Typenportrait: Die GTx-Niederflurkonstruktion in Deutschland – Augsburg, Berlin, Braunschweig, Bremen, Frankfurt Main und Frankfurt Oder

Der erste Teil zur GTx-Niederflurkonstruktion hat die Entstehung und Entwicklung dieses ersten 100%-Niederflurfahrzeuges näher beleuchtet. In diesem Teil schauen werfen wir nun einen genaueren Blick auf die GTx-Fahrzeuge der einzelnen Betriebe.


Dieser Teil widmet sich den Fahrzeugen in Augsburg, Berlin, Braunschweig, Bremen, und Frankfurt (Oder). Als Blick über den Tellerrand werfen wir auch einen Blick auf den Frankfurter R-Wagen als letzte Niederflurkonstruktion von DUEWAG, welche viele Anleihen an der ursprünglichen GTx-Konstruktion nahm.

Ein Klick auf die Stadt in der folgenden Liste führt direkt zum entsprechenden Abschnitt:


Augsburg

GT6M Prototyp

Am 29. Januar 1993 erhielt Augsburg vier Jahre nach den ersten regelspurigen Prototypen den meterspurigen GT6M-Prototyp von MAN/Siemens. Das Fahrzeug erhielt die Nummer 601 und entsprach weniger den Prototypen aus Bremen und München, als vielmehr den ersten, ab 1994 nach München geleiferten Serienfahrzeugen. Auffälliger Unterschied zu den Serienfahrzeugen für München war insbesondere die abweichende Frontgestaltung: Die rechteckigen Frontscheinwerfer saßen deutlich tiefer unter der Frontscheibe und waren in die kantiger gestalteten Stoßelemente integriert. Diese Frontgestaltung wurde im Anschluss bei den drei ebenfalls meterspurigen (bzw. 1100mm) Betrieben in Braunschweig, Frankfurt Oder und Zwickau übernommen. Am 27. Juli 1993 wurde der Prototyp für den Linienverkehr zugelassen. Bereits 1995 wurde nach einem Unfall das A-Teil in Augsburg verschrottet und der übrige Wagen gelangte zurück zum Hersteller nach Nürnberg, wo er später zerlegt und verschrottet wurde. Der ursprüngliche Plan, das Fahrzeug später an die Serie anzupassen, wurde damit verworfen und stattdessen ein Serienfahrzeug mehr beschafft.


Nur wenige Monate stand der GT6M-Prototyp in Augsburg im Einsatz, bevor ein Unfall seinem Einsatz ein jähes Ende bereitete. Am 10. August 1994 war der Einzelgänger schadhaft im Depot abgestellt und konnte nur durch das geöffnete Tor abgelichtet werden. Der markanteste Unterschied zu den Serienfahrzeugen in Gestalt der abweichenden Frontgestaltung ist jedoch gut erkennbar.

GT6M

Erst ab 1996 erhielt Augsburg die anschließende Serienlieferung über elf GT6M mit den Nummern 601II-611 von ASN/Siemens. Am 28. April 1995 erfolgte der erste Einsatz im Liniendienst.
Heute kommen die GT6M fast ausschließlich auf den Linien 3 (Stadtbergen-Haunstetten) und 6 (Friedberg-Hauptbahnhof) zum Einsatz.
Anders als bei den beiden anderen bayerischen Betrieben München und Nürnberg, konnte man sich in Augsburg bislang zu keiner großangelegten Zweiterstellung der elf Fahrzeuge durchringen. Grund dafür ist auch die heute deutlich zu geringen Kapazität der dreiteiligen Fahrzeuge, welche selbst im Augsburger 5-Minuten-Takt, dem Andrang zu Stoßzeiten nicht mehr gerecht werden. Immer wieder kam daher die Diskussion über den Einsatz von Doppeltraktionen auf. Mit der jüngsten Bestellung von elf siebenteiligen Tramlink von Stadler in Multigelenkbauweise, scheint die Entscheidung nun aber auf eine zeitnahe Ablösung der GT6M ab 2022 gefallen zu sein, spätestens wenn die Option über weitere Fahrzeuge gezogen werden sollte. Das Erscheinungsbild der Augsburger GT6M blieb über die Einsatzjahre erstaunlich unverändert, nicht einmal moderne LED-Matrixanzeigen wurden nachgerüstet. Auch die Lackierung ist bis heute unverändert geblieben.


