Das Fotojahr 2020 – Januar bis Juni

Noch zu Anfang des Jahres schien den meisten unvorstellbar, was ab März unser aller Leben verändern sollte: Eine globale Pandemie zwang uns über viele Wochen in einen so noch nicht erlebten Stillstand von Wirtschaft und Gesellschaft. So war dann auch mein persönliches Fotojahr von dem geprägt, was eben trotz Corona möglich war – alle ursprünglich geplanten Reisen für das erste Halbjahr wurden über den Haufen geworfen. In diesem ersten Teil blicken wir zurück auf die Monate Januar bis Juni, in welchen trotz der ersten Hochphase der Pandemie in Deutschland, einiges möglich war, wenn auch nur in eingeschränktem Radius…


Geprägt war das erste Halbjahr 2020 zunächst von Fotoaktivitäten im engsten Radius vor der eigenen Haustür. Schon der innerdeutsche Landesübertritt war nicht mehr ohne weiteres für Tagesausflüge gestattet. Ab Mai konnten dann bereits wieder erste Tagesausflüge zu den umliegenden Straßenbahnbetrieben gestartet werden, bevor schließlich im Juni eine Art „Reisesaison-light“ eingeläutet wurde, mit einem Kurzurlaub in Sachsen Anfang des Monats und schließlich dem einzigen „richtigen“ Urlaub des Jahres mit einer Woche Rhein-Neckar und einer Woche Schweiz über den Monatswechsel Juni/Juli. Beginnen wir aber zunächst mit dem Januar, als wohl noch niemand ahnte, was dort wirklich auf die Welt zurollte…

Wie gewohnt werde ich an den entsprechenden Stellen auf die umfangreichen Berichte und Artikel aus diesem Jahr verlinken.


Januar

Der Januar war noch völlig Corona-frei, stellte dann bei mir allerdings auch nicht den klassischen Reisemonat dar, sodass es neben einigen Aufnahmen vor der Haustür, nur noch zu einem Besuch in der Nachbarstadt Hannover kam. Ansonsten luden die kurzen Tage, gepaart mit dem weitestgehend in Norddeutschland ausgefallenem Winter und recht knapper Zeit, nicht zu großen Aktivitäten ein.


Bereits am 2. Januar startete das Fotojahr 2020 mit einer kleinen vormittäglichen Fototour durch die Löwenstadt. Nach wie vor kamen auf der Linie 1 zwei der NGT8D+B4 Beiwagengespanne zum Einsatz. NGT8D 0758 mit B4 7472 konnten zwischen Mühlenpfordstraße und Am Wendentor neben dem Informatikanbau des Architektenhochhauses der TU aufgenommen werden. Die leergefegte Straße ist zu dieser Zeit im Jahr noch der günstigen Ampelphase und den Semesterferien geschuldet – das sollte sich bald ändern…


Eine gewisse Tradition hat zu Beginn des Jahres inzwischen der Besuch der Landeshauptstadt, einfach weil man eben mal spontan in einer Stunde mit dem RE rübersausen kann, wenn das Wetter gerade passt. Mein besonderes Interesse galt dabei in den letzten Jahren dem letzten größeren, klassischen „Straßenbahnabschnitt“ der Stadtbahn im Stadtteil Linden. Dort kommen auch fast ausschließlich die im Normalfall lindtgrünen TW6000 zum Einsatz, wodurch später im Jahr der Artikel Lindgrün durch Linden – Hannovers schönster Straßenbahnabschnitt entstand. Am 17. Januar 2020 schien die Sonne am frühen Nachmittag für ein Stündchen perfekt in die Häuserschlucht hinter der Haltestelle Schwarzer Bär in das quirlige Viertel und konnte mit Tw 6226 aufgenommen werden.


