Circum Carpati IX: Überlandstrecke und Fahrzeugviefalt in Arad

Wir fahren weiter von Timisoara nach Arad. Dort steht am heutigen Samstagnachmittag erstmal die Überlandstrecke nach Ghioroc im Fokus. Nebenher werden aber heute und morgen Vormittag auch einige noch offene Stellen im Netz angelaufen und einfach die immer wieder faszinierende Fahrzeugvielfalt genossen.


Samstag, 14. Mai 2022 II:

T4D aus Halle. GT4 aus Ulm und Stuttgart. DüWag GT6 aus Ludwigshafen, Mainz, Bielefeld (Innsbruck und OEG) von der RHB, aus Würzburg und Bochum (GT6ZR) und die Lizenzbauten aus Innsbruck. DüWag GT8 aus Bielefeld (Innsbruck), Mülheim und Essen. M-Wagen aus Essen. Dazu noch die DüWag B4 und GB6. Und natürlich mit den Imperios und Autentics die ersten Niederflurwagen. Die Fahrzeugvielfalt in Arad ist und war in den vergangenen 20 Jahren für ein Netz dieser Größe wohl unübertroffen und stellt in Rumänien auch Iaşi weit in den Schatten. Nicht zu Unrecht nenne ich den Betrieb gern das Altenheim für meterspurige Gebrauchtwagen. Nur das der Aufenthalt hier dann doch bezogen auf das Gesamtlebensalter deutlich länger ausfällt, als für ein Altenheim typisch, denn nicht wenige der Fahrzeuge weilen schon seit der zweiten Hälfte der 90er Jahre in Rumänien. Seit meinem ersten Besuch hier im Jahr 2007, sind eigentlich nur die Timis II-Züge, die T4R und die Essener GT8ZR aus dem Fahrgasteinsatz ausgeschieden. Dafür kamen aber in der Zwischenzeit auch die Lohner und DüWag aus Bielefeld, sowie die zwei neuen Niederflurtypen hinzu. Genau diese Vielfalt, gepaart mit einem abwechslungsreichen Netz inklusive der einmaligen Überlandstrecke nach Ghioroc, zog auch auf dieser Rundreise wieder für insgesamt einen Tag nach Arad. Dorthin machen wir uns nun aus Timisoara auf den Weg.

Wir brachen also am frühen Samstagnachmittag von der Schleife Ciarda Roșie in Timisoara Richtung Arad auf. Das war dann heute zur Abwechslung wirklich nur ein Katzensprung mit gut 60 Kilometern, für die zum Großteil sogar die A1 genutzt werden konnte. So könnte es eigentlich immer gehen in diesem Land… Vorher ging’s am Rand von Timisoara noch in einen LIDL rein, um für die Fahrt ein kleines Mittagessen zu kaufen. Bei der Tanke auf der anderen Straßenseite gab’s dazu auch gleich noch einen Kaffee. So konnte die gemütliche Autobahnfahrt gleich noch sinnvoll genutzt werden, um den Nachmittag in Arad dann frei von grummelnden Mägen gestalten zu können.

Wir kamen mit dem großen Bonus, hier mit den Besuchen 2007 und 2014 eigentlich schon alles erwischt zu haben an Altwagen. Außer den Essener GT8ZR, die fuhren irgendwie nie wenn wir da waren und inzwischen waren die wohl ausgemustert. So fehlten uns eigentlich nur noch paar vernünftige Ergänzungen der Lohner GT6 aus Innsbruck und natürlich die neuen Niederflurwagen. Ansonsten wollte ich vor allem mal eine Verfolgung an der Überlandstrecke nach Ghioroc starten, die wir 2014 komplett ausgelassen hatten und sonst gab’s noch hier und da eine Ecke im Netz, die man sich mal genauer anschauen könnte. So zum Beispiel die eingleisige Strecke der Linie 6 zum Piața Gai, oder die Blockumfahrung der Ringlinie hinter dem Piața Romana.

Aufgrund des Wochenendes war der Verkehr auf der Überlandlinie noch dünner als ohnehin schon. Wir peilten dort mal die beiden Abfahrten um kurz vor fünf und kurz nach sieben im dann hoffentlich schönen Abendlicht an. Vorher blieb also noch einiges an Zeit, in der wir uns zunächst die Linie 6 zum Piața Gai anschauten. Auf den letzten drei Haltestellen ist das wirklich eine urige Strecke. Fast schon dörflich geht es entlang des eingleisigen Abschnittes zu und die Endschleife führt auf einer großen Wiese einmal um eine kleine Kirche herum.


Der erste Versuch an der Endschleife Piata Gai ging leider sonnentechnisch schief. Nach der Schleifenfahrt wurde es mit dem Stuttgarter GT6 623 schon etwas besser. Schon seit 1997 und damit rund ein Vierteljahrhundert weilt dieser GT4 nun in Arad.


Die beiden anderen Kurse der am Wochenende im Halbstundentakt verkehrenden Linie 6 waren jeweils mit einem solofahrenden T4D aus Halle bestückt. Ab der großen Schleife Făt Frumos verläuft die Linie 6 allein und eingleisig weiter bis zum Piața Gai. Zunächst folgt die Strecke dabei noch der breiten Calea Aurel Vlaicu, auf der zuvor zweigleisig in Mittellage auch das große Linienbündel nach Făt Frumos verläuft. Zwei Haltestellen später zweigt die Strecke dann Richtung Norden zum Piața Gai ab und wechselt in ländliche Umgebung. Wir sind dem T4D 1126 bis Haltestelle Indagrara entgegengefahren.


