Es geht weiter an der Nordwestküste Japans etwa auf halber Höhe von Honshu mit dem 13. Straßenbahnbetrieb dieser Reise in Toyama. Im Gegensatz zu anderen Betrieben hat sich hier seit den großen Einstellungswellen sowohl am Fahrzeugpark, als auch am Streckennetz einiges getan. Altwagen aus den 60er-Jahren sind trotzdem noch in größerer Stückzahl unterwegs.
Toyama zählt etwa 420.000 Einwohner und ist Hauptstadt der gleichnamigen Präfektur, zu der unter anderem auch das zuvor besuchte Takaoka gehört. Seit 2015 ist die Stadt an den Hokuriku-Shinkansen angeschlossen und damit aus Tokyo in gut zwei Stunden erreichbar.

Wir sind noch immer auf halber Höhe der größten Hauptinsel Honshu und es geht an der Küstenlinie nach Fukui und Takaoka weiter nach Toyama. Am Abend steht dann der Wechsel einmal quer über Honhsu in die Metropolregion Tokyo an.
Der Hokuriku-Shinkansen hält hier im Gegensatz zu Takaoka im Stadtzentrum am umgebauten Kapspurbahnhof. Der Bahnhof wurde in diesem Zuge samt Vorplatz und der Integration der Straßenbahn umgestaltet. So bekommt man nach Ankunft einen modernen Eindruck der lange unter Strukturproblemen, insbesondere im öffentlichen Verkehr, leidenden Stadt.
Die Straßenbahn von Toyama wurde 1913 eröffnet, ging bereits 1920 in die öffentliche Hand über und wechselte 1943 erneut in die Privatisierung. Nach den Zerstörungen durch den 2. Weltkrieg wurde der Betrieb, teilweise neu trassiert, schnell wieder aufgenommen. Die größte Ausdehnung erreichte das Netz im Jahr 1961, doch schon kurz darauf folgte mit der schnellen Individualmotorisierung der Niedergang. Von einem 11km langen Netz 1961, blieb 1981 nurmehr eine 6,4km lange Strecke, bedient von zwei Linien, übrig. Der Wagenpark schrumpfte derweil auf einen einzigen Fahrzeugtyp.
Die in der Innenstadt ein umgedrehtes U beschreibende Strecke wurde 2009 durch eine eingleisige Querverbindung ergänzt, wodurch in der Innenstadt eine gegen den Uhrzeigersinn befahrene Ringlinie entstand. Im Zuge des Shinkansenbaus wurde am Bahnhof eine neue, unter die neue Hochtrasse führende Stichstrecke mit Haltestelle errichtet. Neben der Straßenbahn entstand 2006 eine Stadtbahn, die ihren Ausgangspunkt auf der Nordseite des Bahnhofes nahm und zunächst nicht mit der Straßenbahn verknüpft war. Die Portram genannte Linie übernahm den Betrieb auf der ehemaligen Toyamako Line der JR. Durch die neue Hochtrasse von Shinkansen und Hokuriku Main Line, verlor die ohnehin defizitäre Toyamako Line ihren Netzanschluss und es drohte die Einstellung. Für die Umstellung auf Stadtbahnbetrieb wurde die Infrastruktur ertüchtigt und neue Niederflurfahrzeuge vom neuen Betreiber Toyama Light Rail beschafft. Zwischen dem Endpunkt auf der Nordseite der Toyama Station und der Station Okudachugakko-Mae wurde eine Neubaustrecke im Straßenplenum angelegt. Bei Okudachugakko-Mae erreicht die Strecke nach rund einem Kilometer die Trasse der ehemaligen Toyamako Line und verläuft fortan auf besonderem Bahnkörper mit automatischen Schrankenanlagen fast 7 km bis zur nördlichen Endstation Iwasehama. Der Betreiber Toyama Light Rail wurde 2020 mit der Straßenbahn Toyama zusammengelegt. Im selben Jahr wurde die Lücke zwischen der Straßenbahnhaltestelle unter der Hochtrasse und der Endstation der nur wenige Meter entfernten Endstation der Stadtbahn auf der Nordseite des Bahnhofes geschlossen. Die Portram ist seither in das Straßenbahnnetz integriert, sodass die Kurse von der Portram auf die verschiedenen Linienwege der Straßenbahn übergehen. Die Gestaltung des Liniennetzes, obwohl inklusive Portram nur bestehend aus drei Ästen und einer Ringlinie, ist etwas kompliziert:
Die zwei von der Toyama Station ausgehenden Straßenbahnäste zum Südbahnhof (Minamitoyamaekimae) und nach Daigakumae werden von den Linien 1 und 2 bedient, wobei die Linie 1 nur zwischen Toyama Station und Südbahnhof verkehrt, während die Linie 2 die gesamte Strecke mit Kopf machen an der Toyama Station bedient. Die Linie 3 bildet die dritte Straßenbahnlinie, die von der Toyama Station den kurzen Ring über die neue Querverbindung fährt. Die Portram wird von den Linien 4, 5 und 6 bedient, die an der Toyama Station jeweils auf eine der Straßenbahnrouten übergehen, also zum Südbahnhof, nach Daigakuma oder über die Ringlinie fahren. Der Kurs der im 15-Minuten-Takt verkehrenden Ringlinie entfällt jeweils, wenn ein Kurs von der Portram auf diesen Linienweg übergeht. Nicht übersichtlicher wird es dadurch, dass die Liniennummern auf den Wagen nicht angezeigt werden, sondern jeweils nur das Fahrtziel, was schwierig wird, wenn auf dem Film gerade einmal nur die japanischen Schriftzeichen lesbar sind. Eine gute Übersicht über die Linienwege gibt diese Grafik der japanischen Wikipedia: Liniennetz Toyama
Der Betrieb des normalen Straßenbahnnetzes erfolgt klassisch mit der IV-Signalisierung, abgesehen von der Neubaustrecke zweigleisig in Straßenmitte.
Der Fahrzeugpark in Toyama teilte sich entsprechend vor der Fusion in die Fahrzeuge der Toyama Chiho Railway, Betreiber der Straßenbahn, und die Fahrzeuge der Toyama Light Rail, Betreiber der Portram. Erstere weißt einen gemischten Fahrzeugpark aus Hoch- und Niederflurfahrzeugen mit Baujahren von den 60er bis in die 2010er-Jahre auf. Die Toyama Light Rail verfügte für die Portram ausschließlich über GTx-Niederflurwagen, die zur Eröffnung im Jahr 2006 in Dienst gestellt wurden, sowie über ein 2019 nachbeschafftes Fahrzeug.
Type 7000
Die Type 7000 wurde von 1957 bis 1965 in 22 Exemplaren von Nippon Sharyo für Toyama gebaut und erhielt die Betriebsnummern 7001 bis 7023. Die 7004 wurde aus abergläubischen Gründen ausgelassen (die Vier gilt als die stärkste Unglückszahl). Bis auf die Tür- und Fensteranordnung fast identische Fahrzeuge wurden für Takaoka gefertigt und sind dort teilweise ebenfalls noch heute im Einsatz. In der Zeit, in der das Netz auf seinen Minimalzustand geschrumpft war, stellten diese Fahrzeuge bis in die 90er-Jahre den einzigen Fahrzeugtyp in Toyama. Heute stehen noch zehn Fahrzeuge im Einsatz, wobei alle zu den jüngeren Fahrzeugen der Baureihe aus den 60er-Jahren gehören. Der älteste Wagen 7015 stammt aus dem Jahr 1960. Wagen 7022 wurde 2014 als Retro-Bahn umgestaltet, kommt aber nach wie vor normal im Liniendienst zum Einsatz.

