Sehnsucht nach Typ Braunschweig – Norwegen 2025 IV: Im CAF Urbos 3 durch Oslo

Am heutigen Tag stand zunächst der Ortswechsel von Bergen nach Oslo auf dem Programm. Dafür nutzen wir die Zugverbindung der weltbekannten Bergenbahn zwischen Bergen und Oslo. Am Nachmittag trennten sich Tobis und meine Wege und während ich bei zunächst blauem Himmel das Netz ein erstes Mal erkundete, widmete sich Tobi noch unbekannten Strecken und ein wenig mehr der Kultur von Oslo.


Dienstag, 2. September 2025:

Ungewohnt früh ging es heute bereits um 05:30 Uhr aus dem Bett. Wir hatten uns bei der Verbindung mit der Bergenbahn für die frühestmögliche bei Tageslicht entschieden um einerseits diese einzigartige Strecke nicht im Dunkeln abzureißen, andererseits noch möglichst viel vom Licht des Tages in Oslo zu haben. Trotzdem startete der Zug bereits um kurz nach sechs Uhr in Bergen. Dementsprechend blieb das frühe Aufstehen nicht aus. Insgesamt dauerte die Fahrt fast sieben Stunden, sodass wir um ca. 13 Uhr Oslo erreichen sollten. Gepackt hatten wir schon gestern Abend, daher mussten wir nach dem Aufstehen nur noch unsere Koffer schnappen, die Zimmerkarten zurück in den Automaten am Eingang der Citybox stopfen und uns auf den Weg zum Bahnhof machen. Der Bahnhof ist von der Citybox auch mit Koffern im Gepäck innerhalb von nur wenigen Minuten fußläufig erreichbar. Tobi gab dabei am heutigen Morgen eindeutig das Tempo vor. Mir ging es heute den dritten Tag infolge schlechter als am Vortag und dementsprechend war ich froh, den Koffer überhaupt irgendwie bis zum Bahnhof durch Bergen gezogen zu bekommen, egal in welchem Tempo. Am Bahnhof angekommen, statteten wir dem örtlichen Narvesen einen Besuch fürs Frühstück ab. Mit ordentlich Verpflegung für die lange Fahrt ausgestattet, ging es in der Folge zum Abfahrtsbahnsteig. Dort stand unser Zug bereits abfahrtbereit und wir konnten uns bereits die gebuchten Plätze suchen und für die siebenstündige Fahrt einrichten. Schnell die Koffer in der Gepäckablage verstaut, dann machten wir es uns auf den Plätzen gemütlich. Über die Fahrt wird im Folgenden Tobi berichten, der sich von Zeit zu Zeit von seinem Sitzplatz an die Tür des Zuges verlagert hatte, um die vorbeiziehende Landschaft zu beobachten. Ich war hingegen froh, einfach nur auf meinem Platz sitzen zu können und mehr damit beschäftigt, mich irgendwie wach zu halten, anstatt die schöne Landschaft genießen zu können.


Frühmorgens am Endbahnhof der Bergensbane. Links unser Zug nach Oslo Sentralstasjon.

[Tobias]Die Landschaft, die hier auf der Bergensbane von Zeit zu Zeit an einem vorbeifliegt, ist teilweise nur mit “atemberaubend” zu beschreiben. Lange Zeit geht es entlang der Fjorde ins Landesinnere, bevor sich die Strecke auf über 1200 Meter auf die Fjells hinaufschraubt und mit der Hardangervidda die größte Hochebene Europas überquert. Weite karge Berglandschaften mit Seen, wie man sie in den Alpen erst tausend Meter höher antrifft und selten so menschenverlassen. Höhepunkt sind sicher die tiefen Blicke hinab von den Berghängen rund um den Anschlussbahnhof Myrdal, an dem die rein touristisch geprägte Flåmsbana anschließt.


Irgendwo im Hochland vor Finse.


Das Wechselspiel aus Licht und Schatten sorgte für eine ganz eigene Stimmung im Hochland.


Beim Anblick der Schotterpisten in spektakulärer Landschaft wollten die Beine sogleich auf’s Rad steigen. Wenn nur die Infrastruktur hier nicht ganz so dünn wäre… Eine Überlegung wert wäre es dann, diese Route einmal mit dem Rad abzureißen.