Februar

Im Februar lud das Wetter größtenteils mal so gar nicht zum Fotografieren ein, was angesichts weiterhin knapper Zeit aber zu keinen größeren Entzugserscheinungen führte. Einzig nennenswerte Fotoaktivität war ein spontaner Ausflug in den Harz, als das Harzkamel 199 861-6 für über eine Woche als Triebwagenersatz vor dem Langläufer von Nordhausen nach Quedlinburg zum Einsatz kam. Am 19. Februar konnte ich spontan einen der wenigen Tage mit nicht völlig katastrophaler Wetterprognose für eine Begleitfahrt von Nordhausen nach Quedlinburg nutzen, wobei schlussendlich eine ganz zufriedenstellende Ausbeute heraussprang. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste war, dass dieser Ausflug für viele Monate der letzte Besuch bei der HSB werden sollte, nachdem Ende März der Betrieb, abgesehen vom Abschnitt Nordhausen – Ilfeld, bis in den Frühsommer hinein eingestellt wurde.


Auf der Rückfahrt von Quedlinburg nach Nordhausen gelang kurz vor Quarmbeck eine Sonnenaufnahme des ungewöhnlichen Gespanns. Anders als in den vergangenen Jahren, kam es in diesem Jahr vermehrt zu Ersatzfahrten mit dem Harzkamel im Selketal, nachdem die Fahrzeuge in den vergangenen Jahren hauptsächlich für Dampfleistungen auf der Querbahn und im Brockenverkehr eingesprungen waren. Ein Bericht zum Einsatz der 199 861-1 zwischen Nordhausen und Quedlinburg findet sich hier: Mit dem Harzkamel als Triebwagenersatz von Nordhausen bis Quedlinburg.


März

Im März erreichte die Corona-Welle dann auch Deutschland mit voller Wucht und spätestens nach dem Wochenende über den 14. und 15. März fiel das ganze Land in einen nie dagewesenen Stillstand, was das wirtschaftliche und soziale Leben anging.

Auch die Straßenbahn in Braunschweig kündigte an jenem Wochenende weitgehende Einschränkungen des Verkehrs an, welche im Laufe der Woche noch deutlich verschärft werden sollten, sodass fortan nur noch eine 30-Minuten-Grundversorgung auf allen Linien bestand. Trotz Schulschließungen verkehrten am Montag den 16. März kurioserweise nochmals alle Linien nach Regelfahrplan, sodass ein letztes Mal alle betriebsfähig verbliebenen Hochflurfahrzeuge zum Einsatz kamen. Mit der Lieferung der zweiten Serie Tramino’s und der ungewissen Wiederaufnahme des Regelbetriebes, machte ich mich an diesem 16. März zu einigen vorsorglichen Abschiedsaufnahmen der LHB-Züge entlang der Linie 10 auf.

Der weitere März war dann geprägt von weitgehender fotografischer Tatenlosigkeit angesichts der depressiven Gesamtsituation.


Am Abend des 16. März erreicht der LHB-Zug aus GT6 8165 und B4 8471 die Endhaltestelle der Linie 10 im Norden der Stadt in der Zwischenschleife Carl-Miele-Straße. Mehr als ungewiss war an diesem letzten Tag vor dem Herunterfahren des Straßenbahnbetriebes die Zukunft der Hochflurzüge. Im Frühsommer sollten dann mit Ausnahme eines „Mannheimers“ doch alle Züge wieder ausrücken.


April

Erst Anfang April raffte ich mich wieder auf. Denn irgendwie war diese Situation ja doch einmalig und bot ebenso fotografisch einmalige Möglichkeiten. So machte ich mich zu teils stundenlangen Spaziergängen durch die ausgestorbenen Straßen der Stadt auf. Das Ganze wirkte schon sehr surreal – wie ein niemals endender Sonntag. Wobei bei dem herrlichen Wetter, das sich fast den ganzen April über Norddeutschland hielt, selbst an einem Sonntag mehr losgewesen wäre, als jetzt in der „Rush-Hour“ mitten in der Woche. Wo sonst dicke Luft hing und sich Automassen von Ampel zu Ampel schoben, hätte man diese nun auch einfach abschalten können, ohne dass es zu nennenswerten Zwischenfällen gekommen wäre. Wo zu dieser Zeit sonst die Cafés und Restaurants ihre Tische auf den Plätzen verteilten und Menschenmassen fröhlich quatschend die ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres genossen, herrschte gähnende Leere…