An den elf GT6M-Serienfahrzeugen hat sich in Augsburg seit ihrer Auslieferung im Jahr 1996 kaum Wesentliches verändert. Auch eine moderate Auffrischung zwischen 2013 und 2015 hat äußerlich keinerlei Spuren hinterlassen, sodass sich die Fahrzeuge, wie GT6M 604, auch im Jahr 2019 noch nahezu im Auslieferungszustand präsentieren.


Zum Einsatz kommen die Fahrzeuge schwerpunktmäßig auf der Linie 6 vom Hauptbahnhof nach Friedberg West. GT6M 608 hat am 20. September 2019 soeben die Afrabrücke mit gleichnamiger Haltestelle überquert und passiert den Gasthof zum goldenen Stern in Richtung Friedberg.


Die seit vielen Jahren auf den meisten GT6M vertretene und optisch eher unvorteilhafte „Segmüller“-Werbung, wurde in den vergangenen Jahren glücklicherweise durch eine etwas dezentere Version ausgetauscht. GT6M 611 erreicht am 20. September 2019 vom Königsplatz kommend den Theodor-Heuss-Platz.


Berlin

Berlin erhielt ab 1994 in vier Losen insgesamt 105 GT6N und verfügt damit bis heute über die meisten dieser Fahrzeuge der ersten Generation. Die vier Lose von 1994 bis 2002 setzte sich wie folgt zusammen:

  • 1994-1995 wurde die erste Serie Einrichtungsfahrzeuge 1001-1060 von AEG geliefert
  • 1997-1998 folgten mit den Nummern 1061-1105 45 weitere Einrichter von Adtranz
  • 1999 folgte mit den Nummer 2001-2015 die erste Serie Zweirichtungsfahrzeuge
  • 2001-2002 lieferte schließlich Bombardier 30 weitere Zweirichter mit den Nummern 2016-2045

Bis heute ist Berlin der einzige Betrieb, der diese Fahrzeuge auch im Zugverband einsetzt. Zwischen 2012 und 2018 wurden nach und nach die Fahrzeuge aller Lieferserien modernisiert und erhielten neue Nummern, welche nicht mehr durchgehend den Lieferserien entsprechen. Auch die Lackierung der Fahrzeuge hat sich inzwischen leicht geändert: Die markanten Stoßelemente an der Front sind nun wie der Wagenkasten im BVG-Gelb lackiert und die Türen sind in schwarz gehalten. Weiterhin erhielten die Fahrzeuge größtenteils neue LED-Matrixanzeigen, teilweise auch in weißer Optik.

Am 3. September 2011 erreicht der GT6N 1041 die Haltestelle Spandauer Straße. Das Fahrzeug trägt bereits die neue Lackierung mit gelben Stoßelementen. Im Jahr 2014 wurde der Wagen modernisiert und erhielt inzwischen die Nummer 1541

GT6N 1100 gehört zur zweiten Serie von Einrichtern, welche bereits von Adtranz geliefert wurde. Unterscheiden lassen sich die Fahrzeuge von der ersten Serie äußerlich jedoch kaum. Am 3. September 2011 trägt das Fahrzeug noch seine ursprüngliche Lackierung. Mittlerweile wurde das Fahrzeug einer leichten Modernisierung unterzogen, erhielt weiße LED-Matrixanzeigen, die neue Lackierung und die Nummer 1600.

GT6ZO 2015 gehört zur ersten Serie Zweirichter aus dem Jahr 1999, welche als letzte noch von Adtranz geliefert wurde. Am 3. September 2011 befindet sich der Wagen noch im Auslieferungszustand und erreicht die Haltestelle Spandauer Straße. Inzwischen trägt das Fahrzeug die Nummer 2215 und wurde 2016 modernisiert.


Die ab 2001 von Bombardier gelieferte 2. Serie Zweirichter, unterscheidet sich optisch deutlich von den Fahrzeugen von Adtranz. Auffällig sind dabei die voluminösen Dachverkleidungen und die abweichenden Türen. GT6ZR 2035 präsentiert sich am 3. September 2011 am Alexanderplatz noch im Auslieferungszustand. Das Fahrzeug trägt inzwischen die Nummer 2235 und wurde im Jahr 2017 modernisiert.