Von Zeit zu Zeit verließ ich meinen Sitzplatz, um im Türbereich des Stadler-Triebzuges den Blick frei wählen zu können und mir bei einem Kaffee aus dem Automaten etwas die Beine zu vertreten. Über die weiten Fjells mit Blick auf die Schotterpisten juckte es dem Radler in mir schon in den Beinen. Reger touristischer Fahrgastwechsel herrschte am Bahnhof von Finse.
Richtung Oslo wird es dann zunehmend unspektakulär. Am frühen Nachmittag erreichten wir die Sentralstasjon. [/Tobias]

In Oslo angekommen und aus der großen Sentralstasjon hinaus, sind es nur wenige Schritte, bis man bereits über die Schienen der Straßenbahn stolpert, die einmal quer vor dem Kopfbahnhof entlangführt. Bevor wir uns aber intensiver der Straßenbahn widmen wollten, sollten es zunächst zur Citybox gehen, um dort zumindest unser Gepäck lagern zu können. Doch noch während wir die Straße vor dem Bahnhof in Richtung Citybox überquerten, fiel mir etwas Ungewöhnliches auf der Straßenbahn ins Auge. Bisher waren mir dort nur die typischen runden Fronten der CAF Urbos 100 aufgefallen, die inzwischen den kompletten Planverkehr in Oslo übernommen haben. Dort kam jedoch ein Fahrzeug mit abweichend eckiger Front angefahren. Es handelte sich um einen Vertreter der SL79-Baureihe. Von dieser Baureihe waren während unseres Besuches zumindest noch zwei Fahrzeuge einsatzbereit. Meine Hoffnungen auf einen tatsächlichen Einsatz waren jedoch nicht wirklich groß gewesen. Umso erfreulicher war der Anblick des Fahrzeugs, das hier sogar perfekt in ein Motiv gefahren kam. Wir zückten schnell die Kameras und schossen ein Bild des Wagens, der meinen Erwartungen entsprechend, nur als Fahrschulwagen unterwegs war. Umso schöner, zumindest ein Bild des Fahrzeuges im Kasten zu haben. Wer weiß, ob uns nochmal die Gelegenheit dazu geboten werden würde.

Gerade eben erst aus dem Bahnhof herausgetreten, entstand das erste Bild des Tages. Genau passend zeigte sich mit Wagen 137 einer der letzten zwei bei unserem Besuch noch in Betrieb stehenden Wagen der SL79-Baureihe. Hier hatte der Wagen als Fahrschule die Station Jernbanetorget station ohne Halt durchfahren.

Nach dem Bild ging es wie geplant zur Citybox, die sich hier nur wenige hundert Meter vom Bahnhof entfernt befindet. Wie bereits in Bergen, konnten wir auch hier schon in unser Zimmer einchecken und brachten die Koffer aufs Zimmer. Wirklich lange hielt es dort aber keiner von uns beiden aus. Draußen schien gerade die Sonne in vollen Zügen und nach dem regnerischen Tag gestern, wollten wir bei dem Wetter heute noch einige Bilder umsetzen. Ich orientierte mich von der Citybox erstmal zurück zum Bahnhof, da der Bahnhofsvorplatz und die darum herum verlaufenden Gleise sehr vielversprechend aussahen. Tobi hingegen machte sich auf den Weg in eine andere Region des Netzes. Wir würden uns später am Tag wiedertreffen, jetzt ging es erstmal für jeden von uns auf eigene Faust durch Oslo. Rund um den Bahnhof entstanden so in der nächsten halben Stunde die ersten Sonnenbilder in Oslo.

Ich hatte mich die Station Jernbanetorget entlangbewegt und war an der gleichnamigen Station für die Linie 17 angekommen. Die Gleise in meinem Rücken enden nach wenigen Metern und werden dementsprechend nicht bedient. Es sind die Reste der alten Trasse Richtung Ljabru. Mit der Neubaustrecke durch das neue Viertel auf dem alten Hafenareal, wurde diese Verbindungsstrecke aufgegeben. Folglich konnte es für Wagen 481 von der Station aus nur nach links gehen. Das war mir zum Zeitpunkt der Aufnahme noch nicht bewusst gewesen, weshalb mir so nur ein Bild übrigblieb, bei dem Teile des Wagens von der Haltestelle verdeckt sind. Die Linie 17 schneidet bei diesem Fahrtverlauf den Bahnhof nur leicht an und hat keine sonderlich guten Umsteigebeziehungen zum Bahnhof selbst. 

Um 90 Grad nach rechts gedreht, fällt der Blick in die Richtung, in die Wagen 481 eben abgebogen war. Von dort folgt kurze Zeit später Wagen 422 und überquert die Kreuzung auf geradem Wege in Richtung der Station Jernbanetorget. Hier auch nochmal schön zu sehen, die nach rechts abgehenden Gleise, die inzwischen nach wenigen Metern enden. 

