Revival der Linie 10 in Braunschweig – Ein Linienportrait

Mit dem Fahrplanwechsel am 3. Oktober 2019 erlebte die Linie 10 bei der Braunschweiger Straßenbahn nach zwölf Jahren Pause ein Comeback. Schauen wir uns heute die Geschichte dieser Linie und den heutigen Fahrzeugeinsatz etwas genauer an.


Bereits im Braunschweiger Jahresrückblick 2019 hatte ich einige Worte zur neuen Verstärkerlinie 10 vom Hauptbahnhof zur Schleife Carl-Miele-Straße in Rühme verloren. Viele Aufnahmen waren allerdings in den damals nur gut zwei Monaten noch nicht entstanden. Nach nun rund fünf Monaten, hat sich nicht nur der Betrieb der neuen Linie weitgehend eingependelt, auch ist inzwischen eine recht ansehnliche Zahl an Aufnahmen entlang der knapp 8 km langen Strecke entstanden. Werfen wir heute also einen genaueren Blick auf Braunschweigs Linie 10 und blicken zunächst ein wenig in die Historie dieser Linie in der Löwenstadt zurück. Gleich zu Beginn eine Übersichtskarte der Linie 10 auf ihren verschiedenen Linienwegen im Verlauf der Jahre:


Die Geschichte der Linie 10 als Sonderlinie

Erstmals wurde die Linie 10 in Braunschweig im Jahr 2001 eingeführt. Dabei handelte es sich lediglich um eine Sonderlinie, welche nur an wenigen Tagen im Frühjahr während der Harz und Heide-Messe eingesetzt wurde. Bereits seit 1949 wurde diese in der Region größte Verbrauchermesse unter dem Namen „Zwischen Harz und Heide“ (später nur noch „Harz + Heide“) auf dem Messegelände der Löwenstadt veranstaltet. Die Veranstaltungslinie 10 verkehrte von der Schleife Richmond unweit des Messeeingang Süd an der Eisenbütteler Straße, zur Schleife am Stadion.
Von 1991 bis 2001 wurde diese Veranstaltungslinie noch als Linie A, vermutlich als Kürzel für „Ausstellungsgelände“ bezeichnet und endete stadtseitig in der Schleife am Radeklint.
Nachdem am 1. Januar 1996 in Braunschweig das neue Konzept der TwinLines eingeführt wurde, behielt die Linie zunächst noch das Kürzel A. Mit der ersten größeren Reform der TwinLines im Jahr 2001, wurde schließlich die 10 als neues Liniensignal eingeführt. Wohl aus recht pragmatischen Gründen wurde dabei die Ziffer 10 gewählt, waren doch die 1 bis 9 durch das linienreiche TwinLine-Konzept bereits vergeben. Die neue Linie 10 verkehrte an den wenigen Tagen im Frühjahr fortan zwischen dem Messegelände Süd und der Schleife am Stadion. Mindestens in einem der Jahre fuhren die Bahnen allerdings bis zur Schleife Daimlerstraße (heute: Carl-Miele-Straße) in Rühme weiter. Mit dem Ende der jährlichen Messe im Jahr 2007, war auch das Schicksal der Linie 10 nach gerade einmal sieben Jahren besiegelt.
Die 1956 gebaute Schleife Richmond und die kurze eingleisige Stichstrecke entlang der Eisenbütteler Straße, welche von der Wolfenbütteler Straße mit den heutigen Linien 1 und 2 abzweigt, wurde fortan nur noch von Sonderfahrten, allen voran den jährlichen Oster- und Nikolausfahrten genutzt. Wenige Jahre später wurde die Stichstrecke vom Netz genommen und zurückgebaut. Im Folgenden nun einige Aufnahmen der Linie A und der „alten“ Linie 10.


