Am letzten Tag auf Korsika fahren wir noch einmal ins einsame Hinterland zwischen Île Rousse und Ponte Leccia, bevor wir die letzten Stunden an der Küste ausklingen lassen. Mit der Corsica Ferries geht es dann von Île Rousse hinüber nach Nizza in die Provence.
Samstag, 18. April 2026
Um 6.30 Uhr klingelte der Wecker. Frühstart war heute wiedermal angesagt, um dem Zug 150 mit Abfahrt 07.05 Uhr von Calvi Richtung Ponte Leccia vorauszufahren. Gestern Abend erst einen weiteren tollen Sonnenuntergang erlebt, standen wir heute nur knapp vor Sonnenaufgang auf. Der Himmel war bereits in Violett- und Rosatöne getaucht, bis auf der anderen Seite der großen Bucht die Sonne über die Berge stieg und mit einem Schlag alles in Gelb und Orange tauchte. Was für ein Start in den Tag! Von unserem Balkon, der im ersten Stock direkt den Blick in die Bucht von Île Rousse eröffnete, hatten wir die perfekte Aussicht auf das Spektakel.

Minuten vor Sonnenaufgang bietet der Blick vom Balkon schon ein prächtiges Farbenspiel.

Mit dem Sonnenaufgang explodiert der Himmel regelrecht in Gelb und Orange.
Wir schmissen unser Zeug zusammen und steuerten die Patisserie oben an der Hauptstraße in Île Rousse an. Das übliche: Café allongé, Café au Lait und bisschen Süßgebäck zum Frühstück. Weitere Versorgung war vorerst noch von gestern Abend übriggeblieben. Statt der nur mäßigen RT310 wählten wir heute am Morgen die D363, die von unten Palasca erreicht und nicht wie die RT301 weiter oben am Hang daran vorbeiführt. Erstaunlicherweise stellte sich die D363 als deutlich besser heraus, als die RT310. War wohl vor kurzem auf kompletter Länge neu asphaltiert worden.
In Palasca verpassten wir zunächst die Abfahrt zum tiefergelegenen Bahnhof, beim zweiten Versuch gelangten wir dann auf die ausgeschlagenen Reste einer Straße, die nach dort unten führt. Wie weit die Sonne hier noch hinterm Berg steht für ein Motiv im Bahnhof, hatten wir aber grob unterschätzt. Das würde absehbar nicht mit Sonne klappen mit Zug 150. Alternativen mussten her. Wegen grober Planlosigkeit wollten wir unser Glück am nächsten Bahnhof in Novella versuchen. Die Piste dorthin zweigt etwa 14km hinter Palasca von der auch schon nicht sehr gut ausgebauten RT310 ab und führt dann nochmal knapp 4km defacto einspurig durch die Berge. Immer mal wieder muss man sich dabei mit Rindern und Ziegen auseinandersetzten. Schließlich eröffnet sich hinter einem letzten Grat der Blick von oben auf den Bahnhof Novella. Und der wusste zu gefallen. Es fand sich von einer kleinen Anhöhe ein Blick mit der normalen Kamera. Drohne ging natürlich sowieso hier. Wir mussten auch gar nicht mehr lang warten, denn der Zug hatte während der Motivsuche und dank unseres sehr indirekten Weges deutlich mehr aufgeholt, als wir beim Fahren Vorsprung gewonnen konnten.

Oberhalb des Bahnhofes oder besser gesagt Haltepunktes von Novella, lässt sich auch ohne Drohne noch eine kleine Lücke für eine Aufnahme finden. Zug 150 aus Calvi erreicht Novella auf dem Weg nach Île Rousse.

Die Drohne ließ sich etwas steiler zum Bahnhof positionieren und konnte zum wiederholten Mal auch ihre umgerechnet 70mm-Tele-Linse voll ausspielen.

Da der Vogel eh einmal in der Luft war, schaute ich auch noch, ob sich hinter dem Grat, auf dem wir standen, etwas machen ließ. Zumindest eine Dokumentation, wie einsam die Strecke hier die meiste Zeit durch die Berge verläuft. Dass eine Straße, wie hier die von der RT301 nach Novella führende D12, direkt daneben verläuft, ist in diesem Streckenabschnitt eher die Ausnahme.

