Der dritte und letzte Tag in Hiroshima steht an. Es geht noch einmal zur Frühspitze raus und im Anschluss werden diverse offene Punkte in der Stadt und an der Miyajima-Line abgearbeitet.
Dienstag, 8. April 2025
Der zeitweise Durchhänger gestern hatte die Liste für heute etwas anwachsen lassen und ein wenig strategisches Vorgehen wäre nötig, um möglichst alles unterzubringen, bis es am frühen Abend weiter nach Matsuyama gehen sollte. Der Start war noch recht einfach: Frühspitze, die Zweite. Diesmal würden wir wissen, wie es abläuft und wären vorbereitet. Danach würden sich die Wege wohl trennen, denn nach dem unterschiedlichen Programm gestern, hatten wir natürlich jetzt noch ganz verschiedene offene Punkte auf der Liste. Meine Notizliste verkündete folgende Punkte:
- Frühspitze (Wecker 06:30 Uhr)
- Station Shudai-Kyoso-Chuko-Mae: Morgenmotiv an großer Brücke
- Strecke nach Eba
- Friedenspark
Station Kusatsu: Motiv von kleinem Weg- Station Shudai-Kyoso-Chuko-Mae: Große Brücke früher Nachmittag
- Station Rakurakuen: Brücke von Mittagsseite bis 16 Uhr
- Station Miyauchi: Tunnelmotiv (früher Nachmittag)
Itsukushima Shrine- Station Ajina-Higashi: Meerblick (später Nachmittag)
- Kirschblüte am Castle (auf Rückweg zum Hotel)
- Endstation Linie 9 (auf Rückweg zu Hotel)
Im Grunde war von Anfang an klar, dass das niemals alles in einen Tag passen würde. Langweilig würde mir zumindest aber nicht werden. Knackpunkt war, dass es sich nicht vermeiden ließe, am Vormittag eine Tour bis Shudai-Kyoso-Chuko-Mae (M27) an der Miyajima-Line zu fahren und anschließend wieder in die Stadt zurück. Das Morgenmotiv der großen Brücke dort wollte ich unbedingt umsetzen. Danach wären die meisten Motive an der Miyajima-Line eher etwas für den Nachmittag, sodass ich zunächst noch zwei große Punkte in der Innenstadt von der Liste streichen wollte, den Friedenspark und die Strecke nach Eba. Der Nachmittag würde dann erneut weitgehend im Zeichen der Miyajima-Line stehen, denn dort gab es noch jede Menge Motive umzusetzen. Das Hin- und Herfahren würde natürlich einiges an Zeit fressen bei der langsamen Reisegeschwindigkeit. Ob es für einen Besuch auf Miyajima selbst mit dem Itsukushima Shrine noch reichen würde? Tendenziell wohl eher nicht, das würde in ein Herumgehetze ausarten. So flog dieser Punkt recht schnell von der Liste. Ansonsten sollte es nur für ein Motiv bei der Haltestelle Kusatsu nicht reichen, aber eher, weil ich das Licht dort falsch eingeschätzt hatte und so den optimalen Moment verpasste und es dann gar nicht erst versuchte. Wäre ein recht uriges Motiv zwischen den Hinterhöfen gewesen, aber kein “Must-Have”. An alle anderen Punkte der Liste sollte aber im Laufe des Tages ein grüner Haken gesetzt werden.

Das Liniennetz der Straßenbahn Hiroshima. Die Haltestellen sind, wie in Japan üblich, auch durchnummeriert, hier mit einem Code aus Streckenbuchstabe und Haltestellennummer. Wir starten an der Haltestelle Genbaku Dome-mae (M10) und fahren erneut mit den E-Wagen Richtung Depot Senda an der Station Hiroden-honsha-mae (U7). Neben zwei Abstechern an die E-Strecke nach Eba und die W-Strecke nach Hakushima, treibe ich mich den restlichen Tag weitgehend an der Miyajima-Line bis Miyajima-guchi herum.
Der Wecker klingelte heute also noch etwas früher um 6:30 Uhr. Das Energielevel war aber wieder auf 100% und so konnte es voller Tatendrang direkt losgehen. Um Punkt sieben standen wir an der Brücke bei der Haltestelle Genbaku Dome-mae (M10) am Atomic Bomb Dome und warteten, was die Frühspitze so über die Brücke schicken würde. Aus einem 7-Eleven zogen wir vorher noch schnell einen ersten Kaffee und eine Waffel, die es anschließend irgendwie unbemerkt zu verdrücken galt. Naja, eigentlich auch egal, unsere Gesichter hatten wir bei anderen Vergehen sicher schon längst verloren…

An der Gendenkstätte am Atomic Bomb Dome liefen um diese Zeit hauptsächlich Einheimische auf dem Weg zur Arbeit vorüber, die teils regelrecht rituell Anteil nahmen.

Während unzähliger Versuche, den Atomic Bomb Dome mit Tram, Sonne und ohne Autos aufzunehmen, kam auch ein erstes Fahrzeug durch, dass unsere Aufmerksamkeit kurz verschob: Der Wagen 762 auf der Linie 3. Kannten wir allerdings schon von gestern.

Interessanter war schon der Wagen 352. Den kannten wir zwar auch schon von gestern Abend, allerdings nur im allerletzten Licht.

