Sehnsucht nach Typ Braunschweig – Norwegen 2025 VI: Angekommen bei der Gråkallbanen

Heute steht der erste von drei Tagen bei der Gråkallbanen vom Trondheim auf dem Programm. Bei bald bestem Wetter ging es den derzeit betriebenen Abschnitt von Ila bis Lian auf und ab.


Donnerstag, 4. September 2025:

Der letzte Teil des Reiseberichtes hatte im Nachtzug von Oslo nach Trondheim geendet. Dementsprechend beginnt auch dieser Teil an eben jener Stelle. Der Zug sollte den Bahnhof von Trondheim um 06:40 Uhr erreichen. Ich hatte meinen Wecker auf 06:00 Uhr gestellt, um bei Ankunft in Trondheim ausstiegsbereit zu sein. Schnell in die Klamotten geschlüpft, kurz Zähne geputzt und alles wieder verstaut. Dann fuhr der Zug auch schon pünktlich in den Bahnhof von Trondheim ein. [Tobias] Insgesamt empfand ich die Nacht jetzt nicht als übermäßig erholsam. Mit über 1,90 ist es grundsätzlich im Grunde immer zu eng in Nachtzügen und die dauerhaft kurvige Strecke tat ihr übriges für einen eher unruhigen Schlaf. Aber es war eben schon unschlagbar praktisch, sich eine Nacht im schon Monate vorher quasi ausgebuchten Trondheim zu sparen – den Grund sollten wir später erfahren – und sogar noch einen halben Tag Fotolicht zu gewinnen. [/Tobias]


Morgendlicher Blick auf die Sentralstasjon vn Trondheim.


Noch hingen dicke Wolken über dem Nidvelda Kanalen an der Sentralstasjon. Doch das Wetter sollte im Laufe des Vormittages aufklaren.

Im Bahnhof galt es zunächst unsere Koffer loszuwerden. Unsere Unterkunft hatte Tobi, wie bereits im ersten Teil erwähnt, in einem Dorf deutlich außerhalb von Trondheim gebucht. Dort würden wir erst heute Abend hinfahren und mussten daher unsere Koffer den Tag über in einem Schließfach verstauen, um die Erkundung der Straßenbahn von Trondheim zu starten. Vom Bahnhof war es knapp ein Kilometer zu Fuß zur Endschleife der Straßenbahn. Um die Koffer erleichtert, gingen wir einmal quer durch die Innenstadt von Trondheim. Bevor wir die Schleife erreichten, blieben wir zunächst an einer Filiale von Godt Brød hängen und genehmigten uns einen Kaffee und die üblichen Zimtstückchen, um die Müdigkeit der doch relativ unruhigen Nacht etwas wegzuspülen. Nach erfolgreicher Stärkung waren es nur noch wenige Meter bis zur Station Dronningens gate in der Endschleife der Straßenbahn.

Doch bei unserer Ankunft fiel ein erster skeptischer Blick auf die Schienen, die nicht wirklich befahren aussahen. Wenige Meter weiter folgte der finale Beweis, dass die Schienen wirklich nicht befahren wurden. Über den Gleisen war behelfsmäßiger Asphalt aufgebracht worden und an anderer Stelle fehlten die Schienen komplett. Bereits vor Antritt der Reise war klar gewesen, dass hier in der Innenstadt größere Bauarbeiten an der Straßenbahn anstanden. Doch eigentlich waren diese erst für kurz nach unserem Besuch angesetzt. Das sah hier jedoch nicht so aus, als wäre die Strecke erst seit Kurzem nicht mehr in Betrieb. Woher auch immer die Information des Baubeginns gekommen war, sie schien nicht zu stimmen. [Tobias] Die Info-Seite des Verkehrsbetriebes bzw. der Stadt Trondheim war dahingehend auch maximal unübersichtlich und unverständlich gestaltet[/Tobias]. Naja, an diesem Umstand war erstmal nichts zu ändern. Blieb nur die Hoffnung, dass die Strecke nicht komplett eingestellt worden war und wir die nächsten drei Tage sehr viel Zeit für die kulturellen Highlights von Trondheim hätten. Wir machten jetzt das einzig Sinnvolle und folgten den Schienen zu Fuß, in der Hoffnung irgendwo auf ein betriebenes Stück Strecke zu stoßen. Zunächst wurde es aber erstmal schlechter anstatt besser. An der Station Hospitalkirka war die komplette Straße aufgerissen, das Haltestellenhäuschen stand samt Untergrund auf dem Fußweg und selbst für Fußgänger war die Straße gesperrt. Über einige Umwege gelangten wir trotzdem zur Station Skansen, an der die Schienen wieder unter Asphalt verschwanden. Am Ende der Straße sah es endlich besser aus. Wenn ich mich nicht verguckt hatte, war dort eben eine fahrende Straßenbahn zu sehen gewesen. Und tatsächlich endete die Straßenbahn im Moment behelfsmäßig an der Station Ila. Dort befindet sich ein Gleisdreieck, was es den Bahnen auch ohne Schleife möglich macht zu wenden. Der Besuch in Trondheim drohte nun zumindest kein völliger Reinfall zu werden. Das schöne Innenstadtstück wurde zwar nicht befahren, dafür aber immerhin die deutlich längere Überlandstrecke, die auch einiges zu bieten hat. Die nächste Stunde verbrachten wir nun damit, die ungewohnte Betriebssituation an der Haltestelle Ila darzustellen und warteten auf das Näherrücken der am Horizont sichtbaren Aufhellungen. Die Straßenbahn fuhr einen angenehmen 15-Minuten-Takt, was anders als in Oslo, hier in Trondheim sowohl dem Fahrgastaufkommen als auch der Siedlungsdichte gerecht zu werden schien. Dadurch begegneten uns hier direkt drei der vier heute laufenden Kurse.

