deutsche Warnhinweise sowie die ehemalige Berliner Nummer 223 003-1.

Wie auf den letzten beiden Bildern schon zu erkennen ist, hatte es der Wagen 61 von seiner Runde zurückgeschafft und wartete nun auf dem Depotgelände auf seine nächste Abfahrtszeit. Nach dem Besuch des Museums hatte uns inzwischen wieder der Tatendrang gepackt, auch von sich bewegenden Wagen Bilder zu schießen und so sollten weitere Bilder des Wagens 61 in Angriff genommen werden. Dafür bot sich jetzt die im Eintrittspreis fürs Museum inkludierte Fahrt mit dem Wagen an, um uns an der Strecke ein neues Motiv zu suchen. Bevor wir uns einen Platz auf den alten Polstern des Wagens suchten, ging es zunächst auf einen kleinen Abstecher hinter das Depot. Auch dort führte noch ein Gleis hin, sodass ich dem Gleis folgend einen kleinen Blick hinter die große Wagenhalle geworfen habe. Dort stand einer der beiden ehemaligen Berliner Beiwagen, der zusammen mit den drei Triebwagen aus Berlin übernommen wurde. Das Bild ließ ich mir natürlich nicht nehmen und musste mich in der Folge ein wenig beeilen, um die Abfahrt um 14 Uhr nicht zu verpassen. Die anschließende Fahrt gestaltete sich erwartungsgemäß ruckelig. Das Zusammenspiel aus dem mäßigen Gleisbau und den ohnehin schlechten Fahreigenschaften eines Rekowagen ohne Sekundärfeder sorgte für ein übersichtlich angenehmes Fahrerlebnis. Trotzdem war es bei dem sonst modernen Wagenpark samt exzellenter Schienen in Bergen eine willkommene Abwechslung. Wir fuhren direkt bis zur Endstation Engen durch. Dort verließ mich Tobi, um nahe der Endstation ein weiteres Bild umzusetzen, ich gönnte mir noch einen Teil der Rückfahrt bis zur Station Muséplassen und verließ dann ebenfalls den Wagen.

[Tobias]Innenraum des Berliner Reko 223 001-1.


Die Herkunft des Wagens wurde zwar von außen verschleiert, im Innern ist sie aber noch immer unverkennbar.


Auch der Fahrschalter spricht Deutsch.[/Tobias]

Die nächsten zwei Runden des Wagens nutzten wir noch etwas rund um den Muséplassen und das Naturhistorische- und Universitätsmuseum. Bal trafen wir uns auch wieder und nutzten die Zeit zwischen zwei Runden für einen Besuch beim Café Godt Brød, dass auch im naturhistorischen Museum eine Filiale hat. Bei einem großen Americano und einer Zimtschnecke ließ es sich doch gleich viel angenehmer auf die nächste Runde des Wagens warten.

Die Steigungen, die der Wagen auf der Strecke überwinden muss, werden vor allem an dieser Stelle sehr deutlich. Kurz vor Erreichen der Kuppe konnten wir Wagen 61 unweit der Station Muséplassen festhalten. Die regenreichen letzten Stunden hatten wir taktisch klug im Museum und mit der Fahrt überbrückt, inzwischen war es zumindest von oben wieder einigermaßen trocken.

Für die Rückfahrt des Wagens bewegten wir uns eigentlich kaum von der Stelle. Um 180 Grad gedreht eröffnete sich ein weiteres schönes Motiv für Wagen 61. Die Wartezeit vertrödelten wir mit einem kurzen Abstecher in den weitläufigen Garten des direkt links neben der Straße liegenden Museums.


[Tobias]Blick von der Terrasse des Museums über den botanischen Garten auf Reko 61 und der hübsch bunten Parkveien dahinter.

Irgendwie alles etwas krumm und schief in der Parkveien.[/Tobias]

Die Fahrt Richtung Engen beobachteten wir nur aus dem Fenster des Museums bei Café und Stückchen. Bei der Rückfahrt nach Møhlenpris nahmen wir die fotografische Tätigkeit aber wieder auf und ich versuchte mich in diesem Fall an einem Kunstschuss. Da nun schon häufiger die Rede von dem naturhistorischen Museum war, sollte dies nun selbst zum Motiv werden. Aus dem Olaf Ryes vei heraus schoss ich ein Bild mit komplettem Querschnitt des Wagens vor dem großen Gebäude. Nicht immer schienen die Fahrten sich so großer Beliebtheit zu erfreuen, wie bei unserer Mitfahrt, bei der der Wagen relativ voll war.