Während der Blick von unserem Grat nach Westen zum Bahnhof geht, führt er nach Osten zum eigentlichen Bergdorf Novella in etwa 2km Entfernung zum Bahnhof.
Verfolgen machte hier natürlich überhaupt keinen Sinn. Der Gegenzug 151 würde aber auch erst um 10.30 in Ponte Leccia starten. Das waren noch fast zwei Stunden. Wir schauten nochmal zum Bahnhof runter, dessen Gebäude inzwischen in Privatbesitz ist. Der Bahnsteig wurde vom Gebäude weg nach Norden verschoben. Das Ganze ist inzwischen auch nur noch ein Haltepunkt.
Statt Verfolgung war der Plan jetzt, sich ein gemütliches Café zu suchen. Die besten Aussichten dafür sahen wir in Belgodère, dem wahrscheinlich größten Dorf an diesem Abschnitt. Zumindest machten die Kartendienste Hoffnung, dass wir dort etwas finden würden. Wir hatten keine Eile und so kam auf dem Weg dorthin noch der ein oder andere Fotostopp zustande. Auf der Straße stehende Kühe inklusive. Bei einem Instagram-gleichen Begleitflug mit der Drohne verpasste ich irgendwie, das Video zu starten. Wird wohl doch nichts mit der Influencer-Karriere.

Auf der kröppeligen D12 gab es zwei Fotostopps. Die Mittellinie ist ja nett, aber eher für einen Radweg geeignet.

An diesem herrlichen Morgen reicht der Blick wieder bis zu den schneebedeckten 2000ern des Zentralmassivs von Korsika.

Wir hatten eine Herde Kühe davon überzeugen können, die Straße zu räumen, die sich daraufhin in das garstige Stachelgestrüpp schlug. Mit diesen Hörnern möchte man auch nicht auf Tuchfühlung gehen.

Unser Ziel ist in Sicht: Belgodère.
Belgodère stellte sich als tolles kleines Dörfchen heraus. Hinterland vom Feinsten. Wie immer schmiegt es sich an die Berglinien. In der Mitte eine kleine Kirche mit Straße rundherum, davor der Dorfplatz mit einem ausladenden Café. Schon fast mehr italienisches Flair, als Französiches. Oder einfach Korsisches. Man merkt nicht nur an der korsischen Sprache, dass die Insel lange Zeit eher von italienischen Einflüssen geprägt wurde, genauer gesagt beispielsweise von den Genuesen.
Es war einfach urgemütlich und atmosphärisch. Touristenmassen suchte man vergebens. Sicher dürfte es zur Saison ein beliebter Boxenstopp für Biker und Radler sein, momentan waren wir aber auch der Uhrzeit geschuldet noch fast die einzigen Gäste im Café.
Am Dorfplatz von Belgodère. Vermutlich ein Kriegerdenkmal des 2. Weltkriegs.
Café de la Paix in Belgodère.

Das Lokalbier Korsikas: Pietra.

Das korsische Wappen. Wikipedia weiß dazu: “[Es] zeigt einen Maurenkopf mit krausem schwarzem Haar und einem weißen Stirnband. Dieses Wappen ist zugleich ein Freiheitssymbol der Korsen, jedoch ist nicht sicher, wer dargestellt ist. Es gibt zahlreiche Legenden um die Entstehung und Bedeutung.”
11.11 Uhr sollte der Zug 151 aus Ponte Leccia in Palasca sein. So wurde es dann doch irgendwann Zeit aufzubrechen. Ziel war ganz klassisch das Bahnhofsmotiv, dass wir eigentlich schon heute Morgen hatten umsetzen wollen. Das Licht war jetzt schon etwas sehr seitlich, aber zum passenden Lichtstand, ist die Sonne noch nicht über den Berg Mitte April. Zumindest nicht für den einzigen Zug, der in diesen 2 1/2 Stunden durchkommt. So ganz, wie man es sich vorgestellt hatte, war das alles nicht hier, aber wir blieben jetzt. Auch für die Drohne fand sich nur wenig Spannendes, trotzdem ging sie mit dem Heranbrummen des AMG in die Luft.

AMG 806+805 erreicht als Zug 151 aus Ponte Leccia den Bahnhof Palasca. Wie man sieht, ist die Sonne schon rum. Das Hauptmotiv war eigentlich der Nachschuss in den Bahnhof.

Dass dann auch noch die olle Karre mit der abgefahrenen Ecke kam, machte das Bild nicht wirklich besser. Ohne Halt geht es für AMG 806+805 durch den Bahnhof Palasca.

Der Zug kam hier drei Minuten zu früh an und machte auch keine Anstalten, die Zeit im Bahnhof abzuwarten. So wurde es etwas hektisch mit der Drohne, die für die Ausfahrt noch soeben Richtung Wasserturm eilen konnte.