Mit Wagen 99 stand der vorletzte Wagen der Fahrzeuggeneration an der Haltestelle Ila. Wagen 100 ist jedoch seit Jahren schon nicht mehr in Betrieb, sodass Wagen 99 zumindest den Abschluss der betriebsfähigen Fahrzeuge bildet. Im Hintergrund sind die nach links weggehenden Schienen zu erkennen, die in das Gleisdreieck hineinführen. Rückwärts geht es dann nach rechts auf das andere Fahrtrichtungsgleis, bevor vorwärts in die Station Ila mit Fahrtrichtung Lian eingefahren wird. Hier schien es kurz zuvor noch geregnet zu haben, sodass sich das Licht von Wagen 99 noch auf dem nassen Boden spiegelte. Wagen 99 trägt die aktuelle, weiße “Farb”-Gestaltung der Straßenbahn Trondheim, mit dem Schriftzug “GråkallBanen” an der Front und dem Logo der Betreibergesellschaft “BOREAL” an den Seiten. 

[Tobias] Ein kurzer Einschub zur heute noch betriebenen Linie 9 der Straßenbahn Trondheim: Seit 1988 die letzten Linien der Straßenbahn von Trondheim eingestellt wurden, ist die 1990 wiedereröffnete Überlandlinie nach Lian die letzte verbliebene Straßenbahnlinie von Trondheim und der Betrieb damit weiterhin der nördlichste Straßenbahnbetrieb der Welt.
Zu verdanken hat die Linie ihr Überleben im Wesentlichen den elf bei der Stilllegung 1988 noch fast fabrikneuen LHB-Triebwagen vom “Typ Braunschweig”. Mit der “Überbreite” von 2,6m auf Meterspur waren die Fahrzeuge quasi unverkäuflich und der Versuch des “heimlichen” Verkaufs an einen Schrotthändler flog auf und führte zu einem öffentlichen Skandal.

Durch ihre weitgehende besondere Trassierung konnte die rund 8km lange und aus der ursprünglich eigenständigen Gråkallbanen hervorgegangene Überlandlinie im Jahr 1990 wiedereröffnet werden, ohne den MIV zu stark zu “stören” und wird seither mit den elf GT6 “Typ Braunschweig” bedient, von denen aktuell sechs einsatzbereit sind. Allein schon wegen dieser Fahrzeuge, stand der Betrieb bei uns als Braunschweiger schon lange auf der Wunschliste. Zumal seit Ende 2024 in Braunschweig kein einziger der verbliebenen Triebwagen mehr betriebsfähig ist.
Nachdem die Einstellung mit dem alternden Wagenpark und den ausgefahrenen Gleisen immer wieder im Raum stand, stehen die Zeichen nun seit einigen Jahren klar pro Straßenbahn, die Sanierung der Strecke ist in vollem Gang und die Beschaffung neuer Fahrzeuge wurde eingeleitet.

Die Bauarbeiten am Innenstadtabschnitt im Straßenplenum von Skansen bis zur Blockumfahrung St. Olavsgate dauern geplant noch bis ins Jahr 2027 an. Bis dahin endet die Linie 9 stadtseitig am Gleisdreieck Ila. Dennoch werden im Viertelstundentakt die üblichen vier Fahrzeuge benötigt. [/Tobias]

Aus der anderen Richtung folgte kurze Zeit später Wagen 93 in Richtung der Station Ila. Wagen 99 wartete unterdessen immer noch an der momentanen Endstation auf seine Abfahrtzeit, sodass sich die Kurse hier im Prinzip gegenseitig rausschieben. Das deutete darauf hin, dass der Fahrplan trotz der verkürzten Strecke nicht angepasst worden war und einfach die Pause der Fahrer an der Endstation verlängert wurde. Wagen 93 ist in eine weiße Werbung gehüllt und fügt sich damit in die Farbgebung der anderen Wagen ein. Schon seit Jahren gibt es bei diesem Betrieb keine wirkliche Lackierung.

[Tobias] Später am Tag gelang mir noch eine sonnige Variante der Ausfahrt aus der Station Ila mit Wagen 95. Hinten drückt schon der nachfolgende 97 aus dem Gleisdreieck.[/Tobias]

Wir warteten einen weiteren Umlauf ab, der mit Wagen 95 die gleiche Werbung wie Wagen 93 brachte. In der Zwischenzeit hatte sich ein blaues Loch am Himmel aufgetan, durch das die ersten Sonnenstrahlen die Strecke erreichten. Auch der Hang mit den vielen hübschen Häusern im Hintergrund erstrahlte in der Sonne. Der 15-Minuten-Takt ist hier gerade zu Schul- und Ausflugszeiten durchaus angebracht, wie die Schar an Schülern beweist, die von der Linie 9 um die Ecke laufen, um mit dem Bus weiter in die Innenstadt zu fahren.