Der erste alte Achtachser von der Miyajima-Line tauchte erst um 7:45 Uhr auf der Aioi-Brücke auf. Wir folgten direkt mit dem nächsten Kurs Richtung Hiroden-honshu-mae (U7), um die Rückfahrt und den nächsten 3100er dort abzufangen.

Der 3101 folgte tatsächlich recht zeitnah, es reichte aber, um hinter dem Streckenknick an der Station Nissekibyoin-Mae (U6) Stellung zu beziehen, wo die Strecke passend ins Licht gedreht ist.

Der 3103 kehrte rasch von seiner Wende am Depot Senda eine Haltestelle weiter zurück und fuhr als Linie 3 zum ehemaligen Startpunkt der Miyajima-Line Nishi-Hiroshima. Von dort rückte der Wagen wie schon gestern nach einer morgendlichen Runde direkt wieder ins Depot an der Miyajima-Line ein.

Das übliche Reisetempo erlaubte wie so oft das fast schon gemütliche Hinterherschlendern für eine weitere Aufnahme in der Station Nissekibyoin-Mae (U6).
Eine Mitfahrt in einem der beiden urigen Gefährte wollten wir uns schon noch gönnen. Dafür wäre jetzt mit der Rückfahrt des folgenden 3101 wohl die letzte Chance. So fanden wir uns auf dem Bahnsteig der Station Nissekibyoin-Mae (U6) ein. An dieser Stelle soll es dann auch aus Hiroshima das obligatorische Mitfahrvideo geben, dass die Stimmung einfach besser einfangen kann, als Standbilder und Erzählungen.

An der Station Nissekibyoin-Mae (U6) gab es wiedermal ein hübsches Mosaik am Boden anzuschauen, bevor wir den 3101 enterten.
Wir fahren von Nissekibyoin-Mae in Richtung Innenstadt. Ich lasse auch dieses Video bewusst wieder ungeschnitten, damit die Wahnsinns-Reisegeschwindigkeit zur Geltung kommt 😉

In gewohntem Schneckentempo fuhren wir mit dem 3101 in der Innenstadt von Kreuzung zu Kreuzung und Haltestelle zu Haltestelle. Gemütlich joggend wäre man in einem Land, in dem man nicht ebenso als Fußgänger ständig von Ampeln ausgebremst wird, wiedermal locker hinterhergekommen. Hier geht es gerade über die Aioi-Brücke am Atomic Bomb Dome.

Der Blick des Schaffners an der hinteren Tür schweift stets aufmerksam durch den Wagen. Gelegentlich schreitet er eine Runde durch seinen Wagen, schaut nach dem Rechten und spielt bei Bedarf den Geldwechsler. Vor dem nächsten Halt haucht er den Stationsnamen in das kleine, von der Seitenwand abnehmbare Mikro. Vor der Abfahrt bestätigt er mit einem Trigger an demselben Gerät dem Fahrer das Freisein der Türen, erst dann darf die Fahrt fortgesetzt werden.

Ansonsten sind auch die alten Achtachser recht landestypisch eingerichtet, mit Längsbänken durch den ganzen Wagen und jede Menge Gebömmel an der Decke.

An der Haltestelle Kan-on-machi (M16) sprangen wir ab, da hier die Chancen auf einen Nachschuss noch mit am Besten zu stehen schienen. Klappte dann auch wunderbar und wir ließen 3101 Richtung Nishi-Hiroshima ziehen.
In der Wohnstraße zwischen den Haltestellen M16 und M14 hatte ich mich gestern schon ein wenig herumgetrieben. Für ein kurzes Stück bieten sich hier abseits der sechsspurigen Straßen auch mal etwas andere, augenfreundlichere Szenen, sodass auch heute noch ein paar weitere Aufnahmen entstanden. Der begrenzte Platz erfordert in Japan auch bei der Abstellung von Autos eigene Wege. So gibt es an Wohnhäusern eher selten Parkhäuser oder Tiefgaragen mit klassischen Ein- und Ausfahrten, sondern oft eine Art Regalsystem. Das Ganze ist meist eine paternosterartig ausgeführt, an den großen Parkhäusern gibt es nicht selten vor dem Paternoster sogar noch eine Drehscheibe, um vorwärts ein und Ausfahren zu können.

Klassische Privatgarage in den Hinterhöfen japanischer Wohnhäuser.

Die Verstärkerkurse der Linie 3 lassen allmählich nach. 3703 kommt aber noch als Linie 3 Richtung Nishi-Hiroshima an der Haltestelle Kan-on-machi durch. Die Haltestelle ist übrigens der schmale Bordstein, der im Hintergrund vor der Kreuzung zu erkennen ist.