Mit einem kleinen Sprint gelang noch eine weitere Aufnahme an der Ausweiche Baile Termale, hinter der die Strecke Richtung Norden abknickt. Die nicht modernisierten T4D aus Halle erreichten ab 2003 Arad und kommen teilweise noch immer mit Beiwagen zum Einsatz. T4D 1126 weilt seit 2005 im Westen Rumäniens und macht dafür, wie alle eingesetzten T4D, noch einen optisch sehr fitten Eindruck. Anders als so manch anderes Fahrzeug, dass sich hier während unseres Besuches noch über die Gleise schleppen sollte…


Das wiederholte Warten in der doch ordentlich brennenden Sonne am Piața Gai sollte belohnt werden. Die Schleifenfahrt von T4D 1126 klappte dann wunderbar mit Sonne. Überhaupt passte der Wagen hier viel besser als der beklebte GT4. In Schrittgeschwindigkeit tastete sich der T4D auf der etwas maroden Gleisanlage um die Kirche herum.


Die eben noch hintere der beiden Kirchen am Piața Gai ist hier noch im Hintergrund zu sehen, während T4D 1126 Richtung Innenstadt auf die Haltestelle Bogdan Voievod zurollt.


Als dritter und letzter Kurs auf der Linie 6 kommt wenig später der sich ebenfalls in gutem Zustand präsentierende T4D 1129 Richtung Piața Gai daher. Hier fährt die Straßenbahn praktisch durch den Vorgarten.

Damit war es nun höchste Zeit dem nächsten Kurs auf der Überlandbahn entgegen zu fahren. Im Wochenendverkehr war das alles recht entspannt und so ging es sogar mitten durch die Stadt recht flott in den Osten der Stadt, wo die Überlandlinie 11 nach Ghioroc schließlich von den Stadtlinien verlassen wird und allein mit der Kombinatslinie am Rand der Straße 7 weiterführt. Wir wollten dem nächsten Kurs bis zum Abzweig der Strecke Richtung Ghioroc nach Sâmbăteni entgegenfahren. Noch im Stadtgebiet kam aber auf der am Stadtrand wendenden Linie 7 ein Kurs entgegen, für den das Auto kurz an den Rand geworfen wurde. Dann ging es weiter nach Sâmbăteni. Hinter dem Abzweig nach Ghioroc stand die Sonne schon besser als erwartet, sodass es zwischen Ghioroc und Sâmbăteni die erste Aufnahme gab. Mit dem großflächig zugeklebten, grünen Essener GT8 1864 hatten wir nun nicht unbedingt ein priorisiertes Fahrzeug erwischt, aber bei den wenigen Fahrten gerade am Wochenende, muss man eben nehmen was kommt. Von den Stammfahrzeugen auf der Überlandstrecke, den OEG- und RHB-Hängerzügen, stand am Wochenende zumindest keiner im Einsatz. Wir begeleiteten daher den Essener GT8 zurück nach Arad, wobei praktisch jeden Kilometer ein Fotohalt eingelegt werden konnte, kann man hier mit dem Auto doch durchgängig 70 bis 100 fahren, während die Straßenbahn auf den ausgefahrenen Gleisen zwar immer noch mit beachtlicher Geschwindigkeit dahinschaukelt, insgesamt aber immer innerhalb kürzester Zeit wieder überholt war. Auch die Fahrerin war von unserem ständigen wiederauftauchen an der Strecke zunehemend belustigt. Nicht ganz so gut meinte es die Sonne, die leider mehrmals im falschen Moment hinter einer Wolke verschwand, insgesamt gab es aber schon eine ganz nette Ausbeute dieser Fahrt.


Der Essener GT8 1857 hat am Stadtrand gewendet und fährt nun parallel zur Überlandlinie 11 zurück in die Innenstadt. Die einstigen Essener Farben sind mit wilden Folierungen überklebt. Wahrscheinlich möchte man lieber nicht wissen, wie es darunter aussieht…


Zwischen Ghioroc und Sâmbăteni kam uns dann der Essener GT8 1864 entgegen. Nicht eben das schönste Fahrzeug mit den komplett zugeklebten Fenstern, aber bei den wenigen Kursen kann man nicht wählerisch sein, sodass wir zur Verfolgung ansetzten.


Schon nach dem 90 Grad-Knick an die Hauptstraße nach Arad in Sâmbăteni hatten wir den Essener wieder ein. Hier vor einem der für diesen Ort typischen Roma-Palästen.


Nach der Ortsdurchfahrt Cicir erlitt leider auch der Abzweig zum ehemaligen Kombinat einen Wolkenschaden. Diese interessante Stelle der Strecke soll aber dennoch gezeigt werden. Gut zu erkennen an den blanken Gleisen, wird die Strecke immer noch bedient. Leider aber nicht mehr an diesem Samstagnachmittag und auch nicht sonntags, sodass die Strecke weiterhin auf unserer Fehlliste verbleiben sollte. Vorsichtig humpelt der Essener über das Gleisdreieck. Ab dem Abzweig ist die Strecke Richtung Arad dann durchgehend zweigleisig.


Die Ortsdurchfahrt von Vladimirescu klappte dann wieder wunderbar bei Sonne.

Erst über zwei Stunden nach dem Essener würde in Ghioroc die nächste Fahrt starten. Bis dahin könnten wir uns die Zeit also noch etwas im Stadtnetz vertreiben und schauen, was so unterwegs ist abseits der nun schon bekannten Linie 6. Dafür bot es sich natürlich an, einfach am bekannten Dreieck Podgoria Stellung zu beziehen. So bekamen wir dann auch erstmals einen der neuen Autentic vor die Linse. Und diese waren hier ja mal wirklich schick! Einen hatten wir unterwegs schon gesehen und nun kam der Wagen 2113 auf der Linie 3 daher. Wahnsinn, was so ein bisschen passende Farbe doch ausmachen kann, erinnert man sich an das schreckliche Aussehen der Wagen in Cluj und Galati. Was wir nicht ahnten: Dies sollte unsere erste und letzte Aufnahme der neuesten Fahrzeuggeneration bleiben, denn morgen sollten sich die kleinen Autentics dann leider beharrlich weigern, den Betriebshof zu verlassen. Stattdessen standen nur die älteren, dreiteiligen Imperios im Einsatz, die mit ihrer recht einfallslosen grünen Lackierung aber nicht ansatzweise so viel hermachten.