Auf die 26 Triebwagen vom Typ Mannheim kamen lediglich halb so viele Beiwagen, daher waren spätestens mit dem Ausscheiden der älteren DWM-Beiwagen zahlreiche Mannheimer GT6 ohne Beiwagen im Netz unterwegs. Erst mit der Inbetriebnahme der NGT8D ab 2007 und dem Ausscheiden der 73er und einiger 75er GT6 vom Typ Mannheim, wurden die Solo-Einsätze zur Seltenheit. So durchfährt am 5. Mai 1991 GT6 7759 ohne Beiwagen die Endschleife Richmond. Die Schleife Richmond wurde erst im Jahr 1956 in Betrieb genommen, um auf der damaligen Linie 1 Richmond-Siegriedstraße, die neuen Einrichtung-Großraumzüge einsetzen zu können. Zuvor endete die Linie stumpf neben der Eisenbütteler Straße. Mit der Eröffnung der neuen Stadtbahnstrecke in den Heidberg im Jahr 1970, wurde die Schleife Richmond allerdings für den Planverkehr überflüssig, da die nun auf der Wolfenbütteler Straße verkehrenden Bahnen, geradeaus weiter Richtung Heidberg fuhren.


Im Jahr 1991 wurde die Sonderlinie zur Harz und Heide Messe noch als A mit dem Ziel „Ausstellungsgelände“ bezeichnet. Am 5. Mai 1991 biegt GT6 7351 von der Wolfenbütteler Straße in die kurze Stichstrecke entlang der Eisenbütteler Straße zur Schleife Richmond unweit des Südeingangs des Messegeländes ab. Der Abzweig von der Strecke entlang der Wolfenbütteler Straße über Sachsendamm in den Heidberg, war lediglich eingleisig ausgeführt. Neben der Eisenbütteler Straße verlief die Strecke anschließend wieder zweigleiseig bis zur wenige hundert Meter entfernten Endschleife.


Die längste Zeit fuhr die Linie A und später die Linie 10 über die Haltestelle Leisewitzstraße in Richtung Innenstadt, da zwischen dem Hautpbahnhof und Bürgerpark noch keine Verbindungsstrecke bestand. Am 26. Mai 1992 verlässt GT6 7759 die Haltestelle Leisetwitzstraße Richtung Messegelände.


Auch 1999 wurde die Messelinie noch als A bezeichnet. Die Sonderlinie endete stadtseitig in der 1987 eröffneten Endschleife Radeklint. Die Strecke in den Norden Richtung Rühme hätte durch die Baustelle in der Mühlenpfordstraße ohnehin nicht befahren werden können. Vom großen Kino samt Parkhaus zwischen den Haltestellen Alte Waage und Radeklint an der Langen Straße, ist im Mai 1999 erst die Großbaustelle zu sehen.


Einer der markantesten Werbezüge war zu dieser Zeit der Mannheimer Zug aus GT6 7753 und B4 7775. Einfach gehalten und denoch auffällig und so gut wie keine verklebten Fenster – so könnten Ganzreklamen immer aussehen… Hier biegt der Zug am 28. Mai 1992 aus der Blockumfahrung der Endschleife Radeklint vom Inselwall auf die Celler Straße ein.


Nach der Fahrplananpassung im August 2001, wurde die Messelinie im Mai 2002 erstmals als Linie 10 bezeichnet und verkehrte zwischen Stadion und Messegelände. Am 1. Mai 2005 wartet das Braunschweiger „Hängebauchschwein“ GT6N 0051 in der Schleife am Messegelände auf Fahrgäste in Richtung Innenstadt.


Dank der 2004 eröffneten Verbindungsstrecke vom Hauptbahnhof zum Bürgerpark über die Haltestelle Heinrich-Büssing-Ring, konnte die Linie 10 seither das Messegelände über den Hauptbahnhof an die Innenstadt anbinden. Am 1. Mai 2005 befindet sich der LHB-Zug „Typ Braunschweig“ aus GT6 8472 und B4 8172 auf eben jener Verbindungsstrecke und verlässt die Haltestelle Heinrich-Büssing-Ring in Richtung Hauptbahnhof.


Auch GT6 7553 war an diesem Tag mit Beiwagen auf der Linie 10 im Einsatz und konnte vom Messegelände und Hauptbahnhof kommend, an der östlichen Haltestelle des J-.F.-Kennedy-Platz aufgenommen werden.


2006 fand die Messe erst Ende Mai statt und der Bohlweg zeigte sich im Zuge des Neubaus des Braunschweiger Schlosses als Großbaustelle. Die Straßenbahntrasse war allerdings schon fertiggestellt und so konnten am 26. Mai 2006 GT6 7555 und B4 7475 über den Bohlweg Richtung Messegelände rollen. Im darauffolgenden Jahr verkehrte die Linie 10 aufgrund der Einstellung der jährlichen Messe zum vorerst letzten Mal.