Ein Bild in der Sonne gelang uns 15 Minuten später von einer eher ungewöhnlichen Situation. Dass Straßenbahnen planmäßig ein Gleisdreieck nutzen, ist eher selten. Umso interessanter, dies einmal hier im Bild festzuhalten. Der Fahrer des Wagens 99 hat einmal den kompletten Wagen durchquert und steuert nun rückwärts aus dem Gleisdreieck auf die durchgehende Strecke zurück. Bei diesem Manöver gilt es für die Fahrer sich zu beeilen, da die Straße auch durch den regen Busverkehr genutzt wird, der durch das Rückwärtsfahren behindert wird. Unter anderem auch zwei Linien mit dreiteiligen Doppelgelenk-E-Bussen. Dabei handelt es sich sicherlich auch um eine Seltenheit: In Trondheim sind die Busse durch die dreiteiligen E-Busse länger als die Straßenbahnen, was in den allermeisten Städten wohl eher anders herum der Fall sein dürfte.

Wir eilten einmal am Wagen vorbei, um den Wagen neben den Holzhäusern auch von vorne festzuhalten. Genau in diesem Moment ging die Sonne aus, sodass uns dieses Bild zunächst nur im Schatten vergönnt war. Auch der Fahrer hat es wieder ans andere Ende des Wagens geschafft und steuert schon um die Ecke herum auf die Station Ila zu.

Hier hatten wir es jetzt gesehen. Am Himmel bahnten sich immer größere blaue Flecken an, die wir für erste Bilder an der Überlandstrecke nutzen wollten. Also ging es in den Wagen 99 hinein. Nicht nur äußerlich, auch Innen übersteigen die Dimensionen des “Typ Braunschweig” in Trondheim deutlich die ihrer Vorbilder aus Braunschweig. Während es in Braunschweig aufgrund der geringeren Breite nur für eine 2+1-Bestuhlung gereicht hat, wurde in den 2,6 Meter breiten Wagen für Trondheim eine 2+2-Bestuhlung verbaut. Zudem wurde sich bei den Trondheimer Wagen für eine Lederbestuhlung anstelle der in Braunschweig dem damaligen Zeitgeist entsprechenden, orangen Hartplastiksitze entschieden. Bei dem Einsatz auf einer Überlandstrecke mit weiten Entfernungen zwischen den Stationen, sicherlich keine falsche Entscheidung. Weiterhin fiel direkt ins Auge, dass trotz der von außen nicht mehr erkennbaren Lackierung, zumindest im Inneren das rote Farbschema der originalen Lackierung beibehalten wurde.


[Tobias]Da werden Erinnerungen wach, auch wenn der Innenraum des “Typ Braunschweig” zuhause in seinem Ursprungsort deutlich weniger geräumig ausfällt, als hier bei der Gråkallbannen.


Viele typische Merkmale, wie das schnörkellose Innere in unverblümter Kunststoffoptik und die schrägen Dachkantenwerbungen mit Neonröhrenhinterleuchtung lassen Nostalgie aufkommen. 


Bei der bequeme Kunstlederpolsterung unterscheiden sich die Wagen dann glücklicherweise doch grundlegend vom Braunschweiger Vorbild. Die brutalen orangen Hartplastiksitze vermisst wirklich niemand. [/Tobias]

Wir suchten uns einen Platz im hinteren Teil des Wagens und ließen die Landschaft zunächst an uns vorbeiziehen. Bereits kurz nach Ausfahrt aus der Station beginnt die Strecke an Höhe zu gewinnen und setzt sich vom Niveau der Innenstadt auf Meereshöhe ab. Zunächst führt die Strecke relativ unfotogen abseits einer Straße am Hang entlang und bietet nicht wirklich Motive. An der Station Bygrensen wird dann wieder eine Straße gekreuzt, was ich sofort dafür nutzte, um die Bahn zu verlassen. Tobi fuhr hingegen noch ein Stück weiter, um den über Trondheim festhängenden Wolken ein Stück weiter zu entfliehen. Mein Tatendrang hatte mich letztendlich auch ein wenig zu früh aus dem Sitz gerissen, denn die Station Bygrensen gab ohne Sonne nicht wirklich viel her und auch auf der nachfolgenden Strecke bis Belvedere änderte sich nichts an der eher mauen Motivvielfalt. Also ging es direkt zu Fuß weiter bis zur Station Breidablikk. Hier öffnet sich das Umfeld um die Strecke herum ein wenig. Das Licht stand jedoch auf der falschen Seite und bevor ich mir ein passendes Motiv für diese Seite suchen konnte, kam Wagen 95 in die Station gefahren. Ich hielt den Wagen im nicht ganz optimalen Licht fest und sprang nach dem Bild direkt auf. Es ging zwei Stationen weiter bis zur Station Søndre Hoem. Hier überquert die Straßenbahn eine Brücke, von der ich wusste, dass von unterhalb der Brücke ein Motiv am Vormittag im Licht liegen sollte. Daher lichtete ich den Wagen zunächst an der Station Søndre Hoem selbst ab und versuchte mich in der Folge an der Umsetzung des Brückenmotives. Die ersten drei Versuche scheiterten an fehlender Sonne, ich gab aber nicht auf und wurde beim vierten Versuch mit einem perfekten Bild belohnt.

