Mal wieder Winter in Braunschweig

Nach dem heftigen Wintereinbruch und den noch größeren Problemen der Braunschweiger Straßenbahn damit im Frühjahr 2021, war die Löwenstadt in den vergangenen Jahren recht unbehelligt von weißen Massen durch die Winter gekommen. Pünktlich zu Beginn des Jahres 2026 hat es aber endlich mal wieder richtigen Winter im Norden, was den Linienverkehr sogleich wieder etwas ins Wanken brachte. Keine ausführliche Chronik, aber zumindest ein paar Eindrücke davon soll es heute geben.


Das Thema Braunschweig ist hier in den vergangenen zwei Jahren sehr kurz gekommen und zurecht gab es teilweise schon Nachfragen, ob ich überhaupt noch in der Löwenstadt unterwegs sei. Nun, ich informiere mich noch immer mit Interesse über das Geschehen bei der Braunschweiger Straßenbahn, allerdings bin ich in den letzten zwei Jahren nur selten zum Fotografieren in Braunschweig gekommen. Zum einen aus zeitlichen Gründen, zum anderen da sich am Fahrzeugpark gegenüber den Vorjahren doch eher wenig getan hat. Meist habe ich zuletzt anlässlich öffentlicher Sonderfahrten ein wenig in Braunschweig fotografiert, wie 2025 dem Comeback des Tw 41 im April, den Fahrten des Tw 113 + Bw 250 im Juni oder zuletzt zwei Aufnahmen vom vorläufigen Abschied von GT6 7756 + B4 7772. Einiges aus Braunschweig war noch in den Jahresrückblicken 2025 und 2024 zu sehen, für ausführliche Chroniken, wie in den Jahren zuvor, reichte das Bildmaterial aber nicht mehr, sodass ich mir den großen zeitlichen Aufwand zugunsten anderer Projekte, wie aktuell der Japan-Reise, gespart habe.
Ein kleiner Vorsatz für 2026 ist aber, wenn etwas in Braunschweig passiert und ich ein paar Aufnahmen gemacht habe, einfach schnell und ohne größeren Aufwand einen kleinen Artikel zu launchen. Fangen wir also gleich heute damit an:

4. Januar 2026

Der Winter hielt in Braunschweig zum Wochenende nach Neujahr Einzug. Erstmals war eine nennenswerte Menge Schnee gefallen und die Fahrbahnen kurzzeitig schneebedeckt. Der Straßenbahnverkehr lief aber weitgehend störungsfrei. Nachts waren die Strecken wohl mit einigen Fahrzeugen, u. a. dem TW 41, freigehalten worden.
Wie passend, dass für diesen Sonntag den 4. Januar 2026 auch die traditionelle Neujahrsrundfahrt angekündigt war, die ebenso traditionell oft bei komplettem norddeutschem Winter-Nicht-Wetter stattfindet. Mit den frisch eingeschneiten Straßen und dem noch immer für Blicke sorgenden, wieder in Betrieb genommenen TW 41 im ungewöhnlichen Türkis/Inka, lockte es mich dann auch vor die Tür für ein paar Aufnahmen.


Die Neujahrsrundfahrt startete kurz nach zehn am Hauptbahnhof und sollte rund drei Stunden dauern. Direkt nach dem Zustieg der Fahrgäste ging es über die Kurt-Schumacher-Straße Richtung Innenstadt, hier auf der Okerbrücke kurz vor der Betriebshaltestelle am J.-F.-Kennedy-Platz.


An der regulären Haltestelle J.-F.-Kennedy-Platz wartete TW 41 wenig später auf das Nachkommen des begleitenden Niederflurwagen GT6S 9552, der am Hauptbahnhof nicht dieselbe Ampelphase erwischt hatte.


Einige Meter weiter gelang auf der Stobenstraße die Aufnahme mit Blickrichtung Ägidienmarkt, die bei Sonnenschein stets im Gegenlicht liegt.


Hier folgte auf dem Fuße auch der GT6S 9552, aktuell der einzige GT6S ohne Werbung, nachdem er zuvor Zeit seines Lebens für Fliesen-Winter durch Braunschweig gefahren war.


Die nur in Richtung Inselwall befahrenen Gleise der ansonsten sonntags nicht bedienten Strecke verrieten, dass die Sonderfahrt am Hagenmarkt Richtung Westen abgebogen war. Vermutlich gab es in der Endhaltestelle der Blockumfahrung eine ausgiebige Fotomöglichkeit für die Fahrgäste, zumindest dauerte es einige Zeit, bis die Wagen von dort zurück Richtung Hagenmarkt kamen. Ich wartete derweil zwischen der Haltestelle Alte Waage und der Hagenbrücke neben der DAX-Bierbörse. Ein weiteres Nichlicht-Motiv.


