Typenportrait/Straßenbahnen im Exil: Die Würzburger Duewag-Geschichte von Hagen bis Arad

Schon mit der Lieferung der 20 GT-N im Jahr 1996 und der Takt-Umstellung 2008 konnten die Duewag GT8 in Würzburg “eigentlich” weitgehend abgelöst werden. Doch fast 15 Jahre halten sich die letzten der Fahrzeuge nun schon mit morgendlichen Verstärkerfahrten am Leben und geben immer wieder Anlass, zu unmenschlichen Uhrzeiten Richtung Würzburg aufzubrechen um die Frühspitze mitzunehmen. Schon ab dem nächsten Jahr könnte mit der Anlieferung der ersten neuen Niederflurwagen diese Geschichte allmählich zu Ende gehen. Zeit, einmal auf die abwechslungsreiche Duewag-Geschichte in Würzburg zurückzublicken.


Ein Besuch am Bodensee über das Wochenende des 16. und 17. Juni bot die Möglichkeit, am Freitag den 15. Juni 2022 wiedermal die berüchtigte “Frühspitze” in Würzburg mitzunehmen, seit nun schon einem Vierteljahrhundert das letzte sichere Rückzugsgebiet der Würzburger GT8 von Duewag. Den aktuellen Bericht zu diesen Einsätzen in der Frühspitze gab es vor einer Woche hier:
Außerhalb der Frühspitze gibt es darüber hinaus nur am frühen Nachmittag drei weitere Verstärkerfahrten auf denen auch recht häufig Hochflurer eingesetzt werden, allerdings nicht immer. Ursprünglich von 2022 bis 2024 angekündigt, könnte die Auslieferung der neuen Niederflurwagen von HeiterBlick nun schon zeitnah beginnen und der Ära der Duewags in Würzburg auf ihrem letzten Rückzugsgebiet ein baldiges Ende setzten. Zusammen mit dem Besuch im Juli 2022 also Grund genug, die abwechslungsreiche, 1967 begonnene Geschichte der Duewag-Gelenkwagen in Würzburg, mit ihren weiteren vier Kapiteln in Hagen, Arad und Grudziądz und Łódź, einmal genauer zu beleuchten.


1967-1968: Die ersten Duewag GT6 für Würzburg (GTW-D6 231-240)

Die ersten Duewag-Gelenkwagen erreichten Würzburg in den Jahren 1967 und 1968. Insgesamt zehn sechsachsige Einrichtungsfahrzeuge mit den Nummern 231 bis 240 wurden in Dienst gestellt. Bis dahin war der Betrieb in Würzburg noch von Zweiachsern aus der Vorkriegszeit geprägt und hoffnungslos überaltert. Die modernsten Fahrzeuge waren die zwölf in den Jahren 1959 bis 1964 in eigener Werkstatt mit Wagenkästen von Credé auf alten MAN-Zweiachsfahrgestellen aus den Jahren 1926-1928 neu aufgebauten, dreiteiligen, vierachsigen Gelenkwagen mit kurzem, schwebenden Mittelteil. Diese als Typ C bezeichneten Fahrzeuge waren im Grunde schon zu ihrer Inbetriebnahme technisch und konstruktiv veraltet. Schon 1975 bis 1976 wurden die Fahrzeuge mit der Inbetriebnahme der GT6ZR aus Hagen wieder ausgemustert – aber dazu später. Die 1967 bis 1968 gelieferten GT6 von Duewag, intern als GTW-D6 bezeichnet, lösten zunächst weitere der verbliebenen Zweiachszüge ab. Die 1959 neu aufgebauten, zweiachsigen Beiwagen 161-165 (ab 1979 262-265) kamen fortan aber hinter den neuen GTW-D6 weiterhin zum Einsatz.

