Die Straßenbahn Braunschweig 2021

Viel war wieder los dieses Jahr rund um die Straßenbahn in Braunschweig. Schneechaos hier, Baustellen dort, vorübergehende E-Wagen-Einsätze und vieles mehr. Ein wenig möchte ich wie schon in den letzten Jahren, auch das Jahr 2021 bei der Braunschweiger Straßenbahn noch einmal Revue passieren lassen. Ein Anspruch auf Vollständigkeit besteht natürlich wie immer nicht, zumal die zweite Jahreshälfte fotografisch eher dünn ausfiel. Aber ein grober Überblick über die aus meiner Sicht interessantesten Ereignisse sollte schon gegeben sein. An entsprechender Stelle werde ich wie gewohnt auf die vertiefenden Artikel verlinken, die bereits im Laufe des Jahres erschienen sind.


Schneechaos, Pflügen und Notbetrieb

Anfangen möchte ich gleich mit meinem persönlichen Highlight des Braunschweiger Straßenbahnjahres 2021: Gleich zweimal wurde die Straßenbahn in Braunschweig im Winter 2020/2021 durch Winterwetter erheblich beeinträchtigt. Erstmals seit Jahren hatte die Straßenbahn damit erheblich zu kämpfen mit den Witterungsbedingungen eines “richtigen” Winters, wie ihn die Norddeutsche Tiefebene seit Längerem nicht mehr erlebt hatte. Gleichzeitig bedeuteten die Wintereinbrüche im Januar und Februar das letzte Großaufgebot der Hochflurwagen, bevor im Frühling weitere Abstellungen folgten und nur noch selten ein Hochflurzug ganztägig auf der Linie 10 zum Einsatz kam.

Eisregen legt die Niederflurflotte lahm

Das Wochenende vom 29. Januar bis 31. Januar gab den Auftakt für einige schneereiche Tage und war nur ein Vorgeschmack auf das, was da noch kommen sollte. Der kurze Wintereinbruch beeinträchtigte den Straßenbahnverkehr hauptsächlich durch den starken Eisregen in der Nacht von Freitag auf Samstag. Die Niederflurwagen blieben in der Nacht reihenweise liegen und so wurde am Samstagvormittag des 30. Januar ein Notbetrieb ausschließlich mit vier Hochflurzügen zwischen Heidberg und Weststadt, sowie Hauptbahnhof und Stadion eingerichtet. Die genauen Details und ein großer Bilderbogen dieser außergewöhnlichen Einsätze sind hier zu finden: Schneechaos, Eiskratzen und Kaiserwetter – Wintereinbruch in Braunschweig.


Am Freitagnachmittag den 29. Januar setzte heftiger Schneefall, immer wieder im Wechsel mit Regen ein. Am frühen Abend lief der Verkehr auf der Linie 4 an der Endschleife Inselwall noch reibungslos. GT6S 9557 wartet auf die nächste Runde zur Helmstedter Straße. In der Nacht setzte schließlich starker Eisregen ein und legte die Straßenbahn weitgehend lahm.


Am Samstagmorgen halfen schließlich nur noch die robusten Hochflurer, um die Oberleitungen wieder vom Eis zu befreien. GT6 7751 steht schon seit April 2020 nicht mehr im Liniendienst und wurde damit betraut, die Strecke nach Volkmarode freizukratzen. Hier ist der Wagen unweit der Haltestelle Botanischer Garten Richtung Innenstadt unterwegs.


Die übrigen vier Mannheimer-Züge 7752, 7755+7772, 7758+7775 und 7756+7771 bedienten ungefähr im 30-Minuten-Takt ein Rumpfnetz Heidberg – Schloss – Weststadt und Hauptbahnhof – Stadion. So verschlug es GT6 7752 in den Heidberg, wo er zwischen der Endschleife Anklamstraße und dem Erfurtplatz als Linie 2 mit dem ungewöhnlichen Ziel “Schloss” aufgenommen werden konnte.


Bis zum Nachmittag war das Netz freigefahren. Die Hochflurzüge blieben dennoch auf Linie und verirrten sich an in den vergangenen Jahren selten gewordenen Stellen des Netzes. GT6 7755 und B4 7772 konnten am späten Nachmittag an der Endhaltestelle Ottenroder Straße im Siegfriedviertel angetroffen werden.

Winterchaos vom 7. bis 16. Februar

Am 7. Februar setzte dann eine Winterwoche lange nicht mehr gesehenen Ausmaßes ein. Nachdem sich am Sonntagmorgen den 7. Februar die letzten Planwagen ins Depot flüchteten, stand die Straßenbahn mehrere Tage still und nur sehr langsam konnte das Netz wieder in Betrieb genommen werden. Als letzter Abschnitt konnte die Linie 3 nach Volkmarode erst nach fast zwei Wochen am Donnerstag den 18. Februar wieder in Betrieb genommen werden. Die Hochflurflotte erlebte dank ihrer Robustheit in Bezug auf Eis und hohe Schneelagen in dieser Zeit ihre letzte Hochphase. Alle betriebsfähig verbliebenen Fahrzeuge konnten teils gleichzeitig im Netz angetroffen werden. Eine ausführliche Chronologie mit großem Bilderbogen zu dieser Winterwoche habe ich im Frühjahr geschrieben: Und sie nannten es…Winter – Eine Chronologie vom Pflügen und Notbetrieb.

An dieser Stelle sollen daher nur einige ausgewählte Aufnahmen dieser außergewöhnlichen Woche gezeigt werden:


In der Nacht zum Sonntag den 7. Februar begann der heftige Schneefall, der über zwei Tage bei satten Minustemperaturen anhalten sollte. Als einer der letzten Züge flüchteten gegen 10 Uhr GT6 7758 und B4 7775 am Schloss in Richtung Depot. Die Hochflurer waren in den frühen Morgenstunden ausgerückt, um beim Freihalten der Gleise mitzuhelfen und wurden offensichtlich auch auf Linie eingesetzt.


Am Nachmittag unternahm der Atw 482 mit Schneepflug 287 und der Salzlohre 187 den Versuch die Gleis zu räumen. Hier kommt der Räumzug vom Betriebshof die Leonhardstraße entlang. An der Haltestelle Hamburger Straße endete die Fahrt allerdings aufgrund einer Entgleisung. Das gesamte Netz verschneite währenddessen, die Rillenschienen setzten sich mit Eis zu und der Linienbetrieb ruhte bis einschließlich den 10. Februar vollständig.


Am Mittwoch den 10. Februar wurde schließlich ernsthaft damit begonnen, das Netz freizulegen. An diesem Tag konnte zumindest die Strecke Betriebshof – Hauptbahnhof – Inselwall freigelegt werden. Hier ist die Räummannschaft am Vormittag damit beschäftigt, die Rillenschienen auf dem Bahnhofsvorplatz freizuhacken.


Am Donnerstag den 11. Februar wurde der Linienbetrieb auf dem Abschnitt Hauptbahnhof – Radeklint von einer im 15-Minuten-Takt verkehrenden Linie E aufgenommen. Zwei Kurse wurden dabei von Hochflurfahrzeugen bedient. GT6 7758 und B4 7775 wenden am Nachmittag in der Blockumfahrung am Inselwall.