Die recht wilde Route führte zunächst auf gleichem Weg zurück zum Hauptbahnhof, dann wieder in die Innenstadt und die Strecke der Linie 3 nach Volkmarode raus. Mittlerweile auf Vater und Bruder gestoßen, erwarteten wir die Rückfahrt Richtung Okerbrücke am botanischen Garten.


Über Georg-Eckert-Straße und Leonhardstraße ging es anschließend zum Betriebshof, von wo die Sonderfahrt für eine geraume Zeit nicht zurückkam. Damit war auch klar, dass es anschließend nur mehr zum Hauptbahnhof zurückgehen würde. Wir warteten derweil neben dem Marienstift. Als der TW 41 um 13 Uhr kam, hatte gerade wieder heftiger Schneefall eingesetzt. Dafür gelang zwischendurch eine Aufnahme des ATw 482, der den ganzen Vormittag schon unterwegs gewesen war, um die Strecken freizuhalten.


Am frühen Nachmittag rücken einige zusätzliche Bahnen aus, um die Linie 3 als einzige Linie vom Halbstunden- auf einen 15-min-Takt zu verdichten. 1952 steigt als Linie 3 Richtung Volkmarode ein. Die zwischenzeitliche Verknüpfung der Linie 4, die die Linie 3 an Sonntagen ab Rathaus nur Richtung Volkmarode auf einen 15-min-Takt verdichtete, anstatt zum Radeklint zu fahren, ist bereits wieder Geschichte. Stattdessen wird die Linie 3 komplett auf 15-min-Takt verdichtet und die Linie 4 wird an Sonntagen aktuell gar nicht bedient. 


Freitag, 9. Januar 2026

Am Freitag den 9. Januar zog dann auch über Braunschweig das Sturmtief Ellie hinweg. Dank gleichzeitig kalter Luftströmung fiel der Niederschlag als Schnee und wurde vom starken Wind ordentlich verweht, was für die größten Probleme sorgte. Der Straßenbahnbetrieb lief die meiste Zeit am Freitag noch, immer wieder wurden einige Strecken temporär eingestellt und wenig später der Betrieb wieder aufgenommen. Nicht selten dürften hier wohl auch PKW das eigentliche Problem gewesen sein. Die Linie 4 und 10 wurden im Tagesverlauf komplett eingestellt. Ich schaute mal am frühen Nachmittag an der Strecke der Linien 1 und 2 rund um die Mühlenpfordstraße vorbei. Zu diesem Zeitpunkt war der Betrieb im Norden, abgesehen von der Linie 10, gerade wieder vollständig aufgenommen worden.


Die Straßen zeigten sich vollständig schneebedeckt, ein eher seltener Anblick in Braunschweig. Durch weiteren Neuschnee und Verwehungen kamen die Räumdienste verständlicherweise nicht immer hinterher und konzentrierten sich zunächst auf die Hauptverkehrsachsen. Die Mühlenpfordstraße zeigte sich entsprechend als Wintermärchen. Erst eine halbe Stunde später beseitigte ein Schneepflug hier das Gröbste und vergrub die geparkten Autos in einem Schneewall. NGT8D 0757 ist auf dem Weg ins Siegfriedviertel.


Ganz sauber lief die Taktung nicht, erst kurz zuvor waren zahlreiche Bahnen Richtung Norden gejagt, um den Betrieb ab Wenden wieder herzustellen. Von dort erreicht Tramino 1451 als Linie 1 die Haltestelle Hamburger Straße Richtung Heidberg.


Zwanzig Minuten später ein weiterer Kurs aus Wenden: Tramino 1952 verlässt die Haltestelle Hamburger Straße in die Mühlenpfordstraße.


Auch komplett schneebedeckte Fahrbahnen am Wendentor sind eher eine Seltenheit. Stadtauswärts überquert NGT8D 0756 die Okerbrücke am Wendentor. Der Einsatz der 07er auf der Linie 1 war in diesen Wintertagen eine erfrischende Abwechslung zum sonst meist zu 100% mit Traminos gestellten Auslauf. Durch das vollwertige Antriebsdrehgestell, Verjüngung und vergleichsweise hohen Aufbau der Front, scheinen die 07er mit dem Winterwetter am besten zurechtzukommen und wurden verstärkt auch am Sonntag eingesetzt.


