Korsika & Provence 2026 V: Brückentag im Hinterland

Am vierten Tag auf Korsika widmen wir uns heute noch einmal intensiv dem Inland. Im Dreieck zwischen Novella, Ponte Nuvo und Vivario stehen dabei auch einige der vielen Brücken auf dem Plan.


Freitag, 17. April 2026

Wie gestern Abend abgesprochen, trafen wir uns um 7 Uhr vor den Zimmertüren. Nachdem wir gestern anonym eingecheckt hatten, konnte wir die Schlüssel heute persönlich übergeben. Die freundliche Gastgeberin entschuldigte sich gar noch dafür, dass wir mangels Zweibettzimmer auf zwei Zimmer hatten ausweichen müssen. Nun, für uns war das eher als Upgrade anzusehen, aber da gibt es natürlich auch andere Reisekonstellationen… Die örtliche Patisserie sollte eigentlich ebenso um 7 Uhr öffnen und es roch auch schon verdächtig, aber man hatte heute wohl verschlafen und noch keine Lust zu öffnen. Also ging es mit leerem Magen an die Strecke zwischen Venaco und Vivario. Eigentlich wollten wir um halb acht mit Zug 2 aus Ajaccio die steile Perspektive vom Hang auf die Pont Eiffel wiederholen, die wir vor drei Tagen am Nachmittag im Dauerregen bereits aufgenommen hatten. Allerdings war schnell zu erkennen, dass es die Sonne absehbar nicht rechtzeitig über den Berggrat auf der anderen Talseite schaffen würde. Etwas ärgerlich, weil wir für die steile Perspektive dann mit dem Nachschuss auf den Gegenzug 1 vorliebnehmen mussten. Aber so wählerisch kann man nicht sein bei diesem Fahrplan. Den Zug aus Ajaccio nahmen wir stattdessen auf einem der größeren Bogenviadukte nördlich der Pont Eiffel. Richtig gut lassen die sich nur mit Drohne umsetzen. Die hatte sich gestern aber ausreichend erholt und stieg kurz vor Planzeit fröhlich in die Lüfte. Ein abgerockter Transporter hielt noch mitten auf der Straße an und quatschte irgendwas. Ob das nett war oder nicht und worum es überhaupt ging, war nicht auszumachen. Naja, er fuhr dann bald schnell weiter, als von uns keine brauchbare Reaktion kam.


Zug Nr. 2 aus Ajaccio überquert eines von mehreren, nördlich der Pont Eiffel zwischen Vivario und Venaco in den Hang gebauten Bogenviadukte. Die Aufnahme entstand mit der Drohne. Zwar könnte man auf dem Felsen stehend auch mit der normalen Kamera eine Aufnahme machen, aber wie dort hin kommen?


Die Aufnahme von unten von der Straße zeigt, dass man sich prinzipiell zwar den Hang hochschlagen könnte, aber bei dem Geröll muss man es auch nicht unbedingt drauf ankommen lassen.


Nach der Kreuzung von Zug 1 und 2 in Corte, kommt ersterer mit Planzeit 8.16 Uhr in Venaco wenige Minuten später an der Pont Eiffel durch. Das ist doch schon viel freundlicher als vor drei Tagen.


Auch hier wurde die Drohne in die Höhe geschickt für die seitliche Perspektive, die mit am besten die eindrucksvollen Dimensionen der Pont Eiffel zur Geltung bringt. Auch die umliegende Bergwelt rückt mit ins Bild. Der Zug 1 wurde heute von AMG 801+802 übernommen.

Es stand nun eine kurze Wertungsprüfung zum Bahnhof Vivario an. Die Strecke fährt dort vor dem Bahnhof noch ein kurzes Stück ein Seitental aus und gewinnt mittels einer engen Schleife an Höhe. Unsere Chance, den Zug im Bahnhof und vor allem der Bahnhofsausfahrt noch einmal zu erwischen. Die Drohne eingefangen, ins Auto gesprungen und los ging es.