Braunschweig

GT6S AEG/LHB

Braunschweig erhielt 1995 seine ersten Niederflurfahrzeuge mit den Nummer 9551-9562. Die GT6S erhielten die aus Frankfurt Oder, Zwickau und vom Augsburger Prototypen bekannte Frontgestaltung. Die Fertigung und Endmontage der Wagenkästen erfolgte allerdings nicht bei MAN, sondern beim – im nahegelegenen Salzgitter ansässigen – Linke-Hoffman-Busch (LHB), welches bereits die Wagen der Jahre 1977 und 1981 für Braunschweig fertigte. Abgesehen von der 100mm breiteren Spur, unterscheiden sich die Fahrzeuge von den Frankfurtern und Zwickauern durch den Stromabnehmer auf dem ersten Wagenteil anstelle des letzten. Zudem erhielten die Braunschweiger GT6S klassische Zielfilme anstelle von bereits üblichen Matrixanzeigen.
Bis heute wurden die Fahrzeuge keinem größeren Zweiterstellungsprogramm unterzogen, was sich in den vergangenen Jahren durch stetig schlechter werdende Verfügbarkeit bemerkbar macht. Nicht selten ist ein Drittel der Fahrzeuge schadhaft abgestellt. Lediglich eine Fußbodensanierung und leichte Innenraumauffrischung wurde zwischen 2010 und 2012 bei allen Fahrzeugen vorgenommen. Eine Ablösung der nun schon 25 Jahre alten Fahrzeuge ist allerdings noch nicht in Sicht, werden in Braunschweig doch 2021 noch immer die letzten Hochflurzüge eingesetzt. Problematisch ist mittlerweile auch die geringe Kapazität der Fahrzeuge zu nachfragestarken Zeiten.


Mit der ersten Serie Traminos im Jahr 2014, wurde in Braunschweig ein neues Lackschema eingeführt. Inzwischen wurden abgesehen von 9555, zumindest die Fahrzeugköpfe aller GT6S im neuen „Tramino-Design“ lackiert. 9551 präsentiert sich am 18. Oktober 2016 derweil auf ganzer Wagenlänge im strahlenden neuen Antlitz.


Ausgeliefert wurden die zwölf GT6S im Jahr 1995 teilweise bereits mit Grundierungen für Vollwerbungen, oder in einem schlichten aber eleganten Lackschema in weißem Grundton mit abgesetzten hellgrauen Türen und Fensterbändern, sowie einem orangen Akzentstreifen. Nach vielen Jahren kam Anfang 2016 unter der Ganzreklame von 9551 für kurze Zeit wieder die arg ramponierte ursprüngliche Lackierung der 90er Jahre zum Vorschein, bevor der Wagen wenig später in das neue „Tramino-Design“ versetzt wurde. Am 28. Januar 2016 überquert GT6S 9551 den Leonhardplatz Richtung Hauptbahnhof.


Auch das zwischen 2006 und 2014 aktuelle Design mit breiter roter Bauchbinde wurde auf einigen wenigen 95ern übernommen, welche zu dieser Zeit keine Vollwerbung trugen. 9560 wirbt am 28. Oktober 2006 am Rathaus im neuen Design zusätzlich für die Eröffnung der Strecke nach Stöckheim im selben Jahr. Die Braunschweiger GT6S erhielten ab Werk noch klassische Zielfilme, welche erst ab 2008 durch LED-Matrixanzeigen ersetzt wurden.


Auch 9561 trug als einer der wenigen GT6S für einige Zeit die rote Bauchbinde. 2010 waren bereits alle Fahrzeuge mit neuen LED-Matrixanzeigen ausgerüstet, andernfalls hätten sie auch die mit der Netzreform 2009 neu eingeführten „Metrolinien“ nicht anzeigen können. Am 29. August 2010 hat der Wagen auf der Linie M5 die Endstation am Hauptbahnhof erreicht. Sowohl die Lackierung, als auch die „Metrolinien“ sind heute bereits Geschichte.