Eine letzte Aufnahme in dieser Ecke entstand direkt am Wendentor mit Tramino 1954 als Linie 2 ins Siegfriedviertel.


Bis in die Abendstunden lief der Verkehr weitgehend reibungslos. Es ging noch einmal für einige Stimmungsaufnahmen im Dunkeln in die Stadt. Die Straßen waren zwar abseits der Autobahnen weitgehend schneebedeckt, aber mit Winterreifen problemlos befahrbar. Einzig die zugeschütteten Parkplätze stellten den Wagenlenker vor kleine Probleme. An der Kurt-Schumacher-Straße fand sich aber eine befahrbare Bucht und so drehte ich von dort aus eine kleine Runde durch die gespenstisch leere Innenstadt. Die erste Aufnahme gab es am Hauptbahnhof mit Tramino 1954 als Linie 5 nach Broitzem.


Über der Friedrich-Wilhelm-Straße lag eine beklemmende Ruhe. Nurmehr jene, die kein Zuhause haben, schienen unterwegs zu sein. Mal mehr, mal weniger bei klarem Bewusstsein. An einem Freitagabend stromern hier für gewöhnlich Kneipenbesucher und Partygänger auf dem Weg zur “Meile” am Kalenwall durch die Gegend. Auch die im Laufe des Freitagabends gewöhnlich auf Halbstunden und später Stundentakt umstellenden Straßenbahnlinien sind meist bis in die frühen Morgenstunden gut gefüllt. Heute fuhren sie schon um kurz nach 21 Uhr weitgehend leer durch die Gegend. Tramino 1951 ist hier auf dem Weg Richtung Weststadt.  


In Gegenrichtung auf der Friedrich-Wilhelm-Straße wenig später NGT8D 0752 als Linie 3 nach Volkmarode.


Tramino 1457 verlässt als Linie 5 nach Broitzem die Haltestelle Friedrich-Wilhelm-Straße.


Eine letzte Aufnahme dieses winterlich gespenstischen Abends vom Waisenhausdamm mit dem einrückenden NGT8D 0761. Im Verlauf des späten Abends wurde aus etwas unklaren Gründen der Verkehr komplett eingestellt. Möglicherweise ist 0761 bereits einer dieser unplanmäßigen Einrücker.


Samstag, 10. Januar 2026

Mit der Kompletteinstellung am späten Samstagabend hatte der leichte Neuschnee und Verwehungen über Nacht alle Strecken bedeckt. Nur langsam kämpfte man sich ab dem Vormittag mit dem Schneepflug und ATw 482 voran und nahm zunächst die Strecke Hauptbahnhof – Stadion, später Hauptbahnhof – Wenden und dann nach und nach im Laufe des späteren Tages weitere Strecken in Betrieb. Erst am Sonntagmorgen lief der Verkehr wieder planmäßig auf allen Linien.
Auf der Fahrt Richtung Hamburger Straße kam mir kurz vor Mittag der Pflug entgegen, mit dem Ziel die Strecke ab Stadion Richtung Wenden zu räumen. Erst über eine halbe Stunde später erreichte der ATw schließlich Wenden, wo ich ihn mit der Kamera erwartete.


Die Räumeinheit aus dem Pflug 287, ATw 482 und der Lohre 187 hat die Haltestelle Veltenhöfer Straße in Wenden passiert und erreicht gleich die Endschleife am Heideblick. Über eine halbe Stunde dauerte es, bis der Pflug die Endschleife samt beider Gleise geräumt hatte. Insbesondere an den Weichen hielt man sich hier sehr lange auf. Der Pflug selbst, als zweiachsiger Vorstellwagen mit Ballastgewicht realisiert, erscheint weiterhin recht ungeeignet für seine angedachte Aufgabe, wie auch schon im Winter 2021, in dem das Gefährt mehrfach entgleiste. Vielleicht sollte man sich mal bei wintererprobten Betrieben ein paar Erfahrungen einholen. Zwar wird das Klima durchschnittlich milder, extremere Wetterereignisse dafür statistisch häufiger. Ob jedesmal bei einigen Zentimeter Neuschnee eine vorübergehende, komplette Einstellung des Schienenverkehrs die Lösung sein sollte? Dem unter vollem Einsatz arbeitenden Personal ist es jedenfalls nicht anzulasten, das kann nur mit dem Arbeiten, was zur Verfügung steht.


