Die nächste Station unserer Reise ist Matsuyama, einer der zwei Straßenbahnbetriebe auf der Insel Shikoku. Für das kleine Netz, mit dem zur Abwechslung recht übersichtlichen Fahrzeugpark, haben wir heute einen Tag Zeit, bevor es einmal quer über die Insel nach Kochi geht.
Die Universitätsstadt Matsuyama ist das Verwaltungszentrum der Präfektur Ehime und mit rund einer halben Million Einwohner die größte Stadt auf der kleinsten der vier japanischen Hauptinseln Shikoku. Zur Übersicht über den Reisefortschritt blende ich an dieser Stelle mal wieder die Karte mit den 17 Straßenbahnstädten des Landes ein.

Übersichtskarte Japans mit den 17 verbliebenen Straßenbahnbetrieben. Wir haben uns inzwischen von den drei Betrieben Kagoshima, Kumamoto und Nagasaki auf der Südinsel Kyushu über Hiroshima auf der größten Hauptinsel Honshu auf die kleinste der vier Hauptinseln Shikoku nach Matsuyama vorgearbeitet. Okayama haben wir auf der Fahrt hierher gestern im Dunkeln bereits angeschnitten. Dorthin geht es dann im Anschluss an Kochi.
Die Geschichte der Straßenbahn in Matsuyama beginnt bereits im Jahr 1895, als die Gesellschaft Dogo Tetsudo eine Verbindung zwischen Dogo Onsen, der Innenstadt und Komachi in 762mm Spurweite errichtete. Diese Gesellschaft wurde 1900 von der Iyotetsu übernommen, die bereits seit 1888 eine erste Eisenbahnstrecke auf Shikoku betrieb. Bis 1911 wurde die Strecke auf 1067mm Kapspur umgebaut und elektrifiziert und bildete damit den Beginn der elektrischen Straßenbahn Matsuyama. Die Iyotetsu ist bis heute Betreiber der Straßenbahn und darüber hinaus auch eines kapspurigen Vorortnetzes mit drei Linien, das die Straßenbahn an zwei Stellen im Stadtgebiet niveaugleich kreuzt.
Das heutige 9,2 km lange Streckennetz beschreibt einen großen, teils eingleisigen Ring, der mit einer Flanke durch die Innenstadt verläuft. Zwei Stichstrecken führen vom Ring zur City Station und nach Dogo Onsen, eine dritte Stichstrecke zweigt im Süden des Rings nach Nord ab, durchmisst das Innere des Rings und endet ohne Gleisverbindung im Norden des Rings. Betrieben werden fünf Linien 1, 2, 3, 5 und 6. Die Linien 1 und 2 sind von der City Station ausgehende, gegenläufige Loop-Linien. Die übrigen Linien bedienen auf unterschiedlichen Destinationen unter Nutzung des Rings die einzelnen Stichstrecken. Eine Übersicht gibt der folgende Linienplan:

Der Fahrzeugpark ist in Matsuyama zur Abwechslung recht übersichtlich. Im Linieneinsatz stehen fünf Baureihen, wobei drei Überreste aus Serien der 50er- und 60er-Jahre sind und zwei Serien moderne Niederflurgroßraumwagen aus den Jahren 2002 bis 2025. Was in Matsuyama komplett fehlt, sind die sonst typischen kantigen Neuaufbauten aus den 80er- und 90er-Jahren.
Moha 50 Series (50-61)
Die Fahrzeuge 50 bis 61 wurden 1951 bis 1957 von Naniwa Koki geliefert. Es handelt sich um klassische Drehgestell-Großraumwagen dieser Zeit. Die unterschiedlichen Lieferlose wiesen geringfügige Unterschiede auf, die hier aber nicht näher thematisiert werden sollen. Im April 2025 standen noch die Fahrzeuge 51 und 54 im Einsatz.

Moha 50 Series (62-78)
Die Fahrzeuge 62 bis 78 wurden zwischen 1960 und 1965 bei Naniwa Koki gebaut. Sie unterschieden sich deutlich durch einen abweichenden Wagenkasten von den vorangegangenen Fahrzeugen. Auch innerhalb der Serie gab es etwa bei der Türausführung kleinere Unterschiede. Direkt springt die komplett abweichende Frontpartie mit der dreigeteilten Frontscheibe mit nun einer großen Mittelscheibe ins Auge. Betriebsfähig sind mit Stand August 2025 wohl noch die fünf Fahrzeuge 70, 75, 76, 77 und 78. Wir trafen im April die Fahrzeuge 75 und 77 im Liniendienst an, wobei beide nach der morgendlichen Rush-Hour aus dem Rennen gingen.

MoHa 2000 Series
Zur MoHa 2000er-Serie zählen fünf 1979 aus Kyoto übernommene, klassische Drehgestell-Vierachser. Von den ursprünglich sechs Fahrzeugen verblieb nur der Wagen 2001 in Kyoto. Die von Matsuyama übernommenen Wagen behielten die Nummern 2002 bis 2006. Die Fahrzeuge wurden 1964 von Naniwa Koki gebaut. Es sind wohl noch alle fünf Fahrzeuge in Matsuyama vorhanden. Wir trafen im Liniendienst nur die Wagen 2002 und 2005 an.

MoHa 2100 Series
Die 2100er-Baureihe waren die ersten Niederflurwagen in Matsuyama und wurden mit den Nummern 2101 bis 2110 von 2002 bis 2007 in Dienst gestellt. Die Großraumwagen vom Typ Little Dancer S wurden von Alna Sharyo (bis 2002 Alna Koki) geliefert.

Moha 5000 Series
Die 5000er Serie ist die Weiterentwicklung des Little Dancer S und wurde erneut von Alna Sharyo ab 2017 geliefert und in bislang 16 Exemplaren mit den Nummern 5001 bis 5016 noch im Jahr 2025 neu in Dienst gestellt.