Ganz perfekt ging meine Vorstellung an der nächsten Stelle nicht auf: Ich lief an der Haltestelle der Linien 17 und 18 vorbei und stellte mich entgegen der Blickrichtung des Bahnhofs auf. Eigentlich wollte ich hier per Nachschuss ein Bild des Wagens schießen, während sich dieser in der Kurve vor dem Haus befindet. Problem war nur, dass sich in die Kurve vor dem Haus bereits der Schatten geschlichen hatte, sodass ich das Bild ein ganzes Stück früher umsetzen musste. Dabei befand sich Wagen 426 kurz nach der Station Jernbanetorget noch in der Außenkurve. Hier bestand auf jeden Fall noch Optimierungsbedarf und ich würde mein Glück morgen nochmal versuchen.

Wenn auch auf den letzten Bildern nicht zu erahnen, hatte sich in den letzten Minuten eine Wolkenfront angedroht, die schnell auf Oslo zuzog. So reichte es bei dem Bild von den Wagen 408 und 424 gerade so für einen letzten Hauch Licht, bevor alles im Schatten versank. Die beiden Wagen haben gerade an der Station Jernbanetorget gekreuzt.

Hier hatte ich es jetzt gesehen. Alle Motive waren bei Sonne im Kasten und ich wollte mich einem anderen Bereich des Netzes widmen. So richtig hatte ich noch keine Vorstellung vom Netz, also guckte ich einfach auf die Netzkarte und überlegte mir, wo es eventuell schön sein könnte. Ich setzte mich erstmal ein wenig planlos in die nächste Straßenbahn und fuhr los. Es ging mit der Linie 13 in Richtung Lilleaker los. Zunächst ging es durch eine Gasse umgeben von hohe Häuserzeilen. Bei aktuell zumindest minimal vorhandenem Licht, war mir das hier zu dunkel, denn genau in die Gasse schien die Sonne nicht. Erst an der Station Nationaltheatret befreit sich die Strecke aus der Häuserschlucht und führt durch etwas aufgelockertes Gelände. Das nutzte ich direkt, um die Bahn zu verlassen. Die Station selbst gab bei aktuellem Sonnenstand, abgesehen von einem Nachschuss, nicht so viel her. Dafür bot sich direkt hinter der Station eine ganz hübsche Stelle. Schon bei meinen ersten Fahrten mit der Straßenbahn fiel mir auf, dass die Bahnen häufig gestopft voll waren. Während ich mich an der Station Nationaltheatret aufhielt, wurde mir auch langsam bewusst warum. Alle Linien fuhren hier lediglich einen mageren 15-Minuten-Takt und wurden natürlich nur von den fünfteiligen CAFs bedient. Für eine Landeshauptstadt ist das schon eher ein trauriges Angebot, vor allem, wenn die Äste teilweise nur von zwei oder gar einer Linie bedient werden.

Kurz nach der Station beschreibt die Strecke eine leichte Linkskurve und rückt somit auch wieder für Bilder von aus der Stadt kommenden Wagen ins richtige Licht. Dies nutzte ich für ein Bild des wenige Minuten später folgenden CAF 438 als Linie 15. Ich hatte mich zwischen die ohnehin wartenden Autos auf die Straße gestellt und konnte den Wagen so an der leichten Steigung mit den Blumen links festhalten.

Nachdem dem Nationaltheatret, orientierte ich mich in Richtung des Rathauses von Oslo. Die Strecke der Linie 12 verläuft südlich der Strecke der Linie 13 direkt vor dem Rathaus entlang und ist von der Station Nationaltheatret aus schnell erreichbar. Ich lief das kurze Stück quer zur Linie 12 Richtung Aker Brygge hinunter. Vor dem Rathaus versuchte ich mich an einem Bild mit Straßenbahn und ohne Menschen. Nach einigen Versuchen musste ich feststellen, dass ein Bild ohne Menschen vor der Straßenbahn hier wohl unmöglich ist, daher brach ich den Versuch ab und gab mich mit einer relativ hellen Umsetzung und einigermaßen freiem Wagen zufrieden.

Auch das Bild an der Station Aker brygge befand sich gerade im richtigen Licht. Mit dem imposanten Gebäude des Rathauses im Hintergrund präsentierte sich Wagen 443 kurz vor Erreichen der Station. Für ein Bild ohne Menschen vor der Bahn hätte ich hier wahrscheinlich noch deutlich mehr Geduld und eine ganze Menge Glück gebraucht.

