Wir sind nun schon den dritten Tag auf Korsika und widmen diesen, wie den gestrigen Nachmittag, noch einmal der Tramway de la Balagne zwischen Calvi und Île Rousse. Der auf vier der sechs Umläufen eingesetzte X 97000 ist dabei leider eine ziemlich verratzte Karre.
Donnerstag, 16. April 2026
Der Morgen startete auch heute wieder früh. Aber wir sind froh über jeden der wenigen Züge und wenn der erste am Morgen bereits Chancen auf Sonne hat, dann stellt sich die Frage eigentlich nicht, ob wir für diesen schon an der Strecke stehen. Eher stellt sich die Frage, ob wir vorher schon irgendwo an ein Frühstück kommen. Denn der erste Zug, der morgendliche Langläufer Nr. 150 aus Calvi nach Ponte Leccia, ist bereits um 7.45 Uhr bei uns in Île Rousse. Da wir auch noch zur verbotenen Stelle in den Felsen vor der Bahnhofseinfahrt von Île Rousse gelangen müssten, sollten wir im Bestfall um 6.30 Uhr schon irgendwo eine geöffnete Patisserie finden.
Wir warfen den Schlüssel an der Rezeption ein und verschoben das Auto nach unten in den Ort vor die noch geschlossene Postfiliale. Unser eigentliches Ziel stellte sich als Flop heraus, eine Chance sah der Kartendienst aber noch in der Avenue Piccioni, an der wir nun eh gerade standen und der Patissier Tomasini ließ uns nicht hängen. Man war zwar noch fleißig am Backen und Herrichten der Auslagen, hatte aber schon ein wenig Süßgebäck und Kaffee für uns. So mussten wir anschließend nicht mit leerem Magen das Auto auf den Bahnhofparkplatz verschieben und auf gleichem Weg wie gestern am Rückweg, nun in die andere Richtung zu der engen Felsdurchfahrt vor Île Rousse laufen.

Im Hafen von Île Rousse liegt heute Morgen die Monte d’Oro der Corsica linea. Das Schiff bedient im Normalfall die Route nach Marseille. Der Monte d’Oro ist mit 2390m einer der Hauptgipfel Korsikas. Er liegt in dem Massiv, das von der CFC zwischen Vizzavona und Bucugnà im langen Scheiteltunnel seitlich unterfahren wird.
Wir hatten gestern Abend auch schon einmal etwas weiter in die Zukunft gesehen um zu schauen, wie wir denn am sinnvollsten von dieser Insel wieder runterkämen, um Sonntagvormittag für die Fahrt des historischen Renault-Triebwagens an der Provencebahn zu sein. Das Sinnvollste, im Grunde aber auch fast Alternativlose, war die abendliche Überfahrt von hier in Île Rousse nach Nizza am Samstagabend. Den halben Samstag könnte man dann hier noch ein bisschen auf Korsika anstellen und würde dann gegen Mitternacht Nizza erreichen. Diese Überlegung wurde auf dem Felsen vor Île Rousse zur beschlossenen Sache und so buchte ich nach Priorität 1 “Erste Schicht Sonnencreme auflegen”, als Priorität 2 die Corsica Ferries nach Nizza. Nach 190€ für die Überfahrt Livorno-Bastia, sollte diese Fahrt jetzt unter 90€ kosten. Ich dachte erst ich hätte irgendwo falsch geklickt, aber es passte alles. Nehmen wir gern mit, diesen Schnapper.
Man merkt schon: Unser Plan am frühen Morgen hatte etwas Luft gelassen, nur knapp nach Planzeit kündigte sich dann aber doch mit dem Brummen eines AMGs der Zug Nr. 150 nach Ponte Leccia an. Der Felsdurchbruch und die Stützmauer waren in der letzten Viertelstunde auch noch ausreichend weit aus den Schatten aufgetaucht.

AMG 817+818 durchsticht als Zug Nr. 150 am Morgen den Felsdurchbruch vor Île Rousse.
Das Frühstück vor dem ersten Zug war auch dem Umstand geschuldet, dass wir nun auf die erste Fahrt der Tramway de la Balagne nicht übermäßig viel Zeit hatten. Die kommt mit nur einer knappen Stunde Rückstand auf den Langläufer in Île Rousse an und wir mussten dem Zug noch ein Stück entgegenfahren und zur angedachten Stellen zwischen Aregno und Marine de Davia gelangen. Wir parkten in den Anwohnerstraßen unweit des letztgenannten Haltpunktes und liefen über die üblichen Trampelpfade vom Ortsrand an die Strecke hinaus. Die letzten Meter waren wiedermal an der Strecke zurückzulegen, dann erreichten wir den geplanten Ausblick auf die Strecke und Küstenlinie. Die Drohne hatte hier ihren ersten und letzten Einsatz des Tages, an allen anderen Stellen, die wir heute aufsuchten, war der Einsatz entweder nicht erlaubt oder brachte keinen Mehrwert.

