Zwischen Tatras und Schlössern – KT4D und Sightseeing in Potsdam

Auch Potsdam liegt in guter Tagesentfernung, die dort verlängerten Combinos standen noch immer auf der „Fehlen-Liste“ und Tatras gehen eigentlich immer. Zusammen mit einem kleinen Sightseeing-Programm war Potsdam damit als nächstes Ziel der Reihe von Tagesausflügen im Mai auserkoren.


Am Morgen des 26. Mai 2020 klingelte, wie inzwischen schon fast zu Routine geworden, um 4 Uhr der Wecker und bei längst einsetzender Dämmerung wurde das Rad auf’s Dach geladen und über die weitgehend leere A2 ging es Richtung Potsdam. Das Auto fand unweit der Haltestelle Luftschiffhafen im Südewesten der Stadt seinen Stellplatz für den Tag und einer sonnigen Tour durch Brandenburgs Landeshauptstadt stand nichts mehr im Wege.
Abgesehen hatte ich es unter anderem auf die acht zwischen 2017 und 2018 zu Siebenteilern verlängerten Combinos aus dem Jahren 2000 und 2001. Anstatt die Fahrzeuge mittelfristig zu ersetzten, entschied sich Potsdam dazu, die Wagen aufgrund der steigenden Fahrgastzahlen bei Siemens um zwei Module verlängern zu lassen. Nach fast 20 Jahren hat sich die Karosserieform der Siemens-Module des heutigen Typs Avenio M allerdings doch etwas verändert, sodass die beiden neuen Module, zwischen den ehemaligen Segmenten drei und vier, optisch doch deutlich herausstechen. Die acht umgebauten Fahrzeuge geben so doch ein etwas gewöhnungsbedürftiges Erscheinungsbild ab.
Neben den umgebauten Siebenteilern, durften es natürlich auch noch ein paar KT4D-Bilder sein, auch wenn die verbliebenen Züge in Potsdam nicht unmittelbar vor der Ablösung stehen. Zur Abrundung des langen Mai-Tages wollte ich mich noch ein wenig in den neuen „historischen“ Bereichen der Stadt und rund um die Schlösser umsehen. Einen besseren Zeitpunkt als jetzt, wo der massenhafte Bustourismus noch nicht wieder angelaufen war, konnte es für die unzähligen Potsdamer Sehenswürdigkeiten kaum geben.


Entlang der Linien 91 und 94 radelte ich Richtung Innenstadt. Eine erste Tatra-Traktion fuhr mir unweit der Haltestelle Dortustraße in Gestalt von KT4D 156 und 256 vor die Linse. 18 modernisierte KT4DC befinden sich noch heute im Einsatz in Potsdam. Acht der Fahrzeuge können dabei nur noch als geführte Triebwagen eingesetzt werden. Die KT4D werden in Potsdam allerdings ohnehin nur als Doppeltraktionen eingesetzt.


Erster Punkt auf der Touri-Liste war dann anschließend auch gleich das Brandenburger Tor am Ende der Fußgängerzone durch die Brandenburger Straße. Erbaut von 1770 bis 1771 im Auftrag Friedrichs II, ist es älter, als das heute weltweit bekannte Brandenburger Tor in Berlin, welches erst zwischen 1789 und 1793 entstand.


Hinter dem Platz der Einheit konnte Variobahn 431 als Linie 99 Richtung Babelsberg aufgenommen werden. 18 Variobahnen von Stadler aus den Jahren 2011 bis 2014 befinden sich heute in Potsdam im Einsatz.


Nur wenige Schritte entfernt ist der Alte Markt mit dem Brandenburger Landtag, der Nicolaikirchen und dem Potsdam Museum erreicht. Das gesamte Ensemble bildet den historischen Kern Potsdams und ist historisch gesehen Markt-, Schloss-, Kirch- und Rathausplatz in einem. Im zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, wird der alte Markt bis heute nach und nach rekonstruiert. Hier fällt der Blick auf das Fortunaportal des Brandenburger Landtags und den Fuß des Obelisken.


