Nachdem der gestrige Tag schon recht erfolgreich verlaufen war, gibt es heute an der Straßenbahn eigentlich gar nicht mehr so viel zu tun. Hier und da noch einige Lücken füllen, an der ein oder anderen Station ein passendes Motiv suchen und sonst ein wenig durch den Tag treiben lassen. Zu Beginn des Tages zeigte sich überraschend auch ein historischer Wagen auf Sonderfahrt.
Freitag, 5. September 2025:
Nachdem wir gestern schon so erfolgreich gewesen waren, könnte man meinen, dass wir es heute etwas ruhiger angehen lassen könnten. Prinzipiell war das auch richtig, nur hatte der Wetterbericht vor allem in den Morgenstunden noch einiges an Sonne vorhergesagt, während es sich ab Mittag langsam aber sicher zuziehen sollte. Ein wenig wollten wir die Sonne am Vormittag also noch nutzen und es dann ab Nachmittag etwas entspannter anzugehen. Ohne Frühstück verließen wir unsere Hütte, liefen den Berg runter und nahmen kurz vor neun einen der morgens verstärkt fahrenden 70er, der nach kurzer Zeit angerast kam. Bis kurz vor Erreichen der Bushaltestelle war ich mir nicht ganz sicher, ob der Bus wirklich anhalten würde, doch dann wurde der Anker geworfen und der Bus bremste in die Bucht hinein. Am Nedre Elvehavn sprangen wir spontan aus dem Bus, um in diesem rekultivierten Hafenviertel den sich im Hafenbecken spiegelnden Kran im Morgenlicht aufzunehmen.
Noch vor Erreichen der Straßenbahn überschlugen wir an der Haltestelle Solsiden einen Bus. Hier bot sich mit dem Dokkparken ein erster morgentlicher Blick auf die Hafenanlagen von Trondheim. Durch eine fast windstille Oberfläche ergab sich eine nahezu perfekte Spiegelung.
Mit einer der hier nun zahlreichen anderen Buslinien ging es weiter bis zur Haltestelle Prinsens Gate. Nachdem wir uns ein Frühstück im Narvensen besorgt hatten, suchten wir uns an diesem zentralen Umsteigeplatz eine der vielen Linien die uns zur Station Ila bringen sollte. Wir erwischen einen der dreiteiligen E-Busse, die hier unter anderem die Linie 1 bedienen, der es gerade mal bis zur Station Skansen schaffte, bevor er zusammenbrach. Einige Neustart-Versuche später und kurz bevor wir zu Fuß weitergegangen wären, entschied sich der Bus dazu, seinen Dienst wieder zu tun und wir fuhren bis zur Station Ila weiter. Dort schien gerade die Sonne, sodass wir uns an einer weiteren Umsetzung eines aus dem Gleisdreieck rückwärts ausfahrenden Wagens versuchten, nachdem das Bild gestern unter einem leichten Wolkenschaden gelitten hatte. Doch genau dasselbe Problem trat heute auch wieder auf, sodass wir uns erstmal dem Frühstück aus dem Narvesen zuwandten, bevor etwas Unerwartetes unsere Aufmerksamkeit auf sich zog.
Auch am heutigen Morgen klappte der Versuch eines Bildes beim Rückwärtsfahren aus dem Gleisdreieck nur semioptimal. Erneut zeigte sich der Wagen nur halb in der Sonne, als Wagen 93 zurück auf die Fahrtstrecke setzte.

Kaffee und ein paar hier schon bezwungene süße Teilchen aus dem Narvensen waren eigentlich während der gesamten Tour unser standardmäßiges Frühstück.
Auf der Straßenbahn kam ein Wagen angefahren, der nicht dem Üblichen entsprach. Es handelte sich um ein historisches Fahrzeug. Also hechteten wir schnell an eine andere Stelle, um den Wagen zumindest halbwegs in der Sonne darzustellen. Dann rückte der Wagen auch schon in das Gleisdreieck vor. Der Fahrer stieg anschließend aus dem Wagen und schlenderte uns entgegen. Offensichtlich redete der Fahrer gerne über den Betrieb und seine Historie und schnell wurden wir in den Wagen gebeten und uns wurde die Geschichte der Fahrzeuge und des Betriebs selbst näher erläutert. Mit unserer Braunschweiger Herkunft hatten wir natürlich gleich ein Türöffner für das Gespräch. Nach einiger Plauderei wurde uns noch erklärt, welche Runde der Wagen heute dreht und das es bald losgehen würde. Das war unser Zeichen uns zu verabschieden und uns in den vorwegfahrenden Planwagen zu begeben, um uns ein geeignetes Motiv für den Wagen zu suchen.