Wir sind Zug 1 Richtung Vivario gefolgt und standen dank der Kehrschleife vor ihm im Bahnhof. Leider etwas eng, die einzig mögliche Ansicht zwischen Wasserturm und Bahnhofsgebäude. Hier war sogar Personal am Bahnhof. Sie wies uns aber nur freundlich darauf hin, nicht in den Gleisbereich zu laufen. Mit unserem Standort hatte sie kein Problem.


Die eigentlich geplante Ansicht war die Ausfahrt vom Bahnhof aus gesehen. Die Strecke umfährt hier eine Bergzunge und gewinnt dabei weiter an Höhe. Insgesamt ist es rund um Vivario das größte Geschlängel im Streckennetz der CFC.

Dem Zug 1 folgt knapp zwei Stunden später der Zug 3 aus Bastia, der erneut in Corte den Gegenzug aus Ajaccio kreuzt. Wir wollten die beiden Züge nördlich von Corte abpassen, um anschließend in Ponte Leccia noch auf den Zug nach Calvi wechseln zu können. Motive hatten wir in diesem Bereich noch genug, so zum Beispiel den Bahnhof von Soveria, wo wir den Zug 3 aus Bastia erwarteten.


Wie so viele Bahnhöfe im bergigen Hinterland, liegt auch der Bahnhof Soveria nicht wirklich günstig zum Ort, der sich im Hintergrund an den Hügel schmiegt. So durchfährt AMG 811+812 den Bahnhof als Zug 3 dann auch ohne Halt.


Den Plastikvogel hatte ich derweil weit vom Bahnhof weg gesteuert zu der Brücke, die wir schon vor zwei Tagen vom Gegenhang aufgenommen hatten. 

So ganz sicher war ich mir nicht, wie gut das Drohnenbild von der Brücke bei Vivario Richtung Ponte Leccia geworden war. Sonst wäre ich wohl anschließend für den Zug 4 nicht noch einmal den Hang hinter dem Weidetor hochgelaufen, wo wir schon vor zwei Tagen mit einem Drittel-Wolkenschaden gestanden hatten. Aber gut, gab es diese Perspektive eben auch noch einmal mit 100%-Licht. Mein Vater war derweil bis Francardo vorgefahren und setzte den Blick von der kleinen Brücke am Ortsrand um.


Der Gegenzug 4 hat in Corte gekreuzt und rollt extakt eine halbe Stunde nach Zug 2 über das Viadukt bei Soveria. Heute übernimmt AMG 821+822 diesen Kurs.


Eine weitere kleine Brücke lässt sich von hier in Richtung Ponte Leccia noch ablichten. Dahinter ragt das Zentralmassiv von Korsika in die Höhe.


Auf der kleinen Brücke am Ortsrand von Francardo hatte ich schon vor zwei Tagen gestanden für das Motiv in Gegenrichtung. Mein Vater setzte jetzt das Motiv mit AMG 822+821 in Fahrtrichtung Ponte Leccia um. Nachdem nun jeder einmal einzeln hier war, würden wir heute Nachmittag dann noch einmal gemeinsam auf der Brücke stehen.

Distanz und Fahrzeit zwischen Soveria und Francardo hatten wir ziemlich unterschätzt. So dauerte es noch eine gefühlte Ewigkeit, bis mein Taxi wieder bei mir am Weidetor war, während die Uhr auf die 10.30 Uhr-Abfahrt Ponte Leccia Richtung Calvi unaufhaltsam tickte. Die Fahrt über Ponte Leccia nach Pietralba wurde damit ein wenig zur zweiten Wertungsprüfung des Tages. Als diensthabender Navigator kalkulierte ich laufend unsere Ankunftszeit im Vergleich zur Fahrzeit von Zug 151 Richtung Calvi. Am Bahnhof Pietralba, oder dem was davon noch übrig ist, blieb nicht mehr viel Zeit, um noch zur Stelle hinter dem Übergang vor zu laufen. Es ging sich gerade aus und auch die Drohne schaffte es noch in die Luft. Deren Bild erlitt jedoch den ersten Wolkenschaden seit zwei Tagen.