Auffälligste Besonderheit der Würzburger GTW-D6 war gegenüber anderen Einrichtungs-GT6 der Duewag die schmale, “Baseler”-Fahrzeugfront, die den engen Radien und Gleismittenabständen in Würzburg geschuldet war. Wie die zeitgleich nach Basel ausgelieferten Fahrzeuge, erhielte die schmale Front der Einrichtungswagen allerdings nicht die senkrechte, runde Frontscheibe wie von der Zweirichtungsbauart bekannt, sondern eine schmalere Version der “PPC”-Scheibe, die für die Duewag-Einrichtungswagen seit den Großraumwagen stilprägend war. Weitere Besonderheit der Würzburger Fahrzeuge waren die Türen auf der linken Fahrzeugseite. Am Fahrzeuganfang fand sich eine einfache Falttür, am Fahrzeugende eine doppelte auf der linken Seite. Anders als bei anderen Betrieben kamen diese linksseitigen Türen allerdings nie im Regelbetrieb zum Einsatz, sondern dienten für Baustellenverkehre oder Störungen. Auch die später gelieferten Achtachser erhielten die linksseitigen Türen an Fahrzeuganfang und -Ende. Als letzte Bauserie erhielten die GTW-D6 noch die Lackierung in Creme mit olivgrünen Zierstreifen, wurden aber bereits in den 70er Jahren in das neue gelb/rote Farbschema versetzt.

Nachdem die zweite Lieferung von Duewag in den 70er Jahren bereits als Achtachser ausgeführt wurde, wurden auch die zehn 1967 und 1968 gelieferten GTW-D6 231-240 im Jahr 1982 mit neu von der Duewag gelieferten Mittelteilen und je einem Jakobs-Drehgestell zu Achtachsern verlängert. Auffällig war bei den nun zu GTW-D8 verlängerten Fahrzeugen, ebenso wie bei den bereits als GT8 gelieferten, das extrem kurze Mittelteil. Dies war erneut den engen Radien mit geringen Gleismittenabständen geschuldet, sodass das Mittelteil lediglich 6,02 Meter lang war, aber dennoch eine vollwertige doppelte Falttür aufwies.

Zum Einsatz kamen die Fahrzeuge auf allen Tallinien. Die in den 80er-Jahren eröffnete Steilstrecke zum Heuchelhof durften die Duewags aufgrund zu schwacher Bremsen und fehlender Zugsicherung nie befahren. Hierfür wurden 1988-1989 eigens die 14 GT-E von LHB beschafft, die fortan die später zwei Linien über die Steilstrecke bedienen konnten. Von den ehemaligen GTW-D6, nun ebenfalls als GTW-D8 bezeichnet, wurden mit der Lieferung der 20 GT-N von LHB 1996 die Mehrzahl freigesetzt. Seit der Taktumstellung im Jahr 2008 von 12- auf 15-Minuten-Takt nach der morgendlichen Frühspitze, kommen die GTW-D8 nur noch in den Morgenspitze mit vier Wagen auf der Linie 4 und einem Wagen auf der Linie 1 zum Einsatz. Zwei weitere Verstärkerfahrten gibt es am Mittag.
Verschrottet wurden inzwischen acht der zehn Fahrzeuge, allerdings erst 2005, 2010 und 2021. Die drei GTW-D8 233-235 gelangten noch zu einem Zwischenhändler, von dem sie allerdings nicht weitervermittelt werden konnten. Die GTW-D8 236 und 238 befinden sich noch heute im aktiven Bestand.


Typenaufnahme der ersten Duewag-Gelenkwagen für Würzburg: GTW-D6 235, abgesehen von der Bandenwerbung noch nahezu im Auslieferungszustand in Creme mit olivfarbenem Zierstreifen und Zierspitz am 3. Mai 1969.


Bis die letzten der in den 50er Jahren neu aufgebauten Beiwagen mit Ankunft der GT-H und GTW-D8 aufgrund von Platzmangel ausgemustert wurden, kamen die GTW-D6 auch mit Beiwagen zum Einsatz. Hier erreicht der Zug aus GTW-D6 240 und Bw 162 am 4. April 1975 die Bahnhofsschleife.