Als große Überraschung begegnete uns kurz darauf der historische Wagen 22. Nach drei im Planverkehr typenrein bedienten Straßenbahnnetzen bot der Wagen eine willkommene Abwechslung. Die Haltestelle selbst lag am Morgen fast komplett im Schatten, sodass nur ganz wenige Sonnenstrahlen den Wagen erreichten. Trotzdem entstand notgedrungen ein erstes Bild vor Einfahrt in das Gleisdreieck.

Blick ins Innere des 1957 bei Strømmen gebauten Triebwagen 22.
Die Motivsuche ist am Morgen in Fahrtrichtung Lian gar nicht so einfach und so entschieden wir uns für ein Motiv im nicht ganz perfekten Licht, dafür aber mit schöner Umgebung. Tobi und ich teilten uns auf und während ich schon an der Station Nordre Hoem ausstieg, ging es für Tobi über die Hoemsbrua weiter bis zur Station Søndre Hoem. Nach erfolgreicher Umsetzung der beiden Bilder folgten wir der Sonderfahrt mit dem nächsten Planwagen bis zur Endstation Lian, an der der Wagen eine Pause machte, bis der nachfolgende Plankurs von hinten drückte. In das Stumpfgleis an der Schleife rangierte der Wagen leider nicht.
Mit dem knapp vorwegfahrenden Planwagen hatte ich mich bis zur Station Søndre Hoem bewegt und mich dort für ein Bild des Wagens 22 postiert. Auf diesem Streckenabschnitt stand das Licht am Morgen nicht wirklich optimal, ich hatte meinen Fokus jedoch mehr auf ein schönes Motiv und weniger auf das perfekte Licht gelegt. So kam Wagen 22 wenige Minuten später zumindest mit der Front in die Sonne getaucht durch die Station gefahren und präsentierte sich dabei vor dem Trondheimfjord im Hintergrund. Inzwischen hatte auch die Reisegruppe, die den Wagen angemietet hatte, ihren Platz im Fahrzeug gefunden.

