Typenportrait: Der polnische Einheitswagen 105N(a) in Breslau, Czenstochau, Danzig, Gorzow und Krakau

Als eines der wenigen Länder des ehemaligen Ostblocks, baute Polen bis zum Fall des eisernen Vorhangs durchgehend seine eigenen Straßenbahnwagen. Bei Konstal entstanden nach dem 2. Weltkrieg über die Jahre diverse Einheitsfahrzeuge, welche im ganzen Land in hohen Stückzahlen zum Einsatz kamen. Den Schlusspunkt setzte ab Ende der 70er Jahren der Großraumwagen 105N auf Normalspur und 805N für Meterspur, welcher die polnischen Straßenbahnbetriebe bis heute in diversen Modernisierungsvarianten prägt.


Jeder, der in den vergangenen 30 Jahren in Polen mit der Straßenbahn gefahren ist, wird sie kennen. Ob unbewusst um als Tourist vom Hotel in die Innenstadt zu gelangen, oder als Straßenbahninteressierter, um Stadt und Betrieb von den Gleisen aus zu erkunden. Der polnische Einheitswagen der 70er, 80er und 90er Jahre: Der Konstal 105N(a)/805N(a).
Zu Tausenden prägten die oft schmuddeligen und irgendwie immer etwas zusammengezimmert wirkenden Fahrzeuge das polnische Stadtbild der vergangenen 40 Jahre. Heute werden die Fahrzeuge jedoch in vielen polnischen Städten langsam zur Seltenheit. Zeit also, einen genaueren Blick auf diesen ikonischen Fahrzeugtyp zu werfen, bei dem viele Straßenbahnfreunde aus Deutschland, wohl garnicht erst auf den Auslöser drückten, wenn er um die Ecke geschaukelt kam, ob der Enttäuschung, dass der Kurs nicht mit einem Gebrauchtwagen aus Westeuropa besetzt war…


Die Vorgeschichte

Anders als die DDR und andere an die Sowjetunion angeschlossenen Staaten, baute Polen in der Planwirtschaft seine eigenen Straßenbahnwagen. So wurde beispielsweise in der DDR der Bau von Straßenbahnwagen bei der VEB Gotha Waggonbau Ende der 60er Jahre eingestellt, da ein Abkommen die Belieferung der ostdeutschen Betriebe mit Tatrawagen von CKD aus Tschechien vorsah. In Polen wurde der Straßenbahnbau nach dem 2. Weltkrieg jedoch durchgehend erhalten. Bei Konstal entstanden mit dem Typ N in den 40er und 50er Jahren konstruktiv noch durchaus primitive Nachkriegswagen, welche weit hinter Vorkriegsprodukten zurückblieben und sich in weiten Teilen stark an den deutschen Kriegsstraßenbahnwagen (KSW) anlehnten. Der KSW wurde von 1943 bis 1950 mit einfachsten Mitteln hergestellt, da notwendige Resourcen zunächst für die Kriegsproduktion abgezogen wurden und anschließend in Nachkriegsdeutschland noch immer Mangelware waren.
Die technisch vollkommen veralteten Nachbauten wurden bei Konstal in der Weiterentwicklung als 4N und 5N noch bis Anfang der 60er Jahre in hunderten Exemplaren für alle Straßenbahnbetriebe des Landes gebaut. Erst 1959 wurde mit dem Bau der ersten Großraumwagen des Typs 13N begonnen, welcher diesmal in weiten Teilen einen Nachbau des T1 von CKD darstellte. Der 13N wurden zwar in über 800 Exemplaren gefertigt, gelangte allerdings ausschließlich nach Warschau und in vier Exemplaren zur schlesischen Straßenbahn.
Aus dem Warschauer Großraumwagen wurde schließlich Ende der 60er Jahre ein sechsachsiger Gelenkwagen mit Jacobsdrehgestell als 102N/803N entwickelt. Dieser erlangte schließlich in den 60er und 70er Jahren landesweite Verbreitung mit über 650 Exemplaren, einschließlich der etwas abgeänderten Weiterentwicklung 102Na/803Na.
Neben der Arbeit am 102N-Gelenkwagen, wurde Ende der 60er Jahre auch am Konzept eines als 103N bezeichneten vierachsigen Fahrzeug gearbeitet, später an einem an den amerikanischen PCC angelehnten 104N. Zur Umsetzung kamen diese Projekte schlussendlich jedoch nicht. Stattdessen entstand wenig später der 105N.