So langsam fehlte mir so ein wenig die Idee, wie ich den weiteren Tag gestalten sollte. Es war fast 15 Uhr und so viel Zeit würde mir heute dementsprechend nicht mehr bleiben. Das noch unbekannte Netz war hingegen relativ groß und wo sich Motive bieten würden, oder welche Strecken eher nicht so interessant waren, wusste ich nicht. Umso besser, dass ich mit jemandem unterwegs war, der das Netz hier bestens kannte. Ich rief also Tobi an und fragte einfach mal, wo es sich jetzt lohnen würde, für Bilder den Rest des Tages anzusetzen. Als Antwort bekam ich gleich mehrere Optionen. Einige davon seien aber im Moment nicht so richtig im Licht, andere böten nur vereinzelt Motive. Die beste Strecke sei im Moment wahrscheinlich die Strecke nach Kjelsås. Diese wäre nun im richtigen Licht und würde einiges an Motiven bieten. Ich vertraute einfach mal auf den Ratschlag und suchte mir eine passende Verbindung vom Hafen zur Strecke nach Kjelsås. Das war von hier denkbar einfach, denn die einzige Linie, die die Station Aker brygge hier am Hafen bedient, ist die Linie 12, die auch nach Kjelsås fährt. Daneben wird die Linie nach Kjelsås auch von der Linie 11 bedient, wodurch ich zumindest einen halbwegs anständigen Takt erwarten konnte. Also ging es mit der nächsten Bahn los in Richtung der angestrebten Strecke. Schon bevor der eigentliche Streckenast nach Kjelsås erreicht war, wurde die Umgebung rund um die Straßenbahn interessanter. So verließ ich die Straßenbahn erstmals an der Station Birkelunden und arbeitete mich von dort mal per Bahn mal zu Fuß bis zur Station Sadaker senter vor.

Nach einem Besuch im nächsten Laden ging es von dort mit der Straßenbahn bis zur Station Storo weiter. Doch irgendwie verpasste ich dort den Ausstieg. Da ich mich auch nicht in einer Bahn der Linie 12 befand, ging es einmal um die Ecke den falschen Ast weiter. Zum Glück hielt der Wagen nicht weit entfernt vom Abzweig an der Haltestelle Grefsen stasjon und schien dort auch seine Endstation erreicht zu haben. Die Endstation Grefsen stasjon befindet sich direkt an einem Depot der Straßenbahn, durch dessen Einfahrtsportal ich einen Blick ins Innere werfen konnte. Der Blick fiel auf einen Wagen der SL79-Baureihe. Ob es sich um den vorhin abgelichteten Wagen handelte, oder ein weiterer Wagen war, konnte ich nicht feststellen. Scheinbar schien der Wagen sich in nächster Zeit auch nicht bewegen zu wollen, weshalb ich meine Aufmerksamkeit schnell wieder dem Planbetrieb widmete. Vor dem Depot enden die vernüpften Linien 17 und 18, die hier in beide Richtungen jeweils die Linie wechseln. Zu Fuß arbeitete ich mich die wenigen Meter bis zum Abzweig an der Station Storo zurück und wählte nun den richtigen Weg Richtung Kjelsås.

Über eine lange Kopfsteinpflasterstraße arbeitete sich Wagen 425 durch den Stadtteil Grünerløkka auf die Station Birkelunden zu. Ich hatte es nicht ganz aus dem Schatten der Häuser raus geschafft, bei den aktuellen Lichtverhältnissen war das aber auch nur bedingt schlimm. Eigentlich war ich hier auch mehr wegen des Parks ausgestiegen, der sich links vom Wagen befindet, jedoch nicht wirklich darstellbar war.

Die Haltestelle Birkelunden selbst befindet sich hinter einer 90 Grad Kurve. Hinter der Haltestelle folgt eine weitere 90 Grad Kurve in die andere Richtung, wodurch sich auf der kurzen Zwischengeraden lediglich die Haltestelle der einen Fahrtrichtung befindet. Die Haltestelle in Fahrtrichtung Innenstadt folgt erst nach Durchfahren der beiden Kurven. Mit Ziel Majorstuen kam kurze Zeit später CAF 450 in Richtung Innenstadt angefahren und passierte hier die Haltestellenanlage der anderen Fahrtrichtung.

Die Bebauung rund um die Strecke lud auf dem Stück nach der Station Birkelunden nicht wirklich zu Bildern ein. So hatte ich die Straßenbahn an der Station Sadaker senter auch nicht primär für Bilder verlassen. Vielmehr hatte ich am Straßenrand einen 7-Eleven entdeckt, dem ich einen Besuch abstatten wollten. Doch genau passend kam gerade Wagen 477 in die Station gefahren. Daher setzte ich auch an dieser Haltestelle ein Bild mit dem nebenstehenden Plattenbau um, den man sonst in Norwegen auch eher selten zu Gesicht bekommt.

Gerade aus dem Laden wieder herausgetreten, kam Wagen 434 herangefahren. Im Hintergrund ist noch immer der Plattenbau zu sehen, was zeigt, dass ich mich nur wenige Meter die Strecke entlang bewegt hatte. Trotzdem war hier schon wieder völlig andere Bebauung mit Reihenhäusern in etwas älterem Stil.

