Zwischen 1009mm und Regelspur II: Entlang der Regelspurlinien zur Abenteuerlinie 23

Für den ersten kompletten Tag in Sofia hatte ich mir einen groben Tagesplan zurechtgelegt. Zunächst wollte ich mich entlang der Regelspurlinien 20 und 22 herausarbeiten, um fast am Ende der Linie 20 auf die Duewag-Linie 23 zu treffen. Zwar verkehrten die Linien 20 und 22 kombiniert im 5-Minuten-Takt, trotzdem würde dieses Unterfangen einiges an Zeit in Anspruch nehmen. Daher hatte ich als weiteren Punkt nur noch den Linienast der Meterspurlinien 10 und 15 auf dem Programm stehen. Zum Tagesabschluss würde eine kleine Kulturrunde anstehen.


Dienstag, 22. Juli 2025: Entlang der Regelspurlinien zur Abenteuerlinie 23

Schon am Vorabend war mir mitgeteilt worden, dass das Frühstück erst ab 8 Uhr starten würde. Damit war kein übermäßig frühes Aufstehen angesagt. Ohnehin hatte ich hier eigentlich genug Zeit, um die Tage entspannt anzugehen, aber der Tatendrang Neues zu entdecken, ließ mich dies die meiste Zeit vergessen. Naja, gezwungenermaßen ging es also erst um 7:45 Uhr aus dem Bett und runter zum Frühstück. Dort stellte ich fest, dass sich zumindest das späte Aufstehen gelohnt haben sollte. Als die erste Aktion des Personals darin bestand, mit der frisch vom Herd kommenden Pfanne durch den Besucherraum zu laufen und den angebratenen Schinken direkt in die Auslage zu befördern, wusste ich, dass das Frühstück qualitativ gut sein würde. Und so war es dann auch. Es wurde zwar nicht übermäßig viel Auswahl geboten, das was vorhanden war, war aber zumindest größtenteils frisch und gut. So hatte ich mir schnell zwei Teller am Buffet geschnappt und gepaart mit einem großen Kaffee das Frühstück genossen. Großartig lange zelebriert wurde die Aktion jedoch nicht, schließlich schien draußen mal wieder die Sonne und es galt einen neuen Betrieb weiter zu entdecken. So verließ ich um 8:45 Uhr gut gewappnet das Hotel. Mein erster Gedanke beim Verlassen des Hotels war, dass es angenehm kühl war. Ein Blick auf die Temperatur zeigte mir, dass ich mich bereits an die hohen Temperaturen gewöhnt zu haben schien. Denn was ich als kühl bezeichnete, waren in Wahrheit bereits zur frühen Morgenstunde 28 Grad, die mir entgegenkamen. Zunächst ging es den üblichen Weg zur nahen Straßenbahnhaltestelle Bul. Praga und von dort mit der nächsten Linie, die angefahren kam, in Richtung der Haltestelle Pl. Makedoniya, also dieselbe Richtung, in die ich gestern bereits zu Fuß gestartet war. Eigentlich wollte ich direkt bis zur Regelspurlinie durchfahren, doch dann fiel mit bereits an der Kreuzung Pl. Makedoniya ein erstes mögliches Motiv ins Auge und ich saß sowieso in der falschen Bahn. Zudem erinnerte ich mich an die Abzweige der Linien 10 und 3 ein Stück weiter die Straße herunter, die jetzt am Morgen ebenfalls gut im Licht liegen sollten. Daher wurde eine kurze Fotosession an den Meterspurlinien eingelegt, bevor es zu den Regelspurlinien weitergehen sollte.

Der viel befahrende Ast der Linie 5 befindet sich am Morgen im perfekten Licht. Die Umsetzung des Bildes gelang mir hier nur sehr steil. Da ich aber ohnehin in einer Bahn gesessen hatte, die mich nicht zu den Regelspurlinien bringen sollte, musste ich am Pl. Makedoniya umsteigen. Da konnte ich auch direkt ein Bild von Wagen 2361 einstreuen. Gerade die Station Pl. Makedoniya vor der Kreuzung verlassen, befindet sich direkt hinter der Kreuzung die nächste Haltestelle, an der der Wagen anhalten musste. 

Deutlich schöner ist da schon die Station Pl. Vazrazhdane. Kurz vor dem Abzweig auf die Hauptachse, die von der Kreuzung Pl. Makedoniya zum Bahnhof herunterführt, hat die Linie 3 noch eine Haltestelle, an der gerade ex-Baseler 679 angekommen ist. Wie an dem Gleisbau im Hintergrund schon zu erahnen ist, durfte man im Wagen nicht unbedingt seekrank sein. Unter ständigem Auf-und-Ab-Wackeln kam der Wagen an der Haltestelle zum Stehen. 

Wenige Meter daneben befindet sich die Haltestelle der Linie 10. Die Linie 3 und 10 verkehren vor den Haltestelle auf gemeinsamen Gleisen lange Zeit auf einer Straße. Kurz vor der Kreuzung mit der Hauptachse zum Bahnhof spalten sich die Linien auf, haben getrennte Haltestellen und zweigen dann in entgegengesetzte Richtungen in die Hauptachse ein. An der Haltestelle Pl. Vazrazhdane der Linie 10 fuhr gerade T6A2 3005 ein.

Diesen Punkt auf meiner imaginären Checkliste hatte ich erledigt. Damit konnte es nun wirklich zu den Regelspurlinien gehen. Da sich die Linie 20 und 22 nur ein paar hundert Meter den Hristo Botev Bulevard herunter befanden, sparte ich mir die Mühe auf die nächste Bahn zu warten und ging das kurze Stück zu Fuß herunter. Wie gewohnt, rumpelten im dichten Takt T6-Doppel über die Regelspurgleise, sodass ich vor Fahrtantritt noch zwei Bilder an der Kreuzung des Hristo Botev Bulevard mit der Pirotska St. einstreute. Danach ging es mit dem nächsten Kurs einfach mal los in Richtung Linie 23. So wirklich weit kam ich dabei nicht. Nachdem ich die bereits bekannte Haltestelle Tsentralni Hali passiert hatte, dauerte es genau eine Station, bis die am Morgen noch langen Häuserschatten verlassen waren und die Strecke auf einer großen Kopfsteinpflasterstraße weiter ging. Das wollte ich mir als Motiv nicht entgehen lassen und so ging es direkt wieder aus der Straßenbahn und ein paar Meter zurück an eine Stelle, an der die Baumschatten nicht mehr bis zur Strecke in Straßenmitte reichten. Glücklicherweise herrschte auf den Linien ein dichter Takt, sodass die ersten von Autos zugefahrenen Kurse nicht für übermäßig lange Wartezeiten sorgten. Zudem befand sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Billa, der für die dringend benötigte Wasserzufuhr angelaufen wurde. Ich hatte mich schon gestern auf eine in allen Läden vertretene Wassersorte festgelegt, sodass der Einkaufsvorgang mit geübtem Handgriff und über die SB-Kasse innerhalb von fünf Minuten abgehandelt war. Trotzdem hatte ich schon einen vorbeikommenden Kurs verpasst und der nächste schob sich bereits um die Ecke, sodass ich mich schnell zurück auf die andere Straßenseite begab und den Kurs perfekt ohne störende Autos im Bild festhalten konnte. Erst danach wurde die Wasserflasche wieder aus dem Rucksack geholt und fast zur Hälfte geleert. Nachdem mir das Bild an dieser Stelle gelungen war, wollte ich eigentlich zu Fuß bis zur übernächsten Station den Knyaz Alexander Dondukov Bulevard herunterlaufen. Doch noch bevor ich die nächste Station hinter mir lassen konnte, näherte sich der nächste Kurs von hinten, sodass ich die Station mit der Bahn fuhr. Warum auch unnötige Meter zu Fuß gehen, wenn die Straßenbahn ohnehin gerade kommt. Bei der noch anstehenden Hitze sollte man sich jeden unnötigen Meter sparen. So arbeitete ich mich die Straße herunter, bis die Strecke kurz nach der Station Bul Vasil Levski den Knyaz Alexander Dondukov Bulevard verließ und in eine kleinere Nebenstraße abknickte.