Wir sind wieder an der Haltestelle Temmacho mit der Konditorei Heidelberg. Noch ohne Frühstück im Magen, waren die Auslagen nun wirklich verlockend, aber wie gestern schon gesagt: Ohne Sitzmöglichkeit helfen die leckersten Stückchen nicht viel…

Recht urig kommt die Haltestellenmöblierung der Haltestelle Temmacho daher. Wie bei Kan-on-Machi nur ein schmaler Bordstein auf der Straße, sodass sich die Warteposition samt Sitzgelegenheit am Straßenrand vor einem kleinen Ramenschuppen befindet.
Die Frühspitze war nun wirklich durch, womit sich unsere Wege im Anschluss trennten und jeder seine eigenen offenen Punkte von der Liste zu streichen begann. Für mich ging es mit der Linie 2 zum vormittäglichen Abstecher an die große Brücke bei der Haltestelle Shudai Kyoso-chuko-mae (M27) an der Miyajima-Line.
Ich schaffte es zunächst allerdings nur bis zum großen Terminal an der Station Nishi-Hiroshima, wo die Strecke zur Eisenbahn wird. Dort ergriff ich die Flucht vor einer unerträglichen Britin in der Bahn, die wie die vielen anderen Touristen in dieser Linie zur Insel Miyajima unterwegs zu sein schien. Die aufgetakelte ältere Dame gab quer durch den Wagen zu einem gegenüber sitzenden Herren wirklich unerträgliche politische “Meinung” von sich, wie sehr es doch mit England bergab gegangen sei, es natürlich nirgends mehr sicher sei, woran natürlich ausschließlich die vielen Ausländer schuld seien, die sich nicht zu benehmen wüssten. Und überhaupt machten doch die Japaner vor, wie es funktioniere, ein Land effektiv abzuschotten von Ausländern. Es sei alles so toll sauber und ordentlich hier.
Welche riesigen Probleme Japan durch die Nicht-Einwanderungspolitik in Kombination mit der demografischen Struktur hat, das kam der Dame natürlich nicht in den Sinn. Genauso wenig das es vielleicht genau rechte, libertäre und ausländerfeindliche Figuren wie sie selbst waren, die das Königreich nicht erst in jüngster Vergangenheit in die Scheiße geritten haben, nur darauf bedacht, den eigenen Besitzstand der Oberschicht zu wahren. Sie habe selbstverständlich für den Brexit, UKIP und Farage gestimmt.
Abgesehen von dem bescheuerten Geschwafel war das Ganze auch einfach nur bizarr, warf sie doch gerade regelrecht nach Aufmerksamkeit heischend, laut durch den Wagen plappernd “den Ausländern” in ihrem Land vor, sich nicht an die Kultur anzupassen und Regeln zu missachten. In einer Straßenbahn eines fremden Landes sitzend, in dem es eine absolute Ungepflogenheit ist, sich in der Bahn zu unterhalten, geschweige denn laut quer über den Gang – finde den Fehler.
Den Höhepunkt fand das Laientheater, als die Dame den Schaffner laut damit düpierte, es sei doch unerträglich warm auf der Sitzbank. “Dann stehst halt auf”, wäre der Dame wohl in mancher Bahn bei uns gleichgültig bis schroff erwidert worden. Und das nicht von “den Ausländern”, sondern sehr authentisch und völlig zurecht von “Ureinwohner”. Man kann sich die Szene in Berlin, in Wien oder irgendwo im Pott regelrecht bildlich vorstellen 😀
Aber die japanischen Gepflogenheiten verbieten eine derartige Reaktion natürlich, sodass der Schaffner verständnisvoll nickte und so tat, als würde er irgendwas verändern. Ich glaubte nicht zu spüren, dass sich an der Sitzheizung unter den Querbänken im Anschluss irgendeine Änderung wahrnehmen ließ. Weitere acht Stationen wollte ich mit dieser unwillkürlich Rückwärtsessen hervorrufenden “Persönlichkeit” zumindest nicht im Wagen verbringen und übersprang in Nishi-Hiroshima einen Kurs, was sich ohnehin anbot, um das hiesige Terminal an der Systemwechselstelle zu dokumentieren.
Eine Szene rief sich mir zu diesem erlebten Moment unausweichlich in Erinnerung: Lutz van der Horst, wie er bei der damaligen Brexit-Partei den Mitgliedern versucht Dinge zu verticken, die nach dem Brexit teuer werden dürften. Der Höhepunkt: Wie er einem Typen versucht Viagra anzudrehen, frei zitiert mit den Worten: “So Viagra: You want this? Or do you think you fucked your country enougth allready?”

Eine kurze Unterbrechung auf dem Weg zur Brücke legte ich am Beginn der Miyajima-Line in Hiroden-Nishi-Hiroshima (M19) ein, an der früher die Vorortzüge Richtung Miyajimaguchi starteten. Heute fahren hier alle Bahnen der Linie 2 durch, der Systemwechsel von Straßenbahn auf Eisenbahn findet aber noch immer statt. Die Linie 3 ist eine reine Stadtlinie und endet hier im Terminal. Wie so oft fand sich auch hier eine feinst säuberliche öffentliche Toilette, der dieser Stopp zur Verbringung des morgendlichen Kaffees nicht weniger galt, als der Dokumentation des Terminals. Der Green Mover apex 5205 verlässt als Linie 2 gerade das Terminal Richtung Hiroshima Station.
Ohne weiteren Halt ging es anschließend zur Station Shudai Kyoso-chuko-mae (M27) durch. Obwohl hier auf durchgehend eigenem Bahnkörper und mit Schrankenanlagen, braucht es dann für die acht Haltestellen auch schon wieder eine ganze Weile. Das Licht stand für mein Wunschmotiv jetzt um halb zehn aber noch optimal und die Sonne begann sich langsam wieder durch den zwischenzeitlichen Siff zu kämpfen. Eine Fußgängerbrücke hatte ich gestern als idealen Standpunkt ausgemacht. Praktisch, verband die Brücke mich gleichzeitig mit einem 7-Eleven auf der anderen Straßenseite, an dem das dringend notwendige Frühstück endlich nachgeholt werden konnte.

