Endlich geht es weiter mit Japan. Heute widmen wir uns bereits unserem zehnten Betrieb auf dieser Reise, Toyohashi. Den zehnten Platz in unserem persönlichen Ranking wird Toyohashi wohl nicht erreichen, dennoch gibt es auch hier wieder einige einmalige Fahrzeugtypen und bei gerade einmal 5,4km Streckenlänge waren immerhin vier verschiedene Baureihen im Einsatz.

Nachdem es vom Großraum Osaka/Kyoto nun doch wieder einen kleineren geografischen Sprung auf der Hauptinsel Honshu gab, an dieser Stelle wiedermal die Übersichtskarte Japans mit den 17 verbliebenen Straßenbahnbetrieben des Landes. Wir haben uns inzwischen von den drei Betrieben auf der Südinsel Kyushu und den beiden auf der kleinsten Hauptinsel Shikoku, bis etwa in die Mitte der Hauptinsel Honshu vorgearbeitet. Am Nachmittag wird es dann den Wechsel von der Süd- an die Nordküste geben, um als nächstes die drei Betriebe Fukui, Takaoka und Toyama zu besuchen.
Toyohashi, an der Südküste und etwa auf mittiger Höhe von Honshu, 60km südlich von Nagoya gelegen, gehört zur Präfektur Aichi und zählt etwa 370.000 Einwohner. Selbst für diese Stadtgröße winzig mutet die 1925 eröffnete und heute 5,4 km lange Straßenbahn an. Ausgehend wie so oft vom Bahnhof am Tokaido-Shinkansen und der konventionellen Tokaido-Mainline in der Innenstadt, teilt sich die Strecke auf dem Weg in die östlichen Wohngebiete erst an der vorletzten Haltestelle Ihara. In einem 90-Grad-Winkel knickt hier die Strecke zur Endstation Undokoen-mae nach Süden ab, während geradeaus weiter die Strecke zum Depot an der Haltestelle Akaiwaguchi verläuft. Bemerkenswert an diesem Abzweig ist hauptsächlich der Kurven-Radius von lediglich 11m, womit es sich um die engste Straßenbahnkurve Japans handeln soll. Dies ist wohl auch der Grund, warum der neueste Niederflurwagen – ein dreiteiliger Multigelenker – nur auf der Linie zum Depot nach Akaiwaguchi eingesetzt werden kann.
Damit sind wir auch schon beim Wagenpark von Toyohashi, der zum Großteil aus Gebrauchtfahrzeugen anderer Betriebe besteht, aber vergleichsweise modern und übersichtlich ist. Aktuell im Liniendienst befinden sich vier Baureihen, ein letztes Fahrzeug der Type Mo3200 steht für Sonderfahrten bereit.
Type Mo3200
Die Fahrzeuge der späteren Type Mo3200 wurden 1955 und 1956 bei Nippon Sharyo mit den Nummern 581 bis 584 für die Straßenbahn Gifu gefertigt. Drei Fahrzeuge wurden von Toyohashi übernommen, erhielten die Nummern 3201 bis 3203 und gingen 1976 und 1981 in Betrieb. Es waren die letzten Fahrzeuge der frühen Nachkriegszeit, die bis zur Inbetriebnahme der Mo800 aus Fukui im Jahr 2020 im Einsatz standen. Der Wagen 3203 wurde für die Verwendung als Event-Bahn umgestaltet und ist noch immer einsatzbereit.

Auf dem recht gut einsehbaren Betriebshof Akaiwaguchi versteckte sich leider ausgerechnet der noch für Sonderfahrten betriebsfähige Wagen 3203 ein wenig.