Am Dreieck Podgoria bei der neuen großen Kirche, kam zunächst einer der einfach nicht totzukriegenden Ludwigshafener DüWag GT6 durch. Seit 1995 weilen diese nun schon in Arad und sind hier damit gemeinsam mit dem RHB-Zug die dienstältesten Fahrzeuge. GT6 107 biegt auf der Linie 7 Richtung Osten ab.


Dann kam mit 2113 einer der zwei heute eingesetzten kleinen Autentics daher, die als kürzere Nachfolger der Imperios erst 2021 geliefert wurden und erst seit wenigen Monaten, wenn nicht Wochen, im Einsatz stehen.


Leider sollten die wirklich toll lackierten Fahrzeuge am morgigen Sonntag komplett im Betriebshof bleiben, sodass es hier gleich noch eine nähere Aufnahme von Wagen 2113 gibt. An der Front tragen die Fahrzeuge interessanterweise den Schriftzug “Imperio”, obwohl es sich eigentlich um die kleinere Bauart Autentic handeln müsste.

Dann war es auch bald schon wieder Zeit an die Überlandstrecke nach Ghioroc zu wechseln. Der letzte 18er war schon vor geraumer Zeit dahin aufgebrochen, aber bis Ghioroc hatten wir ihn längst überholt. Es handelte sich diesmal um den aus Innsbruck übernommenen GT8 51, welcher ursprünglich aus Bielefeld stammt. Bei unserem letzten Besuch sah der GT8 mit der Werbung für die Euro 2008 ja noch recht hübsch aus. Inzwischen war der Wagen aber wirklich über zugerichtet: Die Werbefolie völlig zerschlissen und teils abgeblättert, teils mit Graffiti überzogen, die Frontpartie völlig verrostet und noch dazu solche schrecklichen neuen Funzellichter. Na, das konnte ja eine schaurig schöne Verfolgung werden 😀

Da das Licht stadtauswärts denkbar schlecht stand, warteten wir gleich am Gleisdreieck von Ghioroc auf den Wagen. Hinter dem Abfahrtsgleis war auch noch der RHB-Zug aus GT6 1014 und GB6 1054 über’s Wochenende geparkt. Dem Beiwagen hatte die offene Abstellung auch schon das erste Graffiti eingebracht.

Zum Tagesabschluss begleiteten wir dann den GT8 51 zurück nach Arad, wobei noch eine ganze Reihe schöner Abendaufnahmen an dieser ikonischen Strecke entstanden.


Mit dem RHB-Zug aus GT6 1014 und GB6 1054 hätten wir dann auch gleich den nächsten dienstältesten Zug neben den Ludwigshafener GT6. Während seine Kollegen bei der RHB zwischenzeitlich schon ausgemustert waren und nun leicht aufgefrischt wieder als Verstärker in Ludwigshafen zum Einsatz kommen, hat dieser eine Zug auf der Überlandstrecke nach Ghioroc irgendwie all die Jahre seit 1995 im Planeinsatz überdauert und sieht dafür gar nicht mal so übel aus. Nur den Beiwagen hat dank der regelmäßigen Abstellung über das Wochenende in Ghioroc oder am Gleisdreieck von Sâmbăteni bereits ein Graffiti ereilt.


Dann erreicht auch schon bald der arg zugerichtete GT8 51 das Wendedreieck in Ghioroc.


2007 konnten auch auf der Überlandstrecke noch die legendären (legendär schrottigen) Timis II-Züge beobachtet werden. In Arad wurden einige der Züge in den 90er Jahren noch einmal aufgearbeitet, sodass sie einige Jahre länger überlebten als bei anderen Betrieben. Extra für die Überlandstrecke gab es den Zug aus Timis II 1+2, bei dem jeweils die Mitteltüre fehlte und der in einem einst roten, inzwischen eher rostbraunen Lack daherkam.


Rückwärts geht es zur Abfahrtshaltestelle Richtung Arad.


Genau unter einer kleinen Funzelwolke musste der GT8 51 dann zur Fahrt nach Arad um viertel nach sieben ansetzten.


2007 hatten wir mit der Sonne mehr Glück, als ein Hallenser T4D+B4D-Zug mit 1165 an der Spitze in Ghioroc zur Fahrt nach Arad aufbricht. Abgesehen davon, dass heute jedes Gebäude eine andere Farbe zu tragen scheint und etwas neuem Asphalt, hat sich hier in den vergangenen 15 Jahren jetzt nicht wirklich viel getan…


Mehr Glück hatte dieses Jahr auch der Mitreisende mit der Sonne, der sich an der Straße Richtung Sâmbăteni positioniert hatte.


Schon hinter der Bahnbrücke am Ortsausgang von Ghioroc hatten wir den GT8 51 wieder überholt.


Während der Triebwagen die Strecke nach Sâmbăteni hinüberschaukelte, bleibt genug Zeit, sich am dortigen Ortseingang zu positionieren.


Am Ortsausgang von Sâmbăteni gelang neben dem kleinen Friedhof des Ortes die nächste Aufnahme.