Der 105N und 805N

1973 besann man sich schließlich wieder auf die vierachsige Großraumkonstruktion und entwickelte mit dem regelspurigen 105N und der meterspurigen Variante 805N, erstmals von Grund auf einen völlig neuen Wagentyp.
Die Fahrzeuge fielen durch ihr kompromisslos schlichtes Design auf: Die typischen Rundungen von Karrosserie und Frontscheiben der 60er Jahre, wie sie auch bei den meisten anderen Herstellern für dieses Jahrzehnt prägend waren, verschwanden. Sattdessen wurde ein funktional eckiges Design entworfen, mit großen, bis unter die Decke reichenden Fenstern, wie es zeitgleich auch von CKD beim KT4, oder bei der Düwag mit dem M/N-Wagen in Mode kam. So ergab sich ein heller Innenraum, bei dem auch stehende Fahrgäste in den Genuss eines Blickes nach draußen kamen. Bei jeweils nur einer Sitzreihe pro Wagenseite, die meist gerade einmal 22 Insassen einen Platz boten, kam dies der großen Mehrheit der Fahrgäste zu Gute. Die ungewöhnlich großen, bis unter die Decke reichenden Fenster, verschafften den Fahrzeugen in vielen Betrieben schnell den Spitznamen „Aquarium“. In Danzig wiederum sorgten die zusätzlichen kleinen ovalen Fenster unterhalb des Fahrerplatzes, wie sie bei den 105N noch verbaut wurden, für den Beinamen „Segelflugzeug“.
Auf weitere Komfortmerkmale wurde großzügig verzichtet. So gab es weder einzeln ansteuerbare Türen, noch Lichtschranken, Klemmschutz oder Haltewunschtasten. Stattdessen wurden an jeder Haltestelle sämtliche Türen mit einem lauten Scheppern aufgerissen, um sie wenig später nach einem kurzen Abfahrtsignal noch lauter wieder zuzuschlagen. Die Türen sind dabei ein weiteres Alleinstellungsmerkmal des polnischen Einheitswagen. So gibt es vier große, zweiflügelige, nach innen drehende Türen, von denen die beiden Paare zwischen den Drehgestellen unmittelbar nebeneinander liegen.
Wie bei Konstal üblich, konnten die zweigeteilten Fenster im oberen Teil aufgeschoben werden, sodass es in den Wagen auch bei oftmals heißen Sommertemperaturen eine angenehme Luftzirkulation gab. Zusätzlich verfügten die Fahrzeuge über drei große Dachluken in der Mitte und zwei kleinere Luken vorne und hinten, um der Erhitzung durch die großen, verglasten Flächen entgegen zu wirken.

Wie zu dieser Zeit noch weit verbreitet, wurde auch die Konstalwagen mittels Pedalsteuerung gefahren. Auch die Sicherheitsfahrschalter wurde als Pedal ausgeführt, wobei die Funktion dieses Totmannpedals äußerst rudimentär ausfiel: Sobald der Fahrer den Fuß vom Pedal nahm, wurde das Fahrzeug über alle Bremsen zum Stillstand gebracht und die Klingel begann zu läuten. Dies war selbst dann der Fall, wenn der Fahrer im Stillstand vom Pedal abkam.
Die Fahrzeuge erreichten eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 70 km/h, soweit es die oftmals mangelhaften Streckenverhältnisse zuließen. Aber auch auf verschlissenen Gleisen zeigten die Fahrer oftmals kein Erbarmen mit den Fahrzeugen und jagten sie mit über 50 Sachen über ausgefahrene Gleise in die Plattensiedlungen und Vororte hinaus. Hätte man nach solchen Touren beispielsweise mit einer Tatra oder einem deutschen Gelenkwagen einen Orthopäden aufsuchen müssen, wurde man in den extrem weich gefederten Konstal 105N vom rytmischen Schwanken und Nicken höchstens Seekrank…

Von den regelspurigen 105N wurden bis 1979 knapp über 1000 Exemplare ausgeliefert, wohingegen die meterspurige Variante 805N gerade einmal in einer Stückzahl von 25 Fahrzeugen für Łódź gefertigt wurde. Heute sind keine Fahrzeuge im ursprünglichen Zustand der 105N/805N mehr im Linieneinsatz. Die meisten 105N und 805N wurden allerdings im Laufe der Jahre an die später gelieferten 105Na und 805Na angepasst und befinden sich so teilweise noch heute im Einsatz. Einige Betriebe haben zudem einzelne Fahrzeuge als Museumswagen in den Auslieferungszustand zurückversetzt.


