Nachdem der Fokus die letzten beiden Tage größtenteils auf der Museumslinie lag, stand heute die Linie 1 der Bybanen auf dem Zettel. Die mit deutlichem Abstand längere der beiden Linien der Bybanen, war von uns bisher noch relativ unbeachtet geblieben. Der heutige Tag diente zur Erkundung der gesamten Strecke bis zum Flughafen, begleitet von typisch nassem Bergenwetter.
Montag, 1. September 2025: Bergenwetter an der Bybanen
Im Prinzip wich der Plan für den heutigen Morgen von dem gestrigen nicht wirklich ab. Nach dem Aufstehen war die erste Anlaufstelle wieder das Frühstück. Einziger Unterschied war meine Gesundheit. Schon gestern Abend hatte ich gemerkt, dass ich langsam aber sicher krank wurde. Erste Anzeichen waren Halsschmerzen. Heute Morgen merkte ich es dann auch beim Aufstehen. Irgendwie fehlte die Energie, die ich sonst im Urlaub am Beginn eines Tages eigentlich immer mitbringe. Nichtsdestotrotz musste es irgendwie aus dem Bett gehen. Schließlich wollte ich meine Zeit im Norwegenurlaub nicht im Hotel verbringen, Krankheit hin oder her. Für das Frühstück wählten wir den gleichen Narvesen, wie bereits gestern, mit dem einzigen Unterschied, dass wir vor dem Nass von Oben heute Schutz im Inneren suchten. Draußen war es gerade mal wieder ordentlich am Regnen, dementsprechend fiel die Option mit der Bank im Park flach. Glücklicherweise bot der Narvesen mit einem kleinen Fensterbrett samt Barhockern zumindest für zwei Leute eine Möglichkeit, das erworbene Frühstück direkt im Laden zu verzehren. Mit Blickrichtung aus dem Fenster, konnten wir während des Frühstücks das geschäftige Treiben an der vor dem Laden liegenden Bushaltestelle beobachten. Dabei tauchten auch immer wieder Trolleybusse auf, die trotz hier vorhandener Fahrleitung, den Trolley abgesenkt hatten und mit Batterie zu fahren schienen. Ein klares Anzeichen für die kurz nach unserem Besuch realisierte offizielle Einstellung des Trolleybus-Betriebes.
Nach dem Frühstück machten wir uns Gedanken über den Tagesablauf. Unsere Fehlliste des Betriebes offenbarte eigentlich nur noch als große Lücke die Linie 1. Blieb nur die Frage, wo wir an der Linie 1 anfangen wollten. Tobi warf einen Streckenabschnitt kurz vor der Station Kronstad ein, den er sich auf der Fahrt vom Flughafen vorgestern notiert hatte. Erstes Ziel: Die Station Danmarks plass. Von dort liefen wir das Streckenstück zur Kreuzungsstation Kronstad ab. Bevor wir uns auf den Weg zur Station Danmarks plass machten, entstanden an den Stationen Kaigaten und Nonneseter die ersten Bilder des Tages.

Der Unterschied zwischen Wochenend- und Werktagsverkehr wird direkt auf den ersten Blick deutlich. Sowohl die Endhaltestelle der Linie 1, als auch die Station Kaigaten der Linie 2, waren mit Straßenbahnen besetzt. Beide Linien verkehren hier am Montagmorgen im 5-Minuten-Takt. Folglich war hier reges Treiben auf den Schienen. Variobahn 225 befand sich schon im Begriff die Station zu verlassen und sich durch zwei S-Kurven auf das richtige Fahrtrichtungsgleis zu arbeiten. In unserem Rücken wartete bereits der nächste Kurs der Linie 2 auf die Ausfahrt von Wagen 225, um in die Endstation einfahren zu können.
Eine Station weiter hielt ich Wagen 201 kurz vor Erreichen der Haltestelle Nonneseter fest. Hier verläuft die Strecke genau neben der großen Halle des Endbahnhofes der Bergenbahn, dem gläsernen Gebäude links im Bild. Im Hintergrund zeigte sich mal wieder der Ulriken durch die trübe Wettersuppe.
Mit dem Verkehr aus beiden Richtungen war es hier fast unmöglich, die Station ohne einfahrende oder bereits wartende Bahn abzulichten. Hier schließt gerade Variobahn 206 die Türen. Im Moment machte Bergen seinem Titel als regenreichste Stadt Europas zumindest alle Ehre und ich war froh, kurz darauf erstmal in der trockenen Bahn sitzen zu können.
Auf dem kurzen Stück zwischen den Stationen Danmarks plass und Kronstad bot sich so etwas Ähnliches wie Straßenbahnflair. Bei dem aktuell nicht vorhandenen Licht sorgte das dafür, dass es in der Gasse relativ dunkel war, dafür spiegelten sich die Frontlichter der Wagen sehr schön auf dem nassen Untergrund. In der Straße mussten die Autofahrer aus den Seitenstraßen besonders vorsichtig sein, denn die Bahnen der Bybanen rasten hier gerne mal mit 50 Sachen über die Schienen.