Die Ausweiche in Cicir wird mit Mittelbahnsteig und Rückfallweichen im Linksverkehr bedient. Gegenverkehr kommt hier heute aber nicht, sodass es nach kurzem Halt weiter Richtung Arad geht. Allein zum Spaß der Fotografen fuhren die Kurse auf der Überlandlinie jedenfalls nicht, stiegen doch in allen Orten durchaus Fahrgäste zu, auch wenn Stehplätze sicherlich nicht verkauft wurden.

Trotz des schaurigen Wagens war das doch eine gelungene Abend-Session an der Überlandstrecke gewesen, zu einer Tageszeit, wo in den Straßen der Stadt ohnehin nicht mehr so viel gegangen wäre.

Gebucht hatten wir heute Abend das Continental. Jene Kette, die in vielen rumänischen Großstädten die ehemaligen großen Sozi-Hotelschuppen in der Innenstadt betreibt. Wir waren hier als Spontanbucher wieder recht günstig an ein Zimmer mit Frühstück gelangt, auf den Parkplatz mit Extrakosten hatten wir dankend verzichtet, kann man in Arad am Wochenende doch praktisch mitten in der Innenstadt kostenlos parken. So fand sich quasi direkt am Hotelparkplatz auch eine Übernachtungsmöglichkeit für unseren Scala. Das Zimmer machte dann auch ein wenig den Eindruck eines in den 90ern aufpolierten, ehemaligen Sozi-Schuppen, dass jetzt langsam mal wieder mit einer Sanierung dran wäre. Insgesamt aber alles noch sehr in Ordnung und jammern auf hohem Niveau. Viel dringlicher war jetzt die Frage der Abendspeisung.


Auf der Suche nach der Fressmeile darf ein Blick auf das Rathaus am Bulevardul Revoluției natürlich nicht fehlen.


Der Platz vor dem Rathaus am Bulevardul Revoluției wird auch von der Straßenbahn befahren und ist am Morgen stets ein beliebtes Motiv – so wird dieses Standard-Motiv auch morgen nicht fehlen. Heute Abend gibt’s erstmal noch eine tramfreie Perspektive.

Wir liefen mal Richtung Fluss und hinunter, der hier eine große Schleife macht, in deren Inneren die Zitadelle liegt. Außer einigen rauchenden Grillen vor Bierzeltgarnituren war hier aber nicht so richtig etwas zu wollen. Nachdem auch unsere Suche nach dem Italiener vom letzten Besuch scheiterte, fanden wir die Fressmeile schließlich direkt neben dem Continental. Hier war richtig was los, das Leben tobte an diesem Samstagabend: Musik schallte aus den Lokalitäten, Kinder tobten auf der Straße und aufgemotzte Figuren machten sich auf den Weg in die Clubs und Bars der Stadt. Wir ließen uns vor einer der draußen gut besetzten Lokalitäten nieder und sogleich kam wie aus dem Nichts eine kleine, schmächtige Gestalt mit langen fettigen Haaren, spitzer Nase und fröhlicher Geschäftigkeit daher. Englisch, Italienisch, Deutsch? Na, wenn wir schonmal so eine Auswahl haben nehmen wir doch gleich deutsch, auch wenn wir aus Routine immer wieder ins Englische verfielen. Zwei große Gezapfte fanden durch das Gewusel in den Händen des Wiesels, wie wir unseren Kellner spontan getauft hatten, zielsicher den Weg an unseren Tisch. Für mich war heute wieder VeggieDay, sodass es eine vegetarische Pizza und anschließend noch einen großen Hauptspeisensalat gab. Beides war wirklich großartig. Beim Salat hatte ich etwas experimentiert und mal etwas anderes bestellt. Der Salat war leicht süß angehaucht mit Beeren, aber auch Nüssen, Kernen und Samen auf jeder Menge Salat. Das wurde nach der Pizza am Ende wirklich zum Kampf. Das Wiesel hatte mich ja noch gewarnt, dass das beides Hauptspeisengröße habe, aber damit hatte ich ja nun nach den letzten Tagen schon Erfahrung und so ein großer Salat geht immer noch irgendwie rein. Mit dem zweiten Gezapften war das Ganze dann auch langsam verdaut. Wieder kam von irgendwo her der Kellner angewuselt – fast unsichtbar schien der sich hier zwischen den eng gestellten Tischen hindurchzuwinden – wir zahlten und liefen die wenigen Meter zum Continental hinüber.

Auf dem Zimmer noch das übliche Bildersichten und -sichern und dann konnte es auch schon Nacht werden. Morgen werden wir dann noch vergebens nach den neuen Niederflurern Ausschau halten und uns ansonsten noch ein wenig hier und da im Stadtnetz herumtreiben, bevor es am Nachmittag weiter nach Oradea geht.


Sonntag, 15. Mai 2022 I:

Große Ziele haben wir heute nicht in Arad. Eigentlich sollte ja nochmal den neuen Niederflurern aufgelauert werden, was wie ich gestern schon gespoilert hatte, allerdings an deren Nichteinsatz am Sonntag scheiterte. So begnügten wir uns eben mit den “älteren” Niederflurern, den dreiteiligen Imperios, wobei die letztgelieferten auch erst seit 2020 in Arad sind. Ansonsten geht es ein bisschen hierhin und dorthin. Vorher geht es aber in unserem riesigen Hotelschuppen hinunter zum Frühstück. Das gute an dieser Art Hotel ist dann ja doch immer, dass das Frühstücksbuffet schlicht so riesig ist, dass jeder etwas findet und der Kaffee meist aus betriebssicheren Vollautomaten selbst gezapft werden darf. Gut gestärkt verließen wir also nach einer halben Stunde unseren Frühstückstisch an der Veranda mit Blick über das Atrium des Continental. Noch kurz auf’s Zimmer die Sachen holen, bezahlen und schon konnte es losgehen.