[Tobias] Ich wählte noch einmal die schon gestern umgesetzte Perspektive von der anderen Seite der Hoemsbrua an der Haltestelle Sondre Hoem. [/Tobias]
Mit Wagen 95 ging es kurz darauf bis zur Endstation Lian wieder. Wir hatten eigentlich vermutet, der Wagen 22 würde in ein kurzes Stumpfgleis vorrücken, um den Planwagen passieren zu lassen. Entgegen unserer Erwartung stand der Wagen bei unserer Ankunft jedoch noch an der Haltestelle und machte auch keine Anstalten, sich dort wegzubewegen. Es schien so, als würde die Sonderfahrt auch vor dem Planwagen die Station wieder verlassen. Wir nutzten unsere Chance und lichteten die beiden hintereinanderstehenden Fahrzeuge in der Endstation ab.
Kurz darauf ging es für die Reisegruppe wieder in den Wagen, was uns das Zeichen gab, uns für ein Bild in der Schleife aufzustellen.
Fast direkt nach der Abfahrt der Sonderfahrt sollte auch der Planwagen 95 zu seiner nächsten Runde starten. Bei unserem Gespräch mit dem Fahrer des Wagens 22 am Morgen, hatten wir in Erfahrung gebracht, dass die Sonderfahrt bereits an der Station Munkvoll endet. An der Station Munkvoll sollte der Wagen in der Folge direkt ins Depot einrücken. Dementsprechend könnten wir mit Glück noch ein Bild am Depot schießen, wenn der Planwagen schnell genug hinter dem Wagen 22 herfahren würde. Daher ging es in Wagen 95 hinein und nur kurz darauf auch schon los. An der Station Munkvoll angekommen war Wagen 22 bereits über den Gleiswechsel gefahren, um rückwärts ins Depot einzurücken, da das Depot nur über das Fahrtrichtungsgleis Lian angebunden ist Das gab uns die Möglichkeit, noch schnell die Kamera zu zücken, bevor der Wagen zügig im Depot verschwand, um den Planverkehr nicht zu stören.
Bei unserer Ankunft fuhr Wagen 22 gerade über den Gleiswechsel hinter der Station, sodass der Wagen in der Folge im Prinzip falsch herum auf der Strecke stand. Bei unserem Bild war der Wagen bereits einmal durch die Haltestelle durchgefahren und befindet sich auf dem Weg ins Depot, nachdem die Weiche für die Einfahrt geschmissen wurde. Warum hier nicht einfach direkt eine Depotausfahrt auf das Fahrtrichtungsgleis Ila führte, blieb mir ein Rätsel.
Nachdem wir uns nun ausgiebig um die erfreuliche Überraschung gekümmert hatten, stand der eigentliche Plan für den Tag auf dem Programm. Da Tobi und ich schon gestern getrennt unterwegs gewesen waren, hatten wir heute dementsprechend noch andere Lücken im Netz, die wir füllen wollten. Daher trennten sich an dieser Stelle unsere Wege und jeder arbeitete seine Fehlliste auf eigene Faust ab. Für mich hieß das, den Weg in Richtung der Station Kyvannet einzuschlagen. Dort stand noch ein offenes Motiv nahe der Station auf dem Zettel, welches gerade auch im richtigen Licht lag. Danach ging es in die entgegengesetzte Richtung bis zur Station Nordre Hoem zurück.
Auf der Geraden kurz vor der Station Kyvannet verläuft die Strecke durch etwas dichter bewachsene Umgebung, was ich für ein Bild von Wagen 93 nutzte. Eigentlich wollte ich zu einem Punkt ein Stück weiter hinten an der Strecke, an dem die Trasse ein kleines Felsportal durchfährt. Dieser Punkt war jedoch vollkommen abseits jeglicher Wege, sodass ich mir notgedrungen ein anderes Motiv suchen musste, welches ich direkt an der Station fand. Das ermöglichte mir zumindest direkt die Weiterfahrt mit Wagen 93.
An der Station Nordre Hoem hatte ich das zweigleisige Stück zwischen den Stationen Breidablikk und Nordre Hoem noch nicht dargestellt. Bei Sonne wäre die Fahrt am Hang entlang sicherlich noch einmal spektakulärer gewesen, auch so gelang mir aber zumindest ein halbwegs helles Bild von Wagen 95, während sich dieser den Berg zur Station hochkämpft.