Mit 7018 war noch ein Fahrzeug im ursprünglichen beige/grünen Farbschema im Einsatz. Das wirkte allerdings auch schon reichlich abgenutzt.

Mit der Type 8000 hielt ein neues Lackschema Einzug, das nach und nach auch auf die 7000er übertragen wurde. 7020 trägt diese Farben dem Zustand der Lackierung zu Folge auch schon einige Jahre.
Type 8000
Erst fast 30 Jahre nach der Type 7000 folgten mit der Baureihe 8000 wieder neue Fahrzeuge für die Straßenbahn Toyama. Die fünf 1993 von Nippon Sharyo gelieferten Fahrzeuge waren weiterhin klassische, vierachsige Hochflurwagen. Es handelte sich aber nicht wie andernorts zu dieser Zeit um Neuaufbauten, sondern um komplette Neufahrzeuge samt Wagenkasten, elektrischer Ausrüstung, und Drehgestellen. Entsprechend modern wirkt das Design der Fahrzeuge abgesehen von der noch nicht eingezogenen Niederflurtechnik. Alle fünf Fahrzeuge 8001 bis 8005 (hier wurde die Vier wieder besetzt), stehen bis heute im Einsatz auf den Straßenbahnlinien.

Von den 8000ern standen vier Fahrzeuge im Einsatz, zwei trugen Vollwerbung, zwei waren wie 8004 im Hauslack unterwegs.
Type 0600
Die Type 0600 wurde zur Eröffnung der Portram vom Betreiber Toyama Light Rail beschafft. Sieben Fahrzeuge mit den Nummern 0601 bis 0607 wurden bei Niigata bestellt und 2006 in Dienst gestellt. Es handelt sich um die bekannte, zweiteilige GTx-Konstruktion mit Incentro-Wagenkästen unter Bombardier-Lizenz. 2019 wurde ein achtes Fahrzeug mit der Nummer 0608 nachbeschafft. Alle acht Fahrzeuge tragen unterschiedlich Farbgestaltung: Die Front ist oberhalb der Stoßstange schwarz mit einem farbigen Akzentstreifen an der Unterkante der Frontscheibe, der übrige Wagen weiß mit senkrechten Farbstreifen an den Türen.

0601 der ehemaligen Toyama Light Rail trägt rote Akzente, die weiteren Fahrzeuge orange, gelb, grün, blau, türkis, lila und silber. Alle sieben Fahrzeuge konnten im Einsatz angetroffen werden und waren werbefrei.
Type 9000
Die Type 9000 wurde 2009 bei der Straßenbahn Toyama in Dienst gestellt und entspricht der Type 0600 für die Portram. Die Fahrzeuge erhielten die Nummern 9001 bis 9003 und jedes Fahrzeug ein anderes schlichtes Außendesign in schwarz, silber und weiß. Abweichend zu der Type 0600 tragen die Fahrzeuge nicht den Schriftzug “Portram”, sondern “Centram”, dennoch werden die Fahrzeuge seit dem Lückenschluss auch auf der Portram eingesetzt.

Die drei 9000er sind noch schlichter gestaltet und tragen die Grundtöne weiß, silber und schwarz. Unterschiede jenseits des Außendesings waren zur Type 0600 ansonsten nicht zu erkennen.
Type T100
Bei der Type T100 wechselte die Straßenbahn Toyama in die Little Dancer Familie von Aruna. In Sachen Laufruhe sicher kein Zugewinn für die Fahrgäste, handelt es sich bei den vier Fahrzeugen T101 bis T104 doch um die Ausführung Ua, also klassische, dreiteilige Multigelenkfahrzeuge mit starren Fahrwerken. Die Fahrzeuge wurden in den Jahren 2010, 2013, 2015 und 2017 geliefert und kommen heute auch auf der Portram zum Einsatz.

Auch die vier T100 tragen unter ihrer Werbung unterschiedliche, dezente Farbgestaltungen zum weißen Grundton. Allerdings sind aktuell alle Fahrzeuge mit Werbungen unterwegs.
18. April 2025
Auch heute sollten sich unsere Wege gleich morgens trennen. Ganz so früh wie gestern war es aber nicht und wir nahmen im Bahnhof unserer “Schlafstadt” Kanazawa noch ein gemeinsames Frühstück. Auf dem Hokuriku-Shinkansen trennten sich dann unsere Wege: Für meinen Vater ging es in Shin-Takaoka raus, für mich noch weiter bis Toyama.