Die Drohne ist dem Zug 300 noch ein ganzes Stück entgegengeflogen und blickt über das Gestrüpp der Küste in die Bucht von Algajola. An dem großen Strand liegt der Haltepunkt Aregno.

Mit X 97054+9701 ist heute die gleiche Siffkiste unterwegs wie gestern. Was anderes steht auch gar nicht in Cavli und müsste erst überführt werden. Falls überhaupt noch ein zweiter der Triebwagen einsatzbereit ist. Am Vormittag blickt man immerhin auf die wenig verunstaltete Landseite des Zuges. Nur eine kleine Schmiererei an der Front des Steuerwagens trübt den Eindruck. Hätte man digital einfach entfernen können. Aber nein, das verdient diese ranzige Karre nicht.
Für die Rückfahrt als 301 hatten wir ein Vormittagsmotiv kurz hinter dem Bahnhof Algajola auf dem Zettel, mit Blick über den kleinen Hafen. Weit zu fahren hatten wir es entsprechend nicht, sodass mehr als genug Zeit blieb ein wenig zu schauen und sich noch auf zwei verschiedene Stellen aufzuteilen.

Als Zug 131 kommt X 97054+9701 aus Île Rousse zurück und ist soeben lautstark aus dem Bahnhof Algajola ausgefahren. An der kleinen Hafenmauer dort unten, werde ich heute Abend eine ganze Zeit herumhängen und eine Perspektive aus der anderen Richtung umsetzen.

200 Meter weiter der Blick in die Gegenkurve.
Jetzt war es erneut Zeit für eine Expedition zu den genialen Landschaftsblicken bei Giorgio. Genug Zeit blieb uns, denn der Zug steht erstmal 20 Minuten in Calvi herum und muss dort auch erstmal hin und anschließend wieder bis zurück nach Giorgio fahren. Wir hatten also rund eine Stunde um uns zu verschieben und wieder in die Hügel bei Giorgio zu schlagen. Der geplante Ausblick lag diesmal im Grunde direkt oberhalb des Haltepunktes auf einem felsigen Hügel. Felsig leider nur im oberen Bereich, sodass wir uns vom Pfad noch zehn Minuten querfeldein durch stacheliges Gestrüpp schlagen mussten, immer die Position von DS RailView mit unserem aktuellen Standort vergleichend. Denn man sah wiedermal bis fast zuletzt nichts von der Strecke und musste entsprechend etwas blind auf den passenden Ausblick zu navigieren, wobei der kürzeste Weg in diesem Gestrüpp nicht immer gleich der Beste ist. Erstmal oben angekommen, war es dann aber einfach nur schön auf dem Felsen zu stehen und den weiten Blick über die Küste Richtung Calvi schweifen zu lassen. Auch wieder so ein Moment, wo ich einfach froh über die Jahreszeit war. Es war richtig angenehm Mitte April in der Vormittagssonne. Hier im Sommer? Auf keinen Fall!

Mit Abfahrt 10.00 Uhr ab Calvi kommt X 97054+9701 als Zug Nr 302 zwanzig Minuten nach Fahrtbeginn an unserem Felsen bei Giorgio durch. Der Blick reicht weit über die Zitadelle von Calvi hinaus.
Von unserem Feldherrenhügel schlugen wir uns durch Gestrüpp und Felsen zurück zum nächstgelegenen Weg. Bei einem in der Landschaft abgestellten, völlig abgewrackten Traktor oder Bagger oder was immer es mal gewesen war, kamen kurz Sizilien-Vibes auf. Insgesamt ist das hier zwei Inseln nördlicher aber eine ganz andere Welt. Kaum irgendwo liegt Müll herum, nicht anders, als man es von zuhause kennt. Kein Vergleich zu den allgegenwärtigen Ablagerungen, wilden Halden und Verbrennungen vor zwei Jahren auf Sizilien, die einen schon nachdenklich stimmten.