Der zweite Hochflurkurs wurde von GT6 7756 und B4 7771 bedient – hier am Hagenmarkt in Richtung Radeklint. Wenig später konnte auch die Strecke in den Norden bis zum Stadion wieder für den Linienbetrieb freigegeben werden, zusätzliche Bahnen rückten aus und die Mehrzahl der Fahrzeuge wurde zum Stadion geschickt, was den 15-Minuten-Takt zum Radeklint vorübergehend zusammenbrechen ließ.


Am Freitag den 12. Februar wurden dann die Linie 1 Wenden – Hauptbahnhof und die Linie 4 Helmstedter Straße – Radeklint bedient. Drei der sechs Kurse auf der Linie 1 wurden dabei von Hochflurzügen bedient. GT6 7758 und B4 7775 konnten am Vormittag an der Haltestelle Nordhoffstraße stadteinwärts aufgenommen werden.


Dritter im Bunde war wiedermal der GT6 7756 mit B4 7771, hier am Nachmittag am Wendentor Richtung Hauptbahnhof. Der Motivklassiker am Wendentor sollte nach dem Winter fast das ganze Jahr über aufgrund von Kanalisationsarbeiten nicht mehr umsetzbar sein. Erst im Dezember verschwanden die letzten Baustelleneinrichtungen und gaben die abwechslungsreichen Perspektiven auf diesem Abschnitt wieder für die Fotografen frei.


Bis zum Sonntagnachmittag den 14. Februar konnte schließlich abgesehen von der Linie 3 Richtung Volkmarode, das gesamte Netz wieder befahren werden. Es galt das ganze Wochenende ein eingeschränkter 30-Minuten-Takt. Weiterhin standen vier Hochflurzüge im Einsatz. Auch die zweite LHB-Schuhschachtel aus GT6 8165 und B4 8471 gab sich mal wieder die Ehre und konnte am späten Nachmittag zwischen den Haltestellen Militsch- und Trakehnenstraße in der Fotokurve Richtung Stöckheim festgehalten werden.


Baustellen hüben wie drüben

Neben dem harten Wintereinbruch, war der Betrieb der Straßenbahn im Jahr 2021 auch geprägt von zahlreichen längeren und kürzeren Baumaßnahmen, die teils zu interessanten Umleitungen führten. So wurde für einige Tage der Lessingplatz planmäßig befahren, die Nordstrecke endete mehrere Wochen am Stadion und die Linie 3 wurde in den Herbstferien nach Broitzem umgeleitet. Nicht zu vergessen ist natürlich, dass nach gefühlt ewigen Verzögerungen, Anfang April endlich die Strecke über Georg-Eckert-Straße und Magniviertel wieder freigegeben werden konnte. Im Folgenden eine kleine Zusammenstellung der interessantesten Linienführungen ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Osterumleitung über den Lessingplatz

Die Osterferien vom 27. März bis 11. April wurde für einige Baumaßnahmen genutzt und sorgten so für eine interessante Umleitung. Zum einen wurde am Autobahnabschnitt des Südastes Richtung Stöckheim und Heidberg die Behelfsbrücke am Südkreuz eingehängt. Dies sorgte für eine mehrtägige Unterbrechung beider Linien in der zweiten Ferienwoche. Die Linien 1 und 2 endeten in dieser Zeit in der Schleife am Hauptbahnhof. Die in den Ferien im 30-Minuten-Takt verkehrende Linie 10 wurde kurzerhand eingestellt, mit der etwas seltsamen Begründung von Kapazitätsproblemen in der Bahnhofsschleife.

Fotografisch deutlich interessanter waren aber die Bauarbeiten am Westast Richtung Broitzem und Weststadt in der ersten Ferienwoche, sorgten diese doch für die seltene planmäßige Benutzung der Betriebsstrecke über den Lessingplatz. Die Linie 5 wurde zwar komplett auf Busse umgestellt, die Linie 3 verkehrte allerdings bis zum Friedrich-Wilhelm-Platz und wendete anschließend über Lessingplatz und J.-F.-Kennedy-Platz zur Haltestelle Schloss. Zumindest in diese Fahrtrichtung konnten dadurch endlich einmal in Ruhe alle Motive an dieser kurzen aber interessanten Verbindung aufgenommen werden, zumal die Zeit der Umleitung genau mit der prächtigen Osterglocken-Blüte auf dem Lessingplatz zusammenfiel. Zum Einsatz kamen aufgrund der Ferien und des arg geschrumpften Netzes auf der Linie 3 in diesem Zeitraum ausschließlich Traminos.


Der Abzweig vom Friedrich-Wilhelm-Platz Richtung Lessingplatz wird planmäßig so gut wie nicht befahren. Lediglich ein mittäglicher E-Wagen der Linie 5 nutzt die Verbindung zum Wenden auf seinem ungewöhnlichen Linienweg Hauptbahnhof – Magniviertel – Schloss – Friedrich-Wilhelm-Platz – Schloss – Magniviertel – Hauptbahnhof. In Gegenrichtung gibt es eine abendliche Fahrt eines Linienwechslers, der von der Linie 10 am Hauptbahnhof auf die Linie 3 Richtung Volkmarode wechselt. Geradeaus verkehren hier nur am frühen Morgen zwei Verstärkerkurse der Linie 5 über den Lessingplatz. Während der Umleitung der Linie 3 fanden den ganzen Tag im Viertelstundentakt Fahrten über den selten genutzten Abzweig statt, wie hier mit Tramino 1459 am Morgen des 3. April 2021.


Entlang des Bruchtorwall geht es mit Tramino 1465 ebenfalls am 3. April Richtung Lessingplatz. Im Hintergrund die baustellenbedingt als Endstation genutzte Haltestelle am Friedrich-Wilhelm-Platz mit einem SEV 3E Richtung Weststadt. Nach der Einstellung der ehemaligen Strecke der Linie 4 zur Frankfurter Straße 1967, fiel die Verbindung über den Lessingplatz bis 1978 in einen Dornröschenschlaf. Erst mit der Eröffnung der neuen Weststadtlinie(n) wurde die Verbindung 1978 reaktiviert. Der Abschnitt auf dem Bruchtorwall wurde dabei völlig neu auf eigenem Bahnkörper trassiert.


Anschließend wird der Lessingplatz mit seinem wunderbaren Osterglockenmeer erreicht. Tramino 1956 überquert am Morgen des 3. April das autofreie Rondell der traditionsreichen Strecke über den Lessingplatz. Mit der Eröffnung der Pferdenbahn in Braunschweig am 12. Oktober 1879 wurde auch die Linie vom damaligen Hauptbahnhof nach Richmond im Süden der Stadt an der Wolfenbütteler Straße eröffnet. Bereits diese Linie verlief über die heute noch vorhandenen Verbindung vom Friedrich-Wilhelm-Platz über Bruchtorwall, Lessingplatz, Augusttorwall zum Augustplatz (heute J.-F.-Kennedy-Platz). Im Jahr 1897 wurde schließlich der elektrische Betrieb aufgenommen. Die Verbindungsstrecke über den Lessingplatz gehört damit zu den ersten Strecken der Braunschweiger Straßenbahn. Nach der Reaktivierung 1978, war die Verbindung bis 1998 die Hauptachse aus dem Westen in die Innenstadt, bevor die Verbindung durch die Friedrich-Wilhelm-Straße nach fast 40 Jahren als neue Fußgängerzone mit Straßenbahnstrecke wiedereröffnet wurde.