Botchan Train
Der Botchan Train referenziert an die Anfänge der Iyo Railway aus dem Jahr 1988, als diese mit dem Dampfbetrieb einer 762mm Strecke begann. Nachdem die Takahama Line in den 1930er-Jahren elektrifiziert und umgespurt wurde, endete der Betrieb mit den urigen kleinen Krauss-Maschinen und ihren Wägelchen. Eine Originalmaschine blieb allerdings erhalten und 1977 wurde die erste Replica-Generation noch als Dampfmaschine gebaut und bei verschiedenen Ausstellungen als Tourismusbotschafter für Matsuyama vorgeführt. Einen bis heute anhaltenden Hype erfuhr der “Dotchan Train” durch einen Film aus dem Jahr 1988.
Um die Popularität des Dotchan Trains für den Tourismus in Matsuyama zu nutzen, entstanden ab 2001 zwei weitere Replica-Züge aus jeweils einer Lok (1 und 14) mit zwei Wagen, diesmal allerdings mit Dieselmotor und auf die Kapspur der Straßenbahn Matsuyama angepasst. Der Botchan Train verkehrt regelmäßig am Wochenende nach einem festen Fahrplan. Wir trafen den Zug mit der Lok Nr 14 auf einem eigens errichteten Abstellgleis am Dogo Onsen an.

Mittwoch, 9. April 2025
Wie man eben bei der Vorstellung des Fahrzeugparks gesehen hat, stellen die Altwagen aus den 50er- und 60er-Jahren zahlenmäßig nurmehr eine kleine Randgruppe. Bedeutet auch hier in Matsuyama: Raus zur Frühspitze. Der Weg war dafür nicht weit und das Ziel schon aus unserem Hotelzimmer zwanzig Meter weiter unten zu sehen. Also gegen sieben raus aus den Federn und mit dem Fahrstuhl runter zur Tram gefahren.

Unser Hotelzimmer ist wiedermal günstig gelegen, etwa einen halben Kilometer entfernt von der Matsuyama Station am Abzweig bei der Haltestelle Nishi-Horibata (03). Unten läuft langsam die Rush Hour an und der Little Dancer 5013 geht der Lieblingsbeschäftigung japanischer Straßenbahnen nach: Vor roten Ampeln stehen.

Eine Fahrstuhlfahrt und das Deponieren der Koffer an der Lobby später: Wagen 5003 an fast derselben Stelle vom Nulllevel gesehen. Links unser Hotel, dahinter nach links der Abzweig der Loop Richtung Matsuyama JR Station. Hinter 5003 geradeaus geht die den Ring durchmessende Linie 6 weiter.
Wir verschoben uns nach der ersten Aufnahme an unserem Hotel direkt eine Haltestelle weiter an den Abzweig zur Matsuyama City Station, denn dort würden wir alle Linien im Blick haben. Noch schnell in den 7-Eleven auf der Ecke für einen ersten Kaffee und eine Waffel, dann stellten wir uns sonnentechnisch günstig in den südwestlichen Quadranten des Abzweiges.

Eine Haltestelle weiter dem Ring gefolgt stehen wir dort, wo wir erstmal die Frühspitze auschecken wollten, an der Haltestelle Minami-Horibata (02), an der sich der Abzweig vom Ring zur Matsuyama City Station befindet. Ein Blick auf den Netzplan oben verrät, dass wir hier alle fünf Linien im Blick haben. Schon nach kurzer Zeit rollt erstmals der Grund für das frühe Aufstehen vor der Kulisse unseres Hotels heran, einer der MoHa50-Altwagen. Davor kommt noch der Little Dancer 5016 durch, der als Linie 5 als einziges keinen Abstecher zur City Station macht, sondern geradeaus weiter am Wassergaben der zentralen Parkanlage entlangfährt.

Für Wagen 51 auf der Ringline 2 geht es nach auf den Abzweig zur eine Haltestelle entfernten Endstation an der City Station. Die beiden gegenläufigen Ringlinien 2 und 3 machen hier beide diesen Abstecher und fahren anschließend in ihrer ursprünglichen Richtung auf dem Ring weiter.

So war damit zu rechnen, dass der Wagen 51 alsbald wieder von der City Station zurückkäme und gegen den Uhrzeigersinn auf dem Ring weiterfahren würde. Rund zehn Minuten dauerte der Abstecher, bevor der Wagen unter den aufmerksamen Blicken der Verkehrswächterin wieder auf den Ring einbog.

Unterdessen war mit Wagen 75 ein Vertreter der nächsten Altbauserie geradeaus als Linie 5 Richtung JR Station über die Kreuzung gerumpelt und kam wenig später zurück Richtung Dogo Onsen. Glücklicherweise hat man sich auf diesem zentralen Dreieck, bei dem alle Relationen im Planbetrieb befahren werden, nicht wieder irgendwelche Fahrtrelationen in der Gleisgeometrie gespart. Das wäre beim dichten Takt der fünf Linien in der Rush Hour wohl im kompletten Chaos ausgeartet.
Unterdessen hatten wir auch den Wagen 2002 gesichtet, womit von allen drei Altbauserien Fahrzeuge im Einsatz standen. Das war doch mal sehr erfreulich. Nachdem damit auch schon die Fahrzeugaufnahmen aller Bauserien im Kasten waren, war die halbe Miete eigentlich schon eingefahren und wir konnten uns direkt der Netzerkundung widmen. Wir liefen daher einfach mal den Ring an der Innenstadtstecke entlang, vorbei an der City Hall und dem Verwaltungsgebäude der Präfektur Ehime. Ersteres ließ sich zwar nicht mit der Tram darstellen und war auch eher die Standard-Architektur, dafür fand sich mit einer Sitzbank der Partnerstadt Freiburg ein nettes Detail auf dem kleinen Platz vor der City Hall.
Vor dem durchaus repräsentativen Gebäude der Präfekturverwaltung sprach mich am Fußweg dann plötzlich jemand an und fragte, was ich hier fotografierte. Dazu sei bemerkt, dass wir uns zumindest was den internationalen Tourismus anbelangt, hier in Matsuyama in der absoluten Provinz befinden und folglich als Europäer direkt auffielen. Der inländische Tourismus ist hier aber durchaus rege rund um die große Burganlage und das Viertel am Dogo Onsen, besonders natürlich jetzt zur Kirschblüte.
Der freundliche Herr stellte sich als Tourismus-Direktor der Stadt vor und überreichte sogleich eine Visitenkarte – ich solle mich doch bei Fragen einfach melden. Sicherlich ein Fauxpas, dass ich im Austausch keine Visitenkarte vorzuweisen hatte, vielleicht sollte ich mir mal welche drucken 😀 Ich erklärte ihm unser Interesse an den alten Straßenbahnen, die hier am Morgen noch unterwegs sind und das es so etwas in Deutschland kaum bis gar nicht mehr gäbe. Kurz schilderte ich, woher aus Deutschland wir kämen. Er selbst war natürlich schon mehrmals in Freiburg gewesen.
Es war vielleicht ein zwei- bis dreiminütige nette Unterhaltung, aber schon das war irgendwie etwas Besonderes. Man kann ja durchaus wochenlang durch dieses Land reisen, ohne bei der zurückgenommenen bis reservierten Haltung der Einheimischen mit irgendjemandem zu sprechen, abgesehen von der 7-Eleven-Kasse und dem Hotel-Checkin mit den immergleichen, ritualisierten Handlungen und Höflichkeitsfloskeln. Wirklich offen und mit richtigem Interesse auf der Straße von jemandem angesprochen zu werden, kommt extrem selten vor, wenn man auch selbst nicht die Initiative ergreift. Das soll nicht bewertend sein, es war einfach nur unsere Wahrnehmung in drei Wochen Reise durch das Land. Vermutlich stellt auch die Sprachbarriere in Kombination mit der Angst, schlechtes Englisch an den Tag zu legen, ein zusätzliches Hemmnis dar. In anderen Ländern wird man halt einfach auf der Landessprache angequatscht, wechselt ins Englische oder irgendeinen sprachlichen Mischmasch mit wilden Ergänzungen durch Zeichensprache.
War zumindest ein schöner Moment, allerdings musste ich alsbald wieder ans Werk, als die nächsten orangen Altwagen nahten und der nette Tourismus-Direktor war höchstwahrscheinlich auch nicht einfach so auf der Straße, um europäische Touristen in Gespräche zu verwickeln.