Am Morgen bot sich die Perspektive der Regelspurlinie von der anderen Seite als gestern Mittag. Dadurch rückte die runtergekommene Bebauung der kleinen Seitenstraße ins Motiv. Die Ecke sah so schäbig aus, dass ich es schon wieder skurril fand, weshalb ich für das Doppel 4170+4171 ein Bild investierte. Das T6A5-Doppel hatte soeben die Station Bul Hristo Betov verlassen und die Kreuzung mit der Meterspurlinie gequert.

Für das folgende T6B5B-Doppel 4112+4114 schaffte ich es nicht mehr ganz bis zum eigentlich angedachten Standpunkt ein Stück weiter hinten. Aber auch durch diese Perspektive verschwand die Kulisse aus dem letzten Bild hinter dem Wagen und die deutlich ansehnlichere Häuserfront des nachfolgenden Hauses rückte ins Bild. Es war schon interessant zu sehen, wie schnell sich in der Innenstadt von Sofia etwas heruntergekommen wirkende Häuser mit deutlich schicker aufgearbeiteten Häusern abwechselten. 

Inzwischen befand ich mich an der großen Kopfsteinpflasterstraße. Hier war es wieder das Werbedoppel 4142+4140, welches sich in meinem Bild präsentierte. Eigentlich war eine Umsetzung ein Stück weiter hinten angedacht, der Rückstau einer Ampel machte mir dabei aber ein Strich durch die Rechnung, weshalb ich ein wenig nach vorne eilte und so zumindest ein Bild ohne Autos gelang. Kurz nach dem Bild erreichte das Doppel die Station Natsionalna opera.

Dieses Motiv war der eigentliche Grund gewesen, warum ich die Bahn schon nach zwei Stationen wieder verlassen hatte. Hier boten sich neben der großen Kopfsteinpflasterstraße auch einige ganz ansehnliche Häuserfronten auf der anderen Straßenseite. Zudem passte auch mit den Baumschatten fast alles perfekt, weshalb sich ein schönes Motiv ergab. T6A5-Doppel 4149+4151 hatte sich um die Ecke aus der Station Mladezhki teatar auf den Knyaz Alexander Dondukov Bulevard geschoben und kam gerade noch rechtzeitig vor der Autoschlange in mein Bild gefahren.

Inzwischen befand ich mich an der Station Natsionalna Opera. Die Haltestellen mit Ausstieg auf der Straße bieten meistens eine gute Gelegenheit, die Straßenbahn ohne Autos aufzunehmen. Trotzdem ist es auch an diesen Stationen nicht immer ganz einfach. Bei Ankunft der Straßenbahn laufen die Fahrgäste bereits auf die Straße und verdecken so die Straßenbahn. Danach sind die Türen der Straßenbahn noch offen und sobald sich die Türen schließen, jagen die Autos sofort weiter. Somit gibt es genau einen kleinen perfekten Spot zwischen Türen-Schließen und dem Losfahren der Autos, bei dem das Bild ohne Hindernisse vor der Straßenbahn möglich ist. Genau diesen Spot hatte ich bei T6B5B-Doppel 4119+4102 versucht abzupassen, einzig der Autospiegel des ersten Autos war bereits leicht vor der Straßenbahn.

An der darauffolgenden Station Bul. Vasil Levski passte es noch besser. Kurz vor der Station befindet sich eine Kreuzung mit Querstraße, vor deren roter Ampel die Bahn und Auto zuerst warten mussten. Danach hielten sich die Autos bereits hinter der Straßenbahn, um den Fahrgastwechsel zu ermöglichen. Dadurch gelang das Bild von Doppel 4156+4157 gänzlich ohne störende Autos vor der Straßenbahn. Bei Wagen 4157 handelte es sich um das einzige Fahrzeug, was mir begegnete, welches vor den Fahrgestellen mit Verkleidungen ausgestattet war. Der Knyaz Alexander Dondukov Bulevard ist nur zu Beginn noch mit Kopfsteinpflaster ausgebaut, bereits ab der Station Natsionalna Opera ist das Kopfsteinpflaster dem Asphalt gewichen.

Auf Google-Maps hatte ich feststellen können, dass der nächste Kurs, der an dieser Haltestelle kommen sollte, eine Linie 21 wäre. Generell war das erstmal nichts Ungewöhnliches. Zwar ging die Linie zwischen den vielen Kursen der Linien 20 und 22 etwas unter, trotzdem wurde auch diese Linie zumindest alle halbe Stunde bedient. Insgesamt stellte ich mir aber schon die Frage, worin der Sinn der Linie 21 besteht. Bis zur Station ZH.K. Geo Milev, an der die Linie 23 startet, fährt die Linie exakt den gleichen Weg wie die Linie 20. Die Linie 20 wurde aber im deutlich dichteren Takt und mit größeren Kompositionen bedient. Naja, irgendwas werden sie sich dabei schon gedacht haben. Das interessante an der Linie war auch eher der Fahrzeugeinsatz. Denn dort verkehrten die T6B5B als einziges solo. Daher wollte ich mir für die folgende Linie 21 ein schönes Motiv suchen, um den Solo-T6B5B abzulichten. Da mir nur noch fünf Minuten blieben, hatte ich keine andere Wahl, als zu Fuß die Strecke weiter abzulaufen. Nach der Station Bul. Vasil Levski verließ die Strecke den Knyaz Alexander Dondukov Bulevard und knickte in eine deutlich kleinere Straße ab. Dort sollte zumindest die Sonne ganz gut stehen, weshalb ich mir ein Motiv versprach. Doch bei einem ersten Blick in die Straße schwanden meine Hoffnungen rapide. Auf beiden Seiten der Straße befand sich zwischen Straße und Fußweg ein Zaun und auch die motivtechnisch relevante Straßenseite hatte sonst keine Motive zu bieten. Also bleib mir nur die Möglichkeit, die Straße so schnell wie möglich hinter mir zu lassen und ein Motiv danach zu suchen. Da die Linie 21 schon in fünf Minuten kommen sollte, beschleunigte ich mein Schritt. Glücklicherweise dauerte es nicht lange, bis ich das Ende der Straße erreicht hatte und die Strecke auf die Ul. Iskar abknickte. Schnell die Straßenseite gewechselt und tatsächlich ergab sich dort ein Motiv beim Abzweig auf die Ul. Iskar, das sogar perfekt für ein Solo-T6B5B passen sollte. Nachdem das Bild dort funktioniert hatte, ging es zur wenige Meter entfernten Station Tsentralni hali weiter. Mit dem nächsten Kurs der Linie 20 ging es nun ein ganzes Stück bis zur Station ZH.K. Geo Milev, an der die Linie 23 ihre Endstation hat.