Ein Montagnachmittag zur Rush-Hour auf der Langen Straße zwischen Hagenmarkt und Alte Waage. Hier klappt sonst selbst am Sonntag von zehn Versuchen keine einzige Aufnahme ohne störende Autos. Am 6. April 2020 hätte ich mich für das Foto sogar mitten auf die Straße stellen können, als NGT8D 0762 als Linie 4 Richtung Radeklint durchkam.


Die Löwenstadt ist in den Tiefschlaf gefallen. Nur alle 30 Minuten stört eine Bahn der Linie 1 die eigenartige Ruhe am Wendentor.


Die vielen freien Stunden gepaart mit dem herrlichen Wetter und dem arg eingeschränkten Aktionsradius, trieben mich sogar mal wieder an eine Regelspurstrecke. Genauer an die Dieselstrecke von Wolfenbüttel nach Schöppenstedt, wo in der sanften Hügellandschaft die Rapsfelder in voller Pracht blühten. VT 648 265 konnte am frühen Abend bei Dettum auf dem Weg nach Schöppenstedt aufgenommen werden.


Ein kleiner Spaziergang auf die andere Seite der Strecke bis zur Rückkehr des Triebwagens ging sich zeitlich gut aus und so konnte der VT 648 265 auf der Rückfahrt Richtung Braunschweig erneut aufgenommen werden.


Auf dem Rückweg nach Braunschweig fuhr mir dann zufällig der zweite Hängerzug aus NGT8D 0757 und B4 7471 über den Weg. Während des Coronafahrplans gelangten die beiden Züge nach über einem Jahrzehnt mal wieder planmäßig auf die Linie 3 in die Weststadt. Am Alsterplatz erwartete ich den Zug im letzten Sonnenspot.


Am Klassiker bei Bechtsbüttel an der Mühlenbahn stand in diesem Jahr mal wieder ein Rapsfeld, sodass ich am Nachmittag des 20. April einen VT 622 des Erixx auf dem Weg nach Gifhorn abwartete.


Nach Wochen des nahezu ununterbrochenen Sonnenscheins, gab es am Mittwoch den 28. April endlich den lang ersehnten Regen. Es war praktisch zu greifen, wie die Umwelt nach der extremen Trockenheit des Frühlings an diesem Abend aufatmete. Die Straßen der Innenstadt waren derweil noch leerer als ohnehin schon, denn außer einem abendlichen Spaziergang war nach 20 Uhr in der neuen Realität nicht mehr viel anzustellen. Und wer geht schon bei so einem Wetter spazieren? So war ich fast der einzige Mensch in der gesamten Innenstadt und nahm das Gespann aus NGT8D 0757 und B4 7471 in einer so noch nicht dagewesenen, gespenstischen Leere auf.


Mai

Mit dem April war das ärgste zunächst einmal überstanden und über den Mai und Juni normalisierte sich die Situation in Deutschland ein Stück weit wieder, hin zu einer neuen Realität, die zwar noch nichts mit früheren Selbstverständlichkeiten zu tun hatte, aber zumindest wieder ein wenig Freiheiten zurückgab. Die zum Jahreswechsel für den April geplanten Reisen nach Italien und ins Baltikum waren der Pandemie zum Opfer gefallen und an große Reisen war auch weiterhin nicht zu denken. Derartiges darf dann allerdings in einer Zeit, die viele Mitmenschen an den Rand ihrer wirtschaftlichen Existens oder darüber hinaus brachte, durchaus unter dem Wort „Luxusproblem“ verbucht werden.

