Straßenbahnen im Exil: Hallenser T4D in Arad

Hunderte von T4D drehten in Halle über Jahre ihre Runden durch die Straßen an der Saale. Mit der Reduzierung des Wagenparks nach der Wende und der Ablösung durch Stuttgarter GT4 und neue MGT6D, wurden immer mehr der Fahrzeuge entbehrlich und fanden unter anderem den Weg ins rumänische Arad.


Ab 1969 wurden aus Tschechien bis 1986 insgesamt 323 T4D und 124 B4D von CKD nach Halle geliefert. Der T4D war damit in den 80er und 90er Jahren der prägende Fahrzeugtyp an der Saale. Nach der Wende wurden zahlreiche Fahrzeuge durch den reduzierten Fahrzeugpark überflüssig, wurden allerdings zunächst größtenteils verschrottet. Mit der Übernahme von insgesamt 39 GT4 aus Stuttgart und der Neubeschaffung von 62 MTG6D in den 90er und 2000er Jahren, konnten schließlich große Teile der T4D abgelöst werden. 41 T4D-Großzüge wurden in den 90er Jahren für weitere Einsatzjahre einem umfangreichen Modernisierungsprogramm bei MGB unterzogen, für alle noch verbliebenen T4D nahte allerdings das baldige Einsatzende. Mit der Leiferung der ersten MGTK „Flexity Classic“ von Bombardier im Jahr 2004, wurden die unmodernisierten T4D und B4D entgültig entbehrlich und am 15. November 2004 drehte schließlich letztmalig ein unmodernisierter Tatrazug seine Runden im Liniendienst.


Ein T4D Großzug, bestehend aus 1196, 1195 und 104, wie er die Straßenbahn von Halle jahrzehntelang prägte, am 31. August 1990 in Merseburg.


Der Fahrschulwagen 985 zeigt sich in Halle optisch noch heute wie die letzten, bis 2004 eingesetzten T4D. Von der umgebauten Türseite, würde seine heutige Verwendung jedoch deutlich werden. Am 14. Oktober 2007 war der Fahrschulwagen Teil des Fahrzeugkorsos anlässlich des 125 jährigen Bestehens der Straßenbahn in Halle.

Während in Halle nur noch die letzten drei Züge der modernisierten T4D-C/B4D-C an Werktagen ihre Runden drehen, kommen im rumänischen Arad sogar noch deren unmodernisierte Verwandte zum Einsatz.
Insgesamt 40 Triebwagen und 17 Beiwagen der unmodernisierten T4D/B4D erhielt Arad ab 1998 aus Halle. Gegenüber den aus rumänischer Produktion stammenden Timis 2 Zügen, waren die Tatrabahnen ein qualitativer und technischer Quantensprung. Selbst gegenüber den neu nach Arad gelieferten T4R von CKD, waren die deutschen Tatrawagen weitaus hochwertiger gefertigt worden. Während die T4R inzwischen vollständig ausgemustert sind, kommen die T4D aus Halle neben zahlreichen gebrauchten Düwag’s, Lohnern und Esslingern aus Deutschland und Österreich, noch heute in Arad zum Einsatz. An Wochenenden vorwiegend im Soloeinsatz, laufen an Werktagen auch noch Doppeltraktionen und Hängerzüge aus T4D und B4D. Großzüge kommen in Arad hingegen seit jeher nicht zum Einsatz. Neben 38 „normalen“ T4D, übernahm Arad im Jahr 2005 auch die als WT4D bezeichneten 1030 und 1031, welche nach ihrem Umbau beidseitig Türen aufwiesen. Unter den 17 Beiwagen versteckt sich zudem auch der B4D-Z 150, welcher ebenfalls auf der linken Seite über zwei Türen verfügt.


Am 8. August 1998 ist der Zug aus 1093 und 149 auf der Überlandstrecke nach Ghioroc im Einsatz und passiert die Siluette des Chemie-Kombinats. Das Kombinat wird von einem eigenen Streckenast angeschlossen, welcher von der Linie nach Ghioroc abzweigt.