Etwa auf halber Höhe zwischen den beiden Stationen öffnet sich die Umgebung der Straße für zwei Querstraßen, was ein wenig mehr Licht in die Szenerie brachte. So konnten wir den entgegenkommenden Wagen 210 festhalten, während dieser die Kreuzung passierte.

[Tobias]Die Querstraßen haben hier zwar Ampeln, dennoch mutete bei Nullsicht auf den Querverkehr die Geschwindigkeit der Bahnen teilweise schon etwas riskant an.[/Tobias]
Nur wenige Meter weiter befindet sich eine etwas ältere Häuserzeile, bei der wieder mal keine Hausfarbe der anderen gleicht. Im krassen Kontrast dazu präsentierte sich der Komplex im Hintergrund aus Einkaufsläden und Apartments, der mit seiner Glasfront eine deutlich modernere Epoche repräsentiert. Davor zeigte sich Wagen 220.
An der Station Kronstad angekommen, fiel der Blick auf die Linie 2 hinab. Im Gegensatz zum ersten Tag wählten wir heute die Perspektive in die andere Richtung. Der Abschnitt der Linie 2 von hier bis zum Tunnel ist nicht wirklich sehenswert: Kurz hinter der Kurve beginnt links und rechts der Trasse ein Gewerbegebiet, das nicht wirklich fotogen ist und aus diesem Grund von uns bei unserem Besuch gestern außen vor blieb. Variobahn 221 erreichte hier von der Station Mindemyren kommend die Station Kronstad.
Den nach der Station Kronstad folgenden Abschnitt der Linie 1 hatten wir am ersten Tag zumindest bis zur Station Sletten schon bereist. An diesem Tag hatten wir aber eher nach einem geeigneten Motiv in der Sonne gesucht und dabei im Schatten liegende Motive links und rechts der Strecke nicht beachtet. Auf die Sonne mussten wir heute keine Rücksicht nehmen und nahmen uns den Abschnitt somit nochmal in aller Ruhe intensiver vor. So kamen wir mit der nächsten Bahn gerade mal bis zur nächsten Station Brann Stadion, bevor uns ein erstes Motiv ins Auge sprang. Direkt neben der Station stehen einige typische Holzhäuser. Nach einem Bild ging es zu Fuß weiter bis zur nächsten Station Wergeland, wo die Strecke in einem der vielen kurzen Tunnels verschwindet. Dies ließ uns zwangsläufig wieder auf die Straßenbahn als Fortbewegungsmittel zurückgreifen.
Variobahn 210 hält an der Station Brann Stadion. Die typischen aus ganz Skandinavien bekannten, holzverkleideten Häuser, finden sich auch in Norwegen und dienten hier als willkommenes Motiv.
Nach einigen Metern fiel der Blick schon auf die folgende Station Wergeland. Direkt hinter der Station beginnt ein kleiner Tunnel, dessen Portal schon von weit vor der Station zu sehen ist. Die Steigung von der Station hinauf arbeitete sich hier Wagen 203 Richtung Innenstadt und hat die Kuppe zur Station Brann Stadion fast erreicht.
Vor dem nächsten Kurs in Richtung Bergen lufthavn hatten wir die Station Wergeland erreicht. Für einen kleinen Perspektivwechsel begaben wir uns auf das Tunnelportal und konnten so ein Bild mit dem in der Station stehenden Wagen 230 umsetzen. Im Hintergrund ist noch die Steigung zu erahnen, auf der das letzte Bild entstanden war.
Bevor wir mit dem nächsten Kurs weiter in Richtung Bergen lufthavn fuhren, kam zunächst der Kurs in Richtung Bergen sentrum in die Station gefahren. Wir hatten uns vom Tunnelportal auf die andere Seite der Haltestelle verschoben und hielten auch Wagen 231 in der Station fest.
In der Folge ging es erstmal einen weiten Abschnitt von acht Stationen ohne Zwischenstopp weiter. Erst an der Station Skjoldskiftet unterbrachen wir unsere Reise ein nächstes Mal. Es handelt sich um die erste Station nach der Station Nesttun sentrum, an der wir am ersten Tag die Erkundung der Linie 1 abgebrochen hatten. Die Strecke zwischen den Stationen Wergeland und Skjoldskiftet gab über weite Teile nicht viel her. Eine Ausnahme bildet die Station Paradis, der wir uns schon des Namens wegen auf dem Rückweg noch einmal annehmen wollten. Anders sah es da schon an der Station Skjoldskiftet aus. Ich selbst hatte kein Motiv erkannt, war aber auch ein wenig ins Dösen geraten und hatte nicht wirklich viel von draußen mitbekommen. Tobi hatte etwas gesichtet und zum Aussteigen getrommelt. Tatsächlich gab die Station meines Erachtens nicht so viel her wie erwartet, dafür erspähte ich in der Ferne an der Station Mårdalen ein mögliches Motiv. So richtig gab es zwischen den beiden Stationen keinen geeigneten Weg zu Fuß, weshalb wir auf die nächste Bahn warteten – fährt ja häufig genug…