Ich fand mich mit der neuen Situation ab und versuchte einfach das Beste daraus zu machen. So nutzte ich den Mai für zahlreiche Tagesausflüge in die nicht allzuweite Umgebung, eben alles, was im Rahmen von gut zwei Stunden erreichbar ist. Abgesehen von Sachsen-Anhalt, war das auch unter Einhaltung der noch geltenden Notverordnungen möglich – und was soll man schon in Sachsen-Anhalt, wenn die Harzer Schmalspurbahnen nicht fahren 😉

In Braunschweig war derweil im Mai der erste Einsatz des Tramino II zu vermerken, welcher bereits 2019 geliefert wurde und seither wie üblich in der Inbetriebnahme festhing.


Anfang Mai kam mir nach sechs Wochen Notverordnungen schon die Nachbarstadt Hannover wie die weite Welt vor. Den 5. Mai nutzte ich für einige lindgrüne Ergänzungen entlang der Linie 9 vom Fasanenkrug nach Empelde. Der Verband aus TW 6233 und 6216 erreicht gegen Mittag die Haltestelle Stadtfriedhof Bothfeld, die sich noch im Flair vergangener Tage präsentiert.


Am 6. Mai ging mit Tramino 1951 erstmals einer der neuen Tramino II auf Linie. Zwei Tage später passte ich den Neuling auf der Linie 3 auf der Okerbrücke am botanischen Garten ab. Mehr zum neuen Tramino II gibt es hier: Straßenbahn Braunschweig: Erster Tramino II im Liniendienst und hier: Einen 50-Tonner auf die Schiene bringen – Anlieferung Tramino II 1952 in Braunschweig


Am 9. Mai wagte ich dann erstmals den Sprung über die „Grenze“ Niedersachsens nach NRW. Mit einer weiteren Lieferung der VAMOS-Stadtbahnwagen, werden die verbliebenen Düwag M8C in den kommenden Jahren zum Großteil aus dem Betrieb in Bielefeld ausscheiden, was die Stadt schon seit längerem wieder auf der To-Do-Liste erscheinen ließ. Am Klassiker bei den Dürkoppwerken treffen sich am späten Nachmittag zwei M8C-Traktionen auf der Linie 3. Einen umfangreichen Bericht von diesem Tag in Bielefeld gibt es hier: Zu Besuch bei den Bielefelder M8C.


Schon lange auf dem Zettel stand auch die RegioTram Kassel rund um Zierenberg. Obwohl als Tagesausflug gut erreichbar, war dieses Vorhaben in den vergangenen Jahren immer anderen Zielen zum Opfer gefallen. Am Morgen des 15. Mai fand ich mich dann doch endlich mal an der RT4 von Kassel nach Wolfhagen ein. Hier ein Suchbild mit den Resten der Rapsfelder zwischen Oberelsungen und Zierenberg. Die gesamte Fotosession an der RegioTram ist hier zu finden: Die Hybrid RegioTram rund um Zierenberg.


Den Nachmittag spazierte ich dann die Straßenbahnlinien im Westen Kassels rund um Wilhelmshöher Allee und Herkules entlang. RBK NGT8D 635 lichtete ich auf der Friedrich-Ebert-Straße ab, die an der gleichnamigen Haltestelle von der Wintershall-Firmenzentrale dominiert wird. Wintershall ist der größte deutsche Erdöl- und Erdgasproduzent und fusionierte 2019 mit DEA. Nach dem 2. Weltkrieg entstand die neue Firmenzentrale an der Friedrich-Ebert-Straße ab 1956 und war zum damaligen Zeitpunkt mit 46 Metern das höchste Gebäude der Stadt. Den gesamten Bilderbogen dieses Nachmittages gibt es hier: Im Schatten des Herkules – Tramspaziergang durch Kassels Westen.


Zwischendurch gab’s immer mal wieder Aufnahmen in Braunschweig. Ende Mai endete auch der Corona-Fahrplan und die Hochflurer durften wieder auf Linie. Der Mannheimer GT6 7752 rückt am Abend des 25. Mai 2020 über die Leonhardstraße ins Depot am Hauptgüterbahnhof ein.