Wagen 95 fährt in die Station Breidablikk ein. An dieser Station befindet sich erst das zweite zweigleisige Stück nach der Station Ila. Dieses zieht sich bis zur nächsten Station Nordre Hoem durch und wird beim aktuellen Fahrplan für die Kreuzung zweier Kurse genutzt. Ein optimales Motiv hatte ich an dieser Stelle nicht gefunden und mich daher dazu entschieden, direkt an der Station ein Bild zu machen, um sofort nach dem Bild weiterfahren zu können.

An der Station Søndre Hoem passte das Licht dagegen perfekt. Wie die Station Søndre Hoem, sind die meisten Stationen der Strecke aufgebaut. Ein einziges Gleis und auf beiden Seiten ein Bahnsteig für die jeweilige Fahrtrichtung. Hier nutzt Wagen 95 den Bahnsteig in Fahrtrichtung Lian für den Fahrgastwechsel. Im Hintergrund ist bereits am Geländer die Hoemsbrua zu erahnen, an deren Umsetzung ich mich gleich versuchen wollte. Während mit der Brücke eine tiefe Schlucht überwunden werden muss, bliebt die Strecke hier nahezu auf einem Höhenniveau.

Ein deutlicher Höhenunterschied wird hier zwischen der Straße und der Bahnstrecke durch die Hoemsbrua ausgeglichen. Durch die Fischbauch-Konstruktion sehr interessant präsentierte sich die Stahlbrücke samt Wagen 97 in der Sonne. Sogar mit den Autos funktionierte hier im Bild alles perfekt und kein Auto fuhr störend vor die Kamera.


[Tobias]Zeitgleich hatte ich mich von der vorherigen Aufnahme ausgehend ein Stück rechts den Hang hinauf geschlagen. So gelang mir eine etwas höhere Perspektive auf die Hoemsbrua mit Wagen 97. [/Tobias]

Auf dem Rückweg zur Station Søndre Hoem musste ich die zuvor verlorene Höhe erstmal wieder gewinnen. Das wollte ich schaffen, bevor der nächste Kurs in Richtung Lian fahren würde, um hier nicht noch unnötig weitere Zeit zu verschwenden. Doch während der Rückkehr zur Station sprang mir ein weiteres mögliches Motiv ins Auge. Auch von der Höhe der Brücke war eine deutlich nähere Aufnahme des Bauwerks möglich, die zudem noch weitere Teile der Landschaft ins Bild brachte. Leicht vom Gerüst der Brücke verdeckt, lichtete ich Wagen 93 auf der Brücke ab und brauchte mir dementsprechend keinen Stress machen in der Folge zur Station zu gelangen.


[Tobias]Auf der Seite der Station Sondre Holm stand ich auf der anderen Seite der Strecke, von der zwar die Brücke selbst nur zu erahnen ist, dafür aber der Blick weit über Trondheim fällt. [/Tobias]

Mit dem nächsten Kurs ging es fast bis zur Endstation durch. Die übrige Strecke war gerade entweder nicht so richtig im Licht, nicht fotogen oder ich hatte einfach keine Lust schon wieder auszusteigen. Zudem tat sich die Sonne noch ein wenig schwer. Das änderte sich an der Station Herlofsenloypa. Hier war über der Strecke weit und breit fast nichts anderes als blauer Himmel zu sehen. Zudem ergab sich nahe der Station eine Stelle im perfekten Licht. Ich verließ den Wagen 95, der mich bis hier gebracht hatte und wartete auf seine Rückkehr von der Endstation. Nach dem Bild ging es mit dem nächsten Wagen bis zur Endstation durch, an der ein weiteres Bild entstand. Die Endstation befindet sich in einem kleinen Waldstück etwas abseits von Häusern und bietet so noch einmal völlig neue Motive. Zuletzt entstand ein Bild auf der Strecke zwischen der Endstation Lian und der Station Herlofsenløypa.

Einige Meter entfernt von der Station Herlofsenløypa eröffnete sich eine passende Stelle für die Rückfahrt des Wagens 95 in Richtung Ila. Schon hier lässt sich bei einem Blick in den von Wald geprägten Hintergrund erahnen, dass sich die Endstation etwas abseits der eigentlichen Zivilisation befindet.

Die Endstation Lian liegt von Bäumen umgeben im Wald. Das eigentliche Ziel der Strecke ist hier der unweit der Endstation liegende Lianvatnet-See sowie das umliegende Wandergebiet samt Haukvatnet als weiteren See. Aus diesem Grund ist die Straßenbahnanbindung hier vor allem bei Wanderern sehr beliebt. Wagen 97 hatte die Endstation Lian bereits erreicht und befand sich schon in der Schleifendurchfahrt auf dem Weg Richtung Ila. Hier schien gerade perfekt die Sonne in die Schleife, während sich in meinem Rücken der angesprochene See einige Meter tiefer befindet.

Von der Station Lian führt ein kleiner Trampelpfad parallel zur Strecke in Richtung der Station Herlofsenløypa. Ganz legal war das sicherlich nicht, direkt neben der Strecke entlang zu gehen, doch hier würde sich wohl keiner daran stören. Daher folgte ich dem Trampelpfad, in der Hoffnung zwischen den vielen Baumschatten eine Sonnenlücke zu finden, in der ich den nächsten Kurs unterbringen konnte. Ganz perfekt passte es an keiner Stelle, doch hier waren zumindest große Teile des Wagens 99 bei seiner Fahrt in Richtung Lian im Licht. 