Die neue Linie 10 seit Oktober 2019

Die Linie 10 geriet damit zunächst in Vergessenheit, bis im Laufe des Jahres 2019 die Pläne der Liniennetzreform der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Vom Hauptbahnhof aus folgt die neue Linie 10 seither dem Verlauf der Linie 1 bis zur Zwischenschleife Carl-Miele-Straße im Norden der Stadt, drei Haltestellen vor der Endschleife der Linie 1 in Wenden. Seit dem 3. Oktober 2019 verkehrt die Linie von Montag bis Freitag an Schultagen alle 15 Minuten, während der Schulferien lediglich zweimal pro Stunde. Die Verstärkerlinie ergänzt die Linie 1 damit während der Schulzeit zu einem 5/10-Minuten Takt, im Abschnitt zwischen J.-F.-Kennedy-Platz und Gesundheitsamt ergibt sich schließlich zusätzlich mit der Linie 2 ein 5-Minuten-Takt.
Gewissermaßen „geprobt“ wurde dieses Konzept bereits im Frühjahr 2016, als während eines mehrmonatigen Baustellenfahrplans die Linie 1, statt dem damals üblichen 10-Minuten-Takt, nur alle 15 Minuten verkehrte und zu den Hauptverkehrszeiten von Einsatzwagen zwischen dem Hauptbahnhof und Rühme verstärkt wurden. Ein Bericht über diese Einsätze habe ich damals hier geschrieben: Umleiter und Verstärker in der Löwenstadt.

Zum Einsatz kommen auf der neuen Linie aktuell noch immer die letzten Hochflurfahrzeuge, von denen noch die vier Züge GT6+B4 „Typ Mannheim“ 7751+7771, 7755+7772, 7756+7776 und 7758+7775 im Einsatz stehen, sowie die beiden LHB GT6+B4 „Typ Braunschweig“ 8157+8175 und 8165+8471. Nicht selten sind vier oder gar alle fünf Kurse der 10 mit Hochflurwagen bestückt, obwohl nach Fahrplanauskunft zwei Niederflurkurse ausgewiesen werden.
Während der Schulferien werden die dann nur zwei benötigten Kurse von Niederflurwagen bedient, welche teilweise an der Endschleife Hauptbahnhof einen Linienwechsel zwischen der Linie 5 Broitzem-Hauptbahnhof und der Linie 10 vollziehen. Ein Konzept, welches wohl nach dem geplanten Ausscheiden der letzten Hochflurwagen im Verlauf des Jahres 2020 zur Regel werden könnte, um die derzeit langen Pausenzeiten der Linie 10 zu optimieren.
Fahren wir nach dem kleinen historischen Abriss nun mit der aktuellen Linie 10 von der Schleife Carl-Miele-Straße in Rühme zum Hauptbahnhof:


Bei ungemütlichem Herbstwetter verbringt der LHB-Zug „Typ Braunschweig“ aus GT6 8165 und B4 8471 am 29. November 2019 seine Pause in der Zwischenschleife Carl-Miele-Straße. Das kurze Sonnenfenster des Tages hatte sich bereits wieder verzogen, als ich mit einem Kurs der Linie 1 die Schleife erreichte.


Am bislang letzten Einsatztag der Hochflurzüge am 16. März 2020, erreicht der selbe Zug auf seiner abendliche Runde die Ankunftshaltestelle der Zwischenschleife. Tags darauf trat wegen geschlossener Schulen aufgrund der Corona-Krise der Ferienfahrplan in Kraft, bei dem die Linie 10 nur alle 30 Minuten und mit Niederflurwagen verkehrt. Wenige Tage später wurde das Angebot gar auf den Sonntagsfahrplan reduziert, sodass alle Straßenbahnlinien fortan nurmehr im 30-Minuten-Takt verkehren. Die Linie 10 verkehrt allerdings ebenfalls weiterhin im 30-Minuten-Takt, nachdem sie für einen(?) Tag vollständig eingestellt wurde, was in den Bahnen der Linie 1 zu deutlichen Engpässen führte.