 [Tobias]Regentage sind Spiegelungstage. So suchte das Auge nach den ergiebigen Regenfällen unermüdlich nach zur Ruhe gekommen Pfützen. Auf dem Muséplassen bot sich kurz vor der Haltestelle die passende Gelegenheit.[/Tobias]

Das letzte Bild war bereits von der Runde mit Abfahrt um 15:30 Uhr von Møhlenpris gewesen. Nach dieser Fahrt folgte also nur noch eine letzte Abfahrt. Für die letzten Bilder der Museumslinie orientierten wir uns nochmal in Richtung Endstation Engen. Um im besten Fall noch ein Bild des Wagens schießen zu können, bevor dieser wieder in Richtung Møhlenpris aufbrach, beschleunigten wir unseren Schritt und kamen so bereits sieben Minuten später an der Endstation an. Dort stand der Wagen noch ohne Anzeichen eines baldigen Aufbrechens herum. Zwar saßen schon Fahrgäste im Wagen, es fehlte aber noch an einem Fahrer. Kurz darauf begab sich der Fahrer in die Kabine und der Wagen rumpelte los. Für die letzte Fahrt in Richtung Engen fehlte es uns so ein wenig an einem Motiv und somit beschäftigte ich mich mehr mit der Suche nach einem Motiv für die Fahrt Richtung Møhlenpris. Fündig wurde ich fast ganz am Ende der langen Straße, die sich direkt vor der Endstation Engen befand. Dort entstand das Abschiedsbild der Museumslinie.

Zukünftig soll die Strecke noch weiter über die derzeitige Endstation Engen hinausgehen. Im Moment ist hier vor dem links liegenden Nationaltheater aber Schluss und der Wagen 61 wirkte so ein wenig verloren am Ende seines Gleises.


[Tobias] Blick auf das Nationaltheater, dessen Schönheit auch im Auge des Betrachters liegt. Das Gebäude wird derzeit grundsaniert. Auf der Veranda unterhalb haben wir vorhin schon einen Blick Richtung Ulriken umgesetzt.[/Tobias]

Das letzte Bild des Wagens entstand am Beginn des steilen Stücks hinauf zur Station Johanneskirken. Der ehemalige Berliner Reko-Wagen erfreute sich offensichtlich nicht nur bei Straßenbahnliebhabern großer Beliebtheit. Auch “normale” Touristen zückten gerne mal die Kamera oder das Handy, um den Wagen mit einem Bild festzuhalten.

Das war es mit der Museumslinie gewesen. Nach dem heute doch sehr ergiebigen Tag, hatten wir die kurze Strecke auch in Gänze dargestellt. Jetzt stellte sich nur noch die Frage, was mit dem Resttag angefangen werden sollte. Ein wenig Zeit blieb uns noch, bis es dunkel wurde. Das Problem war, es war zu viel Zeit, um den Tag jetzt schon straßenbahntechnisch zu beenden und zu wenig Zeit um wirklich noch etwas bei der Erkundung der Bybanen zu reißen. Dementsprechend entschieden wir uns dazu, ein wenig in der Innenstadt herumzulaufen und hier und da noch ein Bild einzuwerfen. Wieder mal ging es daher zu Fuß von der Station Engen zur Endstation Byparken der Linie 1. Auf dem kurzen Stück zwischen den Stationen Byparken und Nonneseter setzen wir in der folgenden knappen halben Stunde bisher noch nicht dargestellte Motive um.

Während die Linie 2 ihre Endstation mit der Station Kaigaten direkt vor dem Rathaus von Bergen hat, geht die Linie 1 noch wenige Meter weiter zur Endstation Byparken. Das Rathaus trifft mit dem von Beton geprägten Aussehen nicht gerade meinen Geschmack, ist aber zumindest kompromisslos und ohne jeglichen Schnörkel gehalten. Wagen 217 hatte seine Endstation Kaigaten direkt vor dem Gebäude erreicht.


[Tobias]Das brutalistische Bergen Radhus zog sogleich meine Aufmerksamkeit auf sich. Dieser menschenunfreundliche Baustil der 60er- bis 70er-Jahre übt zugleich irgendwie eine gewisse Faszination durch seine geometrische klaren Formen und oft monochromen Farben aus.