Der 105Na und 805Na

Nach den ersten Lieferserien an fast alle polnischen Betrieb, wurde der Wagentyp technisch verbessert und optisch in einigen Details vereinfacht. Am auffälligsten war dabei der Wegfall der zusätzlichen Verglasungen am Fahrerstand. Später wurden auch die Fenster über den Türen, hauptsächlich aus wirtschaftlichen Gründen, nicht mehr verbaut. Bei älteren Fahrzeugen wurden die zusätzlichen Fenster zudem im Laufe der Jahre ausgebaut und verblecht. Die wesentlichen Änderungen, unter anderem für einen niedrigeren Stromverbrauch, wurden jedoch auf technischer Seite vorgenommen und basierten auf den Erfahrungen mit den 105N.
Größtes Defizit des Standardwagens war und blieb auch nach diversen Verbesserungen auf technischer Seite, die recht schwache Wagenkastenkonstruktion, die mit einer sehr geringen Steifigkeit einherging. Schon bei vergleichsweise geringen Kollisionen, wurde die Struktur dabei oft so stark deformiert, das eine Instandsetzung sehr aufwendig oder garnicht mehr wirtschaftlich war und die Wagen in Folge dessen abgebrochen wurden.

Nun als 105Na/805Na bezeichnet, gelangte der Einheitswagen mit seinen diversen weiterentwickelten Unterbauarten und Modernisierungsvarianten bis ins Jahr 2000 hinein in über 2000 Exemplaren zu allen polnischen Straßenbahnbetrieb, womit die Fahrzeuge bei einigen Betrieben zeitweise ausschließlich zum Einsatz kamen. Der Konstal 105Na/805Na war damit der prägende polnische Fahrzeugtyp der vergangen 40 Jahre und steht noch heute, mit Außnahme von Gorzów, bei allen Straßenbahnbetrieben in Polen im Einsatz.

Durch die planwirtschaftlichen Beschränkungen kamen die Fahrzeuge allerdings nie über die Landesgrenzen hinaus und so wurde der 105N(a)/805N(a) zu DEM typisch polnischen Fahrzeug, während sich die Tatrawagen aus dem Nachbarland zur gleichen Zeit über ganz Osteuropa verbreiteten.
Die Bestände des Einheitswagens schrumpfen seit einigen Jahren jedoch beständig, die ursprünglichen Bauarten 105N/805N sind bereits bei keinem Betrieb mehr im Liniendienst. Auch die Bestände unmodernisierter 105Na/805Na gehen kontinuierlich zurück. In vielen Betrieben wurden die Fahrzeugen allerdings seit den 2000er Jahren unterschiedlichsten Modernisierungen und Neuaufbauten unterzogen, sodass der vierachsige Großraumwagen in Polen noch viele Jahre präsent sein wird. Die charakteristischen Linien des ursprünglichen, schlichten 70er-Jahre-„Design“, verschwinden durch die Modernisierungen allerdings zunehmend aus dem Stadtbild und wurden bei einigen Betrieben bereits vollständig verbannt.

Werfen wir im Folgenden einen genaueren Blick auf den polnischen Einheitsstraßenbahnwagen. Heute beginnen wir mit der regelspurigen Variante 105N und seinen moderneren Ablegern in Breslau, Czenstochau, Danzig, Gorzow und Krakau. In dieser Betrachtung wird lediglich auf die Fahrzeuge für den Linienbetrieb eingegangnen, die zahlreichen zu Arbeitswagen umgebauten Fahrzeuge werden weitgehend außer Acht gelassen.
Ein Klick auf den jeweiligen Betrieb führt direkt zum entsprechenden Abschnitt. Nach einer kurzen Zusammenfassung der Fahrzeughistorie, folgen jeweils die entsprechenden Fahrzeugaufnahmen und anschließend noch einige Bilder aus dem Betriebsalltag.

Quellen:

  • https://wroclawskakomunikacja.pl/zasady-dzialania/149-konstal-105na-nawr
  • http://www.kmpk.cba.pl/tabor-konstal-105na.html
  • https://www.mkm.szczecin.pl/encyklopedia/105n
  • http://www.kmk.krakow.pl/artykul_tramwaj_pcc_4.html

Neben eigenen Dokumentationen und Bildern, basieren die meisten der folgenden Angaben und Daten zu Fahrzeugen auf der Fahrzeugdatenbank phototrans.eu. Zu den einzelnen Betrieben folgen gegebenenfalls zusätzliche Quellenangaben.