Green Mover apex 5204 überquert die große Brücke und erreicht dahinter die Haltestelle Shudai Kyoso-chuko-mae (M27). Ich selbst stehe wiedermal auf einer Fußgängerbrücke, die über die parallel auf eigener Brücke trassierte Straße führt. Die Siedlungsstruktur von Hiroshima zieht sich Richtung Südwesten typisch japanisch kilometerweit den schmalen Streifen zwischen Küste und Bergen hinunter.

Unterschiedliche Blickwinkel und die unterschiedlichen Fahrzeugtypen boten hier unzählige Varianten, sodass ich eine ganze Zeit an der Brücke herumhing und mehrere Filme voll schoss. Zeigen möchte ich als nächstes den Blick von der parallelen Straßenbrücke mit dem Achtachser der zweitältesten Serie 3704.

Die Sonne wurde merklich stärker und das Wasser unter der Brücke weniger. 3902 überquert die lange Brücke Richtung Hiroshima.

Auf der parallelen San-yo Line der JR kam natürlich auch immer wieder was durch. Hauptsächlich der im dichten Takt verkehrende Red Wing, aber auch immer mal was Interessantes, wie ein Güterzug von hinten, eine Lz fahrende Güterzuglok, oder dieser solo fahrende KiHa 40. Bei den in jüngerer Vergangenheit unzähligen kleinen Splittergruppen der JR, ist der KiHa 40 vielleicht DAS japanische Fahrzeug auf der Kapspur überhaupt, mit 888 ab 1977 in Dienst gestellten Exemplaren. Meist verkehren die Fahrzeuge in Einheiten aus mehreren Triebwagen, dieser hier schien als Dienstfahrt unterwegs zu sein.

Durch die von meiner Brücke gut einsehbare Schrankenanlage kündigten sich Zugbewegungen immer rechtzeitig an, sodass es sich wirklich super entspannt warten ließ über dem Straßenverkehr. Gut zu erkennen hier auch die praktischen Pfeile, die am Bahnübergang sogar signalisieren in welche Richtung die nächste Zugfahrt erfolgt. Nicht selten blieb die Schranke auch für mehrere Zugfahrten geschlossen. Noch bevor der Pfeil in die eine Richtung erlosch, sprang schon jener der Gegenrichtung an oder einer der beiden der dahinter verlaufenden San-yo line. So kollabierten regelmäßig die Verkehrsströme, wenn sich die kleinen weißen Minivans bis auf die Kreuzung unter meiner Brücke zurückstauten. 3808 überquert den Bahnübergang und fährt in die Haltestelle Shudai Kyoso-chuko-mae (M27) ein, hinter der sich direkt die große Brücke befindet.

Irgendwann wandelte sich das stärker werdende Sonnenlicht zunehmend in Hochlicht, sodass es Zeit wurde, die weiteren Punkte von der Liste zu streichen. Vom Bahnsteigende der Haltestelle Shudai Kyoso-chuko-mae (M27) bietet sich noch ein weiterer Blick auf die Brücke, den ich mit 3951 umsetzte, bevor ich den Bahnsteig wechselte und dem Wagen mit dem nächsten Kurs Richtung Innenstadt folgte.
Meine nächsten Ziele waren nun der Friedenspark und die Strecke nach Eba. Beides lässt sich räumlich gut verbinden und ich stieg an der Haltestelle Koami-cho (M14) aus der Linie 2 aus, hinter der die Linien 2 und 3 auf die Strecke der Linien aus Eba treffen. Vor dem Abzweig setzte ich noch einmal die Brücke über den Tenma von der Ostseite um.

Der in der Lackierung des Red-Wing gehaltene 5101 überquert zwischen den Haltestellen Temma-cho (M15) und Koami-cho (M14) die Hiroden-temma-bashi-bridge. Interessant, das der Wagen eine Werbung für den Red-Wing der JR trägt, machen sich die beiden Unternehmen auf den Linien Richtung Miyajima-Guchi doch gegenseitig Konkurrenz.

Zu Fuß aus der kleinen Seitenstraße hinaus, in der die Linen 2 und 3 Richtung Nishi-Hiroshima verschwinden, bin ich nun an der Streckenachse nach Eba unweit des Abzweiges. Hier zeigt sich wieder feinstes japanische Straßenbild mit den typischen kleinen Wägelchen der Stadtlinien 6 und 8. 1002 hat die Haltestelle Dobashi (M13) verlassen und fährt als Linie 6 Richtung Eba.
Schon an der nächsten Kreuzung verläuft der Peace Bulevard quer, über den man auf die Flussinsel mit dem Friedenspark an der Nordspitze gelangt. Seltsamerweise hat man am Peace Bulevard eine Haltestelle vergessen, aber ich hatte eh nicht vor, für das kurze Stück die Tram zu nehmen, das hätte wiedermal viel länger gedauert. Stattdessen lief ich gleich zu Fuß weiter und folgte ab der Kreuzung dem Peace Bulevard auf die Flussinsel. Die nächste Dreiviertelstunde ließ ich dann die Eindrücke des Friedensparks auf mich wirken und versuchte mich an einigen Perspektiven. Es war zwar einiges los und mehrere Reisebusse standen an der Auffahrt vor dem Museum und Congress-Center, aber es lief doch alles erfreulich gesittet ab, ohne zu befürchtende overtourism-eske Ausschweifungen. Insgesamt ein eindrücklicher Ort der Erinnerung und der Mahnung zum Bewahren des Friedens aus dem Wissen über die Schrecken der Vergangenheit. Wie schon in Nagasaki, lasse ich die Aufnahmen mit reinen Beschreibungen des zu sehenden stehen.