Auch Potsdam ist eines dieser Ziele, das in den vergangenen Jahren etwas vernachlässigt wurde. Dabei bieten Stadt und Straßenbahn zahlreiche Motive und einen abwechslungsreichen Wagenpark. Auch die modernisierten KT4D sind noch immer unverzichtbar. Am 26. Mai verlässt das Doppel aus KT4DC 161 und 159 die Haltestelle Alter Markt/Landtag. Den Bildbericht zu Potsdam gibt es hier: Zwischen Tatras und Schlössern – KT4D und Sightseeing in Potsdam.


Nur zwei Tage später schwang ich mich am 28. Mai abermals auf die A2 und radelte anschließend rund 100km entlang der drei kleinen Straßenbahnbetriebe in Berlins Osten: Schöneiche-Rüdersdorf, Woltersdorf und Straußberg. In beachtlichem Tempo jagen die kleinen Wägelchen vom S-Bahnhof Rahnsdorf rund zwei Kilometer schnurgeradeaus durch den Forst nach Woltersdorf. Das Ganze wirkt doch irgendwie immer etwas skurril und ein Grinsen lässt sich kaum unterdrücken, wenn man den Wagen schon von Fern bei nicht unbeträchtlichem heulen durch den Wald schaukeln sieht…


In Strausberg hatte ich an diesem Tag Glück, hatte ich doch auf den Einsatz des mir noch fehlenden KT8D5.RN2S 22 gehofft. Ursprünglich wurde das Fahrzeug als KT8D5 für Košice gebaut und 1995 gemeinsam mit zwei weiteren Wagen übernommen. Während die Fahrzeuge 21 und 23 nach dem Eintreffen der beiden Flexity’s 2014 nach Prag abgegeben wurden und dort nach ihrer Modernisierung ebenfalls noch heute im Einsatz stehen, kam 22 nach seiner Modernisierung aus Prag zurück nach Strausberg und kommt seither zum Einsatz, wenn sich einer der Flexity’s in der Werkstatt befindet. An der Endhaltestelle Lustgarten wartete der Wagen am Nachmittag wunderbar im Licht, sodass in Ruhe abgewartet werden konnte, bis die Massen an Pendlern sich mit ihren Karossen durch Strausberg geschoben hatten und die Ampelschaltung einen ungestörten Blick auf den Wagen zuließ.


Ebenfalls auf der Fehlliste standen die drei neuen Niederflurer auf der SRS. Seit 2019 kommen bei der SRS mit den zwei ForCity Smart Artic 51 und 52 von Transtech erstmals moderne Niederflurwagen zum Einsatz. Die zwei aus Helsinki übernommenen Fahrzeuge wurden 2013 gebaut und waren die Prototypen der anschließend an die finnische Hauptstadt gelieferte Fahrzeugserie. Aufgrund der Unterschiede der Serie konnte Schöneiche die beiden jungen gebrauchten Fahrzeuge aus Helsinki erwerben und seinem Wagenpark damit einen lange überfälligen Modernisierungsschub verpassen. Gemeinsam mit den vier zwischen 2009 und 2014 aus Cottbus übernommenen KTNF6 26-29, von denen letzterer einen Umweg über das ungarische Szeged nahm, kann seither der gesamte Fahrplan mit Niederflurwagen gefahren werden.
Anfang 2020 folgte den beiden Artic Trams schließlich ein drittes Fahrzeug des in der Zwischenzeit von Skoda übernommenen Transtech. Der Wagen mit der Nummer 53 ist damit nach über 90 Jahren das erste Neufahrzeug der SRS und ermöglicht endgültig den vollständigen Verzicht auf die Düwag GT6 im Planbetrieb.
Den gesamten Bericht über die drei kleinen Betriebe gibt es hier: Vor den Toren Berlins: Schöneiche, Woltersdorf und Strausberg.