Nachdem die GT6S viele Jahre optisch äußerst „gerupft“ daherkamen, mit teils halb abgefallenen Vollwerbungen, mehreren Lackierungsvarianten übereinander oder Ersatzteilen in falschen Farben, haben die Fahrzeuge äußerlich mit dem neuen „Tramino-Design“ wieder deutlich gewonnen und sind insbesondere bei Sonnenschein ein echter Hingucker. Am 4. Februar 2019 erreicht 9551 den Leonhardplatz.

GT8S Solaris Tramino

Nachdem es sich bei der nächsten Fahrzeuggeneration im Jahr 2007 um klassische Drehgestellwagen mit rund 70% Niederfluranteil handelte, entschied sich Braunschweig bei den 2014 eingeführten Niederflurwagen der 3. Generation wieder für 100% Niederflur und das Kurzgelenkprinzip. Bei den Fahrzeugen 1451-1468 handelt es sich um vierteilige GT8S mit einem Doppelgelenk in der Mitte. Die Konstruktion entspricht damit in der Grundidee den ab 1999 von Adtranz für München und Nürnberg gebauten R3.3 bzw. GT8N. Die Fahrzeuge mit der Bezeichnung „Tramino Braunschweig“ wurden vom polnischen Hersteller Solaris gebaut. Nach lang andauernder Inbetriebnahme, stehen seit Ende 2016 alle 18 Tramino der ersten Generation im Einsatz.
Die Auslieferung einer zweiten Serie von sieben Fahrzeugen mit einer Option auf weitere sieben, begann im Sommer 2019. Da der Straßenbahnbau bei Solaris zwischenzeitlich von Stadler übernommen wurde, ist der Hersteller dieser zweiten Tramino-Generation, welche im Laufe des Jahres 2020 in Betrieb ging, der Schienenfahrzeugbauer Stadler. Die Fahrzeuge sind weitgehend identisch mit der ersten Serie. Lediglich Detailverbesserungen wie weniger getönte Scheiben und abweichende Sitzanordnungen wurden vorgenommen.


Tramino 1451 zeigt sich am 26. August 2018 im Auslieferungszustand im neuen „Corporate-Design“ der Braunschweiger Verkehrs-GmbH. Kurioserweise wurden die Fahrzeuge noch im Jahr 2014 ohne Fahrscheinautomat geliefert und der Verkauf erfolgte wie seit der Abschaffung des Schaffnerbetriebes vor vielen Jahrzehnten beim Fahrer und an Vorverkaufsstellen. 2018 wurden schließlich vier Traminos für eine kurze Testphase mit Fahrscheinautomaten ausgerüstet, bevor schließlich der Rollout in der gesamten Niederflurflotte begann. Der grüne Streifen auf der Frontscheibe weißt auf den Fahrkartenautomaten an Bord hin. Mittlerweile versuchen auch in Braunschweig immer weniger der älteren Fahrgäste, beim Fahrer einen Fahrschein zu erwerben.


Am 21. Januar 2016 erreicht Tramino 1461 in der Weststadt die Haltestelle Saalestraße. Seit der Inbetriebnahme der zweiten Serie, kommen die Fahrzeuge freizügig auf allen Linien zum Einsatz. Fast vollständig werden in der Regel die Linien 1 und 5 von Traminos bedient.


Keine fünf Jahre hielt sich das ursprüngliche „Tramino-Design“, bevor 2019 mit der Marketingkampagne zum neuen „Braunschweig-Takt“ und dem neuen Markenauftritt als BSVG einige farbliche Akzente in violett und hellrot hinzugeklebt wurden. Am 24. August 2019 präsentiert Tramino 1467 den neuen Markenauftritt auf der Linie 1 am Wendentor. Mögen die neuen farblichen Akzente durchaus Geschmacksache sein, mutet der Ersatz des Braunschweiger Löwen und der Stadtsilhouetten durch einen geflügelten Venezianischen Löwen schon etwas skurril an…


Auch Tramino 1455 präsentiert sich am 17. Juli 2019 in der Stobenstraße bereits im neuen Design.


Am 6. Mai 2020 ging der erste Tramino II in Betrieb. Zwei Tage später überquert das Fahrzeug mit der Nummer 1951 die Okerbrücke vor der Haltestelle Botanischer Garten. Seit Januar 2021 stehen auch alle Traminos der zweiten Serie im Linieneinsatz.