Am späten Vormittag des 31. März konnte der Namensgeber des Platzes samt Osterglocken und Tramino 1465 ins Bild genommen werden. 1849 wurde die Bronzestatur zu Ehren des in Braunschweig beigesetzten Dichters Gotthold Ephraim Lessing errichtet. Den zweiten Weltkrieg überdauerte die 2,6 Meter große Statur im nahegelegenen Wendhausen, bevor sie 1947 zurückkehrte.


Hinter dem Lessingplatz teilt sich die Strecke in eine kleine Blockumfahrung. Tramino 1465 biegt am 3. April 2021 in den Augusttorwall ein. Zum Einsatz kamen während der Zeit der Umleitung auf der Linie 3 ausschließlich Tramino. Durch den Ausfall der Linie 5, die Kürzung der 1 und 2 und den Ferienfahrplan, konnte auf die 95er GT6S zudem fast vollständig verzichtet werden.


Etwa 150 Meter weiter ist schon das Ende der Betriebsstrecke erreicht. Die Strecke zweigt stadteinwärts in die Strecke der von der Wolfenbütteler Straße kommenden Linie 2 auf den J.-F-Kennedy-Platz ein.

Wiedereröffnung Georg-Eckert-Straße – St. Leonhard

Nach deutlich über einem halben Jahr Sperrung, konnte im April 2021 endlich die Strecke über Georg-Eckert-Straße und Magniviertel zum Leonhardplatz wieder in Betrieb genommen werden. Seit den Sommerferien 2020 war die Strecke aufgrund der Sanierung der Strecke in der Georg-Eckert-Straße nicht befahrbar. Die Linie 5 nutze während dieser Zeit die Ersatzhaltestelle Schloss auf dem Waisenhausdamm und verkehrte von dort über J.-F.-Kennedy-Platz und Kurt-Schumacher-Straße zum Hauptbahnhof. Die Linie 4 wurde ebenfalls über J.-F.-Kennedy-Platz und Kurt-Schumacher-Straße geführt und bog vor dem Hauptbahnhof zur Haltestelle “Hauptbahnhof/Viewegs Garten” ab. Über den Willy-Brandt-Platz gelangte die Linie am Leonhardplatz wieder auf den angestammten Linienweg. Der lange Umweg erforderte in dieser Zeit allerdings vier statt drei Kursen auf der Linie 4.

Erstaunlich wenig hat sich derweil für den Nutzer von Straßen und Schienen auf der Georg-Eckert-Straße geändert. Lediglich optisch wurde die Strecke durch einen Grüngleisabschnitt zwischen den Haltestellen Georg-Eckert-Straße und Museumsstraße aufgewertet. Ansonsten plügt sich die Straße noch immer in bester Nachkriegsmanier mit völlig unnötigen vier bis sechs Autospuren mitten durch die Innenstadt, während sich Rad- und Fußverkehr auf Seiten des Schlosses weiterhin auf einer gemischten Verkehrsfläche mit Kopfsteinpflaster bekämpfen dürfen. Nicht zu vergessen die nach wie vor ungünstig gefährliche Ein- und Ausfahrt des Schloss-Parkhauses über eben jene Mischfläche – willkommen in der Autostadt…


Während der am Ende rund neunmonatigen Baustelle auf der Georg-Eckert-Straße, wurden die Linien 4 und 5 über den J.-F.-Kennedyplatz und die Kurt-Schumacher-Straße umgeleitet. Am winterlichen 9. Januar 2021 treffen sich beide Linien an der Betriebshaltestelle J.-F.-Kennedyplatz. An Sonntagen reichen die Traminos mittlerweile für den Gesamtauslauf, sodass Tramino 1953 als Linie 4 zur Helmstedter Straße und 1461 als Linie 5 nach Broitzem festgehalten werden konnten. Der winterliche Sonntag der 9. Januar 2021 war gleichzeitig auch der letzte Tag des seit Ende 2020 gültigen Corona-Fahrplans, welcher vorübergehend einen 15-Minuten-Grundtakt von Montag-Freitag und einen 30-Minuten-Takt am Wochenende auf allen Straßenbahnlinien vorsah. Seither war Fahrplan des Straßenbahnverkehr in der Löwenstadt nicht mehr von der Corona-Krise beeinflusst.


Von der Helmstedter Straße kommend, hält wenig später am selben Tag Tramino 1951 als Linie 4 Richtung Rathaus und Volkmarode an der Haltestelle Hauptbahnhof/Viewegs Garten. Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2020 wird die Linie 4 sonntags ab Rathaus als Linie 3 weiter nach Volkmarode geführt. Die kurze Strecke zum Radeklint bleibt unbedient.


Anfang April wurde die Strecke über die Georg-Eckert-Straße wieder freigegeben. Am 28. April biegt GT6S 9557 als Linie 4 vom Bohlweg auf der altbekannten Linienführung in die Haltestelle Georg-Eckert-Straße ein.


Am 6. Juli 2021 verlässt Tramino 1956 die Haltestelle Georg-Eckert-Straße als Linie 5 zum Hauptbahnhof. Wie so oft in Braunschweig, hat man es auch bei der Sanierung der Georg-Eckert-Straße verpasst, die Verkehrsflächen großzügig neu zu verteilen. Stattdessen weiterhin vier, in Kreuzungsbereichen sechs Autospuren. Was haben schon Fußgänger und Radfahrer mitten in der Innenstadt verloren…


Hinter der Kreuzung mit der Straße Ackerhof beginnt nun zumindest als optische Aufwertung ein neues Grüngleis bis zur Haltestelle Museumsstraße. Ebenfalls am 6. Juli 2021 rollt Tramino 1957 zwischen dem inzwischen verlassenen Kaufhof und dem Schloss als Linie 5 Richtung Hauptbahnhof. Beides nicht wenig umstrittene Bauten ihrer jeweiligen Zeit, welche die nicht vorhandene, größere städtebauliche Idee der Löwenstadt unterstreichen. Schön zu erkennen ist hier auch der harte Bruch der Schloss Arkaden zwischen historischer Fassade und funktionalem Einkaufszentrum.


Blick in die Gegenrichtung auf GT6S 9552 Richtung Radeklint am Abend des 29. April 2021.


Wir wechseln die Straßenseite und blicken auf einen ebenfalls Richtung Radeklint fahrenden Kurs der Linie 4 am Abend des 27. April 2021. Vor der Kulisse des Ritzi-Hauses erreicht GT6S 9557 die Haltestelle Georg-Eckert-Straße. Für den architektonisch Interessierten hat die kurze Strecke wirklich einiges zu bieten, was davon gefällt, muss jeder selbst entscheiden. Interessant sind dabei aber schon allein die starken Kontraste, wie hier zwischen Ritzi-Haus und der dahinter emporragenden Kirche St. Magni.


Wenige Meter weiter durchfährt NGT8D 0760 als Linie 4 zur Helmstedter Straße am 6. Juli die Gegenkurve in die Haltestelle Museumsstraße.


Auch die Haltestelle Museumsstraße wurde komplett neugebaut. So richtig fertig war man dann zur Freigabe der Strecke Anfang April aber doch noch nicht, sodass nicht nur wochenlang weiterhin diverse Baustelleneinrichtungen eine Fahrspur beanspruchten, auch die Haltestelle wurde erst einige Wochen später bedient. So durchfährt Tramino 1467 die Haltestelle Museumsstraße am späten Nachmittag des 13. April 2021 ohne Halt Richtung Broitzem. Im Hintergrund ragt das in den vergangenen Jahren ebenfalls grundsanierte Herzog-Anton-Ullrich-Museum empor. Links daneben hinter den noch laubfreien Bäumen ist der moderne Anbau des Museums zu erkennen.

