Wie bereits den gestrigen Nachmittag, ging es für Tobi und mich auch heute fast den kompletten Tag getrennt durch Oslo. Tobi war heute größtenteils damit beschäftigt, letzte Lücken im Netz zu füllen und sich auch ein wenig mehr abseits der Straßenbahn umzugucken. Ich versuchte hingegen, einen Großteil des Netzes zu erkunden und hier und da einige schöne Bilder umzusetzen. Am Abend wurde sich dann für einen gemeinsamen Abschluss und die Weiterfahrt getroffen.
Mittwoch, 3. September 2025:
Der heutige Morgen startete zunächst mit einer positiven Überraschung für mich. Nachdem es die letzten Tage mit meiner Gesundheit stetig bergab gegangen war, war heute der erste Tag, an dem ich wieder mit einiger Energie in den Tag starten konnte. Bei dem angesagten Wetter mit einigen Sonnenstunden war das für mich eine sehr schöne Nachricht. Direkt nach Verlassen der Citybox trennten sich unsere Wege. Ich wollte mich zunächst erneut in Richtung des Rathauses und der Station Aker brygge begeben. Dort stand noch ein Motiv auf dem Zettel, dass bei Sonne am Morgen im Licht wäre. Problem nur, dass es an Sonne zunächst fehlte. Bekanntermaßen kann sich das in Norwegen aber auch schnell ändern. Also erstmal losgefahren und geguckt, wie es dort so aussah. Bevor ich die Station Aker brygge erreichte, legte ich einen kleinen Zwischenstopp neben dem Parlament zwischen Prinsens Gate und Stortingsgate ein.

[Tobias] In der Prinsens Gate an der Haltestelle Ovre Slotsgate gelang auch mir einige Zeit später ein Zufallstreffer, als für Urbos 440 kurz die Sonne hervorkam und genau passend in der Straßenachse stand.[/Tobias]
CAF 409 kämpfte sich am Morgen die Steigung am Parlament hinauf. Von der Station Nationaltheater kommend, erreichte der Wagen kurz darauf die Station Ovre Slottsgate. Während sich die Sonne am heutigen Morgen noch etwas schwer tat, durch die dichte Wolkendecke zu brechen, half zumindest die hellblaue Lackierung dabei, auch Bilder ohne Sonne relativ freundlich aussehen zu lassen.
Auch am ausgeguckten Motiv für den Morgen fehlte es noch an Sonne. Durch die Scheiben des Wagens spiegelte sich zumindest das gute Wetter, was langsam aber beständig übers Meer auf Oslo zuzog. Das Gebäude im Hintergrund ist das Nobel-Friedenszentrum. Dabei handelt es sich um ein Museum für den Friedensnobelpreis, dessen Namensgeber Alfred Nobel ebenfalls in Skandinavien, wenn auch in Schweden geboren wurde und gelebt hat. Davor hat gerade Wagen 469 die Station Akker Brygge verlassen.