Eigentlich fehlte es mir jetzt schon ernsthaft an Ideen, was ich an der Straßenbahn noch machen sollte. Vor allem weil es sich gerade zuzog und ich gestern schon jede Menge Bilder mit Sonne geschossen hatte, war die Motivation im Moment nur bedingt vorhanden. Doch dann kam mir ein Einfall. Bei den unzähligen Fahrten entlang der Strecke waren mir immer wieder zwei Brücken aufgefallen und die ich bisher noch nicht dargestellt hatte. Ob das überhaupt möglich war, galt es erst noch herauszufinden. Die eine Brücke überquert die Strecke kurz hinter der Station Munkvoll in Richtung Lian, die zweite Brücke befindet sich zwischen den Stationen Ugla und Kyvannet. Also ging es die Strecke von der Station Nordre Hoem nach Munkvoll wieder zurück, die ich gerade eben erst in die andere Richtung gefahren war. Zunächst versuchte ich mich an der Umsetzung der ersten Brücke, bei der es sich um das deutlich schwerer darzustellende Motiv handelt. Danach ging es bis zur Station Kyvannet weiter. Ich hatte die Stelle, an der sich die Brücke befindet, etwas falsch eingeschätzt und deutlich näher an der Station Kyvannet verortet. Tatsächlich befindet sich die Brücke fast direkt an der Station Ugla. Da ich keine Lust hatte, auf die Gegenbahn zu warten, entschied ich mich dazu, einfach die Strecke von der Station Kyvannet bis zur Brücke zu Fuß abzulaufen. So gelang mir mit dem nächsten Wagen Richtung Ila auch ein Bild der zweiten Brücke.
So richtig optimal bot sich an der Brücke kein Motiv. Da ich aber nun sowieso den Weg bis zur Brücke gelaufen war, konnte ich auch ein Bild der Situation festhalten. Am Himmel hatte sich eine relativ dichte Siffschicht gebildet, doch ganz leicht kämpfte sich die Sonne noch hindurch, sodass Wagen 97 beim Überqueren der Brücke von der Seite angeleuchtet wurde. Rechts sind noch die letzten Ausläufer der Wagenhalle zu erahnen, die sich an der Station Munkvoll befindet.
Zwischen Ugla und der Station Kyvannet befindet sich eine kleine Brücke, die ich eine Runde später ebenfalls mit Wagen 99 Richtung Ila am Nachmittag umsetzte. Nicht nur war die gesamte Situation, ob der deutlich kleineren Straße bedeutend ruhiger, auch vom Wagen selbst ist bei dieser Brücke deutlich mehr zu sehen. Tobi erwischte das hier gestern mit Wagen 99 noch bei Sonnenschein.
Nachdem ich nun auch die Brückenmission erfolgreich abgeschlossen hatte, schloss ich mich mit Tobi kurz, wie sein weiterer Plan für den Tag aussah. Auch Tobi schien bei diesem Wetter nicht mehr so viel Lust auf weitere Bilder an der Straßenbahn zu haben und schlug vor, dass wir uns für einen kleinen Rundgang durch die Stadt an der Station Ila treffen könnten. Denn neben der Straßenbahn, hat Trondheim auch kulturell einiges zu bieten und das Wetter bot sich gerade perfekt an, um eine Pause an der Straßenbahn einzulegen und Trondheim auch abseits der Straßenbahn zu erkunden. Also einigten wir uns darauf, beide in Richtung Ila zu starten und uns dort zu treffen. Während Tobi noch etwas länger zur Endstation brauchte, versuchte ich mich an einer Darstellung der Station Bergsli gate, die sich fast direkt an der Endstation befindet.
So richtig ergab sich an der Station Bergsli gate nichts. Eigentlich hatte ich mir eine Perspektive vom Ende des Bahnsteigs vorgestellt, bei der die Umsetzung etwas steiler, dafür ohne Mast im Bild erfolgt wäre. Problem daran war nur, dass sich genau dort im Moment ein Auto befand, welches sich um die Grünanlagen rund um die Station kümmerte. Also musste ich etwas improvisieren und entschied mich für eine Perspektive von weiter oben, bei der zumindest die Häuser neben der Station gut zur Geltung kamen. Wagen 94 hatte gegenüber gestern Wagen 99 ersetzt. Eine kleine Besonderheit ist der rote Stromabnehmer, der mir direkt ins Auge sprang und von den sonst vorherrschenden schwarzen Stromabnehmern abweicht.