Bremen

GT6N Prototyp

Bremen erhielt 1989 von Kiepe und ACEC den ersten Prototypen des neuartigen 100%-Niederflurwagen. Das Fahrzeug wurde über die Jahre bei diversen deutschen und ausländischen Straßenbahnbetrieben vorgeführt, kam dazwischen in Bremen aber auch im regulären Fahrgastbetrieb zum Einsatz. Da man sich bei der Serienlieferung für vierteilige Fahrzeuge entschied, die sich darüber hinaus in diversen Punkten vom Prototypen unterschieden, wurde das Fahrzeug 1998 zur Fahrzeugparkbereinigung ins schwedische Norrköping abgegeben, wo es später auch auf die drei Prototypen aus München traf.


Von 1989 bis 1998 kam der von MAN, GHH und Kiepe gebaute GT6N Prototyp in Bremen zum Einsatz, bevor er ins schwedische Norrköping abgegeben wurde, wo er auch auf die Prototypen aus München traf. Während seiner Bremer Zeit, hatte der Prototyp auch zahlreiche Vorführeinsätze bei anderen deutschen und europäischen Betrieben. Am 13. April 1991 konnte der GT6N 501 vor dem Hauptbahnhof in Bremen aufgenommen werden.


Auch auf der türlosen Fahrzeugseite wirbt am 13. April 1991 der Spruch „Die erste der neuen Generation von Elektrischen“ für die revolutionäre Technik.


Acht Jahre später befindet sich der Prototyp bereits als Wagen 21 in Norrköping. Später erhielt das Fahrzeug auch noch die farbenfrohe gelbe Lackierung der schwedischen Stadt. Trotz Sanierung blieb der Einzelgänger jedoch störanfällig und wurde nach der Übernahme 1998 bereits 2011 wieder als Museumswagen an Bremen zurückgegeben. Hier steht das Fahrzeug am 9. Juni 1999 vor den Toren des Depot in Norrköping.

GT8N

Nach der umfangreichen Erprobung des ersten Prototypen 801, entschied sich Bremen für die Beschaffung einer vierteiligen Variante des GTxN. Insgesamt 78 GT8N mit den Nummern 3001-3078 wurden zwischen 1993 und 1996 von AEG/Kiepe nach Bremen geliefert. Die Frontgestaltung wich dabei allerdings noch leicht von den beiden späteren „Standard-Varianten“ ab. Nach teils über 25 Jahren im Liniendienst, stehen diese Fahrzeuge der ersten Niederflurgeneration in Bremen nun schon zur Ablösung an. Nachdem in den Jahren 2005-2012 in Bremen wieder Fahrzeuge mit vollwertigen Drehgestellen und geringerem Niederfluranteil beschafft wurden, wurde sich bei der aktuellen Beschaffung von vierteiligen Avenios von Siemens wieder für die Kurzgelenkkonstruktion entschieden. Die ersten Avenios befinden sich seit Ende 2020 im Einsatz und sollen bis 2023 die GT8N aus den 90er Jahren ablösen. Ursprünglich war vorgesehen, zehn GT8N noch einmal grundlegend zu überholen und mithilfe aus Altfahrzeugen gewonnener Ersatzteile weiter zu betreiben. Aus wirtschaftlicher Sicht stellte sich dieses Vorhaben letztendlich als teurer heraus, als den Bedarf durch weitere Neufahrzeuge abzudecken. Derzeit ist daher vorgesehen, die GT8N vollständig durch Avenios zu ersetzen.

Nachdem 3067 nach einem Unfall bereits 2001 verschrottet wurde, folgten 2020 noch vor der Inbetriebnahme der nächsten Fahrzeuggeneration bereits die Fahrzeuge 3005, 3018, 3061 und 3074.


Dem dreiteiligen Prototypen folgten ab 1993 78 vierteilige Serienfahrzeuge mit den Nummern 3001-3078. Die Fahrzeuge ab der Nummer 3056 wurden dabei bereits unter der Regie von Adtranz gefertigt. Am 6. Juni 2006 trägt GT8N 3012 noch seine ursprüngliche Lackierung und konnte vor dem Hauptbahnhof aufgenommen werden.