[Tobias]Ich hatte mich vermutlich fast zeitgleich im Espresso House bei Aker Brygge einquartiert. Im ersten Stock genoss ich bei Kaffee und Zimtgebäck den Blick auf das wilde Treiben und passte Urbos 457 für eine Aufnahme ab.[/Tobias]
Ich beobachtete noch ein wenig die Entwicklung des Wetters, doch so richtig wollte es sich noch nicht auftun. Also beschloss ich, mich erstmal mit der Umsetzung des Bildes zufrieden zu geben. Es gab schließlich noch genügend andere Teile des Netzes zu erkunden und da wollte ich meine Zeit nicht damit verschwenden, hier auf potenzielle Sonne zu hoffen. Für die weitere Erkundung des Netzes standen mir nun so gut wie alle Türen offen. So unglaublich viel hatte ich gestern noch nicht vom Netz erkundet und abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen, hatte Tobi eigentlich auch keine Strecken als uninteressant von meiner Tagesplanung gestrichen. Das machte die Sache für mich jetzt natürlich nicht gerade einfacher. Ich ging es einfach pragmatisch an. Ich wollte nicht unglaublich weit fahren, bis ich auf neue Strecke treffen würde. Da ich aus Richtung der Innenstadt schon zur Haltestelle Akker Brygge gelangt war und mir das Netz in der Innenstadt schon am geläufigsten war, ging es von der Haltestelle einfach in die andere Richtung los. Dort bot sich die Strecke in Richtung Majorstuen an. Diese wird in einem großen Kreis bedient bei dem jeweils eine Hälfte von verschiedenen Linien bedient wird, die an der Station Majorstuen ihre Endstation haben. Dadurch eröffnete sich mir die Möglichkeit auf der Hinfahrt nach Majorstuen die eine Strecke zu erkunden und auf dem Rückweg die andere. Einziger Nachteil: Die eine Seite des großen Kreises wurde nur durch die Linie 12 bedient. Somit erwartete mich lediglich ein Viertelstundentakt. Das war jetzt nicht gerade übermäßig häufig, aber ein Problem des gesamten Netzes an Strecken, die nur durch eine Linie bedient wurden. Da die Linie 12 auch bei Aker Brygge verkehrt, musste ich immerhin nicht umsteigen, um zur gewünschten Strecke zu kommen. Diese beginnt nach der Kreuzung mit der Linie 13 an der Station Solli, dessen Fahrtweg die Linie 12 für wenige Meter begleitet, bevor die Linie 12 kurz nach der Station Solli wieder auszweigt.
Bis zum Zusammentreffen mit der Linie 13 kam ich zunächst gar nicht. Bereits eine Station nach Fahrtbeginn verließ ich die Bahn an der Station Ruselokka. Dort bietet sich eine ganz hübsche Szenerie an Häusern, die die zum Hafen hin abfallende Strecke begleiten. CAF 455 lässt sich in die Station Ruselokka rollen.
Ich hatte es an der Station Solli samt Kreuzung mit der Linie 13 vorbeigeschafft und war am Ast der Linie 12 angekommen. Schon am Beginn des Abschnittes ändert sich das Ambiente rund um die Strecke. Zwar sind tiefe Gassen zwischen Häuserzeilen bei Sonne häufig nur dunkel und für Bilder ungeeignet, im Moment konnte man die hübschen Häuserfassaden jedoch perfekt darstellen. Eigentlich hatte ich die Bahn an der Station Niels Juels gate verlassen, weil ich am Straßenrand einen Narvesen entdeckt hatte, bei dem ich mir mein überfälliges Frühstück besorgen wollte. Doch das Motiv bei Einfahrt in die Station bot sich perfekt für ein Bild an und so wartete ich den folgenden Kurs in Form von Wagen 486 ab, bevor ich mich mit dem Frühstück beschäftigte.
Danach lief ich noch einmal zum Abzweig von der Linie 13 zurück. Der knapp hinter der Station Solli liegende Abzweig bot die ungewöhnliche Kreuzung, die unerklärlicherweise auf einer kleinen Wasserfläche gebaut worden war. Die schon bei Tobis Besuch herausstechende “Wasserkreuzung” wollte auch ich darstellen, wurde bei der Umsetzung jedoch von dem von hinten kommenden Kurs ein wenig gestört. Trotzdem gelang das Bild von CAF 450 relativ zufriedenstellend.
Jetzt war es soweit. Zum ersten Mal am heutigen Tag brach die Sonne durch und ich suchte mir schnell eine passende Stelle. Wieder war es die Station Niels Juels gate. Es ergab sich trotz der hohen Häuser rund um die Strecke eine Sonnenlücke, die genau für eine Wagenlänge reichte. Ich stellte an meiner Kamera noch kurz vor dem Bild auf Schnellschuss um und hielt dann bei Ankunft des Wagens einfach mal komplett drauf. Tatsächlich gelang so ein erstes schönes Sonnenbild am heutigen Tag mit Wagen 470.
Auch im weiteren Verlauf der Strecke änderte sich erstmal wenig an der schönen Umgebung. Nun trat nur das bereits zu Beginn erwähnte Problem auf: Es fehlte an sonnigen Stellen. Das änderte sich erst zwei Stationen später an der Station Elisenberg. An der Haltestelle sorgen Querstraßen von beiden Seiten für eine leichte Auflockerung rund um die Strecke, sodass es die Sonne wieder auf die Strecke schaffte. Für ein perfektes Bild kam Wagen 411 in der Folge wenige Sekunden zu früh, trotzdem war es relativ hell.
Kurz nach der Station Elisenberg zweigt die Strecke auf eine größere Straße ein und verläuft in der Folge auf der Straße bis zur Station Majorstuen. Bis Majorstuen ergaben sich gerade keine weiteren Motive, sodass ich mir ein weiteres Aussteigen vor der “Endstation” Majorstuen sparte. Dort führt die Straße geradeaus weiter, während die Straßenbahnstrecke nach rechts auszweigt und daraufhin einer kleineren Straße folgt. Das bot wieder die Möglichkeit für Bilder. So lichtete ich Wagen 477 kurz hinter der Station Majorstuen ab.
