Die erste Hälfte des heutigen Tages wollte ich noch in Bromberg verbringen und die hoffentlich eingesetzten Altwagen ablichten. Um die Mittagszeit herum würde es dann die kurze Strecke nach Thorn herüber gehen, um mich dort schonmal am Nachmittag etwas mit dem Netz vertraut zu machen.
Montag, 18. August 2025: Endlich die ersten Altwagen im Planverkehr
Zu gewohnter Uhrzeit klingelte der Wecker. Ich wollte heute keine Zeit verschwenden, indem ich später als gewohnt aufstehe, denn das Programm für heute war durchaus gut gefüllt. Zunächst wollte ich die erste Hälfte des Tages noch hier in Bromberg nutzen, um offene Punkte auf meiner Liste abzuarbeiten. Ganz oben auf meiner Liste standen dabei natürlich die Altwagen, die sich im gestrigen Sonntagsverkehr nicht gezeigt hatten. Zudem wollte ich mich heute dem langen Linienast nach Łoskoń annehmen, den ich gestern nicht mehr geschafft hatte. Da dort auch jeden Menge Linien rausfahren sollten, würde ich an der Strecke relativ viel vom Auslauf des heutigen Tages mitbekommen. Ein Blick aus dem Fenster am Morgen brachte jedoch einen kleinen Dämpfer. Völlig Wolken-verhangen präsentierte sich der Tag zu Beginn. Ein Blick auf dem Wetterbericht machte auch nicht gerade viel Hoffnung, dass sich daran den Tag über irgendwas ändern sollte. Naja egal. Es half ja nichts. Trotzdem ging es erstmal aus dem Hotel und direkt zur Haltestelle. Von dort startete ich in Richtung Łoskoń. Bis zur Station Most Kazimierza Wielkiego kannte ich die Strecke ja schon von gestern, sodass ich auf diesem Stück nicht nochmal aussteigen musste. Zudem war das Wetter auch deutlich bescheidener als gestern, sodass die Bilder ohnehin nicht so schön geworden wären. Daher hielt ich aus dem Fenster heraus erstmal nur Ausschau, was so an Bahnen an mir vorbeizogen. Zu meiner Enttäuschung waren jedoch weder Konstal 805Na noch der eine Konstal 805NM unter den vorbeifahrenden Fahrzeugen. Zumindest der Wagen 364 zeigte sich, der gestern ebenfalls nicht in Betrieb gestanden hatte. Dabei handelt es sich um das einzig betriebsfähige Fahrzeug aus der nur zwei Fahrzeuge umfassenden Pesa Tramicus 122N Serie. Bis zur Station Dworzec Wschód verließ ich also zunächst nicht die Bahn, die interessante Haltestellenkonstruktion an der Haltestelle ließ mich dann doch rausspringen. Nach zwei Bildern an der Haltestelle selbst studierte ich mal den Fahrplan der einzelnen Linien. Klar war, dass es in den Ferien deutlich schwieriger sein würde, die Altwagen noch anzutreffen. Jedoch wurden selbst im Ferienfahrplan einige Kurse als Hochflurkurse ausgeschildert. Meine Hoffnung war also noch nicht ganz gestorben. Mit der nächsten Bahn ging es erstmal eine Ewigkeit ohne Zwischenhalt bis zur Station Akademicka/Rejewskiego weiter, an der ich auf die Rückkehr des Wagens 364 wartete und in der Zwischenzeit einige andere Bilder umsetzte.
Die Haltestelle Dworzec Wschód wurde direkt auf einer Brücke über die Eisenbahn gebaut. Ein Stockwerk tiefer befindet sich ein Haltepunkt der Staatsbahn, was die Umsteigebeziehungen relativ kurz hält. Das eigentlich Interessante an der Haltestelle war jedoch die aufwendige Dachkonstruktion, die sich einmal über die ganze Haltestellenbreite erstreckte und lediglich in der Mitte über den beiden Fahrtrichtungsgleisen offen war. Aus der Station fuhr gerade Pesa 177 heraus.
