30 Jahre Niederflur in Braunschweig: GT6S von 1995 bis 2025

Anfang 1995 erreichten die ersten Niederflurstraßenbahnen vom Typ GT6S aus dem LHB-Werk Salzgitter die Löwenstadt. Schon im Oktober desselben Jahres gingen die ersten Fahrzeuge in den Liniendienst. Das Jahr 2025 markiert damit den dreißigsten Geburtstag dieser Baureihe und damit auch drei Jahrzehnte Niederflur in Braunschweig. Zeit für ein kleines Portrait der zwölf GT6S 9551 bis 9562 in Braunschweig.


Bestellung, Lieferung und Inbetriebnahme

1992 bestellte Braunschweig bei ADtranz zwölf Niederflurfahrzeuge vom Typ GT6S, der in den 90er-Jahren in großen Stückzahlen in unterschiedlichen Ausführungen für zahlreiche Deutsche Straßenbahnbetriebe gefertigt wurde. Ein Portrait dieses ersten 100% niederflurigen Serienfahrzeugs von der Entstehungsgeschichte bis zum Einsatz bei den deutschen Betrieben habe ich vor einigen Jahren geschrieben und hin und wieder aktualisiert: Typenportrait: Entstehung und Entwicklung der GTx-Niederflurkonstruktion. Das Braunschweiger Kapitel findet sich hier: Typenportrait: Die GTx-Niederflurkonstruktion in Deutschland – Augsburg, Berlin, Braunschweig, Bremen, Frankfurt Main und Frankfurt Oder.

Die zwölf Braunschweiger Fahrzeuge wurden im LHB-Werk Salzgitter endmontiert und von dort aus per Schiene nach Braunschweig transportiert. Der damals noch angeschlossene Betriebshof “Hasenwinkel” an der Hamburger Straße machte es möglich. Mit 9551 erreichte am 31. Januar 1995 das erste Fahrzeug Braunschweig und wurde am Hasenwinkel vom Bahntransportwagen entladen. Nach der Entladung wurden die Fahrzeuge zunächst am Hasenwinkel in den Schuppen geschleppt und nachts zum Betriebshof Altewiek eskortiert, wobei die Fahrten bereits aus eigener Kraft erfolgten. Auf GT6S 9551 folgten im März 1995 die GT6S 9552 und 9553, die am 9. März 1995 gemeinsam zum Betriebshof Altewiek überführt wurden.

Bis Oktober 1995 erfolgten Inbetriebnahme- und Fahrschulfahrten, sodass mit einem festlichen Akt am 22. Oktober 1995 die Eröffnungsfahrt und Übergabe in den Linienverkehr stattfinden konnten. Die ersten Monate und Jahre im Einsatz plagten die Fahrzeuge noch einige Kinderkrankheiten und Ausbesserungsarbeiten an Software, Fahrgestellen und Wagenkasten, sodass es mehrmals zur Abstellung der gesamten Flotte kam. Letztmals gab es dann ab Ende 1998 eine Nachbesserung an den Fahrgestellen der gesamten Flotte. Anschließend standen die GT6S zunächst recht zuverlässig ohne komplette Flottenausfälle im Einsatz. Seit den späten 2010er-Jahren haben die Fahrzeuge zunehmend mit Ausfällen zu schaffen und die Instandhaltung und Ersatzteilbeschaffung gestaltet sich zunehmend schwierig, sodass die Flotte heute laufend recht große Werkstattbestände verzeichnet. Aus diesem Grund und aufgrund der auf vielen Linien im 15-Minuten-Takt inzwischen unbefriedigenden Kapazität, kommen die GT6S seit der Inbetriebnahme der insgesamt 25 Traminos zunehmend auf “niederen Diensten” zum Einsatz, etwa auf der Verstärkerlinie 10, den Verstärkerkursen der Linie 3 oder auf der am schwächsten ausgelasteten Linie 4. Prinzipiell können die GT6S aber noch immer auf allen Linien im gesamten Netz auftauchen, einzig auf der Linie 1 stellt der Einsatz die absolute Ausnahme dar.