Ich folgte nun auch die letzten Meter dem Trampelpfad bis zurück zur Station Herlofsenløypa. Hier wartete ich auf die Rückkehr des Wagens 99 und stieg ein. Ein richtiges Ziel hatte ich erstmal nicht, ich wollte mich einfach treiben lassen und gucken, wo sich etwas ergeben würde. Wie bereits am Anfang der Strecke bestand das Problem auf dem Abschnitt zwischen den Stationen Herlofsenloypa und Kyvannet in der Zugänglichkeit. Eine Straße gab es nicht und auch mit den Wegen war das eher schwierig. Doch kurz nach der Station Vestmarka fiel mir ein kleiner Waldweg ins Auge, der die Strecke mitten im Wald kreuzte. Da sollte doch was möglich sein. Daher verließ ich die Bahn bereits an der Station Kyvannet wieder, lichtete den Wagen ab und wartete auf den Gegenkurs. Ich hätte von hier zwar auch zu Fuß gehen können, das Motiv passte aber ohnehin für einen Wagen in Richtung Ila und somit würde ich nur länger am Motiv warten. Ich stieg an der Station Vestmarka aus und folgte dem Waldweg bis zu besagter Kreuzung. Tatsächlich ergab sich dort etwas zwischen den Bäumen. Zurück an der Station entstand ein weiteres Bild. Nachdem ich hier mein Motiv erfolgreich umgesetzt hatte, ging es weiter bis zur Station Munkvoll. Dort befindet sich neben dem Depot des Betriebes auch das Museum, vor dem gerade ein sich in der Aufarbeitung befindender Wagen herumstand. Ich guckte mich einfach mal ein wenig an der Station um und lichtete die Kurse aus beiden Richtungen ab.

Auch an der Station Kyvannet befindet sich direkt ein großer See samt Wandermöglichkeiten. Dementsprechend groß ist hier das Fahrgastaufkommen, wobei um diese Uhrzeit eher der Ausstieg aus Trondheim kommend genutzt wurde. Hier fährt der Wagen 97 gerade in die Haltestelle Richtung Ila ein.

Einzig ein kleiner Wanderweg kreuzt hier die Strecke, der mir an der sonst sehr abseits verlaufenden Strecke die Möglichkeit für ein Bild eröffnete. Gerade so befand sich die Stelle noch im richtigen Licht, sodass ich Wagen 93 zwischen den Stationen Vestmarka und Kyvannet festhalten konnte.

An der Station Vestmarka selbst dreht die Strecke leicht ab, sodass mir sogar noch ein Bild des entgegenkommenden Kurses 95 gelang, als dieser in die Station einfuhr. Genau mit diesem Kurs ging es kurz darauf in die andere Richtung bis zur Station Munkvoll weiter.

An der Station Munkvoll stand das Licht im Moment genau quer zur Strecke. Ich hatte mich erstmal in den nahe gelegenen Supermarkt begeben, um das überfällige Mittagessen zu kaufen und damit zurück zur wohl größten Station der gesamten Strecke bewegt. Hier war es erneut Wagen 99, der sich in meinem Bild zeigte und die Haltestelle bereits verließ. Nach rechts gehen die Gleise in Richtung Depot ab.

Wagen 93 aus der anderen Richtung. Rechts im Hintergrund sind die Hallen des Straßenbahnmuseums zu sehen, welches leider nicht offen hatte. Später wurde noch ein Wagen vor die Tür gezogen, der sich aktuell in Aufarbeitung befindet.

Die nächste Stunde wollte ich mich ein wenig mehr mit dem unteren Teil der Strecke zwischen den Stationen Ila und Nordre Hoem beschäftigen. Den Teil der Strecke hatte ich heute Morgen größtenteils ohne Zwischenstopp durchfahren, um vor den über Trondheim festhängenden Wolken zu fliehen. Daher waren auch die ersten Bilder an der Station Ila noch von sehr vielen Wolken geprägt. In Richtung Trondheim fiel der Blick im Moment auf jede Menge Blau, sodass die Bilder jetzt an der Station mehr Sonnenschein versprachen. Bevor ich mich jedoch bis zur Endstation zurückbegab, hatte ich noch zwei Motive an den Stationen Nordre Hoem und Bygrensen auf der Liste. An der zweiten Station war ich bei meiner ersten Erkundung der Strecke ausgestiegen, dort hatte aber die Sonne für ein passendes Motiv gefehlt.

Etwas steil war das Licht an der Station Nordre Hoem noch, daher hier eine Aufnahme von Tobi etwas später. Der Blick schweift über den hinter dem Wagen liegenden Trondheimfjord, an dem sich auch unser späteres Quartier befindet. Wagen 99 fährt gerade von der Station Breidablikk kommend in die Station ein. Selbst zu dieser doch eher abgelegenen Station hatte sich einer der in Großstädten eindeutig zu inflationär auftretenden E-Scooter verirrt.

Genau dieses Motiv mit dem kleinen Holzhaus links hatte ich mir schon vor einigen Stunden vorgestellt. Leider hatte ich ein wenig spät ausgelöst, wodurch ein Schatten in die Front von Wagen 97 gezogen war. Die Station Bygrensen bietet nach dem aktuellen Startpunkt an der Station Ila die erste Kreuzungsmöglichkeit der sonst eingleisig verlaufenden Strecke.