Jetzt hatte ich die eine Seite der Strecke nach Majorstuen bereits erkundet. Gerade brach die Sonne immer mehr durch die Wolken durch. Daher galt es im Moment keine Zeit zu verlieren, um weitere Sonnenbilder umzusetzen. Wie bereits angesprochen, war mein eigentliches Ziel, den großen Kreis abzufahren, mit dem die Station Majorstuen angebunden wird. Dafür musste ich im Folgenden dem Streckenverlauf der Linie 11 folgen. Diese zweigt kurz hinter der Station Bogstadveien von der Linie 19 aus und führt dann ein wenig im Zick-Zack fast genau zurück zur Station Solli, an der ich vorhin meine Reise zur Station Majorstuen gestartet hatte. Die Station Bogstadveien ist die erste Station hinter Majorstuen, weshalb ich mich dorthin zu Fuß weiterbewegte. Am Abzweig der Linie 11 musste ich feststellen, dass der Ast im Moment wohl nicht betrieben wurde, zumindest sahen die Schienen nicht befahren aus und bisher war mir hier auch noch keine Linie 11 begegnet. Daher folgte eine Planänderung. Anstatt der Linie 11 zu folgen, orientierte ich mich am weiteren Fahrtverlauf der Linien 19 sowie der bald dazustoßenden Linie 17 und 18. Auch der Ast war noch unbekannt und würde mich zurück in Richtung Innenstadt bringen, was ohnehin auch nach der Erkundung der Linie 11 mein Ziel gewesen wäre. Durch gleich drei verkehrende Linien war auf dem Ast zumindest auch einiges los und ich konnte hier und da einen Wolkenschaden durch Abwarten auf den nächsten Kurs ausgleichen. In den nächsten 1½ Stunde ging es so Stück für Stück zurück in Richtung Innenstadt bis zur Station Stortorvet.
Bereits die erste Haltestelle nach Majorstuen, Bogstadveien, bot wieder ein Motiv. Die Strecke hat sich leicht gedreht, wodurch nun die andere Seite im Licht war und das Licht nicht mehr so gleisachsenlastig stand, wie im Bild zuvor. Hier erreichte Wagen 434 vom Schatten verfolgt die Station Bogstadveien, kurz bevor auch an der Station das Licht ausging.
Nur wenige Meter weiter befand ich mich kurz hinter dem Abzweig der Linie 11. Nachdem ich festgestellt hatte, dass der Abzweig wohl nicht in Betrieb stand, hatte ich mich am Ast der Linie 19 weiterbewegt. Kurz darauf folgte bereits der nächste Kurs mit CAF 469, den ich zwischen den Stationen Bogstadveien und Homansbyen festhielt.
Zwischen dem Abzweig der Linie 11 und dem Einzweigen der Linien 17 und 18 befinden sich nur wenige Meter, in denen ich eben den Wagen 469 festgehalten hatte. Ich war nun schon einige Meter weiter dem Streckenverlauf zu Fuß gefolgt und befand mich kurz vor einer großen Blockumfahrung, an der gleich drei Linien verkehren. Eigentlich schien das Licht hier im Moment perfekt in die schmale Gasse hinein, doch sowohl der erste Versuch, als auch der nachfolgende Versuch mit Wagen 436 scheiterten um wenige Sekunden an einer vor die Sonne ziehenden Wolke. So gab ich mich nach dem zweiten Versuch mit meiner Umsetzung zufrieden.
Ich begab mich zunächst in Fahrtrichtung Innenstadt durch die Blockumfahrung. Auch hier schien das Licht im Moment in die schmale Gasse hinein, wenn auch relativ in der Gleisachse. Da ich aber sowieso nur ein relativ steiles Bild umsetzen konnte, stellte das kein wirkliches Problem dar. Wagen 420 bewegte sich durch die Blockumfahrung auf die Station Holbergs plass zu.
Als ich das eine Ende der Blockumfahrung erreicht hatte, entschied ich mich dazu, auch die andere Seite der Blockumfahrung anzugucken. Bei dem inzwischen einheitlichen Wagenpark aus Zweirichtungswagen, stellen Nachschüsse kein Problem dar und so könnte sich auch auf dieser Seite der Blockumfahrung ein Motiv ergeben. An der Station Frydenlund stand die Sonne dann tatsächlich perfekt für einen Nachschuss des an der Station stehenden Wagens 473.
An der Station Tullinlokka zog das danebenstehende Backsteingebäude meine Aufmerksamkeit auf sich. Der interessante Baustil bot sich als willkommenes Motiv an. Beim dritten Versuch passte dann alles und Wagen 424 schmückte mein Motiv.
In der Innenstadt wird die Bebauung rund um die Station noch ein Stück höher und rückt näher an die Strecke heran. Dadurch wurde es natürlich direkt schwieriger, passende Sonnenstellen zu finden. Kurz vor der Station Tinghuset wurde ich fündig. Hier befindet sich eine Betriebsschleife, die im Planverkehr nicht genutzt wird. Das sorgt zumindest dafür, dass die Umgebung rund um die Strecke leicht aufgelockert wird und sich eine Lücke auftut, die gerade lang genug für einen kompletten Wagen ist. Wagen 438 zeigte sich hier in Mitten von jeder Menge Hochhäusern frei im Bild.