Freiburg im Breisgau grüßt Matsuyama. Partnerstädte seit 1988.

Vor der Präfekturverwaltung treffen sich an der Haltestelle Ehime Prefecture Office (20) die Altwagen 54 und 2002 auf den Linien 3 und 1. Mit 2002 dann auch die dritte Altwagenserie von Matsuyama.

Auf dem zentralen Bulevard zwischen den Haltestellen Ehime Prefecure Office (20) und Katsuyamacho (18) bietet sich durchaus etwas interessante Auflockerung in der Bebauung. Wagen 51 fährt hinter der Haltestelle Okaido (19) schon wieder die nächste Runde auf der Linie 3 Richtung Dogo Onsen – weit ist das hier alles mal wieder nicht…

Auch Wagen 75 hat schon wieder eine komplette Tour auf der Linie 5 absolviert und erreicht Richtung Dogo Onsen die Haltestelle Katsuyamacho (18).
Der heutige Morgen war dann doch ein recht zäher Fußmarsch, aber bevor die Frühspitze nicht zu Ende war, wollten wir uns auch nirgends auf ein Frühstück hineinsetzen. Die Aufnahmen mögen etwas täuschen, da ich gerade bewusst die Aufnahmen der Altwagen zeige, aber den Löwenanteil am Auslauf stellen inzwischen ganz klar die beiden Niederflurserien und nach unserem Wissensstand war durchaus unklar, ob nach der HVZ überhaupt noch was Altes auf Linie bleiben würde. So schleppten wir uns letztlich noch eine weitere Stunde die Strecke hinunter, folgten zunächst weiter dem Ring bis zum Abzweig an der Haltestelle Kamiichiman (16) und anschließend der Stichstrecke zum Dogo Onsen (24). Dort war dann um kurz nach zehn auch klar, dass die Rush Hour nun durch war, denn drei der eben noch eingesetzten Altwagen waren inzwischen hinter der Endstation abgestellt.

Wagen 51 ist noch immer auf der Linie 3 und erreicht auf dem Weg vom Dogo Onsen (24) zur Matsuyama City Station (01) die Haltestelle Katsuyamacho (18).

Wir folgen dem Ring weiter Richtung Abzweig an der Haltestelle Kamiichiman (16). Unterwegs passiert Wagen 2103 unweit der Haltestelle Keisatsusho-Mae / Police Station (17) einen Tempel.

Wir sind nun am Abzweig vorbei und verlassen mit den Linien 3 und 5 den Ring in Richtung Dogo Onsen. Auf der kurzen Linie 3 dauert es nie lang, bis Wagen 51 wieder des Weges kommt, diesmal in Richtung Dogo Onsen hinter der Haltestelle Minamimachi (22).

Auf der Linie 5 folgt kurz vor der Haltestelle Dogo Park (23) Wagen 5016 Richtung Dogo Onsen. Der kreisrunde, von einem Wassergraben umgebene Park erstreckt sich in unserem Rücken.

Die Strecke dreht vor dem Park in einem weiten Bogen um 90 Grad ab und erreicht an der nächsten Haltestelle die Endstation Dogo Onsen (24). Von dort kommt Wagen 51 auf der nächsten Fahrt als Linie 3 zu City Station durch. Damit schien auch klar zu sein, dass zumindest dieser Altwagen wohl den Tag über auf Linie bleiben würde.

Kurz vor der Endstation Dogo Onsen (24) passiert uns Wagen 2103. Der Eingang in die Shoutengai des bekannten Viertels ist im Hintergrund bereits zu sehen.

Ungewöhnlich großzügig ist die Endstation am Dogo Onsen ausgeführt, mit großem Empfangsgebäude, zwei Bahnsteiggleisen und weiteren Abstellanlagen dahinter. Wagen 5001 rollt in die Endstation ein.

Von der zweigleisigen Abstellanlage zweigt ein weiteres Gleis auf den Bahnhofsvorplatz ab, auf dem einer der zwei Botchan Trains auf seinen nächsten Einsatz wartet. So eine Abstellung ungeschützt in aller Öffentlichkeit wäre bei uns wohl undenkbar, hier wiederum scheint es undenkbar, dass Kulturgut Vandalismus zum Opfer fällt.