Variobahn 225 an der Station Skjoldskiftet in Richtung Innenstadt.
Wie erhofft, bot die folgende Station ein Motiv. Genau genommen ergaben sich sogar gleich zwei Motive, sodass von der Station aus gesehen in beide Richtungen Bilder umgesetzt wurden. Einziges Hindernis stellte die viel befahrene Straße dar, die parallel zur Straßenbahn verläuft und uns ein wenig verzweifeln ließ. Wir warteten in beide Richtungen weitere Kurse mit der Hoffnung ab, im nächsten Bild weniger störende Autos zu haben. Unsere Hoffnungen wurden jedoch enttäuscht, es war einfach zu viel los auf der Straße. Daher gaben wir unsere Stellung nach den weiteren Versuchen in beide Richtungen auf. Sowohl bei mir als auch bei Tobi zehrte das anhaltend schlechte Wetter ein wenig an der Motivation und wir einigten uns nach den Bildern an der Station Mårdalen schnell darauf, dass nun der richtige Zeitpunkt für eine Kaffeepause wäre.
Die Station Mårdalen liegt zwischen einer stark frequentierten Straße auf der einen Seite und einem Hang auf der anderen Seite. Um sowohl die am Hang liegenden Häuser als auch die auf der anderen Seite der Straße liegende Siedlung optimal anzubinden, wurde für die Haltestelle eine Fußgängerbrücke gebaut. Das machten wir uns zu Nutzen und postierten uns für den Kurs nach Bergen lufthavn auf der Brücke. So konnten wir Wagen 231 begleitet von einigen Autos auf der Straße kurz vor der Station festhalten.

[Tobias]Besagte Fußgängerbrücke ist hier im Bild zu sehen. Die Betonstützmauer dahinter war mit einigen hübschen Motiven bemalt. So gab auch die an der Strecke omnipräsente Betonflut mal ein Motiv her. Variobahn 205 erreicht die Station Mårdalen Richtung Innenstadt. [/Tobias]
In der anderen Richtung verschwindet die Straßenbahn nur wenige Meter hinter der Station erneut in einem Tunnel. Auf dem kurzen Stück davor geht es auf einem Rasengleis entlang, dass grüner fast kaum sein kann. Bei dem Wetter war das auch nicht verwunderlich. Die Betonoptik der Stützmauer links im Bild wird auch auf dieser Seite der Station mit einigen Malereien aufgelockert, neben denen sich Wagen 230 zeigte.