Zurück an der Station Ila war die Ausfahrt aus der Station nun von der anderen Seite im Licht. Gerade überquerte Wagen 99 die Kreuzung auf dem Weg zur Station Bergsli gate, die sich bereits wenige Meter weiter befindet. Von dieser Seite und bei dem deutlich besseren Wetter rückten auch einige Teile des nicht so schönen Trondheim mehr ins Motiv. Im Hintergrund erheben sich hinter der alten Holzhauszeile einige Hafengebäude von Trondheim, die vor allem von Beton geprägt sind.

Ganz anders sieht das Ganze dann schon wieder wenige Meter weiter vorne aus. Hier verschwinden die Betonklötze hinter der Holzhausfront und der Blick fällt auf die in der Sonne liegenden Häuser. Die Kurve in die Station stellt fast die einzige Möglichkeit dar, die Holzhäuser, die große Teile des Innenstadtabschnitts prägen, bei der aktuell betriebenen Strecke in einem Bild darzustellen. Einzig von der Spitze eines Baumschattens gestört, fährt Wagen 93 in der Sonne durch die Kurve in die Station ein.

Hier hatte ich bei aktuellem Sonnenstand jetzt alles dargestellt. Inzwischen hatte sich die Sonne so weit gedreht, dass sich an der Strecke wieder neue Motiv ergeben würden. Vor allem die Station Nordre Hoem sollte sich nun im richtigen Licht befinden. Auch die Stationen Rognheim und Ferstad, die bei meiner ersten Tour Richtung Endstation noch nichts hergegeben hatten, könnten nun etwas mehr anbieten. Dementsprechend ging es mit Wagen 93 zunächst bis zur Station Nordre Hoem direkt vor der großen Brücke. Wie erhofft befand sich die Station nun im perfekten Licht und ich hatte mir schon ein mögliches Motiv von etwas weiter oben überlegt.

Ein kleiner Weg führte von der Station Nordre Hoem durch etwas höheres Gestrüpp zu den oberhalb der Station vereinzelt stehenden Häusern. Zunächst bot sich dabei kein wirklich freier Blick auf die Strecke, da das Gestrüpp einfach zu hoch war. Doch oben an einer kleinen Straße angekommen, öffnete sich eine Schneise, durch die der Blick frei auf die wenige Meter weiter unten liegende Strecke fiel. Von hier oben bot sich nochmal ein deutlich besserer Blick auf den Trondheimfjord, Trondheim selbst und den sich durch die Landschaft schlängelnden Fluss Nidelva. Ich stellte meine Kamera auf Schnellschuss und erwischte Wagen 95 so am perfekten Punkt.

Mit dem Wagen 97 war es direkt weiter bis zu meinem nächsten Ziel gegangen. Die Station Rognheim ist eher eine der unspektakuläreren Stationen der Strecke und besteht im Prinzip nur aus zwei versetzt zueinander liegenden Bahnsteigen und einer kleinen Hütte. Im Moment befand sich die Station aber im perfekten Licht für ein Bild von Wagen 99 von der Nichttürseite. Anhand der letzten zwei Bilder ist gut zu erkennen, dass die Strecke über die Länge hinweg immer wieder die Richtung ändert. Während beim letzten Bild der Wagen noch von der Türseite im Licht gewesen war, war es hier genau die andere Seite.

Wieder war ich nach dem Bild direkt in den Wagen gesprungen und bis zur Station Ferstad weitergefahren. Hier war es auf Anhieb nicht so leicht ein Motiv zu finden, dass sich im richtigen Licht befand. Die Strecke dreht sich wieder ein deutliches Stück, sodass nun wieder die Fahrtrichtung Ila im richtigen Licht war. Nach einigem Hin- und Herüberlegen hatte ich aber auch dafür ein passendes Motiv gefunden. Kurz vor Einfahrt in die Station tat sich eine Sonnenlücke auf, die gerade groß genug für eine Wagenlänge war. In dieser Lücke gelang mir kurze Zeit später ein Bild von Wagen 97. 

Ich war noch einmal bis zur Endstation durchgefahren, an der sich ein Motiv auf der langen Gerade kurz vor der Station ergab. Ein letztes Mal zeigte sich Wagen 95 schön in der Sonne. Auch wenn das Bild hier nicht den Anschein erwecken mag, handelte es sich hierbei um eine Sache von Sekunden zwischen einem sonnigen Bild oder ein Bild im Schatten. Denn während der Himmel im gesamten Bild fast keine Wolken zeigte, schob sich in meinem Rücken eine riesige dunkelgraue Wolkenwand auf Trondheim zu. Daher handelte es sich bei diesem Bild auch erstmal um das letzte Sonnenbild für die nächste Zeit. Ich sah zu, dass ich schnellstmöglich zurück zur Endstation kam und einen Platz im Wagen fand. Die Eile hatte sich ausgezahlt, denn nur Minuten nachdem ich den Wagen erreicht hatte, setzte ein heftiger Sommerschauer ein, der erstmal einige Zeit anhielt.