1991 standen die drei Fahrzeuge der 3200er Baureihe noch für fast 20 Jahre im Einsatz. Hier Wagen 3201 am 23. Mai 1991, damals noch ohne Klimaanlage.
Type Mo3500
Die Fahrzeuge der Type Mo3500 stammen aus der Serie von einst 93 Fahrzeugen der Type 7000 aus Tokyo, die ab 1954 von verschiedenen Herstellern gebaut wurde. Ihr heutiges, kantiges Äußeres erhielt ein Teil der Fahrzeuge in Tokyo bei einem Neuaufbau in den 70er-Jahren. Die bei der Arakawa-Line ab 2016 erneut modernisierten und als Type 7700 neu eingereihten Fahrzeuge, stehen in Toyko noch immer im Einsatz. Vier Fahrzeuge der neuaufgebauten 7000er-Serie gelangten 1992 und 2000 nach Toyohashi und wurden dort nach umfangreichem Umbau mit den Nummern 3501 bis 3504 in Betrieb genommen. Die Fahrzeuge mussten unter anderem an die normale Einstiegshöhe auf Straßenniveau angepasst werden, da die Arakawa-Line in Toyko an Hochbahnsteigen hält. Türen und Einstiegsbereiche mussten somit komplett umgebaut und versetzt werden. Auch die Drehgestelle mussten von Regelspur auf Kapspurdrehgestelle getauscht und entsprechende Anpassungen vorgenommen werden. Eine weitere größere Auffrischung erhielt bislang nur der Wagen 3503 Anfang 2024.

Die aus Tokyo übernommenen Fahrzeuge 3501 bis 3504 wurden in Toyohashi auf Einstiege vom Straßenniveau und Kapspur umgebaut. Hier zu sehen 3501 am 15. April 2025 auf Rangierfahrt vor dem Depot.

3502 wurde derweil im Linienbetrieb eingesetzt.

Im Depot war der bis Anfang 2024 modernisierte 3503 zu sehen. Gut zu erkennen, die Änderungen am Wagenkasten mit Wegfall eines Fensters und dafür einer breiteren zweiflügeligen Tür in der Mitte. Auch die Scheinwerfer und Zielanzeigen wurden getauscht.
Type Mo780
Die sieben Fahrzeuge der Baureihe Mo780 stammen ursprünglich aus Gifu und wurde 1997 von Nippon Sharyo geliefert. Die Fahrzeuge ähneln stark den etwas älteren, sechsachsigen Gelenkwagen aus Gifu, die heute in Fukui eingesetzt werden. 2005 gelangte die Serie nach der Einstellung der Straßenbahn Gifu nach Toyohashi und behielt ihre alten Nummern 781 bis 787. Die Wagen sind noch heute weitgehend unverändert zu ihrem Auslieferungszustand aus Gifu und tragen, wie fast der gesamte Wagenpark, allesamt Vollwerbungen.

Die Fahrzeuge der Type Mo780 kommen, abgesehen von den verschiedenen Werbungen, äußerlich alle identisch daher. Weitgehend unverändert noch immer zum Auslieferungszustand aus Gifu. Mindestens vier der sieben Fahrzeuge standen am 15. April 2025 im Einsatz, zwei weitere sahen wir abgestellt im Depot und im Abstellgleis an der Haltestelle Keirinjo-mae.
Type Mo800
Auch die drei Fahrzeuge der Baureihe 800 stammen ursprünglich aus Gifu und waren sowohl dort, als auch später in Fukui und Toyohashi die ersten Niederflurwagen. Zunächst gelangte nach der Einstellung der Straßenbahn Gifu im Jahr 2005 nur der Wagen 801 nach Toyohashi und die Wagen 802 und 803 nach Fukui. Erst 2019 wurden auch diese beiden Fahrzeuge nach Toyohashi abgegeben. Es handelt sich weiterhin um vierachsige Großraumfahrzeuge mit Drehgestellen, allerdings ist der Wagenboden durchgehend über alle Einstiege niederflurig.

Als erster Niederflurwagen gelangte im Jahr 2005 Wagen 801 aus Gifu nach Toyohashi.
Erst 2019 folgten die beiden anderen Wagen der Type 800, die aus Gifu den Umweg über Fukui nahmen. Die Wagen 801 und 803 standen am 15. April 2025 im Einsatz, 802 stand im Depot abgestellt.
Type Mo1000
Erst 2008 folgte nach Jahrzehnten das erste Neufahrzeug für Toyohashi. Ein dreiteiliger Multigelenker aus der Typenfamilie Little Dancer Ua wurde von Alna geliefert. Bis heute blieb dieser Wagen in Toyohashi ein Einzelgänger, nahezu baugleiche Fahrzeuge kommen aber bei einigen anderen japanischen Betrieben zum Einsatz, beispielsweise in Osaka.

