Picture in Time: Straßenbahn Timișoara

Für den heutigen Teil von Picture in Time begeben wir uns in die rumänsiche Großstadt Timișoara. Im Jahr 1995 erhielt der Betrieb die ersten Gebrauchtwagen aus Deutschland in Gestalt der Bremer Hansa-Züge. Aber dazu wird es demnächst noch einen ausführlichen Teil in der Serie Straßenbahnen im Exil geben.
Wir begeben uns heute an die Strecke der Linie 7 zwischen der Haltestelle „Crizantemelor“ und der Schleife „Dambovita“ am westlichen Straßenbahndepot. Aus der „Strada Johann Nepomuk Preyer“ fährt am 7. August 1998 einer jener Hansa-Wagen in Gestalt von 3466 in die „Strada Ion Barac“ ein. Ein tristet Bild bietet diese kleine Straßenkreuzung in der einfachen Wohngegend außerhalb der Innenstadt. Ohne den museal anmutenden creme-roten Lack des Hansa-Wagens, könnte man meinen, die Aufnahme sei auf einem schwarz-weiß Film entstanden. Selbst die schon über dreißig jährigen Hansa-Wagen stellten zu diesem Zeitpunkt eine dringend benötigte Verstärkung des zwar jüngeren, aber völlig verschlissenen und von Anfang an mangelhaft gefertigten Fahrzeugparks dar.


Wie eine Filmkulisse wirkt das Umfeld durch das der Hansa-Wagen 3466 am 7. August 2017 in der „Strada Johann Nepomuk Preyer“ fährt. Vor zwanzig Jahren war dies allerdings noch die triste Realität in weiten Teilen der rumänsichen Städte und alles andere als eine Seltenheit.

Was sich dann an exakt derselben Stelle rund 15 Jahre später präsentiert, ist kaum wiederzuerkennen. Das vermeintliche schwarz-weiß Bild ist in freundliche Farben getaucht, der Hansa-Wagen 3435 ist ebenfalls in den Farbtopf gefallen und vom Kopfsteinpflaster und zerbrochenen Betonplatten ist nichts mehr zu sehen. Das Haus rechts im Bild muss entweder neu gebaut worden sein, oder es wurde kernsaniert und mit einer zusätzlichen Etage versehen. Die einst abstoßende und triste Gasse wirkt nahezu einladend, das einstige grau in grau ist nicht einmal mehr zu erahnen.


Fünfzehn Jahre später fährt erneut ein Hansa-Wagen über dieselbe kleine Straßenkreuzung. Das ist aber auch schon alles, was die Szenerie am 10. Juni 2914 noch mit der Aufnahme aus dem Jahr 1998 gemein hat.

Eine perfekte Illustration, dass eben doch nicht alles schlecht sein kann an einer europäischen Solidargemeinschaft, der Rumänien seit dem EU-Beitritt 2007 angehört und die dem Land eine enormen Aufschwung im Bereich der Infrastruktur beschert hat. Obwohl Rumänien zu den ärmsten Ländern innerhalb der EU gehört, hat sich seit 2007 vieles im Land verbessert, auch wenn Korruption und Vetternwirtschaft nach wie vor ein großes Problem darstellen.

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