Wenigstens ein Bild aus Kanazawa sollte es sein. Also kurz aus dem Bahnhof getreten und unter dem Vordach hervorgeschaut.
Erster Akt im Bahnhof Toyama: Schließfach finden, um Koffer und Rucksack loszuwerden. Das Finden stellte sich als problemlos heraus, das Bezahlen eher nicht. Kartenzahlung war nicht möglich, weder Kredit- noch IC-Karte. Gut, damit rechnet man vielleicht noch, weniger aber damit, dass man auch mit exakt der passenden Münze für das jeweilige Schließfach bezahlen muss. Also rüber zum Getränkeautomaten und einen Kaffee und anschließend noch ein Wasser jeweils mit einem Schein leicht “überbezahlt”, sodass ich irgendwann die passenden Münzen zusammen hatte für ein großes Schließfach für den Koffer und ein kleines für den Rucksack. Das war schonmal etwas mühsam gewesen.
Zweiter Akt: Tageskarte. Da war ich zum Glück vorgewarnt, dass die passende Verkaufsstelle nicht ganz einfach zu finden ist – mein Vater hatte sich tags zuvor schon mittels Google Translate durchgefragt. Ich hatte also die genauen Koordinaten. Die Verkaufsstelle befindet sich in einem Vorbau südöstlich vor der neuen Toyama Station in der Dentetsu Toyama Station in der ersten Etage. Macht insoweit Sinn, da hier die Züge der Toyama Chiho Railway starten, die auch Betreiber der Straßenbahn ist. Wirklich naheliegend ist es für den Besucher trotzdem nicht, der sich für eine Fahrt mit der Straßenbahn natürlich eher in Richtung der neuen Straßenbahnhaltestelle unter der Shinkansen-Hochtrasse orientiert und vom Betreiber der Straßenbahn wenig Ahnung haben dürfte. Jedenfalls kam ich dort problemlos in den Besitz eines Rubbelloses für den heutigen Tag.


Heute mal wieder ein Rubbellos. Es fällt vergleichsweise schlicht aus und gilt neben allen Straßenbahnlinien auch für einige Busse. Der Streckenplan ist sehr schematisch. Die Straßenbahnstrecken sind die dünnen blauen Linien. Nach Norden die neue Stadtbahnstrecke. Orange die Strecke der Chiho Railway, grün sind Buslinien dargestellt.
Auf dem Bahnhofsvorplatz trank ich noch meine Dose Automatenkaffee und sah mir etwas das Kommen und Gehen der Fahrzeuge an. Dadurch, dass die Straßenbahnlinien jeweils zum Kopf machen in die Stichstrecke unter den Bahnhof fahren, die Kurse der Stadtbahn aber unter dem Bahnhof hindurch weiter nach Norden fahren, ist hier immer ein leichtes Gewusel. Schon nach wenigen Minuten hatte ich alle Baureihen gesehen. Die Sonne war aber gerade ordentlich im Schmodder, sodass es hier zunächst nur einige wenige Aufnahmen geben soll.

8002 kommt unter der mit dem Shinkansenbau neu gestalteten Toyama Station hervor. Alles was nicht niederflurig ist, endet zwangsweise unter dem Bahnhof oder macht dort Kopf. Recht interessant ist die Gestaltung der Haltestelle: Die zwei Gleise verfügen über vier Bahnsteige. So besteht für jedes Fahrtziel ein eigener Bahnsteig zum Einsteigen. Allerdings kommt es auch häufiger zu Staus auf dem Bahnhofsvorplatz, weil gerade noch eine Kopf machende Bahn in der Haltestelle steht.

0605 kommt aus Daigakumae und wird den Bahnhof auf die neue Stadtbahn Richtung Iwasehama unterqueren.

7018 wartet auf dem Bahnhofsvorplatz, bis das passende Gleis an der Station frei wird.

Hier wurde mal nicht an Weichen und deren Steuerung gespart, sodass in und aus der Station alle Fahrtrelationen möglich sind. Anders würde es hier auch nicht funktionieren. 7020 wechselt auf das passende Gleis für die spätere Weiterfahrt in Gegenrichtung. Schön zu erkennen, wie die Bahnen hier nach Fahrtziel auf die Bahnsteige sortiert werden. 8002 war eben mit Ziel Daigakumae noch aus dem linken Gleis ausgefahren, 7020 wird gleich nach dem Richtungswechsel mit Ziel Minamitoyamaekimae aus dem Rechten ausfahren.
Da ich weder die Sortierung am Bahnhof, noch die Linienführungen überhaupt zu diesem Zeitpunkt verstanden hatte, stieg ich am Bahnhof einfach in die nächstbeste Bahn ein, die nicht nach Norden, sondern ins Straßenbahnnetz fahren würde. Bei einem Altwagen konnte man sich da sicher sein. 7020 brachte mich zum Abzweig Maruno-Uchi. Ich sah mich dort etwas um. Die alte Strecke biegt hier nach Westen zur Endstation Daigakumae ab, die neue eingleisige Querverbindung der Ringlinie nach Osten, vorbei an Toyama Castle zur Station Grand Plaza-Mae, hinter der die Strecke dann auf den anderen alten Ast Richtung Minamitoyamaekimae trifft, allerdings in Fahrtrichtung Toyama Station einzweigt und so die Ringfahrten ermöglicht. Nach einigen Aufnahmen hier und am Castle fuhr ich erstmal Richtung Daigakumae hinaus.
Auf dem Weg bis zum Abzweig stieg ich nicht aus. Ansonsten hätte ich an der ersten der zwei Zwischenstationen Shintomicho diesen hübschen Blumenschmuck natürlich aufgenommen. Hier war am Vortag 7020 auf dem Weg nach Daigakumae.

7015 biegt hinter der Haltestelle Maruno-Uchi Richtung Westen nach Daigakumae ab.

Die Haltestelle befindet sich direkt neben dem Park des Toyama Castles. Bis zum Castle sind es nur wenige Schritte.