Teleblick der Drohne in Richtung des Tunnels hinter Palasca Richtung Île Rousse.
Hier wäre jetzt bis zur Abendrunde Pause. Die Überlegung, nochmal weiter ins Landesinnere an die Strecke Bastia – Ajaccio zu fahren, hatten wir gestern im Grunde direkt begraben und auch heute hatte keiner von uns beiden Lust, das ganze Gefahre für vielleicht zwei Bilder auf sich zu nehmen. Stattdessen rollten wir wieder hinab zur Küste und vertrieben uns die restlichen Stunden bis zur Fähre am Strandhaltepunkt Aregno.
Der Haltepunkt liegt fast unmittelbar am Strand und an der Küstenstraße. Nur die Zufahrt ist nochmal anders brutal: Mit einem Porsche dürfte es schwierig werden, über die Schweller und Schlaglöcher zu kommen. Außerhalb der Saison war es wiedermal unproblematisch, hier direkt am Strand zu parken. Schmale Pfade führen durch das Gebüsch hinter dem Strand zur Strecke, an der sich nordöstlich des Haltepunktes eine größere Freifläche befindet. Wir richteten uns dort ein und warteten einfach die mittägliche Runde des aus Ponte Leccia in Calvi angekommenen AMG 806+805 ab. War alles nicht der Oberhammer hier im Hochlicht, aber das wäre es auch anderswo nicht und für diese Tageszeit waren unsere Ideen entlang der Küstenstrecke auch schlichtweg aufgebraucht. Das hier nun auch noch der halb zertrümmerte AMG seine Runde drehte, hob die Motivation zu großen Aktionen auch nicht mehr an. So ließen wir es ganz gemütlich ausklingen und schossen unsere letzten Bilder an der CFC von den Zügen 304 und 305.

Der gerupfte AMG 805+806 hat jetzt am Mittag den Dienst auf der Tramway de la Balagne übernommen und soeben als Zug 304 den Haltepunkt Aregno verlassen. Die leichte Steigung hinauf war noch einmal ein akustischer Hochgenuss.

Seitlicher Nachschuss wenige Meter weiter.

Die Rückfahrt als Zug 305 Richtung Calvi hielten wir vom anderen Ende der kleinen Freifläche fest. Von dieser Seite ist der AMG 806+805 wenigstens noch komplett. Am linken Bildrand ist die Zweitkamera zu sehen, mit der ich gelegentlich Videos drehte. Das Video gibt es dann bei Zeiten sicher auch mal zu sehen. Wirklich Umfangreiches ist aber nicht entstanden, die Priorität ist immer klar bei den Fotos. Foto, Video und Drohne. Hier wurde noch einmal alles aufgefahren. Nicht weil es DIE Stelle gewesen wäre, sondern weil einfach sehr viel Zeit war.

Die Drohne durfte noch ein letztes Mal in die korsischen Lüfte und flog dem Zug 305 ein ganzes Stück Richtung Marine de Davia entgegen. Nicht weit von hier hatten wir vor zwei Tagen noch ein Bild in die andere Richtung geschossen.
Und das war es dann mit der CFC. Wir fuhren die wenigen Meter zur Boulangerie Patisserie an der Küstenstraße hinüber, setzten uns eine Weile mit Kaffee und Stückchen und berieten über das genaue Vorgehen auf dem Festland. Gegen 10.30 Uhr müssten wir morgen für die historische Fahrt in Puget-Théniers sein. Da bliebe vorher kaum mehr Zeit in Nizza noch was zu machen. Da auch die Übernachtungssituation in Nizza nicht befriedigend war, buchten wir letztlich gleich drei Nächte in Puget-Théniers und müssten dann heute um Mitternacht noch von der Fähre etwa eine Stunde in die Berge fahren. Würde ein langer Tag werden, aber es schien uns letztlich die beste Lösung. Nachdem das erledigt war, konsultierten wir noch den gegenüberliegenden U-Express für weiteres Proviant und einige flüssige Mitbringsel von der Insel. Insbesondere einige verschiedene Sorten Pietra landeten in meinem Einkaufskorb und wurden lückenfüllend im Kofferraum verstaut. Auch ein korsischer Weißwein wurde mitgenommen. Keine Ahnung ob der schmeckt, ich trinke ja eigentlich selbst keinen Wein und finde das bisweilen wichtigtuerische Gehabe darum eher amüsant. Aber zumindest kam der wirklich von Korsika.
Die Überfahrt von Île Rousse nach Nizza war für 17.00 Uhr bis 22.30 Uhr geplant. Einfahrt mit dem Auto bis spätestens eine Stunde vor Ablegen. Wir trudelten dann gegen 15.30 am Fährhafen von Île Rousse ein und standen damit noch recht weit vorn in den Reihen. Lustig war auch die Passkontrolle. Eigentlich ist das ja eine innerfranzösische Verbindung, scheinbar hat man aber trotzdem Angst, hier die falschen Personen oder Waren auf das Festland zu lassen. Nachdem ich die Persos aus dem Fenster gereicht und die Dame kurz zu uns reingeschaut hatte, sprach sie noch irgendwas auf Französisch. Wollte wohl noch hinten ins Auto schauen, ich war mir aber nicht sicher und machte deshalb ein fragendes Gesicht, dass sie scheinbar als ablehnend aufgriff. Zu unserem Erstaunen winkte sie uns dann einfach durch. Das nenne ich mal eine scharfe Kontrolle: “Dürfen wir mal einen Blick in ihren Wagen werfen? Nein? Okay, dann fahren’s einfach weiter!” Muss ich jetzt nicht verstehen oder?