Kurz darauf folgte der fünfteilige Pesa 371 als Linie 11. Im Gegensatz zum Sonntagsverkehr war der Takt auf allen Linien deutlich spürbar dichter geworden. Für einen Einsatz von Altwagen hatte dies bis jetzt trotzdem nicht gereicht. Der Wagen befand sich gerade auf der Rampe zurück in Richtung Innenstadt. Nach der Haltestelle folgte der mit Abstand längste Abschnitt ohne Haltestelle im gesamten Bromberger Netz. Da es aber auch eine Ewigkeit durch den Wald ging, bedurfte es auch keiner Haltestelle.
Inzwischen befand ich mich eine Haltestelle weiter an der Station Akademicka/Rejewskiego. Ohne Sonne wirkte die Strecke, die hier durch viel Grün führte, leider ein wenig nichtssagend. Gegen das Wetter konnte ich jedoch nichts machen und da es auch keine Aussicht auf Besserung gab, nahm ich es so hin wie es war. Ich war von der Haltestelle ein Stück zurückgelaufen und lichtete Wagen 397 auf dem Waldstück zwischen den beiden Stationen ab.
Nur wenig später folgte Wagen 390 als Linie 3. Bei den vielen Linien wurde hier fast ein 5-Minuten-Takt gefahren. Ich hatte mich einige Meter weiter verschoben und war so in einer kleinen Kurve angelangt. So idyllisch wie das letzte Bild vielleicht vermuten ließ, war es hier in Wirklichkeit nicht. Auf der links zu sehenden Straße donnerten regelmäßig LKWs entlang, um in das nahe gelegene Industriegebiet zu gelangen.
Zumindest ein anderer Fahrzeugtyp als gestern kam heute auf jeden Fall zum Einsatz. Die auch aus Lodz in größerer Anzahl bekannte Fahrzeugserie des Pesa Tramicus 122N hatte es nur mit zwei Exemplaren nach Bromberg geschafft. Tatsächlich einsatzfähig war davon auch nur noch ein Fahrzeug, sodass ich hier mehr oder weniger auf einen Einzelgänger gestoßen war. Pesa 364 lichtete ich kurz vor Erreichen der Station Akademicka/Rejewskiego ab.
Die folgenden Stationen der Strecke waren dann schon deutlich weniger spektakulär. In Straßenmitte einer 4-spurigen Straße ging es eine Ewigkeit durch eine Plattenbausiedlung. An einer Station verließ ich die Station, um mein zwischenzeitlich vergessenes Frühstück nachzuholen. Wie immer ging es in einen Zabka, in dem ich mich inzwischen auch schon sehr gut auskannte und dadurch mit geübten Handgriffen genau die Sachen schnappte, die ich immer kaufte. Während der gesamten Fahrt durch die Plattenbausiedlung hielt ich weiter Ausschau nach einer Spur von Altwagen. Weiterhin blieb die Suche erfolglos und langsam aber sicher wurde mir klar, dass ich auch heute sehr wahrscheinlich keine Altwagen zu Gesicht bekommen würde. Nach dem kurzen Stopp für mein Frühstück ging es bis zur Station Niepodległości pętla weiter. An der Station endeten die Linien 10 und 11 und nur die Linien 3, 5 und 7 führten noch zwei Stationen weiter. Die Endstation in Łoskoń wollte ich mir aber nicht mehr geben und so schoss ich an und rund um die Zwischenendstation einige Bilder, bevor es zurückgehen sollte.
Wagen 117 aus der ersten Serie der fünfteiligen Pesas kam bereits von der Endstation Łoskoń zurück und verließ die Station Andersa/Gieryna. So wirklich interessant war auch hier die Umgebung nicht, so ganz ohne Bilder wollte ich die Strecke hier aber auch nicht wieder verlassen.
Aus der anderen Richtung kommend, passierte Pesa 112 gerade die Einfahrt in die Zwischenendstation Niepodległości pętla. Die Bauten links im Hintergrund symbolisierten schon sehr passend den Charakter der gesamten Umgebung dieses Streckenastes. Bei dem trüben Wetter gab die Strecke daher leider nicht so viel her.
Auch die Endschleife selbst war von sehr viel Grün umgeben und täuschte etwas über die tatsächliche Umgebung der Strecke hinweg. Immer wieder schön war es mit anzusehen, wie sich Wagen 120 als Multigelenker durch die lange Kurve der Endschleife arbeitete.