Am Vormittag dieses vorerst letzten „Hochflurtages“ waren noch einmal alle 5 Kurse der Linie 10 mit Altwagen besetzt. Die Pausenzeiten in Rühme fallen für die vergleichsweise kurze Linie mit fast 15 Minuten sehr lang aus. So „schiebt“ der Zug aus GT6 7758 und B4 7775 am Abend den letzten farbreinen Mannheimer Zug in Gestalt von GT6 7751 und B4 7771 aus der heute völlig überdimensionierten Schleifenanlage.


Die ersten Fahrgäste steigen meist erst an der großen Umsteigeanlage Lincolnsiedlung in die Linie 10 ein. Hier schließen zwei Buslinien aus den nördlichen Stadtteilen und eine aus dem Landkreis Gifhorn an die Linie 1 und 10 an. Der zweite betriebsfähig verbliebene „Schuhkarton“ aus GT6 8157 und B4 8175 befindet sich zwischen den Haltestellen Lincolnsiedlung und Hansestraße Ost. Von 1973 bis 1986 endete die Strecke in den Norden Braunschweigs noch an der Haltestelle Lincolnsiedlung. Letzter verbliebener Zeuge ist das Abstellgleis im Hintergund, welches heute stumpf am Damm der A391 endet. 1987 wurde die Strecke schließlich unter der neuen A391 hindurch, gerade einmal 400 Meter zur Schleife Daimlerstraße (heute: Carl-Miele-Straße) verlängert und die Haltestelle Lincolsiedlung erhielt 1988 ihre markante Dachkonstruktion.


Direkt neben dem Autobahndamm findet sich auch heute noch keine Bebauung. Zwischen einem Autohändler und einem Wohnwageneinstellplatz, befindet sich eine große Freifläche kurz vor der Kreuzung mit der Hansestraße.


Eher selten fotografiert ist der Abschnitt ab der Haltestelle Hansestraße Ost, welcher ab der scharfen S-Kurve vor der Haltestelle Nordhoffstraße, immer parallel zur vierspurigen Gifhorner Straße verläuft. Mit der immensen Expansion der Finanzsparte von Volkswagen in den vergangenen 20 Jahren an ihrem heutigen Hauptsitz in Braunschweig, sind in den vergangenen Jahren durch diverse Neubauten allerdings auch hier interessante Motive entstanden. So etwa an der Haltestelle Schmalbachstraße: Noch vor wenigen Jahren stand von der langen Häuserzeile im Hintergrund lediglich das erste Gebäude. Der Zug aus GT6 8165 und B4 8471 hat die Schmalbachstraße überquert und folgt weiter dem Verlauf der Gifhorner Straße.


Anschließend wird das Eintracht-Stadion am Schwarzen Berg erreicht. Seit 1961 besteht am Stadion die große Wendeschleife. 1970 entstand schließlich mit der Verlängerung bis zur heutigen Haltestelle Hansestraße Ost, erstmals nach der großen Einstellungswelle wieder eine Linie in den Norden der Stadt. Im Jahr 2010 wurde die Haltestellenanlage am Stadion umfassend saniert und neu gestaltet. Im Innern der Gleisschleife befindet sich seither eine Wendeanlage für die Buslinien, wodurch ein ebenerdiger Umstieg am selben Bahnsteig von den hier endenden Anschlussbussen in die Linien 1 und 10 Richtung Innenstadt ermöglicht wird – wenn nicht gerade ein Hochflurkurs in Gestalt von GT6 7755 und B4 7772 daher kommt…