Gerade noch rechtzeitig hatte ich es zu einem geeigneten Motiv geschafft, bevor sich Wagen 4104 als Linie 21 um die Ecke schob. Das Fahrgastaufkommen war in dem Wagen zwar auch hoch, aber es blieb anzuzweifeln, ob die Fahrgäste nicht genauso auch die Linie 20 genommen hätten, wenn diese passend gekommen wäre. Bis zur wenigen Meter entfernten Station Tsentralni hali schaffte ich es nicht mehr für Wagen 4104, sodass ich den folgenden Kurs der Linie 20 nahm. 

In der Schleife an der Station ZH.K. Geo Milev traf ich T6B5B 4104 bereits wieder. Der Fahrer des Wagens hatte das Fahrzeug dort in den Schatten gestellt, um seine Pause zu machen. Doch von hinten näherte sich eine Fahrschule an, weshalb nun der Schatten verlassen und in das zweigleisige Stück der Schleife vorgerückt wurde. Die Schleife dient sowohl für die Linie 21 als auch die Linie 23 als Endstation, wobei beide Linien nach dem Durchfahren der Schleife in unterschiedliche Richtungen starten.

Kurz hatte ich Angst gehabt, dass es sich bei dem T6B5B-Doppel im Hintergrund um einen Kurs der Linie 23 handelte und ich verpasst hatte, dass die Linie inzwischen am anderen Streckenende ebenfalls eine Endschleife besaß. Doch die Beschilderung ließ darauf schließen, dass es sich um eine Fahrschule handelte. Trotzdem befand sich im Moment kein Duewag in der Endschleife und so beschloss ich einfach mit der nächsten Linie 20 weiter zu fahren und an dem gemeinsamen Streckenabschnitt der Linie 20 und 23 nach einem Motiv zu suchen. Die Schleife befand sich im Moment ohnehin nicht wirklich im richtigen Licht und bei dem mageren 30-Minuten-Takt der Linie 23 wollte ich nicht direkt den ersten Kurs mit einem Bild in nicht optimalem Licht verschwenden. Also ging es in die nächste Linie 20 und erstmal ein Stück weiter. An der nächsten Station konnte ich aufatmen. Dort kam mir einer der Duewags als Linie 23 entgegen, sodass ich mir sicher sein konnte, dass die Linie zumindest fuhr. Nur motivlich hatte ich bis jetzt noch nichts wirklich gefunden. So ging es erstmal bis zur Station Ul. Kap. D. Spisarevski weiter. Dort verließ ich die Bahn, da die Strecke hier zumindest in Seitenlage zur Straße verläuft und die Gleislage etwas rustikaler wurde. An der Station entstand ein Bild der folgenden Linie 20. Für den Duewag ging es letztendlich eine Station weiter zur Station Razklona za letishteto, an der ich direkt die Kurse der Linie 23 aus beiden Richtungen ablichtete.

An der Station Ul. Kap. D. Spisarevski erreichte kurz nach mir bereits die nächste Linie 20 die Station. Nachdem ich das Doppel bestehend aus den Wagen 4101+4105 bei Einfahrt in die Station abgelichtet hatte, ging es auch für mich weiter bis zur nächsten Station.

Im Sichtabstand zur eben gezeigten Linie 20 folgte Duewag 4401 als Linie 23. Daher musste ich mich nach Verlassen des Wagens ein wenig beeilen, um an das Ende der Station Razklona za letishteto zu kommen. Dort gelang mir ein Bild des Wagens kurz vor Erreichen der Station. Schon ein erster Anblick von vorne zeigte den eher mäßigen Zustand des Wagens.

Bei einem genaueren Blick verstärkte sich dieser erste Eindruck. An allen Ecken und Kanten blätterte die Lackierung ab und fraß sich der Rost durch den Wagen. Abgesehen vom neuen Anstrich scheint an den Wagen seit der Ankunft in Sofia nichts mehr gemacht worden zu sein.

Auch die Front zeichnete das Bild vom traurigen Lebensabend des ex-Bonner GT8 401. 

Da die beiden Kurse der Linie 23 bei diesem Umlauf an der Station Razklona za letishteto kreuzten, blieb mir nichts anderes übrig, als auch den entgegenkommenden Wagen 4415 an dieser Station zu fotografieren. Dafür bediente ich mich eines Nachschusses, was bei den Zweirichtungswagen ebenfalls ein probates Mittel ist. So war bei dem Motiv auch deutlich mehr vom Wagen in der Sonnenlücke zwischen den Bäumen zu sehen, als beim steilen Bild von Wagen 4401 zuvor. Aus einem unbekannten Grund besaß Duewag 4415 an der einen Front nur noch eine Lampe.

Damit hatte ich schon alle Kurse der Linie 23 dargestellt. Im 30-Minuten-Takt reichten zwei Wagen aus, um die nicht sonderlich lange Linie zu bedienen. Für die Rückkehr der Duewags aus beiden Richtungen wollte ich mir jetzt eine bessere Stelle suchen. Daher ging es mit der nächsten Linie 20 bis zur Station 28-MI Poshtenski Klon weiter. Kurz nach der Station trennen sich die Linien 20 und 23 voneinander. Die Linie 20 führt noch drei Stationen weiter bis zum großen Regelspurdepot des Betriebes. Die Linie 23 zweigt vorher aus und verläuft für vier Stationen schnurgerade bis in eine große Wohnsiedlung. Dort endet die Linie spitz in der Mitte einer Straße. Aus diesem Grund müssen die über 60 Jahre alten Duewags noch immer durch die Gegend rumpeln. Bevor ich mich dem weiteren Verlauf der Linien annehmen wollte, sollten am Abzweig einige Bilder folgen. Mein Plan war es, den zuerst von der Endstation ul. Obikolna zurückkehrenden Wagen an der Station 28-MI Poshtenski Klon als Nachschuss abzulichten. Danach wollte ich den aus der anderen Richtung kommenden Wagen kurz hinter der Station festhalten. Der erste Teil mit dem Nachschuss funktionierte auch problemlos. Auch die Generalprobe mit zwei T6B5B-Doppeln auf der Linie 20 klappte anstandslos. Bei der Linie 23 Richtung ul. Obikolna schob sich dann ein LKW ins Bild, sodass mir dieses Bild misslang. Das wollte ich so nicht stehen lassen, daher wartete ich einen weiteren Umlauf, bei dem ich das Motiv als Nachschuss abhandelte und den von der Endstation ZH.K. Geo Milev kommenden ex-Bonner kurz hinter dem Abzweig fotografierte. In der Zwischenzeit entstand ein Bild an der Linie 20 eine Station vom Abzweig entfernt.