Nicht so schön war der Umstand, dass auch ich mich gleich im nächsten Wagen sitzend durch eben jene Kurve arbeiten musste. Ich hatte jetzt genug von der Strecke gesehen und wollte zurück in Richtung Innenstadt fahren. Dort gab es noch einige wenige Linien, die ich bis jetzt heute nicht gesehen hatte und somit bestand noch ein ganz kleiner Teil Resthoffnung, dass vielleicht dort noch Altwagen angetroffen werden konnten. Also setzte ich mich in die nächste Bahn, die von der Zwischenendschleife abfahren sollte und es ging die lange Strecke eine gefühlte Ewigkeit lang zurück. Eine letzte Strecke hatte ich für heute noch auf dem Zettel stehen. Eigentlich wollte ich die Innenstadtdurchfahrt bereits gestern abarbeiten. Als dort die Sonne richtig gestanden hätte, war aber gerade ein Wolkenfeld durchgezogen, sodass dort keine Sonnenbilder möglich gewesen wären. Heute war die Chance auf Sonne gar nicht erst gegeben, dafür war auch der Himmel ein ganzes Stück dunkler, sodass ich mich jetzt nochmal an die Innenstadtdurchfahrt machen wollte. Also ging es bis zur Station Plac Praw Kobiet. Von dortaus bewegte ich mich zu Fuß bis zur Station Gdańska/Chodkiewicza und wieder zurück. Zwar ohne Sonne, dafür aber mit interessanten Wolkenkonstellationen und bei durchaus dichtem Verkehr entstanden so innerhalb von knapp einer Stunde einige Bilder an dem kurzen Stück.
Nahe der Station Gdańska – Cieszkowskiego gelang mir ein Bild von Wagen 120. Auch hier deutete bis jetzt nichts auf Altwagen hin. Rechts neben mir befand sich die Kościół pw. św. Apostołów Piotra i Pawła. Normalerweise befindet sich davor ein hübscher Vorplatz, der einem die Möglichkeit bietet, etwas mehr von der Seite Bilder der Straßenbahn zu schießen. Der Platz befand sich jedoch im Umbau, sodass diese Möglichkeit entfiel.
Mit der nächsten Bahn war ich bis zur Station Gdańska – Chodkiewicza gefahren. Von dort aus wollte ich die Straße, die von schönen Häuserfassaden gesäumt war, zu Fuß zurück bis zur Station Plac Praw Kobiet laufen. Häufig wurden die Straßenbahnen auf der viel befahrenen Straße von Autos zu gefahren. Bei dem dichten Takt auf der Straßenbahn gelang trotzdem ein Bild von Pesa 371 nahe der Station Gdańska – Chodkiewicza.
Inzwischen befand ich mich an der Station Gdańska – Cieszkowskiego. Auch hier erhoben sich neben der Straße einige schöne Häuserfassaden. Hier dauerte es gleich fünf Versuche, bis endlich ein Bild gelang. Obwohl die Wagen an der Station ohnehin anhalten mussten, waren immer Autos ins Bild gefahren. Jetzt klappte es endlich mit Wagen 373.
Inzwischen war ich fast an der Station Plac Wolności angekommen. Hier bot sich in Mitten der sonst relativ monoton wirkenden restaurierten Häuserfassaden eine kleine Abwechslung. An einer großen Querstraße wurden die Häuserfassaden unterbrochen und es mischte sich ein Betonklotz dazwischen. Ein interessanter Kontrast, den ich hier mit Wagen 118 festhielt.
Eine schöne Überraschung bot zum Ende meines Spaziergangs die Straße entlang der Wagen 364, der mir genau passend an der Station Plac Praw Kobiet begegnete. Für das Bild war es sogar gerade mal wieder etwas heller geworden, sodass sich der Wagen nicht ganz im Dunkeln an der Station stehend präsentierte.