An so einem Sonntagmorgen ist dann ja das schöne, dass auf den Straßen einfach extrem wenig Verkehr ist, was bei rumänischen Innenstadtstrecken endlich einmal die Möglichkeit gibt, ganz entspannt die verschiedenen Motive umzusetzen. Auch wenn natürlich ebenfalls bei der Straßenbahn nicht übermäßig viel los ist. So liefen hier die Linien gerade einmal in einem Halbstundentakt, aber zumindest auf dem Bulevardul Revoluției gibts ja einige Linien bis zum Piața Romana, wo das meiste dann endet und nur die Ringlinie 18 und die Linie 3 zum Gara Aradul Nou jeweils allein weiterführen. Erstere war, wie wir gestern bei der Anfahrt schon gesehen hatten, übrigens derzeit keine Ringlinie, sondern endete vom Piața Romana kommend in der Zwischenschleife Căpitan Ignat. Dahinter wird auch dieser Teil des Rings endlich grundlegend saniert, nachdem der Abschnitt vom Piața Romana durch die Blockumfahrung und weiter auf der Strada Condurașilor bereits vor einigen Jahren dran gewesen war. Wir begannen aber erstmal auf dem Bulevardul Revoluției und am Piața Romana und schauten, was denn am Sonntag so läuft. Zu unserer Freude jede Menge der Lohner GT6, die uns letzte Mal etwas gemieden hatten. Sogar ein Hallenser Hängerzug durfte auf die 18, wo doch am Wochenende meist nur solo fahrende T4D unterwegs sind.


Wir beginnen auf dem Bulevardul Revoluției vor dem Teatrul Ioan Slavici in Fahrtrichtung Podgoria. Mit dem Essener GT8 1861 kommt erstmal nichts übermäßig Spannendes, aber noch ist das Motiv ganz ordentlich im Licht. Perfekt ausgeleuchtet dürfte die Hauptfassade wohl auch am längsten Tag am Morgen nicht sein. Jedenfalls nicht, wenn auch die Gleise schon Sonne abbekommen sollen.


Es hat sich schon einiges getan auch in Arad seit dem EU-Beitritt. 2007 war das Land mit Bulgarien jüngstes EU-Mitglied und konnte seither auch mit EU-Mitteln viel Geld in die Infrastruktur der Straßenbahnen leiten – jedenfalls dort, wo das noch immer allgegenwärtige Problem der Korruption nicht große Teile der Mittel “umleitete”. Vor dem Theater sind die Verbesserungen aber nicht zu übersehen im Vergleich zum 22. August 2007, als ein Stuttgarter T4D an selber Stelle zu sehen ist, wie 15 Jahre später der Essener GT8 1861. Daneben ist hinter einem Ludwigshafener GT6 sogar noch ein rumänischer T4R auf dem Weg zum Piata Romana.


Am Bulevardul Revoluției hat Arad durchaus einiges zu bieten. Gestern Abend das Ensemble rund um das Rathaus, am Morgen nun das Teatrul Ioan Slavici.


Oder die durchaus eindrucksvolle Fassade der Biserica Catolică Sf. Anton de Padova unweit des Theaters.


Hin und wieder kommt dann bei vier Linien ja auch im Halbstundentakt eine Bahn durch. Auf der 16 zum Piața Romana kommt der Lohner GT6 74 an der Biserica Catolică Sf. Anton de Padova vorbei.


Weit ist es nicht die eine Haltestelle zum Piața Romana hinüber, sodass wir auf dem Bulevardul eine Haltestelle bis zum Rathaus hinüberlaufen und dort auf die Rückkehr des Lohner auf der Linie 16 warten. Perfekt im Licht präsentiert sich der Platz vor dem Rathaus am Morgen mit dem Monumetul Eroilor Revoluției din 1989. In Gegenrichtung kommt gerade besagter Hallenser Hängerzug auf der Linie 18 durch, den wir später noch wiedersehen werden.


Wir wechseln hinüber zum Piața Romana, auf dem auch die Tram den Kreisverkehr zum Wenden nutzt. Zumindest die Linien 6 und 16, während die Linie 3 und 18 an passender Stelle auszweigen. T4D 1174 hält an der Haltestelle Piața Romana und präsentiert dabei noch immer Teile seiner alten Hallenser Werbung.


Während sich die Hallenser T4D in einem überraschend guten Zustand präsentierten, konnte dies von weiten Teilen der DüWag-Flotte kaum behauptet werden. Einen traurigen Höhepunkt setzte der Ludwigshafener GT6 133 mit völlig zerbeultem und rostendem Dach und abblätternden Werbefolien.


Ein wenig kam schon die Frage auf, wie man es denn schafft, dort eine solche Beule reinzufahren? Das wird ja kaum vom Rostfraß allein eingefallen sein…


Und noch ein letzter Blick auf die Haltestelle am Piața Romana. Mit dem Lohner GT6 77 ist auch auf der Ringlinie ein Vertreter aus Innsbruck unterwegs. Gleich mehrere der Lohner tragen diese Beklebung zum hundertjährigen Gedenken an die Staatsgründung 1918. Entsprechend ist die Folierung seit 2018 auch schon etwas in Mitleidenschaft geraten und teilweise kaum mehr zu erkennen, worum es eigentlich geht.


Auch hier soll ein Vergleich zu 2007 angestellt werden, als der Piața Romana noch auf die Sanierung wartete. Der Abzweig auf die Ringstrecke ist gut erkennbar nicht befahren, da zu diesem Zeitpunkt der Abschnitt mit der Blockumfahrung saniert wurde. GT4-Doppeltraktionen waren zu dieser Zeit, wie auch noch beim Besuch 2014, Alltag. Ob sie heute außerhalb des Wochenendes noch stattfinden?