Warten in der Schlange für die Fähre nach Nizza am Hafen von Île Rousse.
Das Anlegen und Be- und Entladen zog sich wieder hin wie schon in Livorno und Bastia. Das sind echte Dynamiker bei den Corsica Ferries. Trotzdem legten wir fast pünktlich um kurz nach 17 Uhr ab. Meinte ich nicht auf dem Hinweg noch, ich könne mich an kaum eine Fährfahrt bei wirklich gutem Wetter erinnern? Nun, jetzt habe ich eine zum Erinnern, denn es war wirklich eine wunderbare Fahrt in die Abendsonne und den Sonnenuntergang. Das Oberdeck war diesmal komplett geöffnet und wir sicherten uns erstmal eine Sitzbank auf der Landseite, bevor ich uns Kaffee aus dem Inneren des Schiffes besorgte.

Endlich an Bord der Pascal Lota, kann es zurück Richtung Festland gehen.

Ablegen aus Île Rousse. Nebendran lag noch die Monte D’ORO der Corsica linea. Wir kennen sie schon von Vorgestern. Da sie zwischenzeitlich verschwunden war, hat sie vermutlich in der Zeit eine Runde nach Marseille und zurück gedreht.

Wir nehmen Kurs nach Nordwesten und lassen Korsika hinter uns.