Eigentlich war ich jetzt hier durch mit dem Betrieb. Es schienen heute keine Altwagen zu fahren und das Wetter lud auch nicht gerade zu einer intensiveren Erkundung des Streckennetzes ein. Ich hatte bei dem monotonen Wagenpark auch ehrlich gesagt nicht mehr so wirklich viel Lust mich noch weiter mit dem Betrieb zu beschäftigen. Also sollte es von hier aus zurück zum Hotel gehen, wo mein Auto stand und ich würde das Weite in Richtung Thorn suchen. Dann kam mir aber doch noch ein letzter Einfall. Wenn der Wagen 364 gerade in die Richtung entschwunden war, sollte es auch nicht allzu lange dauern, bis dieser wieder zurückkommen würde. Das könnte ich nutzen, um zumindest noch ein weiteres Bild zu schießen. Da das aber sicherlich noch eine gute halbe Stunde dauern würde, ging ich zu Fuß zur Station Plac Teatralny rüber. Dort wollte ich die Perspektive umsetzen, die mir gestern Mittag aufgrund der Wolkenfront nicht geglückt war. Das Bild war natürlich schnell umgesetzt und so setzte ich mich in der Folge einfach auf eine Bank und wartete die halbe Stunde noch ab. Bei dem Wetter würde mir in Thorn sowieso erstmal nichts weglaufen und so hatte ich überhaupt keinen Stress hier schnell weg zu kommen. Kurz bevor der Wagen zurückkam, begab ich mich wieder zur Station Plac Praw Kobiet und lichtete den Wagen erneut ab.
Die ganze Schlange an Autos befand sich bei Wagen 140 noch hinter der Straßenbahn, als der Wagen die Station verließ. So gelang mir ein Bild ohne störende Autos an der Station.
Auch auf dem Rückweg lichtete ich Wagen 364 wie geplant an der Station ab. Ich hatte wie auf der Hinfahrt Glück, dass kein Wagen in Gegenrichtung ins Bild fuhr. In diesem Fall folgte der Wagen von hinten nur Sekunden nach meinem Bild.
Ich war nach meinem letzten Bild noch schnell in den Wagen 364 gesprungen, um zur Haltestelle Dworzec Autobusowy zu gelangen, an der sich mein Hotel befand. Dadurch durfte ich auch noch eine Fahrt in diesem Wagentyp genießen. So wirklich viel schlechtere Fahreigenschaften als die deutlich jüngeren Fahrzeugserien hatte das Fahrzeug auch nicht. Nur von innen sah man das Alter des Wagens an. An der Station Dworzec Autobusowy schoss ich ein letztes Bild von Pesa 364 und gleichzeitig ein Abschlussbild von Bromberg.
Von der Station ging es zu Fuß zum Hotel rüber. Dort hatte ich mich bereits am Morgen ausgecheckt, sodass ich keine weiteren Formalitäten erledigen musste. Mein Auto hatte ich günstiger Weise bis zu meiner Abreise auf dem Hotelparkplatz stehen lassen dürfen. Jetzt ging es ins Auto und das Ziel Thorn wurde eingegeben. Von Bromberg aus war es nach Thorn herüber nicht wirklich weit. Einziges Problem war, dass es keine Autobahnverbindung zwischen den beiden Städten gab, sodass ich mich über die Landstraße nach Thorn wühlen musste. Zeitansatz laut Navi waren knapp 50 Minuten. Bei den weiterhin dichten Wolken am Himmel hatte ich aber auch nicht so wirklich Stress in Thorn anzukommen. Die für Thorn eingeplanten 1½ Tage sollten für das übersichtliche Netz locker reichen und das Wetter würde morgen im Zweifelsfall nur besser werden. Also ging es ganz entspannt über die Landstraße und ich reite mich in die Schlange an ebenfalls nach Thorn fahrenden Autos einfach ein und ließ mich treiben. Mein Auto dankte mir die eher mäßig schnelle Fortbewegung mit einem rekordverdächtig niedrigen Verbrauch und so trudelte ich ca. um 14 Uhr in Thorn ein. Mein Hotel befand sich im Prinzip