Den gleichen Fehler wie eben wollte ich nicht nochmal machen. Daher entschied ich mich am Abzweig dagegen, zur Station Storo zurückzulaufen, sondern orientierte mich in die andere Richtung ein Stück den Abzweig entlang. Auch in diese Richtung war die nächste Station nicht weit entfernt. Einziger Unterschied war, dass es hier bergauf ging. Direkt merkte ich, wie das Laufen extrem anstrengend wurde. Nur wenige Meter nach dem Abzweig, sprang mir ein erstes repräsentatives Holzhaus ins Auge, von denen die Strecke laut Tobi einige zu bieten hatte. Ich nahm den Anlass für eine erste Pause dankend an und konnte so erstmal ein wenig regenerieren. Das Haus lag für ein Bild eines Wagens in Richtung Innenstadt auch richtig im Licht, sofern man hier im Moment von Licht reden konnte. Nach dem Bild ging es bis zur Station Disen weiter. Dort befindet sich eine Zwischenschleife, an der einige Kurse der Linie 12 endeten. Bevor ich mich den Ast weiter raus bis nach Kjelsås bewegen wollte, baute ich eine weitere Verschnaufpause auf einer Bank nahe der Station ein. Während ich mir mein Mittagessen schmecken ließ, beobachtete ich die Bahnen, die hier den Ast nach Kjelsås herausfuhren und teilweise bereits in der Zwischenschleife Disen endeten. Obwohl ich einige Zeit auf der Bank verbrachte, konnte ich nicht so richtig ein System dahinter feststellen, welche Bahnen endeten und welche durchfuhren.

Mir war es letztendlich auch egal. Es schienen regelmäßig Bahnen in Richtung Kjelsås zu fahren und somit war die Grundlage für Bilder an dem Ast gesichert. Ich hatte inzwischen meine Pause beendet und mich zur Haltestelle Disen begeben. Dort ging es in die nächste Bahn und bei der folgenden Steigung, die die Bahn hier überwinden musste, war ich sehr froh, mich nicht aus eigener Kraft fortbewegen zu müssen. Bis Kjelsås arbeitete ich mich nun eigentlich nach ein und dem selben Prinzip voran. Die Strecken zwischen den Stationen mit der Straßenbahn überwinden, an den Stationen kurz zu Fuß zum jeweiligen Motiv laufen und dann zurück in die Straßenbahn. Innerhalb einer Stunde erreichte ich auf diese Weise die Endstation Kjelsås. Auch die Endstation hatte ein schönes Motiv zu bieten, welches ich umsetzte, bevor es zurück in Richtung Innenstadt ging.

Ein erstes mit Holzhaus fand ich schon wenige Meter hinter dem Abzweig an der Station Storo. Von der Station Disen kommend, fuhr Wagen 473 hier auf den Abzweig zu.

Wagen 437 war einer der Kurse, der es nicht bis nach Kjelsås geschafft hatte, sondern bereits an der Zwischenschleife Disen die Rückreise in Richtung Innenstadt antrat. Hier war der Wagen gerade von der Station Disen in der Zwischenschleife losgefahren und hatte sich auf die Hauptachse geschwungen. Im Hintergrund ist schon der Anstieg zu erahnen, den die Strecke nach Kjelsås überwinden muss und der mir im Moment das eine oder andere Mal zum Verhängnis wurde.

So wirklich weit hatte ich es mit der nächsten Bahn nicht geschafft. Bereits an der Station Doktor Smiths vei, die nächste Station nach der Station Disen, war ich wieder rausgesprungen. Hier reihten sich entlang der Straße einige der typischen Holzhäuser auf, die ich mir auf diesem Ast erhofft hatte. Kurz nach Verlassen der Station Doktor Smiths vei konnte ich Wagen 485 in Richtung Innenstadt festhalten.


[Tobias]Auch mich zog es im Laufe des Nachmittages an die Strecke nach Kjelsås. Hier der Blick in Gegenrichtung an der Haltestelle Doktor Smiths vei mit Urbos 462.


Und noch eine Perspektive an der folgenden Steilstrecke hinauf zur Haltestelle Glads vei mit Urbos 457 Richtung Kjelsås.[/Tobias]

Bereits ab der Station Glads vei hat die Strecke den größten Teil der Steigung bis nach Kjelsås überwunden. Von dortan geht es fast eben bis zur Endstation weiter und die Bilder ähneln sich an vielen Stelle doch sehr. Daher verließ ich die Bahn erst an der Station Grefsenplatået, wo sich gerade die Sonne wieder etwas stärker durch die Wolken kämpfte. Ich hielt CAF 470 kurz vor Erreichen der Station Grefsenplatået fest.