Im Laufe der Jahre erhielten die GT8N das neue Lackschema in weiß mit farbig abgesetzten Fahrzeugköpfen. Die gängigen Farben waren dabei rot, gelb, grün und blau, in Verbindung mit Vollwerbungen waren dem Farbspektrum allerdings keine Grenzen gesetzt. Mit der Ankunft der nächsten Fahrzeuggeneration ab 2006, setzte sich jedoch die rote Variante bei Neulackierungen durch. GT8N 3011 zeigt sich am 6. Mai 2018 in der blauen Variante. Spätestens seit 2012 verfügen aller GT8N zudem über neue LED-Matrixanzeigen.


Auch vor Pink wurde nicht zurückgeschreckt. So präsentiert sich GT8N 3004 am 6. Februar 2016 an der Domsheide.


Am 30. Juni 2019 konnte GT8N 3077 ebenfalls an der Domsheide aufgenommen werden. Inzwischen blicken die GT8N in Bremen ihrem Einsatzende entgegen. Ob mit der Lieferung der Lieferung der 77 neuen Avenios von Siemens ab 2020 allerdings alle GT8N der ersten Generation ersetzt werden können, bleibt abzuwarten. Mit dem Avenio folgt den GT8N im Grunde die fast dreißig Jahre weiterentwickelte Version dieser Grundkonstruktion.

GT8N-2 Nordlicht

Zur Ablösung der verbliebenen 72 GT8N wurden bei Siemens insgesamt 77 vierteilige Avenios bestellt, welche auf den Namen Nordlicht getauft wurden. Ursprünglich für 2019 geplant, erreichte das erste Fahrzeug die Hansestadt erst im Frühjahr 2020. Nach zahlreichen Probefahrten konnten im Herbst 2020 schließlich die ersten zwei Fahrzeuge dem Liniendienst übergeben werden. Die Fahrzeuge erhalten dabei die Nummern 3201-3242, sowie die Nummern 3401-3435 für die Fahrzeuge mit EBO-Zulassung. Die EBO-Zulassung wird für die geplante Netzerweiterung auf der Trasse der Bremen-Thedinghauser-Eisenbahn benötigt.
Zunächst werden die neuen Nordlichter auf der Linie 6 zwischen der Universität und dem Flughafen eingesetzt, im weiteren Verlauf des Jahres 2021 ist dann mit der schrittweisen Ausweitung des Einsatzgebietes zu rechnen.


Die Bremer Nordlichter fallen durch eine neue Frontgestaltung des aktuellen Siemens Avenio auf. Das große schwarze Ohr, das sich von der Front bis hinter die erste Tür zieht, erinnert dabei optisch ein wenig an die Ulmer Combino’s aus den Jahren 2003 und 2008.


Die Nordlichter der 34er Serie verfügen neben der BOStrab-Zulassung auch über eine Zulassung nach EBO. Zu unterscheiden sind die Fahrzeuge daher gut an der gelben Antenne am ersten Drehgestell für die punktförmige Zugbeeinflussung.


Stand Februar 2021 kommen die neuen Avenios ausschließlich auf der Linie 6 Universität – Flughafen zum Einsatz. Mit einer Ausweitung des Einsatzgebietes ist allerdings im weiteren Verlauf des Jahres zu rechnen. Am 20. Februar 2021 hält das Nordlicht 3205 an der Haltestelle Joseph-Haydn-Straße Richtung Universität.


Ebenfalls am 20. Februar 2020 konnte Avenio 3202 zwischen den Haltestellen Schlüsselkorb und Domsheide Richtung Flughafen aufgenommen werden.