Ein letzter Blick auf die Station Mårdalen. Die exzellente Trassierung der Bybanen ist selbst für ein Stadtbahnsystem außergewöhnlich.
Nach der Station Mårdalen verschwindet die Strecke im nächsten Tunnel, nach dessen ende es nur zwei Stationen brauchte, bis wir direkt neben der Straßenbahn an der Station Lagunen auf ein großes Einkaufszentrum trafen. Wir kehrten erstmal beim Espresso House ein. Ausgestattet mit jeweils einem Kaffee und einem Stückchen, setzten wir uns draußen an einen überdachten Tisch und beobachteten die unermüdlich in beide Richtungen vorbeifahrenden Straßenbahnen. Der Kaffee sorgte genau für den richtigen Effekt. Danach fühlten wir uns einerseits wieder etwas fitter, andererseits war auch die Motivation zurückgekehrt.

[Tobias]Der Kaffeedurst führte uns zum Espresso House an der großen Mall bei der Station Lagunen terminal. Unter dem Vordach des Espresso House sitzend, ließen sich die vorbeifahrenden Bahnen beobachten, auch wenn das hier nicht wirklich abwechslungsreich ist.

Eine steil ansteigende Anwohnerstraße ermöglicht diesen Blick auf die Station Lagunen terminal an der großen Mall. Dahinter geht es gleich wieder auf eine Brücke, an die der nächste Tunnel anschließt. Immer wieder staunte ich über die kompromisslose Trassierung dieser Strecke. Der Regenschirm kapitulierte hier erstmals vor dem Wind.
Nach der Pause ging es weiter bis zur Station Birkelandsskiftet. Die Strecke bis dorthin gab nicht wirklich viel her, da weite Teile in mehreren Tunnels verlaufen, bei denen einer sogar eine Tunnelstation zu bieten hat. Einzige Ausnahme ist die Station Sandslivegen, an der wir uns für die Rückfahrt ein potentielles Motiv mit einer Brücke notierten. Eine Brücke war auch der Grund, warum wir die Bahn an der Station Birkelandsskiftet verließen. Über einer großen Straße spannt sich die riesige Brücke mit interessanter Stahlseilkonstruktion auf. Es regnete in Strömen, dennoch setzten wir ein paar Perspektiven an der Station Busanschluss um. Anschließend ging es weiter bis zur Endstation Bergen lufthavn weiter. Kurz vor der Endstation passierten wir noch das Depot der Bybanen, von dem man von außen nicht wirklich viel einsehen konnte.

An der Station Birkelandsskiftet befindet sich direkt hinter der Station eine interessante Brücke, die aus der Nähe, unter dem schützenden Haltestellendach stehend, nur schwer darzustellen war. Daher spannten wir unsere Regenschirme auf und begaben uns einige Meter hinter die Station, um Variobahn 229 mit der Brücke darstellen zu können.

[Tobias]Das wurde langsam wirklich ungemütlich. So ungemütlich, dass es mir schon wieder ein Bild wert war, während Jonas unter dem Haltestellendach Zuflucht suchte. Reicht da noch der Spritzwasserschuss, oder braucht es schon ein Unterwassercase? Egal, meine Nikons haben sowas schon häufiger klaglos überstanden. Variobahn 224 fährt Richtung Innenstadt in die Station Birkelandsskiftet ein.[/Tobias]

Die Station Bergen lufthavn der Bybanen am Flughafen befindet sich im Untergrund. Darüber erheben sich mehrere Ebenen des Flughafens. Trotzdem dringt ein wenig Tageslicht in die Station, da die Haltestelle zwar überdacht, aber trotzdem im Freien gebaut wurde. Variobahn 231 hat soeben die Station erreicht und rückt in der Folge in die Abstellanlage hinter der Endstation, um kurz darauf auf der anderen Bahnsteigseite an der Abfahrtstation wieder aufzutauchen.