Ebenso wie die Beiwagen, waren auch die Umbau-Gelenkwagen vom Typ C mit der Inbetriebnahme der Hagener GT-H und der neuen GTW-D8 Geschichte. Am 4. April 1975 dürfte der Wagen 217 daher kurz vor seiner Ausmusterung gestanden haben, als er neben dem inzwischen in neuen Hausfarben erstrahlenden GTW-D6 234 in der Hauptbahnhofsschleife wartet.


1982 trafen von der Duewag die Mittelteile mit je einem Drehgestell zur Verlängerung der zehn GTW-D6 ein. Auffällig ist die geringe Länge von nur 6,02 Metern.


Typenaufnahme des verlängerten GTW-D6 239, welche damit ebenfalls als GTW-D8 bezeichnet wurden, am 6. August 1987.


GTW-D8 237 am 29. Mai 1990 an der Haltestelle Merianstraße auf der Linie 4, wo die GTW-D8 bis zuletzt in der Frühspitze anzutreffen sein werden.


Der ebenfalls verlängerte GTW-D8 236 am 9. August 1996 in Heidingsfeld. Auch bei den GTW-D8 begann in den 90er Jahren das Zeitalter der Vollwerbungen. Einzig dieser GTW-D8 236 erhielt wenig später die knalligen Hausfarben der späten 90er-Jahre, die auch bei den GT-N nur auf einem Wagen Anwendung fanden.


So zeigt sich der GTW-D8 236 auch 2022 wieder in dieser einzigartigen Farbenpracht. Am 15. Juli 2022 verlässt der Wagen die Endschliefe Bürgerbräu in Zellerau.


1975: Fabrikneue GT8 (GTW-D8 241-248)

Die zweite Serie neuer Gelenkwagen der Duewag wurde nach den Kapazitätserfahrungen mit den GTW-D6, welche später verlängert wurden, gleich als dreiteilige Achtachser geliefert. 1975 erreichten acht intern als GTW-D8 bezeichnete Fahrzeuge mit den Nummern 241-248 die Straßenbahn Würzburg. Zusammen mit den Hagener Gebrauchtwagen, konnten und mussten so noch im selben Jahr alle verbliebenen Altwagen der “Vor-Duewag-Ära” ausgemustert werden, da die Kapazität des Betriebshofes am Anschlag war.
Der Einsatz der jüngeren GTW-D8 Unterschied sich später nicht mehr von den verlängerten Fahrzeugen. Nur blieben nach den Ausmusterungen mit der Lieferung der GT-N deutlich mehr dieser Fahrzeuge übrig. Während von den ehemaligen GTW-D6 in den 2000ern nur vier Fahrzeuge im Einsatzbestand blieben, schieden von den jüngeren GTW-D8 nur die vier Fahrzeuge 241, 242, 247 und 248 aus und wurden 2010 bzw. 2021 nach jahrelanger Abstellung verschrotten. Noch heute können damit bis zur Inbetriebnahme der neuen Niederflurwagen die vier verbliebenen GTW-D8 243-246 auf den Verstärkerkursen angetroffen werden.


Typenaufnahme von GTW-D8 244 der zweiten Duewag-Lieferserie an Würzburg. Hier von der linken Fahrzeugseite, wobei die einfache Tür auf der linken Seite ins Auge fällt. Eine weitere linksseitige, dort doppelte Falttür, befindet sich nicht zu erkennen im verjüngten Bereich des Hecks. Nach jahrelanger roter Vodafone-Vollwerbung, erstrahlt der Wagen 2022 seit etwa zwei Jahren wieder in der Auslieferungslackierung in gelb und rot. Die rote Umrandung des Nummernkastens ist am 15. Juli 2022 als letzter Rückstand der ehemaligen Reklame verblieben.