Ein sehr ähnliches Motiv bot sich mir wenige Meter weiter noch immer in der Nähe der Station Grefsenplatået. Wagen 484 folgte als Linie 15 nur wenige Minuten hinter der vorwegfahrenden Linie 12. Durch die zwei verkehrenden Linien waren die Wartezeiten bis zum nächsten Bild hier erfreulich kurz.

Mit Wagen 431 war ich bis zur Endstation Kjelsås vorgedrungen. Ich wurde vor der Endschleife an der Ankunftsstation herausgeworfen und der Fahrer rückte in der Folge direkt bis zur Abfahrtsstation vor. Die Wandmalerei der in der Endschleife stehenden Trikkehallen hatte sich seit Tobis Besuch 2023 geändert und zeigte inzwischen ein Motiv mit einem der neuen CAF-Fahrzeuge sowie einem Altwagen. Warum der Altwagen jedoch eine vierstellige Nummer abbekommen hatte, konnte ich mir nicht erklären. Ein gerne genommenes Motiv gab die Halle jedenfalls ab.

Den Ast hatte ich nun ganz gut dargestellt. Inzwischen hatte es sich am Himmel komplett zugezogen und die letzten Hoffnungen auf Aufhellungen waren erstmal gestorben. Ein wenig blieb mir heute noch, um mit dem restlichen Tag etwas Sinnvolles anzustellen. Ich überlegte kurz, welche anderen Optionen mir Tobi neben dem Ast Richtung Kjelsås genannt hatte. Im Kopf war mir der Name Ekebergparken geblieben. Also mal die Karte raus geholt und geguckt, wo sich denn der Ekebergparken befindet. Wie das immer so ist, lokalisierte ich die Station Ekebergparken natürlich auf der genau anderen Seite des Netzes. Egal das würde mir zumindest die Möglichkeit eröffnen, mich erstmal in die Bahn zu setzen und etwas zu entspannen. Eine so weite Fahrt würde mir zudem helfen, einen besseren Eindruck vom Netz zu bekommen und die Orientierung für morgen schonmal ein wenig zu erleichtern. Bei dem Wetter würde mir sowieso erstmal nichts weglaufen. Für morgen war eher so ein Wetter wie heute Mittag angesagt, daher war auch der Druck gering, heute noch viele Bilder umzusetzen. Zunächst ging es nun den gleichen Weg zurück, den ich aus der Innenstadt nach Kjelsås gefahren war. Hier und da setzte ich mir an die Strecke noch ein Fähnchen, falls ich hier morgen nochmal hinkommen würde. Zurück in der Innenstadt wechselte ich einmal die Linie, um mit der Linie 13 oder 19  Richtung Ljabru zur Station Ekebergparken zu gelangen. Die Station befindet sich am wohl steilsten Stück des Osloer Straßenbahnnetzes und hat eines der bekanntesten Motive mit dem Blick über das moderne Oslo im Hintergrund zu bieten. Bevor ich jedoch die Station erreichte, wurde ein kurzer Zwischenstopp an der letzten Station vor dem Steilstück, der Station Oslo Hospital, eingelegt. Dort entstanden zwei Bilder. In der Folge ging es zur Station Ekebergparken hinauf. Ich versuchte mich eine Zeit lang an der Umsetzung der Bilder, was zunächst durch unpassende Positionierung meinerseits, danach durch die dicht befahrene Straße, deutlich in die Länge gezogen wurde. Nach einiger Zeit gab ich mich mit der Umsetzung zufrieden.

Das der Station namensgebende Oslo Hospital befindet sich direkt neben der Station. Den Hügel im Hintergrund muss sich die Straßenbahn in der Folge heraufarbeiten, sodass die Station Oslo Hospital die letzte Station vor dem Steilstück ist. Nach dem Fahrgastwechsel verlässt hier gerade Wagen 483 die Haltestelle.

Ich hatte mich über eine direkt hinter der Station liegende Brücke ein Stück Richtung Innenstadt verschoben und konnte dort Wagen 458 festhalten.

Nach einigen gescheiterten Versuchen funktionierte die Umsetzung des Bildes knapp unterhalb der Station Ekebergparken perfekt. Gerade zeigte sich mal kein Auto auf der Straße und der fünfteilige CAF passt von der Länge perfekt in die Lücke zwischen Fellshang und Mast. Im Hintergrund erhebt sich der moderne Teil Oslos. Einzig störend war die Baustellenabsperrung links im Bild. Fürs erste gab ich mich mit dem Bild zufrieden, bei passendem Sonnenstand würde ich mich morgen aber nochmal an der Umsetzung versuchen.