Breslau (Wrocław)

Die Straßenbahn in Breslau erhielt ab 1975 105N von Konstal. Bis heute kamen in Breslau 366 Exemplare des Einheitswagen zum Einsatz. Die Nummerierung der 105N begann bei 2201 und wurde im Laufe der Jahre bei den 105Na bis 2565 fortgeschrieben, wobei die Fahrzeuge 2508-2528 und 2544-2558 in den Jahren 1989-1991 aus Krakau übernommen wurden und in die laufende Nummerierung der parallel neu ausgelieferten Fahrzeuge eingefügt wurden. Weiterhin wurden einige Nummern durch Fahrzeugtausch mit anderen Betrieben im Laufe der Jahre doppelt besetzt. Die 105N wurden bereits in den 80er Jahren an die 105Na angepasst, sodass dieser Wagentyp schon seit rund 30 Jahren in Breslau nicht mehr anzutreffen ist.
Die Fahrzeuge wurden in Breslau laufend verschiedenen Modernisierungen unterzogen: Von neuen Außenschwenktüren über Matrixanzeigen, bis hin zu kompletten Neuaufbauten reicht dabei die Bandbreite.
Aus der Werkstatt des städtischen Nahverkehrsbetreibers MPK Wroclaw, entstand 1999 das eigenwirtschaftliche Unternehmen Protram, welches fortan zahlreiche der 105Na aufwendig modernisierte, auffällig insbesondere durch die nur in Breslau eingesetzte, neue Kopfform der Fahrzeuge. Von den als 105NWr bezeichnetet Fahrzeugen entstanden zwischen 2004 und 2010 insgesamt 39, weitere 23 Fahrzeuge wurden als Beitriebwagen ohne Fahrerstand modernisiert und erhielten wie in Polen üblich den zusätzlichen Buchstaben „D“ hinter der Typenbezeichnung. Ein weiterer Zug unterschied sich in technischen Details und wurde als 105NWrMp bezeichnet.
Noch heute sind in Breslau rund 150 Fahrzeuge in den unterschiedlichsten Modernisierungszuständen im Einsatz, aber auch einige nahezu unveränderte Exemplare können vereinzelt noch im Einsatz erlebt werden.


Im Jahr 2010 waren noch zahlreiche, annähernd im Auslieferungszustand befindliche 105Na-Züge in Breslau im Einsatz. Auffällig an den Breslauer Fahrzeugen war das frühe Verschwinden der klobigen schwarzen Scheinwerfereinfassungen, die diesem Fahrzeugtyp in vielen Betrieben ein noch markanteres Aussehen verlieh. Ansonsten zeigt sich der 1988 gebaute 105Na 2467 mit den typischen vier Doppeltüren und alten Zielanzeigen am 25. Juni 2010 noch recht original. Dieses Fahrzeug erfuhr keine Modernisierung mehr und wurde im Jahr 2012 ausgemustert.


Noch etwas häufiger anzutreffen sind die nur leicht modernisierten Fahrzeuge mit neuen Außenschwenktüren. Auffälligstes Merkmal ist der Wegfall einer der mittigen Doppeltüren.


64 105Na wurden bis 2009 bei Protram umfangreich modernisiert und erhielten die Bezeichnung 105NWr. Die Fahrzeuge wurden von Grund auf entkernt, erhielten unter anderem einen modernisierten Innenraum, neue Antriebstechnik, sowie eine neue Fahrerkabine inklusive der auffälligen Protram-Frontpartie. 23 der geführten Triebwagen erhielten keinen Fahrerstand. Nur noch die Fenster, Geometrie und die übernommene Fahrzeugnummer lassen ihre Herkunft erahnen. 79 der Fahrzeuge sind Stand Ende 2019 im täglichen Einsatz zu finden. 105Na 2306 wurde zwischen 2006 und 2007 bei Protram zum 105NWr.


Am 30. März 1992 war das 105Na Doppel aus 2446 und 2445 noch mit den alten Scheinwerfern und im etwas dunkleren blauton im Einsatz. Ansonsten hat sich an einigen 105Na über viele Jahre kaum etwas getan. 2446 war bis ins Jahr 2017 im Einsatz.