Zurück im Jahr 2022 wechseln wir die Perspektive am Piața Romana für den vom Căpitan Ignat zurückkehrenden T4D+B4D-Zug aus 1120 und 199. Der Zug trägt übrigens dasselbe Motiv wie die Lohner, lediglich noch ein wenig verblasster. Die Haltestelle vom letzten Bild liegt am rechten Bildrand. Der Tatrazug kommt von der baustellenbedingt nur teilweise bedienten Ringlinie 18.

Von der Linie 3 wussten wir, dass dort irgendwo das bekannte Motiv mit der Mures-Brücke sein musste. Dort waren wir 2007 mal gewesen, konnten uns aber nicht so recht erinnern, wie die Linie denn weiterging – waren wir damals überhaupt weiter als bis zur Brücke gefahren? Dass dort nun zumindest die neuen Imperios liefen, passte natürlich gut und wir fuhren die Linie 3 zum Gara Aradul Nou einfach mal ab. Viel hatten wir dort allerdings abgesehen von der Brücke nicht verpasst – vielleicht erinnerten wir uns auch einfach deswegen nicht an den weiteren Linienverlauf… So gab’s dann nach der Brücke nur noch einige Aufnahmen am Gara Aradul Nou – hatten wir die Imperios zumindest auch schon abgearbeitet. Mit dem Fehlen der Autentics hatten wir jetzt natürlich keinen weiteren “wichtigen” Tagesordnungspunkt. War aber auch nicht wirklich schlimm, so blieb einfach mal Zeit, sich in der Stadt ein wenig herumzutreiben. Ich wollte mir insbesondere die eingleisige Blockumfahrung der Ringlinie 18 vom Piața Romana aus etwas intensiver vornehmen. Da dort nur alle halbe Stunde mal eine Bahn vorbeikam, wechselte ich in der Zeit dazwischen immer zurück an den Abschnitt zwischen Theater und Piața Romana. Quer durch die Nebenstraßen dauert das schließlich kaum 5 Minuten, sodass man die Bahnen der Linie 18 sogar zweimal erwischen kann, während diese sich aus der Blockumfahrung heraus um den Kreisverkehr am Piața Romana quälen.


Der Abstecher an die Linie 3 zum Gara Aradul Nou bringt den Klassiker auf der Podul Traian mit Imperio 1402. Gegenüber 2007 hat sich hier einiges getan: Straße, Brücke und Tramgleise sind saniert. Auch der Imperio ist ein deutlicher Fortschritt gegenüber dem Essener GT8, den wir bei unserem 2007er Besuch an dieser Brücke antrafen. Die Linie 3 vom Gara Aradoul Nou nach Făt Frumos scheint heute fast ausschließlich mit Niederflurern bedient zu werden. Die neue Radverkehrsführung wirft derweil eher Fragen auf. Wie so oft hat man das Gefühl, selbige wurde nur für etwaige Förderrichtlinien überhaupt mit eingebunden. Mit Sinn und Verstand sind diese Anlagen dann nur in den seltensten Fällen ausgeführt. Man beachte nur den von links am Flussufer kommenden (blau markierten) Radweg, der kommentarlos auf dem Fußweg verendet, oder den abenteuerlichen Schlängel von dem viel zu schmalen Weg über die Brücke auf den Radfahrstreifen auf der Straße… Der Radverkehr steckt hier einfach noch in den Kinderschuhen und leidet am typischen Henne/Ei-Problem. Einzig in Cluj schien uns der Radverkehr recht ausgeprägt und auch die Infrastruktur vergleichsweise fortschrittlich.


Auch hier sah es am 22. August 2007 noch etwas rustikaler aus. Zum Einsatz kam damals auf der Linie 3 unter anderem der Essener GT8 1861.


Imperio 1907 erreicht die Endhaltestelle der Linie 3 am Gara Aradul Nou.


Von der Fußgängerbrücke über den Bahnhof bietet sich diese Übersicht über Bahnhof, Haltestellenanlage, Wendeschleife und einen weiteren Fotografen 😉


Zurück am Piața Romana ging es gleich hinüber zur von dort abzweigenden Blockumfahrung der Ringlinie 18. Mit dem Essener M8S 1006, dem Hallenser Tatrazug 1120+199 und dem Lohner GT6 77 war auf der Linie trotz des 30-Minuten-Taktes für größtmögliche Abwechslung gesorgt. Hier befindet sich der Essener M8S 1006 auf der Strada Preparandiei kurz vor dem Ende der Blockumfahrung am Piața Romana.


Bis zum nächsten Kurs wechselte ich hinüber an den Streckenabschnitt zwischen Piața Romana und Theater. Dort kommt auf der Linie 16 der Lohner GT6 74 zum Piața Romana durch.


Einige Meter weiter Richtung Theater kommt mal wieder der T4D 1174 auf der Linie 6 zum Piața Romana vorbei.


Höchste Zeit für den folgenden Tatrazug an die Blockumfahrung zurück zu wechseln. Hinter der Haltestelle Biserica Sârbească – selbige rechts hinter dem Baum zu erahnen – kommen T4D 1120 und B4D 199 Richtung Făt Frumos durch. Ein freundlicher Gruß an den Fotografen darf in Rumänien meist nicht fehlen. Ein freundliches Nicken und ein Gruß zurück und der Beschleuniger klackt weiter seines Weges. Zurück in Deutschland muss man sich an die oftmalige Unfreundlichkeit, bestenfalls Gleichgültigkeit, erst einmal wieder gewöhnen… Da ist man dann immer freundig überrascht wenn man bei uns doch mal gegrüßt wird oder zumindest ein nettes Nicken erhält. Hier in Rumänien völlig normal und irgendwie extrem lässig 😀


Und wieder zurück Richtung Theater. Neben eben jenem kommt Imperio 1907 Richtung Gara Aradoul Nou durch. Wie man sieht, wiederholen sich die Fahrzeuge an diesem Sonntag schnell. Dafür sind Motive wie dieser Blick Richtung Biserica Catolică Sf. Anton de Padova an einem Werktag aber bedeutend schwieriger und stressiger umzusetzten. Schön zu erkennen, wie personalisiert die Fahrzeuge hier daher kommen – hat halt jeder Fahrer sein eigenes Fahrzeug. Hier haben wie es scheinbar mit einem Fußballfan zu tun.