[Tobias]Blick vom Rand der anderen Seite der tiefergelegten Station auf die Bahnen 218 und 231.[/Tobias]
Jetzt hatten wir die gesamte Strecke der Linie 1 einmal von Anfang bis Ende erkundet. Für den Rückweg standen nun noch die zwei Zwischenstopps an der Brücke bei Sandslivegen und an der Station Paradis auf dem Programm. An der Station Sandslivegen ging zu Fuß über die eine lange, ansteigende Kurve beschreibende Brücke hinauf. Von einer Fußgängerbrücke bot sich ein schöner Blick über die Brücke und die dahinterliegende Gegend. Danach folgte der zweite geplante Zwischenstopp an der Station Paradis, bei der wir uns erneut einer Fußgängerbrücke als Hilfsmittel bedienten, um die Bilder umzusetzen.
Die Brücke nahe der Station Sandslivegen erstreckt sich in einer langen Kurve zwischen jeder Menge Bäume. Im Hintergrund erheben sich einige Neubauten, die dem Baukran nach zu urteilen, noch durch weitere Komplexe ergänzt werden sollen. Auf der Brücke zeigt sich Variobahn 234. Die Brücke stellt ein perfektes Beispiel für die herausragende Trassierung der Strecke in Bergen dar. Die Kurve ist so langgezogen, mit eisenbahnartig feinen Übergangsradien, dass sich die schlechten Kurvenfahreigenschaften der Multigelenker trotz relativ hoher Geschwindigkeiten gar nicht erst offenbaren.

[Tobias]Ich folgte noch dem von der Brücke ausgehenden Fußweg in ein angrenzendes Wohngebiet und kämpfte mich durch die Püftzenlandschaft eines kleinen Anwohnerparkplatzes bis an einen seitlichen Ausblick auf die Brücke. Variobahn 207 rauscht hier elegant hinab in die Station Sandslivegen.[/Tobias]

Die Station Sandslivegen ist eine weitere Station direkt an einem Tunneleingang. Wiedermal ist der Bahnsteig auf genau siebenteilige Wagen bemessen, wie schon zu Beginn der Bybanen, als zunächst fünfteilige Fahrzeuge beschafft wurden. Die Beschaffung von noch längeren Wagen ist ohne Änderung der Infrastruktur nicht möglich. Wagen 228 folgte auf Variobahn 234 in Richtung Flughafen.

Wie zuvor bereits die Station Mårdalen befindet sich auch die Station Paradis auf einem niedrigeren Niveau als die umliegenden Siedlungen. Daher hat man sich auch hier für die Anbindung der Station per Fußgängerbrücke entschieden. Da ging natürlich Tobis Herz beim Anblick der Brücke direkt auf. Wobei sich diese, anders als einige Exemplare in Japan, in einem top gepflegten Zustand befindet. Durch das erhöhte Niveau war es möglich, uns direkt über der Straße zu postieren und den Wagen 232 mit Fahrtrichtung Bergen sentrum neben der Straße festzuhalten.
In die andere Richtung geblickt, wurde der Höhenunterschied zwischen der Station und den Häusern noch einmal deutlicher. Variobahn 215 ist gerade unter den Häusern hindurch aus dem Tunnel hervorgekommen und erreichte die Station Paradis.
Jetzt hatten wir erstmal genug von der Bybanen und dem Wetter. Um uns ein wenig aufzuwärmen und neue Energie zu sammeln, entschieden wir uns dazu, einen Zwischenstopp in der Citybox einzulegen. Es war erst 14:30 Uhr und selbst mit ein bis zwei Stunden Pause in der Citybox, wäre im Anschluss noch genügend Zeit, sich einigen weiteren Motiven in der Innenstadt zu widmen, die noch so ein wenig lose auf dem Motivzettel standen. Von der Station Nygård liefen wir zunächst an der Citybox vorbei zu einem SB-Bäcker, an dem wir uns reichlich Leckereien für ein Mittagessen besorgten, mit dem es anschließend in die Citybox ging. Für mich war das mit meiner Erkältung eine längst überfällige Pause, die ich dankend annahm. Nach einiger Zeit war es dann Tobi, den der Tatendrang wieder packte und er brach zunächst alleine auf. Wir würden uns schon früher oder später wiederfinden. Ich gönnte mir noch eine halbe Stunde länger und brach dann auch wieder zur Bybanen auf. Mein Ziel für den Rest des Tages war zunächst der Abschnitt zwischen den Stationen Nygård und Florida. Einerseits hatte ich dem kurzen Abschnitt bisher keine Beachtung geschenkt, andererseits befindet sich die Station Florida am Ufer des “Meeres”, auf dessen anderer Seite die Station Fløen liegt. Daher wollte ich gucken, ob vielleicht ein Bild mit Straßenbahn als Perspektive über das Wasser möglich wäre. Zu Fuß ging es also zur Station Nygård und dort traf ich auch direkt wieder auf Tobi, der bisher auch noch nicht weitergekommen war und rund um die Station einige Perspektiven umgesetzt hatte. Daher nahmen wir uns die Umsetzung des Bildes übers Wasser gesehen zusammen vor.
[Tobias]Ich war in der Zwischenzeit tatsächlich an der Bybanen nicht weitergekommen. Grund dafür war allerdings, dass ich einen kleinen fotografischen Abstecher in das alte Stadtviertel zwischen Bahnhof und Radhus unternommen hatte. Das ist mehr das “normale” alte Bergen, im Gegensatz zu dem inzwischen eher touristisch kitschigen Bryggen. Es ist eine Mischung aus Besuchern und Einheimischen, die sich hier die “Marken” zwischen kleinen Läden und Lokalen hoch und runter schiebt, während es in Bryggen für Einheimische quasi keinen für einen Besuch gibt. Sobald man von der Marken in eine der Nebengassen abzweigt, ist es fast beschaulich ruhig, es gibt nur noch alte Wohnhäuser und man vermutet sich eher in einem Dorf, denn in der zweitgrößten Stadt Norwegens.