Der wird wohl nicht mehr weit fahren…
Die Rückleistung des Zuges nach Calvi wollten wir auslassen und uns stattdessen in Calvi etwas zu essen suchen. Das Frühstück war lang her und inzwischen war es fast Mittag. Gar nicht weit weg vom Bahnhof die Straße hoch, gab es wieder eine dieser großartigen Boulangerien, wo wir uns mit Süßem zum Kaffee und Pizzastücken als Nachtisch – oder anders herum – eindeckten und uns auf die Veranda setzten. Ein paar Tische weiter waren natürlich wieder die Dorfältesten lautstark und wild gestikulierend mit der Tageszeitung bei der Hand in wichtige politische Diskussionen vertieft. Großartig 😀 Hat die Brasserie noch nicht offen? Zurück am Bahnhof war die Siffkiste dann bereits angekommen von ihrer letzten Vormittagsrunde und wurde bald in die Reste der hiesigen Abstellanlagen verschoben. Damit würde dann auch heute wieder über Mittag der AMG aus Ponte Leccia übernehmen.

X 97054+9701 sind von ihrer zweiten vormittäglichen Runde als Zug 303 zurück in Calvi und haben doch eine stattliche Zahl an Fahrgästen mitgebracht. Schön ist auch die Nachmittagsperspektive mit der Zitadelle im Hintergrund. Dafür müssen wir nachher noch einmal zurückkommen.

Auch im Bahnhof von Calvi hängt eine schöne Malerei.

Kurze Zeit später wurde X 97054+9701 für die Mittagspause in die Abstellung rangiert. Die nächsten zwei Runden übernimmt wieder ein AMG.

Yachthafen und Strand sind nur einen Steinwurf vom Zentrum und dem Endbahnhof entfernt. Da kann man schonmal vergessen, sich zwischendurch umzuziehen.
Nur eine gute halbe Stunde nach der Tramway de la Balagne kommt um 12.20 Uhr auch der Zug 151 in Calvi an. Für den wechselten wir wieder an die Strandstrecke beim Haltepunkt Calvi u Pinetu. Anschließend genossen wir etwas Zeit am Strand von Calvi und ließend die nächste Fahrt Richtung Ile Rousse einfach verstreichen. So richtig was hatten wir hier am Strand für den nicht mehr auf dem Zettel. Nur die olle Siffkarre wollten wir hier nachher noch einmal umsetzen.

Der Haltepunkt Calvi u Pinetu, der seinen Namen nicht zufällig trägt, direkt am Rand des kleinen Pinienwaldes hinterm Strand.

Mit der Zitadelle von Calvi im Hintergrund und Blick über die Bucht fährt Zug 151 aus dem Haltepunkt Calvi u Pinetu aus. Natürlich wieder ein AMG. Man scheint die in Ponte Leccia aber regelmäßig durchzutauschen, damit alle mal zur Werkstatt kommen. So wurde heute AMG 819+820 zum Außenposten nach Calvi entsandt.

Allgegenwärtig sind hier in Strandnähe wieder die Teppiche aus Mittagsblumen.

Mit ihren etwa faustgroßen Blüten hatten es mir diese prächtigen Blumen irgendwie angetan.

Am Strand in der Bucht von Calvi fällt der Blick hinüber auf die Zitadelle.

Natürlich muss auch die Bucht noch mal von der Düne mit Mittagsblumen sein. So schön die Carpobrotus auch sein mögen, sind die aus dem Süden Afrikas stammenden Pflanzen in vielen Regionen, wie auch auf Korsika, ein Neophyt. Sie breiten sich in feuchtwarmen Küsten- und Bergregionen schnell aus und verdrängen dadurch einheimische Arten. Im Grunde sind es Zwergsträucher, die mit ihren kriechenden Sprossachsen bis zu 300cm lange Matten je Pflanze bilden.