Eigentlich hatte ich vorgehabt, mich noch ein wenig mit der Strecke an der Station Ekebergparken zu beschäftigen. Auch dort sollte sich laut Tobi noch das ein oder andere Motiv bieten und wenn ich schonmal hier war, bot sich das ja im Prinzip an. Dabei machte mir jedoch meine Gesundheit einen Strich durch die Rechnung. Ich merkte, wie mir im Moment nach und nach immer kälter wurde und ich anfing zu zittern. Alles deutete darauf hin, dass ich gerade Schüttelfrost bekam. Daher wurde der Plan für den restlichen Tag ad acta gelegt. Jetzt ging die Gesundheit vor. Ich hatte morgen schließlich auch noch einen ganzen Tag, um mich mit dem Netz zu beschäftigen und dabei im Zweifelsfall sogar besseres Wetter. Ich flüchtete mich in die nächste Bahn in Richtung Citybox. Dort angekommen, verkroch ich mich für die nächste Stunde unter der Decke. Straßenbahntechnisch war der Tag damit für mich beendet. Wenn es mir später besser gehen sollte, würde ich vielleicht nochmal im Dunkeln aufbrechen, jetzt galt es sich erstmal zu erholen. Ich schloss mich mit Tobi kurz, wie seine Abendplanung aussah und würde dann kurzfristig gucken, wie ich es machen würde. Da ich den restlichen Tag nicht mehr wirklich viel fotografisch zu bieten habe, gebe ich an dieser Stelle an Tobi für den restlichen Tag ab.

[Tobias]Während Jonas arg kränkelnd versuchte, die Straßenbahn Oslo in den gut 1 1/2 Tagen dennoch möglichst umfassend kennenzulernen, hatte die Tram für mich hier nur noch bedingt etwas zu bieten. Zu erfolgreich war der Besuch vor ungefähr zwei Jahren gewesen, exakt in der Zeit, in der noch reichlich SL79 und SL95 und erst auf zwei Linien die neuen SL18 liefen. Langweilen sollte ich mich dennoch nicht hier in Oslo, denn viel Zeit für das Drumherum war in den knapp vier Tagen im Jahr 2023 nicht geblieben, galt es damals doch, möglichst noch das gesamte Netz mit Altfahrzeugen kennenzulernen. So konzentrierte ich mich nun auf einige offengebliebenen Motive im Netz, viele Stunden betätigte ich mich aber auch fotografisch abseits der Straßenbahn. Gerade die Kontraste machen dabei in Oslo für mich den Reiz aus: Die schroffe, monumentale Backsteinarchitektur rund um das Radhus, konterkariert von der direkt daneben stehenden Festung Akerhus und dem eher gemütlichen alten Hafen. Das neue Hafenviertel mit der architektonisch hochspannenden Oper und dem gestalterisch umstrittenen Munch-Museum. Die prächtigen Villenviertel im Westen der Stadt. Die düsteren Backsteinblocks im Osten. Überall dazwischen verstreut, Zeugen der brutalistischen Ära der 60er- bis 80er-Jahre. Und gleichzeitig sind es von überall gefühlt nur wenige Minuten mit der Bahn oder Fähre und man ist aus der pulsierenden Großstadt schon fast in ländlicher Idylle, umgeben von Holzhäusern und Hütten. Einen kleinen Einblick in meine fotografischen Umtriebe des Nachmittages soll es hier als Abschluss dieses Teils geben:


Natürlich war auch bei diesem Besuch wieder irgendeine Veranstaltung auf dem Rådhusplassen, die durch Zelte und Absperrungen einen freien Blick über den Platz auf das Oslo Rådhus versperrte. Da musste ich mir mit ordentlich “Begleitgrün” behelfen.


Wenigstens eine Perspektive funktionierte über die Absperrung fotografiert am Rådhusplassen einigermaßen. Weithin sichtbar, feiert der Bau 2025 seine 75-jährige Fertigstellung. Von 1931 bis 1950 wurde das neue Oslo Rådhus gebaut und entstand noch im typischen Backsteinbaustil des frühen 20. Jahrhunderts. Inspiriert waren die Architekten etwa vom Stockholmer Stadshus, das bis 1923 ebenfalls im monumentalen Backsteinbaustil entstand. Die Gestaltung des Oslo Rådhus war allerdings noch deutlich mehr am Funktionalismus seiner Zeit ausgerichtet und wirkt daher ohne jeglichen “Schnickschack” noch deutlich brachialer. Die imposanten Türme ragen 63 und 66 Meter hoch über den direkt angrenzenden Oslofjord und sind bei einer Einfahrt zum Anleger schon von Weitem zu erkennen. Zur Zeit seiner, unter anderem durch den 2.Weltkrieg deutlich verspäteten, Fertigstellung, entsprach der Bau übrigens schon längst nicht mehr dem Zeitgeist, der inzwischen zu den ersten Stahlbetonbauten mit großen Glasfassaden weitergezogen war. Im Jahr 2025 feiert der einmalige Bau, nach rechtzeitig beendeten Sanierungsarbeiten im vergangenen Jahr, seinen 75. Geburtstag – kaum zu übersehen angesichts des großen Banners an linken Turm.