Juni

Mit dem Juni begann schließlich Corona-mäßig die recht unbeschwerte Phase des Jahres bis in den September. Da meine freie Zeit ab August recht schmal bemessen sein sollte, nutzte ich direkt mit den ersten Öffnungen den Juni und Juli für den überfälligen Urlaub. Da die Außengrenzen erst im Verlauf des Junis wieder uneingeschränkt geöffnet wurden, verbrachte ich Anfang Juni einige Tage in Sachsen in der Nähe von Chemnitz und widmete mich den dortigen Straßenbahnbetrieben von Zwickau, Plauen und Chemnitz selbst. Die An- und Abreise führte mich zudem noch zur Weißeritztalbahn und nach Gera und Naumburg. Den gesamten Reisebericht zu diesen sechs Tagen nach Pfingsten gibt es hier: Reisebericht: Sachsen nach Pfingsten.


Eigentliches Ziel während des Zweizugbetriebes auf der Weißeritztalbahn am Pfingstmontag war der „neue“ Streckenabschnitt nach Kipsdorf. So richtig warm wurde ich mit dem wiedererrichteten Abschnitt aber auch dieses Jahr nicht und so entstand die schönste Aufnahme wiedermal am unteren Streckenteil. 99 1793-1 hat als letzter „Bergfahrer“ um kurz nach fünf Hainsberg verlassen und überquert die Weißeritzbrücke neben der Hauptstrecke zum Haltepunkt Coßmannsdorf.


Bevor ich nach dem Besuch der Weißeritztalbahn meine Ferienwohnung wenige Kilometer von Stollberg entfernt bezog, machte ich eben dort noch einen kurzen Abstecher an die Regional-Stadtbahnlinie C11. Zwischen Niederdorf und Paffenhain kam Variobahn 413 im schönsten Abendlicht durch.


Am nächsten Tag ging es gleich mit Chemnitz weiter: Im Stadtnetz waren für mich die 14 Skoda ForCity Classic neu. Wagen 911 fuhr mir unweit der Haltestelle Gustav-Freytag-Straße vor die Linse.


Auch zwei letzte Tatraverbände waren in Chemnitz noch im Einsatz. Auf dem Umlauf der miteinander verknüpften Linien 1 und 2 lief die Traktion aus T3D-M 515 und 516, hier hinter der Haltestelle Annenstraße Richtung Bernsdorf.


Am Nachmittag ging es wieder an die Regionallinien. Von der parallelen Autobrücke bietet sich am Ortsrand von Braunsdorf am Nachmittag ein wunderbarer Blick auf die Bahnbrücke über die Zschoppau. CityLink 439 überquert als C15 im dieselelektrischen Betrieb die Brücke Richtung Niederwiesa.


Als nächstes Stand Zwickau mit seinen nach wie vor unverzichtbaren KT4D auf dem Programm. Am Morgen des 3. Juni biegt die Traktion aus KT4D 949 und 940 kurz nach Verlassen der Haltestelle Neumarkt auf die kurze Grünstrecke neben dem Schuhmannplatz ein.


Am 5. Juni ging es nach Plauen. Das kompakte Netz bietet eine erstaunliche Vielfalt und Anzahl an Motiven und ist nach wie vor eine KT4D Hochburg. Ein besonderes Ambiente bietet die acht-förmige Blockumfahrung in Preißelpöhl, hier mit KT4D 231.


Bei sehr wechselhaftem Wetter verbrachte ich auf der Rückfahrt am 6. Juni einige Stunden in Gera. Auf der Linie 3 nach Lusan nahm ich mir die Traktionen aus KTNF8 und KT4DMC vor und hatte dabei mehrmals erstaunliches Sonnenglück. Unweit der Haltestelle Schenkendorfstraße erwischte ich KTNF8 348 und KT4DMC 303.


In Naumburg wollte ich mir eigentlich die beiden für mich noch neuen Endhaltestellen der ehemaligen Ringbahn ansehen. Aber allein schon für den wunderbar in der Sonne geparkten Lindner Tw 17 hatte sich der kleine Umweg mehr als gelohnt. 1977 wurde das Fahrzeug aus Halle übernommen und nach einigen Jahren als Arbeitswagen verwendet. So überdauerte der Wagen die Zeit bis in die 90er und konnte schließlich bis 2016 aufgearbeitet werden.