Am Stadion wird die Gifhorner Straße zur Hamburger Straße, in deren Mitte die Strecke recht unfotogen über Gesundheitsamt und Schützenplatz verläuft. Hinter der Haltestelle Schützenplatz verengt sich die Hamburger Straße, sodass sich die Strecke stadtauswärts die Fahrbahn mit dem MIV teilen muss. Bis 2014 verlief die Strecke hier noch in beide Richtungen auf der Fahrbahn und auch der Ausstieg an der ehemaligen Haltestelle Pressehaus am Abzweig in den Betriebshof „Hasenwinkel“ an der Hamburger Straße, erfolgte noch klassisch mitten auf der Straße. Der kleine Betriebshof an der Hamburger Straße wurde bereits vor einigen Jahren vom Netz genommen und diente zuvor auch nurmehr zur dauerhaften Abstellung von Fahrzeugen.
Von 2014 bis 2015 wurde der Abschnitt schließlich neu trassiert. Aufgrund von Platzmangel konnte allerdings nur das stadteinwärts führende Streckengleis auf eigenem Bahnkörper angelegt werden. Dies soll zu dem Kuriosum geführt haben, dass die Sanierung des kurzen Abschnittes mit zwei unterschiedlichen Fördersätzen vom Land bezuschusst wurde, da die Trassierung auf besonderem Bahnkörper stärker gefördert wird. An der ehemaligen Haltestelle Pressehaus entstand in Straßenmitte eine gänzlich neue Haltestelleninsel. Aufgrund des Umzuges der Braunschweiger Zeitung und dem damit zusammenhängenden Abriss des namensgebenden Pressehauses, heißt die Haltestelle heute Ludwigstraße.
Der Zug aus GT6 7751 und B4 7771 befindet sich gerade am Anfang der Engstelle. Das von der Hatestelle Ludwigstraße kommende Gegengleis teilt sich die Fahrbahn mit den Autos.


Am Vormittag bieten sich in diesem Abschnitt einige Motive mit den westlichen Häuserfronten an. Am 16. März 2020 passiert der Mannheimer-Zug 7755+7772 die Engstelle vor der Haltestelle Ludwigstraße. Später am Tag wurde der Zug gegen den GT6S 9556 getauscht, womit wenigstens einer der fünf Kurse der 10 mit einem Niederflurwagen bedient wurde.


An der Haltestelle Hamburger Straße lassen sich am Vormittag die Bahnen vor der Kulisse typischer Braunschweiger Nachkriegsbauten aufnehmen. Auf der anderen Seite befindet sich hier das große Stundentenwohnheim „Affenfelsen“ – einer der prägnantesten Bauten des Brutalismus in Braunschweig. Erst seit 1999 verläuft die Strecke an dieser Stelle durch die große S-Kurve Am Wendenwehr, womit das Ein- und Ausbiegen in Minimalradien auf den stark befahrenen Ring vermieden werden kann. Da die Planungen für die RegioStadtbahn im Jahr 1999 auf Hochtouren liefen, wurde beim Neubau auch das dritte Gleis verlegt. Die Pläne sind inzwischen seit fast zehn Jahren verworfen und so wurde bei der nach 20 Jahren anfallenden Sanierung der S-Kurve im Jahr 2019 das dritte Gleis entfernt. Die Haltestellenanlage Hamburger Straße wurde allerdings nicht saniert und so blieb hier für rund 100 Meter das dritte Gleis vorerst erhalten. GT6 7751 und B4 7771 überqueren am 16. März 2020 soeben das Ende des dritten Gleises in Richtung Mühlenpfordstraße.


Hinter der Haltestelle Mühlenpfordstraße verläuft die Strecke im Straßenplenum über die Okerbrücke und streift den Hauptcampus der TU-Braunschweig mit dem gläsernen Informatikgebäude und dem Architektenhochaus auf der rechten Seite. Ferienbedingt wurde die Linie 10 am 2. Januar 2020 von Niederflurwagen bedient. Da auch die Uni noch in der Weihnachtspause war, gelang die Aufnahme ohne das „zufahren“ eines Radfahrers, die hier ansonsten gern in dichtester Folge, noch mit dem abgehalftertsten Drahtesel, das Gelingen einer Aufnahme unbewusst verhindern… Gegen Mittag erreicht NTG8D 0759 die Okerbrücke.


Es folgt die Haltestelle Am Wendentor, bevor der Hagenmarkt erreicht wird. Der Abschnitt rund um die Haltestelle Am Wendentor wurde bis 2015 grundlegend saniert und mit Rasengleis und neuer Haltestellenanlage versehen. Am 5. Dezember 2019 erreicht der Mannheimer-Zug aus GT6 7758 und B4 7775 den Hagenmarkt.


Wir überspringen die Haltestellen Hagenmarkt und Rathaus und begeben uns zur Haltestelle Schloss, wo wir später am Tag auf den selben Zug treffen. Im Stehen ist die LED-Matrixanzeige gut ablesbar und offenbart eine EDV-Kuriosität: Der erste Strich des „H“ von „Hauptbahnhof“ ist in den Kasten für die Liniennummer gerutscht. Das Anzeigen von „1E“ – „Hauptbahnhof“, hat demgegenüber jahrelang problemlos funktioniert, sodass die zwei Zeichen im Nummernkasten eigentlich nicht das Problem sein können…


In Gegenrichtung gesehen treffen sich am Abend des 29. November 2019 zwei Kurse der Linie 10 mit den Zügen 7756+7776 und 8157+8175.