An der Station Stortorvet angekommen, hatte ich mehr oder weniger wieder das Herzstück des Netzes erreicht. Hier in der Innenstadt war ich gestern schon fleißig gewesen. Da das Wetter heute jedoch freundlicher daherkam, wollte ich mich an zwei Motiven versuchen. Einerseits hatte ich bisher die Station Stortorvet noch nicht dargestellt. Auch hier stand das Licht gerade genau richtig und ich kam dort ohnehin vorbei, nachdem ich mein Bild an der Station Tinghuset erfolgreich umgesetzt hatte. In der Folge ging es noch einmal zur Station Jernbanetorget. Dort stand noch die Perspektive mit dem Osloer Dom im Hintergrund auf dem Zettel. Zwar war der Dom im Moment leider teilweise eingerüstet, trotzdem stellt der massive, leicht von Bäumen verdeckte Kirchturm ein willkommenes Motiv dar.
Nachdem ich auch dort erfolgreich meinen Punkt von der Liste abgearbeitet hatte, war es Zeit, ein weiteres bereits gestern erkundetes Ziel erneut zu besuchen. Die Station Ekebergparken. Dort hatte ich gestern die beiden Motive ohne Sonne darstellen müssen. Jetzt sollte der Sonnenstand genau passen und die Sonne lief im Moment wenig Gefahr, wieder zu verschwinden. Der perfekte Zeitpunkt also, um mich erneut an der Umsetzung der wohl bekanntesten Motive Oslos zu versuchen. Danach ging es den Ast weiter heraus bis zur Station Braten. Bereits ab der Station Holtet verkommt die Strecke mehr zu einer Überlandstrecke, eingezäunt und zwischen Hinterhöfen entlangführend. Wirklich fotogen war das dort alles nicht und so brach ich die weitere Erkundung der Strecke an der Station Braten ab. Dort setzte ich ein Bild des nachfolgenden stadtauswärts fahrenden Wagens um, bevor ich mich zurück in Richtung Innenstadt orientierte.
Wagen 404 verlässt die Station Stortorvet stadtauswärts in Richtung Rishospitalet. Auch an dieser Station befindet sich eine Zwischenschleife, die in diesem Fall von einigen Verstärkerkursen als Wendemöglichkeit genutzt wird. Der ständige Auto-, Fahrrad- und Straßenbahnverkehr macht das Fotografieren an dieser Stelle relativ kompliziert, weshalb ich es bei einem Bild auf diesem Platz beließ.
Halb eingerüstet präsentierte sich der Osloer Dom nahe des Hauptbahnhofs. Insgesamt war auch hier die Umsetzung des Bildes etwas schwierig, da der häufige Fußgängerfluss den Wagen verdeckte. Gerade so gelang mir das Bild von Wagen 459, bevor sich der Pulk an Menschen in Bewegung setzte und das Motiv zulief. Für die eigentlich optimalere Umsetzung quer vor dem Dom mit einem Wagen aus der anderen Richtung war ich einige Zeit zu spät und die Sonne bereits zu weit herumgewandert.
Perfekt gelang mir hingegen das Bild an der Station Ekebergparken. Die fünfteiligen CAF-Wagen sind eigentlich ein Stück zu lang für die Lücke an der Station. Auf einen kürzeren Wagen würde ich hier jedoch vergebens warten. Dafür zeigte sich gerade mal kein Auto auf der Straße und das Licht stand hier optimal für Wagen 482. Ich hatte mich von der Station in den danebenliegenden Park begeben und dort nach einem Tipp von Tobi einen kleinen Aussichtspunkt gefunden, von wo der Blick über die Straßenbahnstrecke hinweg auch ins Hafenbecken und das Hinterland von Oslo fällt.
Das bereits gestern abgelichtete Motiv gab heute bei Sonne auch nochmal deutlich mehr her. Wagen 477 fährt die, im Gegensatz zu Tobis Besuch 2023, inzwischen modernisierte Strecke hinauf in Richtung Ljabru. Durch die Modernisierung der Strecke konnten die Wagen hier wieder in einigermaßen normalem Tempo verkehren, musste natürlich bergab aber trotzdem die steile Strecke entlang ordentlich bremsen.
Symbolbild der Strecke ab der Station Holtet. Zwischen Zäunen und Hecken geht es lange Zeit geradeaus zwischen Hinterhöfen entlang. Die einzigen Möglichkeiten für Bilder ergeben sich an den Stationen selbst, wobei auch dort nur relativ steile Bilder möglich sind. Aus diesem Grund brach ich die Erkundung der Linie an der Station Braten ab. Bei diesem Wetter wollte ich mich mit motivlich interessanteren Strecken beschäftigen. Ein Alibi-Bild entstand an der Station bei Einfahrt des Wagens 469 in Richtung Ljabru.
Das sollte es mit der Linie also wieder gewesen sein. Der bisherige Fahrtverlauf hatte mich nicht wirklich überzeugt und auch die weitere Strecke war laut Tobi ähnlich aufgebaut und bot nicht wirklich viele Möglichkeiten für unterschiedliche Bilder. Zum Glück hat das Netz auch noch andere Strecken zu bieten, die motivlich mehr hergeben und für mich noch unbekannt waren. Ein Blick auf die Karte warf dabei den Ast in Richtung Kjelsås ein weiteres Mal aus. Gestern hatte ich mich dort lediglich am letzten Abschnitt des Astes aufgehalten. Da dort meine Zeit begrenzt war, hatte ich den ersten Teil von der Station Storgata bis zur Station Heimdalsgata völlig außer Acht gelassen, wohl aber aus dem Fenster beobachten können, dass es auch dort hier und da ein Motiv gibt. Zudem ergab ein Abgleich der Strecke mit dem aktuellen Sonnenstand, dass auch das Licht perfekt stehen sollte. Bevor ich mich mit dem Ast beschäftigte, standen noch ein Motiv in der Innenstadt auf dem Zettel, welches ich mir von gestern als verbesserungswürdig notiert hatte. Da das Motiv ohnehin auf dem Weg zum angestrebten Ast lag, passte das perfekt. Kurzfristig baute ich einen weiteren Zwischenstopp an der Station Middelalderparken ein, bevor es zum eigentlichen Ziel ging.