Großbaustelle in der Nordstadt

Die Sommerferien 2021 wurden genutzt, um die große Umsteiganlage Lincolnsiedlung im Norden der Stadt aus den 80er-Jahren zu überholen. Dabei wurden hauptsächlich die Bussteige behindertenfreundlich ausgerichtet und auf den neuen Fahrplan aus 2020 angepasst, der für die Umsteigeanlage neue Verknüpfungsfunktionen vorsieht. In diesem Zuge wurden auch die Bahnsteige der Straßenbahn barrierefrei ausgebaut. Weiterhin erfolgten weitreichende Gleissanierungen Richtung Schleife Carl-Miele-Straße und auf dem Abschnitt Stadion – Lincolnsiedlung.

Für Restarbeiten wurde die Strecke in den Herbstferien erneut gesperrt. Die Linien 1 und 10 endeten während der Baumaßnahmen am Stadion, wo direkter Umstieg zum SEV Richtung Wenden bestand. Aufnahmen von der umgebauten Haltestelle Lincolnsiedlung sind aufgrund der umfangreichen Restarbeiten noch nicht entstanden. Das ist dann etwas für den Jahresrückblick 2022…


Während der Baumaßnahmen im Norden der Stadt, endeten die Linie 1 und 10 am Stadion. Die Abfahrt erfolgte von der sonst nicht bedienten Haltestelle auf der anderen Seite der Schleife. Am 30. Oktober 2021 kam es gleichzeitig zu E-Wagen-Fahrten zum Eintracht-Spiel, sodass die pausierenden Bahnen der Linie 1 etwas ungünstig die Stadionverstärker blockierten. So wartet hinter Tramino 1467 als Plankurs Richtung Stöckheim bereits ungeduldig Tramino 1463 als 1E zum Hauptbahnhof. Interessant dürfte auch gewesen sein, wo die E-Wagen während des Spiels abgestellt wurden. Im Normalfall werden die Fahrzeuge in den Schleifen Stadion und Carl-Miele-Straße gestapelt. Ersteres hätte allerdings die Linie 1 blockiert und letztere war aufgrund der Baustelle nicht erreichbar. Eine Möglichkeit wäre eine Rückwärtsfahrt in den stadteinwärtigen Hauptbahnsteig der Haltestelle Stadion.

Umleitung der Linie 3 nach Broitzem

Im Oktober wurde während der Herbstferien an der Strecke der Linie 3 zwischen Donauknoten und Weserstraße gebaut. Dies führte zu einer zweiwöchigen Umleitung der Linie 3 nach Broitzem. So kam dieser Ast wiedermal in den Genuss eines dichten Taktes, nachdem er mit der letzten Liniennetzreform mit einem Viertelstundentakt doch ein wenig abgehängt wurde. An der Haltestelle Donauknoten bestand Übergang zum SEV, die Bahnen der Linie 3 schilderten ab hier dann auch korrekt Broitzem als neues Ziel ein.


Während der Fahrt leider schlecht darstellbar verlässt am 30. Oktober 2021 NGT8D 0752 die Haltestelle Am Lehmanger als “3 Broitzem”.


Wenig später wartet NGT8D 0752 bereits an der Endstationsanlage Turmstraße in Broitzem. Durch den kombinierten 7,5 Minutentakt konnten seit langem auch abseits von E-Wagen wieder regelmäßig zwei Bahnen nebeneinander in der Endstation beobachtet werden – wenn man denn schnell genug gewesen wäre…


Schleifenfahrt von Tramino 1468 durch die Endschleife Turmstraße als Linie 3 nach Volkmarode am 30. Oktober 2021.

Umsteigeanlage Bahnhof Gliesmarode

Schon Ende 2020 konnte die neue Haltestelle am Bahnhof Gliesmarode nach längeren Bauarbeiten freigegeben werden. Über Sinn und Unsinn der gesamten Maßnahme als ÖPNV-Knotenpunkt soll sich besser jeder selbst eine Meinung bilden. Bis 2021 konnten dann auch die Restarbeiten rund um die Straßenbahn- und Bushaltestelle abgeschlossen werden, während die Bauarbeiten am Bahnhof selbst noch andauern. So machte ich mich im April mal gezielt mit der Kamera zum Bahnhof Gliesmarode auf und dokumentierte die neue Haltestellenanlage ausgiebig.


GT6 9561 erreicht am 16. April 2021 die neue umgebaute Haltestelle Bahnhof Gliesmarode aus der Gliesmaroder Straße kommend. Nur für die Straßenbahn ist hier die Geradeausfahrt erlaubt.


Wenig später steht Tramino 1459 ebenfalls in Fahrtrichtung Volkmarode an der Haltestelle. Durch die unverändert prominent mit der Lüftungsanlage Richtung Haltestelle platzierte Shell-Tankstelle auf der rechten Seite, ist die Aufenthaltsqualität an der Haltestellenanlage noch immer eher mäßig. Einen besonderen Spaß hat sich auch jemand mit dem neuen “Durchfahrt verboten”-Schild für Radfahrer gemacht. In meinem Rücken ist der Radweg an dieser Stelle für beide Richtungen freigegeben, um von der Berliner Straße Richtung Gliesmarode zu gelangen. An der Haltestelle ist nun aber Schluss. In die Gliesmaroder Straße genügt es, hier die Haltestellenseite zu wechseln. Möchte man aber an der Kreuzung vom vorherigen Bild nach links abbiegen, muss nun einmal vor und einmal hinter der Haltestelle die Streckenseite gewechselt werden, um im viel engeren Bereich neben der Tankstelle durchzufahren. Noch dazu kommt, dass die Ampel auf der anderen Seite der Haltestelle immer rot zeigt, sobald die Gliesmaroder Straße grün hat, auch wenn keine Straßenbahn kommt. Wen wundert es bei solch genialen Verkehrsführungen noch, dass die Radfahrenden hin und wieder über die ein oder andere Regel hinwegsehen (müssen), um irgendwann am Ziel anzukommen…


Die beiden Buslinien 230 und 433 machen von der Berliner Straße einen Schwenk über die neue Haltestelle und halten am selben Bahnsteig wie die Straßenbahn. Dieser Umstieg der sonst nirgends wirklich mit der Linie 3 verknüpften Linien ist also optimal gelöst. Nur zum neuen Mittelbahnsteig des noch im Umbau befindlichen Bahnhofes werden die Wege sogar noch ein Stück länger. Am 16. April halten Tramino 1462 und GT6S 9561 an der Haltestelle.


Hinter der Haltestelle Bahnhof Gliesmarode schwenken nun Bus und Bahn mittels Vorrangschaltung in die Berliner Straße ein. Am 16. April 2021 ist Tramino 1455 in die Mittellage eingeschwenkt und rollt weiter nach Volkmarode.


Und noch zwei Ansichten in die Gegenrichtung: Zunächst Tramino 1465 am 20. April 2021 beim Verlassen der Berliner Straße Richtung Haltestelle Bahnhof Gliesmarode.


Und die Haltestelle selbst in Gegenrichtung von der Gliesmaroder Straße gesehen mit Tramino 1954 am 20. April 2021.