Auch gelbe Vertreter sind zu finden.
So richtig die Highlights hatten wir nicht auf dem Zettel für die verbliebenen 1 1/2 Mittagsrunden des AMG. Wir fuhren der Rückleistung nach Calvi bis zum direkt neben einem Militärstützpunkt gelegenen Bahnhof U Fiumeseccu Alzeta entgegen. Neben dem Bahnhof steht auch noch ein bisschen völlig zerfallener alter Schrott herum. Unter anderem ein ehemaliger Billard-Triebwagen, später vermutlich umgebaut zum Beiwagen und der Locotracteur 114, der bis 1955 unter Zuhilfenahme eines alten Billard-Fahrgestells in Eigenleistung gebaut wurde. Mit seinem hervorstehenden Motorvorbau und den seitlichen Bullaugenfenstern ein völlig bizarres Fahrzeug. So skurril, dass es uns an die Galloping Goose aus Amerika erinnerte und auf Korsika den Spitznamen “Das Urviech von Calvi“ getragen haben soll. Beide Fahrzeuge sind allerdings komplett durch. In dem angrenzenden Wellblechschuppen soll sich noch ein vergleichsweise gut erhaltener Renault-Triebwagen im Dornröschenschlaf befinden.

AMG 819+820 erreicht den Bahnhof U Fiumeseccu Alzeta als Zug Nr. 305. Rechts ist der Wellblechschuppen zu sehen, in dem wohl noch ein alter Renault-Triebwagen zumindest halbwegs geschützt abgestellt ist.
Die nächste Runde wurde von großer Ideenlosigkeit bestimmt. Mittägliches Hochlicht, die spannenden Motive nicht richtig ausgeleuchtet oder schon erledigt, zusammen mit einer gewissen Bräsigkeit, die sich mittags bahnbricht, wenn man morgens schon vor Sonnenaufgang zum ersten Motiv strebt. Wir fuhren einfach Haltepunkte an der Küstenstrecke an, an denen wir bislang noch keine Aufnahmen gemacht hatten. Der erste, wo ein bisschen ging, war Lumio-L’Arinella. Wir dösten noch eine halbe Stunde im Schatten im Auto vor uns hin, dann gingen wir zur Strecke und schossen dem Zug 306 stumpf in den Haltepunkt hinterher. Mehr dokumentarisch das Ganze. Unmittelbar nach dem Zug ging die Schranke wieder zu. Konnte eigentlich nur eine Fehlfunktion sein, aber wir warteten mal ab was passieren würde. Wir kämen hier jetzt eh nicht weg mit dem Auto. Nach einigen Minuten ging die Schranke dann wieder hoch und wir fuhren zum benachbarten Strand-Haltepunkt Sainte-Restitude hinüber. Das Motiv hier am nordöstlichen Ende des Haltepunktes war schon etwas schöner, der Zug jetzt aber noch fast eine Stunde hin. So spazierte ich eine Weile über die hier neben einem kleinen Strandabschnitt felsige Küste. Wirklich super schön hier, nur die schon den ganzen Tag im Tiefflug kreisende A400M vom nahen Militärstützpunkt störte ein wenig die Ruhe.

AMG 819+820 als Zug Nr 306 nach Île Rousse im Haltepunkt Lumio-L’Arinella.

Felsküste bei Sainte Restitude. Nichts los hier Mitte April. Schöner könnte es kaum sein.

Blick vom Haltepunkt Sainte Restitude auf die kleine felsige Bucht mit mehreren kurzen Strandabschnitten. Fast alle Haltepunkte an diesem Streckenabschnitt liegen mehr oder weniger unmittelbar an Strandzugängen. Vermutlich der Grund, warum diese Strecke überhaupt überlebt hat. Zwar gibt es meist auch große Parkplätze, aber auch die dürften zur Hauptsaison schnell an Grenzen stoßen. Mehr als der Zweistundentakt wird aber auch zur Hauptsaison nicht geboten. Der Farhplan ist im Sommer zwar noch um eine knappe Stunde bis 20.50 Uhr gestreckt, es fahren aber trotzdem nur sechs Zugpaare.

AMG 819+820 erreicht den Haltepunkt Sainte Restitude als Zug Nr.307 Richtung Calvi.
Damit war nun wieder Siffkistenzeit. Nicht schön, aber selten und so kam wieder Leben in unsere zwischenzeitlich träge Unternehmung. Zunächst wollten wir jetzt noch das Bahnhofsbild Calvi mit der Zitadelle aufnehmen, danach die Siffkiste am Strandabschnitt in Calvi und dann stand die Bucht von Algajola noch ganz weit oben auf der Liste.

Durch einen alten Verladekran fällt der Blick auf X 97054+9701 im Endbahnhof Calvi, der sich bereitmacht für die zwei Nachmittag-/Abendrunden nach Île Rousse.

Für AMG 819+820 wurde es ein bisschen stressig, denn der musste nach seiner Ankunft als Zug Nr 307 wieder weg vom Bahnsteig, um noch ein paar Liter Diesel für die Fahrt nach Ponte Leccia nachzutanken. Dann wieder an den Bahnsteig und die beachtliche Menschenmenge aufnehmen. Das alles in 15 Minuten.

