Eine Reise mit den Harzer Schmalspurbahnen – 3.7 Bahnhof Eisfelder Talmühle

Portrait des größten deutschen Schmalspurnetzes nach der Wende


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Teil 3 – Von Drei Annen Hohne nach Eisfelder Talmühle


Im dritten Teil der Harzreise geht es von Drei Annen Hohne über Elend, Sorge, Benneckenstein, Sophienhof und Tiefenbachmühle nach Eisfelder Talmühle. Mit nur vier täglichen Zugpaaren sind diese fast 30 Kilometer der Harzquerbahn nur äußerst dünn befahren, bieten allerdings einen idyllischen und verschlafenen Kontrast zum Massenandrang an der Brockenstrecke.

Der Streckenabschnitt zwischen Drei Annen Hohne und Eisfelder Talmühle ist heute der am schwächsten frequentierte Teil der ehemaligen NWE. Lediglich vier Zugpaare, von denen das morgendliche und abendliche mit Triebwagen bedient werden, befahren diesen Teil der Strecke von Drei Annen Hohne über Elend, Sorge, Benneckenstein, Sophienhof und Tiefenbachmühle zum Bahnhof Eisfelder Talmühle. Im Bahnhof Eisfelder Talmühle besteht mehrmals am Tag die Möglichkeit in die Züge der Selketalbahn umzusteigen, oder eine der Verbindungen über Ilfeld nach Nordhausen zu nutzen.

Der Streckenabschnitt bietet jedoch auch von der Straße aus einige schnell zugängliche Motive, sodass bei dem dünnen Fahrplan bei einer Zugbegleitung bereits einige Aufnahmen entstehen können, welche sich bei etwas größerem Zeitaufwand durch viele fußläufig erreichbare Lichtungen ergänzen lassen. Das wohl bekannteste Motiv befindet sich in der Steigung zwischen Sorge und Elend unmittelbar hinter dem Abzweig von der Bundesstraße 4 und ist bei Sonderfahrten besonders beliebt für Scheinanfahrten.
Ein Blickfänger ist auch immer wieder der wunderschöne Bahnhof von Elend, welcher sowohl morgens für Züge Richtung Drei Annen Hohne, als auch am Abend in entgegengesetzter Richtung perfekt in Szene gesetzt werde kann.
Geprägt wird dieser Abschnitt aber hauptsächlich von dichtem Wald und so wollen die Teils kurzen Sonnenfenster in den wenigen Lichtungen vorab gut recherchiert sein. Eine Ausnahme bildet die Hochebene um Benneckenstein, welcher zu jeder Tageszeit verschiedene Fotostandpunkte bietet und dabei abwechslungsreiche Landschaftsblicke ermöglicht. Aufgrund des dünnen Verkehrs und der vielen Motive ist dieser Streckenabschnitt auch bei Sonderfahrten sehr beliebt, sodass auch immer mal wieder besondere Zugkompositionen angetroffen werden können.


Bahnhof Eisfelder Talmühle

Der 1898 eröffnete und nach einer Schrot- und späteren Sägemühle im Beretal von Karl-Heinz Ludwig Eißfeld benannte Bahnhof Eisfelder Talmühle, stellt seit 1905 den Anschlussbahnhof zur Selketal zwischen der damaligen NWE und GHE dar. Mit dem Bedeutungsgewinn als Verbindungsbahnhof erhielt Eisfelder Talmühle sein heutiges, imposantes Bahnhofsgebäude. Noch heute erfüllt der Bahnhof diese Funktion und ist insbesondere für die Parallelausfahrten der Züge Richtung Selketal bzw. Drei Annen Hohne bekannt, welche derzeit fahrplanmäßig mit etwas Glück jedoch nur noch mit einem Triebwagen neben einem Dampfzug stattfinden.
Darüber hinaus erfüllt der Bahnhof auch eine wichtige Funktion für den Rollbockverkehr aus Nordhausen. Die Güterzüge zum Steinbruch Unterberg werden hier getrennt und anschließend in Einzelteilen von je drei Wagen zur Verladeanlage gefahren. Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, verfügt der Bahnhof noch heute über vier Durchfahrtsgleise und ein zusätzliches Abstellgleis.