Blick von der Brücke des Peace Bulevards Richtung Norden. Rechts die Nordspitze mit dem Friedenspark.

Der Peace Bulevard markiert das südliche Ende des Friedensparks. Direkt nördlich des Bulevards befinden sich die Gebäude des Peace Memorial Museum und Conference Center. Davor die große Prayer Fountain.

Vor der Fontäne findet sich die Statue “Mother and Baby in the Storm”.

Blick von der Prayer Fountain zum Conference Center.

Vor dem Conference Center und Museum warten die Busse auf die Rückkehr ihrer Reisegruppen.

Unterquert man das Hauptgebäude des Museums, gelangt man in den Friedenspark. Schon beim ersten Blick fällt der Cenotaph des Victims Memorial ins Auge um den sich die Menschenmassen sammeln.

Blick in Richtung des sattelförmigen Centopath

Der Centopath mit der Gedenktafel steht genau in einer Flucht mit der Friedensflamme und dem Atomic Bomb Dome. Die Inschrift der Tafel bedeutet “please rest in peace, for [we/they] shall not repeat the error.” Das im Japanischen nicht exakt festgelegte Pronomen wurde bewusst gewählt. Zum Mahnmal findet sich auch eine Beschreibung in mehreren Sprachen, so auch auf Deutsch:
Gendenkmonument für Hiroshima, Stadt des Friedens
(Mahnmal für die Opfer der Atombombe)
Errichtet am 6. August 1952
Mögen alle Seelen hier in Frieden ruhen, denn wir werden die Katastrophe nie wieder zulassen
Dieses Monument verkörpert die Hoffnung, dass die Stadt Hiroshima, die am 6. August 1945 durch den ersten Atombombenangriff der Welt zerstört wurde, für immer eine Stadt des Friedens sein möge. Der Steinsarkophag im Zentrum enthält das Register mit den Namen der verstorbenen Opfer der Atombombe. Die Inschrift auf der Frontseite ist ein Gebet für den Seelenfrieden der Opfer und ein Aufruf an die gesamte Menschheit, die Katastrophe des Krieges nie mehr zu wiederholen. Es drückt den Geist Hiroshimas aus – den Leiden widerstehen, den Hass überwinden, nach Harmonie und Wohlergehen für alle streben und einen echten, dauerhaften Weltfrieden schaffen.

Blick durch den Centopath auf die Friedensflamme und den Atomic Bomb Dome.

Die Friedensflamme wurde 1964 entzündet und soll durchgehend brennen, bis alle atomaren Waffen von der Erde verschwunden sind.

An den Wegen am Rande des Pond of Peace finden sich einige Statuen. So auch die Statue “Prayer For Peace”. Die Beschreibung auf einer Tafel davor lautet: “The figures of a mother an a child, 1.4 meters high, are placed on top of a 1.8-meter-high pedestal. The figures were made and offered by Katsuzo Entsuba and the pedestal was built with money sent by students from all over Japan and by the Hiroshima Chamber of Commerce. A child held by his mother is playing the trumpet, with a crescent moon in the foreground. The unveiling ceremony took place on August 2, 1977. At the ceremony, the sculptor Katsuzo Entsuba described the meaning of his creation. “From parent to child, not yesterday but tomorrow, the crescent moon will become a full moon. I want to sound the trumpet for peace in the search for a new future”. Beside this statue, there stands a monument where the poem “Dedicated to the Statue of a Prayer for Peace (August, 1978)” by the poet, Shinpei Kusano is engraved.”

Blick zurück über die Friedensflamme und den Centopath Richtung Museum.

Am anderen Ende des Parks nahe dem Atomic Bomb dome waren wir bereits vorgestern am Nachmittag gewesen.

Hier findet sich auch noch das Childrens Peace Monument. Der Kranich an der Spitze des Monuments symbolisiert den Frieden.

Mit diesen Eindrücken ging es zurück Richtung Peace Bulevard, noch einmal unter dem Museum hindurch.

In den Anlagen vor dem Congress Center unweit der Peace Fountain findet sich noch das National Monument to School Teacher and Child Victims of the Atomic Bomb.
Auch hier hilft wieder nur ein harter Cut, um in das normale Leben der Stadt zurückzukehren. Auf der Liste war nun die Strecke nach Eba der nächste Punkt, für den ich erstmal den Peace Bulevard wieder bis zur Kreuzung mit der Straßenbahn hinunterlief. Die Strecke stellte sich dann wie erwartet als maximal unspektakulär heraus. Immer inmitten der vielspurigen Straße geht es schnurgeradeaus im Schachbrettmuster von einer austauschbaren Kreuzung zur nächsten. Unterwegs gab es gleich zweimal wieder die bizarre Szenerie einer Einsatzfahrt im Schneckentempo zu beobachten. Wirklich schwierig dabei nicht aufzulachen. Aber wie schon in einem anderen Teil geschrieben, steckt wahrscheinlich die Philosophie dahinter, durch eine Einsatzfahrt nicht weitere Menschen in Gefahr zu bringen – irgendwo ja auch nachvollziehbar. Diesmal hatte ich das iPhone rechtzeitig draußen, um eine der rasanten Fahrten im Video festzuhalten.
Ich lief noch bis zur Haltestelle Funairi-Honmachi (E3), unternahm zwischendurch einen Abstecher in einen 7-Eleven und fuhr anschließend die letzten Stationen bis zur Endstation durch.