Die Ursprünge des Toyama Castle reichen zurück in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts. Das heutige Castle ist ein Stahlbetonbau aus den 1950er-Jahren.

Zurück an der Haltestelle Maruno-Uchi bringt mich wenig später 7016 weiter Richtung Daigakumae.
Abgesehen von der langen Toyamao-Brücke über den Jinzu, ist die kurze Strecke nach Daigakumae maximal unspektakulär. Und auch auf der Brücke verläuft die Strecke mittig zwischen vier Fahrspuren. Wenig fotogen. Einzig der Teleblick auf die nicht allzu ferne, schneebedeckte Bergkette ist hier eine Aufnahme wert, angesichts des trüben Wetters waren die Berge aber kaum zu erahnen und der Versuch wäre hier Zeitverschwendung gewesen. Ich fuhr also gleich durch bis zur Endstation. Im nahen Einkaufszentrum besorgte ich mir noch eine billige 128GB SD-Karte. Das iPad war inzwischen als Backup voll, sodass ich die Daten bei der nächsten Zugfahrt extern sichern würde, um das iPad wieder leer zu bekommen. Drei Wochen am Stück mit so einer Fotodichte und gelegentlichen Videos forderten Speicherkapazitäten, die bislang unerreicht waren. Auf einer Bank im angrenzenden Park betrieb ich etwas Speichermanagement. Das trübe Wetter motivierte gerade nicht zu Aktionismus. Nach zwei Aufnahmen an der Endstation ging es wieder zurück zum Castle, um dort nun bei passendem Lichtstand das Burgmotiv an der neuen Ringstrecke zu versuchen.

Die Endstation Daigakumae liegt neben einem Park und dem örtlichen Baseballstadion – offensichtlich eine aus den USA importierte, in Japan recht verbreitete Sportart. Zumindest stehen die durch ihre großen Netze und Flutlichtanlagen kaum übersehbaren Anlagen überall im Land herum.

8004 verlässt die Endstation zurück Richtung Bahnhof und weiter nach Minamitoyamaekimae. Hier an der Endstation herrscht wieder Minimalismus: Ein Bahnsteig, ein Stumpfgleis eine Rückfallweiche – das muss reichen.

Zurück am Abzweig Maruno-Uchi diesmal der Blick auf die neue Querverbindung mit 0604. Eine andere Fahrtrelation, als die im Linienverkehr benötigte, besteht hier nicht. Von rechts kommen die Bahnen von der Toyama Station, im Hintergrund links die Strecke von Daigakumae, die hier zur Toyama Station abzweigt.

Nachschuss auf 0604 mit dem Toyama Castle. Im Hintergrund auf Höhe des Mini-Vans zweigt die Strecke für wenige hundert Meter um 90 Grad nach Süden ab, bevor wieder die Ostrichtung zum anderen Streckenast nach Minamitoyamaekimae eingeschlagen wird. Die neue Querverbindung wird nur für Ringfahrten durch die Innenstadt gegen den Uhrzeigersinn genutzt. Mehr lassen die vorhandenen Gleisverbindungen auch nicht zu. Die Strecke wird im 15-Minuten-Takt bedient.

Einmal um die Ecke ist es eine halbe Stunde später schon wieder 0604, der seine Runde auf der Ringlinie dreht und hier die Haltestelle Kokusaikaigijo-Mae erreicht. Nachdem auch dieser zweite Versuch hier nicht ohne Auto klappte und ich schon die letzte Pause für einen Besuch am 7-Eleven genutzt hatte, zog ich dann doch weiter.
Die restliche Strecke der Querverbindung lief ich dann ohne weitere Aufnahmen ab, bis hinüber zur Strecke nach Minamitoyamaekimae, die ich anschließend hinausfuhr. An dieser Stelle daher eine weitere Aufnahme vom Vortag, als ich gerade in Fukui und Takaoka weilte.

0603 erreicht die nächste 90-Grad-Kurve, die die Querverbindung wieder auf Kurs zur Strecke nach Minamitoyamaekimae bringt. Im Hintergrund ist noch das Castle erkennbar. Weit ist das hier also alles wiedermal nicht.

Hinter der Haltestelle Grand Plaza-Mae, die gleichzeitig als Endstation der Ringlinie dient, erreicht die Strecke an der Haltestelle Nakamachi die alte Strecke nach Minamitoyamaekimae und schwenkt Richtung Toyama Station ein. Von links kommt die Querverbindung der Ringlinie, 7020 hält derweil an der Haltestelle Nakamachi in Fahrtrichtung Minamitoyamaekimae.
Die Strecke nach Minamitoyamaekimae ist wiedermal recht eintönig: Es geht durchweg in Straßenmitte zwischen jeweils einer Richtungsfahrbahn fast schnurgeradeaus nach Süden. Die Bebauung wird schnell niedriger. Irgendetwas, was die Motivglocke wirklich klingeln ließe, sucht man aber doch vergebens. So musste es dann wieder, wie könnte es anders sein, eine wunderbar vor sich hin rostende Fußgängerbrücke an der Haltestelle Horikawakoizumi sein. Von dort aus lief ich zu Fuß weiter bis zur Endstation. Unterwegs eine sehr aufdringliche Wahlwerbung, die ich so bislang nur in Japan erlebt habe und die Tage immer mal wieder auffiel: In einem vollgestopften Minivan hingen zu allen Fenstern uniform gekleidete Menschen heraus und schwenkten wild mit kleinen Fähnchen. Dazu dröhnten aus einem Megafon auf dem Dach irgendwelche Slogans. So fuhr der Van dann eine Nebenstraße nach der nächsten ab und beschallte Anwohner und Passanten. Das sah schon ziemlich witzig aus, wie das dudelnde Gefährt immer wieder quer über die Hauptstraße huschte und bei leiser werdender Geräuschkulisse in der nächsten Gasse verschwand.

An der Haltestelle Horikawakoizumi findet sich wieder eine schöne Fußgängerbrücke. Architektonisch eher eines der einfachen Exemplare, dafür aber in schönem Abnutzungszustand. 7020 verlässt die Station Richtung Innenstadt.