Das aktuell einzige, neu an Toyohashi ausgelieferte Fahrzeug im Einsatzbestand ist der Little Dancer Ua 1001 aus dem Jahr 2008. Den engen 11m-Radius an der Haltestelle Ihara darf der Multigelenker nicht befahren und kommt daher ausschließlich auf Kursen nach Akaiwaguchi zum Einsatz.
Dienstag, 15. April 2025 I: Toyohashi
Noch vor dem Frühstück bot unser Zimmer im Bahnhofshotel einen ersten Blick auf die Straßenbahn von Toyohashi, die seit 1998 nicht mehr mittig auf der auf den Bahnhof zulaufenden Straße endet, sondern noch einige Meter weiter unter den Vorbau des Gebäudekomplexes führt. Vielleicht war dieser weite Blick über Straßenbahn und Stadt bis zu den Bergen im Hintergrund auch schon das schönste an Toyohashi, aber das wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht und starteten frohen Mutes in den Tag.

Blick aus unserem Hotelzimmer im Bahnhofkomplex über Toyohashi und die auf den Bahnhof zulaufende Strecke mit Wagen 785.

Der Wolkenmix kreiert am Morgen eine spannende Lichtstimmung über der Stadt. Es ist das typische japanische Großstadtbild. Auch Toyohashis Innenstadt wurde im 2. Weltkrieg zu 60% zerstört und hinterher mehr oder weniger komplett neu hochgezogen, die Straßenbahn dabei auf den üblichen breiten Boulevards in Straßenmitte neutrassiert.
Erstmal runter zum Frühstück, allerdings wie fast immer nicht im Hotel, sondern beim ausgewählten Bahnhofsbäcker. Wir checkten schonmal aus, hinterstellten unser Gepäck an der Lobby und fuhren dann eine Etage weiter nach unten in den öffentlichen Bereich des Bahnhofes. Eine Ecke weiter fand sich auch schon eine der Bäckerei-Ketten, in der es glücklicherweise auch Sitzgelegenheiten gab. Ansonsten hätten wir eben natürlich noch nicht ausgecheckt, sondern das Frühstück mit hoch auf’s Hotelzimmer genommen.
Zwanzig Minuten später fanden wir uns draußen vorm Bahnhof wieder und bekamen sogleich ein wenig Sonne ab und den Einzelgänger 1001 vor die Linse. Wir hatten ja inzwischen gelernt, dass sich oftmals nicht unbedingt die Altwagen rarmachen, sondern viel mehr die oft wenigen Niederflurwagen. Dicker Haken im Panini-Album.

Mo1000: Check! Der bislang einzige Wagen dieser Niederflurbaureihe in Toyohashi fährt hier in die Endhaltestelle unter dem Bahnhofsvorbau ein.

Der nächste Kurs brachte den Mo780 782, eines der vielen aus Gifu stammenden Fahrzeuge. Auf dieser Geraden endete die Straßenbahn wie üblich eingleisig in Straßenmitte, bevor sie 1998 die wenigen Meter an den Bahnhofskomplex heran verlängert wurde.

Ein Blick zurück in der Zeit gefällig? Bitteschön: Wagen 3302 erreicht am 23. Mai 1991 die damalige Endhaltestelle auf der Straße zum Bahnhof, heute Ekimae-odori. Die zwei 1961 gebauten Fahrzeuge 3301 und 3302 waren ebenfalls Gebrauchte und wurden 1967 aus Kanazawa übernommen.