Nach dem Zusammentreffen der Harzquerbahn mit der Verbindungsstrecke der Selketalbahn aus Stiege, verlaufen die Gleise beider Strecken einige hundert Meter parallel in den Bahnhof Eisfelder Talmühle hinein. Neben Alexisbad eine der zwei Stellen im Streckennetz mit planmäßigen Parallelausfahrten. Am 30. Mai 1992 erreicht 199 877-2 aus dem Selketal den Bahnhof Eisfelder Talmühle.


Mehrmals täglich treffen sich bis zu drei Personenzüge im Bahnhof Eisfelder Talmühle. Am 27. Februar 2016 waren es 99 7245-6, das „Fischstäbchen“ 187 011-2 und der „Halberstädter“ 187 016-1. Die Neubaulok fiel im Anfang 2016 durch die ungewöhnlich auf der Kesseltür montierte dritte Stirnlampe, sowie fehlende weiße Lampeninnenschirme auf. Die Arbeiten am neuen Bahnhofsvorbau sind im Frühjahr abgeschlossen und das beeindruckende Gebäude erstrahlt wieder in vollem Glanz.


Am 24. März 2016 trafen sich die Talbotbrüder 187 011-2 nach Nordhausen und 187 013-8 ins Selketal in Eisfelder Talmühle, während der Dampfzug nach Drei Annen Hohne mit 99 7245-6 einen kurzen Halt einlegt und die Fahrgäste aus dem Selketal aufnimmt.


Am 13. Juli 1996 war 187 012-0 erst wenige Monate im Harz unterwegs und trifft in Eisfelder Talmühle auf 187 861-6. Mit dem Eintreffen der drei Triebwagen von der Insel Langeoog 1995, wurde das Einsatzende der Harzkamele vor Personenzügen eingeläutet, deren planmäßiger Einsatz mit dem Eintreffen der vier Halberstädter 1999 endgültig endete.


Einen sehr seltenen Anblick bot das vormittägliche Triebwagentreffen am 4. August 2014: Alle vier Durchfahrtsgleise des Bahnhofes waren besetzt. Links der Prototyp 187 015-3 nach Nordhausen, daneben 187 017-9 nach Hasselfelde und 187 019-5 nach Wernigerode und rechts die Hälfte des Schotterzuges zum Steinbruch. Die übrigen drei Wagen sind mit 199 872-3 gerade bei der Verladeanlage des Steinbruchs.


Wenig später sind alle drei Triebwagen ausgefahren und 187 872-3 kehrt mit den ersten drei Wagen des Zuges zurück. Diese werden nun in das Abstellgleis geschoben und anschließend geht es mit den restlichen drei Wagen zur Verladeanlage.


Nachdem auch die zweite Hälfte des Zuges beladen wurde, hat 199 872-2 den vervollständigten Zug auf Gleis 3 geschoben und umgesetzt. Wenig später tritt der Zug den Rückweg nach Nordhausen an, wo die Regelspurwagen über die automatische Rollbockanlage zurück auf das Netz der Deutschen Bahn gelangen.
Im Jahr 2014 waren der Rohbau des neuen Vorbaus des prächtigen Bahnhofgebäudes bereits fertiggestellt und es fehlt nur noch am Feinschliff. In früheren Zeiten befand sich an dieser Stelle bereits einmal ein großes hölzernes Vordach als Unterstand.


Im Jahr 2011 gab es von Donnerstag bis Samstag noch einen zweiten Dampfzugumlauf im Selketal. So gelangte 99 5906-5 am Vormittag des 12. Juni 2011 mit dem vormittäglichen Langläufer aus Quedlingburg nach Eisfelder Talmühle und setzt für die Rückfahrt ins Selketal um. Seit einigen Jahren gelangt nur noch am späten Nachmittag ein Dampfzug aus dem Selketal nach Eisfelder Talmühle, alle anderen Anschlüsse ins Selketal werden durch Triebwagen hergestellt. 2011 zeigte sich der Bahnhof noch mit großer Terrasse, an deren Stelle 2014 ein neuer Vorbau treten sollte.

Damit endet dieser dritte Abschnitt unserer Reise mit den Harzer Schmalspurbahnen. Nach wie immer einer kleinen Pause, geht es dann im vierten Teil mit dem restlichen Stück der Harzquerbahn von Eisfelder Talmühle bis Nordhausen weiter.

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