Als erster und bislang einziger GT6S wurde inzwischen der Wagen 9560 ausgemustert und zum Ersatzteilspender degradiert. Der Wagen erhielt zwar 2018 sogar noch einen Neulack im Tramino-Design, kam aber nach längerer schadhafter Standzeit nie mehr in den Liniendienst und steht nun schon seit vielen Jahren auf den “Schrottgleisen” des Betriebshofes im Außenbereich abgestellt.

Wir verfolgen das Geschehen der nun 30-jährigen GT6S-Geschichte im Folgenden anhand eines kleinen Jubiläumsbilderbogens.


Am 31. Januar 1995 berührte mit GT6S 9551 der erste Niederflurwagen Braunschweiger Straßenbahngleise. Nach dem Abladen vom Regelspurtransportwagen am Betriebshof “Hasenwinkel” steht neben 9551 dem Anlass entsprechend die Sektflasche bereit.


Am 8. März 1995 wurde mit GT6S 9553 der dritte Wagen angeliefert. Obwohl auch die nächste Niederflurgeneration aus dem ehemaligen LHB-Werk in Salzgitter geliefert wurde, waren die 95er bis heute die letzten Straßenbahnen, die Braunschweig auf dem Schienenweg erreichten. Eine Köf hat den Transportwagen rückwärts zur Entladestelle geschoben. Die regelspurige Schienenanbindung verdankte der “Hasenwinkel” dem direkt westlich angrenzenden Heizkraftwerk Mitte, das über eine Anschlussstrecke zwecks Brennstofflieferung (damals Kohle) verfügte.


Eine weitere Anlieferungsszene konnte am 2. August 1995 festgehalten werden. Wenn die Fahrzeuge weiterhin in Reihenfolge der Fahrzeugnummer das Werk in Salzgitter verließen, handelte es sich bei 9561 bereits um die vorletzte Anlieferung. Für den An- und Abtransport der auf 1100mm laufenden Straßenbahnfahrzeuge, stand am “Hasenwinkel” neben dem Heizkraftwerk Mitte ein kurzes Vierschienengleis zur Verfügung. Nachdem GT6S 9561 von den Hebeböcken aufgenommen war, konnte der regelspurige Transportwagen unter dem Niederflurwagen weggezogen werden und anschließend mit dem Herabsetzen auf das mittig im 1435mm-Gleis liegende 1100mm-Gleis begonnen werden. Nach dem Abladen wurde ein Beiwagenzug rückwärts herangefahren und zog die Neufahrzeuge mit seinem “Verlängerungsarm” unter die Fahrleitung und anschließend in die kleine Fahrzeughalle am “Hasenwinkel”. Zur Zeit der Auslieferung war es in Braunschweig noch üblich, Fahrzeuge für Vollwerbungen in entsprechenden Grundfarben zu lackieren. So wurden einige GT6S ganz in Weiß geliefert, 9561 in Gelb und 9562 in dunklem Blau.


Nach der Anlieferung erfolgte bis in den Herbst hinein die Inbetriebnahme der neuen Fahrzeuggeneration vom Betriebshof und der Hauptwerkstätte Altewiek. Dort posiert der nagelneue GT6S 9551 am 7. März 1995 neben der Fahrzeughalle. Mit den GT6S hielt auch ein neues, aus meiner Sicht schlichtes aber durchaus elegantes Farbschema bei der damaligen Verkehrs AG Einzug: Die Grundfarbe weiß wurde durch eine schmale, hellrote Binde unter dem lichtgrauen Fensterband ergänzt. Auch die Türen hoben sich dezent in Lichtgrau ab. Leider blieben die 95er nahezu die einzigen Straßenbahnen in dieser Lackierung. Ausnahmen bildeten lediglich der zum “Hängebauchschwein” umgebaute 0052, sowie der 81er-Zug 8165+8471. Die übrige Fahrzeugflotte war in den 2000er-Jahren eine Zeit lang in großflächigem weiß oder mit zahlreichen Vollwerbungen unterwegs, nachdem das alte Orange/Altweiß sehr plötzlich verschwinden musste. Anschließend zog mit den 07er-NGT8D eine neue Variante in Weiß, mit breiter roter Bauchbinde ein. Richtig “gewollt” sah das aber alles nicht aus, bis mit den Traminos ab 2014 endlich wieder eine wirkliches Farbschema eingeführt wurde.