Blick in Richtung Bahnhof von einer Fußgängerbrücke, ebenfalls am 23. Mai 1991, mit den Wagen 3108 und 3702. Zu dieser Zeit waren die vielen jüngeren Gebrauchten aus Gifu und Tokyo noch nicht in Toyohashi, sodass noch die Baureihen aus den 50er- und 60er-Jahren und sogar Vorkriegsfahrzeuge im Einsatz standen, wobei es sich auch bei diesen meist um Gebrauchtfahrzeuge handelte. Neun Mo3100 wurden 1971 aus Nagoya übernommen und standen noch bis in die 2000er Jahre im Liniendienst. Ebenfalls aus Nagoya stammten die vier Vorkriegsfahrzeuge der in Toyohashi als Mo3700 eingereihten Wagen, die 1963 übernommen wurden.
Zurück ins hier und jetzt: Im Vorhinein hatten wir keine Informationen über das Vorhandensein von Tageskarten für die Straßenbahn in Toyohashi gefunden. Bei der eh mehr als kurzen Streckenlänge, hielten wir uns mit diesem Thema daher auch nicht länger auf, sondern wollten einfach Einzelfahrten in bar bezahlen. Hierin besteht auch schon ein Kuriosum der Straßenbahn Toyohashi: Ander als bei allen(?) anderen Betrieben des Landes, wird in Toyohashi nicht beim Aussteigen vorn beim Fahrer bezahlt, sondern direkt beim Einsteigen. Entsprechend ist die erste Tür beim Fahrer auch der Einstieg und nicht der Ausstieg, der über die Mitteltür erfolgt. Wir liefen also beim Einsteigen erstmal auf, zunächst, weil wir an der falschen Tür warteten und dann, weil wir vom Bezahlen beim Einsteigen überrascht wurden und erstmal nach Geld kramen mussten. Aber alles in japanischer Ruhe und Höflichkeit. Eine weitere Besonderheit: Um den Barzahler-Prozess zu beschleunigen, ziehen die Wechsel- und Bezahlautomaten den Betrag für eine Einzelfahrt direkt ab, wenn man irgendwelches Geld in den Wechselautomaten stopft. Haben wir bewusst auch nur hier in Toyohashi so erlebt. Hilfreich natürlich, wenn man das vorher weiß, denn so haben wir die erste Fahrt leicht überbezahlt, da wir nach dem Geldwechseln noch einmal den Betrag für eine Einzelfahrt eingeworfen haben, nicht bemerkend, dass der bereits abgezogen worden war. Alles nicht schlimm, aber schon seltsam, dass es hier alles bisschen anders läuft.
Ein weiteres kurioses Detail ist zumindest bei den Fahrzeugen der 780er-Baureihe das “Schlüsseln” der Türen. So einen Wagen erwischten wir gleich bei der ersten Fahrt und wurden dadurch auf diese Eigenheit aufmerksam. Auch die Mo800 haben eine ähnlich funktionierende Apparatur im Fahrerstand, ob auch mit einem Schlüssel, kann ich allerdings nicht sagen.

Die Türen werden bei den Mo780 durch das “Schlüsseln” des Fahrers geöffnet und geschlossen: Wagen hält an, Fahrer steckt den Schlüssel in den Kasten und dreht ihn um, drückt den gewünschten der beiden Taster unter dem Kasten ein – hier der linke für die Mitteltür und der rechte für die Fronttür – Tür öffnet sich. Wenn der Schlüssel zurückgedreht und gezogen wird, schließt sich die Tür wieder. Den Kasten gibt es jeweils einmal rechts und links im Fahrerstand für die entsprechende Fahrzeugseite, da es in den eingleisigen Bereichen Haltestellen mit Bahnsteigen auf der “falschen” Seite gibt. Irgendwie wurden schon einfachere Lösungen zum Öffnen und Schließen von Fahrzeugtüren erfunden…

Blick in den Fahrgastraum von Wagen 782. Der Wagen war doch erstaunlich leer auf dem Weg nach Undokoen-mae. Gut, um halb zehn ist nicht mehr wirklich Rush Hour. Aber auf den letzten Stationen waren wir schon die einzigen Fahrgäste und es ging auch schon wieder unglaublich zäh voran. Immerhin 22 Minuten Fahrzeit für die kurze Strecke.

Wagen 782 hat sich durch den 11m-Radius hinter der Haltestelle Ihara gezwängt und die Endstation Undokoen-mae erreicht.

Hier bleibt quasi keine Pause – schnell geht es zurück Richtung Ekimae.