[Tobias] Viel Ergänzenswertes hatte auch ich an diesem Vormittag nicht mehr umgesetzt. An der Endschleife Lian und an der Hoemsbrua hatte ich ein paar Versuche mit dem Vielflügler gestartet. Ersteres war nicht wirklich zeigenswert, zumindest die Perspektive mit Wagen 94 auf der Hoemsbrua soll hier aber gezeigt werden, auch wenn mich die Sonne gegen 2 Uhr bereits hängen ließ. [/Tobias]
Kurz darauf trafen wir uns an der Station Ila und fuhren zunächst auf einen Besuch beim Narvesen in die Innenstadt. Von der Prinsens Gate steuerten wir auf den ersten Programmpunkt zu: Den Nidarosdomen, eines der Wahrzeichen von Trondheim.

[Tobias] Am Weg zum Nidarosdomen passierten wir auf der Munkegata das Tinghus, das Bezirksgericht von Trondheim.

Immer geradeaus aus der Innenstadt der Munkegate folgend, läuft man direkt auf den Seitenflügel des Nidarosdomen zu. [/Tobias]

Von jeder Menge kleiner, aus Stein gehauenen Figuren verziert, präsentiert sich das Hauptportal des Nidarosdomen.

Einen solchen Besucherauflauf schaut man sich am besten aus der zweiten Reihe an.
Danach ging es zum Erkebispegården, dem Erzbischöflicher Palast von Trondheim und weiter am Fluss entlang hinüber zur Gamle bybro, der alten Stadtbrücke, die über den Fluss Nodelva führt. Von der Brücke aus eröffnet sich auch ein schöner Blick auf einige der alten Holzhäuserzeilen, die sich den Fluss entlang aufreihen.
Entlang des Nidelva bieten sich einige schön aufbereitete Grünanlagen, die zum Verweilen einladen. Generell ist die gesamte Innenstadt von Trondheim recht einladend gestaltet.

Im Innenhof des Erkebispegården.

Über die alte Stadtbrücke hinweg geht es von der Innenstadt auf direktem Wege zur Festung Kristiansten. Aufgrund dessen und auch der Brücke selbst geschuldet, waren gier viele Besucher unterwegs und während Tobi einige weitere Perspektiven der Brücke umsetzte, nutze ich die Gelegenheit und beobachtete einfach ein wenig das Treiben der Menschen.

[Tobias] Von der alten Stadtbrücke aus fällt der Blick auf die sich am Wasser aufreihenden Holzhauszeilen und die Bakke Bru.

Hier bieten sich die typischen Ansichten von Trondheim, die sich wohl in jedem Reiseführer finden.

Die heutige Gamle Bybro wurde 1861 rekonstruiert, das Original stammte bereits aus dem Jahr 1685. [/Tobias]
Zum Abschluss des kulturellen Teils des Tages, ging es hinauf zur Festung Kristiansten, die von der alten Stadtbrücke aus den Hügel hinauf zu erreichen ist. Der Weg bergauf kostete einiges an Reserven, dafür konnte ich mich in der Folge oben auf eine der mit Gras bewachsenen Mauern setzen und erstmal für einige Zeit den Blick von oben auf die Stadt und das Umland genießen. Auch ein Blick auf die am Hang entlangfahrenden Bahnen der Gråkallbanen war von hier oben möglich. Tobi lief derweil etwas durch das Gelände und setzte einige Perspektiven um.

[Tobias] Wie die originale Bybrua, wurde auch die Festung Kristiansten nach dem großen Feuer von 1681 zur Verteidigung der Stadt errichtet und 1685 fertiggestellt. Hier ist der mächtige Verteidigungsturm zu sehen.

Von der Festung fällt der Blick durch auf diesen bereits Anfang September schon leicht herbstlich angehauchtes Laub auf die Rückansicht des Nidarosdomen.

Zu allen Seiten sind auf der Festungsanlage Kanonen ausgerichtet. Scharf geschossen wird hier allerdings schon lang nicht mehr.

Interessant sind auch die in den Boden gebauten Teile der Verteidigungsanlage, aus einer Zeit, in der man sich vor Blicken aus der Luft eigentlich noch nicht tarnen musste. [/Tobias]
Nachdem wir noch einige Zeit die weitere Wetterentwicklung beobachteten, mussten wir feststellen, dass der blaue Streifen, den wir in einiger Entfernung entdeckt hatten, nicht wirklich auf uns zuzog und so keine wirkliche Hoffnung auf Sonne für den restlichen Tag mehr bestand.
[Tobias] Als letzter Punkt stand noch der lächerlich kleine Leuchtturm am Yachthafen auf unserem Zettel. Eher als Running Gag hatte der es auf die Liste geschafft, denn wirklich beeindruckend ist der Skansen Fyr nicht, tauchte aber auf einigen Internetseiten dennoch als Sehenswürdigkeit von Trondheim auf. Dass der nun schon mehrmals auf den Busfahrten zwischen Innenstadt und Ila unfotografiert an uns vorbeigezogen war, konnten wir so natürlich nicht stehenlassen. So schauten wir uns kurz am Yachthafen um und hakten mit dem Skansen Fyr den vorerst letzten Punkt auf der Liste ab.