105Na 2520 war am 25. Juni 2010 noch recht unverändert im Einsatz und konnte am Hauptbahnhof aufgenommen werden. 105Na 2520 gehört zu den 38 zwischen 1985 und 1991 aus Krakau übernommenen Fahrzeugen und schied 2015 aus dem Betrieb aus.


Am 29. April 2017 waren noch einige wenige Züge im klassischen Erscheinungsbild mit scheppender Doppeltür in der Mitte im Einsatz. Zumindest die alten Zielfilme wurden aber bei dem Gespann aus 105Na 2246 und 2247 ersetzt. Hier ist der Zug unweit der Haltestelle Dubois zu sehen. Noch im selben Jahr wurde das Gespann abgestellt.


Am 29. April 2017 überquert der Zug aus 2524 und 2523 die Oderinsel auf der Świętej Jadwigi. Auch dieser Zug wurde 1990 aus Krakau übernommen und im Jahr 2018 abgestellt.


Am Abend des 25. Juni 2010 ist 105NWr 2382 am Oderufer unweit der Universität unterwegs.


Am Hauptbahnhof ist am 29. April 2017 der Zug aus 105NWr 2488 und 2489 als Linie 8 nach Zawalna im Einsatz.


Ebenfalls am 29. April 2017 überquert der Zug aus 105NWr 2239 und 2238 die Oderinsel vom Plac Bema kommend.


Czenstochau (Częstochowa)

Czenstochau erhielt von 1975 bis 1990 insgesamt 56 Fahrzeuge der Einheitsbaureihe 105N(a) von Konstal. Bei den ersten beiden Lieferungen in den Jahren 1975 und 1979 handelte es sich um 14 105N mit den Nummern 636-649.
Von 1980 bis 1991 wurden anschließend insgesamt 42 105Na geliefert. Die Fahrzeuge erhielten die Nummern 601-616 und 672-697.
Die 14 105N wurden in den 80er Jahren an die neueren Serien 105Na angepasst.
Bis heute stellen die 105Na in Czenstochau mit noch immer 38 Fahrzeugen den Großteil des Wagenparks. Zwischen 2003 und 2005 wurden erstmals acht Fahrzeuge abgestellt. Eine zweite Ausmusterungswelle gab es dann mit Lieferung der sieben neuen Pesa Twist Niederflurwagen ab 2012. Bis 2019 wurden zehn weitere Fahrzeuge ausgemustert. Dennoch prägen die 105Na noch heute den kleinen, gerade einmal 15 km umfassenden Straßenbahnbetrieb.
In Czenstochau sind die 105Na dabei noch in einer sehr ursprünglichen Variante im Einsatz, nichtmal die Farbgebung hat sich in den vergangenen 20 Jahren großartig geändert. Größere Modernisierungen haben bis heute nicht stattgefunden und werden wohl auch in Zukunft ausbleiben.


Die 105Na kommen in Czenstochau in einer recht klassischen Farbgebung in Rot/Creme daher. Auch sonst entspricht das Erscheinungsbild noch in weiten Teilen dem Auslieferungszustand. Die Fahrzeuge haben lediglich die standardmäßigen Veränderungen der 90er Jahre erfahren: Die Anfangs mit je zwei Scheiben verglasten Türen wurden durch halbverglaste ersetzt, nur die Tür beim Fahrer behielt das zusätzliche Fenster auf Bodenhöhe. Der gern als „Kühlergrill“ bezeichnete, schwarze Querbalken auf Höhe der Scheinwerfer, wurde durch die kleinen quadratischen Lampeneinfassungen ersetzt. 105Na 613 gehört zur letztgebauten Serie von 1988 bis 1990.


Nicht immer kamen die Fahrzeuge in Czenstochau so gut gepflegt wie heute daher. Am 5. September 1990 hat 105Na 685 einiges an Patina angesetzt, weder das rot, noch das elfenbein haben noch etwas mit der Farbe gemein, die sie einst darstellten. Dieses Fahrzeug steht auch heute noch im Einsatz, optisch allerdings in einem wesentlich besseren Zustand, mit neuem großen Zielfilm und nur noch halbverglasten Türen.


Am 5. September 1990 war sogar noch eine 105N Doppeltraktion, bestehend aus 105N 649 und 648 in Czenstochau im Einsatz. Gut zu erkennen am durchgehenden schwarzen Balken auf Höhe der Scheinwerfer und den kleinen zusätzlichen Fenstern am Fahrerstand, dass dieser Zug seit seiner Fertigung im Jahr 1979 noch keine Veränderungen erfahren hat. Nur ein Jahr später wurde dieser Zug allerdings modernisiert und an die 105Na angepasst. Nicht mehr von diesen zu unterscheiden, befinden sich beide Fahrzeuge noch heute im Einsatz.