Wenige Meter zurück kommt in der Gasse Richtung Piața Romana schon wieder der M8S 1006 vorbei. Höchste Zeit, wieder an die Blockumfahrung zu wechseln.


Dort gelang dann sogar noch der Nachschuss auf den M8S 1006. Am anderen Ende trägt dieser sogar noch die originalen Scheinwerfer.


Eigentliches Ziel war aber der Lohner GT6 77 am anderen Richtungsgleis an dieser morbiden Häuserecke mit der Biserica Sârbească im Hintergrund.

Für diese Aufnahmen war der Sonntag wirklich optimal gewesen. Die Abwechslung im Fahrzeugpark war auch immer noch überraschend hoch, wenn auch zahlreiche Exilanten natürlich fehlten, aber die hatten wir eigentlich soweit vollständig. Fehlten nun zum Hochlicht also doch etwas die Ideen, wo wir doch eigentlich nur auf die Autentics warteten. Wir spekulierten noch mal auf den mittäglichen Schichtwechsel der Fahrer, der in Arad ja bekanntlich fast einen vollständig neuen Auslauf auf die Linien bringt. Bei der Schleife Făt Frumos, wo eine Vielzahl der Linien endet, hielten wir daher mal Ausschau und vetrieben uns Zeit und Hunger mit Kaffee und Stückchen aus der nahen Tankstelle. Zuvor hatten wir auch bei Podgoria noch den Kurs zum Kirchenschluss auf der Überlandlinie 11 kurz abgewartet. Vielleicht würde ja bei den nicht unbeträchtlichen Mengen an Kirchgängern auf dem Bahnsteig ein größeres Gefäß Richtung Ghioroc aufbrechen? Dem war nicht so – es kam wieder der zerrupfte Innsbrucker GT8 51 von gestern Abend. Dafür würde es sich nun wirklich nicht lohnen, spontan an die Überlandstrecke zu wechseln. Nach Podgoria und Făt Frumos ging es auch noch eine Weile zum Knotenpunkt UTA zurück, wo normalerweise die Ringlinie wieder auf die Hauptachse trifft, aber sich auch eines der beiden großen Depots befindet. Wie erwartet wurden in den frühen Nachmittagsstunden zahlreiche Fahrzeuge ausgewechselt, auch die Imperios auf der Linie 3 wurden gegen neue Exemplare getauscht. Ein Autentic kam aber nicht auf Linie. Vielleicht hatten die wenigen Fahrer, welche die Kisten bislang fahren dürfen, auch alle Wochenende?
Eine weitere halbe Stunde verschoben wir uns Richtung Bahnhof, wo ja auch alles zum und vom Depot durchkommt und warteten im Schatten, einen kleinen Imbiss aus dem nahen Supermarkt mampfend, noch ein wenig ab. So richtig was Spektakuläres kam aber nicht heraus, wobei das eher daran lag, dass uns ja auch nicht wirklich was fehlte. Denn zum Schichtwechsel wurden auf die Linie 7 mit dem Mülheimer GT8 263 und dem Mainzer GT6 240 immerhin zwei Exoten losgeschickt. Immer wieder erstaunlich, wie lang sich hier auch solche Einzelexemplare (oder zwei im Falle des Mülheimer GT8) halten, wobei es ja technisch letztendlich alles “DüWag-Einheitsbrei” der 50er und 60er Jahre ist, sodass die Herkunft für die Instandhaltung wohl keinen großen Unterschied machen dürfte.
Nebenher gab es gegenüber des Bahnhofes erneut so ein rumänisches Radfahr-Kuriosum zu bestaunen. Auch hier gab es einen eigens eingerichteten Radweg. Der Zustand der farblichen Markierung wies den Weg allerdings schon als einige Jahre alt aus, sodass er scheinbar von den neu etablierten Elektro-Tretroller-Mobilitätsanbietern als nicht mehr so wichtig erachtet wurde. Kurzerhand hatte einer der Anbieter einfach eine komplette E-Roller-Fertig-Station samt Dach mitten auf den Radweg geklatscht. Sowas wäre bei uns wohl bei Extra 3 gelandet, wobei es wahrscheinlich kein Anbieter überhaupt gewagt hätte, eine solche Aktion zu bringen. Letztendlich fahren die E-Roller zumindest bei uns hauptsächlich selbst auf den Radwegen…


Der mittägliche Kirchenkurs auf der Überlandlinie 11 brachte bei Podgoria nur den schrecklichen Innsbrucker GT8 51, sodass wir nach Făt Frumos hinüberwechselten. Den blauen Essener GT8 1852 kannten wir derweil auch noch nicht. Die Folie scheint noch recht frisch zu sein, da sich die Verschleißerscheinungen noch in Grenzen halten.

Ganz anders bei seinem Bruder GT8 1860 in der Schleife Făt Frumos: So sieht die Folie dann meist aus, wenn sie ein paar Monate oder gar Jahre drauf ist. Bei uns kennt man ja durchaus Werbebeklebungen, die auch mal gut ein Jahrzehnt auf den Fahrzeugen bleiben. Mit Rost als Trägermaterial funktioniert das Ganze eben nur bedingt… Hier ist übrigens eine der beiden linksseitigen Türen zu sehen. Öffnen und schließen muss diese also zumindest nicht mehr.