Duewag 4401 auf seiner Rückfahrt von der Station ul. Obikolna. Der Wagen hatte gerade die Station 28-MI Poshtenski Klon verlassen. Trotz des schlechten Gleiszustandes und des äußeren Erscheinungsbildes des Wagens, fuhr der ex-Bonner erstaunlich ruhig über die Schienen. Duewag-Qualität eben.

Die Generalprobe für das zweite Motiv nahe der Station funktionierte. Aus schattiger Position gelang ein Bild von T6B5B-Doppel 4118+4109. Meine Befürchtung, die Stelle könnte zu kurz für die Duewags sein, wurde durch dieses Bild zumindest entkräftet, da die T6B5B-Doppel sogar ein Stück länger als die Duewags sind. Auf der links im Bild zu sehenden kleinen Straße schob sich kurze Zeit später genau bei Abfahrt des Duewags von der Station ein großer weißer LKW ins Bild. Das konnte es hier noch nicht gewesen sein.

In der 30 minütigen Pause bis zu den nächsten beiden Umläufen der Linie 23 begab ich mich zu Fuß zur nächsten Station an der Linie 20. An der Station KV. Gara Iskar verlässt die Strecke endgültig die Straße, an der es die letzten Stationen entlang ging. Dafür ging es nach der Station größtenteils zwischen Hecken und Zäunen unfotogen weiter bis zur Endstation Depo Iskar am Regelspurdepot. Die Station selbst bot hier zumindest ein schönes Motiv im richtigen Licht für die Traktion aus 4112+4114. Auffällig bei Wagen 4112 war die am linken Dachrand angebrachte Klimaanlage, die ich nur bei diesem Wagen beobachten konnte.

Zurück am eigentlichen Motiv gelang die Umsetzung als Nachschuss von Wagen 4415 nun ohne jegliche Störfaktoren.

Das wohl bekannteste Motiv der Linie 23 entstand kurze Zeit später mit Duewag 4401. Nachdem sich der Wagen unter lautem Quietschen und im Schneckentempo über den Abzweig gearbeitet hatte, ging es in ebenfalls gemächlichen Tempo weiter. Die Station bul. Iskarsko Shose schien nicht mehr so richtig bedient zu werden, zumindest hielt der Wagen hier nicht an. Einen wirklichen Sinn sah ich in der Station ohnehin nicht, da es hier nirgends hin geht. Ich musste zum Erreichen der Station bereits über die Gleise laufen. Auch die nach rechts auszweigende Schleife schien schon länger keine betriebliche Nutzung mehr erfahren zu haben.

Nun hatte ich mir einen Plan überlegt, wie ich weiter vorgehen wollte. Eigentlich hatte ich vor, sowohl das letzte Stück der Linie 20, als auch der Linie 23 zu erkunden. Um nicht allzu viel Zeit beim dünnen 30-Minuten-Takt an der Linie 23 zu verplempern, musste ich mir einen guten Plan zurechtlegen. Google-Maps zeigte den nächsten Kurs der Linie 20 vier Minuten nach der Linie 23 an. Danach war eine Taktlücke von 15 Minuten. Den ersten Kurs der Linie 20 verpasste ich an der Station 28-MI Poshtenski Klon ganz knapp. Also mit dem nächsten Kurs 15 Minuten später weiter bis zur Endstation. Von dort wollte ich quer rüber zur Linie 23 laufen, dort ein Bild des von der Endstation kommenden Wagens schießen und mit dem entgegenkommenden Wagen weiter bis zur Endstation fahren. Problem daran war nur, dass der 15 Minuten später folgende Kurs kommentarlos ausfiel. Daher konnte ich meinen ausgearbeiteten Plan über den Haufen werfen. Ich entschloss mich, die letzten drei Stationen der Linie 20 nicht mehr zu erkunden und mich auf die Linie 23 zu konzentrieren. Daher ging es mit der nächsten Linie 23 letztendlich erst eine halbe Stunde später weiter. Zumindest konnte ich an der Station im Schatten warten, sodass die kontinuierlich steigenden Temperaturen aushaltbar blieben. Dann folgte die erste Fahrt mit einem der Duewags. Wagen 4415 sollte mein Fortbewegungsmittel sein. Nach dem Einstieg stellte ich fest, dass auch der Innenraum dem äußeren Erscheinungsbild sehr ähnelte. Überall fraß sich der Rost durch und alles war am Scheppern. Alle möglichen Klappen hingen irgendwo in der Luft rum und schwangen bei jedem Schienenschlag durch die Gegend. Zumindest die Sitze waren mit einem extrem bequemen Polster ausgestattet, sodass das Ruckeln aufgrund des Gleisbaus nicht zu spüren war. Die Haltewunschtaste wurde dadurch ersetzt, dass der Fahrer vor jeder Haltestelle einen Blick durch die Tür der Fahrerkabine warf, um zu gucken, ob sich einer der Fahrgäste zu den Türen begab. Da die Tür zur Fahrerkabine sowieso nicht mehr zuging, war das zumindest kein großer Aufwand. Sah der Fahrer keinen Grund anzuhalten, ging es einfach ohne Halt durch die Station. Auch das kurzfristige Anhalten stellte kein Problem dar, da trotz gerader Strecke nicht mehr als Schrittgeschwindigkeit gefahren wurde. Ob das am Gleisbau oder dem Zustand des Wagens lag, vermochte ich nicht zu beurteilen. Am Wahrscheinlichsten war eine Kombination aus beidem. Mit einer Mischung aus amüsiertem Grinsen und Fassungslosigkeit ließ ich diese Fahrt auf mich wirken. Ein Blick aus dem Fenster offenbarte, dass ich auch nicht unbedingt direkt wieder aussteigen müsste. Daher wurden die nächsten zwei Stationen durchfahren und erst an der Station Bul. Prof. TSV. Lazarov verließ ich den Wagen. Schnell überquerte ich die Schienen, um ein Bild an der Station zu schießen, bevor der Wagen die Haltestelle verließ. Dazu machte der Fahrer aber erstmal keine Anzeichen, da die Ampel für das Überqueren der nachfolgenden Kreuzung noch rot war. So konnte ich nach dem Bild schnell zurück in den Wagen huschen und sparte mir den Weg zu Fuß bis zur eine Station entfernten Endstation. Auch dort ließ sich der Fahrer Zeit, bevor er aus der Station bis zum Gleiswechsel weiter rumpelte. So gelang mir ebenfalls ein Bild an der Endstation, bevor es zurückgehen sollte.