Ein Blick in die Abstellanlage hinter der Endstation darf natürlich auch noch sein. Alle drei Fahrzeuge 75, 54 und 2002 standen eben zur morgendlichen Rush-Hour noch im Einsatz.
Morgenlicht verbraucht, Rush Hour durch – höchste Zeit für ein verspätetes Frühstück. Wir schlenderten auf der Suche etwas durch die Shoutengai des Viertels. Auffällig war dabei direkt eine Besonderheit von Matsuyama, die auch vollumfänglich vermarktet wird: Orangen. Das Umland von Matsuyama eignet sich scheinbar hervorragend für den Anbau von Zitrusfrüchten und hat der Stadt auch darüber einiges an Bekanntheit gebracht. Besonders auffällig ist das in den touristischen Shoutengai von Dogo Onsen. In vielen Läden gibt es Produkte mit Spuren von Orangen in allen Verarbeitungsformen. Auch ein Laden, in dem unzählige verschiedene Zitrussäfte aus Hähnen gezapft und probiert werden können, findet sich. Wir gönnten uns den Spaß am Rückweg einmal und zapften uns ein Tablet Orangensaft-Shots zu Touristenpreisen. Zuvor hatten wir, vorbei am historischen öffentlichen Bad, dem Dogo Onsen Honkan, eine feine kleine Bäckerei mit Sitzbereich aufgetrieben. Dort luden wir uns erstmal ein Tablet voll und zogen Kaffees, die es hier leider nur abgefüllt in kalt und heiß wie aus den Straßenautomaten gab. Dafür gehörte der Laden zu keiner der großen Ketten und das Gebäck wurde wirklich noch handwerklich in der offen einsehbaren Backstube hergestellt, mit den ganzen Tag über wechselnden Auslagen. Super abwechslungsreich, frisch und lecker.

Auf dem Rückweg vom Frühstück gab es in den Shoutengai von Dogo noch eine Reihe Orangenshots aus dem Hahn. Natürlich Touristenkitsch pur, aber die Japaner stehen auf alles was für uns nach Kitsch aussieht und wir gönnten uns den Spaß auch mal.
Zurück am Bahnhof Dogo Onsen galt es nun zunächst zwei organisatorische Punkte zu klären: Erstens brauchten wir eine Tageskarte und zweitens ein Busticket für heute Abend nach Kochi. Für beides schien uns die JR Station ein vielversprechender Anlaufpunkt. Die erst- und letztmalige Wahl für den Bus auf dieser Reise war hier recht früh gefallen, denn mit der Bahn einmal quer über Shikoku zu kommen, ist wirklich mühsam. Die muss quasi die ganze Strecke entlang der Nordküste von gestern Abend wieder zurück, um dann von der Yosan-Line auf die Dosan-Line Richtung Süden zu gelangen, die ebenso kurvenreich trassiert, einmal quer durch die Berge über die Insel führt. Letztere würden wir auf dem Weg zurück von Kochi nach Okayama dann eh noch fahren, da wäre es dann der direkte Weg und bei Tag. Der Bus hingegen kann ein ganzes Stück eher von der Nordküste Richtung Süden abzweigen und den Highway Richtung Kochi nehmen, wodurch die Fahrt nur knappe drei Stunden, statt guten vier mit der Bahn dauern sollte. Zum Bahnhof lösten wir erstmal eine Einzelfahrt und kamen so in den Genuss einen der Geldwechsler in der Bahn nutzen zu dürfen.
Der Automat, der sich ähnlich in fast allen japanischen Straßenbahnwagen am Ausstieg befindet. Verschiedene Chipkarten lassen sich hier validieren, oder eben mit Bargeld zahlen. Der Gerade in Fahrtrichtung an der hinteren Tür liegende Automat wird natürlich nicht zum Aussteigen benötigt, sodass hier dann Geld gewechselt werden kann, um beim Aussteigen vorn beim Fahrer direkt passend bezahlen zu können. Das passende Fahrtgeld wird unter den Augen des Fahrers einfach in die kleine Kiste auf dem Automaten geschmissen, die hier mit den roten Aufdrucken versehen und am hinteren Automaten abgedeckt ist.
An der JR Station begann dann eine kleine Rally. Zunächst mal war der ganze Komplex gerade noch ein wenig im Umbau. Das neue Bahnhofsgebäude mit kleiner Mall und neuen Gleisen war bereits in Betrieb, der alte Bahnhof samt Gleisen lag aber irgendwie noch leicht unmotiviert zwischen dem Bahnhofsvorplatz und dem neuen Bahnhof und musste über provisorische Wege durchquert werden. Im Bahnhof schickte man uns von der Information dann zunächst zum JR-Schalter, und dann weiter zum Automaten von Highway Bus, der sich wiederum in einer keinen Hütte auf dem Vorplatz befand – das wäre einfacher gegangen…
Am Automaten war es dafür dann einfach, denn der sprach Englisch und war soweit verständlich. Die Tickets wurden obligatorisch mit Sitzplatzreservierung verkauft und diese konnten platzgenau ausgewählt werden, wobei so viel Platz gar nicht mehr war. Gut, dass wir noch zwei bekommen hatten, sonst wären es doch die vier Stunden Bahnfahrt geworden.
Das Thema mit der Tageskarte war weniger erfolgreich. Wir fuhren daher mal zur City Station der Iyotetsu hinüber, die ja auch die Straßenbahn betreibt.

Der Highway Bus vor der JR Station in Matsuyama. Nach Kochi die deutlich schnellere Option, sodass wir uns in rund 6 1/2 Stunden wieder hier einfinden würden.

Auf der Straße vor der JR Station (05) verläuft die Loop-Line mit den Ringlinien 1 und 2 und der hier endenden Linie 5. Der gesamte Nordwestbogen von hier zum Abzweig zum Dogo Onsen, also rund die Hälfte der Loop, ist eingleisig mit Ausweichen trassiert.

Von der JR Station (05) zur City Station (01) geht es ohne Umsteigen nur mit der Linie 1, außer man möchte den Ring einmal fast komplett anders herum mit der Linie 2 fahren. Auch an der City Station wurde mächtig gebaut, in diesem Fall aber nicht am Bahnhof selbst, sondern an der Straßenbahnstation, die als Ersatzneubau wenige Meter neben der alten Endstation einmal komplett neu entsteht. Noch war die alte Anlage in Betrieb, an der sich gerade die Wagen 5006 und 5016 treffen.