Grober Waschbeton prägt das Gebäude. Daher auch die Bezeichnung dieses Baustils als Brutalismus, vom französischen “béton brut” -> „roher Beton“. Die norwegischen Großstädte haben davon abseits der Bullerbü-Ensembles durchaus einiges zu “bieten”.[/Tobias]

Kurz darauf hielt ich Variobahn 208 während der Pause in der Endstation fest. Bei der Endstation gibt es kein präferiertes Gleis, auf dem vornehmlich eingefahren wird. Während ich heute Morgen noch einen Wagen auf dem linken Gleis abgelichtet hatte, hatte sich Wagen 208 nun auf dem rechten Gleis eingefunden.

Hier ist nochmal schön zu erkennen, wie die Linie 2 ihre Endstation vorgelagert vor der Endstation der Linie 1 hat. Interessanterweise hat die Endstation der Linie 2 mit dem Namen Kaigaten sogar einen anderen Haltestellennamen erhalten. Während Wagen 217 schon bereit für die Abfahrt in Richtung Fyllingsdalen terminal ist, passiert Wagen 234 die Endstation der Linie 2 noch auf dem Weg zur Station Byparken.

Wir hatten uns ein Stück die Strecke herunter verschoben. Von der Station Nonneseter aus war Wagen 205 kurze Zeit später unterwegs in Richtung der Endstation Kaigaten.

Aus der anderen Richtung kam nur Minuten später Variobahn 220 angefahren. Der Himmel wurde immer heller, für Sonne reichte es aber nicht. Das sorgte dafür, dass die Umgebung um Wagen 220 immer dunkler wurde.

Kurze Zeit später verzog sich der helle Himmel wieder. Stattdessen setzte erneut starker Regen ein, der unsere Motivation für weitere Straßenbahnbilder am heutigen Tag vorerst zum Erliegen brachte. Hier in der Innenstadt hatten wir es sowieso gesehen. Und für die Erkundung der Linie 1 blieb uns schließlich noch der gesamte morgige Tag. Da wäre das Wetter morgen im Zweifelsfall nur besser oder zumindest genauso schlecht.

[Tobias] Ich übernehme hier mal für den Rest des Tages: Nach einer kurzen Pause in der Citybox, nutzten wir die restliche Helligkeit des Nachmittages, um uns ein wenig im weltbekannten Viertel Bryggen umzusehen. Das Holzhausviertel besteht zum Großteil aus Handelskontoren, besonders die Frontansicht über den Hafen hinweg sieht man wohl in jedem Reiseführer über Norwegen. Faszinierender fand ich allerdings das dahinterliegende Labyrinth ineinander verschachtelter Holzgebäude. Das Viertel brannte in der Geschichte mehrmals teilweise ab und wurde zuletzt ab 1965 nach einem Großbrand im Jahr 1955 wiederaufgebaut. Es zählt heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. Das Ganze ist heute natürlich zu 100% touristisch vermarktet und erfüllt keine reale Funktion mehr. Ende August ist der Tourismus in Bergen aber schon merklich abgeflacht und so war es dort deutlich besser auszuhalten, als ich zunächst befürchtet hatte und aus fotografischer Sicht bieten sich natürlich viele Möglichkeiten in so einem Viertel. Wir streiften etwas kreuz und quer hindurch und sahen uns ohne großes Ziel einfach ein wenig um. Vorher schauten wir noch kurz am Murhvelvingen vorbei, dem angeblich ältesten Gebäude Bergens, das nach einem der verheerenden Brände in Bergen 1561 errichtet wurde. Das aktuelle Gebäude wurde nach dem Brand von 1702 wiedererrichtet und beherbergt heute das Buekorpsmuseet.


Das Murhvelvingen, angeblich das älteste Gebäude in Bergen, zuletzt wiederaufgebaut im Jahr 1702.


Wiedermal vorbei am Fischmarkt erreichen wir das Hanseviertel Bryggen, das geprägt ist von großen Holzkontoren. Kein Wunder, brannte es in der Geschichte mehrmals fast vollständig ab.


Durch das Innere des Viertels führen labyrinth-ähnliche Gassen durch die scheinbar ineinander wachsenden Kontore.


Blick von der Frontfassade am Hafen in einen der Eingänge ins Viertel.