Ein Blick hinter die Station Bul. Prof. TSV. Lazarov offenbarte sehr gut die Bedeutungslosigkeit dieser Linie. Zwischen dem Abzweig von der Linie 20 und der Station Bul. Prof. TSV. Lazarov geht es schlicht geradeaus durchs Nichts. Wagen 4415 hatte es zumindest ein weiteres Mal im Schritttempo bis hierher geschafft. Nach dem Bild ging es schnell zurück in den Wagen.

An der Endstation angekommen, umgab die Strecke zumindest wieder Zivilisation. Da hier parallel aber auch der Trolleybus im sicherlich dichteren Takt verkehrt, ergibt sich auch daraus kein wirklicher Sinn für die Linie 23. Mir war es egal. Ich war ganz froh, diese Wagen nochmal erlebt zu haben, bevor es für die teilweise 65 Jahre alten Wagen vorbeigeht. 

In die andere Richtung war die Strecke zwar im Gegenlicht, trotzdem wollte ich festhalten, dass die Bebauung hier durchaus wieder dichter wurde. Im Hintergrund befand sich das stumpfe Ende der Linie mit dem dazugehörigen Gleiswechsel. Von dieser Seite hatte Wagen 4415 wie der baugleiche Wagen 4401 noch die Doppelscheinwerfer, die der Fahrer nach Beendigung seiner Pause ordnungsgemäß anwarf. Nachdem es an dieser Station nicht wirklich viel Schatten gab, war ich ganz froh, dass ich nach der fünf minütigen Pause aus der brutzelnden Sonne in den Wagen zurückfliehen konnte.

Hier hatte ich nun alles gesehen. Eigentlich war an der Linie 23 nur noch die Endschleife am anderen Ende der Linie offen, die sich nun im richtigen Licht befinden sollte. Daher versank ich erstmal wieder in den gemütlichen Polstern und schaukelte im Duewag die Strecke bis zum Abzweig mit der Linie 20 zurück. Als wir den Abzweig erreicht hatten, guckte ich auf Google-Maps, wann die nächste Linie 20 folgen sollte. Lediglich drei Minuten nach der Linie 23 würde eine Linie 20 folgen. Da der Wagen 4415, in dem ich mich befand, an der Endstation ZH.K. Geo Milev nur wenige Minuten Pause machen sollte, könnte sich das mit dem folgenden Kurs der Linie 20 gerade ausgehen. So entschied ich mich dazu, an einer Station unterwegs raus zu springen, um noch einen Nachschuss des Wagens zu machen, bevor ich an der Endstation das letzte Bild der Linie folgen lassen wollte. Letztendlich verließ ich die Bahn an der Station Ul. Kap. D. Spisarevski, querte die Strecke und schoss ein letztes Streckenbild des Duewags. Danach ging es mit der nachfolgenden Linie 20 weiter bis zur Schleife an der Station ZH.K. Geo Milev, sodass ich dort gerade noch ein Bild schießen konnte, bevor sich der Wagen in Bewegung setzte, um auf die nächste Runde zu starten.

Ein letztes Streckenbild entstand an der Station Ul. Kap. D. Spisarevski. Wieder einmal musste der Wagen vor Verlassen der Station auf die Ampel warten, da sich hinter der Station eine Querstraße befindet. Dies ermöglichte mir, die Streckenseite zu wechseln, um von diesem Standpunkt ein Nachschuss von Duewag 4415 zu machen. Im Hintergrund waren bereits zwei herannahende Gegenbahnen zu erkennen. Bei dem vorderen T6A5-Doppel handelte es sich um eine Linie 22, die sich wohl auf dem Weg ins Depot nach hier verirrt hatte. Dahinter folgte ein planmäßiges T6B5B-Doppel als Linie 20.

Gerade noch rechtzeitig hatte ich es mit der Linie 20 bis zur Schleife an der Station ZH.K. Geo Milev geschafft. Der Fahrer von Wagen 4415 bereitete sich bereits auf die Abfahrt vor und nur kurz nach dem Bild rumpelte der Duewag auch schon um die Ecke. Wirklich weit ging es aber nicht, denn zunächst musste die nach der Kurve folgende Weiche auf Ausfahrt gestellt werden, sonst hätte der Wagen eine weitere Runde durch die Schleife gedreht.

Jetzt hatte ich genug von der Linie 23. Ich war sehr zufrieden mit der Ausbeute und es gab einfach noch zu viel anderes Interessantes beim Betrieb zu entdecken, als dass ich dieser Linie noch mehr Ehre antun wollte. Auf dem Plan für heute stand noch der Ast der Linien 10 und 15. Dabei handelte es sich um den nächsten im Uhrzeigersinn folgenden Ast des Netzes. Die beiden Meterspurlinien wurden durchgängig von T6A2 bedient und führten ein ganzes Stück bis zur Endstation Metrostantsiya Vitosha heraus. Für die Hälfte des Astes wurden die Linien zudem durch die Linie 12 und 18 ergänzt, sodass auf diesem Streckenabschnitt eine ganze Menge los war. Zunächst musste ich aber von der Endstation der Linie 23 zurück in die Innenstadt kommen, um von dort den Linienast der Linie 10 und 15 zu erkunden. Daher schwang ich mich in die Linie 20 und fuhr erstmal ein ganzes Stück mit. Während der Fahrt verfiel ich in eine kleine Schlummerphase, sodass unzählige bereits auf dem Hinweg als uninteressant eingestuften Stationen an mir vorbei zogen. So richtig wach wurde ich erst wieder, als ich mich der Station Mladezhki teatаr näherte. Dort sprang ich einfach mal aus der Bahn. Vielleicht würde hier ja irgendwas an der kleinen Blockumfahrung gehen. Mit den Linien 20 und 22 sollte hier auch ständig was kommen, somit würde die Aktion zeitlich nicht sehr umfangreich werden. Tatsächlich ergab sich eine schöne Stelle in der Blockumfahrung. Also kurz in den Schatten gestellt und geguckt, wann hier denn wieder was kommen würde. Linie 20 in 10 Minuten. Linie 22 in 20 Minuten. Was war denn da los. Da schien es irgendeine Störung auf der Linie 22 gegeben zu haben, dass es zu so einer großen Taktlücke kam. Auch die Gegenrichtung bestätigte das, als dort plötzlich im Minutenabstand vier Kurse der Linie 22 folgten. Mir war es egal, die Linie 20 sollte ja auch bald kommen. Zumindest der Kurs kam auch pünktlich, sodass mir das Bild in der Blockumfahrung mit einer T6B5B-Traktion gelang. Danach arbeitete ich mich zur Station Bul. Vitosha an den Meterspurlinien vor. Rund um die Station entstanden weitere Bilder, bevor ich mich dem Linienast der Linien 10 und 15 annehmen wollte.

Nach zehnminütiger Taktpause folgte die nächste Linie 20 in Form von T6B5B-Doppel 4137+4135 kurz hinter der Station Mladezhki teatаr.