Heute darf AMG 823+824 nach Calvi fahren. Offenbar wird da wirklich durchrotiert, denn auch morgen sollte am vierten Tag, das vierte Fahrzeug auf diesem Umlauf unterwegs sein. Zug 151 erreicht hier Pietralba. Die Bahnhofsruine verbirgt sich hinter dem großen Baum im Hintergrund. Der Ort selbst liegt übrigens noch 4km entfernt nördlich an der T30, während die Strecke hinter dem Bahnhof nach einer 180-Grad-Kurve unter der Straße hindurchführt und nach Nordwesten schwenkt. 


Die Drohne stand für die 180-Grad-Kurve in der Luft, die dann allerdings einen Wolkenschade erlitt. Stattdessen hier das Bild von unten in die Kurve mit Streckenposten. Wäre auch nicht schlecht gewesen, aber wir hatten keine Zeit mehr zum Kundschaften gehabt. Zum Glück war hier hinten Wolkenschaden, muss man da schon fast sagen, denn sonst hätten wir uns am Ende noch geärgert, dass wir uns nicht aufgeteilt hatten. Wir werden die 180-Grad-Kurve heute Abend aber noch aus anderer Perspektive wiedersehen.


Der ehemalige Bahnhof von Pietralba ist nurmehr ein kläglicher Rest. Im Fahrplan steht hier noch ein Haltepunkt, aber wo bitte ist der?


Auch der Einheits-Güterschuppen sieht nicht mehr so gut aus.


Gar nicht leicht, das Bahnhofsschild noch zu entziffern.

Richtung Gleis wurde zwar ein Zaun gebaut, von der anderen Seite kann der Lost Place aber besichtigt werden. Irgendwer muss dem Gebäude mal den Todesstoß geben.

Während es vom Morgen in den Vormittag ja ziemlich läuft mit Zugfahrten, kamen wir jetzt wieder in die große Zeit der Pausen. Im Moment kam uns die Pause nicht ungelegen, denn wir hatten noch immer nicht gefrühstückt. Als wir vorhin später noch einmal an der Patisserie von Venaco vorbeikamen, hatte die zwar offen, wir aber keine Zeit zu verlieren. Kaffee und Bäcker gibt es in Ponte Leccia leider nur getrennt voneinander. So plünderten wir zunächst letzteren und setzten uns anschließend in die bereits bekannte Brasserie neben der namensgebenden Brücke. Es war alles wieder wie im zweiten Teil schon beschrieben, inklusive des ersten Aperols am Vormittag bei einigen, die vor der Brasserie an einem Tisch saßen. Das der Laden auch noch “Bar La Belle Epoque” heißt, ist der Euphemismus des Tages. Die beste Zeit ist hier jedenfalls schon länger vorbei – wenn es sie denn je gegeben hat. Die Zeit bei Café allongé/au Lait nutzten wir für die Planung der nächsten Stunden: Die Vierstundenpause wollten wir nicht noch einmal aussitzen müssen, daher fiel die Entscheidung darauf, den rund zwei Stunden nach dem großen Treffen vom Vormittag in Ponte Leccia eintreffenden Zug 5 aus Bastia im Anschluss auf seinem Weg Richtung Ajaccio zu begleiten. Bis Ponte Nuvo wollten wir dem noch entgegenfahren und schonmal die Vormittagsperspektive auf den Viaduc de Muzzelle umsetzen. Wer weiß, wie es heute Nachmittag überhaupt aussieht, bei dem Quellgewölk, dass sich hier immer über den Bergen bildet.

Mehr als rechtzeitig brachen wir auf und fuhren das kurze Stück zur Brücke rüber, um schon einmal zu sichten. Am östlichen Brückenkopf kann man ganz gut in den Hang einsteigen und zumindest bis knapp über Schienenoberkante kommt man dabei recht sicher. Bestimmt könnte man den Felsen auch noch höher erklimmen, aber luftigere Perspektiven überließ ich der Drohne. Noch immer blieb reichlich Zeit auf den Zug, sodass wir noch ein wenig im Schatten auf den Felsen abhingen.