Die engste Straßenbahnkurve Japans schauten wir uns nach dem erfolgreichen Durchfahren natürlich auch von außen noch ausgiebig an. Ist schon ein ungewöhnlich enger Radius, durch den sich der Niederflurwagen 801 hier von Undokoen-mae in die Haltestelle Ihara zwängen muss. Man beachte nur, wie sich selbst die schmalen Kapspurdrehgestelle unter dem Wagenkasten hervordrehen.

Wir liefen im Anschluss die eine Haltestelle des anderen Astes zum Depot Akaiwaguchi hinunter. Das Gelände sah schon etwas rumpelig aus, dafür ist es aber von außen ziemlich gut einsehbar. 781 und 802 warten in der Abstellgruppe auf neue Aufgaben.

Was ich mit rumpelig meine? Diese Bretterbuden zum Beispiel, die sich an die Wagen- und Werkstatthalle anschließen.

Die Endhaltestelle Akaiwaguchi befindet sich unmittelbar neben dem Depot. Mit 3502 erreicht eine weitere Baureihe das Ende der Linie. Den aus Tokyo stammenden Fahrzeugen fehlt eigentlich die dritte Tür, um bei Haltestellen auf der in Fahrtrichtung rechten Seite dennoch das Einsteigen und Zahlen beim Fahrer zu ermöglichen, wie hier an der Endhaltestelle. Gleiches gilt für den Niederflurwagen 1001. Wie das dann bei diesen Wagen funktioniert, wäre eine interessante Frage. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, oder wir sind gar nicht in einem solchen mitgefahren.

Eine für unsere Augen bizarre Szene spielte sich ab, als einige Wagen im Depot hin und her rangiert wurden und dafür jeweils auf die Straße ausgezogen wurden. Das Ganze wurde von einem äußerst motivierten und pflichtbewussten Mitarbeiter mittels roter und grüner Flagge gesichert. Da konnte aber wirklich nichts mehr passieren, mehr Absicherung geht nicht. Die Flaggenmännchen hatten wir auch schon an anderen Depotzufahrten gesehen, aber mit einem solchen Eifer, war dabei noch niemand zu Werke gegangen. Das nachfolgende Video vom 3501 zeigt es eigentlich am Besten.

3501 ist wieder sicher im Depot und wir blicken noch einmal durch die Einfahrt auf das Gelände. Rechts der unlängst modernisierte 3503, daneben der Sonderwagen 3203 und jetzt ganz links in der Werkstatthalle der 3501.
Wir liefen nochmal zurück zum Abzweig Ihara mit der 11m-Kurve. Ein nahes Wohnhaus, dessen außenliegendes Treppenhaus frei zugänglich war, diente uns hier für eine erhöhte Perspektive auf die enge Kurve. Höher, als die gewöhnlichen Fußgängerbrücken, von denen es hier draußen auch keine mehr gibt 😉

Wagen 785 kratzt die Kurve am Abzweig Ihara nach Undokoen-mae.
War ziemlich windig und frisch hier oben, schnell wieder runter. Wir liefen anschließend den eingleisigen Abschnitt vom Abzweig weiter stadteinwärts bis zur nächsten Haltestelle Keirinjo-mae, ab der es dann durchgehend zweigleisig wird. Hier befinden sich auch zwei kürzest mögliche Abstellgleise, in die jeweils soeben einer der kleinen Vierachser passt. Alles nicht unbedingt DIE Motive und schön im eigentlichen Sinne hier, aber es sah wenigstens mal anders aus, als sonst auf den breiten Boulevards. Eingleisig in Mittellage zwischen niedriger Bebauung.

Wagen 785 im eingleisigen Abschnitt zwischen Ihara und Keirinjo-mae.

Nachdem 785 den eingleisigen Abschnitt hinter der Haltestelle Keirinjo-mae verlassen hat, kann 784 Richtung Undokoen-mae einfahren.