Heute funktionierte auch das Motiv mit der Kathedrale Sweta Nedelja im Hintergrund nahe der Station SV. Nedelya auf Anhieb. Zwar hatte sich erneut ein Polizeiwagen im Baumschatten ein wenig ins Bild gestellt, trotzdem konnte ich das Motiv in etwas kleinerem Ausschnitt umsetzen. T6A2 2053 passte perfekt in die Lücke zwischen zwei Baumschatten. Auch Wolken, die gestern noch das Bild zerstört hatten, waren heute erstmal nicht zu sehen.

Ein paar Meter weiter folgte wenig später auf der quer verlaufenden Linie 10 T6A2 3037. Inzwischen hatte die Temperatur mit 37 Grad den Höchstwert des Tages erreicht und so hatte ich mich die letzten Minuten in den Schatten zurückgezogen und einfach ein wenig den vorbeifahrenden Straßenbahnen zugeguckt. 

Auch das Motiv mit der Kathedrale vom Standpunkt einige Meter weiter hinten klappte heute deutlich besser. Dieses Mal stand kein Polizeiauto störend im Bild und mit Inekon 3416 zeigte sich zudem ein deutlich spannenderer Wagen im Bild als noch der Pesa am gestrigen Tag. Hier hatte ich auch einen guten Spot für Fahrzeugbilder gefunden, sodass ich einige Zeit an der Stelle verbrachte, um alle hier fahrenden Wagentypen abzuarbeiten.

Bevor ich mich dem nächsten Linienast annehmen wollte, musste etwas zu Essen her. Seit dem Frühstück hatte es nichts mehr gegeben und langsam wies mich mein Bauch auf diesen Umstand auch hin. Ganz in der Nähe befand sich ein Lidl, den ich nun zur Essensbeschaffung ansteuerte. Es wurde sich mit Bananen, ein paar Gebäckstücken und kühlen Getränken eingedeckt. So richtig freiwillig verließ ich danach den Laden nicht, denn dort herrschten im Gegensatz zu draußen schätzungsweise nur angenehme 22 Grad. Aber der Tatendrang siegte und somit verließ ich den Laden wieder. Erstmal wurde das Essen im Rucksack verstaut. Ich wollte mich bis zu einem großen Park nahe der Station Pl. Zhurnalist vorarbeiten. Den Park streift die Straßenbahn in Form von einem kleinen Serpentinenabschnitt, mithilfe dessen eine kleine Höhendifferenz überwunden wird. Danach geht es auf höherem Stadtniveau relativ eben ein ganzes Stück weiter. An dem kleinen Serpentinenabschnitt sollte sich sicherlich ein schattiges Plätzchen finden lassen, an dem ich gemütlich Essen konnte. Ich ließ jeweils einen Kurs der Linie 10 und 12 an mir vorbeiziehen und stieg erst in die Linie 18 ein. Dabei handelte es sich um einen klimatisierten Pesa, was die Fahrzeuge der Serie zu einem über die Tage deutlich priorisierten Fortbewegungsmittel machte. Die Linie 18 endete wie die Linie 12 eine Station vor Beginn der Serpentinen. Von dort aus verkehrten nur die Linien 10 und 15 durch das Waldstück weiter. Da ich an diesem Streckenabschnitt ohnehin Bilder machen wollte, ging es zu Fuß in den Park. Im Park selbst legte ich die kleine Höhendifferenz auf einem angenehm schattigen Waldweg bis zu einer kleinen Kreuzung mit der Straßenbahnstrecke zurück. Dort entstand ein erstes Bild im Wald, bevor es zur nahe gelegenen Station Ul. Vishneva weiterging. An der Station legte ich erstmal eine kleine Mittagspause ein. Es gab etwas zu Essen und Trinken und es wurde ein weiteres Bild kurz vor Einfahrt in die Station umgesetzt. Mit dem nächsten Kurs der Linie 10 ging es in der Folge weiter die Strecke entlang. So richtig interessant und motivreich war die Strecke nach dem Waldstück aber nicht mehr. Erst ging es relativ lange auf einer Kopfsteinpflasterstraße entlang, danach folgte ein Streckenabschnitt auf einer noch hässlicheren Straße in Straßenmitte. Bevor ich eine ernsthafte Notwendigkeit erkannt hatte, die Bahn zu verlassen, hatte ich so die Endstation Metrostantsiya Vitosha erreicht. Diese befand sich zumindest inmitten einiger Bäume, sodass ich dort zwei Bilder investierte, bevor es zur Waldstation Ul. Vishneva zurückging.

In gemächlichem Tempo arbeitete sich T6A2 3028 als Linie 10 das kleine Waldstück hinauf. Hier befindet sich der Wagen bereits auf der Geraden kurz vor der Station Ul. Vishneva. Ich hatte mich für das Bild an einem kleinen Fußweg aufgestellt, der die Strecke kreuzt. Der restliche Teil der Serpentinenstrecke war nicht sonderlich zugänglich, sodass sich an dieser Stelle eines der wenigen möglichen Motive bot.

Mitten in meiner Mittagspause hatte ich mich kurz zur Einfahrt in die Station begeben. Die Wagen hörte man meistens schon, wenn sie sich noch am Anfang des Serpentinenabschnitts befanden, da die Räder durch die ständigen Schienenschläge laut am Rumpeln waren. So blieb mir genug Zeit, mich von meinem Sitzplatz zu erheben und zur Einfahrt in die Station zu begeben. Dort konnte ich T6A2 3010 festhalten, dessen Kopf zumindest in Sonnenlicht getaucht wurde. Größtenteils verkehrten die mit Vollwerbung beklebten T6A2 auf der Linie 15 und boten dabei meist sehr viel Farbenfreude. Im Hintergrund querten gerade einige Personen die Strecke an der Stelle, an der das letzte Bild entstanden war.

Die Endstation stellte bereits die schönste Stelle des gesamten Linienastes seit dem Waldstück dar. In einem kleinen Portal aus Bäumen befindet sich die Abfahrtsstation der Endstation Metrostantsiya Vitosha. Inzwischen waren wieder einige Wolken am Himmel aufgetaucht, die für einige Minuten das Licht ausgeschaltet hatten. Für Wagen 3037 war die Sonne bei Ausfahrt aus der Station passend wieder angegangen, sodass ich den Wagen an der Endstation festhalten konnte. 

Da ich an der Endstation ohnehin auf den nächsten Wagen für meine Rückreise warten musste, schoss ich noch ein Bild in der Endschleife selbst. Bei dem eine Minute vorwegfahrenden Wagen der Linie 15, war die Sonne gerade hinter einer Wolke verschwunden. Für T6A2 3022 kehrte die Sonne in voller Stärke wieder zurück. Danach ging es in den Wagen und zurück Richtung Innenstadt.