Wagen 808 kommt von Eba und überquert den Peace Bulevard. Obwohl das Parken in Japan eigentlich recht streng reglementiert ist, nimmt man es beim kurzzeitigen Halten nicht so eng. So hielten des Öfteren Fahrzeuge für einen Sprung in den 7-Eleven einfach kurz am Fahrbahnrand oder auf Sperrflächen. Auch Lieferwagen mitten auf dem Fußweg waren keine Seltenheit. Passt irgendwie nicht so richtig ins Bild der ansonsten peniblen Regeltreue in Japan. Vielleicht verliert ja das Auto das Gesicht, nicht der Wagenlenker…

Eine Kreuzung weiter und es sieht irgendwie wieder genauso aus. Zumindest austauschbar. Wagen 714 hält an der Station Funairi-machi (E1).

Und wieder eine Kreuzung weiter ist es Wagen 1003 der an der Haltestelle Funairi-hon-machi (E2) Fahrgäste Richtung Innenstadt aufnimmt.

Die letzten Haltestellen fuhr ich ohne Fotohalt mit der Tram und ließ dabei sogar die Gelegenheit einer Fußgängerbrücke aus. So entstand die nächste Aufnahme erst wieder von der Endstation aus, wo die Strecke zu Seite abknickt und im Anschluss an die Haltestelle direkt zweigleisig weiter ins Depot Eba führt. 714 ist auf der kurzen Linie 8 schon wieder von der Yokogawa Station (Y5) zurück und biegt zur Endhaltestelle Eba (E6) ab.

Die Linie 6 zur Hiroshima Station ist wesentlich länger unterwegs, nicht nur wegen der Streckenlänge, sondern vor allem wegen dem elendig langsamen Innenstadtabschnitt ab der Haltestelle M12. 37 Minuten wird Wagen 803 planmäßig auf seiner Fahrt als Linie 6 brauchen – für 6km!
Auf meiner ToDo-Liste war ich damit nun am Punkt “Station Shudai-Kyoso-Chuko-Mae: Große Brücke früher Nachmittag” angekommen. Bedeutete konkret sich für das Nachmittagsprogramm wieder an die Miyajima-Line zu verschieben. Also bis zur Haltestelle Dobashi (M13) zurück und dann in die Linie 2.

Gestern Nachmittag hatte ich hier auch schon gestanden, war allerdings eine Stunde zu spät gewesen mit schon sehr achsigem Sonnenstand. Heute passte es dann perfekt und mit 3808 kam auch sogleich ein Wagen mit dem ich zufrieden war und wieder abrücken konnte.

Nächster Punkt war gleich die nächste schon von gestern bekannte Brücke hinter der Haltestelle Rakurakuen (M30). Hier bot sich durch die Fahrleitungsmasten ein Nachschuss auf Wagen 3705 Richtung Hiroshima Station an.

Aus etwas seitlicherer Perspektive hat man auch hier wieder die unweit verlaufende San-yo line mit im Bild. Ohne Photoshop klappte ein Bild mit Zügen auf beiden Brücken gleichzeitig, hinten ein Red-Wing der JR, vorne der Wagen 3805 der Hiroden.
Den Tunnel unweit der Haltestelle Miyauchi (M34) hatte ich gestern schon gespotet. Dort sollte es jetzt bei passendem Sonnenstand hingehen. Um zur Stelle zu gelangen, muss man wenige Minuten durch den gemütlichen Vorort laufen. Keine riesen Betonbunker wie in den Innenstädten, sondern kleine beschauliche Häuschen, teils in den Hang gebaut. Liebevoll gepflegte, winzige Gärten, ein geradeso auf den Minivan zugeschnittener Parkplatz. Irgendwie angenehm, auch mal durch solche Gegenden zu streifen auf dieser Reise. Und stören tut man hier auch niemanden mit der Kamera, während man anderswo ja schon mal argwöhnisch beäugt wird in solchen Gegenden. Einerseits sind Bahnfuzzis hier eine weit verbreitete Spezies, andererseits sind die Leute natürlich auch viel zu höflich etwas zu sagen, bei einer Tätigkeit, die offenkundig vollkommen rechtens ist.

Der Green Mover 3954 ist aus dem Tunnel zwischen den Haltestellen Hatsukaichi-shiyakusho-mae (M33) und Miyauchi (M34) geschossen und erreicht gleich letztere Richtung Miyajimaguchi.

Auch hier wieder wilde Illustrationen zum Verhalten am Bahnübergang.
Weiter ging es anschließend zu letzten Stelle an der Miyajima-Line, die ich auf jeden Fall noch umsetzen wollte. Im letzten Abschnitt verläuft die Strecke teils unmittelbar an der Bucht mit Blick auf Miyajima und das Meer. Eine Straßenbrücke sollte an der Haltestelle Ajina-Higashi (M37) einen guten Standpunkt für Aufnahmen bieten.