Praktisch zeitgleich trafen 1975 die fabrikneuen GTW-D8 und die aus Hagen übernommenen GT-H ein und lösten alles neben den GTW-D6 verbliebene Rollmaterial ab. Am 7. Juli 1982 bietet sich am Hauptbahnhof wiedermal ein Vergleich, diesmal zwischen dem GTW-D8 242 und dem GT-H 277


Auch für die GTW-D8 brach in den 90er-Jahren die Zeit der Vollwerbungen an. Der schon gesehene 244 ist seither eines der wenigen Fahrzeuge, das wieder in den Hausfarben vergangener Tage durch die Stadt rollt. Am 30. Juni 1996 biegt GTW-D8 248 auf die Juliuspromenade ein.


Aus Zellerau kommend biegt am 29 Juni 2013 der GTW-D8 245 nach der Main-Querung auf die Juliuspromenade ein.


Klassiker zur sommerlichen Frühspitze ist der Bereich zwischen den Haltestellen Dom und Rathaus, in den am Morgen schon genau die Sonne hereinscheint. Am 28. Juni 2013 ist GTW-D8 244 auf seiner letzten morgendlichen Runde nach Zellerau unterwegs


Auf der Linie 1 verkehrt zur Frühspitze nur ein Duewag und dreht insgesamt drei Runden zwischen Sanderau und Grombühl. Besonders die große eingleisige Blockumfahrung in Grombühl versprüht dabei noch viel klassisches Straßenbahnflair. GTW-D8 244 hat in der Zwischenzeit seine Vodafone-Werbung vom vorherigen Bild verloren und ist am 15. Juli 2022 eine echter Blickfang kurz vor der Endstation in der Blockumfahrung beim Verlassen der Haltestelle Uni-Klinikum Bereich D.


Beim Blick auf das Heck an der Endhaltestelle in Grombühl zeigt sich auch die hintere Doppeltür und das ebenfalls stark verjüngte Heck der Fahrzeuge. An den linksseitigen Türen wurden die Treppen innen inzwischen verschlossen, sodass sich ein ebener Wagenboden ergibt und die Sturzgefahr gebannt werden konnte.


1975: GT6-ZR aus Hagen (GT-H 270-281)

Weiterhin auf der Suche nach zeitgemäßen Fahrzeugen als Ersatz für die Umbaugelenkwagen vom Typ C, die zweiachsigen Beiwagen und zur Erweiterung des Fuhrparks, wurde man neben den neuen GTW-D8, 1975 auch bei der Straßenbahn in Hagen fündig. Durch die dortige Einstellung der Straßenbahn wurden 26 erst zwischen 1959 und 1968 gebaute und damit teilweise noch recht junge GT6ZR von Duewag frei. Neben Belgrad und Innsbruck, konnte sich auch Würzburg zwölf der Fahrzeuge sichern und damit alle verbliebenen Altfahrzeuge ersetzen. Nach einer Neulackierung im aktuellen gelb/roten Farbschema und nur geringfügigen Anpassungen, gingen die Fahrzeuge zunächst unverändert als Zweirichtungswagen in Betrieb. Aufgrund ihrer Herkunft wurden die GT6ZR aus Hagen intern als GT-H bezeichnet und mit den Nummern 270 bis 281 eingereiht. Als echte Zweirichter fielen die Wagen äußerlich durch die senkrechte, um die Front gewölbte Frontscheibe direkt ins Auge.
In den 80ern wurden die sieben Fahrzeuge 270, 271, 273, 274, 276, 277 und 278 zu Einrichtungswagen umgebaut. Die Türen auf der linken Fahrzeugseite wurden entfernt und durch Fenster ersetzt.

Mit der Inbetriebnahme der zwanzig GT-N Ende der 90er Jahre, konnten die GT-H nach über zwanzig Jahren Einsatz in Würzburg ersetzt werden. Die sechs Fahrzeuge 270, 273, 275, 277, 278 und 281 wurden 1998 ins polnische Grudziądz (Graudenz) abgegeben, die vier Fahrzeuge 271, 274, 276 und 279 gelangten bereits 1997 ins rumänische Arad. Im Museumsbestand verblieb bis heute der GT-H 272, ist allerdings nicht einsatzfähig. GT-H 280 gelangte zum WVV-Sportplatz im Stadtteil Heuchelhof, wo er noch heute als Vereinsraum dient.