Die Endstation hat zwar mal zwei Gleise, das hilft aber wenig, wenn man nur einen einfachen Gleiswechsel verbaut. So ist beim Wenden von vier Linien im 5- bis 15-Minuten-Takt Eile geboten. Außerplanmäßig pausieren geht nur mit anschließendem Zurücksetzen in das zweite Gleis. Wagen 5011 setzt als Linie 2 an den Abfahrtsbahnsteig vor.
Der Tageskartenkauf scheiterte auch an der City Station. Es gab zwar ein Reisezentrum der Iyotetsu, die dortige Schlange bewegte sich aber quasi nicht und andere Vertriebskanäle sahen wir auch nicht, die Automaten schienen allesamt nur Tickets für die Bahnlinien zu verkaufen. Auch einen englischen Online-Vetriebsweg konnten wir nicht ausmachen. Da wir keine Lust hatten, weitere Zeit darauf zu verschwenden, gaben wir es schließlich auf und würden uns den restlichen Tag weiterhin mit Einzelfahrten durchschlagen. Bisschen nervig schon, aber die verlorene Zeit wäre die monetäre Ersparnis einfach nicht wert. Letzte Option wäre vielleicht noch der Fahrer gewesen, aber dass die bei vielen Betrieben direkt Tageskarten ausstellten, wurde uns erst später auf der Reise klar.
Ohne Tageskarte wurden also weiterhin die kürzeren Wege zu Fuß zurückgelegt. So liefen wir zunächst die eine Station zurück bis zum Abzweig der Strecke zur City Station von der Loop-Line und dann wie schon heute Morgen die Loop herum bis zum Präfekturgebäude.

Nach der Rush Hour waren nur noch zwei Altwagen auf Linie, Wagen 51 weiterhin auf der 3 und Wagen 2002 auf der Loop Line 1. Den Abstecher zur City Station durften somit beide fahren und trafen sich genau am Abzweig vom Ring an der Haltestelle Minami-Horibata (02).

Das Verwaltungsgebäude der Präfektur Ehime vor dem Hügel mit dem Matsuyama Castle war inzwischen perfekt im Licht, sodass hier an der Ecke zwischen den Haltestellen City Hall und Ehime Prefecture Office einige Perspektiven umgesetzt wurden. Mit den vielen Autos durchaus eine Geduldsprobe und ein Fall für Dauerfeuer und hinterher schauen, wo es halbwegs gepasst hat. Wagen 2102 biegt hier vor dem Verwaltungssitz zur danach benannten Haltestelle ab.

In der Flucht der Haltestelle City Hall liegt das Matsuyama Castle, sodass vor diesem ikonischen Motiv noch einmal auf den Wagen 51 gewartet wurde, der bei erfreulich wenig Straßenverkehr daherkam. Manch einer nutzte die Lücke im Verkehr auch gleich noch aus, um schnell von der Haltestelleninsel über die Straße zu huschen. Entschuldigung! Wir sind hier in Japan! Schön die Ampel am anderen Ende der Haltestelleninsel mit gefühlt 2 Minuten Wartezeit nutzen bitteschön!
Im Grunde hatten wir jetzt am frühen Nachmittag schon ordentlich was weggeschafft. Das frühe Aufstehen hatte sich definitiv ausgezahlt, zumal nun kaum noch Altwagen unterwegs waren. Was noch auf dem Zettel stand, war nicht mehr so viel: Das Bahnhofsgebäude Dogo Onsen nochmal passend im Licht, einmal den eingleisigen Abschnitt der Loop herum und noch die niveaugleiche Kreuzung mit der Vorortbahn unweit der JR Station.
Zeit genug also, noch ein wenig “Kultur” einzubauen, sodass wir beschlossen, das kurze Stück zum Matsuyama Castle hinauf zu laufen. Auf die Seilbahn kann man gut verzichten. Der Hügel sieht gewaltiger aus, als er ist und so waren es kaum 60 Höhenmeter und nur eine knappe Viertelstunde Fußweg durch den angenehm schattigen Wald bis hinauf zur Burg. Und der Besuch sollte sich wirklich lohnen, war die Kirschblüte hier doch gerade so prächtig wie nur möglich und bot zusammen mit den verschiedenen Bauten und Mauern der Burganlage eine tolle Kulisse. Auch der Blick durch die Kirschblüten hinab auf die Häuserwüste von Matsuyama war nicht zu verachten. Es war zwar einiges an Inlandstourismus los, hielt sich aber doch in angenehmen Grenzen, bedenkt man, dass jetzt quasi Hochsaison ist. Europäische oder Nordamerikanische Gesichter sah man nur sehr vereinzelt.

Wir sind den Hügel hinaufgelaufen und stehen an den Mauern des Matsuyama Castle.

Blick hinab auf das Häusermeer von Matsuyama. Es wäre keine japanische Großstadt, wenn nicht irgendwo ein Riesenrad stünde.

Wie immer begrenzen dicht bewaldete Hänge das Stadtgebiet auf drei Seiten, das Meer auf der Vierten. Die Innenstadt ist aber ein ganzes Stück vom Meer weggerückt in Richtung der Berghänge – hinter dem Dogo Onsen geht es quasi direkt in die Hügel. Nur dieser Innenstadtbereich rund um den Hügel des Castles wird von dem kleinen Straßenbahnnetz erschlossen, den Rest übernehmen die Vorortlinien der Iyotetsu, der Busverkehr und die JR-Linie.

Blick von der Festungsmauer auf Matsuyama.

Ein Baum wie ein Kunstwerk im Shiroyama Park vor dem eigentlichen Haupteingang des Castles.

Hinter dem Park geht es dann in den Kern des Castles hinein, ab dort dann auch gegen Bezahlung.