Am 29. März 1992 ist der 1979 als 105N gelieferte 644 bereits zum 105Na umgebaut. Die Anpassungen wurden ein Jahr zuvor vorgenommen.


Der Zug mit 105Na 613 an der Spitze, fährt am 28. April 2017 in die Schleife unweit der Haltestelle Promenada Niemena ein. 613 wurde erst im Jahr 1990 geliefert und dementsprechend bereits als 105Na bei Konstal gefertigt.


Unweit der Innenstadt ist 105Na 605 ebenfalls am 28. April 2017 als Linie 1 unterwegs.


Danzig (Gdańsk)

Danzig erhielt von 1975 bis 1990 insgesamt 228 105N(a) von Konstal.
Von 1975-1978 wurden 30 105N von Konstal nach Danzig geliefert. Weitere 46 105N übernahm Danzig im Jahr 1988 aus Krakau, welche bis 2009 vollständig ausgemustert wurden. Die 105N bekamen in Danzig aufgrund der zusätzlichen kleinen Fenster unterhalb der Fahrerkabine schnell den Spitznamen „Segelflugzeug“ (szybkowiec). Später entfiel der Einbau dieser Fenster allerdings auch bei den Danziger Fahrzeugen und wurde im Laufe der Jahre bei den übrigen Wagen zurückgebaut. Heute gibt es in Danzig noch den museal erhaltenen 105N 06205, welcher zwischen 2005 und 2006 annähernd in den Auslieferungszustand als „Segelflugzeug“ zurückversetzt wurde. Darüber hinaus existieren noch die beiden Arbeitswagen 9003 und 9005, welche jedoch keine typischen Merkmale der 105N mehr tragen.

Nach der Lieferung der 105N, wurde bis 1990 der modernere 105Na nach Danzig geliefert. Zusammen mit den später zu 105Na modernisierten 105N, kam Danzig so auf eine Fahrzeugflotte von 228 Einheitswagen, welche über neun Jahre den gesamten Fahzeugpark der Hafenstadt ausmachten. Zwischen 1985 und 2010 kamen die 105Na auch als Dreifachtraktion zum Einsatz. Seit 2017 werden die 105Na 1349+1350+1346 wieder als Dreifachtraktion eingesetzt.
In ihrem klassischen Erscheinungsbild sind die 105Na in Danzig inzwischen selten geworden, weniger als 20 Fahrzeuge befinden sich noch im Bestand.
In den Jahren 2004 wurden 30 105Na einer umfangreichen Modernisierung unterzogen, wobei unter anderem eine neuer Fahrzeugkopf Verwendung fand, wie er beispielsweise auch in Lodz und Katowice verbaut wurde. Einige wenige Fahrzeuge behielten allerdings auch nach der Modernisierung die alte Fahzeugfront.


In Danzig waren die 105Na noch recht lange in ihrem Auslieferungszustand mit durchgehendem, an einen Kühlergrill erinnernden, schwarzen Balken im Einsatz. Am 8. Mai 1994 konnte die Dreifachtraktion aus 06330, 06329 und 06316 aufgenommen werden. Die kleinen Fenster über den Türen wurden bei 06330 hingegen einige Monate zuvor bereits verschlossen. Die zusätzlichen Fenster am Fahrerstand wurden bei den 105Na nicht mehr eingebaut.


Der 1984 gebaute 06347 hat am 21. Mai 1989 dagegen den schwarzen Querbalken bereits gegen die rechteckigen Lampeneinfassungen getauscht, wie sie im Laufe der 90er Jahre bei nahzu allen 105Na zur Anwendung kamen.


Außer einem Farbwechsel und nurmehr halbverglasten und leiser schließenden Türen, zeigt sich Konstal 105Na 1244 auch im Jahr 2011 noch weitgehend unverändert. 2011 konnten noch einige dieser unmodernisierten Züge im Linieneinsatz erlebt werden. Mit der Inbetriebnahme der zu N8CNF umgebauten Düwag N8 aus Dortmund ab 2008 und der Pesa Niederflurwagen ab 2010, verschwand die Mehrzahl der unmodernisierten 105Na aus dem Betrieb. 105Na 1244 wurde im Jahr 2012 ausgemustert.