Dadurch, dass auf diesem Ast beide Straßenbahnlinien fahren, ist deutlich mehr los, als an anderen Abschnitten des Netzes. 8004 hält an der Brücke der Station Horikawakoizumi Richtung Minamitoyamaekimae.

Die nächste Station Omachi ist auch schon die letzte vor der Endstation. Dort legt 8004 einen letzten Zwischenhalt ein.
An der Endstation Minamitoyamaekimae endet die Strecke parallel zu den Gleisen des Südbahnhofes. Hinter dem Bahnhof befindet sich noch der Betriebshof, sodass hier recht häufig Fahrzeuge ausgetauscht werden oder mit ihren Fahrern zu längeren Pausen einrücken.

7017 startet von der Endstation Minamitoyamaekimae zu einer neuen Runde Richtung Toyama Station und weiter nach Daigakumae.

Bis dann mal ein ansehnliches Fahrzeug und Sonne zusammenfielen, dauerte es einige Kurse und einen Besuch im nahen FamilyMart, aber zum Glück läuft hier recht viel. Mit 7020 passte dann alles. Die Straßenbahnstrecke trifft hier direkt auf die ebenfalls von der Toyama Chiho Railway betriebene Fujikoshi Kamidaki Line.

Hinter der Ausstiegshaltestelle geht es eingleisig in die Einstiegshaltestelle direkt am Bahnhof, hinter der sich dann die Einfahrt ins Depot anschließt. 7012 ist soeben zu einer neuen Runde Richtung Toyama Station ausgefahren. Oft fahren die Wagen nach einer Tour zunächst in den Betriebshof, um dort eine längere Pause zu verbringen oder ganz ausgetauscht zu werden. So ändert sich die Reihenfolge der Fahrzeuge auf der Linie über den Tag ständig.
Zum Abschluss an der Straßenbahn fehlte mir jetzt noch der Abschnitt zwischen Nakamachi und Toyama Station. Dorthin ging es im Anschluss mit einer Fahrt in einem Altwagen, die sich wiedermal etwas zog dank der üblichen Endlosstopps an Ampeln. Dazu das ohrenbetäubende Rumpeln und Scheppern auf den ausgefahrenen, viel zu lang nicht mehr geschliffenen Gleisen und das übliche Gedudel der elektronischen Ansagen, überspielt von Abfahrtssignalen und vom Fahrer ins Mikro gehauchten Informationen und Bestätigungen der vorgezeigten Tickets – es war wieder eine japanische Straßenbahnfahrt vom Feinsten. Dazu kam noch, dass es der Wagen 7020 wirklich ein bisschen hinter sich hatte: Der Kompressor schnaufte und pfiff wirklich aus dem letzten Loch, ein Wunder, dass man den Wagen von der Endstation überhaupt noch zu einer weiteren Runde am heutigen Tag losgeschickt hatte. Den ganzen Genuss habe ich in einem Video festgehalten:

Innenraum des Wagen 7020. Auffälliger Unterschied zu Takaoka ist die mittige Tür. Da hier immer an Bahnsteigen in Fahrtrichtung links gehalten wird, benötigt es beim Fahrer keine Tür auf beiden Fahrzeugseiten.

Bereit zur Abfahrt liegt die linke Hand auf dem Fahrschalter, die rechte auf dem Bremshebel der aus dem letzten Loch keuchenden Pneumatik.

Zwar sind die Fahrzeuge im Fahrgastraum in der Regel noch ganz gut in Schuss und stets sauber, die Substanz der Wagen kann das Alter von 60 Einsatzjahren aber nicht mehr verbergen. Das gammelt und rostet doch alles ein wenig vor sich hin und die spätere Integration neuerer Systeme wirkt oft ein wenig wie aus dem Baumarkt zusammengeschustert. Mit Klemmen und Bindern befestigt laufen die Kabel auf wilden Bahnen durch den Fahrerstand, bündeln sich hier und dort zu dicken Kabelbäumen und verzweigen sich dann wieder auf unergründlichen Wegen.
Zurück in der Innenstadt verließ ich das Ungetüm an der Station Denkibirumae, die sich bereits mitten in der für die größeren Städte typischen, moderneren Hochhausarchitektur befindet. Dazwischen findet sich als Kontrast allerdings eine ältere Stahlträgerbrücke. Interessante Details, für die man an den japanischen Straßenbahnen immer etwas genauer hinschauen muss, um nicht in jeder Stadt die gleichen, austauschbaren Aufnahmen zu machen. Wie ich dort auf Sonne und einen passenden, nicht vom Verkehr zugefahrenen Kurs wartete, wurde ich plötzlich von einem älteren Herren angesprochen. Der lernte gerade Englisch, wie er mir erklärte und fragte höflich, ob er sich mit mir unterhalten dürfte. Ich bin zwar eher nicht der Small-Talker oder jemand der auf Reisen über das zum Überleben notwendige unbedingt mit den “Einheimischen” in Kontakt treten muss, aber bei drei Wochen Japan freut man sich dann selbst als Norddeutscher mal über etwas offenere Menschen. Man merkte regelrecht, wie es ihn zunächst Überwindung gekostet hatte, mich einfach so anzusprechen, denn für gewöhnlich lässt man sich hier eher höflich in Ruhe. Vielleicht hatte er den Auftrag, einen englischen Gesprächsversuch mit einer ausländisch aussehenden Person zu starten, von seinem Lehrer erhalten. Das Englisch war tatsächlich noch sehr in der Lernphase, aber ich fand es schon beachtlich, in diesem Alter wenigstens den Versuch zu starten, noch eine fremde Sprache zu lernen. So plauderten wir ein wenig und tauschten die üblichen Floskeln aus, wo ich denn herkäme und warum es mich ausgerechnet nach Toyama verschlagen hatte. Schön ist es hier immer, dass es keinen wundert, wenn man das Interesse an den alten Straßenbahnen erläutert, denn diese Spezies ist hier wesentlich bekannter, als in anderen Ländern. Nach einigen Minuten kam passend eine Bahn ins Motiv gerollt und wohl aus Angst, meine Zeit ungebührend lang in Anspruch zu nehmen, verabschiedete sich der ältere Herr und ging weiter seines Weges.