Trotzdem kam er als 152 noch pünktlich raus Richtung Ponte Leccia. Da die Tramway de la Balagne mit der Siffkiste eine Viertelstunde später folgt, fährt der 152 nach Ponte Leccia auf dem Abschnitt bis Île Rousse als “Eilzug” und hält nur am Militärstützpunkt und in Algajola.

Jetzt steht nur noch X 97054+9701 im Bahnhof von Calvi und wartet auf die 16.30 Abfahrt als Zug Nr.308 Richtung Ile Rousse. So viel Trubel ist hier nur einmal am Tag.

Gestern hatten wir hier unweit des Haltepunktes Calvi u Pinetu schon einen AMG aufgenommen. Mit der alten Karre ist es aber irgendwie doch authentischer. Der Herr rechts sah uns rechtzeitig und hielt sich freundlich im Hintergrund, bis der Zug durch war. Merci!
Wir deckten uns in Algajola bei der Patisserie Boulangerie an der Hauptstraße und im angrenzende U-express mit allerlei Leckereien für jetzt und heute Abend ein und fuhren dann runter zur Bucht. An der Hafenmauer kann man hier einen abendlichen Blick hinüber zu einer Stützmauer umsetzen, die gerade lang genug für einen Zug ist. Erst nach der Aufnahme des Zug 309 auf der Rückfahrt nach Calvi entdeckte ich eine noch bessere Perspektive, in der man einen Mittagsblumen-Teppich ins Bild integrieren könnte. Das wäre natürlich super ikonisch. Ich wollte das versuchen in einer Stunde und blieb hier unten am Yachthafen, während mein Vater hoch in den Ort fuhr und sich eine Perspektive am Bahnhof suchte. Die Stunde hier an der Bucht war Urlaub vom Feinsten. Bisschen Musik, ein kaltes Getränk, ein kleiner Snack, ansonsten nur Stille, das leise Plätschern des Wassers und der Blick entlang der Küste. Brauche ich nicht länger, aber mal so zwischendurch für eine Stunde, war das einfach super entspannt. Jedenfalls bis zwischenzeitlich eine Horde junger Männer mit Transporter samt Anhänger auf die Hafenmauer fuhr und versuchten, einen Jetski zu Wasser zu lassen. Leider gelang es ihnen, auch wenn es nicht sonderlich gekonnt aussah. Mit dem Gefährt düsten die dann unter maximalem Lärm durch die Bucht und einige hundert Meter die Küste entlang. Wirklich – wie kann man sich so für das Zentrum der Welt halten oder einem alle anderen so egal sein, dass es einem nicht unangenehm ist, mit so einem Drecksding lautstark die Küste auf und ab zu brettern. Dann fahrt halt wenigstens weiter raus, aber das trauten sie sich wahrscheinlich nicht.
Ein Einheimischer, der seinen Hund ausführte und bei mir vorüberkam, wie ich dort im Schatten auf einem Stein saß und das Spektakel beobachtete, fluchte leise aber scheinbar recht erzürnt vor sich hin. Ich gab meine Zustimmung kund, auch wenn ich kein Wort verstand, was er dann kurz darauf auch merkte. Aber wir waren derselben Meinung.
Mit den Mittagsblumen wurde es übrigens eine ziemliche Zitterpartie, schließlich war es schon Abend und so drückte von hinten langsam ein Schatten rein. Es ging sich wirklich nur um ein oder zwei Minuten aus.

X 97054+9701 als Zug Nr.308 kurz vor dem Bahnhof Algajola Richtung Île Rousse.

Für die Rückfahrt als Zug Nr.309 integrierte ich einen Mittagsblumenteppich in mein Motiv. Hätte ich auch eher sehen können. Aber ich war nicht traurig, hier einfach eine Stunde an der Bucht abzuhängen. Es darf auch mal ein bisschen Urlaub sein im Urlaub.

Mein Vater trieb sich derweil etwas im Ort und unweit des Bahnhofes Algajola herum. Hier ein Blick entlang der Bastion. Natürlich darf in einem richtigen französischen – oder korsischem – Dorf auch das obligatorische Boule-Spiel nicht fehlen, zu dem sich die kleine Menschengruppe an der Festungsmauer versammelt hat.