Die Marken ist eine Flaniermeile, die vom Endbahnhof der Bergenbahn hinüber Richtung altem Hafen führt. Einheimische und Touristen vermischen sich hier ein wenig mehr, als am Fischmarkt und im Hanseviertel Bryggen.

Von der Marken zweigen in dem kompakten Stadtviertel kleine Gassen in die benachbarten, verschlafenen Wohnstraßen. Am Fuß des Viertels liegt die Kaigaten, auf der die Bybanen verläuft.

Eine Straße tiefer fällt der Blick durch die Gronnevollen. Wie so oft, herrscht ein paar Meter abseits der ausgetrampelten Pfade schon wieder beschauliche Ruhe.

Das Postauto kommt hier augenscheinlich nicht in jede Gasse.

Rosen in der Gronnevollen.
Nach diesem kleinen Abstecher fuhr ich mit der Bybanen zwei Stationen bis Nygard, wo ich bald wieder auf Jonas traf, der inzwischen auch wieder gestartet war.[/Tobias]
Viel heller war es während unserer Pause in der Citybox nicht geworden. Hier befand sich die Strecke aber auch in einer dunklen Straße, die wenig Licht auf Wagen 227 fallen lässt. Die Bemalung der Hauswand im Hintergrund sorgte aber für ein buntes Motiv. Außerdem ist der Abschnitt zwischen den Stationen Bergen busstasjon und Nygård einer der wenigen, auf der die Bybanen wirklich als Straßenbahn verläuft, wenn auch auf eigener Spur.
In der Station Nygård selbst zeigte sich kurz darauf Wagen 225. Im Hintergrund ist noch immer die bemalte Hauswand zu erahnen.
Kurz vor der Station Florida folgte Wagen 210. Hier hat die Strecke schon wieder eine besondere Trasse mit gepflegtem Rasengleis zwischen den beiden Fahrspuren der Straße.
Nur wenige Meter weiter dreht sich die Strecke in die andere Richtung und erreicht am Ende der Kurve die Station Florida. Auf dem Bahnsteig der Station stehend, konnte ich Wagen 223 in der Kurve festhalten, hinter der sich der Komplex des Klimaforschungszentrums von Bergen erhebt.
Nun nahmen wir das Bild der Linie 2 übers Wasser hinweg in Angriff. Dafür folgten wir von der Station Florida zunächst ein Stück dem Weg am Ufer. Auch hier wieder auffällig, wie populär in Norwegen das Laufen ist. Man kam sich im Gehen fast schon seltsam vor. Das schien hier wirklich Volkssport zu sein. So richtig optimal wurde die Perspektive mit Straßenbahn nirgends, egal wie weit wir den Weg auch gingen. Immer wurde die Trasse von irgendetwas verdeckt, sodass lediglich die obere Hälfte der Wagen zu sehen war. Letztendlich begnügten wir uns mit einer solchen Umsetzung.
Auch ohne komplette Straßenbahn war das Motiv mit Wasser im Vordergrund und bebautem Berghang im Hintergrund durchaus sehenswert. Eine Variobahn näherte sich derweil am Ufer entlang der Station Fløen.
Wenige Sekunden später hatte der Wagen die Station Fløen erreicht und kreuzte dort wie bereits bekannt mit dem entgegenkommenden Kurs der Linie 2. Auf dieser Uferseite geht die Bebauung nur ein kurzes Stück den Hang hinauf, danach werden die Berghänge zu steil. Von dieser Uferseite ist sehr schön die unkonventionelle Haltestellenanbindung per Fußgängerbrücke zu sehen, die sich direkt an der Haltestelle erhebt.
An der Linie 1 hatten wir alles umgesetzt, was wir uns für heute vorgenommen hatten und wechselten daher in Kronstad auf die Linie 2. Nicht ohne dem schon von gestern bekannten God brød einen Kaffeebesuch abzustatten. Währenddessen beschlossen wir, uns die beiden Station Kristianborg und Haukeland sjukehus anzuschauen, dort wäre das Wetter jedenfalls egal.
Kristianborg ist die letzte Station vor dem langen Tunnel nach Fyllingsdalen terminal und befindet sich direkt am Eingang des Tunnels. Zwar hatte ich nicht so richtig eine Vorstellung, ob dort überhaupt ein Motiv umsetzbar wäre, versuchen wollte ich mein Glück aber mal.