Inzwischen war auch Jonas in Wenden eingetroffen und nahm den ATw 482 beim Räumen der Ausfahrtweiche auf. Genau genommen erledigte eine Vorhut mit Schneeschiebern unter vollem Körpereinsatz hier mal wieder den Löwenanteil.


Nach fast 40 Minuten ist die Arbeit am Heideblick getan und es geht langsam zurück in Richtung Innenstadt. Die Angst vor Entgleisungen scheint hier immer mitzufahren, so bedächtig, wie die Räumfahrt teils vonstattenging. Ob es eine entsprechende Geschwindigkeitsbeschränkung für den Vorstellpflug gibt?


Hinter der Haltestelle Schmalbachstraße stadteinwärts erwarteten wir den Räumzug erneut. Anschließend erreichte er am Stadion wieder geräumtes Gebiet und konnte Fahrt machen in Richtung der nächsten freizulegenden Strecke.


Binnen kürzester Zeit wurden vier Bahnen nach Wenden geschickt, darunter auch zwei hier selten anzutreffende 07er. Als erster Linienwagen des Tages verlässt 0760 die Schleife am Heideblick, inzwischen bei schönstem Winterwetter.


Keine zehn Minuten später folgt Tramino 1952. Normalerweise würde am Samstag ein 15-Minuten-Takt gelten.


Erneut nur zehn Minuten später macht sich NGT8D 0759 auf den Weg zum Hauptbahnhof.


Sonntag, 11. Januar 2026

Bis zum Sonntag lief der Verkehr wieder planmäßig. In der Nacht war Braunschweig derweil tiefgefroren worden. Dicker Reif lag auf den Bäumen und die Sonne kämpfte sich hier und dort durch den Hochnebel. Eine teils märchenhafte Winterstimmung. Ich brach gegen Mittag Richtung Weststadt und Broitzem auf, wo sich der Hochnebel im Gegensatz zum Norden gelichtet hatte.


NGT8D 0761 hat die Haltestelle Saalestraße verlassen und erreicht gleich die Endschleife Weserstraße der Linie 3 in der Weststadt.


Auf der anderen Weststadtstrecke nach Broitzem erklimmt wenig später Tramino 1466 die Steigung auf die Bahnbrücke hinter der Haltestelle Am Lehmanger.


Für den eine halbe Stunde später folgenden Tramino 1451 brach die Sonne komplett durch den Nebel, sodass ich auf die sonnentechnisch günstigere Streckenseite wechselte.


Anfang Januar steigt die Sonne nie hoch genug, damit die “Fotowiese” zwischen der Endschleife Turmstraße in Broitzem und der Haltestelle Kruckweg voll in der Sonne liegt. Für eine Aufnahme mit Schnee reicht es aber. Tramino 1451 ist zur nächsten Runde zum Hauptbahnhof aufgebrochen.


Auch auf der 5 durfte am Sonntag zumindest ein 07er ran. NGT8D 0762 an der gleichen Wiese andersherum gesehen auf dem Weg zur Endschleife Turmstraße.


Eine letzte Aufnahme an der 5 entstand Am Queckenberg mit Tramino 1466 Richtung Broitzem.


Jonas war derweil an diesem herrlichen Wintertag auch nicht ganz untätig und hat ebenfalls einige wunderbare Winterimpressionen einfangen können. Die “Weihnachtsbahn” 1951 kommt als Linie 1 aus dem Heidberg und erreicht gleich den Sachsendamm.


In der Endschleife Anklamstraße im Heidberg bot sich schönste Winterstimmung mit den tief eingefrorenen Bäumen.


Meine morgendlich erste Perspektive Am Lehmanger nun mit passendem Sonnenstand und leicht abgewandeltem Bildausschnitt. Tramino 1451 ist auf dem Weg nach Broitzem.


Auf der anderen Seite, kurz vor der Haltestelle Am Lehmanger ist Tramino 1466 auf Höhe der ehemaligen Schleifeneinfahrt zu sehen.


Gut einfangen, wenn die Straßen langsam zu grauen Matschpisten verkommen, lässt sich der Winter auch immer an der Endschleife Weserstraße. Dort wartet am Nachmittag Tramino 1467.

Soweit der kleine Bilderbogen zum Winter in Braunschweig. Zum Montag ist Eisregen und später Tauwetter angesagt und nach den aktuellen Prognosen war es das nach einer Woche dann vorerst auch schon wieder mit dem seltenen Winter im Norden. Ausgeschlossen natürlich nicht, dass er in den kommenden zwei Monaten noch einmal zurückschlägt.

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