[Tobias]Ich war bereits einige Zeit früher an diesem Streckenabschnitt, den ich 2023 mehr oder weniger ignoriert hatte und streue daher mal meine sonnigen Versionen der Haltestelle Middelalderparken ein: Zwischen den Stationen Oslo Hospital und Dronningens gate durchfährt die Straßenbahn den modernen Teil von Oslo. Kurzerhand verließ ich die Bahn an der Station Middelalderparken, um auch die moderne Infrastruktur von Oslo in einem Bild unterzubringen. Wagen 469 durchquerte das Bild. Rechts ist zu erahnen, dass der Ausbau dieses modernen Viertel noch weiter vorangetrieben werden soll, während sich links ein großer Park befindet, der die Situation an dieser Haltestelle etwas auflockert.

Hier noch eine weitere Aufnahme an der Haltestelle Middelalderparken mit Urbos 485.

Um wenigstens mal ein anderes Fahrzeug im eintönigen Wagenpark Oslos zu zeigen: Wenige Meter weiter kurz vor Oslo Hospital erwischte ich an diesem Morgen den Arbeitswagen 358, vermutlich auf dem Rückweg zum Depot bei Holtet.

Zuvor hatte ich mich etwas an der neuen Oper an der Bjørvika umgesehen. Architektonisch ein sehr spannender Bau, der einfach an jeder Ecke zum Fotografieren einlädt. Eine Seite des Opernhauses läuft flach in Richtung Bjørvikaaus, wo gerade ein kleines Kreuzfahrtschiff an den Anleger manövriert.

In die andere Richtung fällt der Blick auf das gestalterisch umstrittene Munch-Museum. Dahinter der Hügelzug mit dem Ekebergparken, den die Linien Richtung Ljabru erklimmen.

Die teils flach abfallenden Seiten der Oper dienen als Auf- und Abgang auf das Gebäude, von dem aus man dann einen schönen Blick Richtung Oslo und Schären genießen kann.