Freistehend mit ihrer 77 Meter hohen Tambourkuppel bildet die bis 1837 errichtete Nicolaikirche das herausragende Gebäude des alten Marktes.


Nach wenigen Schritten trifft man wieder auf die Straßenbahn in der verkehrsberuhigten Friedrich-Ebert-Straße. Am Ende der Straße umfahren KT4DC 151 und 251 die östliche Flanke des 1685 errichteten Marstalls. Ursprünglich beherbergte das älteste erhaltene Gebäude der Stadt die Stallungen des Stadtschlosses. Heute findet hier unter anderem das Filmmuseum Potsdam Platz.


In der Friedrich-Ebert-Straße gelang anschließend die Aufnahme des verlängerten Combino 411.


Von dort wurde nun zunächst die gesamte Friedrich-Ebert-Straße in nördliche Richtung entlang der Linien 92 und 96 durch das Nauener Tor, vorbei am Rathaus und weiter zur russischen Kolonie eingeschlagen. Vor dem Rathaus hält der Siebenteiler 415 – eine Aufnahme, die als Panorama aus zwei Hochkant-Aufnahmen entstand.


Der Siebenteiler 412 hat die Haltestelle Reiterweg/Alleestraße Richtung Innenstadt verlassen.


Der folgende Tatrakurs aus KT4D 161 und 159 wurde noch an der Haltestelle Puschkinallee abgepasst, bevor erneut etwas Sightseeing auf dem Programm stand.


Mit dem Rad sind es vom nördlichen Ende der Friedrich-Ebert-Straße nur wenige Minuten zum Schloss Sanssouci hinüber. Das 1745 bis 1747 errichtete Schloss Sanssouci ist wohl eines der bekanntesten Schlösser Potsdams und wurde, eingebettet in gigantische Parkanlagen, nach Skizzen Friedrich II selbst erbaut. Derart leer wie Ende Mai 2020 dürften die Anlagen wohl nur selten zu erleben sein…


Blick durch den Ehrenhof von Schloss Sanssouci


Gengenüber des streng symmetrischen Schlosses steht genau mittig gengenüber des Ehrenhofes der Roßbrunnen vor dem Ruinenberg mit dem Normanischen Turm.


Von Sanssouci der Maulbeerallee folgend, gelangt man schon nach wenigen hundert Metern zum nächsten Schloss, der im Auftrag Friedrich Wilhelm IV bis 1864 gebauten Orangerie, hier als frontale Panorama-Ansicht.


Die Anhöhe weiter hinab folgt das Neue Palais mit den gegenüberliegenden Communs. Dieser Bau beherbergt heute Teile der Universität Potsdam. Das Neue Palais selbst schauen wir uns dann im Abendlicht noch einmal genauer an.


Nach dieser kleinen Rundfahrt kam ich an der Zwischenschleife Schloss Charlottenhof wieder an der Straßenbahn heraus. Die Sonne schwächelte allerdings etwas, sodass nach einem kleinen Snack erst wieder am Nauener Tor Vorzeigbares entstand: Combino 411 hat das Nauener Tor stadteinwärts durchfahren und erreicht die gleichnamige Haltestelle.


Hinter dem Nauener Tor wartete ich den nächsten Tatra-Kurs ab. Einige Kurse später kamen auf der 92 Richtung Bisamkiez die KT4D 153 und 253 durch. Die Umläufe nachzuvollziehen, hatte ich in der Zwischenzeit aufgegeben. Durch die nur zeitweise verkehrenden Verstärkerlinien und scheinbar Linienwechsel an einigen Endstationen, stellt sich die Situation etwas undurchsichtig dar…


Am Platz der Einheit konnte ich den Zug überholen und noch einmal ablichten.


Ganz oben auf der Liste standen die zwei Motive an der Haltestelle Alter Markt/Landtag, mit wahlweise der Nicolaikirche und dem Brandenburger Landtag als Hintergrund über die B1 hinweggesehen. Der Autoverkehr stellt sich allerdings derart dicht dar, dass unzählige Kurse unfotografiert durchgingen. Gut nur, dass hier gleich sechs Linien fahren und so praktisch ständig etwas kommt. Das es nun gerade mit der KT4DC-Traktion aus 161 und 159 perfekt klappte, war reiner Zufall. Darauf zu warten, kann jedenfalls zu einem tagesfüllenden Projekt ausarten 😉


Anschließend stattete ich der Linie 93 zur Glienicker Brücke einen Besuch ab. Hinter der Endstation befindet sich die namensgebende Brücke, welche die Grenze zwischen Brandenburg und Berlin markiert.