Den Zug 309 nahm er oberhalb der Bastion auf. Hinter den Bäumen rechts versteckt sich der Bahnhof Algajola. Die leichte Kurve ist exakt die Stelle, an der ich heute Morgen von der Stützmauer rechts des Bildes die Aufnahme über die Bucht von Zug 131 geschossen hatte.

Der Zug hielt am Bahnhof Algajola, sodass noch eine weitere Aufnahme entstand.

Zurück bei mir im Hafen, bin ich inzwischen auf die Hafenmauer geklettert für die letzte Fahrt der Tramway de la Balagne. Könnte sich knapp noch ausgehen mit der Sonne. Mein Vater stieß auch bald wieder dazu.

Ein drittes Mal der Blick auf die Stützmauer, diesmal über den sehr kleinen Hafen hinweggesehen. Als Zug Nr. 311 fährt X 97054+9701 zurück nach Calvi und wird sein Tagwerk dort beenden.
So ganz hatte unser Plan für die Übernachtung noch nicht gestanden bislang. Nur das wir noch Strecke machen wollten und heute auf die abendliche Essenssuche verzichten würden, war bereits klar. Wir wollten eigentlich morgen wieder ins Inland und das Feld noch einmal eher von südlich von Corte aufrollen. Das Übernachtungsangbot ist dort nicht gigantisch, aber wir fanden ein kleines Landhotel in Venaco. Gebucht! Mussten wir jetzt nur noch knapp 1 1/2 Stunde reisen. Die Piste entlang der Bahn nach Ponte Leccia muss man zum Glück ja nicht nehmen, sondern kann ganz gemütlich auf der gut ausgebauten T30 dahingleiten. Wir kamen zunächst aber nur bis einige Kilometer hinter Île Rousse, denn hinter uns spielte sich schon wieder ein brachial schöner Sonnenuntergang ab. Ich lenkte auf die nächste Seitenfläche und wir genossen noch kurz das farbintensive Spektakel.

Nach einem zweiten Sonnentag auf Korsika versinkt die Sonne unaufhaltsam im Mittelmeer.

Sogar in den Bergen hat sich das Gewölk nach 1 1/2 Tagen aufgelöst. Mittig ist als Landmarke wieder gut die Île de la Pietra bei Île Rousse zu erkennen.

Das bergige Hinterland ist längst in die Schatten gefallen. Nur der Himmel darüber leuchtet noch in zarten Farben.

Dann endet das Spektakel mit der hinter den Horizont fallenden Sonne. Vorher bricht sich die Sonnenscheibe in den Luftschichten noch in eine eigenartige Form.

Die T30 wird uns in Gegenrichtung von der Küste ins Inland nach Ponte Leccia bringen.
Abgesehen vom summenden Radlager war es eine herrliche Fahrt in die Dunkelheit und die Berge hinein. Immer wieder eine schöne Zeit zum Cruisen. In Ponte Leccia schüttete ich noch ein paar Liter Super nach, um morgen nicht irgendwann im falschen Moment tanken zu müssen. Inzwischen war es dunkel und so zogen sich die letzten Kilometer auf der kurviger werdenden T20 dann doch ein wenig. Den Türcode für das Hotel in Venaco hatte ich inzwischen erhalten, genauso wie die Mitteilung, dass wir statt des gebuchten Zweibettzimmers zwei einzelne Zimmer bekämen. Wirklich nett, dass man uns alternativ nicht in ein Zimmer mit französischem Doppelbett gesteckt hatte. Das muss nun wirklich nicht sein.
Gegen halb zehn saßen wir noch ein paar Minunten gemeinsam auf meinem Zimmer und nahmen das späte Essen ein, bis sich mein Vater in sein separates Gemach verabschiedete. Wobei das hier wirklich ein wenig wie ein Gemach anmutete, mit den hohen Decken, dem schweren Vorhängen vor den großen Fenstern und dem teils mit Teppich ausgelegtem Dielenboden. Hieß eben doch nicht von irgendwoher “Hotel U Palazzu”. Ich aß noch eine Weile weiter, hörte dabei ein wenig Podcast und schlug mich dann auch bald auf’s Ohr.
Für morgen ist der Plan noch nicht ganz konkret, dafür haben wir hier noch viel zu viel auf dem Zettel. Start war jedenfalls für 7.30 Uhr irgendwo zwischen Vivario und Venaco geplant. Dank kurzer Anfahrt gar nicht mal so unmenschlich früh.