genau neben der Altstadt und direkt an der Straßenbahn. Auch hier gab es einen abgezäunten Parkplatz auf dem ich mein Auto abstellen konnte. Dass ich für den Parkplatz später noch extra etwas drauf bezahlen musste, war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar, es machte mich aber auch nicht arm, sodass sich der Frust in Grenzen hielt. Sehr erfreut war ich, dass ich jetzt schon in mein Zimmer konnte und nicht meinen Koffer noch irgendwo unterbringen musste. Also guckte ich mir das Zimmer direkt mal an und schmiss mich aufs Bett. Irgendwie hatte mich die erste Hälfte des Tages ein wenig fertig gemacht. Daher gönnte ich mir eine halbe Stunde Pause. Dann drängte mich der Tatendrang bei einem neu zu erkundenden Betrieb doch wieder aus dem Zimmer. Beim Verlassen des Hotels fuhr direkt mal etwas Rotes auf der Straßenbahn an mir vorbei. Damit war klar. Es würde heute die ersten Altwagen für mich zu sehen geben. Denn im Gegensatz zu den Niederflurwagen und modernisierten Konstal 805NaND mit einer gelb-blauen Lackierung trugen die originalen Konstal 805Na noch eine rote Lackierung. Das weckte meine Motivation zur Erkundung direkt noch mehr. Zunächst musste ich jetzt aber an ein Ticket gelangen. Es ging zu Fuß zur Station Dworzec Miasto. Dort fand ich keinen Ticketautomaten vor und auch in einer ankommenden Niederflurbahn sah ich keinen solchen. Also ging es einfach mal zu Fuß in die andere Richtung. Dort würde in zwei Stationen eine zentrale Haltestelle folgen, an der ich sicherlich fündig werden würde. Auf dem Weg dorthin lichtete ich zwei Bahnen ab, die mir entgegenkamen. Tatsächlich wurde ich an der Station Aleja Solidarności fündig und zog mir aus dem Automaten eine 24-Stunden-Karte. Im Nachhinein stellte ich fest, dass sich ein solcher Automat auch an der Station Plac Św. Katarzyny befand, an der ich auf dem Weg ebenfalls vorbei gegangen war. Naja egal, jetzt hatte ich ja mein Ticket.
Direkt bei der ersten Straßenbahn, die sich mir präsentierte, handelt es sich um einen Hochflurwagen. Das Konstal 805NaND Doppel 248+249 zeigte sich hier kurz nach Verlassen der Haltestelle Dworzec Miasto. Fast genau rechts neben mir befand sich auch mein Hotel, was sowohl für die Straßenbahn als auch den kurzen Zugang zur Altstadt perfekt gelegen war. Auch wenn es nicht gerade danach aussieht, handelt es sich auch bei den modernisierten Konstal 805NaND wie auch bei den originalen 805Na um reine Hochflurwagen.
Um 180 Grad gedreht folgte kurze Zeit später Pesa 319 aus der anderen Richtung. Der Wagentyp kommt einem schon aus Bromberg bekannt vor, wo er in großen Mengen verkehrt. Wie auch in Bromberg gibt es in Thorn zudem die dreiteilige Variante des Fahrzeugtyps. Einzig abweichend gibt es zusätzlich eine fünfteilige Zweirichtungsvariante von Pesa.
Auf dem Weg zur Haltestelle Aleja Solidarności kam mir ein weiteres Konstal 805NaND Doppel entgegen. Dass es sich bei dem Doppel 228+229 um das zweite von insgesamt nur drei Doppeln des Fahrzeugtyps handelte, welches mir während meines Besuches begegnete, war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst. Das Gespann befand sich fast auf der Höhe der Haltestelle Wały gen. Sikorskiego, die sich an dieser Stelle nur auf einer Seite der Strecke befand. Die dazugehörige Haltestelle für die andere Fahrtrichtung befand sich im Hintergrund auf der anderen Seite der Kreuzung und wurde baustellenbedingt bei meinem Besuch nicht bedient.