Blick vom Operndach über Bjørvika. Hinter dem Schiff liegt die Insel Hovedøya. Damit zurück zu Jonas auf dem Weg in die Innenstadt.[/Tobias]
Heute hatte ich es etwas früher zur Stelle kurz hinter der Station Jernbanetorget geschafft, sodass der Schatten wie erhofft noch nicht so weit in die Kurve hereingezogen war. Dadurch konnte ich das Bild etwas weiter hinten als noch gestern umsetzen und den Wagen in der Innenkurve darstellen. Wagen 484 entfernte sich hier vom Hauptbahnhof und steuerte auf die Station Stortorvet zu.
An dieser Stelle hätte sich ein perfektes Motiv für einen geradeaus fahrenden Wagen ergeben. Leider gab es bei der aktuellen Linienführung keine Linie, die diese Verbindung bediente, sodass mein erhofftes Motiv mit dem Wagen in der Sonnenlücke nicht realisiert werden konnte. Ich wollte mir ein Bild an dieser Stelle jedoch nicht nehmen lassen, weshalb ich mich an einer Umsetzung eines abbiegenden Wagens versuchte. Zwar war dabei nicht der komplette Wagen im Licht, bei den wenigen Stellen der Innenstadtdurchfahrt, an denen überhaupt Licht auf die Strecke fiel, gab ich mich aber auch mit dieser Umsetzung zufrieden. Wagen 416 hatte soeben die dunkle Gasse durchfahren und wurde hier für kurze Zeit zu großen Teilen ins Licht getaucht.
An der Station Nybrua gestaltete sich die Situation schon wieder ganz anders. Hier hat sich die Strecke von den hohen Häusern befreit und durchfährt ein deutlich aufgelockertes Gelände. Wagen 448 befand sich auf der Brücke über den Fluss Akerselva und fuhr auf die Station Nybrua zu. Kurz hinter der Station teilt sich der Linienast in zwei Äste auf, wobei die Linien 12 und 18 nach links abknicken, während die Linie 17 nach rechts weiterführt. Genau zwischen den beiden Ästen tut sich eine sehr ansehnliche Häuserfassade auf, die hier im Nachmittagslicht erstrahlte.
Zunächst orientierte ich mich ein Stück den linken Ast der Linie 12 und 18 entlang. Diesem Ast war ich gestern bereits in Richtung Kjelsås gefolgt, hatte aber erst zu einem späteren Zeitpunkt die Bahn für erste Bilder verlassen. Nun gelang mir ein Nachschuss des in Richtung Kjelsås fahrenden Wagens 473. Bei einem Blick den weiteren Streckenverlauf entlang, entschied ich mich dagegen, weiter die Strecke entlang zu gehen. Für Bilder in Fahrtrichtung Innenstadt war der Schatten der Häuser schon zu weit auf die Strecke gewandert und selbst in die andere Fahrtrichtung würde es nicht mehr lange dauern, bis der Schatten auf dem Gleis wäre.
Auch dem anderen Ast folgte ich nicht wirklich weit. Bereits wenige Meter hinter dem Abzweig befindet sich die Station Heimdalsgata. Hier eröffnet sich rund um die Station eine Art alte Industriekulisse mit Backsteingebäuden. Während die restliche Strecke im Hintergrund gerade von einem Wolkenschaden betroffen war, schaffte es die Haltestelle samt Wagen 483 noch ins Licht.

[Tobias]Als eine der letzten Lücken in meiner Sammlung war ich die Strecke der Linie 17 zwischen Heimdalsgata und Grefsen Stasjon im Jahr 2023 ohne Aufnahmen nur abgefahren. Lag wohl damals daran, dass wegen der Stumpfendstelle am Hospital nur Niederflurwagen liefen. Das Viertel mit recht brachialen Backsteinblöcken steht im krassen Kontrast zu den Villen- und Gründerzeitvierteln im Westen der Stadt. Urbos 448 erreicht hier die Haltestelle Rosenhoff Richtung Rikshospitalet.[/Tobias]
Ein abschließendes Bild an diesem Streckenabschnitt entstand fast genau an der Station Nybrua. Als Linie 12 näherte sich Wagen 474 der Station. Im Hintergrund ist noch immer das Haus am Abzweig durch die Bäume hindurch zu erkennen, was verdeutlicht, auf welch engem Raum hier eine Menge Motive umzusetzen sind.
Ein letzter Streckenabschnitt stand nun noch für den Nachmittag auf meiner To-Do-Liste: Die Strecke in Richtung Lilleaker. Auch dort hatte ich mich vorher bei Tobi informiert, wie es um Motive an dieser Strecke stand. Der erste Abschnitt ab der Station Solli sei noch ganz interessant, irgendwann würde auch diese Linie, wie die Linie nach Ljabru, eher zu einer Überlandstrecke mutieren und deutlich motivärmer werden. Daher sah mein Plan vor, mich zunächst mit dem schöneren Abschnitt ab der Station Solli zu beschäftigen und dann einfach zu gucken, wie weit ich noch fahren würde. Also ging es wieder einmal quer durch die Innenstadt. Mit der Linie 12 kam ich sogar ohne Umsteigen bis zur Station Solli, wenn auch nicht ganz auf direktem Wege. Bevor ich mich von dort in Richtung Lilleaker aufmachte, zog ein weiteres Mal die Station Solli und der neben der Station liegende Platz meine Aufmerksamkeit auf sich. Ich versuchte mich rund um die Station an der Umsetzung einiger Motive, bevor ich mich mit der nächsten Linie 13 in Richtung Lilleaker begab.
Ich hatte mich gegenüber der Station Solli auf der anderen Seite des Solli plass postiert. Eigentlich wollte ich ein Bild umsetzen, wenn sich der Wagen genau auf der von Wasser bedeckten Kreuzung befindet. Diese Umsetzung scheiterte jedoch an einem davorfahrenden Auto. Daher begnügte ich mich mit einer etwas früheren Auslösung, wodurch zumindest ein größerer Teil der skurrilen Kreuzung zu sehen war. Wagen 471 begab sich als Linie 13 auf den Weg nach Lilleaker, was mir eine längere Wartezeit auf den nächsten Kurs in diese Richtung bescherte.
Mit dem nächsten Kurs der Linie 13 war ich in Richtung Lilleaker gestartet. Wirklich weit war ich nicht gekommen, bis ich bereits an der nächsten Station Skillebekk die Bahn wieder verließ. Hier durchquerte die Strecke ein hübsches Villenviertel mit zahlreichen Botschaften. An der Station ergab sich direkt ein Motiv mit einem der imposanten Häuser am linken Bildrand. Bei diesem Motiv war ich ganz froh, die Sonne für einen Moment verloren zu haben, da sich hier ohnehin nicht genug Sonne für einen kompletten Wagen gezeigt hätte. Wagen 479 hat soeben die Station Skillebekk verlassen.
Kurz nach der Station begann dann das völlige Chaos. Die Straßenbahn hing in einem elendig langen Stau fest. Da die Strecke hier als konventionelle Straßenbahn verläuft und keinen gesonderten Bahnkörper hat, ereilte die Bahnen hier das gleiche Schicksal wie die wartenden Autos und es blieb keine andere Option, als sich durch den Stau hindurch zu stehen. Der Stau rührte von einer Kreuzung ein ganzes Stück hinter der Station Nobels gate her und brachte dementsprechend eine relativ lange Wartezeit mit sich. Ich hatte die Bahn an der Station Skarpsno verlassen und mich dazu entschieden, die weitere Strecke zu Fuß zu bewältigen. Dadurch war ich deutlich früher an meinem nächsten Motiv als die Bahn, die ich an der Station Skarpsno verlassen hatte und konnte den Wagen 421 kurz vor der Station Nobels gate einige Zeit später festhalten. Der guten Laune des Fahrers schien der Stau nicht viel anhaben zu können und mit einem Lächeln wurde ein Peace-Zeichen in die Kamera gehalten.
Kurz vor der Station Thune war der Stau endlich überwunden und im Hintergrund ist der Beginn des Staus zu sehen. Erneut war ich bis zum nächsten Motiv schneller als die Straßenbahn vorangekommen und so war es ein weiteres Mal Wagen 421, der sich in meinem Bild zeigte. Hier befindet sich das Ende des Villenviertels und in der Folge befinden sich am Streckenrand deutlich modernere Häuser.
Die Station Thune selbst liegt am Ende des Straßenbahnabschnittes. Nach der Station folgt der bereits angesprochene Überlandabschnitt ohne wirklich viele Motive. Daher sollte das Bild von Wagen 435 an der Station das letzte an diesem Ast gewesen sein. Weiter wollte ich dem Ast nicht folgen.