Blütenpracht vor dem Matsuyama Castle.
Ins Innere der Burg mussten wir dann nicht unbedingt hinein, denn ein bisschen Programm bei der Straßenbahn hatten wir ja doch noch. Wir hatten auch so einen schönen Eindruck gewinnen können. Wir zogen uns aus einer ganzen Batterie an Automaten noch zwei Kaltgetränke und traten dann den Weg hinab an.
Wir wählten nun einen östlichen Abgang von dem Berg des Castles, der uns an der Haltestelle Keisatsusho-Mae rausbringen sollte und damit direkt am Weg zum Dogo Onsen. Dabei kreuzten wir auch die Seilbahn, die aktuell aber außer Betrieb schien. Daneben war allerdings ein Sessellift, der wie so manche Relikte bei den Straßenbahnen vollkommen aus der Zeit gefallen wirkte. Das waren einfach völlig ungesicherte, vergilbte offene Einzelsitze an einer Stange, die gleichzeitig dem Festhalten diente. Das Ganze auch unglaublich langsam, sodass man mindestens bergab das Tempo locker hätte halten können. Mit in der Luft baumelnden Füßen, eine Hand neben sich an der Haltestange, ließ sich ein älterer Herr so seelenruhig zum Castle hinaufbefördern. War der echt, oder eine Wachsfigur. Einfach eine geniale Szenerie 😀
Wie bestellt kam dann Richtung Dogo Onsen mal wieder der 51 auf der Linie 3 des Weges, sodass wir eine unserer wenigen Mitfahrten in Matsuyama noch stilecht in einem holzbeplankten Altwagen genießen konnten. Diese Mitfahrt soll natürlich auch hier bildlich und im Video voll ausgekostet werden.

Blick durch das dichte Baumwerk am Abstieg vom Castle. Das Gebäude mit Turm und Kreuz an der Spitze, haben wir am Morgen schon mit der Straßenbahn umgesetzt.

Die Alternative zum kurzen Spaziergang ist dieser Sessellift aus vergangenen Tagen.

Es hat uns an der Haltestelle Keisatsusho Mae / Police Office (17) wieder an die Straßenbahn gespült, nur eine Haltestelle entfernt vom Abzweig nach Dogo Onsen. Gleich vier MoHa 5000 tummeln sich auf dieser Aufnahme. 5001 als Linie 5, 5007 auf Linie 3 und eine Linie 1 kommen auf uns zu, während eine Linie 2 gerade auf der Loop von uns weg um die Ecke biegt.

Im Innern des 51 wird das orangenlastige Marketing- und Farbkonzept der Stadt nahtlos fortgesetzt. Fliegen mir halt nicht nur die Halteringe und Plakate um die Ohren, sondern auch gleich noch ganze Orangen 😀

Auch in Matsuyama sind die Altwagen von einer gewissen Einfachheit geprägt. Das Modernste sind in der Regel mit Abstand die kombinierten Fahrkarten- und Wechselautomaten.
Mitfahrt im Wagen 51 auf der Linie 3 zwischen Minamimachi (22) und Dogo Onsen (24).

Die vielen Besucher nach Dogo Onsen haben den Wagen an der Endstation fast verlassen. Bei der bekannt langsamen Prozedur bleibt aber genug Zeit, sich ganz ans Ende der Austeigerschlange zu stellen und einen Blick zurück in den Wagen zu werfen. Mit noch holzbeplanktem Fußboden und abgesehen vom Fahrkartenautomat hinter dem Fahrerstand kaum Anzeichen der Moderne, war dies einer der ursprünglichsten Wagen, mit denen wir in Japan gefahren sind. Der Erhaltungszustand war dabei durchaus bemerkenswert, da gab es bei den Fahrzeugen aus den 50ern bei anderen Betrieben auch durchaus mal recht heruntergerockte Exemplare – ohne (Negativ)beispiele nennen zu wollen… *hust* Toyama, Takaoka *hust*

Für die Aufnahme am prächtigen Empfangsgebäude Dogo Onsen waren wir extra noch einmal hierher zurückgefahren. Passend, das dann gerade der 51 an der Reihe war. Auch unter der Normalbevölkerung genießt die Straßenbahn in Japan viel größeres Interesse, als das bei uns der Fall ist. Da fällt man oft nur auf, weil man mit der großen Kamera fotografiert und nicht mit dem Smartphone (und natürlich, weil man Europäer ist…).
Wir drehten noch einmal unsere Runde von heute Morgen, diesmal aber unter Auslassung der Shoutengai, um noch einen Blick auf den Dogo Onsen selbst zu werfen und um “zufällig” noch einmal auf ein Mittagessen an unserem Bäcker vorbeizukommen. Die Auslagen hatten sich inzwischen von süß weitgehend zu herzhaft und einigen Restposten gewandelt. Es fanden sich wieder vorzügliche Teilchen, bevor wir das Restprogramm für den Nachmittag starteten: den eingleisigen Nordwestbogen der Loop-Line.

Das große öffentliche Bad Dōgo-Onsen Honkan, ein dreistöckiger Holzbau aus dem Jahr 1894. Mit einer über eintausendjährigen Geschichte ist Dogo Onsen eines der ältesten Termalbäder Japans und landesweit bekannt.
Wir genehmigten uns im Anschluss an das Nachmittagsessen und einen kurzen Getränkestopp in der Lawson Station eine Einzelfahrt bis zurück zum Abzweig von der Loop-Line. Zwar nicht wirklich weit und mit der Bahn mitten auf der Straße wiedermal kaum schneller, aber das Stück war doch recht zäh zu laufen gewesen am Morgen. Anschließend liefen wir fast die Hälfte des eingleisigen Nordostbogens der Loop zu Fuß ab, bis zur Haltestelle Hommachi 6 (29), an der die Linie 6 ohne Gleisverbindung orthogonal zur Loop-Line endet. Die Loop selbst ist in diesem Abschnitt auf eigenem Bahnkörper mit Schrankenanlagen trassiert und kommt dadurch ungewohnt schnell voran, muss durch den dichten Takt der gegenläufigen Ringlinien an den Kreuzungen aber oft auf die Gegenbahn warten, da ein sauberer Takt durch die Straßenabschnitte auf der anderen Hälfte der Loop nur selten zustande kommt. Insgesamt bot die Strecke mit der eigenen Trasse neben kleinen Sträßchen und durchmischter Bebauung aber eine willkommene Abwechslung zum sonstigen Verlauf auf den breiten Straßen und Bulevards. Hier durch die beschaulichen Nebenstraßen durch das Alltagsleben der gemütlichen Wohnviertel zu streifen, war wirklich super.

Wir laufen gegen den Uhrzeigersinn entlang der Nordseite der Loop-Line und befinden uns kurz hinter der ersten Haltestelle nach dem Abzweig Heiwadori 1 (15). Hier geht es wiedermal eng zu und die Linie sucht sich ihren Weg durch die etwas wilde Bebauung.

Die erste Ausweiche Teppocho (13) ist erreicht und 2002 wartet als Linie 1 im Uhrzeigersinn auf die Linie 2 in Gegenrichtung.