Mit gültigem Fahrschein ausgestattet, sollte es nun auf die erste Streckenerkundung gehen. Ich wollte heute schonmal so viel wie möglich vom Netz erkunden, um morgen ein wenig entspannter den Tag angehen zu können. Der längste Ast des Netzes war der Ast nach Olimpijska P&R, also derjenige, an dem ich mich gerade schon ein Stück zu Fuß in Richtung Innenstadt bewegt hatte. Diesen wollte ich jetzt genauer erkunden, auch weil der Ast bei einem Blick auf die Karte nicht gerade vielversprechend aussah und somit für potenziell besseres Wetter morgen wahrscheinlich nicht gerade als Programm erschwinglich war. Also ging es in die nächste Bahn hinein, die den Ast bediente. Es handelte sich direkt mal um ein Konstal 805Na Doppel, welches mich die Strecke entlang beförderte. Charakteristisch und einfach nur herrlich zu beobachten war die typische Türsteuerung der Fahrzeuge, die ohne jegliche Dämpfung funktionierte. Die Türen schepperten auf und knallten gegen die Seiten der Einstiege, die Türen schepperten zu und blieben gerade noch so geschlossen bei dem starken Rückstoß beim Einrasten. Einfach eine herrliche Geräuschkulisse. Es ging erstmal ein ganzes Stück in Straßenmitte einer großen Straße hinaus in die Platte. Wirklich fotogen war das Ganze nicht, schon gar nicht bei dem Wetter. Ich verließ die Bahn letztendlich an der Station Prejsa, wo die Strecke von der großen Straße abknickte und etwas mehr zu bieten hatte. Ich versuchte noch ein wenig vorzulaufen, um vom Doppel, mit dem ich gefahren war, noch ein Bild zu schießen. Das Gespann hatte sich jedoch, nachdem ich den Wagen verlassen hatte, zu schnell wieder in Gang gesetzt und somit misslang der Versuch. Zu Fuß ging es eine Station weiter und mit dem folgenden Kurs gelang ein Bild an der Station. In der Folge ging es direkt bis zur Endstation durch. Dort waren einige Konstal 805NaND Züge abgestellt, von denen ich Fahrzeugbilder schoss. Im Nachhinein stellte ich fest, dass es sich bei einige der abgestellten Wagen um eine andere Modernisierungsvariante der 805Na handelte, die während meines Besuches gar nicht in Betrieb war. Umso besser, dass ich die Wagen nicht unbeachtet gelassen hatte. Nachdem ich an der Endstation fertig war, ging es mit dem nächsten herannahenden 805Na-Zug die Strecke zurück. Zwischendurch wurden zwei Zwischenstopps eingelegt, bevor letztendlich die Innenstadt wieder erreicht wurde.
Neben einem riesigen Betonbunker knickte die Strecke um 90 Grad um die Kurve und erreichte die Station Ślaskiego. Für die Wagen 248+249 war das überhaupt kein Problem und in nicht gerade niedrigem Tempo ging es durch die Kurve. Für einen Multigelenker von Pesa war das sicherlich schon eine größere Herausforderung und bei einem solchen Tempo hätten die Fahrgäste nicht so ruhig im Wagen sitzen können. Für mich ging es in der Folge mit dem Doppel weiter zur Endstation.
Die Endstation Olimpijska P&R hatte durchaus beachtliche Dimensionen und bot mit zwei Gleisen für den Planverkehr bereits einiges an Platz. Dazu kamen noch drei weitere Gleise in einem eingezäunten Bereich, in dem zusätzliche Fahrzeuge abgestellt werden konnten. Das Doppel 248+249 hatte gerade die Endstation mit mir zusammen erreicht und war bereits zur Abfahrtsstation auf der anderen Seite der Schleife vorgerückt. Hier wartete das Doppel auf die Abfahrtszeit.
Ich hatte mich von der Endstation aus ein wenig um die Ecke bewegt und konnte so kurze Zeit später das Verlassen des Doppels 248+249 aus der Endschleife festhalten.
Auch auf der anderen Seite der großen Endschleife befand sich eine weitere Haltestellenanlage, die als Endhaltestelle diente. Auf dem zweiten nicht genutzten Gleis standen die angesprochenen abgestellten Fahrzeuge. Bei Wagen 231 handelte es sich um eben jene andere Umbauvariante, die sich durch einen abweichenden modernisierten Kopf von der in Betrieb stehenden Umbauvariante unterschied. Als nächster Planwagen kam das Konstal 805Na Doppel 262+263 in die Ankunftsstation gefahren.
Bei Wagen 303 handelte es sich um einen besonders farbenfrohen Vertreter seiner Baureihe und um das einzige Fahrzeug mit abweichender Lackierung. Das Fahrzeug begegnete mir bei einem kleinen Zwischenstopp an der Station Ligi Polskiej. Auch hier wurde die Umgebung von jeder Menge Beton geprägt.
Zufälligerweise war es bei meinem nächsten Zwischenstopp wieder Wagen 303 der als nächstes Fahrzeug von der Endstation zurückkehrte. Hier wurde gut der Charakter des Linienastes deutlich. Auf einem mal mehr mal weniger breiten Mittelstreifen ging es meist gerade entlang einer vierspurigen Straße in die Platte hinaus. Wirklich fotogen gestaltete sich das Ganze nicht.