An der Station Denkibirumae verlässt man die Bahn in den üblichen Hochhausschluchten der größeren japanischen Städte. Aus der Gegenrichtung kommt T103 entgegen, eine meiner wenigen Aufnahmen dieser Baureihe, sodass es auch ohne Sonne gezeigt werden soll.

Es folgt wieder bei Sonne 7017 von der Toyama Station.

Zwischen den Haltestellen Denkibirumae und Aramachi geht es über die Sakurabashi. Von der Straße gesehen mit 7012 noch weitgehend das übliche Bild, dank der Flussquerung aber zumindest mit etwas mehr Lichteinfall.

Von der Seite sieht es dann mal nicht ganz so nach japanischem Einheitsbrei aus. 8002 überquert die Sakurabashi Richtung Toyama Station.

Der Sonnenspot wurde schon bald kritisch kurz. Nachdem wiedermal der zumindest äußerlich ordentliche 7020 durchkam, brach ich daher die Zelte ab und lief weiter Richtung Toyama Station.

An der Station Chitetsubiru-Mae biegt die Strecke einmal um 90 Grad ab und verläuft nach Osten auf den Bahnhofsvorplatz zu. Im Hintergrund ist durch den Dunst wieder ganz leicht die schneebedeckte Bergkette zu erkennen. 7022 ist von der Toyama Station auf dem Weg zum Südbahnhof.

Wenige hundert Meter weiter ist der Bahnhofsvorplatz erreicht. Die frühere Haltestelle an der Toyama Station liegt an dieser Geraden im Hintergrund rechts und hört heute auf den Namen Dentetsu-Toyamaeki. 8004 biegt von der kurzen neuen Bahnhofsstrecke kommend in Richtung dieser Haltestelle ab.

Die Hochtrasse des Bahnhofes unterquert, regieren auf der anderen Seite die Niederflurwagen der Portram. Für den Anschluss an die alte Eisenbahnstrecke nach Iwasehama wurde hier eine etwa einen Kilometer lange Neubaustrecke für die Stadtbahn errichtet. 0604 erreicht von dieser kommend die neue Haltestelle an der Toyama Station von Norden. An dieser Stelle befand sich zwischen 2006 und 2020 die Endhaltestelle der Portram, bevor der Lückenschluss zur Straßenbahnhaltestelle unter dem Bahnhof in Betrieb genommen wurde.
Es war inzwischen 16 Uhr durch und da ein Motiv kurz vor dem Streckenende der Portram am Hafen für mich Priorität hatte, fuhr ich mit einer von Schülern vollkommen überfüllten Bahn hinaus Richtung Iwaseham, ohne weitere Zwischenstopps einzulegen. Immer wieder spannend, wie ruhig es selbst in so einer überfüllten Bahn in Japan bleibt. Man stelle sich das mal in Südeuropäischen Städten vor. Da wäre richtig Trubel und Radau. Neben den einst für die Portram beschafften GTx, werden hier heute auch die Niederflurwagen eingesetzt, die ursprünglich für die Straßenbahn beschafft wurden, darunter auch die T100. Pech, wenn man so wie ich ausgerechnet einen dieser vier Multigelenker erwischt, denn ein Genuss ist die flotte Fahrt mit diesen Rüttelkisten nicht gerade. Die hinter dem Neubauabschnitt besonders trassierte Strecke der ehemaligen Eisenbahn, bringt einen dafür ungeahnt schnell hinaus Richtung Hafen. Ich zeige hier noch einige Bilder von unterwegs, die tags zuvor nicht durch meinen Sucher entstanden.

Die erste Kreuzungsstation der eingleisigen, ehemaligen Eisenbahnstrecke befindet sich an der Station Awajima. Mit dem T103 hatte ich gerade einen Tag später auch das Vergnügen, mich Richtung Hafen schütteln zu lassen. Gefahren wird ungefähr in einem 15-min-Takt, zur Rush Hour bis zu sechs Bahnen pro Stunde. Viel mehr dürften die lediglich zwei Ausweichstationen auch nicht zulassen.

An der nächsten Kreuzungsstation Jogawara kommt mit 9001 einer der drei für das Straßenbahnnetz beschafften GTx entgegen. Hier befindet sich auch der Betriebshof der ehemaligen Toyama Light Rail – Betreiber der Portram – die mittlerweile mit der Toyama Chiho Railway – Betreiber der Straßenbahn – fusionierte.

Freie Stellen sind an der ehemaligen Vorortstrecke Mangelware. Meist geht es abseits der Straßen zwischen den Hinterhöfen durch die niedrige Wohnbebauung hindurch. An der Ausfahrt der Kreuzungsstation Awajima bot sich ein kleines Fenster für 0601 auf der Fahrt nach Iwasehama.

Einige Meter weiter zwischen den Haltestellen Awajima und Keirinjo-Mae kommt 0601 auf der Rückfahrt Richtung Toyama Station entgegen.

0605 hat das Streckenende an der Station Iwasehama erreicht und ist bereit für die Fahrt zurück Richtung Innenstadt. Die Infrastruktur beschränkt sich wiedermal auf das geradeso Notwendige. Ein Getränkeautomat darf aber natürlich nicht fehlen.
Nach diesem kleinen Auszug vom Vortag wieder zurück zum späten Nachmittag des 18. April. Ich stieg an der vorletzten Station Keirinjo-Mae aus meiner Schüttelkiste aus und lief die kleine Gasse neben der Strecke entlang zu dem langgezogenen, künstlichen Yachthafenbecken, dass hier vom großen Industriehafenbecken an der Jinzu-Mündung abgezwackt wurde. Die 200 Meter östlich der Stadtbahnbrücke gelegene Straßenbrücke, bietet einen schönen Ausblick über das Yachthafenensemble, bei klarem Wetter sogar mit bestem Blick auf die dahinterliegende Bergkette. Das war heute eher so mäßig, aber die Sonne gab sich nochmal etwas Mühe durch den Schmodder hindurch zu scheinen. Ein nahegelegener FamilyMarkt sorgte für die angemessen Kaffee- und Keksversorgung im gemütlichen 15-Minuten-Takt und so saß und stand ich hier eine ganze Weile herum und probierte ein paar Perspektiven aus.