[Tobias]So richtig kann man es ja nicht glauben, daher musste ich es mir selbst einmal ansehen, aber seit der Einführung der Urbos 3 endet die Linie 13 wieder an der Station Lilleaker. Die erst vor wenigen Jahren aufwendig gebaute Einfädelung in die Metrostrecke und anschließende Parallelführung samt doppelter Haltestellen bis Bekkestua, wird nicht mehr bedient. Soweit mir bekannt, stellte man wohl zu spät fest, dass man die notwendige Sicherungstechnik für den Betrieb auf der Metrostrecke, allein schon physisch nicht in den Urbos 3 untergebracht bekommt. So wenden heute alle Bahnen der Linie 13 wieder hinter dem ehemaligen Bahnhofsgebäude in Lilleaker. Genauso wie der viel zu dünne Viertelstundentakt, irgendwie ein Armutszeugnis für den Hauptstadtbetrieb.[/Tobias]
Ich wollte mich nun zurück in Richtung Innenstadt orientieren. Am Himmel zog es sich langsam aber sicher zu, die sonnigen Stunden des Tages lagen nun hinter mir. Zudem war ich mit meiner Netzerkundung im Prinzip auch fertig. Alles, was ich mir für heute notiert hatte, war abgearbeitet. Jetzt wollte ich mich noch ein wenig in der Innenstadt herumtreiben und das ein oder andere Motiv umsetzen, welches bei Sonne sonst eher schwierig darstellbar ist. Der Kurs der Linie 13 war gerade erst durch und dementsprechend müsste ich an der Station nun erstmal 15 Minuten warten. Da aber auch der Busverkehr an der Station ausgeprägt war, suchte ich nach einer passenden Buslinie, die mich entweder zurück in die Innenstadt oder zumindest zu einer anderen Straßenbahnlinie bringen würde. Fündig wurde ich in der Linie 20. Diese fährt auf direktem Weg zur Station Frogner plass, von wo aus ich mich mit der Linie 12 weiterbewegen konnte.
Der Bus war relativ voll und dementsprechend blieb mir nur ein Stehplatz nahe der Tür. Kurz darauf war ich jedoch froh, dass der Bus so voll war und mein Bewegungsradius ein Hinfallen nicht wirklich zuließ. Der Busfahrer schien schon seinem Feierabend entgegen zu fahren und jagte den Elektrobus mit einem bedenklich hohen Tempo durch die Straßen Oslos. Vor allem das schnelle Anfahren des Elektrobusses wurde durch den Fahrer ausgenutzt und sorgte gleichermaßen bei den Fahrgästen für Verärgerung. Dementsprechend froh war ich, an der Station Frogner plass von der Fahrt erlöst zu sein und in der Folge mit der Linie 12 deutlich entspannter weiter in Richtung Innenstadt fahren zu dürfen. Ich fuhr direkt mal bis zur Station Akker Brygge durch. Dort wollte ich mich an einer weiteren Umsetzung des Rathauses versuchen, die sogar bei Sonne im richtigen Licht gewesen wäre. Vor allem bestand die Kunst hier erneut darin, keine Passanten vor der Straßenbahn zu haben. Danach begab ich mich zu Strecke zwischen den Stationen Ovre Slottsgate und Dronningens gate. Die Strecke verläuft dort in einer tiefen Häuserschlucht und bekommt nur für eine ganz kurze Zeitspanne am Tag Licht ab. Mein Besuch war hier zu kurz, um genau den richtigen Moment dafür abzuwarten und so wollte ich nun einige Bilder umsetzen, da das Licht im Moment ohnehin keinen Faktor darstellte. Den Abschluss dieser kleinen Innenstadtsession gab es an der Station Stortorvet.
Keine Sonne, dafür auch keine Menschen vor der Straßenbahn. Anders als noch gestern hatte ich mich heute ein Stück hinter der Kurve direkt vor dem Rathaus postiert und lichtete den Wagen 457 auf der Geraden nach der Kurve ab. Zumindest die Menschen waren heute kein Problemfaktor.
Große Teile des bisherigen Tages hatte die Strecke an der Station Ovre Slottsgate im Schatten gelegen. Daran hatte sich auch jetzt nichts geändert, nur war auch der Himmel nun dunkler geworden und so gelang mir ein Bild des an der Station stehenden Wagens 474. Die Häuser rund um die Station sind so schön, dass ich mir ein Bild hier nicht nehmen lassen wollte und die fehlende Sonne zu meinem Vorteil ausspielte.
Ich hatte mich die Straße entlang bis zur Station Dronningens gate vorgearbeitet. Direkt neben der Citybox, in der wir für die Zeit in Oslo unser Zimmer hatten, befindet sich die Haltestelle, an der gerade Wagen 472 stand.
Die Station Stortorvet hatte ich vor einigen Stunden noch in die andere Richtung umgesetzt. Jetzt am Abend rückte der Osloer Dom ins Motiv. Das Gebäude, welches vom Bahnhof aus hinter einigen Bäumen versteckt ist, ist vom Stortorvet völlig frei darstellbar. Vom Dom entfernte sich gerade Wagen 453.
Für den Abend hatten Tobi und ich uns für eine kleine Rundfahrt mit der Fährlinie B1 entschieden, die in dem Ticket der Straßenbahn mit inbegriffen sind. Die Fähre würde allerdings erst um ca. 19 Uhr starten. Nach meinem letzten Bild war es erst kurz nach 18 Uhr. Damit blieb mir noch einiges an Zeit, bevor ich mich zum Hafen begeben musste. Eine wirkliche Idee, was ich jetzt mit der restlichen Zeit anfangen sollte, hatte ich nicht. Bei dem Wetter hatte ich keine Lust mehr weitere Bilder an der Straßenbahn umzusetzen, dafür war das Wetter den Tag über einfach zu gut gewesen und ich hatte genug schöne Sonnenbilder im Kasten. Daher entschied ich mich dazu, einfach jetzt schonmal zum Hafen zu fahren. Ich hatte vorhin gesehen, dass sich direkt am Hafen eine Festung befindet. Dieser Festung wollte ich mich jetzt widmen. Doch als ich am Hafen ankam, merkte ich langsam, dass mich die Kräfte verließen. Ich war heute wieder intensiv auf den Beinen gewesen und hatte den ganzen Tag keine wirkliche Pause gemacht. Jetzt meldete sich mein Körper und zeigte mir, dass ich noch lange nicht wieder bei 100 Prozent war. Daher entschied ich mich dazu, meinen Plan mit der Besichtigung der Festung über den Haufen zu werfen und stattdessen auf einer der Bänke am Hafenbecken Platz zu nehmen. Ich kramte meine Kopfhörer heraus, genoss ein wenig die Sicht auf den Osloer Hafen und beobachtete dabei das Treiben der Menschen um mich herum. Nach der kurzen Verschnaufpause fühlte ich mich schon wieder ein wenig fitter, als ich mich auf die Fähre begab. Tobi war bereits früher gestartet und würde erst auf einer der Inseln zusteigen. Ich suchte mir also einen Platz am vorderen Ende der Fähre, musste aber schnell feststellen, dass der Fahrtwind sehr frisch war. Zu frisch für mich und meine Erkältung.
[Tobias] Ich war bereits am Nachmittag “durch” mit dem, was ich mir für die Straßenbahn Oslo noch vorgenommen hatte. Wie schon 2023, wollte ich auch heute noch ein Fährfahrt durch die Schären machen und mir dabei eine der Inseln genauer anschauen. Hovedøya und Gressholmen hatte ich mir 2023 angeschaut und so fiel die Wahl heute auf Lindøya. Nachdem ich die Zeit bis zur nächsten Fährabfahrt noch etwas bei Aker Brygge herumgehangen hatte, startete ich mit der nächsten B1 um kurz nach fünf meine abendliche Rundfahrt. Es folgt ein kleiner Exkurs in die Schärenwelt von Oslo.