Zurück in der Innenstadt war es inzwischen 17 Uhr. So unglaublich viel Zeit blieb mir am heutigen Tag also gar nicht mehr, ein wenig hätte ich aber noch, bevor es dunkel werden würde. Also fiel der Blick wieder auf die Karte und ich überlegte mir, welchen Ast ich mir zum Abschluss des Tages noch angucken wollte. Die Entscheidung fiel auf den nächsten Ast entgegen des Uhrzeigersinnes. Der Ast nach Elana B war auch relativ lang und so würde ich bis zum letzten Licht des Tages an dem Ast verbleiben. Langsam aber sicher zeigte sich in weiter Entfernung hinter der dichten Wolkenschicht auch ein riesiges Feld an blauem Himmel, welches auf mich zu kam. Vielleicht würde es also heute doch noch ein paar letzte Sonnenbilder geben. Zunächst befand ich mich nun aber an der Hauptkreuzung der Straßenbahn, an der Station Dworzec Autobusowy. Quer über den Platz kam aus der anderen Richtung nun ein weiteres 805Na-Doppel angefahren und ich hoffte, dass das Doppel über die Kreuzung auf mich zugefahren käme. Die Hoffnung wurde jedoch nicht erfüllt und das Doppel bog ab. Trotzdem zückte ich meine Kamera und schoss ein Bild. Danach machte ich mich an die Erkundung des zweiten Astes. Mit einem kurzen Zwischenstopp gelangte ich zur Station Wschodnia an der letztendlich das erste Mal die Sonne so wirklich durchbrach und mir als eines der letzten Bilder des Tages ein erstes Sonnenbild gelang. Nun war die Sonne entgültig durchgebrochen und es folgten weitere Sonnenbilder schon fast ganz am Ende des Astes, an dem sich mit einiger freier Fläche um die Strecke herum noch Sonne bot.
Quer über die große Kreuzung an der Station Dworzec Autobusowy gelang mir ein Bild von Doppel 235+271. Der führende Wagen mit der passenden Werbung zu Wagen 271 stand abgestellt an einer Station herum, sodass sich ein halbes Werbedoppel gebildet hatte. Abgesehen von den digitalen Anzeigen in den Wagen schien noch relativ viel von den Fahrzeugen dem Originalzustand zu entsprechen.
Nahe der Station Świętopełka versuchte ich mein Glück mit der Sonne bei einer Straßenkreuzung der Straßenbahn. Es war zwar nicht so richtig sonnig, aber zumindest war das Bild deutlich heller als so manches anderes Bild am heutigen Tag. Über dem Wagen 306 war bereits das riesige blaue Feld zu erkennen, welches sich langsam aber sicher über Thorn breit machte.
An der Station Wschodnia befand sich eine Zwischenendschleife der Linie 7. Die Schleife sah an sich sehr idyllisch aus und hätte sicherlich das ein oder andere Motiv zu bieten gehabt. Laut Netzplan sollte hier die Linie 7 enden, doch irgendwie schien die Linie im Moment nicht betrieben zu werden und so halfen auch die möglichen Motive in der Schleife nicht weiter. Ich lichtete stattdessen den dreiteiligen Pesa 312 in der Durchfahrtstation der weiteren verkehrenden Linien ab.
Jetzt endlich war es soweit. Die Sonne hatte sich final hinter den Wolken hervorgekämpft und präsentierte sich passend zum Konstal 805Na Doppel bei einem weiteren Bild an der Station Wschodnia. Hier draußen wurde der Linienverlauf sehr rustikal und führte durch eine alte Industriekulisse. Mit etwas Glück gelang mir ein Bild ganz ohne Autos quer über die durchaus dicht befahrende Straße. Mit Doppel 242+243 zeigte sich das gleiche Doppel wie bereits bei meinem ersten Bild des Fahrzeugtyps.
Nach dem kurzen abwechslungsreichen Stück, welches sich leider größtenteils bereits im Schatten befand, kam erneut das typische Bild der Thorner Außenstrecken zum Vorschein. In Straßenmitte ging es eine große Straße entlang und die Motivvielfalt am Rande der Strecke hielt sich in Grenzen. Bei dem nun sonnigen Wetter wollte ich mir aber keine Bildoption entgehen lassen und lichtete den zurückkehrenden Wagen 312 nahe der Station Tofama ab.