Über den Monatswechsel stand dann der einzige richtige Urlaub des Jahres an: Nach einer Woche rund um Rhein und Neckar bei den dortigen Straßenbahnbetrieben, ging es im Anschluss Anfang Juli für eine Woche in die Zentralschweiz. Dort wird dann der zweite Teil des Jahresrückblickes anschließen. Die Berichte zum ersten Teil zwischen Heidelberg, Weinheim, Mannheim und Ludwigshafen gibt es hier: 5 Tage zwischen Rhein und Neckar.


Kurz vor dem Ziel Weinheim wurde noch eine Pause an der Überlandstrecke der Darmstädter Straßenbahn nach Alsbach eingelegt. In Seeheim am Neuen Rathaus begegnete mir das Gespann aus 9869 und 9440.


Zu dieser Zeit sollte an Samstagen ganztägig ein GT8(K)-Doppel auf der OEG im Einsatz sein. So ganz trauten wir der Sache nicht, doch am Abend des 20. Juni kam dann tatsächlich der Zug aus 4113 und 4114 zwischen Weinheim und Viernheim durch.


Der Edinger Wasserturm war in den fünf Tagen immer mal wieder Anlaufstelle. Gleich am ersten Abend konnte dort der RNV6 5761 aufgenommen werden.


Am Abend des folgenden Sonntages den 21. Juni, ging es aus Mannheim mit dem Rad entlang der ehemaligen OEG-Strecke nach Heddesheim zurück nach Weinheim. Kurz nach Abfahrt in Heddesheim nahm ich 6MGT 5439 in den üppigen Kornfeldern auf.


Der 22. Juni wurde in Heidelberg verbracht. Schwerpunkt waren die beiden von den M8C-NF und MGT6D bedienten Linien 22 und 26. Am Abend konnte MGT6D in der weitgehend eingleisigen Ortsdurchfahrt Eppelheim am Mitov-Klassiker mit dem Wasserturm aufgenommen werden.


Natürlich konnte ich auch den reaktivierten ET6+EB6-Gespannen der ehemaligen Rhein-Haardt-Bahn nicht widerstehen. Die teils 60 Jahre alten Fahrzeuge wurden zum Anfang des Jahres für den Einsatz als HVZ-Verstärker nach jahrelanger Abstellung reaktiviert. Besonderes Highlight war dabei im Sommer die morgendliche Runde einer der Kurse auf seiner alten Stammstrecke nach Bad Dürkheim. Am frühen Morgen des 23. Juni fand ich mich für diese Fahrt in Friedelsheim ein und lichtete den Zug aus ET 1018 und EB 1058 auf dem Rückweg nach Ludwigshafen ab.


Am Abend Schloss sich die große Runde mit dem Rad wieder an der Strecke nach Bad Dürkheim. Um kurz nach 20 Uhr nahm ich den RNV8 5716 zwischen Ellerstadt und Gönnheim in den Weingütern auf.


Von Sonnenaufgang bis -Untergang lässt es sich an dieser Überlandstrecke fotografieren. Im allerletzten Sonnenstrahl kommt 6MGT 2213 in Friedelsheim nach Ludwigshafen durch.


Auch die morgendlichen GT8(K)-Verstärker auf der OEG wurden mehrmals ins Visier genommen. Rund um Edingen bieten sich dabei die letzten klassischen Landschaftsabschnitte entlang der großen Rudfahrt, hier am 24. Juni mit den GT8 4100 und GT8K 4115 unweit der Station Edingen West.


Auf der Weiterfahrt zum Bodensee am 26. Juni legte ich einen Schwenk über Freiburg ein, um mir dort die neue Innenstadtquerung anzusehen. Am neuen Theater-Motiv nahm ich nach heftigen Regenschauern den GT8D 249 schon wieder bei Sonnenschein auf.

Nach einem bahnfotofreien Wochenende am Bodensee, ging es für mich am 29. Juni weiter in die Schweiz. Davon erzählt dann aber die zweite Hälfte des Jahresrückblickes…

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