An Werktagen noch täglich im Einsatz stehen die 30 in den Jahren 2004 bis 2005 modernisierten 105Na. Die meisten dieser Fahrzeuge fallen durch ihre neue Fahrzeugfront direkt ins Auge, wie auch der Zug aus 1259 und 1260 am 16. Oktober 2011.


Einige wenige modernisierte 105Na erhielten bei der Auffrischung keine neue Fahrzeugfront. Die neuen Dachaufbauten verraten 1281 dennoch als modernisiertes Fahrzeug.


Am 16. Oktober 2011 ist das Gespann aus 1244 und 1243 auf der Baustellenlinie 94 in den alten Hafenanlagen unterwegs.


In der am großen Danziger Straßenbahnring gelegenen Schleife „Zaspa“, konnte ebenfalls am 16. Oktober 2011 der auch noch recht ursprüngliche Zug aus 105 Na 1341 und 1342 aufgenommen werden. Heute steht keiner dieser Züge mehr im Einsatz, 1241 wurde als Denkmal auf einem kurzen Gleisstück in der ulica Wróbla aufgestellt.


Einige Fahrzeuge wurden recht früh bereits mit digitalen Zielanzeigen ausgerüstet, vermutlich verbunden mit einem einfachen Bordrechner. So auch 105Na 1324, welcher am 16. Oktober 2011 die Haltestelle am Hauptbahnhof verlässt. In den letzten Jahren erhielt eine Reihe dieser Fahrzeuge LED-Matrixanzeigen. Heute sind dies die letzten 105Na, die dem ursprünglichen Erscheinungsbild noch recht nahe kommen.


Am Abend des 16. Oktober 2011 wendet der modernisierte 105Na-Zug aus 1297 und 1298 in der Schleife Strzyża. Schön zu erkennen ist, dass lediglich die Front des führenden und das Heck des geführten Triebwagen die neuen Fahrzeugköpfe erhielten.

Zusätzliche Quellen:

  • https://www.gait.pl/tramwaj-cpt/konstal-105n-na-2/ (07.11.2019)
  • https://www.gdansk.pl/wiadomosci/tramwajowe-perelki-poznaj-historyczny-tabor-ktory-jest-w-posiadaniu-gdanska,a,153055 (07.11.2019)

Landsberg (Gorzów Wielkopolski)

Gorzów erhielt von 1975 bis 1988 insgesamt 62 Einheitswagen von Konstal. Einige wenige Fahrzeuge wurden 1983 und 1988 gebraucht aus Krakau (4) und Breslau (1) übernommen. Acht Fahrzeuge wurden 1994 nach Stettin abgegeben. Weitere fünf Fahrzeuge gelangten nach Kattowice (1), Breslau (1) und Warschau (3).
Von den 29 105N wurden lediglich acht zu 105Na umgebaut, alle anderen wurden noch in den 90er Jahren ausgemustert.
Nachdem die 105Na einige Jahre den gesamten Verkehr des kleinen Betriebes abwickelten, wurde auch ein Großteil der 105Na von 1995 bis 2011 weitestgehend durch die aus Kassel übernommenen GT4 und GT6 von Credé und Wegmann ersetzt. Nur einige wenige Züge blieben bis zur Kompletteinstellung 2017 im Zuge der Generalsanierung des Gleisnetzes im Einsatz. Nach der Wiedereröffnung ist kein weiterer Einsatz von 105Na vorgesehen, womit dieser Fahrzeugtyp in Gorzów bereits Geschichte ist.


Wagen 199 wurde im Jahr 1983 bereits als 105Na geliefert und zeigt sich am 7. Mai 1994 noch weitgehend unverändert. Auffälligste Änderung ist wie so oft der Ersatz des schwarzen Querbalkens durch die beiden einzelnen Lampeneinfassungen. 105Na 119 war einer der letzten in Gorzow eingesetzten Konstal-Wagen und erhielt im Jahr 2010 sogar noch die damals aktuelle Farbgestaltung sowie LED-Matrixanzeigen. Ende 2017 wurde das Fahrzeug abgebrochen.


105Na 114 trägt 10. Oktober 1996 die in den 90er Jahren eingeführte Lackierung. Das Fahrzeug wurde 1982 gebaut und erhielt später noch eine neue Zielanzeige. 2017 wurde der Wagen verschrottet.


105Na 119 und 118 konnten am 7. Mai 1994 an der Haltestelle Piaski aufgenommen werden.