In der kleinen Abstellanlage an der Haltestelle Keirinjo-mae wartet 783 auf neue Aufgaben.
So richtig wollten die angekündigten, kleineren und größeren Auflockerungen noch nicht ankommen. Wir stiegen erstmal in die nächste Bahn ein und fuhren bis zur Haltestelle Shiyakusyo-mae stadteinwärts, wo wir auf der Hinfahrt eines der wenigen repräsentativen Gebäude an der Strecke entdeckt hatten, das sowas wie ein Motiv abgeben könnte. Nicht zu verachten auch das Parallelogramm von Fußgängerbrücke mit je zwei gebogenen Abgängen je Ecke, dass sich hier über der anschließenden Kreuzung aufspannt.
Mit der City Hall, die wir hier als Motiv auserkoren hatten, war es derweil nicht ganz einfach. Die Ampeln an erwähnter Kreuzung, waren genau so verschaltet, dass sich quasi immer ein Rückstau bildete und die eine Ampel weiter vorn mit der Tram startenden Autos hier immer aufliefen und langsam durchs Bild rollte oder bereits standen. Ohne Tricksereien im Photoshop war da mehrere Kurse lang nichts zu machen. Und wir hingen hier mit Unterbrechung weit über eine halbe Stunde herum. Was Besseres hatten wir eh nicht zu tun, während wir beobachteten, wie ein blaues Feld am Horizont langsam näher rückte.

Viel Wartezeit an unserem City Hall-Motiv. Da bleibt Zeit, den Verkehr etwas zu beobachten. Zum Glück sind das hier Rechtslenker…

Für japanische LKW gilt: Besser als Chrom, ist nur noch mehr Chrom. Das hatten wir schon mehrmals festgestellt. Hier ein besonders glänzender Vertreter.

Mit 786 Richtung Ekimae hatte es dann zwischen den Autos wenigstens mal eine Lücke in Fahrzeuglänge, den Rest hat Photoshop dank Mehrfachauslösung erledigt.

Natürlich gibt es schon 100m von der Kreuzung entfernt die nächste Fußgängerbrücke auf Höhe der City Hall. Nehmen wir natürlich gern und schießen noch ein Bild aus erhöhter Position.

Neben der City Hall steht ein Paar mürrisch dreinblickender Adler.
Wir vertrödelten gerade eigentlich weiterhin nur die Zeit, bis endlich die eben schon am Horizont sichtbaren Aufhellungen bei uns waren, um wenigstens nicht ganz ohne Sonnenbilder aus Toyohashi abzuziehen. Also gingen wir mal in den kleinen Park hinter der City Hall. Wirklich eindrucksvoll war das nicht, ebenso wenig wie die kleine Burg Yoshida, die sich ganz hinten im Park oberhalb des Toyokawa-Flusses befindet. Hatten wir das auch gesehen 😀

Hinter der völlig unscheinbaren Burg Yoshida, fällt der Blick von einer kleinen Terrasse über das Grün um den Yokogawa.

Ein typisches japanisches Fahrrad parkte an der Burg. Das sind hier noch richtige Drahtesel, nicht irgendwelche überzüchteten Kampf-E-Mofas 😉

Zurück an der City Hall ging es mal auf die Fußgängerbrücke über der Kreuzung. Die Schlange an Autos rechts war es, die uns das Motiv mit der City Hall immer wieder sehr zuverlässig zustellte. Mit Wagen 801 war das so früh absehbar, dass ich die Perspektive wechselte und auf die Brücke lief.

Mit 784 klappte zumindest der Nachschuss. Da die Strecke hier nach links abzweigt, floss der Geradeausverkehr ab, während 784 auf die Abbiegerphase wartete und so immer wieder frei von Autos war. Farblich passt der Wagen auch perfekt zum hier aufgestellten Fußgängerbrückenmonstrum.
Es war hoffnungslos, die nicht sonnige Aufnahme mit 786 unter Einsatz von Photoshop musste reichen. Denn jetzt die komplette Sonnenphase hier zu vertrödeln, mit dem Risiko am Ende keine einzige Aufnahme einzutüten, war natürlich quatsch. Also liefen wir ums Eck zur Haltestelle Fudagi, um noch einmal bei Sonne ans eingleisige Stück rauszufahren, dem einzigen, das uns an der kurzen Strecke etwas interessanter vorkam.