Meine Schüttelkiste T103 kommt zurück von der nahegelegenen Endstation Iwasehama und überquert das langgezogene Hafenbecken Richtung Toyama Station. Richtiggehend lauschig war es, während der Pausen zwischen den Kursen einige Minuten unten am Hafen zu sitzen(!), dabei einen kleinen Snack zu nehmen und Kaffee zu trinken.

Als nächstes folgt bei letzten Anflügen von Sonnenschein der GTx 0601 Richtung Iwasehama.

Detail beim Warten an der Brücke: Deutsche oder andere europäische Bezeichnungen vielen in den Städten immer mal wieder auf, etwa für Friseure, Bäckereien oder Boutiquen. Ob der Durchschnittsjapaner mit dem Wort “Zahnarzt” etwas anfangen kann?
Während des Wartens und dem Gang zum FamilyMart, war mir die ganze Zeit schon ein junges Pärchen aufgefallen, von dem Sie in wechselnden Posen auf der Straßenbrücke posierte und Er irgendwie versuchte, das Ganze mit seinem iPhone festzuhalten. Andersherum war ihnen wohl der Europäer aufgefallen, der hier mit dicker Kamera auf der Brücke stand und auf Straßenbahnen wartete. Jedenfalls rang er sich dazu durch, mich zu fragen, ob ich mit meiner Kamera eine Aufnahme machen könnte. Problem war wohl, dass er versuchte mit möglichst viel Tele die Bergkette im Hintergrund näher zu rücken. Da ist das iPhone natürlich schnell am Limit und der digtitale Crop macht es nicht besser. Wirklich helfen konnte ich den beiden aber auch nicht, denn 120mm an Vollformat stoßen auch schnell an ihre Tele-Grenzen aus der Perspektive vom Hafenrand, die er sich vorstellte. Aber ich machte mal wie gewünscht, lud die Aufnahme von der Kamera auf meine iPhone und schickte ihm das Bild dann direkt via AirPlay. Nebenbei entstand eine nette Unterhaltung, natürlich wiedermal darüber, woher ich käme und was ich hier täte. Die beiden wiederum planten eine Reise nach Europa und während ich schon drei Wochen für eine Reise Japan Nord-Süd sehr sportlich fand, hatten die quasi das gleiche mit Europa vor. Jedenfalls hörte es sich so an bei all den Länder die aufgezählt wurden, von Norwegen bis Italien… Er wollte sich dann unbedingt noch erkenntlich zeigen, aber die Zigaretten lehnte ich dann doch dankend ab und wir verabschiedeten uns alsbald.
Gleich zwei “Begegnungen” an einem Tag – was war denn hier los in Toyama? Ich widmete mich wieder meinem Vorhaben, die Hafenstimmung im Sonnenuntergang mit der auffällig roten Fußgängerbrücke über das Hafenbecken in Szene zu setzen und vermeldete schon mal meine prognostizierte Ankunft an der Toyama Station gegen 19Uhr.

Da brachten auch 120mm nicht viel. Vermutlich hätte das sogar das iPhone geschafft, wobei die Bildqualität in der Dämmerstimmung natürlich schon merklich abgefallen wäre.

Hinter Stadtbahn- und Straßenbrücke folgt noch eine kleine rote Fußgängerbrücke über das Hafenbecken, bevor der Industriehafen und die Mündung des Jinzu folgen.

Hier bot sich eine wunderbare Abendstimmung, die am ruhigen Hafenbecken richtig entspannt genossen werden konnte.

Im Hintergrund weitet sich die Bucht von Toyama auf.

Ein wenig unjapanisch musste ich mich hinter die Grünrabatten schlagen, um direkt ans Ufer zu gelangen, sonst wäre der kleine Schlepper hinter der Brücke verschwunden.

Blühende Kamelien waren zu dieser Jahreszeit auf dieser Höhe von Honshu allgegenwärtig.
Zurück Richtung Innenstadt war die Bahn dann an der Haltestelle Keirinjo-Mae noch nicht sehr voll, sodass sich diesmal ein Sitzplatz bot. Der Füllstand änderte sich allerdings noch erheblich, die winzigen Schachteln sind eben doch etwas sehr unterdimensioniert im dicht besiedelten Enzugsgebiet bei nur vier Bahnen pro Stunde. Positiv daran allerdings: Die Stadtbahn übertrifft die Fahrgastzahlen der alten Bahnlinie heute um ein Vielfaches.
An der Toyama Station angekommen, war es inzwischen dunkel und nach letzten Aufnahmen auf dem Vorplatz, ging ich in den Bahnhof.

Die Nacht hat sich über Toyama gelegt, aber die Straßenbahn rennt noch einige Stunden weiter. 7022 verlässt die Toyama Station mit dem Ziel Daigakumae.

Aus der Gegenrichtung kommt Wagen 8005 und wartet an der Kreuzung vor dem Bahnhof wiedermal eine halbe Ewigkeit auf die Grünphase.