An der Haltestelle Shimizumachi (12) findet sich augenscheinlich mal wieder eine kleine Tempelanlage. 5013 ist auf der Loop als Linie 1 im Uhrzeigersinn unterwegs.

Gegen den Uhrzeigersinn als Linie 2 fährt mir 2108 zwischen den Stationen Shimizumachi (23) und Takasagocho (11) ins Bild.

Liebevoll gepflegte und jetzt im Frühling wunderbar blühende Rabatten finden sich auf jedem Quadratmeter, den der Beton nicht erobert hat.

Aber auch für japanische Verhältnisse regelrecht rumpelige Hinterhöfe gibt es. Es sind wiedermal die Kontraste, die dieses Land ausmachen. Die einzige Linie die sich durchzieht ist, dass in den Städten jeder Quadratmeter irgendwie genutzt wird.

Wir sind an der Haltestelle Hommachi 6 (09) angelangt, an der die Strecke einen breiten Bulevard kreuzt. Auf diesem endet im rechten Winkel auf der rechten Seite die Linie 6 an der gleichnamigen, aber mit der Nummer 29 versehenen Haltestelle. Die Linie 6 durchquert das Innere der Loop schnurgerade von der Haltestelle Hommachi 1 aus, immer mittig auf diesem Bulevard. Auch der Grund, warum wir diese Strecke als einzige außen vorließen, denn es dürfte größtenteils das übliche Straßenbild sein. Jetzt am Nachmittag war da durch die Schatten eh nicht mehr viel zu reißen. Auf der Loop Line kommt 2109 gegen den Uhrzeigersinn durch.
Die Westseite der Loop bereisten wir dann anschließend mittels zweier Einzelfahrten, in einer ersten Etappe bis zum Bahnhof Komachi (07), in einer zweiten weiter bis zur JR Station (05), von der wir zur Haltestelle Otemachi (04) weiterliefen. Am Bahnhof Komachi trifft die Straßenbahn auf das ebenfalls kapspurige Vorortnetz der Iyotetsu, an das auch an der City Station Übergang besteht. In Komachi treffen beide allerdings in einem Bahnhof aufeinander und kreuzen sich im Anschluss niveaugleich. Die Strecke der Vorortbahn schneidet kurz das Innere der Loop und kreuzt diese an der Station Otemachi erneut auf dem Weg zur City Station, während die Straßenbahn den Schwenk über die JR Station mitnimmt. Ebenfalls am Bahnhof Komachi findet sich das einzige Depot der Straßenbahn.

Vom Hochbahnsteig der Vorortbahn lässt sich die Einfahrt der Straßenbahn in den Bahnhof Komachi (07) neben dem Depot festhalten. Da wir dem 2002 ein ganzes Stück entgegengekommen sind, begegnen wir ihm schon knappe 40 Minuten nach der letzten Aufnahme erneut.

Die noch bis 2025 ausgelieferten Niederflurwagen vom Typ MoHa 5000 dominieren gemeinsam mit den MoHa 2100 inzwischen eindeutig den Auslauf der Straßenbahn. Abseits der Rush-Hour sind selbst zahlreiche Niederflurwagen überzählig. Abhängig vom Schadbestand und der Einsatzstabilität, dürften die Niederflurwagen inzwischen wohl für den Betrieb ausreichen, wenn alle MoHa 5000 in Betrieb genommen sind. Dennoch ist es in Japan nicht auszuschließen, dass einige der Altwagen weiterhin im Bestand bleiben, von denen neben den drei nach der Rush Hour am Dogo Onsen geparkten Fahrzeugen, auch hier am Depot eine ganze Reihe herumstand.

Auch auf der Vorortbahn herrscht recht dichter Betrieb und wir sahen alle drei derzeit eingesetzten Fahrzeuggenerationen. Die neuesten 2025 gelieferten Fahrzeuge der 7000er-Serie schienen noch nicht im Einsatz. Hier fährt ein Zug der 3000er-Serie am anderen Kopf von Komachi in den Bahnhof ein. Die ab 2009 von der Iyotetsu eingesetzten Gebrauchtwagen sind auch nicht mehr ganz taufrisch. Rechts die Gleise der Straßenbahn, die in unserem Rücken die Vorortbahn niveaugleich kreuzen. Auch der Fußgängerüberweg kam hier ohne Unterführung oder Brücke aus.

Wir sind weitergefahren zur Haltestelle Otemachiekimae (04), an der die Vorortbahn erneut kreuzt, auf ihrem Weg durch die Häuserschluchten zur City Station. Der Haltestellenname verrät, dass auch die Vorortbahn hier eine Station hat. Diese liegt auf der rechten Seite in die Häuserschlucht gequetscht. MoHa 2105 überquert die Kreuzung als Ringlinie 2 zur City Station.

Wir hingen eine ganze Weile an dieser nicht alltäglichen Stelle herum. Nicht alle Bahnen der Vorortbahn halten am Haltepunkt Otemachi. 3301 hat aber einen kurzen Stopp eingelegt und dadurch einen kleinen Stau auf der Straße verursacht. Während die Autos Schranken haben, muss der Fahrer von Wagen 5013 auf der Linie 1 auf die Lichtsignale achten, um dem schweren Vorortzug nicht in die Quere zu kommen.