Von jeder Menge Beton geprägt, ist die Station Kristianborg. Direkt danach verschwindet die Strecke im drei Kilometer langen Tunnel, auf dessen anderer Seite sich die Station Fyllingsdalen terminal und damit die Endstation der Linie 2 befindet. In Richtung Innenstadt hat Wagen 217 soeben den Tunnel durchfahren und die Station Kristianborg erreicht. Parallel zum Straßenbahntunnel verläuft der links zu sehende Tunnel für Radfahrer, die hier wie in vielen anderen Ländern eine deutlich bessere Infrastruktur genießen, als in Deutschland.

[Tobias]Die Station Kristianborg erinnerte mich unweigerlich an einige moderne Betonbahnhöfe in der Schweiz, die einen ähnlichen “Betoncharme” aufweisen. Variobahn 217 sticht hier aus dem langen Tunnel Richtung Innenstadt hervor.[/Tobias]
[Tobias]In der irrsinnigen Annahme, die Tunnelstation befände sich im langen Tunnel nach Fyllingsdale, fuhren wir anschließend die fünf Minuten durch den Tunnel, nur um festzustellen, dass da keine Station war. Konnte auch nicht, denn die Tunnelstation Haukeland sjukehus befindet sich im Abschnitt zwischen Kronstadt und Fløen. Da war das Koordinatensystem aber mal ordentlich verdreht gewesen. Unverrichteter Dinge ging es daher zurück durch den Tunnel, vorbei an Kronstad und schließlich verließen wir die Bahn an der richtigen Stelle in der Tunnelstation. Die ist durchaus hübsch gestaltet und war mir einige Aufnahmen wert. Interessant auch die langen Fahrstühle und Rolltreppen, die hier an die Oberfläche des Hügels führen, den die Bybanen fast auf Seelevel tief im Tunnel unterquert.

Variobahn 217 fährt in die Station Haukeland sjukehus ein.

Durch einen langen senkrechten Schacht führen Rolltreppen und Fahrstühle hinauf an die Oberfläche.

Warme Beleuchtung und dezente Mosaike am Boden erzeugen eine angenehme Aufenthaltsqualität in der Tunnelstation. Da kennt man ganz anderes…[/Tobias]
Aus dem Tunnel ging es ohne weiteren Zwischenstopp zurück in die Innenstadt und so erreichten wir kurz darauf die Station Kaigaten. Ein letztes Bild entstand an der Station Byparken, dann war der Straßenbahntag für uns beendet.
Das letzte Straßenbahnbild des Tages entstand an der Station Byparken. Variobahn 215 erreichte die Station als Linie 1.
[Tobias]Wir drehten noch einen letzten Schwenk durch die Innenstadt, bevor wir uns mit Abendessen versorgten. Die üblichen Pizzastücken und Nuggets aus dem Narvesen und dann am Rückweg noch etwas aus dem Supermarkt.

Westlich von altem Hafen und Fischmarkt verläuft die ebenfalls sehenswerte Kong Oscars gate.