Wenige Jahre vor der Einstellung der Straßenbahn Hagen konnte am 15. März 1973 GT6ZR 79 in Bissigheim aufgenommen werden. In Würzburg erhielt das Fahrzeug die Nummer 279.


GT6ZR 76 der Hagener Straßenbahn am 15. März 1973 in Emst an der Haltestelle Kirche. Der Wagen ging als GT-H 276 in den Würzburger Bestand über.


Typenaufnahme des GT-H 280, wie die Fahrzeuge nach wenigen Anpassungen und einer neuen Lackierung in Würzburg in kürzester Zeit in Betrieb gingen.


Typenaufnahme des GT-H 270, im Erscheinungsbild der Fahrzeuge 270, 271, 273, 274, 276, 277 und 278, die in den 80er-Jahren zu Einrichtungswagen umgebaut wurden. Auffällig dabei natürlich die unregelmäßigen Fensterabstände durch den Entfall der Türen und das kleine Fenster an Stelle der Einzeltür der ehemaligen Zweirichter. Auch die Rückscheinwerfer und deren in Hagen charakteristische Fassungen für selbige und die Blinker sind an der Front entfallen.


Noch 1991 erhielt der GT-H 272 eine Frischzellenkurz und wurde zum Einrichter umgebaut, obwohl das Fahrzeug bereits 1996 ausgemustert wurde. Auffällig dabei die abweichenden, eckigen kombinierten Scheinwerfer und Blinker und natürlich die Werbung im ICE-Design. Als einziger GT-H ist dieser bis heute bei der Straßenbahn Würzburg erhalten, derzeit allerdings nicht für Sonderfahrten einsatzbereit.


Zehn Jahre nach der Aufnahme in Hagen ist der Hagener GT6ZR 76 längst in Würzburg zuhause und zeigt sich am 21. Mai 1983 in den aktuellen Hausfarben des Betriebes mit der Nummer 276.


Bei GT-H 270 erfolgte der Umbau zum Einsrichtungswagen im Jahr 1984. Am 16. Mai 1989 hält GT-H 270 an der Haltestelle Rathaus mit dem Dom im Hintergrund.


Fünf der zwölf GT-H verblieben in Würzburg als Zweirichtungswagen, darunter auch GT-H 281, der am 5. April 1990 durch den Stadtteil Heidingsfeld rollt.


In den 90er-Jahren Begann in Würzburg großflächig das Zeitalter der Vollwerbungen, welches bis heute kein Ende gefunden hat. So zeigt sich auch der 1985 zum Einrichter umgebaute GT-H 274 am 5. September 1992 mit einer Ganzreklame auf der heute autofreien Juliuspromenade.


Der schon von vorherigen Aufnahmen aus Hagen und als Zweirichter in Würzburg bekannte GT-H 276 wurde bereits 1982 zum Einrichter umgebaut und blieb später ebenfalls nicht von einer Vollwerbung verschont, mit der wir den Wagen am 5. September 1992 in der heutigen Fußgängerzone vom Hauptbahnhof zur Juliuspromenade in der Kaiserstraße sehen. Später werden wir den Wagen noch in seinem letzten Kapitel in Arad antreffen.


Am Hauptbahnhof boten sich immer interessante Gegenüberstellungen. Am 30. Mai 1996 die Frontpartien des schon als GT8 gelieferten DTW-D8 248 und des ehemaligen Zweirichters aus Hagen, GT-H 270. Schon zwei Jahre später wurde der ex Hagener nach Grudziądz abgegeben, wo wir ihn, ebenso wie noch später in Łódź, wiedersehen werden.


Am 30 Mai 1996 ist das Ende der ex. Hagener in Würzburg in Sicht. Schon bald wird sich der GT-H 278 nicht mehr in der Würzburger Fußgängerzone wiederfinden, sondern im polnischen Grudziądz.