Während wir die eine Haltestelle zum Hotel weiterschlendern, fällt der Blick noch einmal zurück auf die etwas surreale Szene eines schweren Triebwagens mitten auf der Straße in der Stadt.
Das war es auch schon mit Matsuyama, aber wir konnten einen dicken Haken hinter setzen. Das war wirklich ein toller Tag an diesem Betrieb und dieser Stadt, die ich im Vorhinein gleichermaßen etwas unterschätzt hatte.
Uns stand nun noch die dreistündige Busfahrt einmal quer über die Insel hinüber nach Kochi bevor. Dafür holten wir zunächst die Koffer aus dem Hotel und zogen dann wieder zurück zur JR Station, von der unser Highway Bus um 18:30 ablegen sollte. “Zufällig” blieb wiedermal noch Zeit für einen Kaffee im Bahnhof und den Einkauf eines Abendessens, dass heute dann statt im Zug, im Bus verspeist werden sollte. Macht bei den begrenzt langen und vor allem früh endenden Tagen eben doch hin und wieder Sinn, am Abend ein paar Stunden im Dunkeln noch zur Weiterfahrt an den nächsten Ort zu nutzen. Und irgendwie ist es auch gar nicht so schlimm, nicht jeden Abend auf Restaurant- oder Imbisssuche zu gehen, sondern sich einfach mal im Bäcker und 7-Eleven etwas wegzuholen für eine mobile Mahlzeit im Zug (oder Bus). Zumal das Essen im Zug dann wieder vollkommen normal ist in Japan, man sitzt ja schließlich.
Als die Abfahrt näher rückte, zogen wir mal zur Haltestelle auf dem Vorplatz, doch der Bus war noch immer nicht da. Als ich dann nach einem kurzen Toilettengang wiederkam, stand er aber doch schon da und war mit dem Beladen sogar schon fertig. Ich war aber immer noch überpünktlich und so musste der Fahrer den Gepäckraum eben noch einmal öffnen, was er natürlich ohne einen Anflug von Murren tat und uns anschließend auf unsere reservierten Plätze auf der Hinterachse einließ. Zwischen den Sitzen war sogar eine kleine Gardine gespannt, was dann irgendwie schon etwas affig wirkte. Gibts ja in den Zügen auch nicht zwischen den 2er und 3er-Sitzen. Aber gut, stören tat es auch nicht, sah man sich halt für drei Stunden nicht 😀
Die erste halbe Stunde brauchte der Bus gefühlt schon, um sich elendig langsam, wie man es auch von der Straßenbahn kennt, durch die Stadt zu schieben. Der musste nämlich auch nochmal zur City Station rüber, um dort die restlichen Fahrgäste aufzusammeln. Dann ging es irgendwann auf den Highway, den wir nur einmal unterwegs für einen Zwischenhalt an einem Busbahnhof fast direkt am Highway noch einmal kurz verließen. Podcast auf die Ohren, Dösen, Abendessen, Bilder sichten. Irgendwie vergehen solche Fahrten auf Reisen, auf denen man tagelang nur auf Achse ist und kaum zu etwas anderem kommt, immer recht schnell. So rauschte die Fahrt über den holprigen Highway dahin. Das schien eine Betonplattenpiste vom Feinsten zu sein, so wie der trotz weicher Reisebusdämpfung über die Schwellen polterte.
Den Bahnhof Kochi erreichten wir am Busbahnhof am Hintereingang – natürlich auch mit dem Highway Bus auf die Minuten pünktlich – um kurz nach 21 Uhr. Kurz orientiert und dann einmal durch den Bahnhof, denn das Hotel hatte ich eben während der Fahrt auf der Vorderseite gebucht. Dort wurden drei überlebensgroße Samurai angestrahlt, auf der Straßenbahn war gerade aber kein Betrieb mehr auszumachen. So ging es direkt rüber ins Hotel und da wir das Essen schon erledigt hatten, war auch sonst nichts mehr anzustellen nach diesem langen Tag.

Am Bahnhofsvorplatz von Kochi stehen die drei Tosa Samuarai.
Morgen wird’s dann wieder sehr spannend, denn Kochi ist noch mehr als Nagasaki eine absolute Altwagenhochburg. Hier stammt, abgesehen von vier Niederflurwagen und drei Neuaufbauten, alles aus den 50er- und frühen 60er-Jahren. Lebendes Museum vom Feinsten… Davon dann aber in den nächsten 1 1/2 Tagen dieser Reise mehr.

Auch ein schöner Bericht aus Japan. Dieses Orange sieht ja ganz schick aus, auch wenn ich damit in Deutschland eher Arbeitsfahrzeuge assoziiere. Aber gut, dort paßt es ja auch. Diese Niederflurwagen der ersten Generation sehen ja auch ulkig aus – eher wie aus einem Computerspiel, wo viele Designer sich eher weniger um ein realistisches Aussehen von Nahverkehrsfahrzeugen scheren, aber hiermit wäre das ja sogar echt 😉 .
Moin,
die ganze Berrichtsreihe ist verdammt Spannend und gut und Hilfreich erzählt. Hilfreich vor allem weil ich im September nun selbst alle der bisher beschriebenen Betriebe selbst besucht habe (nur für Harodate und Sapporo hat es nicht mehr gereicht).
Matsujama habe ich an einem Sonnabend besucht. Nachteil Linie 6 war gar nicht in Betrieb und hat eh nur sehr wenige Abfahrten Morgens und Mittags -im Winter auch Sonnabends… Dafür fuhr der Bochan Train wie abgebildet mit Lok 14 und einem Wagen -zum Treuren Sondertarif versteht sich.. U.a auch zum City Bahnhof wo die Neue Haltestellenanlage in Bertieb ist (die Gleisanordnung mit einem Gleiswechsel ist -soweit ich das sehe- unverändert geblieben) Die alte Anlage war bereits vollständig entfernt. Das Stumpfgleis dient dem Botchan Train zur Pause, Spannend das Drehen der Lok zu Beobachten die sich auf dem Gleiswechsel selbst auf-stempelt und dann von Hand gedeht wird. Der Versuch eine Tageskarte zu bekommen scheiterte auch bei mir – laut Touristeninformation ist der Verkauf eingestellt worden. Gut wenn man eine IC-(Geld) Karte hatte.
Moin! Danke Dir für das Feedback, das motiviert weiter zu schreiben.
Spannend, dass man die Gleisgeometrie am Bahnhof quasi 1:1 kopiert hat. So richtig leistungsfähig ist das ja nicht wirklich…
Von dem Drehen des Botchan Trains hatte ich Videos gesehen, das ist wirklich etwas skurril 😀
Tageskarten gibt es, laut einem anderen Kommentar zu dieser Serie, wohl seit einiger Zeit nicht mehr. IC-Karten hatten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht, sind dann aber später auf der Reise doch nicht drum herum zu kommen. Unkompliziert im eigentlichen Sinne ist das ja auch nicht, da man an den Automaten die wir gesehen haben, nie direkt von der Kreditkarte auf die IC-Karte Geld laden konnte, sondern immer über den Zwischenschritt gehen musste, vorher noch irgendwo Geld abzuheben. Und dann muss man noch aufpassen, eine Karte von einem Anbieter zu wählen, die dann auch möglichst landesweit gilt. Aber jedes Land hat seine Eigenheiten, dafür macht man solche Reisen.