Insgesamt ist das alles sehr kompakt hier in Bergen und so kommt man schnell wieder am Hafen raus, an den sich das Hanseviertel Bryggen anschließt. Noch eine Aufnahme aus der Kong Oscars gate für die bucklige Verwandtschaft?[/Tobias]
Auf dem Rückweg liefen wir noch den Rema 1000 gegenüber der Grieghallen an, der sich unweit der Citybox befindet. Der Kiwi-Supermarkt hatte uns das letzte Mal nicht vollends überzeugt, daher bekam jetzt der Rema 1000 seine Chance. Nach dem langen und kräftezehrenden Tag wollten wir uns heute ein Bierchen zum Abend gönnen. Doch da hatten wir das norwegische Gesetz vergessen. Als wir letztendlich mit allen Sachen an der Kasse standen, teilte uns der Verkäufer mit, er könne uns das Bier nicht mehr verkaufen, da das ab 20 Uhr nicht mehr erlaubt sei. Wir guckten auf die Uhr wie spät es war: 20:01 Uhr. Da war jemand sehr genau mit den Regeln aber da hat er eben bei digitalem Kassensystem auch keinen Spielraum. So waren wir zumindest für die folgenden Tage vorgewarnt, falls wir nochmal unser Glück mit einem Bierchen versuchen wollten. Für heute begnügten wir uns mit den sonstigen Getränken, die wir zusätzlich zum Bier gekauft hatten. Mit der nun leicht geminderten Ausbeute ging es die wenigen Meter zur Citybox. Für mich war der Tag damit auch beendet. Mit der immer stärker werdenden Erkältung und nach dem frischen und nassen Tag, waren bei mir die Kräfte einfach am Ende. Tobi hingegen brach nochmal auf, um einige Bilder bei Nacht umzusetzen. Ich vertrieb mir den Abend mit Serie gucken, bis auch Tobi nach einigen Stunden wieder zurückkehrte.
[Tobias]Während Jonas sich seiner Erkältung ergeben musste, lockte mich auch am heutigen Abend abermals die geniale Lichtstimmung vor die Tür. Den ganzen Tag trüb und regnerisch und abends explodiert wieder wie aus dem Nichts der Himmel. Dürfte aber gern auch mal am Tag aufreißen die Wolkensuppe. Egal – muss man nehmen wie es kommt.

Gegen 21 Uhr reißt es plötzlich nochmal auf am Himmel. Der Blick aus der Citybox fällt auf ein geniales Lichtspiel über der Grieghallen. Da musste ich natürlich nochmal vor die Tür.

Das letzte Licht des Tages beleuchtet die Wolken an der Grieghallen von unten.

Mit Stativ bewaffnet ging es die wenigen Schritte hinüber zum Bahnhof. Der Trubel, der hier am Tag herrscht, war verflogen und der Takt der beiden Linien auf ein 15-Minuten-Intervall ausdünnt. Variobahn 206 nimmt am Bahnhof die wenigen Fahrgäste Richtung Lufthavn auf.

An den Endstationen Kaigaten und Byparken warten die Linien 1 und 2 auf ihre Abfahrtszeiten, während die letzten Farben am Himmel erlöschen.

Ich schlenderte noch einmal die inzwischen fast menschenleere Marken entlang. Bei Nacht noch einmal eine ganz eigene Stimmung.

Die Läden entlang der Marken haben geschlossen und es ist Ruhe eingekehrt in der sonst so trubeligen Innenstadt Bergens.

Große Ketten sucht man hier an vielen Stellen vergebens, die findet man eher in den großen Malls, an der wir etwa heute Vormittag gewesen sind. Andererseits fragt man sich auch immer, wie solche Läden überleben. Oder ist es nur Kulisse?

Die vielleicht hässlichste Station der Bybanen hatte ich mir bis zum Schluss aufbewahrt: Bergen busstasjon. Der Busbahnhof liegt unter einem gigantischen Parkhaus und erstrahlt in feinstem Neonröhren-/Betoncharme. Die Bybanen führt einmal quer unter dem Parkhaus hindurch, rechts schließt der große Busbahnhof an.
Es war inzwischen 22 Uhr und nach dieser kleinen Abschlussrunde durch Bergen kehrte ich in die Citybox zurück. Morgen würde es schließlich früh losgehen: Für 6.21 hatte ich unsere Plätze für die Bergenbahn nach Oslo gebucht. Die Reise mit der Bergenbahn sowie erste Bilder in Oslo werden dann im nächsten Teil von “Sehnsucht nach Typ Braunschweig” thematisiert. [/Tobias]