Frankfurt Main

R-Wagen von DUEWAG

Für Frankfurt am Main entwickelte DUEWAG zu Beginn der 90er Jahre erstmals ein 100% Niederflurfahrzeug. Starke Anleihen am GT6N können bei diesem in Frankfurt als R-Wagen bezeichneten Zweirichtungsfahrzeug wohl nicht geleugnet werden. Dennoch gehört der R-Wagen aufgrund konstruktiver Unterschiede nur bedingt in dieses Typenportrait, soll aber nicht unerwähnt bleiben. In zahlreichen Details unterscheidet sich der R-Wagen deutlich vom GTxN. So verfügt er beispielsweise nicht über drei baugleiche Drehgestelle, sondern hat unter dem Mittelteil ein antriebsloses Drehgestell mit geringerem Raddurchmesser. Das Antriebskonzept basiert zudem auf Radnabenmotoren und nicht wie beim GTx auf vor den Drehgestellen am Wagenkasten aufgehängten Motoren. Dadurch weißt auch die Innenraumgestaltung einige Unterschiede zur „Standardaufteilung“ der GTxN auf.
In den Jahren 1993 bis 1995 wurden in Frankfurt insgesamt 40 Fahrzeuge in Dienst gestellt. Da DUEWAG zwischenzeitlich zu Siemens übergegangen war, wurden keine weiteren Fahrzeuge dieses Typs nach Frankfurt verkauft, da Siemens stattdessen die Vermarktung des neuen Combinos forcierte.


Die Frankfurter R-Wagen haben sich seit ihrer Indienststellung kaum verändert. Sie trugen als erste Straßenbahnen bei Auslieferung bereits die seither unveränderte Lackierung in subaru-vista-blue und verfügten bereits über Matrixanzeigen. Neben der nur in Frankfurt vorhandenen Kopfform, fällt auch der auf dem mittleren Segment montierte Stromabnehmer auf. R-Wagen 030 erreicht am 14. Mai 2019 in Kürze die Endstation der Linie 15 am Südbahnhof und hat die Zielanzeige schon auf „Bitte nicht einsteigen“ umgestellt.


Am 18. Mai 2018 erreicht R-Wagen 008 als Linie 17 die Haltestelle Stresemannallee-Gartenstraße.


Die R-Wagen kommen im gesamten Straßenbahnnetz von Frankfurt zum Einsatz. Am 18. Mai 2018 konnte R-Wagen 014 unweit der Haltestelle Ludwig-Erhard-Anlage aufgenommen werden.


Frankfurt Oder

GT6M von MAN/AEG

Frankfurt Oder erhielt bereits 1993 bis 1994 die ersten GT6M von MAN und AEG und damit gemeinsam mit Zwickau die erste Serie dieses Typs auf Meterspur. Die acht Einrichtungsfahrzeuge wurden mit den Nummern 301 bis 308 eingereiht und fielen besonders durch die markante Frontgestaltung des aus Augsburg bekannten Prototypen auf. Ein weiteres Merkmal der Fahrzeuge für Frankfurt und Zwickau ist der auf dem C-Teil angebrachte Stromabnehmer.


Auch an den Frankfurter GT6M hat sich seit ihrer Auslieferung in den 90er Jahren kaum etwas verändert. Die Matrixanzeigen waren hier schon ab Werk verbaut und die Hälfte der acht Fahrzeuge trägt noch heute die für moderne Fahrzeuge eher untypischen Lackierung in rot-elfenbein.


In den ersten Jahren ihres Einsatzes wirkten die modernen Niederflurfahrzeuge in den noch von Mangelwirtschaft geprägten Straßenzügen von Frankfurt Oder oft etwas fehlplatziert. Auch am 17. August 2006 waren durchaus noch etwas morbide Ecken im Netz zu finden. Während die Häuserfassaden neben GT6M 307 an der Haltestelle Am Winterhafen recht brüchig wirken, strahlen im Hintergrund bereits grundsanierte Gründerzeitbauten.


Ab 2003 fielen einige Fahrzeuge in einen mitgrünen Farbtopf. Durchgesetzt hat sich diese mit einigen Erdgasbussen eingeführte Lackierung allerdings bis heute nicht und so sind noch immer beide Fahrzeugtypen in beiden Lackierungen unterwegs. Am 14. Oktober 2014 konnte GT6M 303 auf dem Weg nach Neuberesinchen an der Birkenallee aufgenommen werden.


Im Kontrast dazu trägt GT6M 305 auch im Jahr 2019 noch elfenbein/rot und konnte kurz zuvor an der Haltestelle Wintergarten aufgenommen werden.


Im letzten Teil zur GTx-Niederflurkonstruktion in Deutschland geht es zu den übrigen Betrieben in Jena, Mainz, München, Nürnberg und Zwickau.


Fragen und Anregungen, Korrekturen und Ergänzungen nehme ich wie immer gern entgegen:

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