Auch die Station Ul. Vishneva im kleinen Waldstück wollte ich festhalten. Das kleine Haltestellenhäuschen wollte ich mir als Motiv nicht entgehen lassen und so entstand das Bild von Wagen 3027 neben dem Häuschen trotz Gegenlicht. Ohnehin befand sich die Station von dieser Seite aus zu keiner Tageszeit im richtigen Licht, weshalb es die Umsetzung bei diesem Sonnenstand tun musste. Insgesamt handelt es sich bei dieser Haltestelle um die meines Erachtens mit Abstand urigste Haltestelle des Betriebes. Dazu passte auch der reine T6A2 Fahrzeugeinsatz. Längere Fahrzeuge hätten sowieso nicht in die Station gepasst.

Den Streckenabschnitt hatte ich nun schneller abgehandelt, als ich erwartet hatte. Inzwischen war es 17 Uhr und somit war nicht mehr unglaublich viel Zeit zur Erkundung neuer Strecken. Ohnehin hatte ich das vorgenommene Programm für heute abgehandelt. Da jetzt aber mit das schönste Licht des Tages herrschte, wollte ich den Fototag an der Straßenbahn noch nicht ganz beenden. Zunächst ging es zu Fuß zur Station Pl. Zhurnalist zurück. Dort entstand ein Bild von der ungewöhnlichen Haltestellenkonstruktion. Danach ging es mit dem nächsten klimatisierten Pesa zurück in die Innenstadt. Der Abschnitt von der Station Pl. Zhurnalist bis zur Station Pl. Garibaldi gab bei diesem Sonnenstand im Prinzip nichts her, da sich die gesamte Strecke bereits im Häuserschatten befand. Dafür präsentierte sich die Sveti Sedmochislenitsi (Kirche der Sieben Heiligen), die sich genau neben der Straßenbahnstrecke nahe der Station Bul. Vasil Levski befindet, im schönen Nachmittagslicht. Daher lichtete ich die Kirche ab, bevor es an der Straßenbahn weiterging. So wirklich viel kam mir nicht mehr in den Sinn, was sich jetzt noch im Licht befinden sollte. Daher ging es zum einzigen Motiv, welches bei diesem Sonnenstand von gestern noch auf der Liste stand. Die Regelspurstrecke an der Station Bul. Hristo Botev mit dem schönen Eckhaus war gestern den Wolken zum Opfer gefallen. Heute war die kleine Wolkenfront schon etwas früher am Tag durchgezogen und jetzt am Abend war der Himmel wieder fast wolkenfrei. Da sollte doch was gehen. Nachdem ich dort mein Glück versucht hatte, überlegte ich, wo im Netz ebenfalls die gleiche Lichtachse befahren wurde. Dabei kam die Station Pl. Vazrazhdane der Linie 10 heraus, die sich nur wenige hundert Meter entfernt von der Station Bul. Hristo Botev befindet. Da ich aber keine Lust hatte, den Weg zu Fuß zurückzulegen, setzte ich mich in die nächste Bahn in der Überzeugung, dass sich eine Haltestelle an der Station Pl. Vazrazhdane der Linie 10 befinden würde. Dem war aber nicht so. Daher konnte ich den Wagen erst an der Station Pl. Makedoniya wieder verlassen. Dadurch stellte ich zumindest fest, dass sich auch an der Station noch ein Sonnenspot gerade groß genug für einen T6A2 befand. Also entstand zuerst dort ein Bild, bevor das letzte Straßenbahnbild des Tages letztendlich an der Station Pl. Vazrazhdane umgesetzt wurde.

An der Station Pl. Zhurnalist befindet sich ein gesamter Schienenkreis um eine kleine Grünanlage herum. Während die Linie 12 und 18 die Station als Endstation nutzten, um von hier zurück in Richtung Innenstadt zu starten, war die Station für die Linien 10 und 15 lediglich eine Durchfahrtsstation. Nur wenige Meter hinter der Haltestelle startet der kleine Serpentinenabschnitt. T6A2 3020 passte mit seiner geringen Länge perfekt ins Motiv und zeigte sich an der Abfahrtsstation der Linien 12 und 18 in Richtung Innenstadt.

Im perfekten Nachmittagslicht präsentierte sich die Sveti Sedmochislenitsi wenige Meter neben der Straßenbahnstrecke. Die Strecke selbst lag bereits im Häuserschatten.

Neben der Kirche war eine kleine Grünfläche mit einigen roten Blumen angepflanzt worden. Wie fast alle anderen Grünflächen in der Stadt wurde auch diese Fläche mit Rasensprengern bewässert, um bei diesen extremen Temperaturen und dem gleichzeitig nicht vorhandenen Regen so Grün aussehen zu können.

Heute funktionierte die Umsetzung des Motives direkt beim ersten Versuch. T6A5-Doppel 4144+4146 präsentierte sich unterhalb des Eckhauses mit dem in der Abendsonne glänzenden Turm. Viel später durfte ich hier auch nicht ankommen, die Schatten arbeiteten sich bereits langsam aber sicher in Richtung der anderen Straßenseite.

An der Station Pl. Makedoniya, an der ich ein wenig unfreiwillig gestrandet war, bot sich unerwartet ein Motiv. Vor der Linie 1 hatte kurz vorher noch ein Pesa an der Station gehalten, sodass T6A2 2055 perfekt passend in der Sonnenlücke zum Stehen kam. Nachdem der Pesa die Station verlassen hatte und die Autos noch nicht nach vorne gerückt waren, ergriff ich die Chance und lichtete den Wagen an der Station ab. Wie viele Straßen in Sofia ist auch diese Straße von einer ganzen Reihe an Bäumen geprägt, die entlang der Straße gepflanzt wurden.

Mit dem Wagen 3028 war ich von der Station Pl. Makedoniya bis zur Station Pl. Vazrazhdane gefahren. Nun musste ich mich ein wenig beeilen, um noch ein Bild zu schießen, bevor der Wagen wieder losfuhr. Der Fahrer wartete aber netterweise so lange, bis ich mich aufgestellt hatte und grüßte im Folgenden nett lächelnd in die Kamera. Im Hintergrund hatte sich auf dem Hristo Botev Bulevard ein kleiner Rückstau von der Ampel gebildet, indem sich auch zwei Pesas befanden.

Das sollte es für heute mit Straßenbahnbildern gewesen sein. Inzwischen war es 18:30 Uhr und auch die letzten sonnigen Stellen versanken langsam aber sicher im Schatten. Daher ging es für mich zunächst zurück ins Hotel. Dort wurde direkt die Mischung aus Schweiß und einer fetten Schicht Sonnencreme unter der Dusche abgewaschen. Danach wurde sich der weitere Plan für den Abend zurechtgelegt. Heute wollte ich noch im Hellen eine kleine Tour durch die Innenstadt Sofias machen und dabei einige bekannte Sehenswürdigkeiten abarbeiten. Bevor ich mich aber direkt wieder auf die Straße stürzte, legte ich etwas die Füße hoch und entspannte nach dem anstrengenden Tag für ein paar Minuten. Danach wurden wieder alle Sachen zusammengepackt und es ging aus dem Hotel. Noch immer hatte es draußen 32 Grad, und das obwohl es inzwischen 20 Uhr war. Von meinem Hotel aus orientierte ich mich in Richtung der großen Fußgängerzone Vitosha Bulevard. Über die Fußgängerzone gelangte ich direkt zur Kathedrale Sweta Nedelja. Von dort aus konnte ich mich Stück für Stück an allen Punkten meiner Liste entlang arbeiten. So ging es von der Banja-Baschi-Moschee, über das Gebäude der Nationalversammlung und dem Nationaltheater bis hin zur Alexander-Newski-Kathedrale. Insgesamt ergab sich eine entspannte abendliche Kulturrunde, bei der die Stadt im schönen warmen Abendlicht erstrahlte und zumindest die größte Hitze langsam abklang.