Der Skansen Fyr am Yachthafen von Trondheim unweit der Haltestelle Skansen, die derzeit nicht von der Straßenbahn bedient wird. [/Tobias]
An der nicht fernen Endstation Ila entstand noch ein letztes Straßenbahnbild des Tages, bevor wir uns dazu entschieden, für ein Abendessen in unsere Hütte zu fahren. Es sollte Kartoffelecken mit Backfisch geben – jedenfalls dachten wir das zu diesem Zeitpunkt noch – die wir beim Umsteigen in einem Supermarkt in der Innenstadt kauften. Mit dem 70er-Bus ritten wir anschließend vom Bahnhof hinaus nach Smiskaret zu unserer Hütte.
Ein abschließendes Bild der Straßenbahn entstand heute an der Station Ila. Der Wagen befand sich gerade rückwärts auf dem Weg auf die Strecke, weshalb in der Fahrerkabine kein Fahrer zu sehen ist. Kurz darauf geht es für Wagen 97 in die andere Richtung in die Haltestelle hinein, in der meist der größte Teil der meist Pause verbracht wurde.
Nach einem weiteren interessanten Ritt mit der Linie 70, welcher den Trend des kompromisslosen Fahrens bestätigte, und dem Weg hinauf zur Hütte, kamen wir fast pünktlich zum Abendessen in unserer Hütte an. Doch eine Überraschung hatte selbiges zu bieten: Die als Kartoffelecken gekaufte Packung entpuppte sich als tiefgefrorene Chicken-Wings. Von außen war das nicht wirklich zu erkennen gewesen und beim Kaufen hatten wir uns auch die Aufschrift nicht genauer angesehen – es sah schließlich aus wie irgendwelche Kartoffelstücken. Also gab es jetzt zum Abendessen panierten Fisch mit Chicken-Wings. Eine ungewöhnliche Kombination, die wohl eher nicht auf einer Speisekarte landen würde. Dafür aber auch eine Story, die ich so schnell nicht vergessen werde.
Nachdem wir uns eine kleine Auszeit im Bett genehmigt hatten und unser Abendessen verdrückt war, sollte es auch schon wieder losgehen. Im Gegensatz zu gestern wollten wir heute den Abend nicht ungenutzt lassen und uns ein Bild von Trondheim bei Nacht machen. Die Hoffnung bestand darin, dass wie bereits Bergen und Oslo, auch Trondheim bei Nacht einige hübsch beleuchtete Szenerien bieten würde. Die Ziele waren dementsprechend ähnlich zu denen, die wir bereits heute Nachmittag abgeklappert hatten. Der Nidarosdomen, die Gamle bybro und weitere Punkte am Wasser standen auf unserer Liste. So ging es ein weiteres Mal mit der Linie 70 in Richtung der Innenstadt, dieses Mal einen Teil der Strecke begleitet von einigen Jugendlichen, die den Freitagabend mit Feiern in der Stadt verbringen wollten und das Vortrinken im Bus lautstark fortsetzten. Sehr amüsant empfand ich dabei den Anblick einer Jägermeisterflasche in der Hand eines Jugendlichen. Der Kräuterlikör mit Ursprung in Wolfenbüttel und damit ganz in der Nähe von Braunschweig, hat es in die ganze Welt geschafft und scheint auch in Norwegen nicht unbekannt zu sein. Unser Ziel war heute allerdings kein Ort zum Feiern, sondern die Innenstadt von Trondheim und so verließen wir die Linie 70 am Bahnhof und setzten dort zunächst einige Aufnahmen des Hafens während der blauen Stunde um. Danach steuerten wir die Gamle bybro und den Nidarosdom an, mussten aber bei beiden Zielen mit Ernüchterung feststellen, dass es an einer wirklich inzenierenden Beleuchtung fehlte. An der Bakke Bru, einer Prallelbrücke der Gamle bybro, konnten wir uns zumindest an einigen Aufnahmen mit Spiegelungen im Wasser versuchen. Am Nidarosdom wurde nur Tobi mit Stativ und Langzeitbelichtung tätig.
Der Ausblick beim Weg von unserer Hütte zur Bushaltestelle unten an der Straße konnte sich auf jeden Fall sehen lassen. Der blaue Himmel, den wir bereits heute Nachmittag auf der Festung gesehen hatten, war inzwischen ein ganzes Stück nähergekommen, hatte Trondheim aber noch nicht erreicht. Dafür sorgte der Himmel bei unserem Weg für ein tolles Lichterspiel über dem Trondheimfjord. Unten links im Bildrand ist die Bahnstrecke zu sehen, die parallel zur Straße am Trondheimfjord entlangführt. Leider fehlte es an dieser Stelle an einem Haltepunkt, weshalb uns nur die Option des 70er Busses für den Weg in die Stadt blieb.
Am Bahnhof hatte sich der Himmel am Abend nochmal aufgetan und sorgte pünktlich zur blauen Stunde für eine tolle Lichtstimmung über den Hafenanlagen des Nidelva Kanalen.
So wirklich beleuchtet war hier nichts, die wenigen Lichter der Häuser sorgten in Kombination mit dem hellen Himmel trotzdem für ein schönes Ambiente.
In die andere Richtung geblickt, dominierten Wolken den Himmel. Links im Bild sind die Lichter des Bahnhofs zu erkennen, der sich hier auf einer kleinen Halbinsel befindet und nur durch eine Brücke von der Innenstadt aus zu erreichen ist, auf der ich mich für die Bilder postiert hatte.
An der Gamle Bybro ergab sich zu unserer Enttäuschung überhaupt nichts mit der Brücke selbst. Das alte Bauwerk lag komplett im Dunkeln dar, sodass nur eine Brücke früher auf der Bakke Bru zumindest noch eine Aufnahme der sich im Wasser spiegelnden Häuser bei blauer Stunde entstand.