Neben GT-H 272 weilt bis heute noch ein weiterer ex. Hagener in Würzburg, allerdings nicht mehr ans Gleisnetz angeschlossen: GT-H 280 hat als Sportheim im Stadtteil Heuchelhof eine neue Verwendung gefunden und wurde dort, nachdem er zunächst noch die letzte Vollwerbung trug, sogar in eine neue, fiktive Lackierung versetzt. So konnte der Wagen am 28. Juni 2013 angetroffen werden.


1997:  Vier ex Hagener für Arad (GT-H 271, 274, 276 und 279)

Nachdem die GT-H in Würzburg von den neuen Niederflurwagen abgelöst waren, konnten die vier Fahrzeuge 271, 274, 276 und 279 schon 1997 ins rumänische Arad weitergereicht werden.  Die Kleinserie reihte sich dort in ein große Anzahl von ab 1995 auch von anderen deutschen Betrieben übernommenen Gebrauchtwagen ein, darunter auch viele andere Duewag-Gelenkwagen. Diesem Umstand ist es wohl auch zu verdanken, dass die Kleinserie recht lange mit passenden Ersatzteilen versorgt werden konnte und noch lange in Betrieb blieb. So konnten die GT6 271 und 276 noch 2014 im Einsatz erlebt werden. Der einzige der vier Wagen, der in Würzburg nicht zum Einrichter umgebaut wurde, verblieb mit GT6ZR 279 in Arad von Anfang an nur als Ersatzteilspender. In dieser Funktion konnte der Wagen später sein A-Teil an den mutmaßlich verunfallten GT6 271 abgeben, welches an diesem als B-Teil verwendet wurde. Dies führte bei GT6 271 zum kuriosen Erscheinungsbild mit lediglich beidseitigen Türen im zweiten Fahrzeugteil. Funktional blieb 271 aber ein Einrichtungswagen, wurde inzwischen aber wohl verschrottet. Letzte Einsatzbilder konnten aus dem Jahr 2017 gefunden werden. Vorhanden sind noch immer die Fahrzeuge 274 und 276, ob sie allerdings noch im Einsatz stehen, ist in Arad immer etwas unklar.


Wie in Arad üblich, gingen die Fahrzeuge zunächst quasi unverändert auf Linie. So ist GT6 271 nur ein Jahr nach seiner Ankunft bereits im Liniendienst und trägt noch unverkennbar seine letzte Vollwerbung aus Würzburg. Hier erreicht der Wagen am 8. August 1998 gerade den Hauptbahnhof Richtung Innenstadt auf der Linie 17.


Später am 8. August 1998 überquert GT6 271 die Kreuzung UTA, mit dem Abzweig auf den Ring und zum nahegelegenen Betriebshof.


Später erhielt der GT6 271 ein neues B-Teil vom Spenderfahrzeug GT6ZR 279, wo dieses noch das A-Teil gewesen war. So umgebaut konnte der Wagen am 9. Juni 2014 auf der Kreuzung Podgoria aufgenommen werden. Von rechts fällt der Unterschied allerdings noch nicht ins Auge.


Auffällig wird der Unterschied bei der Heckansicht von der linken Fahrzeugseite. Der Wagen weißt nun im hinteren Fahrzeugteil linksseitige Türen auf. Zudem ist wieder ein Zielfilmkasten vorhanden, der in Würzburg beim Umbau zum Einrichtungswagen am Heck entfernt wurde. Funktional verblieb der GT6 271 mit dem A-Teil des GT6ZR 279 allerdings weiterhin als Einrichter, wie an den entfernten Scheinwerfern gut zu erkennen ist.


Auch GT6 274 konnte bereits im Jahr 1998 im Linienverkehr in Arad angetroffen werden. Zwischen den Scharen an GT4, Tatras und anderen Duewag-Fahrzeugen, gingen die drei in Betrieb genommenen Würzburger GT6 allerings immer etwas unter. Hier erreicht GT6 274 die Haltestelle am Hauptbahnhof.