Bei dem Versuch, mehr über die Bahnbrücke herauszufinden, stieß ich auf die spannende Geschichte der ursprünglichen Ponte Novu, also nicht jener für die Bahn, sondern jener, die in der Ortslage noch heute als Ruine am Fluss steht. Sie war Schauplatz der Schlacht um Ponte Novu am 8. und 9. Mai 1769 zwischen Franzosen und Korsen und bedeutete das Ende der 14 Jahre dauernden Korsischen Republik. Die Ponte Novu markierte einen wichtigen Wegpunkt ins Inland zur damaligen Hauptstadt Corte. Die Zerstörung der heutigen Brückenruine geht allerdings auf den Rückzug deutscher Truppen im 2. Weltkrieg zurück.

Zug 5 aus Bastia Richtung Ajaccio überquert den Viaduc de Muzzelle zwischen Ponte Novu und Ponte Leccia. Zu unserer freudigen Überraschung wurde der Zug mit Doppeltraktion geführt, sodass hier die AMG 805+806 und 819+820 am Werkeln waren.


Die Drohne fand hier eine tolle Position weit hinter dem Felsen, auf den wir geklettert waren. Sicher kann man unten rechts auch noch irgendwie in den Hang einsteigen für einen höheren, bodenständigen Standort, das war uns für den Moment aber zu viel Kletterei – ich hatte ja die Drohne am Start.

Etwas blöd, hatten wir jetzt nicht gerade weitere Motive auf dem Zettel, die die Doppeltraktion besonders gut zur Geltung bringen würden. Zunächst stand das steile Motiv am Ortsausgang Francardo auf dem Zettel, dann der Bahnhof Corte. Anschließend ging uns im Quellgewölk leider das Licht aus, sodass die Bahnhofsaufnahme in Venaco kaum besser gelang, als vor drei Tagen und auch eine seitliche Perspektive in Tattone litt etwas an Nicht-Licht. Schade, die Verfolgung hätte mehr Potenzial gehabt. In Tattone war dann aber auch genug mit der wilden Hatz, denn Bummeln darf man hier keinesfalls, will man einen Zug mehrmals erwischen. Dafür wird die Straße im weiteren Verlauf zu langsam. Der restliche Tag sollte dann wieder entspannter zugehen.


Die Stelle am Ortsrand von Francardo kennen wir langsam. Erstmals gelingt das Motiv auch in Fahrtrichtung Ajaccio mit Sonne. Die Geräuschkulisse, mit der AMG 805+806 und 819+820 aus Ort und Kurve hinausbeschleunigten, war schon eindrucksvoll.


Der Gegenzug 6 aus Ajaccio war leider zuerst im Bahnhof und verdeckte so die Sicht auf die Doppeltraktion. Das Fahrgastaufkommen war derweil in beide Richtungen beachtlich, das Führen einer Doppeltraktion anscheinend kein Zufall.


AMG 805+806 und 819+820 beschleunigen aus dem Bahnhof Venaco Richtung Ajaccio. Schade, das Licht hätte passend gestanden.


Eine letzte Aufnahme der Doppeltraktion bei der Einfahrt in den Haltepunkt Tattone mit dem Güterschuppen im Bild. Der hintere AMG 805+806 ist übrigens wieder der mit der abgefahrenen Ecke von vorgestern. Der dreht also immer noch seine Runden.

Nach dieser Hatz war Zeit für Siesta. Wir fuhren zurück nach Corte, wobei jetzt ein LKW ohne Auflieger anscheinend für eine Wertungsprüfung trainierte. Der jagte seinen Truck wirklich geistesgestört durch die engen Kurven der Bergstraße. Das war selbst mit dem Auto eine Geschwindigkeit, die ich mit Beifahrer normalerweise nicht zwingend fahren würde. Als Highlight setzte der sogar zu einem Überholmanöver auf einen lahmen Transporter an. Gut, der war wirklich bisschen nervig, aber auf dieser Straße mit einer Zugmaschine zu einer Attacke ansetzen, ist schon wirklich wild. Ich blieb lieber hinter dem Wahnsinnigen, zum Überholen gab es ja auch gar keinen Grund.