Das Ende der Hängerzüge aus NGT8D und DÜWAG B4

Schon einmal verschwanden im Jahr 2017 die vier DÜWAG B4 7471, 7472, 7475 und 7476 aus dem Betrieb. Diese waren von 2007 bis 2010 für den Betrieb hinter den NGT8D umgebaut worden. Seit 2019 standen dann unerwartet die beiden B4 7471 und 7472 hinter ihren angestammten Triebwagen NGT8D 0757 und 0758 wieder im Einsatz. Mit der Inbetriebnahme der sieben Tramino II konnte auf die fassungsstarken Züge nun endgültig verzichtet werden, sodass Mitte Mai auch die beiden 2019 zurückgekehrten Beiwagen abgestellt werden konnten. Damit endete nach rund 13 Jahren dieses besondere Kapitel der Braunschweiger Straßenbahn weitgehend unbemerkt. Die Linie 1 ist damit nun fest in der Hand der Traminos. Auch auf der ebenfalls im Viertelstundentakt verkehrenden Linie 5 werden hauptsächlich, aber nicht immer ausschließlich Traminos eingesetzt. Alle drei Niederflurtypen sind derweil auf den Linien 2, 3 und 4 anzutreffen, wobei die Linie 4 vorrangig mit den kleinen GT6S, ergänzt durch NGT8D bedient wird. Auf der Linie 3 kommen von Montag bis Freitag recht verlässlich alle drei Niederflurtypen zum Einsatz.

Im Sommer habe ich den ungewöhnlichen Gespannen aus NGT8D+B4 zum Abschied noch einmal ein ausführliches Portrait gewidmet: NGT8D+B4 – Abschied von den Braunschweiger Hängerzügen. An dieser Stelle daher nur ein paar stellvertretende Aufnahmen der vier Beiwagenzüge:


47 Jahre stand der Beiwagen 7471 in Braunschweig im Einsatz. Meine unbewusste Abschiedsaufnahme gelang am 30. April 2021 kurz vor der Haltestelle Mühlenpfordstraße Richtung Wenden. Wenige Tage später wurde der Beiwagen Mitte Mai abgestellt.


Am 16. April 2021 wartete ich am Wendentor vergebens auf einen Hochflurkurs der Linie 10. Immerhin war aber auf der Linie 1 der Beiwagen 7472 im Einsatz und durfte für einen etwas anderen Blickwinkel herhalten.


Auch am 30. April 2021 wurde ich auf der Suche nach einem Hochflurkurs auf der Linie 10 zum wiederholten Mal enttäuscht. So musste dann eben der Beiwagen 7472 für einige Innenraumaufnahmen herhalten. Auf der Fahrt am frühen Nachmittag aus der Innenstadt Richtung Wenden hatte ich den Wagen praktisch für mich allein, sodass man sich über Corona wenig Gedanken machen musste. Beim Blick nach hinten fallen die beiden quer installierten Sitze an der ehemaligen dritten Tür auf. Im Heck des Wagens entstand auf diese Weise ein ruhiges “Reiseabteil”.


Ende der Fahrt und mein unbewusster Abschied vom B4 7472 war anschließend in der Endschleife Wenden Heideblick. Wenige Tage später wurde der Beiwagen Mitte Mai abgestellt. Wo inzwischen Rasen wächst, stand lange Jahre knöchel- bis kniehohes Gestrüpp. Vergaß der Fahrer seinen Beiwagen oder stand noch ein Zug am selben Bahnsteiggleis, wurde man hier nicht selten an der letzten Türe im “Unterholz” herausgeworfen…


Der Vollständigkeit halber sollen natürlich auch die beiden bereits 2016 und 2017 endgültig abgestellten Beiwagen noch erwähnt sein. Am 7. April 2017 konnte der Zug aus 0755 und 7475 noch einmal auf der Linie 1 zwischen den Haltestellen Hansestraße Ost und Lincolnsiedlung aufgenommen werden. Wenig später wurde der Beiwagen 7475 abgestellt. Die zunehmend in Betrieb genommenen Traminos konnten die Kapazität der Hängerzüge auf der Linie 1 ersetzen. Dennoch sind die Züge aus NGT8D und B4 in ihrer Länge und Kapazität in Braunschweig bis heute unübertroffen.


Ein Sonderfall war der “Prototyp” 7476, dem im Gegensatz zu den anderen drei Beiwagen, die an die NGT8D angepassten Dachkanten fehlten. Am 19. Oktober 2013 ist der Zug aus NGT8D 0754 und B4 7476 zwischen dem Sachsendamm und der Haltestelle Militschstraße auf dem Weg nach Stöckheim. 2016 kam 7476 letztmals zum Einsatz und fristet seither ein trauriges Dasein im Außenbereich des Betriebshofes.


Zusätzliche Schülerkurse mit Hochflurfahrzeugen

Nach über einem Jahr ohne Präsenzuntericht oder im “Wechseluntericht”, wechselten die Schulen dank Inzidenzzahlen deutlich unter 35 in Braunschweig zum 31. Mai 2021 in das sogenannte “Szenario A”. Dieses ist im Grunde gleichbedeutend mit Präsenzuntericht für alle unter Einhaltung bekannter Hygieneregeln und regelmäßigen Testungen. Um präcoronazeitliche Überfüllungen im ÖPNV zu Schulbeginn und -Ende abzumildern, setzte die BSVG ab diesem 31. Mai bis zu den Sommerferien zusätzliche Schülerkurse im Bus- und Straßenbahnverkehr ein. Kurios war dabei die Anmietung einiger Doppeldeckerreisebusse von Mundstock. Da die Fahrzeuge nicht für Schüler reserviert waren, sondern als Einsatzfahrten regulär auf Linie fuhren, konnte auch der gemeine Fahrgast zu dem Erlebnis einer Doppeldeckerfahrt als Linienfahrt durch Braunschweig kommen.

Auf Seiten der Straßenbahn wurden für die E-Wagen-Fahrten meist zwei der verbliebenen vier Hochflurzüge auf Strecke geschickt. Morgens lief einer der Wagen vom Betriebshof in die Weststadt mit Abfahrt 07:13 Uhr Richtung Volkmarode und anschließend wieder zum Betriebshof. Der zweite Zug fuhr vom Betriebshof nach Volkmarode mit Abfahrt 07:18 zurück zum Rathaus um anschließend wieder einzurücken.
Das gleiche Spiel wiederholte sich am frühen Nachmittag zwischen halb eins und zwei. Diese wenigen Fahrten als Linie 3E boten im Sommer noch einmal recht sichere Anlaufstellen für Hochflurzüge, während die Linie 10 seit dem Frühjahr immer häufiger ausschließlich mit Niederflurwagen bedient werden konnte. Im Detail habe ich die E-Wagen-Fahrten hier beschrieben: Verstärkerfahrten mit Hochflurwagen auf der 3E. Richtung Sommerferien wurden die E-Wagen-Fahrten vermehrt von Niederflurern bedient oder fielen gleich ganz aus.


Der Mannheimer-Zug aus GT6 7756 und B4 7772 kommt am 4. Juni von seiner Fahrt nach Volkmarode zurück und konnte um 13:15 Uhr auf der Gliesmaroder Straße Ecke Karlstraße kurz vor der Haltestelle Botanischer Garten mit dem Ziel Weststadt aufgenommen werden. GT6 7756 hat in der ersten Jahreshälfte seinen Beiwagen 7771 gegen 7772 getauscht.