Weiter geht es vom Schloss über die bis 2017 umgestaltete Stobenstraße zur Haltestelle J.-F.-Kennedy-Platz. Nur in einem sehr kurzen Zeitfenster lässt sich am Morgen im Winter das Motiv mit der katholischen Kirche St.Ägidien und der davorstehenden Fachwerkzeile umsetzen. Ein Motiv, welches für eine bessere Umsetzung mit der Linie 10 noch auf längere Tage wartet…


Am 20. Dezember 2019 wurden zwei Kurse der Linie 10 mit Traminos bedient. Tramino 1468 erreicht in der Stobenstraße gleich die Haltestelle J.-F.-Kennedy-Platz. In Richtung Bohlweg hat sich derweil ein beträchtlicher Stau gebildet, dieser Tage ein ungewohter Anblick…


Aus der Gegenrichtung kommt am 16. März 2020 der Mannheimer-Zug aus GT6 7751 und 7771 die Kurt-Schumacher-Straße zum J.-F.-Kennedy-Platz entlang geeilt. In Fahrtrichtung links neben dem Zug befindet sich die Parkanlage am Löwenwall mit dem markanten Obelisken. Zu Fuß gelangt man auf diesem Wege in wenigen Minuten zu den Linien 4 und 5 im Magniviertel hinüber.


Der zweite Tramino am 20. Dezember 2019 war 1461. Hier kommt er die Kurt-Schumacher-Straße zum Hauptbahnhof hinab gerast. Aus heutiger Sicht wirkt die Kurt-Schumacher-Straße mit ihren teilweise sechs Spuren mehr als überdimensioniert und ist selbst zu den Hauptverkehrszeiten nicht ansatzweise an ihrer Kapazitätsgrenze. Beim Bau des neuen Hauptbahnhofes Ende der 50er Jahre plante man für die autogerechte Stadt allerdings mit deutlich mehr Verkehr. Immerhin sicherte der Neubau des Hauptbahnhofes damals wohl der Braunschweiger Straßenbahn das Überleben, da ein Vertrag mit der Bundesbahn die Anbindung des Bahnhofes per Straßenbahn vorsah und somit in eine neue Stadtbahnstrecke zum neuen Hauptbahnhof investiert wurde, während gleichzeitig zahlreiche bestehende Straßenbahnstrecken eingestellt wurden.


Der Vorplatz des Hauptbahnhofes präsentiert sich ab dem Frühling das ganze Jahr über in unterschiedlicher Blütenpracht. Am 16. März 2019 bildet ein Osterglockenmeer den Vordergrund für GT6 8157 mit B4 8175 vor der Kulisse des BraWoPark.


Weihnachtlich illuminiert zeigt sich am 29. November 2019 der 1960 eröffnete Braunschweiger Hauptbahnhof. Der LHB-Zug aus GT6 8165 und B4 8471 bricht zu einer neuen Runde nach Rühme auf.


Unter dem Haltestellendach am Hauptbahnhof treffen sich als Linie 10 kurz zuvor der LHB-Zug 8165+8471 und der Tramino 1456.


Im letzten Büchsenlicht verlässt der LHB-Zug 8157+8175 am 16. Januar 2020 die Haltestelle Hauptbahnhof in die Wendeschleife.


Am 21. Februar 2020 pausiert der Tramino 1460 in der Schleife am Hauptbahnhof und wird gleich zu einer weiteren Runde nach Rühme aufbrechen. Sollte die Linie 10 als Verstärkerlinie Bestand haben, dann wird so wohl ihre baldige Zukunft aussehen. Zudem könnte hier in der Schleife am Hauptbahnhof ein Linienwechsel zwischen den Linien 5 und 10 stattfinden, um die derzeit langen Pausenzeiten der 10 zu optimieren. Praktiziert wurde dies teilweise bereits in den Schulferien, wenn die Linie 10 niederflurig fährt und die Fahrzeuge somit problemlos auf die 5 übergehen können.

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