Mein Navigator erwachte aus seinem Powernap erst, als er frischen Kaffee witterte. Die wahnwitzigen LKW hatte er verpasst. Kaffee gab es am Bahnhofcafé von Corte. Schön ist hier der zweigeteilte Parkplatz am Place de la Gare: Die schmale Durchfahrt von einem in den anderen Teil ist nur in eine Richtung erlaubt, auch wenn es jetzt nicht übermäßig unübersichtlich ist. Bei dem hiesigen, in solchen Dingen teils etwas hirnlosen Fahrstil aber gut vorstellbar, dass es zwischen Bahnhof und U-express in der Engstelle zu regelmäßigen Verstopfungen gekommen ist. Bei Durchfahrt in die verbotene Richtung wird auch gleich eine Buße von 135€ angedroht. Diese 135€ müssen eine Art Einheitspreis für alle möglichen Vergehen im Straßenverkehr sein – wir sahen die Androhung häufiger mal auf verschiedenen Schildern. Jedenfalls wurden sie im Verlauf dieser Reise zum Running Gag, sobald sich einer von uns etwas hatte zu Schulden kommen lassen.

Während wir Kaffee tranken, ging draußen dann sogar ein kurzer aber heftiger Schauer runter, da ließen die Quellwolken wohl mal etwas die Säbel rasseln. Sollte uns recht sein, denn wir hingen gerade eh in der Vierstundenpause, auch wenn wir die durch die Verfolgung schon etwas eingekürzt hatten. So vergingen zwischen der letzten und unserer nächsten Bahn-Aufnahme nur gut 2 1/2 Stunden und wir hatten nicht vier Stunden irgendwo doof herumgesessen. Unser nächstes Ziel war altbekannt: Der Viaduc de Muzzelle bei Ponte Novu, diesmal aus der Nachmittagsperspektive, vorrangig mit der Drohne. Vorher ging es hier aber noch zu einer kleinen Ortsansicht und auf die Suche nach einer Boulangerie, um uns für das Abendessen einzudecken. Bis zurück nach Ponte Novu war es dann auch nochmal eine halbe Stunde Fahrt.


Die zwischenzeitlich störenden Quellwolken haben sich abgeregnet und sollten für den weiteren Tag kein Problem mehr darstellen. Blick in den Regenwald bei Corte.

Auch der alte Teil von Corte ist wiedermal malerisch an einen Hang gebaut. Corte ist die einzige bedeutende Stadt im Inland von Korsika und war wie schon angerissen von 1755 bis 1769 die Hauptstadt der Insel. Trotzdem zählt die Stadt nur gut 7.000 Einwohner, verzeichnet aber zumindest keinen Bevölkerungsrückgang und verfügt über die einzige Universität der Insel mit Campi auch in Bastia, Ajaccio und Cargèse.


Zum wiederholten Mal haben wir uns am Viaduc de Muzzelle bei Ponte Novu eingefunden, diesmal für die Nachmittagsperspektive. Überraschend wurde der Zug 7 aus Bastia erneut als Doppeltraktion geschickt, angeführt von AMG 817+818. Das Bild vom Parkplatz wurde mit diesem langen Zug entsprechend eher nichts. Irgendwie kommt man wohl auch ans Flussbett runter, wir fanden aber den Zustieg nicht und so richtig viel Spaß machte die Suche danach an der viel befahrenen Straße nicht.


Wenige hundert Meter hinter der Brücke verläuft die Strecke entlang einer interessanten Felsformation.

Auch wenn die Doppeltraktion im schönen Nachmittagslicht schon reizte, ließen wir sie jetzt ziehen. Wir waren nicht vorbereitet auf eine weitere Verfolgung Richtung Ajaccio und hatten eigentlich auch keine Lust auf eine weitere Autohatz. Stattdessen blieben wir bei unserem Plan, zum Tagesabschluss noch einmal das schwierige Unterfangen mit der dünn befahrenen Strecke nach Calvi anzugehen. Mitte April funktioniert das späte Zugpaar zum Glück schon, wenn man für die Rückfahrt nah genug bei Ponte Leccia bleibt. Gleiches gilt auch für das morgendliche Zugpaar. Andernfalls hätte man hier ja komplett verloren, wenn jeweils eine Fahrt der zwei Umläufe auch noch im Dunkeln abgehen würden.