Der dritte im Bunde konnte mit GT6 276 am 22. August 2007 angetroffen werden. Den Wagen verfolgen wir nun in dieser Bilderstrecke schon als Zweirichter in Hagen und Würzburg, nach dem Umbau zum Einrichter in Würzburg und nun in Arad, sodass praktisch die gesamte Vita abgebildet ist. An die auffällige Vollwerbung des Wagens erinnern wir uns noch von einer vorherigen Aufnahme aus der Würzburger Innenstadt. Hier rückt der Wagen am Nachmittag gerade aus dem Depot am Piata UTA auf die Linie 15 aus.


Bei der Heckansicht von GT6 276 fallen auch die Unterschiede zum umgebauten 271 ins Auge: Die zum Einrichter umgebauten Fahrzeuge hatten in Würzburg ihren Zielfilm am Heck verloren.


Auch GT6 276 wurde nach vielen Jahren in Arad noch einmal ein wenig aufgefrischt und zeigte sich am 10. Juni 2014 in neuer Lackierung am Piata UTA neben dem Ulmer GT4 03.


1998:  Sechs Hagener für Grudziądz (GT-H 270, 273, 275, 277, 278 und 281)

Nach den vier GT-H für Arad, konnten weitere sechs Fahrzeuge nach Grudziądz (Graudenz) in Polen abgegeben werden. Im Gegensatz zu Arad, erhielten die Fahrzeuge dort ein neues Farbschema in gelb und blau und gingen mit den neuen Nummern 73 bis 78 (nicht in der Würzburger Reihenfolge) in Betrieb. Später erhielten die Fahrzeuge neue Doppellampen und Blinker an er Front, was die Eleganz der Fahrzeuge etwas entstellte. In Grudziądz trafen sie neben den heimischen 805Na auch auf gebrauchte GT6 Einrichtungswagen aus Mannheim.

In Grudziądz wurden die GT6 wiederum von gebrauchten GT8 aus Krefeld abgelöst und 2010 ausgemustert. Die Fahrzeuge 74 (ex.270), 75 (ex. 278), 77 (ex. 281) und 78 (ex. 275) gingen zusammen mit Mannheimer GT6 weiter nach Łódź. Die GT6 73 (ex. 273) und 76 (ex. 277) wurden in Grudziądz abgebrochen.


Am 27. August 1998 hält GT6 74 in der Innenstadt von Graudenz. Den Wagen kennen wir nun schon von diversen Aufnahmen nach dem Umbau zum Einrichter als GT-H 270 aus Würzburg. 2010 ging es für das Fahrzeug noch weiter nach Łódź.


Ein weiterer Blick auf GT6 74 am 27. August 1998 auf dem Weg nach Rzadz.


Später erhielten die Fahrzeuge in Grudziądz zwei neue Scheinwerfer an der Front und neue Blinker. Das optische Erscheinungsbild wurde durch diese kleine Maßnahme doch recht deutlich verändert, wie am 19. Juni 2004 bei GT6 74 beim Erreichen der Innenstadt zu sehen.


In Gegenrichtung verlässt GT6 76 ebenfalls am 19. Juni 2004 die enge, eingleisige Innenstadtdurchfahrt.


Neben Gebrauchtwagen aus Mannheim, trafen die Würzburger GT-H in Grudziądz auch auf den polnischen Einheitswagen vom Typ 805Na. Auch wenn die Gelenkwagen der Duewag auch einen hohen Standardisierungsgrad erreichten, zeigten die 105Na/805Na in Polen doch wesentlich deutlicher auf, was ein wirklicher Standardwagen ist. Auch in Łódź sollte der GT6 75 wieder auf zahlreiche 805Na treffen. Am 19 Juni 2004 kreuzt der ehemalige Würzburger in der Innenstadtausweiche eine 805Na-Traktion.


Für GT6 76 wiederum endete die abwechslungsreiche Geschichte in Grudziądz mit der Ankunft der GT8 aus Krefeld. Das Fahrzeug wurde als eines von zwei nicht nach Łódź weitergereicht. Hier ist das Fahrzeug erneut am 19. Juni 2004 zu sehen.