Die nächsten zwei Bildversuche wurden durch Autos zugefahren. So gelang mir ein letztes Straßenbahnbild des Tages bei der Ausfahrt aus der Endstation Elana B. Zugegeben hätte sich ein dreiteiliger Pesa hier deutlich besser gemacht, um die Schatten aus dem Fahrzeug raus zu halten, ich konnte es mir aber nicht aussuchen und nahm so auch Wagen 306 als Motiv an. Zumindest schien die Sonne auf den Wagen, wenn auch mit etwas nervigen Schatten. Es sollte gleichzeitig das letzte Straßenbahnbild des Tages gewesen sein.
Jetzt hatte ich das unverhoffte Abendlicht bis zum letzten Strahl ausgenutzt. Auch die letzten sonnigen Stellen auf der Strecke versanken im Schatten und das gab mir das Zeichen, den Fototag zu beenden. Da ich irgendwie heute das Mittagessen vergessen hatte, rief mein Magen nun intensiver als eh schon nach so einem langen Tag nach Essen. Heute hatte ich mal wieder Lust auf etwas mehr als nur ein Salat aus dem nächsten Zabka. Daher ging es mit der nächsten Bahn zurück in die Innenstadt, um nach einem passenden Restaurant zu suchen. Schon auf der Fahrt studierte ich auf Google-Maps meine Möglichkeiten und entschied mich letztendlich für ein Restaurant an der Station Plac Św. Katarzyny ganz in der Nähe meines Hotels. Mit einer riesigen Pizza und einem halben Liter Bier dazu hatte ich genau die richtige Entscheidung getroffen und konnte diesen mäßig erfolgreichen Tag zumindest kulinarisch gut abrunden. Nach dem Essen wollte ich mir noch die Altstadt angucken, die von hier mit einem kleinen Spaziergang gut zu durchlaufen war. Also ging es kurz ins Hotel und unnötiger Ballast wurde abgeladen, danach ging es wieder los und mit einem kleinen Rundkurs durchlief ich die Innenstadt und machte einen kleinen Abstecher an die Weichsel. Im Folgenden einige wenige Eindrücke aus der Innenstadt.
Noch vor dem Essen gelang mir ein Bild der riesigen Kościół św. Katarzyny in den letzten Sonnenstrahlen des Tages.
In der Fußgängerzone der Innenstadt fanden sich Platten mit diversen Städtenamen eingelassen. Darunter zu finden war auch meine Heimatstadt Braunschweig.
Zur blauen Stunde an der Weichsel genoss ich ein wenig den Ausblick auf die am Ufer liegenden Schiffe, die als Restaurants genutzt wurden und die leicht beleuchtete Brücke im Hintergrund.
Auch ein Teil der ehemaligen Stadtmauer ist in der Thorner Innenstadt noch vorhanden.
Nach diesem kleinen Spaziergang in den Abendstunden zog ich mich in mein Hotel zurück und ließ den Abend ausklingen. Es wurden sich schonmal erste Eckpunkte für den Plan für morgen zurechtgelegt, dann ging es schlafen. Die Fragen, wo sich die Zweirichtungswagen der Niederflurserie versteckten und ob mir noch weitere Bilder von Altwagen gelingen würden, werden dann im nächsten Teil von “Rundreise durch Nordpolen” beantwortet.

Sehr schön, gleich zwei Blog-Beiträge an einem Tag! Da wird man als Leser ja gut verwöhnt.
Diese dreiteiligen PESAs sehen ja ganz lustig aus – die könnte man sich auch glatt in Japan vorstellen.
Diese Konstal-Modernisierung, na ja…ich weiß eh nicht, wozu man das gemacht hat. Ich las mal, daß es nur darum ging, EU-Gelder zu bekommen.
Diese brutalen Türen haben die Wagen in manchen Betrieben schon eine Weile verloren, in Warschau habe ich 2011 erlebt, daß sie eher langsam schlossen und die originale Klingel durch ein Piepsignal ersetzt wurde. Wobei die Wagen dort recht gepflegt wirkten.