Ungewöhnlich viele Fahrzeuge trugen in Gorzow ab den 90er Jahren Vollwerbungen. So auch die 105Na 125 und 126 am 28. März 1992.


Krakau (Kraków)

Mit 489 105N(a) war Krakau, nach der Hauptstadt Warschau, der größte Abnehmer des polnischen Einheitswagen von Konstal. Die Fahrzeuge wurden von 1975 bis 1992 geliefert und prägten den Betrieb über viele Jahre. Zahlreiche Fahrzeuge wurden bereits nach wenigen Jahren nach Breslau, Danzig, Gorzow, zur schlesischen Straßenbahn und nach Warschau weiterverteilt. Die bis 1979 gelieferten 105N wurden bereits nach wenigen Jahren an die 105Na angepasst.
Durch diverse Gebraucht- und Neufahrzeuge, wurde die gigantische Flotte bereits ab den späten 90er Jahren allmählich dezimiert. Im Gegensatz zu den aus Deutschland und Österreich übernommenen Gebrauchtwagen, wurden die 105Na nie größer angelegten Modernisierungsprogrammen unterzogen. Einziges Experiment war ein zwölfachsiger, teilniederfluriger Prototyp von Protram, welcher in wenigen Teilen noch auf Überresten einiger 105Na basiert.
Zwischen 2005 und 2008 kamen in Krakau zudem leihweise die 111N 341 und 342 aus Katowice als Heck-an-Heck-Traktion zum Einsatz. Bei den 111N handelt es sich um sechs, weitgehend auf den 105Na basierenden Fahrzeugen, mit zusätzlichen linkseitigen Türen, welche ausschließlich nach Katowice geliefert wurden. Erstaunlicherweise wurden die Fahrzeuge während ihres Aufenthaltes sogar im Krakauer blau/weiß lackiert.
Heute sind in Krakau nur noch rund 70 105Na im Einsatz, welche im großen und vielfältigen Wagenpark fast ein wenig untergehen.


Viel wurde an den Krakauer 105Na im Laufe der Jahre nicht verändert. So zeigen die letzten rund 70 Fahrzeuge noch heute die typischen Merkmale dieses Fahrzeugtyps.


Wie wenig sich an den 105Na während der Einsatzjahre verändert hat, illustriert die Aufnahme von 913 am 29. März 1992. Abgesehen von einer leicht abweichenden Lackierung und anderen Scheinwerfern, sind kaum Unterschiede zur vorherigen Aufnahme auszumachen.


Typisch für Krakau waren die Einsätze von fassungsstarken Dreifachtraktionen auf den stark frequentierten Linien. Zumindest im Jahr 2014 kamen die Dreifachtraktionen noch regulär zum Einsatz, wie am 5. Juni 2014 die 105Na 410, 411 und 412 auf der Linie 4. Heute sind die 105Na-Dreifachtraktion in Krakau nur noch in Ausnahmefällen anzutreffen.


Am 29. März 1992 biegt 105Na 883 als Linie 12 vom Innenstadtring ab. Heute braucht es für solch ungestörte Aufnahmen am Krakauer Ring aufgrund des massiv angestiegenen Autoverkehrs schon einiges an Ausdauer.


Gleiches gilt für die Aufnahme der Dreifachtraktion 105Na 811+812+813 neben dem Barbakan Krakowski am selben Tag.


Die 105Na Dreifachtraktion aus 833, 834 und 835 erreicht am 5. Juni den Innenstadtring an der Haltestelle Teatr Bagatela ebenfalls als Linie 4.


Auch auf der Linie 24 kamen an diesem Tag Dreifachtraktionen zum Einsatz. Ebenfalls auf dem Innenstadtring ist die Traktion aus 811, 812 und 813 am Teatr Słowackiego unterwegs.


In Gegenrichtung ist am Nachmittag desselben Tages der Zug aus 814, 815 und 816 im Einsatz.


105Na 255 erhielt im Jahr 2014 (noch als 445) versuchsweise ein neues dynamischeres Farbdesign. Es blieb jedoch beim Versuch und zwischen 2017 und 2018 wurde der Einzelgänger schließlich wieder in das klassiche weiß/blau zurückversetzt, welches die 105Na in Krakau seit jeher tragen.

Zusätzliche Quellen:

  • https://pl.wikipedia.org/wiki/Konstal_111N

Im nächsten Teil folgen dann die 105N(a) in den übrigen polnischen Regelspurbetrieben Posen, dem schlesischen Straßenbahnnetz, Stettin und Warschau.

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