2010:  Aus Grudziądz weiter nach Łódź (GT-H 270, 275, 278 und 281)

Für die vier GT-H 270, 275, 278 und 281 ging die Reise nach der Ablösung in Grudziądz noch weiter in polnische Łódź zum Betreiber der Überlandlinie 43, der TP Łódź. GT6 74 erhielt bei der TP Łódź noch eine auffällige neue Pop-Beklebung des Betreibers, GT6 75 erhielt die weiß grüne Hausfarben der TP-Łódź, GT6 77 eine Vollwerbung und GT6 78 die städtischen Farben in gelb und rot. Lange standen die Fahrzeuge in Łódź allerdings nicht mehr in Betrieb. Mit den Wirren um die Übernahme der TP Łódź durch den städtischen Betreiber MPK Łódź, schieden die GT6 aus dem Einsatz aus und wurden 2015 verschrotten. GT6 75 wurde nach einem Unfall bereits 2013 abgebrochen. Damit endete die Geschichte dieser Fahrzeuge trotz einer Station mehr am Ende früher als jene der vier nach Arad abgegebenen.


Leider standen die GT6 bei einem Besuch in Łódź im Jahr 2011 nicht im Einsatz. So musste ein Blick ins Depot der TP Łódź in Brus genügen. GT6 77 hatte eine blaue Vollwerbung erhalten und wurde nach einem Unfall bereits 2013 verschrottet.


Der Blick ins Depot am 19. Oktober 2011 zeigt die drei GT6 77, 74 und 78. GT6 74 trägt eine auffällige Beklebung der TP Łódź. Am Bildrand ist noch soeben der GT6 78 in der rot/gelben Lackierung der TP Łódź zu erkennen.


Zwei weitere Duewags verirren sich aus Bielefeld nach Würzburg

Ein letztes und etwas unbekannteres Kapitel der Würzburger Duewag-Geschichte soll zum Abschluss noch aufgeschlagen werden: Der ATw 295.

Eigentlich zur Kapazitätserweiterung erreichten 1984 die zwei Bielefelder Duewag GT8 806 und 809 Würzburg. Geplant war die Übernahme zwei weiterer Fahrzeuge, allerdings wurden schon die ersten beiden nie an die Würzburger Verhältnisse angepasst um überhaupt in Betrieb gehen zu könne. So blieb es bei den zwei Fahrzeugen, von denen der GT8 806 als Spenderfahrzeug für den 1990 gebauten Schleifwagen 251, später 295 diente. Der weitere Weg des Bielefelder GT8 809 vollzog einige kuriose Wirrungen: Das Mittelteil des Achtachsers wurde nach Innsbruck weitergegeben und dort wiederum zur Verlängerung des ebenfalls aus Bielefeld stammenden Innsbrucker GT6 53 verwendet. 2008 gelangte dieser GT8 schließlich als Museumswagen aus Innsbruck wieder zurück nach Bielefeld, sodass ein Mittelteil, zumindest mit kurzer Würzburger Geschichte, heute wieder in Bielefeld als Museumswagen im Einsatz steht.


Der ehemalige Bielefelder GT8 806 steht als Spenderfahrzeug für den Schleifwagen 295 noch heute in Würzburg im Einsatz. Am 19. Oktober 2007 durchfährt der ATw die Haltestelle Congress-Centrum am Mainufer.


Damit wäre die Duewag-Gelenkwagen-Geschichte in Würzburg vollständig. Die zwei Kapitel in Arad und Würzburg werden derzeit noch zu Ende geschrieben, wobei nicht ganz klar ist, ob in Arad noch ein betriebsfähiges Exemplar vorhanden ist. In Würzburg können die letzten GTW-D8 noch bis zur Inbetriebnahme der neuen Niederflurwagen, vermutlich im Laufe des Jahres 2023, in der Frühspitze erlebt werden. Zu viel Zeit sollte man sich also nicht lassen. Ob das Kapitel der GTW-D8 anschließend mit dem Abbruch aller Wagen endet, oder ob ein Exemplar erhalten bleibt, wird sich zeigen.

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