Obwohl ich mit Wagen 95 im Prinzip vor dem Regen wegfuhr, schaffte ich es nicht mehr in die Sonne hinein. Daher sah ich keine Notwendigkeit, den Wagen vor Erreichen der Endstation Ila noch einmal zu verlassen. Während der Fahrt hatte ich mich mit Tobi kurzgeschlossen und wir hatten uns darauf geeinigt, uns in der Innenstadt zu treffen und den Regenschauer bei Kaffee und Stückchen in der Stammbäckerei Godt Brød auszusitzen. Immerhin war der Regen schon wieder etwas abgeflaut, als ich die Station Ila erreichte, sodass der Weg von er Station zur Filiale von Godt Brød nicht übermäßig nass wurde. Erst als Tobi und ich bereits mit einem Kaffee und Stückchen ausgestattet am Platz saßen, ging es draußen noch einmal etwas stärker mit dem Regen zur Sache. Aber wie das in Norwegen mit dem Wetter immer so ist, dauerte es nicht mal bis zum Ende unseres Kaffees, bis sich hinter den dunklen Regenwolken wieder ein blauer Streifen offenbarte. Das versprach doch nochmal einige abendliche Sonnenbilder. Der Anblick des erneut blauen Himmels ließ uns nicht viel länger im Café sitzen und so machten wir uns schnell wieder auf den Weg in Richtung Straßenbahn. An der Station Ila war der blaue Himmel noch nicht ganz angekommen, zumindest aber ein ganzes Stück näher herangerückt. Tobi und ich hatten uns für abendliche Bilder abweichende Motive vorgemerkt, sodass sich unsere Wege nach dem Zusammentreffen für den nachmittäglichen Kaffee schnell wieder trennten. Mein erstes Ziel befand sich erneut am hinteren Teil der Strecke, sodass ich erstmal einige Zeit mit der Bahn unterwegs war. Das war mir gerade aber auch ganz Recht, da es erstmal einige Stationen in Anspruch nahm, bis sich die Strecke überhaupt von den Wolken befreit hatte. An der Station Herlofsenloypa war das dann der Fall, an der ich mir auch mein Motiv herausgesucht hatte. Von dort ging es mit einigen Zwischenstopps ein letztes Mal für heute zurück in Richtung der Station Ila.

Noch hatte es die Sonne nicht zurück auf die Strecke geschafft und die nasse Straße gab Zeugnis über den ergiebigen Regenschauer ab, der hier in der letzten Stunde durchgezogen war. Ohne Sonne war es zumindest auch völlig egal, dass sich das Motiv des in die Station Ila einfahrenden Wagens 95 im völligen Gegenlicht befand. Im Hintergrund ist am Himmel der blaue Streifen zu erkennen, der uns für den Abend noch einmal Hoffnung auf Sonne gab.

Mit Wagen 93 war ich nun fast einmal die komplette Strecke abgefahren. An der Station Herlofsenloypa passte es dann mit Sonnenstand und Sonnenschein und nach einem kurzen Sprint konnte ich den Wagen noch festhalten, bevor dieser sich wieder in Bewegung setzte. Danach hatte ich dann deutlich mehr Zeit, mich gemütlich zur Haltestelle der anderen Richtung zu begeben und auf die Rückkehr des Wagens von der Endstation zu warten.

An der Station Vestmarka hatte ich heute Mittag schon ein Motiv in die andere Richtung umgesetzt. Jetzt befand sich die Strecke für ein Bild eines in Richtung Lian fahrenden Wagens perfekt im Licht. Daher hatte ich mich wieder den kleinen Waldweg entlang begeben und neben der Kreuzung mit der Strecke aufgestellt. In diese Richtung war das Bild nochmal ein ganzes Stück steiler, mit den rundherum stehenden Bäumen und den Wolken im Hintergrund ergab sich trotzdem ein klasse Bild mit Wagen 95.

Ein letztes Bild in der Abendsonne hatte ich mir an der Kreuzungsstation Ugla herausgesucht. Während die Station selbst so gut wie gar nichts hergab, fand sich eine passende Stelle wenige Meter hinter der Station. Schon aus der Bahn heraus war mir hier immer wieder aufgefallen, dass die Strecke sich prinzipiell in der Sonne befand. Nur wo ein passender Standpunkt für mich war, war mir noch nicht so ganz klar gewesen. Etwas der Straße herunter gefolgt, hatte ich letztendlich eine Stelle gefunden, an der sich ein passendes Motiv für Wagen 97 ergab, der in Richtung Lian unterwegs war.


[Tobias]An der Kreuzungsstation Ugla war ich bereits am frühen Vormittag. Hier fährt Wagen 99 Richtung Ila in die Station ein.


Meine letzten Aufnahmen der Linie 9 entstanden an diesem Tag an der Endschleife Lian, die am frühen Abend im schönsten Licht liegt. Zu dieser Zeit machen sich auch zahlreiche Ausflügler, nicht selten in Gruppen, auf den Weg ins Naherholungsgebiet. Gerade erhalten die Teilnehmer die Einweisung für die bevorstehende Aktivität, während Wagen 93 mit offenen Schwenktüren bereits auf Fahrgäste für die Rückfahrt nach Trondheim wartet. Die Außenschwenktüren sind ein weiterer auffälliger Unterschied zur Braunschweiger Bauweise, bei denen nach innen drehende Türen verbaut wurden.