[Tobias] Installation in der Innenstadt von Trondheim. Die Blicke der Passanten auf den mit Schwenkdisplay am Boden hockenden, senkrecht nach oben zielenden Fotografen, waren unbezahlbar.

Der spärlichen Beleuchtung am Nidarosdomen war nur mittels Langzeitbelichtung beizukommen. Dafür setzte sich der mit bloßem Auge schon ziemlich schwarze Himmel noch schön ab.

Eine letzte Ansicht des Nidarosdomen.[/Tobias]
Nach diesem nicht ganz so ergiebigen Abstecher bei Nacht liefen wir noch ein wenig durch die Innenstadt auf dem Weg zur nächstgelegenen Haltestelle der Linie 70. Dabei wollten wir eigentlich über den Torvet, einem zentralen Platz der Trondheimer Innenstadt, zur Haltestelle Prinsens Gate laufen, an der die Linie 70 fährt. Doch der Torvet war großflächig abgesperrt und alles deutete darauf hin, dass hier morgen ein größeres Event anstand. Bei genauerem Hinsehen konnte ich auch feststellen, worum es sich dabei handelte. Ein Marathon. Das könnte die Erklärung dafür sein, weshalb es so schwer war, in Trondheim eine Unterkunft für unseren Aufenthalt zu finden. Das würde morgen sicherlich interessant werden, normalerweise befinden sich Städte bei Events wie Marathons immer im Ausnahmezustand. Blieb nur zu hoffen, dass dadurch der Betrieb der Straßenbahn nicht beeinflusst oder gar eingestellt würde. Das stellte aber ein Problem für morgen dar. Für heute wollten wir eigentlich nur noch zurück zur Unterkunft. Also umliefen wir die weiträumigen Absperrungen und kamen so auf einigen Umwegen an der Station Prinsens Gate an, fuhren zum Bahnhof und anschließend jagten wir mit dem 70er zurück nach Smiskaret. Wirklich alt wurden wir heute nicht mehr nach dem langen Tag und so gingen bei uns beiden zurück in der Hütte schnell die Lichter aus. Für morgen steht dann ein letzter halber Tag an der Straßenbahn von Trondheim auf dem Programm, bevor es am Nachmittag zum Flughafen und zurück nach Hause gehen würde. Darüber dann aber mehr im letzten Teil von “Sehnsucht nach Typ Braunschweig”.