Zwischen auf der Straße lungernden Kühen bahnten wir uns den Weg über das kleine Nebensträßchen entlang der Strecke. Ein Problem das sich ergab: Der kleine Fluss in dem idyllischen Tal war durch die Regenfälle der letzten Wochen gar nicht mehr so klein. Theoretisch gibt es hier am Abend zahlreiche Motive von hinter der Strecke, dazu muss man von der Straße aus aber auch irgendwie durch den Fluss kommen. Im Sommer oder Herbst sicher kein Problem, momentan aber nicht empfehlenswert ohne Querungshilfe. Ein größeres Problem wurde es aber nicht, denn wir brauchten ja eh nur zwei Motive, auf die wir uns für den Zug 9 Richtung Ponte Leccia aufteilen konnten. Ich setzte meinen Vater ein Stück weiter hinten ab – wobei “ein Stück” auf dieser Straße 10min Fahrt bedeutet – und fuhr dann zurück zur ersten Brücke hinter Pietralba, an der ich vor zwei Tagen am Vormittag schon die Drohne hatte steigen lassen. Abends geht das aus dem gegenüberliegenden Quadranten auch wunderbar stehend mit der Kamera. Die Drohne schickte ich ein Stück die Strecke runter an eine ebenfalls nette Außenkurve. Ein Zug, drei Bilder – ganz ohne Verfolgung. Das war auch mal keine schlechte Ausbeute bei null Stress. Auf jeden Fall die schönere Art zu fotografieren, bei dem mäßigen Zugangebot aber nicht immer sinnvoll.


Die kleine RT301, die von Pietralba mitten durch das bergige Hinterland über Palasca und Belgodère an die Küste führt, liegt tief im Ziegen- und Rinderrevier. Eine auf Korsika beliebte Methode zum Verlegen von Kabeln ist übrigens, einfach einen Streifen in den Asphalt zu schneiden, Kabel rein und wieder zu stopfen, wie hier auf der rechten Fahrspur zu sehen. Ob das so die beste Lösung ist?


Etwa 10 km hinter Pietralba kreuzt die Strecke auf einer Brücke erst den Fluss und dann die Straße. Entsprechend kommt man auf der Brücke über den Fluss und “hinter” die Strecke für ein Motiv, das sehr repräsentativ für die vielen potenziellen Stellen an diesem Streckenabschnitt ist – wenn man denn über den Fluss kommt. Aus Calvi passiert AMG 823+824 als Zug 9 die Stelle Richtung Ponte Leccia. Die Brücke selbst ließe sich übrigens auch aufnehmen. 


Den Brückenpart übernahm allerdings ich rund 10 Fahrminuten weiter Richtung Ponte Leccia an der letzten Brücke vor Pietralba. Vor zwei Tagen war hier vormittags schon ein Drohnenbild von der anderen Seite entstanden. 


Die Drohne war dem Zug diesmal entgegengeflogen und löste eine halbe Minute früher an einer Außenkurve vor Bergkulisse aus.

Da hatten wir so ziemlich das Maximum herausgeholt mit nur einem Zug. Blieb als letzter Tagesordnungspunkt noch die Rückfahrt als Zug 153 nach Calvi. Ich sammelte meinen Vater wieder ein und wir fuhren gemeinsam nach Pietralba. Viel weiter könnten wir uns von Ponte Leccia nicht entfernen, denn langsam machte leichter Siff der sinkenden Sonne zu schaffen und bald dürften auch die Schatten zum Problem werden. Die große 180-Grad-Kurve hinter dem Bahnhof Pietralba ließ sich jetzt aber wunderbar von oben an der T30 stehend aufnehmen. Da ich von meinem Standpunkt genau im Funkschatten zur Drohne stand, durfte mein Vater sein erstes Luftbild schießen. Wir fingen mal ganz einfach an: Ich positionierte den Vogel passend am Himmel und gab einen Hinweis, wann man mit der dämlichen Auslöseverzögerung ungefähr abdrücken musste. Klappte perfekt!


Pinienstudie beim Warten auf den Zug bei Pietralba.


Eher ungeplant merkte ich, dass hier auch ein Schuss quer rüber zur Bahnhofeinfahrt möglich ist. Genau an derselben Stelle, hatten wir heute Vormittag den Nachschuss gemacht. Die Bahnhofsruinen liegen im schönsten Abendlicht. Ein bisschen Endzeitstimmung hat das hier schon.