Eine Viertelstunde später verlässt Wagen 95 die Endstation. Noch immer ist die Gruppe nicht in den Wald aufgebrochen, sondern wird über verschiedene, hier anzutreffende Pflanzen belehrt. [/Tobias]

Das sollte es für heute mit der Straßenbahn gewesen sein. Kurz nach dem Bild ging die Sonne erneut aus, da sich eine weitere Wolkenfront davorschob. Diesmal hatte ich jedoch keine Hoffnung mehr, dass sich danach noch einmal die Sonne zeigen würde. Dafür war es inzwischen einfach zu spät und die Sonne ging ohnehin in wenigen Stunden unter. Nach der letzten Nacht im Nachtzug und dem langen Tag mit vielem hin- und herfahren waren Tobi und ich zudem einfach fertig. Wir verständigten uns darauf, jetzt den Weg in Richtung Unterkunft anzutreten. An der folgenden Station Munkvoll traf ich wieder auf Tobi und fuhren zusammen zur Station Ila. Anders als heute Morgen, entschieden wir uns nun dagegen, von der Station Ila bis zum Bahnhof zu laufen. Wir waren nun schlauer und wussten, dass die Straßenbahn ohnehin nicht weiterfuhr und konnten von hieraus eine der vielen Buslinien nehmen, die uns zum Bahnhof bringen würde. Bevor wir dort unser Gepäck aus dem Schließfach befreiten, suchten wir im Zentrum einen Supermarkt aus. Wir hatten aus unseren Fauxpas in Bergen gelernt und es war noch weit vor 20 Uhr. Also nichts wie hin in die Bierabteilung und jeder von uns suchte sich ein Bier aus, dass vom optischen Erscheinungsbild interessant aussah. Weiterhin deckten wir uns mit Nudeln und Pesto für heute ein einfaches Abendessen ein. Vollbepackt mit Essen und Trinken ging es zum Bahnhof, wo wir eine ganze Menge NOK in den Automaten stopfen mussten, um unser Gepäck aus dem Schließfach zu bekommen.

Vom Bahnhof aus startete direkt die Buslinie 70, die uns zu unserer Unterkunft bringen würde. Unsere Hütte befand sich in einer kleinen Siedlung oberhalb des Trondheimfjords einige Kilometer von Trondheim entfernt. Im Gegensatz zu vielen anderen Linien des Trondheimer Busnetzes, auf denen bereits vollständig oder zumindest größtenteils E-Busse zum Einsatz kommen, handelt es sich bei der Linie 70 noch um eine rein durch Verbrenner betriebene Linie. Mit dreiachsigen MAN-Bussen wird die Linie bis tief in die Nacht in einem etwas krummen Takt bedient – in der HVZ ca alle Viertelstunde, ansosnten im Halbstundentakt – und band unsere Unterkunft somit optimal an. Die Haltestelle am Bahnhof befindet sich noch relativ nah am Beginn der Linie, sodass es kein Problem war, uns einen geeigneten Platz zu suchen, auf dem sowohl wir als auch unsere Koffer einen Platz fanden. Von Trondheim nach Smiskaret, der Haltestelle an der sich unsere Unterkunft befand, würde der Bus ca. eine halbe Stunde brauchen. Der Fahrplan war offensichtlich sehr sportlich ausgelegt, denn so wie der Fahrer in der Folge den Bus durch die Straßen lenkte, bekam man eher das Gefühl, als würde er einen Porsche fahren und nicht einen tonnenschweren dreiachsigen Linienbus bewegen. In den Kreiseln wurde gefahren, als wüsste der Fahrer, dass da sowieso nie ein Auto kommt, beim Anfahren der Haltestellen wurde ausgetestet, wie sehr man den Bremsweg verkürzen konnte, wie schnell sich der Bus anschließend wieder in Bewegung setzen konnte und insgesamt wurde ich das Gefühl nicht los, dass der Fahrer nach dieser Runde Feierabend hatte. Zumindest erreichten wir so pünktlich nach etwa einer halben Stunde die Haltestelle.

Die Hütte befand sich zwar Luftlinie nicht sonderlich weit von der Haltestelle entfernt, dafür aber einige Höhenmeter weiter oben und dementsprechend eine Serpentinenstraße entfernt. Nach einem so langen Tag jetzt noch eine gefühlte Ewigkeit mit Koffer bergauf laufen, war wirklich nicht das Angenehmste. Irgendwann erreichten wir die Hütte und ich war froh, mich erstmal kurz hinsetzten zu können. Zumindest die Aussicht über den Trondheimfjord war auf dem Weg überragend gewesen.


[Tobias]Die kleine Hütte war wirklich allerliebst eingerichtet. Mit null Bewertungen auf Booking war es ein wenig ein riskanter Take gewesen. Aber Street-View bestätigte zumindest, dass es die Hütte gab und sie anscheinend unlängst ausgebaut worden war. Das erklärte dann zumindest die fehlenden Bewertungen. Von vorne nach hinten durch die langgezogene Hütte war wirklich alles da: Ein Vorraum mit Sitzecke, daneben das Bad, dann die großzügige Küche mit Tisch und am Ende ein großes Schlafzimmer mit zwei Betten. Zur Begrüßung lag sogar ein kurzer Gruß auf dem Tischchen im Vorraum und an Ausstattung ließ es an nichts vermissen. Abgesehen davon, dass uns die Hotelsituation in Trondheim ohnehin keine Alternativen gelassen hatte, war das hier wirklich eine tolle Unterkunft – gut also, dass es in Trondheim nichts bezahlbares gegeben hatte. [/Tobias]

Jetzt nur noch schnell unser Essen in der Küche zubereiten und dann wäre es das mit dem Tag gewesen. Danach ging es fast auf direktem Wege ins Bett, denn für den morgigen Tag wollten wir wieder fit und ausgeruht sein. Der zweite Tag an der Trondheimer Straßenbahn samt einer Überraschung wartet dann im nächsten Teil von “Sehnsucht nach Typ Braunschweig”.

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