Für den morgendlichen Umlauf Rathaus-Volkmarode-Rathaus war am 18. Juni 2021 der LHB-Zug aus GT6 8157 und B4 8175 eingeteilt. Vor der Haltestelle Botanischer Garten erwartete ich den Zug auf der Okerbrücke Richtung Volkmarode. Kurz bevor Schüler, Elterntaxis und Berufsverkehr die Straßen füllen, klappte die Aufnahme auf der Brücke ohne störenden Beifang. Auch der Fahrer freut sich über den frühen Fotografen.


Auf dem Kurs Schloss-Weststadt-Volkmarode-Rathaus erwischte ich am selben Morgen endlich mal wieder die deutlich schönere Schuhschachtel GT6 8165 mit B4 8471. In der Friedrich-Wilhelm-Straße erwartete ich den Zug auf der Fahrt aus der Weststadt nach Volkmarode. Eine nur wenige Wochen im Hochsommer mögliche Perspektive in der Innenstadt.


Am 30. Juni 2021 erwischte ich dann auch endlich noch den letzten der vier Hochflurzüge auf Verstärkerfahrt. GT6 7758 und B4 7775 waren für den langen Kurs in die Weststadt eingeteilt. Auf der nachmittäglichen Runde haben GT6 7758 und B4 7775 den Friedrich-Wilhelm-Platz passiert und fahren auf dem Kalenwall Richtung Weststadt.


Neue Fahrgastinformation – Drinnen und Draußen

Nach einer Testphase 2020, wurden im Laufe des Jahres 2021 die neuen DFI-Anzeigen an den Haltestellen flächendeckend ausgerollt. Nicht nur wurden die bereits vorhandenen Anlagen ausgetauscht, auch wurden und werden nun flächendeckend im gesamten Stadtgebiet die neuen Informationstafeln installiert, nicht wie zuvor ausschließlich an stark frequentierten Haltestellen. Im Gegensatz zu den alten Anlagen, werden die neuen DFI-Anzeigen den Ansprüchen an die Barrierefreiheit gerecht. Taktile Leitelemente weisen den Weg zu den Anlagen und über einen Druckschalter kann eine akustische Ansage aktiviert werden. Schade nur, dass an den zentralen Haltestellen keine größeren Anzeigen installiert wurden, oder wenigstens eine wechselnde Anzeige der nächsten Fahrten realisiert wurde. So können beispielsweise am Rathaus in den vier Zeilen gar nicht alle fünf Linien angezeigt werden. Hinzu kommt, dass es beispielsweise am Rathaus wenig hilfreich ist, wenn die Linie 3 gleich in zwei Zeilen mit zwei und neun Minuten angezeigt wird, während dann andere Linien mit der nächsten Abfahrt in mehr als 10 Minuten gar nicht mehr auf die Anzeige passen. Positiv hervorzuheben ist, dass die Anzeigen von Beginn an auch genutzt wurden, um über Linienänderungen, Corona-Regeln oder beispielsweise das städtische Impfangebot zu informieren. Dummerweise fehlt dadurch dann natürlich gleich noch eine Zeile für die Anzeige der nächsten Abfahrten…

Durch die Installationsarbeiten kam es im gesamten Stadtgebiet bei Bus und Bahn immer wieder zu kurzzeitigen Verlegungen und Auflassung von Haltestellen, über die auf der Website jedoch tagesaktuell und mit dem nötigen Vorlauf informiert wurde.

Neben den Haltestellenanzeigen, wurden auch in den Fahrzeugen neue Informationsbildschirme eingeführt. In den NGT8D und GT6S waren bis dahin noch die etwas aus der Zeit gefallenen LED-Matrixleuchtbänder installiert, welche als Einzeiler lediglich die nächste Haltestelle anzeigen konnten. Abgesehen von den Hochflurern, wurde nun in der gesamten Flotte neue Bildschirme installiert, welche über die nächste Haltestelle, den weiteren Fahrtverlauf und Umsteigemöglichkeiten informieren. Eigentlich nichts Besonderes, aber in Braunschweig ist man da ja meist nicht zu voreilig, wie schon die Einführung der Fahrscheinautomaten erst vor zwei Jahren eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat.


Auch an der in St. Leonhard/Stadthalle umbenannten, ehemaligen Haltestelle Leonhardplatz/Stadthalle, wurden die neuen DFI-Anzeigen bereits installiert. Hier sind die vier Zeilen der Anzeige freilich mehr als ausreichend. Schön zu erkennen sind auch die neuen taktilen Leitelemente, die zum Druckknopf für die akustische Linienansage führen. Am 16. Oktober 2021 passiert GT6S 9554 die Haltestelle in Gegenrichtung als Linie 5 zum Hauptbahnhof. Mit den Traminos eingeführt, erhielten in diesem Jahr auch die Innenräume der GT6S und NGT8D neue Informationsbildschirme zur Anzeige der nächsten Haltestelle, Fahrtverlauf und Umsteigemöglichkeiten.


Totgesagte leben länger – Was machen die letzten Hochflurer?

Deutlich weniger als noch in den vergangenen Jahren, aber sie fahren noch. So zumindest die kurze Antwort. Die etwas Längere folgt natürlich:

Mit Tramino 1957 konnte im Januar endlich auch der letzte Tramino II an den Liniendienst übergeben werden. Seither laufen die sieben neuesten Fahrzeuge in Braunschweig offenbar recht stabil, sodass an vielen Tagen vollständig auf die Hochflurer verzichtet werden kann. Waren zu Jahresbeginn zumindest auf der 10 noch recht regelmäßig ein bis zwei der fünf Kurse mit Altwagen besetzt, wurden die Einsätze, nach dem letzten großen Aufleben während des Winterchaos, im Laufe des Frühjahres immer seltener. So war es seit April keine Seltenheit, dass überhaupt kein Hochflurzug auf Linie war. Ab Mai fanden dann wie bereits beschrieben, jeweils zwei Züge auf den Verstärkerkursen der 3 für kurze Zeit wieder ein Einsatzgebiet. Ansonsten beschränken sich die Einsätze hauptsächlich auf kurzfristiges Einspringen im Tagesverlauf, wenn auf Linie einer der Niederflurer ausfällt und zeitnah kein anderer Niederflurer verfügbar ist. In dem Fall können die Hochflurzüge dann nahezu auf jeder Linie auftauchen, so von mir beobachtet auf den Linien 1, 3, 4 und 5. Mangelt es bereits zum Tagesbeginn an Niederflurfahrzeugen, werden die Hochflurer aber nach wie vor vorrangig auf die Verstärkerlinie 10 geschickt, wo sie dann auch mal den ganzen Tag im Einsatz stehen können. Besonders zum Jahresende konnten teils auch wieder zwei Kurse den ganzen Tag auf der 10 beobachtet werden, während gleichzeitig noch auf der 4 oder 5 ein dritter Zug kurzfristig einspringen musste. Sofern möglich, werden die Wagen abseits der Linie 10 allerdings meist noch im Tagesverlauf wieder ausgetauscht.