Der Blick auf die Haltestelle Ajina-Higashi (M37) war zwar nicht mehr richtig im Licht, ich war aber eigentlich auch wegen des nun optimalen Lichts in Gegenrichtung hier. Bei dem diffusen Streulicht war das letztlich aber auch ein bisschen egal und der Blick Richtung Süden mit der Insel Miyajima, dem Ziel all der Touristen, die mit der Tram und dem Red-Wing nach Miyajimaguchi unterwegs sind, war doch recht interessant. Der Green Liner 3951 hat die Haltestelle erreicht und fährt gleich die letzten Minuten zur Endstation weiter.

Ich selbst habe Miyajima aufgrund der Touristenmassen und weil es sich zeitlich am Ende auch nicht wirklich ausging, komplett ausgelassen. Mein Vater hatte tags zuvor aber zumindest mal übergesetzt mit der Fähre und von den frei zugänglichen Bereichen aus ein paar Aufnahmen geschossen. Die riesige Tempelanlage, der Itsukushima Shrine am Ufer der Insel, gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Am bekanntesten dürfte wohl das Otorii Gate des Shrines sein, dass hier mitten im Wasser vor der Insel platziert wurde.

Zurück an der Station Ajina-Higashi (M37) nun der Hauptschuss mit Blickrichtung Hiroshima und Wagen 3902.
Langsam wurde mein Zeitplan hinten raus sportlich. Es war inzwischen 16:15 Uhr und gegen 18 Uhr wollten wir uns am Hotel treffen, um es noch am heutigen Tag bis nach Matsuyama zu schaffen. Mit der Miyajima-Line wäre man mal locker eine Stunde unterwegs bis ins Zentrum und dann wäre ich noch nicht am Hotel und würde auch das Castle und die Linie 9 nicht mehr schaffen. Ich entschied mich daher, noch die Endstation anzuschauen und dann rüber zum JR-Bahnhof zu laufen und den Red-Wing zurück in die Stadt zu nehmen. Auch der braucht gut eine halbe Stunde, aber der Bahnhof Shin-Hakushima bot sich perfekt an, um anschließend noch eine halbe Stunde lang am Castle und der Linie 9 vorbei, hinüber zum Hotel zu laufen.

Die Endstation Miyajimaguchi gleicht einer Massenabfertigung und ist entsprechend funktional gestaltet und überdacht. Gleich vier Bahnsteiggleise gibt es hier. Welche Bahn als nächstes abfährt, ist allerdings nicht immer ganz klar. Aber alle die die Linie 2 eingeschildert haben, fahren früher oder später los, während die 0er hier länger pausieren.

Auch die Abstellanlagen an der Endstation sind erstaunlich großzügig. Man merkt schon, dass die Strecke hier als Eisenbahn konzessioniert ist. 3701 verlässt Miyajimaguchi für die lange Fahrt zur Hiroshima Station. Mit dem Red Wing werden ich in der nächsten halben Stunde wohl irgendwann an dem Wagen vorbeiziehen.
Ich schob mich dann mit den Massen, die von den Fähren kamen und nicht die Tram in die Stadt nahmen, hinüber zum JR-Bahnhof Miyajimaguchi. Und wie das immer so ist: Sieht man die Strecke irgendwo, fährt ständig etwas durch. Steht man dann am Bahnsteig, kommt gefühlt erstmal eine Ewigkeit nichts. Eine Viertelstunde dauerte es zumindest bis zur nächsten Fahrt, da der nächste Zug erstmal durchfuhr. Angesichts des vollen Bahnsteiges macht es für die Normalreisenden wahrscheinlich Sinn, hier nicht jeden Zug halten und zum Touristenbomber verkommen zu lassen. Der Zug war dann zumindest ordentlich voll und von den einen erlebnisreichen Tag hinter sich habenden Touristen, ging eine Geräuschkulisse aus, die einer spanischen Bar alle Ehre gemacht hätte. So lauschte ich unvermeidlich den “spannenden” Geschichten der Touristengruppen und ihrer Führer aus aller Welt und war froh, dem Gedränge und Lärm nach einer halben Stunde stehen, am Bahnhof Shin-Hakushima entfliehen zu können. Endlich wieder in die Ruhe Japans eintauchen 😀 Durch lauschige Nebenstraßen lief ich hinüber zum Castle.

Am Bahnhof Shin-Hakushima kreuzt die JR-Strecke die Astram, eine 1994 eröffnete, manuell gefahrenen Gummimetro mit nur einer 18,4 km langen Linie Hondōri – Kōiki-kōen-mae. Aus dem Treppenhaus des erst 2015 zur Verknüpfung mit der JR-Strecke eröffneten Bahnhofes Shin-Hakushima, hat man einen recht guten Blick auf die Strecke.

Hiroshima Castle bei Tage mit der prächtigen Kirschblüte wollte ich auf jeden Fall noch umsetzen. Auch die Sonne gab sich nochmal alle Mühe, die Blüten selbst lagen an meinem Ufer aber schon im Hochhausschatten.