An der Haltestelle Fudagi ist es erneut Wagen 801, der bereits wieder auf dem Weg zum Bahnhof ist.

Wir sind wieder an der Haltestelle Keirinjo-mae mit den Abstellgleisen und 786 rollt aus der Innenstadt kommend auf den eingleisigen Abschnitt zu. Dummerweise beginnt dieser unmittelbar vor der Haltestelle Keirinjo-mae, sodass die Bahn aus der Innenstadt noch warten muss, bis die meist etwas später kommende Gegenbahn 1001 gehalten und den eingleisigen Abschnitt freigegeben hat. Wiedermal nicht der dynamischste Betriebsablauf…

1001 hat den eingleisigen Abschnitt geräumt und 786 kann in die Haltestelle Keirinjo-mae einfahren. Links lugt Wagen 783 aus dem Abstellgleis.

Wenige Meter weiter Richtung Abzweig Ihara ist als nächster Kurs Wagen 801 unterwegs nach Undokoen-mae.

Den zweiten Mo800-Niederflurer 803 hatten wir noch gar nicht ansprechend heute. Das gelang wenig später an der Haltestelle Ihara Richtung Akaiwaguchi. Das Wohnhaus hinter dem Wagen hatte uns vorhin für den erhöhten Ausblick auf die 11m-Kurve gedient.

Einen letzten Sonnenversuch gab es noch am Ast zur Undokoen-mae mit 785. Die Sonne war gerade dabei sich zu verabschieden, als 785 bei Ihara um die Ecke gekrochen kam und anschließend auf uns zurollte. Angesichts des schwarzen Himmels über uns und dem veritablen Wolkenguss, der Momente später niederging, hatten wir mit diesem letzten Bild aus Toyohashi noch Glück im Unglück gehabt. Nichts wie rein in den Wagen!
Zum Glück saßen wir jetzt im Trockenen. Und auch der Übergang von der Endhaltestelle Ekimae in den Bahnhof geht ja vollkommen ohne freien Himmel über dem Kopf ab. Ebenso das Abholen der Koffer im Hotel im Bahnhofskomplex und das Erreichen des Shinkansen-Bahnsteigs. Zufall ist das nicht. Die Japaner kennen sich mit starkem und anhaltendem Regen nun wirklich bestens aus und bauen ihre Innenstädte entsprechend so, dass sich fast alle Wege unter schützenden Dächern erledigen lassen.
Wir hatten während der Straßenbahnfahrt mal die Reisemöglichkeiten nach Fukui gecheckt. Das ist etwas komplizierter als normal, da der Tokaido-Shinkansen von der Südküste über Nagoya nach Kyoto (noch) nicht mit dem aktuell an der Nordküste noch in Tsuruga endenden Hokuriku-Shinkansen verbunden ist, der uns dann weiter bis Fukui bringen würde. Die Lücke zwischen Maibara und Tsuruga mussten wir auf der alten, schmalspurigen Hokuriku-Mainline “konventionell” überbrücken. Alles kein Problem, nur so häufig, wie von den Shinkansen auf Honshu gewohnt, funktioniert das nicht. Länger wollten wir in Toyohashi aber auch nicht verweilen, dass hatte uns jetzt beide nicht so “abgeholt” hier. Daher meinte ich, die nächste Verbindung sei zwar etwas sportlich zu erreichen, aber selbst mit Boxenstop am Bäcker noch möglich. So lang braucht die Straßenbahn für die kurze Strecke hier ja nicht.
Ging sich dann tatsächlich um wenige Minuten aus und so saßen wir keine Stunde nach der letzten Aufnahme mit Gepäck, Kaffee und Mittagessen im Shinkansen. Das beide Anschlüsse auf die Minute klappten, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Am späten Nachmittag gegen 17 Uhr erreichten wir schließlich auf dem Hokuriku-Shinkansen Fukui Station. Und Toyohashi? Das reihte sich bei uns ziemlich weit unten auf der “Besuchenswert”-Skala ein. Der Wagenpark ist zwar auch hier weitgehend einmalig, aber was wirklich Altes, zumindest für japanische Verhältnisse, fehlt dann doch. Und die Strecke war über weite Teile schon die Spitze des Nichtssagenden. Einzig die enge 11m-Kurve hatte irgendwie was und in den eingleisigen Abschnitten war es zumindest mal nicht der Standard-Boulevard. Interessante Architektur suchte man aber auch dort vergebens. Es war hier ein wenig so, wie ich es vorher von den japanischen Straßenbahnen befürchtet hatte und zum Glück über weite Teile dieser Reise falsch lag. Toyohashi wurde für uns zum Sinnbild des Nichtssagenden. Immer wenn wir irgendwo mal wieder an einer breiten, vielbefahrenen Straße standen und uns fragten, was das hier sollte, sagten wir uns nun: Immerhin nicht Toyohashi! Gut, vielleicht tun wir der Stadt und der Straßenbahn jetzt auch etwas Unrecht 😉