In einem 7-Eleven versorgten wir uns jetzt erstmal mit einem Abendessen und gingen damit in die Citybox. Viel herumgelaufen heute im Nassen, da brauchte es mal eine größere Pause, bevor zur blauen Stunde noch einmal angegriffen werden sollte. Mich hielt es nach dem Essen aber nicht mehr lang in der Citybox. Am Himmel waren Lücken in den Wolken zu sehen und da gilt es für die passenden Stimmungsbilder in Norwegen keine Zeit zu verlieren. Das ist das schöne hier: Sieht es in einem Moment vollkommen hoffnungslos aus am Himmel, kann es zehn Minuten später wie aus dem Nichts doch plötzlich wieder aufreißen. Jonas entspannte derweil noch etwas länger in der Citybox, während ich mich zum wiederholten Mal auf den Weg Richtung Hafen machte. Eigentlich wollte ich mir unterwegs noch einen Kaffee ziehen, aber die Lichtstimmung ließ mir gerade keine Zeit mehr.


Das norwegische Wetter zieht den Plan mit dem Blick über den Hafen auf Bryggen etwas nach Vorn: Nicht erst zur blauen Stunde, sondern nun zu den unerwarteten letzten Sonnenstrahlen des Tages geht es wieder an den Hafen.


Auf Höhe der Bergenhus Festning liegen die großen Versorgungsschiffe. Da wirkt die Håkonshalle rechts daneben regelrecht winzig.


Der Himmel explodiert an diesem Abend noch einmal regelrecht, während eine der Linienfähren den alten Hafen von Bergen erreicht. So hatten wir uns das gestern auf dem Fløyen eigentlich vorgestellt.


Eilig lief ich noch die ganze Landspitze bis zum Nordnesparken hinaus um den dortigen Blick in den Byfjorden bei der Abendstimmung mitzunehmen.


Jonas war derweil auch wieder aufgebrochen und nahm die Stimmung am alten Hafen mit, hier mit der schon von heute Morgen bekannten Vulcanus.


Blick den Hafen hinauf Richtung Bergenhus Festning.


Hinten liegen die großen Versorgungsschiffe für die Gasförderung.


Ein weiteres Versorgungsschiff der Gasfelder nähert sich Bergen. Die Schiffe steuern von hier die weltgrößte Gasplattform “Troll A” an, die sich rund 100km von Bergen entfernt etwa 50km vor der Küste befindet. Die Förderung begann 1996. Die Erschließung der Gasfelder spielt für den rasant angestiegenen Wohlstand Norwegens in den 90er- und 2000er-Jahren eine nicht unerhebliche Rolle.


Die Skandi Iceman treibt langsam durch den Byfjorden, um in wenigen Minuten am Hafen festzumachen.


Blick durch den Nordnesparken auf den Byfjord.


Genau für solche unverhofften Lichtstimmungen, wie an diesem Abend, fährt man nach Norwegen. Bis die Dämmerung in die blaue Stunde übergeht, dauert es eine gefühlte Ewigkeit.


Blaue Stunde über Bergen. Fløyen und Ulriken zeichnen sich noch deutlich vor den blauen Wolken ab.


Wer findet das Fake-Haus?


Am Bryggen-Spot hatten wir uns wieder getroffen und liefen anschließend gemeinsam zurück zur Citybox. Auch die Fontäne Lille Lungegårdsvannet wird bei Nacht beleuchtet.

Das ist das Schöne an Norwegen: Nur selten gibt es einen komplett verlorenen Tag. Selbst wenn es den ganzen Tag regnet und höchstens nasse Stimmungsaufnahmen möglich scheinen, reißt es aus dem Nichts plötzlich für ein kurzes Zeitfenster auf. Ein bisschen frech war es allerdings schon, dass die Sonne hier in Bergen scheinbar nur nachts scheint, denn morgen erwartete uns der vielleicht mieseste Regentag dieser Tour. Dazu dann mehr im nächsten Teil von “Sehnsucht nach Typ Braunschweig”. [/Tobias]

One thought on “Sehnsucht nach Typ Braunschweig – Norwegen 2025 II: Im Berliner Reko-Wagen durch Bergen”

  1. Wieder mal ein sehr schöner Bildbericht. Mich als Berliner freut es auch, daß die “Gleistöter”(wie man die Rekos eher unschmeichelhaft nannte, und vom Fahrverhalten her ist es nicht zu abwegig) dort gepflegt werden. Da hätte ich ja schon beinahe selber Lust, mir das vor Ort anzuschauen. Das neue Farbkleid steht den Wagen auch gut.

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