Durch die Nebenstraßen ging es weiter hinüber zum hinteren Abschnitt der Linie 9. Ganz bis zur Endstation lief ich dann doch nicht mehr – sah jetzt nicht sehr spektakulär aus. Das übliche Bild: eingleisig stumpf vor eine Kreuzung in Straßenmitte endend. Von dem gerade gestarteten 1913 gab es aber noch eine Aufnahme.
Und das war es dann gewesen aus Hiroshima. Hier hatte ich schon ein bisschen das Gefühl, dass man durchaus selbst für die Straßenbahn noch einiges mehr an Zeit hätte gebrauchen können, obwohl wir schon fast drei Tage hatten und sogar früher aus Nagasaki hier angekommen waren, als ursprünglich geplant. Trotzdem hatte sich natürlich gut was ergeben in den drei Tagen, wie ja allein schon die vier ausladenden Reportageteile belegen und für einen Rundumschlag konnten wir doch sehr zufrieden sein. Etwas unterschätzt hatten wir, wie ewig lang man hier teilweise unterwegs ist, um von einer Ecke des Netzes, an eine andere zu gelangen. Das verbraucht über den Tag natürlich schon einige Sonnenstunden, die man bei halbwegs zeitgemäßen Reisegeschwindigkeiten zum Fotografieren nutzen könnte.
Schnellen Schrittes eilte ich nun den letzten Kilometer hinüber zum Hotel, um den vereinbarten Treffzeitpunkt nicht zu reißen, denn der hing direkt mit der Zugverbindung zusammen, die wir anschließend nach Matsuyama nehmen wollten. Matsuyama liegt im Grunde fast gegenüber von Hiroshima auf der Insel Shikoku. Wir hatten daher auch überlegt, die Fähre zu nehmen, denn auf dem Seeweg sind es nur rund 60 Kilometer. Insgesamt aber irgendwie auch eine mühsame Reisekette: Erst aus der Stadt zur Fähre, dann dort irgendwie einchecken und dann vom Anleger Matsuyama erneut irgendwie in die Innenstadt gelangen. Und eine Fährfahrt durch die dunkle Nacht wäre dann auch nicht so spannend. Wenn wir, wie ursprünglich mal angedacht, etwas früher gefahren wären, wäre das sicher eine reizvolle Alternative gewesen. Aber jetzt im Dunkeln war die etwas längere Fahrt mit dem Zug irgendwie schon angenehmer. Das sind dann übrigens weit über 300 Kilometer, weil es erst bei Okayama die einzige Bahnquerung hinüber auf die Insel Shikoku gibt. Man fährt also mit dem San-yo Shinkansen bis Okayama und dann auf der Kapspur über die Brücke auf die Insel Shikoku und die ganze Küstenlinie wieder zurück nach Matsuyama. Zumindest nur einmal Umsteigen, was schonmal sehr unkompliziert war.
Schnell die Koffer ausgelöst und zur Hiroshima Station rübergezogen, dann ging es auch schon fast los mit dem Shinkansen nach Okayama. Zuvor räumte ich noch einen der Bäcker aus, denn das Abendessen verlagerte sich heute natürlich auf die lange Zugfahrt.
Bis Okayama geht es dank des Shinkansens flott, dann beginnt nach der langen Brücke hinüber auf Shikoku das ewige Geschaukel entlang der Nordküste der Insel, wobei gefühlt jeder Hügel liebevoll umfahren und jedes Dorf mitgenommen wird. Trotzdem zog es sich irgendwie nicht, denn der Zug war um diese Zeit fast leer, ich war erst mit Essen, dann mit dem Sichten und Sichern der Aufnahmen der letzten Tage gut beschäftigt. Gemütlich schaukelte der Shiokaze-Limited knappe drei Stunden durch die Dunkelheit. Abgesehen von den späteren Fahrten nach und auf Hokkaido war es mit die längste Zugfahrt dieser Reise.

Man kann sich natürlich auch ganz japanisch eine der unzähligen Bento-Boxen genehmigen, die man überall in den Bahnhöfen kaufen kann. Mein Fall wäre es nicht.

Unser Limited Express “Shiokaze” der JR Shikoku von Okayama nach Matsuyama hat seinen Endbahnhof und unser Ziel Matsuyama erreicht.
In Matsuyama waren die Bordsteine dann aber selbst am Bahnhof mal komplett hochgeklappt kurz vor 23 Uhr. Das war wieder ziemlich Provinz hier. Auch die Straßenbahn schien den Betrieb längst eingestellt zu haben, sodass wir die gerade Straße vom Bahnhof bis zur Ecke an der Haltestelle Nishihoribata, mit unserem während der Fahrt gebuchten Hotel, gleich zu Fuß hinunterliefen. Nach dem üblichen unkomplizierten Check-In Prozess waren wir dann schnell auf dem Zimmer: Die gewohnte Standardausstattung mit der größeren Zimmerkategorie – top!
Von unserem Hotelzimmer haben wir bereits einen Premiumblick auf die Straßenbahn von Matsuyama. Heute kommt dort allerdings nichts mehr durch und auch sonst wirkt die Provinzhauptstadt um Mitternacht vollkommen ausgestorben.
War ein langer Tag gewesen und so ging schnell das Licht aus. Morgen haben wir dann den ganzen Fototag für das kleine aber nicht uninteressante Netz von Matsuyama. Erst am Abend geht es mit dem Bus einmal quer über die Insel Shikoku weiter nach Kochi.