Noch ein Blick bei Aker Brygge auf das Nobelmuseum. In regelmäßigen Abständen fluten die beliebten Fährlinien auf die Schärensinseln den Platz mit neuen Besuchern.

Die tiefen, düsteren Backstein-Häuserschluchten rund um das Rathaus sind auf ihre Art faszinierend.

Die großen Pfützen der vergangenen Regentage luden hier zu Spielereien ein.

Mit der Straßenbahn lässt sich das ikonische Backsteinensemble rund um das Radhus bis zum frühen Nachmittag auch gut von der Haltestelle Kontraskjæret umsetzen. Urbos 448 verlässt hier die Haltestelle auf dem Weg nach Kjelsas.


Auch weit abseits davon finden sich an der Straßenbahn immer wieder interessante Backsteinbauten, wie diese alten und inzwischen umgenutzten Fabrikhallen an der Haltestelle Heimdalsgata. Auch einige Haltestellen weiter standen die großen Backsteinwohnblöcke an dieser Linie noch auf meinem Zettel. Ein Ziel für Morgen.


Heute wollte ich mich im Abendlicht derweil noch ein wenig an der Festung Akerhus umsehen. Auch dazu war 2023 keine Zeit geblieben, als das schöne Abendlicht jeweils noch für die SL79 genutzt werden wollte. Vom Rand der Festung fällt der Blick über den alten Hafen an der Pipervika unweit Aker Brygge. Gelaufen wird, wie in Bergen, natürlich auch hier bei jeder Gelegenheit.

Die Kontraste sind schon groß, blickt man von der Festung Akerhus hinüber zum im Abendlicht liegenden Radhus.


Ein weiterer Blick über den Hafen im Abendlicht vom Festungswall gesehen.


Viel los war hier nach 19 Uhr nicht mehr und so konnte ich recht ungestört durch die Anlage streifen und in Ruhe fotografieren.


Sogar ein Straßenbahnbild fiel dabei noch ab: Quer über den hier verdeckten, neuen Hafen gesehen, quält sich ein Urbos 100 die Steigung zum Ekkebergparken Richtung Ljabru hinauf.

Die Festung Akerhus liegt auf einem kleinen Vorsprung zwischen den Hafenbecken Pipervika mit dem Anleger Aker Brygge und Bjorvika beim neuen Opernhaus und ist entsprechend von viel Wasser umgeben.


Der Batteriveien als äußerer Verteidigungsring.


Die Verteidigungsstrategie erscheint derweil nicht mehr ganz zeitgemäß…

Zum Abschluss des Tages wollten wir noch gemeinsam die für eine Metro ungewöhnliche Strecke nach Frognerseteren abfahren. Eigentlich mit der Hoffnung auf einen schönen Blick über Oslo, den Fjord und die Landschaft. Aber wie schon zwei Jahre zuvor am Holmenkollen, bot sich auch hier nirgends ein schön freier Blick. Etwas zeitlich in Verzug geraten, war es zudem schon ziemlich dunkel, sodass man hier auch nicht über irgendwelche Wege stolpern wollte, in der Hoffnung auf eine bessere Aussicht. Der Metrostrecke merkte man jedenfalls sehr deutlich an, dass es eine der vielen inzwischen integrierten, einstigen Vorortbahnen ist. Die kurzen Bahnsteige reichen nur für einzelne Garnituren aus, in engsten Radien quälen sich die überdimensioniert wirkenden Fahrzeuge die Steigung hinauf.


Blick von Frognerseteren über Oslo.

Zurück in der Innenstadt ging es noch auf kurze Einkaufstour für ein Abendessen, dann war auch bald Schicht. Morgen bleibt noch einmal quasi ein ganzer Tag in Oslo, bevor es am späten Abend mit dem Nachtzug Richtung Trondheim weitergeht. Jonas wird im nächsten Teil von “Sehnsucht nach Typ Braunschweig” wieder den Hauptteil der Berichterstattung von der Straßenbahn übernehmen, während es von mir einen kleinen Ausflug nach Lindøya zu lesen geben wird.[/Tobias]

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