Nachdem die Kapazitäten des Eintracht-Stadions im Laufe von Spätsommer und Herbst zwischenzeitlich wieder hochgefahren wurden, kamen auch hier sporadisch wieder Hochflurzüge zum Einsatz. Bei einer durchschnittlichen Corona-Kapazität von deutlich unter 10.000 Zuschauern, welche teils nicht einmal ausbucht war, war der Fahrzeugbedarf im Stadionverkehr allerdings auch nicht übermäßig hoch. Kein Vergleich zu vor der Krise, als regelmäßig über 20.000 Zuschauer ins Eintracht-Stadion pilgerten und zu nicht unerheblichen Teilen von der Straßenbahn, unter Einsatz allen verfügbaren Rollmaterials herangekarrt wurden…

So ganz verzichtet werden kann auf die letzten Veteranen aus den 70er und 80er Jahren also noch immer nicht. Verlässliche Einsätze gibt es allerdings nicht mehr. Gegenüber Ende letzten Jahres, gab es im Laufe des Jahres 2021 noch einmal einige Veränderungen bei den einsatzfähigen Fahrzeugen:

  • Für den Linienverkehr stehen derzeit noch die GT6+B4-Züge aus 8157+8175, 8165+8471, 7756+7772 und 7758+7775 zur Verfügung.
  • GT6 7751 verschwand bereits mit der ersten Corona-Welle im März 2020 aus dem Linienverkehr und dient nun als Fahrschul- und Arbeitswagen.
  • GT6 7752 hatte während des Winterbetriebes Ende Januar seinen bislang letzten Linieneinsatz und konnte anschließend noch im Februar als Streckenfreifahrer beobachtet werden. Inzwischen ist der Wagen wohl abgestellt und hat seine Fahrschulaufgaben an 7751 abgegeben.
  • GT6 7755 stand noch im Januar 2021 gemeinsam mit B4 7772 im Linieneinsatz. Ab Februar konnte ich den Wagen nicht mehr im Liniendienst beobachten, inzwischen ist er abgestellt. Der B4 7772 wechselte daraufhin im Laufe des Frühjahres vom abgestellten GT6 7755 zum GT6 7756, dessen B4 7771 daraufhin abgestellt wurde.

Grundsätzlich dürfte sich an den Altwageneinsätzen in naher Zukunft auch nicht allzu viel ändern. Die Situation scheint sich so wie sie derzeit ist, weitgehend eingependelt zu haben. Weitere Neufahrzeuge werden momentan nicht in erwartet und an der schlechten Verfügbarkeit der inzwischen störungsanfälligen GT6S, dürfte sich Zeit ihres weiteren Lebens wohl auch nichts mehr ändern. Dass die derzeit 49 vorhandenen Niederflurfahrzeuge für einen planmäßigen Auslauf von 37 Fahrzeugen nicht stabil ausreichen, sagt wohl schon genug über die Verfügbarkeit eines Teils der Flotte. Zumindest von 9560 ist inzwischen auch anzunehmen, dass er wohl nie wieder aus eigener Kraft über Braunschweiger Gleise rollen dürfte. Hinzu kam noch eine ungünstige Häufung teils schwerer Unfälle schon in 2020, die mehrere Wagen längerfristig außer Gefecht setzten. Aber auch damit ist leider immer wieder zu rechnen.

Dennoch war es eine kleine Überraschung, dass nach Jahren der (optischen) Vernachlässigung der Altwagen, 8157 im Mai sogar mit einer neuen Bandenwerbung auf Linie ging. Noch größer war allerdings die Überraschung im November, als der Zug aus 7756 und 7772 völlig unvermittelt komplett in Orange foliert im Liniendienst auftauchte. Zumal es sich bei dem neuen Gewand nicht etwa um eine kommerzielle Vollwerbung handelt, sondern um eine Aktion der BSVG, die sich eine nette Anspielung auf das alter des Wagens hat einfallen lassen. So ist auf den Werbetafeln an den Dachkanten zu lesen “Ich bin ein Original der 70er”, während den restlichen Zug auf Straßenbahnbezug abgewandelte Zitate aus Liedern jener Zeit zieren. Eine wirklich nette Idee, die umso mehr erstaunte, nachdem 7756 und vormals auch sein langjähriger Beiwagen 7776, seit 2015 nurmehr im völlig lieblosen Weiß herumfuhren. Daumen hoch für diese Aktion!


GT6 7751 hat GT6 7752 als Fahrschulwagen abgelöst. Im Linienverkehr werden beide Fahrzeuge nicht mehr eingesetzt. Mit etwas Glück kann man 7751 allerdings bei seinen recht regelmäßigen Fahrschulfahrten im Netz antreffen. So auch am 9. Juli 2021, als mir der Wagen am Marienstift Richtung Betriebshof begegnete.


7752 war in den vergangenen Jahren als Solo-Fahrer neben seiner Fahrschultätigkeit immer wieder auf Linie eingesprungen, wenn Not am Mann war. 2021 durfte der Wagen letztmals am 30. Januar während der sonntäglichen Hochfluraushilfe aufgrund des Eisregens im Liniendienst ran. Während der Schneewoche im Februar wurde 7752 dann noch zum Freifahren eingesetzt, wie hier am späten Nachmittag des 11. Februar 2021, als der 7752 hinter 7751 nach Norden geschickt wurde, um die Strecke anschließend wieder bis zum Stadion freigeben zu können. Inzwischen hat GT6 7752 auch seine Aufgabe als Fahrschulwagen an 7751 abgegeben und wurde abgestellt.


Meine letzte Aufnahme von GT6 7755 am Sonntag den 30. Januar 2021 im außerplanmäßigen Wintereinsatz gemeinsam mit B4 7772 kurz nach dem Verlassen der Endschleife im Siegfriedviertel. Schon im Februar konnte der Triebwagen nicht mehr im Linien- oder Winterdienst angetroffen werden und ist inzwischen abgestellt. B4 7772 ging derweil später im Jahr zu GT6 7756 über.


Eine kleine Sensation war der Auftritt von 7756 und 7772 am 29. November in komplett neuem Gewand. Bereits seit 2015 fuhr der Triebwagen in schlichtem weiß durch Braunschweig. Nicht mal eine rote Bauchbinde schien man für den Wagen mehr investieren zu wollen. In seinem neuen, nicht kommerziellen Gewand, als eine Anspielung auf das betagte alter des Zuges, ist das Gespann nun wieder ein echter Hingucker. Am 1. Dezember 2021 sprang der “Neue” auf der Linie 5 ein. Kurz bevor der Zug am späten Nachmittag wieder gegen einen 95er ausgetauscht wurde, erwischte ich ihn noch in der Schleife am Hauptbahnhof.


Zuvor hatte ich den Zug bereits beim Verlassen der Haltestelle Am Magnitor Richtung Hauptbahnhof aufgenommen.

Mitte Mai erhielt 8157 eine neue, violette Banden- und Dachkantenwerbung für die Stiftung Neuerkerode. Auch wenn der Zug aus 8157 und 8175 noch immer keine wirklich schöne Figur abgibt, war dies im Mai 2020 nach doch selten gewordenen Altwageneinsätzen, zumindest ein recht deutliches Zeichen, das man mittelfristig doch noch mit den letzten verbliebenen Zügen plant. Wenige Tage nach der neuen Folierung erhielt ich Kenntnis über den Einsatz auf der Linie 10 und passte den Zug am 20. Mai unter anderem am Stadion Richtung Hauptbahnhof ab.


Am 25. Januar 2021 verirrten sich gleich beide Schuhschachteln auf ungewohnte Linien. 8157+8175 kamen auf der Linie 1 zum Einsatz, wo die Züge seit dem Fahrplanwechsel Ende 2019 nicht mehr planmäßig zum Einsatz kommen. 8165+8471 kamen auf der Linie 3 zum Einsatz, wo ich den Zug am Nachmittag zwischen den Haltestellen Rheinring und Saalestraße erwartete.