Umstieg vom Kapspur-Nasentürer auf der Hokuriku-Mainline auf den Hokuriku-Shinkansen in Tsuruga.

Ausfahrt unserer Baureihe E7 aus Fukui. Aus meiner Sicht von den aktuellen Baureihen optisch eine der schönsten. Im Südwesten, wo wir zu Beginn dieser Reise herkamen, sind die langweiligen N700 wirklich eine Seuche.
Nass war es auch hier in Fukui noch, aber vielleicht würde das Richtung Abenddämmerung einige schöne Stimmungsbilder erlauben. Reflexionen und Spiegelungen und so… Schauen wir mal. Erstmal stehen wir jetzt wieder auf einer Rolltreppe, diesmal vom Shinkansen-Bahnsteig hinab zu unserem nächsten Ziel auf dieser Reise, die Fukubu-Line von Fukui in die Nachbarstadt Echizen. Davon dann im nächsten Teil mehr.

Hi Tobias,
mal wieder ein sehr schöner Beitrag! Vielen Dank dafür.
Bei meinem Besuch am 2. Oktober hatte ich dann wohl einfach Glück, denn der 3203 fuhr im Regelverkehr auch außerhalb der HVZ! Mittlerweile ist er gelb lackiert mit einem breiten roten Streifen unterhalb der Fenster.
Ich freue mich auf deine weiteren Beiträge. Das ergänzt mein Wissen und lässt die eigene Reise nochmal Revue passieren.
Liebe Grüße
Moritz
PS: Mein Eindruck von Toyohashi war etwas besser denn nach einer Woche in Tokio, konnte ich mich über ein bisschen japanische Provinz ohne Touristen freuen 🙂
Hi Moritz,
Danke Dir, freut mich, wenn auch dieser Teil gefallen hat!
Interessant, so “neulackbedürftig” sah der 3202 gar nicht aus. Aber den malen sie scheinbar fast jährlich um, wenn man sich ein wenig durch die Datenbank klickt: https://transphoto.org/vehicle/456373/
Das die “Museumswagen” im Planbetrieb auftauchen, ist tatsächlich bei mehreren japanischen Betriebe immer wieder der Fall, selbst wenn genügend anderes zur Verfügung steht. Da ohnehin überall noch Hochflurwagen laufen, ist es zumindest für den Fahrgast auch ein wenig egal…
Das Toyohashi nach Tokio auch Erholung sein kann, verstehe ich absolut 😉 Aber wir waren ja zum größten Teil der Reise in der “Provinz” und Tokio war mit einem Tag, um schnell bei den beiden Straßenbahnen vorbeizuschauen und wieder zu “fliehen”, eher ein Fiebertraum 😀 Die Wahrnehmungen auf so einer Reise sind natürlich auch immer sehr subjektiv und ich versuche das mit ein wenig Ironie auch immer in die Reiseberichte einfleißen zu lassen.
Viele Grüße,
Tobias
Hi Tobias,
die Wandlungen des 3202 sind sehr spannend! Tatsächlich sah er bei meinem Besuch so aus wie auf den Transphoto-Bildern von 2017, 2020 und 2021. Da wird dann also doch eher mal die ein oder andere Folie geklebt und wieder entfernt 🙂
Viele Grüße
Moritz