Die große Fußgängerzone von Sofia scheint noch nicht so alt zu sein. Zumindest kam die Straße im Gegensatz zu vielen anderen Straßen noch in sehr gutem Zustand daher. Nachdem es den ganzen Tag über relativ leer in der Fußgängerzone war, brach abends das Leben aus und überall wuselten Menschen herum. Sofia ist von einigen Bergen umgeben, die nur schwer in einem Straßenbahnbild unterzubringen sind. Hier gelang mir ein Foto der Fußgängerzone mit Berg im Hintergrund.

In die andere Richtung ist die ganze Fußgängerzone entlang die Kathedrale Sweta Nedelja am Ende zu sehen. Auf beiden Seiten der Fußgängerzone reihten sich Restaurant an Restaurant, sodass man hier die Qual der Wahl hatte, was man Essen wollte.

Von der Kathedrale Sweta Nedelja kommend, eröffnen sich vor der Banja-Baschi-Moschee einige Ausgrabungen. Während die Moschee zumindest teilweise noch von den letzten Sonnenstrahlen beschienen wurde, befanden sich die tiefer liegenden Ausgrabungen bereits im Schatten.

Das Gebäude der Nationalversammlung erstrahlte wunderschön in den letzten Sonnenstrahlen des Tages. Zwischen der Nationalversammlung und dem rechts danebenliegenden Gebäude befand sich eine große Straße, auf der gerade ein Protestzug einmal quer durch die Stadt zog. Aus diesem Grund wurden die Straßenbahnlinien, die an der Kathedrale Sweta Nedelja vorbei führen, im Moment umgeleitet.

Um von der Nationalversammlung zum Nationaltheater zu gelangen, musste ich mich einmal quer durch den Protestzug arbeiten. Nachdem mir das gelungen war, kam ich am in den letzten Sonnenstrahlen liegenden Nationaltheater an, vor dem ein schönes Wasserspiel installiert ist.

Die Alexander-Newski-Kathedrale befindet sich etwas abseits von den anderen Sehenswürdigkeiten. Vor der Kirche war eine Art Freilichttheater aufgebaut, weshalb ich nicht näher an die Kathedrale herankam. Daher musste mir ein Bild von etwas weiter weg genügen, bei dem die Kathedrale ebenfalls wunderschön vom Abendlicht angestrahlt wurde.

Mit der Linie 22 war ich von der nahe der Alexander-Newski-Kathedrale liegenden Station Mladezhki teatаr wieder zur Banja-Baschi-Moschee gelangt. Hier entstand das letzte Bild des Tages. Auch von diesem Standpunkt aus waren einige Berge im Hintergrund zu erkennen. Die Kreuzung gab derweil ein eher ungewöhnliches Bild ohne eine einzige Straßenbahn ab. Bei insgesamt sieben verkehrenden Linien kam das tagsüber nur selten vor.

Von hier aus ging es mit der inzwischen wieder fahrenden Linie 27 bis zur Station Bul. Vitosha. Dort begab ich mich zurück in die Fußgängerzone, um mir mein Abendessen zu holen. Da ich nicht mehr so viel Lust hatte, mich noch irgendwo reinzusetzen, ging es in den nächsten Dönerladen und mit Händen und Füßen wurde sich ein Döner mit Pommes bestellt. Warum das, was ich wenig später in die Hand gedrückt bekam, den Namen Döner tragen durfte, blieb mir ein Rätsel. Wirklich lecker war weder der Döner, noch die Pommes, dafür unglaublich billig und es machte satt. Mehr wollte ich doch gar nicht. Nachdem ich das Essen beendet hatte, ging es zurück ins Hotel. Wirklich alt wurde ich auch an diesem Tag nicht mehr. Einen ganzen Tag in der Hitze durch die Gegend zu fahren und zu laufen, macht einen irgendwann fertig. Da war man froh, irgendwann zur Ruhe zu kommen. Da ich auf meiner kurzen Abendtour trotz etwas niedrigerer Temperaturen wieder geschwitzt hatte, entschied ich mich dazu, ein zweites Mal am heutigen Abend duschen zu gehen, bevor ich endgültig im Bett versank. Für morgen sah mein grober Plan vor, mich ein wenig mehr mit der Linie 11 und weiteren Linienästen des Netzes zu beschäftigen. Wirklich genau hatte ich mir darüber aber noch keine Gedanken gemacht. Wie die tatsächliche Umsetzung morgen erfolgen sollte, gibt es im nächsten Teil von “Zwischen 1009mm und Regelspur” zu lesen.

2 thoughts on “Zwischen 1009mm und Regelspur II: Entlang der Regelspurlinien zur Abenteuerlinie 23”

  1. Wieder ein schöner Reisebericht mit guten Fotos. Diese Linie 23 ist schon ein Kuriosum. Bei einem Halbstundentakt kann man sich aber echt nach dem Verkehrswert fragen…
    Ich hörte ja, früher wäre der Takt dichter gewesen, aber da kaum mehr DUEWAGs zur Verfügung stehen(einer hatte wohl auch in den letzten Jahren einen Unfall mit LKW), ist es eh knapp…nun ja.
    Irgendwie könnte ich mir da ganz gut den T6C5 aus Strausberg/New Orleans vorstellen…vielleicht noch farblich angepaßt an die T6A5, wo zwei leider vor einigen Tagen einen Unfall erlitten haben.
    Noch eine Sache:
    “An der Station Pl. Zhurnalist befindet sich ein gesamter Schienenkreis um eine kleine Grünanlage herum. Während die Linie 12 und 15 die Station als Endstation nutzten, um von hier zurück in Richtung Innenstadt zu starten, war die Station für die Linien 10 und 15 lediglich eine Durchfahrtsstation.”
    Sollte es im letzten Satz nicht 18 statt 15 im Sinne der Durchfahrtsstation heißen? So ergibt es sich ja aus dem folgenden Text.

    1. Dane für die Verbesserung. Da war mir ein kleiner Fehler unterlaufen. Es müsste natürlich heißen, dass die Linien 12 und 18 die Station als Endstation nutzten und lediglich die Linie 10 und 15 die Station als Durchfahrtsstaton nutzen. Ich habe die Stelle dahingehend berichtigt.

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