Gegen Ende des Jahres häuften sich die Altwageneinsätze an einigen Tagen wieder etwas. So musste gleich an zwei Tagen hintereinander der Zug aus 8165 und 8471 kurzfrisitg auf der Linie 4 aushelfen. Am 29. November 2021 konnte der Zug an der Haltestelle Rathaus aufgenommen werden. An diesem Tag waren zudem noch 7758+7775, sowie 7756+7772 auf der 10 unterwegs.


Was war sonst noch los?

Als Abschluss dieses Jahresrückblicks gibt es dann noch eine wenig bunte Tüte – wie früher im Kiosk. Dies und das, was mir während des Jahres so nebenbei aufgefallen ist, aber in keinen größeren Zusammenhang passt.


Die erste große Bauphase am neuen Quartier St. Leonhard konnte im Frühjahr abgeschlossen werden. Nachdem die Strecke durch das Magniviertel im April wieder freigegeben wurde, stand also nach längerer Zeit mal wieder der Motivklassiker auf dem Leonhardplatz mit Blickrichtung St. Leonhard auf dem Programm. Am 13. April ist hier GT6S 9554 als Linie 5 auf dem Weg nach Broitzem. Rechts im Bild nun prominent ein Teil des neue Quartiers St. Leonhard.


Mit den länger werdenden Tagen Richtung Jahresmitte, widmete ich mich wieder ein wenig einigen interessanten Kurswagen im abendlichen Fahrzeugroulette. Teilweise kommen die aussetzenden Kurse der Linie 10 dabei auf verschlungenen Pfaden auf die 3. Während ein Kurs vom Hauptbahnhof über den Lessingplatz Richtung Volkmarode einsetzt, fährt ein anderer Kurs als Linie E vom Hauptbahnhof zum Radeklint und setzt dort als Linie 3 in die Weststadt ein. Ersterer war im vergangenen Jahr noch vermehrt mit Hochflurern besetzt und dadurch in meinen Fokus geraten. Letzteren nahm ich mir dann dieses Jahr Ende April vor, lässt sich in der Schleife am Inselwall doch schön das ungewöhnliche Liniensignal dokumentieren. Am 22. April fiel Tramino 1953 diese Aufgabe zu. Da bei der Einfahrt vom Hauptbahnhof kommend meist noch ein Planwagen der Linie 4 an der Endhaltestelle steht, wird für diesen Kurs nicht selten das zweite Gleis ohne Bahnsteig genutzt. Um 20:16 Uhr startet der Tramino II in auf ungewohntem Weg die Fahrt Richtung Weststadt.


Kurz darauf kann an der Endschleife Inselwall schon die nächste interessante Fahrt dokumentiert werden: Eine Linie 4 zur Ackerstraße. Dahinter verbirgt sich eine Einrückfahrt zum Betriebshof. Die Linie 4 fährt in den Abendstunden wie am Sonntag vom Rathaus als Linie 3 weiter nach Volkmarode, sodass sich die Fahrten zu einem Viertelstundentakt ergänzen. Von der Linie 4 können daher gegen halb neun zwei Fahrzeuge komplett abgezogen werden. Ein Kurs beendet seine Fahrgastfahrt vom Inselwall kommend bereits an der Ackerstraße um anschließend direkt einzurücken. Am 22. April durchfährt GT6S 9551 die Blockumfahrung am Inselwall mit dem ungewöhnlichen Ziel “Ackerstraße”.


Vom anderen Ende der Linie 4 starten die Bahnen dann entsprechend als Linie “4 Rathaus -> Volkmarode”. So auch NGT8D 0753 am Abend des 8. Juni 2021 in der Endschleife Helmstedter Straße. NGT8D 0753 ist dabei der einzige Tageskurs der Linie 4, der im Abendverkehr erhalten bleibt und auf die neue “Wechsellinie” übergeht. Der vorherige Kurs war das Gegenstück zum vorherigen Bild und von der Endschleife Helmstedter Straße aus eingerückt. Lustigerweise ebenfalls mit dem Ziel “Ackerstraße”, nur das von dieser Seite der Linie der Betriebshof nicht direkt erreicht werden kann. So muss diese Fahrt noch einmal zum Hauptbahnhof jagen und durch die dortige Schleife wenden, um anschließend zur Ackerstraße zurückzufahren und in den Betriebshof einzurücken.


Eine weitere kleine Randnotiz: Gegen Ende des Jahres muss es wohl ein Update für die Zielanzeigen gegeben haben. Seither zeigen die Bahnen der Linie 3 nicht mehr das zweizeilige Ziel “Weststadt Weserstraße” an, sondern nur noch “Weststadt”. Auch mit diesem Ziel weiß wohl jeder was gemeint ist und es lässt sich aus der Ferne deutlich besser ablesen. Am 29. November hält GT6S 9552 mit dem neuen Einzeiler am Rathaus.


Und zum Abschluss dieses ausufernden Bilderbogens noch ein etwas unkoventionelles Motiv: Am 27. April wurde eine Idee aus 2020 angegangen, das Landschaftsweitwinkel montiert und der Hagenmarkt besucht. Zugegeben, 18mm auf Vollformat sind schon brutal. Die Corona-Leere ermöglichte hier aber zur eigentlichen Rush-Hour um halb sechs einen Blick quer über den Platz mit Katharinenkirche und Tramino 1457. Der Grund, warum das Bild den Weg in den Jahresrückblick gefunden hat: Spätestens seitdem ein verheerender Orkan im Oktober 2017 zahlreiche der alten Bäume fällte und den Hagenmarkt mit einer spektakulären Flucht von Passanten vor den fallenden Riesen sogar ins “heute journal” brachte, tobt eine erbitterte Diskussion über die Zukunft des Platzes. Bisherige Vorschläge nach dem Motto: “Wie viel Beton brauchen wir? Ja!” wurden im Stadtrat glücklicherweise abgeschmettert. Und so hält der jahrelange Diskurs weiter an und der Hagenmarkt bleibt vorerst wie er ist, mit seinen nun etwas einsam stehende Bäumen, die den damaligen Orkan überlebt haben. Immerhin diese durften bislang stehen bleiben und auch die Grünflächen wurden nicht angetastet. Bleibt also abzuwarten, was sich hier konkret in den kommenden Jahren tut. Eine wirkliche Aufwertung kann aus meiner Sicht nur eine Reduktion des MIV in diesem innerstädtischen Bereich bewirken, gemeinsam mit einer drastischen Stärkung von Fuß- und Radverkehr, für den fast sämtliche Zuwegungen zu diesem zentralen Platz momentan eine mittelschwere Katastrophe darstellen. So ruhig und fast gemütlich wie an diesem frühen Corona-Abend im April, geht es hier ansonsten nur am Sonntagmorgen zu. Ansonsten quält sich eine nicht enden wollende Blechlavine rund um den Hagenmarkt – kein Wunder, wenn man die Parkhäuser alle mitten in der Innenstadt errichtet. In den Abendstunden setzt dann das Gebrüll der immer lästiger werdenden Auto-Poser ein, die von hier aus mit ihren tiefergelegten Minderwertigkeitskompensationsmobilen den Bohlweg hoch und runter lärmen.


Das war es auch schon wieder mit dem Straßenbahnjahres 2021 in der Löwenstadt. Wieder ist einiges anders gekommen, als noch Ende letzten Jahres gemutmaßt. Besonders spannend waren natürlich die Wintereinsätze im Frühjahr, aber auch das weitere Jahr hat einiges bereitgehalten. Bleiben wir gespannt, wie es in 2022 weitergeht!

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