Uhrenturm bei Aker Brygge

Im Gewimmel rund um die Anleger und die Fressmeile bei Aker Brygge wartete ich die Zeit bis zur nächsten B1 ab.
Auf Lindøya
Schon wenige Schraubenumdrehungen den Oslofjord hinaus, ist der Trubel der Hauptstadt, das touristische Gewusel und die Einheimischen, die die letzten warmen Tage des Jahres genießen, vorüber. Nur eine Handvoll weiterer Passagiere verlässt die elektrische Fähre, die zuvor fast lautlos über den Oslofjord geglitten war, am Anleger der kleinen Schäreninsel Lindøya. Kaum hat die Fähre den Heckstrahler, mit dem sie sich zuvor noch kraftvoll an den Anleger gedrückt hatte, umgekehrt und abgelegt, zerstreut sich die kleine Gruppe auf den labyrinthähnlichen Pfaden auch schon und ich wähne mich allein zwischen den kleinen bunten Häuschen, umrahmt von niedrigen Hecken und weiß gestrichenen Zäunen.
Zu hören ist nur noch das Rauschen des Windes in den Bäumen, das Zwitschern kleiner Vögel die in Schwärmen umherfliegen und das Hacken eines Spechts irgendwo oben in einem der Nadelbäume. Wo ist das Tosen der Großstadt geblieben? Der Wind muss wohl vom Fjord kommen und die Geräusche fernhalten. Aus dem Meer aus kleinen bunten Hütten schweift der Blick über das felsig abfallende Ufer hinaus auf den Fjord, hinüber zur Frystasjon der Nachbarinsel Gressholmen.
Ein Steg führt auf einen vorgelagerten Felsen, von dem man auf die Nachbarinsel Nakkholmen wohl fast schwimmen könnte. Die eigentlich raue nordische See, wirkt hier im Schutz des Oslofjordes und den kleinen Buchten der Schären gebändigt wie ein Binnensee. Nur die hin und wieder vorbeiziehende Hochseeschiffe verraten, dass es zwischen den kleinen Bötchen auch hinaus in die Weite der Ozeane geht.
Man kann sich gut vorstellen, wie hier im kurzen Sommer die Norweger zu ihren Ferienhäuschen pilgern, in jedem Garten ein Grill angeheizt wird, Nachbarn über die kleinen Gartenzäune Neuigkeiten der letzten neun Festland-Monate austauschen. An einem Mittwochabend Anfang September aber strahlt hier in der scheinbar heilen Welt alles eine leicht verlassene Ruhe aus. Nur einer der wenigen, noch nicht auf das Festland zurückgekehrten, temporären Inselbewohner, dreht noch einen Spaziergang über das Eiland. Man grüßt freundlich wie auf dem Dorf, drüben in der Großstadt würde man dafür schräg angeschaut werden.
Planlos streife ich durch diese Idylle und lasse die scheinbare Harmonie nach Tagen in wuseligen Großstädten auf mich wirken. Und seltsamerweise fahre ich sofort runter, passe mich der Geschwindigkeit der Insel an, vergesse die Zeit, bleibe hier und dort stehen, auf der Suche nach einer interessanten Perspektive oder einfach nur, um ein kleines Detail am Wegesrand näher zu betrachten.
Obwohl die Zeit hier wie verlangsamt wirkt, verfliegt sie beim Eintauchen in das Tempo dieser Insel zugleich wie im Flug. Wollte ich nicht bloß eine Fähre überspringen? Nun, die hat längst wieder abgelegt…
Und so geht es erst nach guten zwei Stunden mit dem Einbrechen der Dunkelheit wieder zum Anleger Lindøya øst zurück, vorüber an einem kleinen Fußballplatz. Ob hier noch vor kurzem das Nachbarschaftsduell mit der Insel Nakkholmen stattgefunden hat? Man kann es sich, aufgehend in einem großen bunten Sommerfest, lebhaft vorstellen. Für heute aber senkt sich langsam die Dunkelheit über Lindøya und die nächsten Monate wird es zunehmend wieder kalt und ungemütlich.
Zurück auf der Fähre auf das Panorama von Oslo zusteuernd, ist dieser Moment der Ruhe vordergründig wieder wie weggeweht. Es geht auf das Nachtleben von Oslo zu, das monumentale Rådhus aus Backstein direkt beim Anleger Aker brygge macht es unverblümt deutlich: Hier ist Großstadt, hier will man von Welt sein. Wie schön und bewahrenswert ist aber auch die Idylle der kleinen Schäreninseln, nur einen Steinwurf von der Weltstadt entfernt. Beides hat seinen Wert und hier nebeneinander seinen Platz gefunden oder bewahrt. Diese Mischung aus Stadt und Dorf, Weltsicht und Idyll, scheint in allen größeren Städten des Landes parallel zu existieren.

Angekommen auf Lindøya



Blick von Lindøya auf die Frystasjon der Nachbarinsel Gressholmen

Frystasjon Gressholmen








Zurück bei Aker Brygge bin ich recht zufrieden mit der kleinen Fotostrecke von Lindøya und schaue mich zur blauen Stunde zum Abschluss des Fototages noch etwas rund um das Radhus um.




Urbos 486 vor dem Nobel Friedenszentrum.


Am späten Abend funktioniert es ganz gut ohne störende Menschenmassen mit dem Oslo Radhus von der Haltestelle Aker Brygge aus gesehen. Nur ein Passant vor dem vierten Segment des Urbos 434 musste entfernt werden.[/Tobias]
Da wir heute mit dem Nachtzug nach Trondheim weiterfahren würden, hatten wir natürlich bereits am Morgen aus dem Zimmer ausgecheckt und mir blieb nur der Aufenthaltsbereich im Erdgeschoss der Citybox. Mit Tobi zusammen wurde sich in der Folge etwas zum Abendbrot geholt, bevor wir kurz darauf in Richtung Bahnhof starteten. Unser Nachtzug sollte um 22:50 Uhr von Oslo losfahren und dann fast acht Stunden später Trondheim um 06:40 Uhr erreichen. Es hatte sich schon eine kleine Schlange vor dem Bahnsteig gebildet, an dem der Nachtzug abfahrtbereit wartete. Die Tickets wurden bereits am Bahnsteigzugang kontrolliert. Schnell hatten wir die Schlange passiert und machten uns auf die Suche nach unserem Schlafabteil. Als wir die Tür zum Abteil öffneten, guckte ich erstmal ein wenig verdutzt. Minimalistisch lautete hier das Motto. Die Betten waren übereinander auf einer Seite der Kabine angebracht, der Gang daneben war gerade breit genug, dass man sich auf der Stelle um 180 Grad drehen konnte. Zumindest über der Tür befand sich eine Gepäckablage, in der wir unsere Koffer unterbringen konnten. Am türfernen Ende des Abteils befand sich ein kleines Waschbecken und ein Fenster. Das wars. Die Leiter, mit der man das obere Bett erreichen konnte, war in die Wand eingelassen und konnte nur ausgeklappt werden, wenn der Gang komplett frei war. Ich verfrachtete erst die Koffer in die Gepäckablage, dann mich aufs obere Bett. Das Bett war erstaunlicherweise lang genug für meine fast zwei Meter und auch relativ gemütlich. Das Ruckeln des Zuges war etwas nervig, aber auszuhalten und so hatte ich mich schnell mit der Schlafsituation angefreundet. Wenn man sich nicht gerade bewegen wollte, hatte das Abteil alles, was man brauchte. Ich guckte noch ein wenig Serie, dann gingen bei mir die Augen zu, um zumindest einige Stunden Schlaf zu bekommen. Wenn ich wieder aufwachen würde, hätten wir Trondheim erreicht. Durch die Nacht schaukelten wir dem Motto dieser Reise unaufhaltsam entgegen: “Sehnsucht nach Typ Braunschweig”.