Auch 2007 stand ein Hallenser Tatrazug auf der Überlandlinie im Einsatz. Am 22. August erreicht der Zug aus 1165 und 171 den pitoresken Endpunkt in Ghioroc. Durch das Wendedreieck wird das Gespann gleich in die Abfahrtsanlage zurücksetzten.


Wenig später hat der Zug zurückgesetzt und startet nun zur rustikalen Rückfahrt über die Überlandstrecke nach Arad. In der Zwischenzeit hat der nächste Kurs in Gestalt des „Überland“-Timis 2 Zuges, bestehend aus den Wagen 1 und 2, den Endpunkt erreicht und wird gleich ebenfalls durch das Wendereieck fahren.


In der Regel kommen die T4D jedoch im Stadtnetz zum Einsatz. Das Gespann mit T4D 1027 an der Spitze, durchfährt am 8. August 2007 als Linie 18 einer Wohnsiedlung.


Später am Tag überquert der Zug den zentralen Kreuzungspunkt Podgoria. Die grau-rote Lackierung aus Halle, wurde später in Arad auch auf die eigenen T4R übertragen, mit dem Unterschied des auf der Front etwas breiteren roten Streifens und der roten Sonnenblende, welche kurzerhand auf die Frontscheibe lackiert wurde. Beim Hallenser T4D 1027 fand wiederum als Besonderheit die Anpassung an den T4R-Look statt.


Weite Teile des Gleisnetztes befanden sich 2007 in einem bedenklichen Zustand. Inzwischen konnten große Teile des Netzes generalsaniert werden und so präsentiert sich der Kreuzungpunkt Podgoria im Jahr 2014 deutlich aufgeräumter. T4D 1111 ist am Sonntag den 9. Juni 2014 im Soloeinsatz auf der Linie 6.


Am darauffolgenden Montag, rückten die Hallenser Hängerzüge nach der Wochenendruhe wieder aus. Das Gespann aus 1078 und 177 ist auf dem Platz Podgoria als Linie 3 zu sehen. In Arad hat in der Regel jeder Fahrer seinen „eigenen“ Wagen, mit dem er zu Schichtbeginn aus dem Depot ausrückt. Der Fahrer der vorherigen Schicht rückt wiederum mit seinem Zug ein, welchen man dann oftmals am selben Tag auch nicht mehr im Netz antrifft. Einen kleinen Spaß machen sich die Fahrer bei „Ihren“ Wagen daraus, verschiedene deutsche Ziele im Zielfilmkasten anzuzeigen. So ist dieser Zug auf dem Weg in die Südstadt.


T4D 1069 ist wiederum auf dem Weg nach Leuna. Auf den ersten Blick sieht der Zug ganz normal aus, ein genauer Blick auf die linke Seite des Beiwagen verrät allerdings, dass es sich hier um den B4D-Z 150 handelt.


Ein etwas genauerer Blick auf das Unikat. Auf der linken Seite verfügt B4D-Z allerdings nur über zwei Türen. Anders als den B4D-Z, konnte ich die beiden WT4D in Arad nie antreffen.


T4D 1174 ist mit einem B4D auf dem Bulevard der Revolution unterwegs nach Ammendorf. Entlang des Bulevard befinden sich zahlreiche sanierte, repräsentative Gebäude. Die Straßenbahn verläuf meist auf einem breiten Mittelstreifen zwischen Bäumen und Blumenrabatten. Vor dem sich links befindenden Rathaus, taucht die Strecke allerdings kurz aus dem Blättertunnel auf und zeigt sich vor den prächtigen Gebäuden

Soweit der kleine Einblick in das Leben der Exilhallenser im rumänischen Arad. Anders als in Sofia, wurden in Arad in späteren Jahren keine modernisierten T4D-C übernommen. Stattdessen wurde der Wagenpark aus dem Hause Düwag weiter aufgestockt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.