Der Blick schweift hinüber zum nächsten Schloss, dem Schloss Babelsberg, dass als Sommersitz des Prinzen Wilhelm, später Kaiser Wilhelm I, errichtet wurde.


Die Endhaltestelle Glienicker Brücke stellt ein kleines betriebliches Relikt dar: Die Strecke beginnt hier stumpf wenige Meter hinter der Brücke. Rund hundert Meter vor der Abfahrtshaltestelle enden die Bahnen im 90-Grad-Winkel zur Straße in einem Gleisdreieck und müssen anschließend rückwärts zur Abfahrtshaltestelle gefahren werden. Nun wieder im Vorwärtsgang beginnt Variobahn 436 seine Fahr von der Glienicker Brücke zum Bahnhof Rehbrücke.


Im weiteren Verlauf Richtung Innenstadt entstand noch eine Aufnahme vor der Haltestelle Burgstraße/Klinikum mit Variobahn 428.


Zum Abschluss ging es noch den Linienast Richtung Südosten über Hauptbahnhof Richtung Bahnhof Rehbrücke, Bisamkiez und Marie-Juchacz-Straße hinaus. Die KT4DC 156 und 256 passieren die Bahnhofspassage.


Vor dem Hauptbahnhof wenig später die KT4DC 153 und 253


An der Verzweigung der Linien konnten die KT4DC 161 und 159 auf dem Weg Richtung Zentrum vor der Haltestelle Waldstraße/Horstweg aufgenommen werden.


Zurück in der Innenstadt war nun der Brandenburger Landtag zwischen den Haltestellen Lange Brücke und Alter Markt/Landtag perfekt im Licht, nachdem der Schatten des Mercure-Hotel-Turms über den Nachmittag aus dem Motiv gewandert war. Mit Variobahn 427 klappte das Motiv wie gewünscht ohne störende Autos.


Am südlichen Beginn der Friedrich-Ebert-Straße hinter der Haltestelle Alter Markt/Landtag konnten wenig später noch die KT4DC 156 und 254 mitgenommen werden.


Gegen 18:30 Uhr wurde der Takt nun schlagartig dünner und viele der Tatrakurse rückten ein. Auch die Schatten waren nun schon recht lang und so entstand nur noch eine Variobahn-Aufnahme mit 433 in der Charlottenstraße vor der Haltestelle Luisenplatz-Süd/Park Sanssouci.


Anschließend ging es zurück Richtung Auto, wobei allerdings noch ein Schlenker über das nun im schönsten Abendlicht liegende Neue Palais gemacht wurde. 1769 wurde das gigantische Schloss fertiggestellt und gilt als letzte bedeutende Schlossanlage des Barocks in Preußen. Das dieses gigantische Bauwerk von Friedrich dem Großen lediglich als Residenz für Gäste des Hofes vorgesehen war, zeigt recht deutlich, wie entrückt die damaligen Herrscher vom Rest der Gesellschaft waren. Unter Kaiser Wilhelm II wurde das Neue Palais zwischen 1888 und 1918 schließlich doch zum Hauptwohnsitz. Hier der abendliche Panoramablick von den schattenwerfenden Communs auf die Westfassade des Neuen Palais.


Ein letzter Blick von Westen durch den Torbogen der Communs Richtung Neues Palais.

Damit endete der Tag zwischen Tatras und Schlössern in Potsdam. Zwei Tage später ging es als Abschluss der Tagesausflüge im Mai noch einmal Richtung Berlin zu den Kleinbetrieben von Schöneiche, Woltersdorf und Strausberg, bevor die Situation im Juni schließlich auch wieder mehrtägige Touren zuließ. Davon dann aber später mehr…

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