Auch in Arad gibt es hier und da noch etwas kritische Stellen an der Infrastruktur. Seit meinem ersten Besuch 2007, hat sich aber schon eine ganze Menge getan. Als nette Überraschung kam zum Schichtwechsel am frühen Nachmittag auch der bereits 1999 aus Mainz übernommene GT6 240 auf die Linie 7. Schon 2014 hatten wir das Glück, diesen in Arad als Einzelgänger übernommenen GT6 aus Mainz anzutreffen. Sieben weitere der Mainzer GT6 von DüWag, ursprünglich aus Heidelberg übernommen, gingen bekanntlich nach Elbląg in Polen. Die interessante Geschichte der Mainzer GT6 und GT6ZR von DüWag und Westwaggon habe ich vor einiger Zeit hier nachgezeichnet: Straßenbahnen im Exil: Mainzer GT6 in Elbing und Arad.


Auch der Mainzer GT6 240 wird von einer scheinbar recht frischen Werbefolie zusammengehalten und wartet an der Endhaltestelle Făt Frumos auf die nächste Runde als Linie 7.


Das große Linienbündel von Făt Frumos läuft über UTA bis zum Bahnhof parallel. Hier bei UTA zweigt die Ringline ein und eines der beiden großen Depots wird angeschlossen. Dies erklärt auch die große Haltestellenanlage und die Vorsortierung, denn praktisch pausenlos werden hier Fahrzeuge ein- und ausgewechselt. Nicht einrückende Bahnen halten erst auf der anderen Seite des Platzes, sodass der Essener M8S 1005 als Linie 9 das Mittelgleis wählt.


Es folgt noch einmal der Mainzer GT6 240 von der Türseite, leider ebenfalls komplett zugeklebt.


Der große Wechsel zur Nachmittagsschicht ist derweil weiterhin voll im Gange. Vor und nach der Schicht wird gern noch eine Runde am Dispatcherhäuschen palavert, bevor man zu “seinem” Wagen hinüber schlendert und auf Linie geht. Gerade musste sich ein Kollege verabschieden und wird mit dem Hallenser T4D 1115 auf die Linie 1 geschickt.


Von allen Seiten strömen die Bahnen bei UTA Richtung Depoteinfahrt. So lassen sich auch der Imperio 1907 von der Linie 3 und der Hallenser T4D 1174 von der Linie 6 auswechseln.


Neu auf die 15 wird derweil der Stuttgarter GT4 493 geschickt. Auch diese Fahrzeuge scheinen hier nicht totzukriegen, selbst an einem Sonntag darf am Nachmittag noch einer auf Linie.


Ein letztes Mal haben wir uns verschoben und warten nun am Bahnhof auf die Bahnen von Făt Frumos und Depot. Mit dem Mülheimer GT8 263 wird nach dem Mainzer ein weiteres seltenes Fahrzeug auf die Linie 7 geschickt. 1958 als GT6 gebaut, haben wir es hier mit einem besonders alten Vertreter der “Standard-Gelenkwagen” aus dem Hause DüWag zu tun, welches zusammen mit dem GT8 264 und drei GT6 nach Arad kam. Das Mittelteil wurde 1995 von einem Essener Spenderfahrzeug eingebaut. Die GT6 kamen teilweise sogar mit ebenfalls übernommenen Großraumbeiwagen zum Einsatz. Diese Zeit war aber ebenso wie die des einzigen übernommenen Großraum-Triebwagen eher kurz. Zumindest einen GT6 ohne Beiwagen konnten wir 2007 noch auf Linie erwischen, der Großraumtriebwagen stand damals schon verdächtig eingebaut auf dem Betriebshof, während die Beiwagen bereits ausgemustert waren.


Zum Abschluss noch eine letzte Aufnahme der Zukunft der Straßenbahn Arad mit Imperio 1907. Während dieser noch recht neu ist, machten auch die älteren, teils schon fast zehn Jahre alten Exemplare noch einen sehr guten Eindruck. Man scheint sich also gut um die neuen Niederflurer zu sorgen, während das ganze alte Grümpel aus den 50er und 60er Jahren nun inzwischen doch teils einen grenzwertigen Eindruck hinterließ. Irgendwann hilft eben auch die dritte Schicht Folie nicht mehr…

Wir beschlossen, dass es das nun gewesen sein sollte. Wir mussten schließlich noch bis Oradea hinüber, wo abgesehen von den Ulf’s, mit den modernisierten KT4D und den neuen Astras, ein komplett neuer Fahrzeugpark auf uns wartete. Es war wiedermal schön und natürlich unglaublich abwechslungsreich gewesen in Arad – selbst an einem Wochenende. Und durch den Wochenendverkehr auch auf den Straßen, war das Fotografieren nahezu entspannt. Die Highlights waren für mich die Überlandstrecke, aber auch die ausgiebige Zeit an der Blockumfahrung der Ringlinie. Nicht zu vergessen auch die idyllische Endschleife der Linie 6. Eigentlich war es wieder ein rundum gelungener Besuch in Arad gewesen und wenigstens eine Aufnahme war ja auch von den Autentics gestern noch gelungen.

Im letzten Teil widmen wir uns dann heute Abend und morgen Vormittag den schon erwähnten Neuigkeiten in Oradea, bevor sich nach einer weiteren und letzten Landstraßenetappe der Kreis in Cluj nach zehn Tagen und elf Episoden schließen soll.

2 thoughts on “Circum Carpati IX: Überlandstrecke und Fahrzeugviefalt in Arad”

  1. Eine Anmerkung zu den GT4-Doppeltraktionen:
    Seit ein paar Jahren wird dies nicht mehr praktiziert, auch unter der Woche fahren alle GT4 solo.
    Grüße
    Stephan

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