Auch hier prangt am Schornstein groß das Wappen. Ob es nun der korsische Kopf oder jener von Sardinien ist, bleibt die große Frage.
Langsam verschwand Korsika am Horizont und damit bleibt am Oberdeck sitzend Zeit für ein kleines Fazit. Es hatte wirklich sehr gefallen, sowohl was die Bahnfotografie, als auch die Insel selbst angeht. Noch viele weitere Motive an den dünn befahrenen Strecken im Inland hätten auf dem Zettel gestanden, wir hatten aber auch eine ganze Menge umgesetzt. Für fünf Tage auf der Insel, konnten wir sehr zufrieden sein. Das Problem bleibt der Fahrplan. Der macht es wirklich zu einer zähen Angelegenheit. Wirklich schade ist das im Abschnitt Île Rousse – Ponte Leccia, denn dort ist es nicht nur noch zäher, sondern manche Motive funktionieren gar nicht, weil einfach kein Zug im passenden Zeitfenster kommt. Dann gibt es Abschnitte, wo die Motive so dicht beisammen liegen, dass man sie unmöglich schaffen kann in wenigen Tagen, wieder begründet im dünnen Fahrplan. Und ganz ohne teils lange Verfolgungsfahrten kommt man auch nicht wirklich aus, sonst werden die Ergebnisse eines Tages doch sehr dünn. Selbst überrascht war ich davon, dass mich die Fahrzeugmonotonie eher weniger gestört hat. Zum einen, weil ich die weiß/grauen AMGs dann in real doch nicht so unfotogen empfand in der Landschaft, wie zunächst befürchtet. Zum anderen, weil man am Tag eh so wenig Chancen hat, dass man sich über jedes gelungene Bild freut, egal was schlussendlich fährt. Nerviger war da schon eher der teils miese Zustand der Fahrzeuge. Die einzige Abwechslung, der X 97000 auf der Tramway de Balagne, war doch eine ziemliche Siffkarre, aber auch die inzwischen zwanzigjährigen AMGs sahen äußerlich aus der Nähe teils übel aus. Tiefpunkt in dieser Hinsicht der AMG 805+806 mit der abgefahrenen Ecke.
Und trotzdem: Ich habe nicht das Gefühl, mit der CFC schon ganz fertig zu sein und erst recht nicht mit der Insel selbst. Denn die ist wirklich großartig. Von den drei großen Mittelmeerinseln am Stiefel hat mir Korsika am besten gefallen. Es ist nicht so verlottert wir die italienischen, insbesondere Sizilien und die Landschaft ist einfach nur grandios. Gerade im Vergleich mit Sizilien ist es auch erfrischend grüner. Zu Sardinien kann ich diesen Vergleich nicht ziehen, dort war ich bislang nur im Herbst. Mitte April ist zudem die perfekte Reisezeit, wenn man nicht baden will und etwas Glück hat, dass die letzten Mittelmeertiefs gerade abgezogen sind. Es blüht alles bunt: Pinien, Ginster, Teppiche aus Mittagsblumen, Affodill, Zistrose und vieles mehr. Die Temperaturen sind, auch bei den, dank ständig zu durchschreitenden Stachelgestrüpp, obligatorischen langen Hose, noch sehr angenehm. Die Hochlichtphase ist noch sehr überschaubar. Es ist zwar noch Offseason, aber die meisten Hotels öffnen um diese Zeit und verschleudern ihre Zimmer noch zu günstigen Preisen. Überhaupt: Von dem Touristenwahnsinn, der hier vermutlich von Juni bis Oktober herrscht, war noch nichts zu spüren. Erste Moped- und Rennradfahrer hatten sich schon auf die Insel gewagt, aber am Meer war noch alles leer, keine Karawanen aus Campingbussen, keine durch die Orte marodierenden Flipflops. Ich weiß nicht, wie schlimm es hier zur Saison wird, im Inland ist es wahrscheinlich auch dann auszuhalten, aber ausprobieren muss ich es auch nicht.
Die fünf Tage hatten gerade gereicht, einen guten Rundumschlag an der CFC zu schaffen, ich hätte aber große Lust, auch den Rest der Insel abseits der Bahn noch zu erkunden. Auch die ganze südliche Hälfte hält noch vieles an der Küste und im Inland bereit. Wandern ist vermutlich aufgrund der vielen Zäune und Privatgründe nur auf wenigen ausgewiesenen Routen vernünftig möglich, aber das kann ja auch reichen. Es braucht hier im Inland auch gar nicht die großen spektakulären Highlights, die es ohne Zweifel auch gibt. Es reicht auch schon die schöne Berglandschaft, die überraschend üppige Flora und hin und wieder ein uriges kleines Bergdorf mit einer Brasserie. Wenn man irgendwann “im Alter” mal auf Gravelbike oder Straßenrad umsteigt, sind die vielen kleinen Sträßchen im Inland, auf denen zur Offseason so gut wie nichts los ist, auch ein Paradies. Da kann man quasi jeden Tag von Küste zu Küste hin und her kreuzen, mittags in einer der Boulangerien einkehren und abends an der Küste die nächste Unterkunft beziehen. Viele Ideen – Ich glaube jedenfalls, Korsika wird mich in irgendeiner Form wiedersehen.
Die Stunden am Oberdeck vergingen mit dem Essen des Mitgebrachen aus der Boulangerie – nochmal wollten wir uns nicht auf den Bordservice verlassen – mit Podcast, Musik und einfach dem Meer beobachten. Mit dem frischer werdenden Wind und der schwächer werdenden Sonne leerte sich das Oberdeck allmählich und erst zum Sonnenuntergang kamen die meisten wieder an Deck. Exakt mit dem Versinken der Sonne um 20.15 Uhr kamen auch die ersten Gipfel der Provence am Horizont in Sicht.

Langsam fällt die Sonne Richtung Horizont.

Viel klarer kann ein Sonnenuntergang auf See kaum sein. Die Pascal Lota hält Kurs auf Nizza und liegt damit perfekt auf Kurs für einen Backbord-Sonnenuntergang auf 11 Uhr.

Das lockt nochmal viele Passagiere aus dem Inneren an die Reling des Oberdecks.

Der Moment will schließlich festgehalten und vielleicht auch mit der Welt geteilt werden, sobald das nächste Mobilfunknetz erreicht ist.