Als es endlich grün wurde, war ich schon längst einige Meter weiter direkt vor den Bahnhof gewechselt.
Im Erdgeschoss des Bahnhofes trafen wir uns am Reservierungsautomaten für den Shinkansen. Heute kamen wir um den nervigen Reservierungsprozess nicht herum, denn es ging nun mit einem Wechsel einmal quer über Honshu geradewegs auf Tokyo zu und die Reservierung war auf diesem Abschnitt obligatorisch. Als das Prozedere endlich geschafft war, statteten wir noch dem 7-Eleven einen Besuch ab, um auf der über zweistündigen Fahrt schon einmal das Abendessen einzuschieben. Salate, Kaffee, Yoghurt, eine Dose Sapporo, es war für alles gesorgt.
Zum Glück hatten wir das Abendessen bereits beendet, als kurz nach 20 Uhr unweit von Nagano plötzlich das Licht ausging. Im gleichen Moment knallte der Shinkansen volle Möhre die Bremsen rein und kam erstaunlich schnell zum Stehen. Währenddessen begann im ganzen Wagen der Cell Broadcast Alarm der Smartphones zu tröten und verkündete “EARTHQUAKE, EARTHQUAKE”. Eine Notbeleuchtung an den Wagenenden sprang an.
Bei uns hätte man sich mindestens fragend nach anderen Fahrgästen umgesehen, Getuschel oder mehr wäre aufgekommen. Hier blieben alle stur und diszipliniert sitzen, dösten oder starrten weiter auf ihre Smartphones, Bücher oder Essen. Was los war? Erdbebenwarnung, also für den gemeinen Japaner tatsächlich eher Alltag, als etwas übermäßig Außergewöhnliches. Und sicherer als in einem stehenden Shinkansen, ist es bei einem Erdbeben kaum irgendwo, also warum hätte man sich auch aufregen sollen. Das Cell Broadcast vermeldete: “Erdbebenfrühwarnung: Es wird in Kürze ein starkes Beben erwartet. Bleibe ruhig und suche in der Nähe Schutz. (Japan Meterorological Agency)”. Ersteres taten wir, letzteres war überflüssig. Hin und wieder kam eine automatische Durchsage, die Stromversorgung sei vorsorglich unterbrochen worden, man setze die Fahrt fort, sobald es Entwarnung gäbe und der Strom wieder angeschaltet sei. Irgendwann wechselte die Ansage und Laufschrift zur Aussage, dass System werde wieder hochgefahren und es ginge demnächst weiter. Nach elf Minuten ging das Licht wieder an und als wäre nichts gewesen, rauschte der Shinkansen wieder los. Allzu heftig schien das Erdbeben nicht gewesen zu sein, im Shinkansen selbst war jedenfalls gar nichts davon zu bemerken. Vermutlich fuhr jetzt einfach der ganze Hokuriku-Shinkansen auf diesem Abschnitt mit +15 durch die Gegend und würde spätestens mit Betriebsaufnahme am nächsten Morgen wieder in den Takt gebracht werden.
Mit eben dieser Verspätung erreichten wir um 10 Uhr den Bahnhof von Omiya. Omiya? Wir hatten am Abend zuvor etwas hin und her überlegt, wie wir das mit der Übernachtung in Tokyo am besten angehen sollten, ohne über 200€ für ein Zimmer zu zahlen. So schauten wir mal an den Shinkansen-Stopps unserer Route vor Tokyo, wo es sich anbieten würde, eine Nacht einzuschieben. Die Nacht vor Tokyo legten wir schließlich in Omiya ein. Die Wahl war wiedermal auf die uns schon bekannte Kette “Daiwa Roynet” gefallen. Selbst hier, 30 km vor dem Zentrum Tokyos, kostete eine Nacht in Bahnhofsnähe in der kleinen Zimmerkategorie bereits 28.350 Yen, oder 154€. Ist jetzt nicht wirklich wild, verglichen mit anderen Reisen, aber schon weit über dem Durchschnitt dieser Reise. Weit über 200€ für ein Zimmer wollten wir jedenfalls nicht zahlen, wofür hatten wir denn den JR-Pass? Mit der nächsten Nacht verfuhren wir ähnlich und buchten schonmal ein Hotel in Utsunomiya, 80km nördlich von Tokyo und unsere nächste Straßenbahnstation. Dort bekamen wir fast für denselben Preis ein Zimmer. Das Gepäck würden wir dann morgen einfach hier in Omiya lassen und am Abend mitnehmen, denn Omiya liegt an dem parallel nach Tokyo hineinführenden Stück des Joetsu- und Tohoku-Shinkansen, sodass wir hier am Abend eh wieder durchkämen. Das würde ein langer Tag werden morgen für die Mega-Metropole Tokyo.

Schön zu erkennen: Es ist 22:05 Uhr und es stehen die beiden Abfahrten für 21:48 Uhr am Bahnsteig. Die Züge vom Hokuriku-Shinkansen hat das Erdbeben bei Nagano um 15 Minuten verschoben. In Omiya haben einige Bahnsteige netterweise keine Bahnsteigsperren, sodass auch am Shinkansen mal vernünftige Bahnhofsbilder möglich sind.

In Omiya sind wir schon mitten in der unendlichen Metropolregion von Tokyo. Man merkte es direkt an den eine Kategorie größeren Hochhäusern, der mächtigen Omiya Station und dem Leben, dass hier am späten Abend noch herrschte.
Wir hatten es dann nach einem langen Tag auch hinter uns für heute. Noch zweimal ums Eck ins Hotel, letzte Planungen des morgigen Tages und dann gingen die Lichter aus.
Morgen dann also Tokyo im Schnelldurchlauf. Ehrlicherweise würde es nur für die beiden Straßenbahnen reichen und dann schaut man eben mal, was man sonst noch in dem Tag unterbringt. Wirklich einen Stress schieben, um noch dies und das zu schaffen, wäre vergebene Mühe. Dann lieber etwas treiben lassen.

Hallo Tobias,
danke für den schönen Beitrag!
Eine kleine Ergänzung zu 7022: Der Wagen hat eine Sonderausstattung mit Längsbänken und Sitzpolstern. Davor sind kleine Tische die sich zu längeren Tafeln ausklappen lassen. Wie so oft war er auch bei meinem Besuch im normalen Linienbetrieb anzutreffen. Es scheint wohl eine Art Sonderwagen zu sein. Den genauen Zweck konnte ich aber nicht ermitteln.
Gruß Moritz 🙂
Hi Moritz,
Danke für die Ergänzung zum 7022. Für mich ergab sich vor Ort nicht die Gelegenheit einer Mitfahrt, obwohl der Wagen den ganzen Tag im regulären Liniendienst lief.
VG Tobias