Der unerkannt gebliebene AMG hat die Reste vom Bahnhof Pietralba passiert und fährt als Zug 153 durch die 180-Grad-Kurve vorbei an einem verfallenen Bahnübergangsposten weiter nach Calvi.


Und zuletzt noch die Drohne, die sich auf der anderen Seite der T30 positioniert hat, die von der Bahnstrecke unterfahren wird.

Ein Zimmer zu günstigen Konditionen hatte sich erneut in Île Rousse gefunden. Diesmal unten an der Straße, die direkt auf den Damm zur Île de la Pietra führt. Morgen wollten wir für den Frühzug nochmal an die Strecke zwischen Île Rousse und Ponte Leccia starten, allerdings eher an die andere Seite als heute, also irgendwas in der Ecke Palasca oder Novella machen. Da passte Île Rousse gut als Ausgangspunkt. Das war jetzt nur noch eine gute halbe Stunde Fahrt mit einem kurzen Fotostopp nach Erreichen der Küste: Die Île de la Pietra lag mal wieder im schönsten abendlichen Gegenlicht.

Nach dem Einchecken lief ich quasi direkt wieder los. Mit Stativ bewaffnet wollte ich noch einmal den Sonnenuntergang an der Île de la Pietra und anschließend die blaue Stunde genießen. Es waren wunderschöne 1 1/2 Stunden. Nur wenige andere liefen oder saßen hier auf den Felsen der Insel herum und genossen das farbenfrohe Ereignis. Nach Sonnenuntergang wurde bald der Leuchtturm angestrahlt und hob sich dadurch wunderbar ab in der blauen Stunde. Erst als es drohte zu dunkel zu werden, um auf den Felsen einen sicheren Weg zu finden, trat ich den Rückweg an. Kurz nach neun war dann endlich Zeit auf dem Zimmer all die Leckereien zu verspeisen, die wir vorhin in der Boulangerie erstanden hatten. Unter anderem ein Nudelsalat mit Basilikum-Pesto und Sahnesoße mit jeder Menge Parmesan. Extrem gut, aber eine Wucht, nach der ich das Pizzastück nicht mehr ganz schaffte.


Nach Erreichen der Küstenlinie gab es einen kurzen Stopp an der T30 für den Blick auf die Île de la Pietra, an der gerade eine große RoPax-Fähre festgemacht hat.


Eine halbe Stunde später lief ich vom Hotel über den Damm raus auf die Île de la Pietra, vorbei am kleinen Leuchtturm auf der Hafenmauer.


Wenn man ab Pietralba nicht die Kröppelstraße T301 durch das bergige Hinterland nimmt, sondern weiter der gut ausgebauten T30 an die Küste folgt, ist man auch wesentlich schneller als der Zug. So gelang eher beiläufig noch eine letzte Aufnahme vom Zug 153 Richtung Calvi. Ungefähr an derselben Stelle war vorgestern Abend die Aufnahme in den Felsen stehend mit Blick in die entgegengesetzte Richtung entstanden.


Irgendwie ringt diese Malve dem felsigen Grund noch etwas nahrhaften Boden ab.


Auch heute war der Sonnenuntergang wieder ein prächtiges Farbenspiel. Die Fähre, die eben noch an der Insel lag, ist schon ein gutes Stück unterwegs Richtung Festland und rechts am Horizont zu erkennen.


Kleine Becken mit Regenwasser sammeln sich in den Felsformationen oberhalb des Meeresspiegels.


Leichte Bewölkung und Schlieren ließen den Himmel heute farblich regelrecht explodieren. Von Minute zu Minute änderte sich das Farbspiel.


Der Leuchtturm selbst wurde zwar nicht eingeschaltet, dafür aber fotogen angestrahlt.


Es geht in die blaue Stunde und ich muss auf den Felsen einen sicheren Weg zurück finden, bevor das Licht weiter schwindet.

Das Programm für morgen Vormittag hatte ich schon umrissen. Anschließend stand nicht mehr viel an bis zur Fähre. Einfach schauen, ob einem an der Küste noch was einfällt und dann würde es heißen, Abschied zu nehmen von Korsika.

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