Exakt mit den letzten Sonnenstrahlen kommen die Spitzen der Provence in Sicht. Besser hätte man es nicht timen können.
Die nächste zwei Stunden verbrachten wir dann auch unter Deck an einem freien Gartentisch, aßen die letzten Teile des Abendessens und daddelten ein wenig im Flugmodus auf den digitalen Geräten herum. Ich transferierte provisorisch ein paar bildliche Highlights der letzten Tage von der Kamera auf das IPhone, die ich anschließend entwickelte und als Urlaubsgrüße verschickte, sobald mal wieder Netz in Reichweite wäre. Erst um kurz nach 22 Uhr traten wir wieder nach draußen und beobachteten die langsam heller werdenden Lichter der Cote d’Azur. Ich zog mir noch einen Kaffee, um gleich die Stunde Fahrt nach Puget-Théniers bewältigen zu können und dann drückte das Schiff in einem sehr engen Manöver auch schon Zentimeter um Zentimeter an den Innenstadthafen von Nizza.

Willkommen an der Cote d’Azur.

Der Yachthafen der Bonzen liegt gleich neben dem Fähranleger in der Innenstadt von Nizza.
Schön ist ja, dass man bei der Ankunft zwar die Zeit angibt, wann das Schiff mit dem ersten Tau festgemacht ist, nicht aber, wann man tatsächlich von Bord kommt. Denn das dauerte wieder. Die Fähre wird wirklich bis ins unterste Deck nach vorn mit PKWs beladen. Dafür geht es eine Rampe in den sich verjüngenden Schiffsrumpf hinunter. Natürlich eine Sackgasse, noch dazu wird bis in den Spitzen Winkel hinein alles vollgestellt. Übertroffen nur noch davon, dass die letzten Autos schließlich auf (!) der Rampe die Überfahrt antreten müssen. Mangels Wendemöglichkeit müssen die natürlich dann nach der Ankunft rückwärts die Rampe wieder hoch, genauso wie die letzten Wagen, die auf dem Unterdeck stehen und nicht wenden können, weil noch alles vollgestellt ist. Ein Highlight, wie der alte Renault, der nur knapp in diesem Jahrtausend gebaut worden sein dürfte, unter lautem Heulen des Motors, sich langsam auf der Rampe von seinem sichernden Unterlegkeil löste und eine streng nach Kupplungsbelag riechende Wolke hinterließ. Rückwärts anfahren am Hang auf einer engen Rampe. Ich frage mich, ob die sich vorher überlegen, wen sie dort abstellen. Da sind schon Lenker an einfacherem gescheitert. Das ganze wilde Rangieren und rückwärts die Rampe hoch manövrieren – man muss es gesehen haben, um den hohen Unterhaltungswert aus überforderten Urlaubern und wild gestikulierenden und rufenden Einweisern des Fährbetreibers zu verstehen.
Ich vermute wir waren so um kurz nach 23 Uhr von Bord und fluteten Nizza mit einer Blechlawine. Was geht denn hier ab, wenn so ein Pott tagsüber anlegt? Würde ich nicht ausprobieren wollen. Jetzt kurz vor Mitternacht verlief die Fahrt durch das Straßengewirr Nizza reibungslos und es rollte bald die Endlosgerade entlang der CP Richtung Eingang der Var-Schlucht hinaus. Nach etwa einer Stunde durch die Dunkelheit erreichten wir unser Hotel in Puget-Théniers, dass ich schon von meinem Besuch Ende Dezember 2025 kannte und das im Grunde auch die einzige Adresse im Ort ist. Die Checkin-Infos waren mir zugeschickt worden, während ich im Flugmodus auf der Fähre war, sodass wir direkt reinkamen. Viel ging dann nichtmehr außer duschen, alle Akkus anstecken und dann auf’s Ohr hauen. Der Fahrplan morgen würde uns zumindest ein wenig Schlaf dieses langen Abends nachholen lassen, denn die erste Zugbewegung ist hier sonntags erst um 9.23 Uhr zu vermerken.






Ein guter Abschluß eines würdigen Reiseberichtes. Hat mir sehr gefallen. Ich weiß nicht, irgendwie erinnern mich diese AMG-Triebwagen an einen hypothetischen Talent 2 oder eher 3 mit Diesel, aber klanglich eher Richtung 612. Mal ganz nett, daß es noch so eine Bahnstrecke gibt.
Im Titel hat sich wohl ein kleiner Tipfehler eingeschlichten, “Koriska”.
Freut mich, dass es gefallen hat! Der Tippfehler ist korrigiert, danke.