In den Sommermonaten 1995 fanden zahlreiche Test- und Einstellungsfahrten statt, später auch Fahrschulfahrten. Der ganz weiße 9559 wartet noch auf seine erste Werbung und durchfährt am 19. Juli 1995 die Endschleife am Krematorium, die heute auf den Namen Helmstedter Straße hört.


Für die anstehende Aufnahme des Linienbetriebes fanden im Oktober 1995 zahlreiche Fahrschulfahrten statt. GT6S 9552 wurde zwar vollständig im neuen Farbschema lackiert ausgeliefert, erhielt aber dennoch bereits vor dem ersten Linieneinsatz eine Werbung für Fliesen-Winter. Bemerkenswert, dass dieser Triebwagen seinen Werbeträger in 30 Jahren nicht ein einziges Mal gewechselt hat. Lediglich in den 2000er-Jahren wurde die Werbung einmal erneuert, der Werbeträger blieb aber bis heute unverändert. Am 6. Oktober 1995 rückt GT6S zu einer Fahrschulfahrt aus dem Betriebshof Altewiek aus.


Fast symbolisch für die anstehende Ablösung der 69er GT6 von LHB und der 62er DÜWAG-GT6 hat 9560 bereits vor dem ersten Linieneinsatz die Werbung von LHB GT6 6956 übernommen. Für derartige Fahrzeugausstellungen war der alte Betriebshof Altewiek prädestiniert. Durch die in den ersten Jahren bei den 95ern auftretenden Kinderkrankheiten, verschwanden die beiden Baureihen aus den 60er-Jahren allerdings erst im Laufe des Jahres 1997 endgültig aus dem Linienverkehr.


In einem großen festlichen Akt erfolgte schließlich am 22. Oktober 1995 die Übergabe der GT6S an den Linienverkehr, womit die Fahrgäste in Braunschweig erstmals in den Genuss eines niederflurigen Einstieges kamen.


Noch einmal etwas abseits des Trubels einer der “Stars” des Tages, GT6S 9555, neben der Fahrzeughalle auf dem Betriebshof Altewiek.


Die Einsatzjahre von 1995 bis heute


In den ersten Monaten und Jahren kam es zwar immer wieder zu zeitweise Abstellungen und Werkstattaufenthalten aufgrund von Nachbesserungsarbeiten, abseits davon waren die GT6S aber im gesamten Netz anzutreffen. So auch auf der damals kürzesten Linie, der 1 zwischen Radeklint und Hauptbahnhof. Der bereits dunkelblau lackiert ausgelieferte GT6S 9562 trägt nun eine Werbung für das örtliche Hofbrauhaus und durchfährt am 26. März 1996 die Blockumfahrung der Endschleife am Inselwall.


Nach der Eröffnungsfahrt hangeln wir uns nun an einigen weiteren Ereignissen der Braunschweiger Straßenbahn entlang, welche die 95er in ihren bislang 30 Jahren Einsatzzeit erlebten. Am 28. Oktober 1997 wurde das 100-jährige Bestehen der elektrischen Straßenbahn mit einem großen Fahrzeugkorso gefeiert. Auch GT6S 9551 war als erster Niederflurwagen mit von der Partie, hier am Heinrich-Büssing-Ring. Die Querverbindung nach rechts hinauf zum Hauptbahnhof war noch Zukunftsmusik.


In den ersten gut zehn Einsatzjahren der GT6S war für Braunschweiger Verhältnisse noch viel Bewegung in Sachen Ausbauten und Streckenerweiterungen, gepaart mit den ehrgeizigen Plänen der später gescheiterten RegionalStadtbahn. Am 19. Juli 1998 wurde die neue Innenstadtstrecke über Waisenhausdamm und Friedrich-Wilhelm-Straße zum Friedrich-Wilhelm-Platz eröffnet. Auf einem Rundkurs, vermutlich über Lessingplatz, J.-F.-Kennedyplatz, Waisenhausdamm, Friedrich-Wilhelm-Platz, war an diesem Tag GT6S 9562 unterwegs. Weitere Meilensteine in diesen Jahren waren beispielsweise die Verlängerung nach Wenden und die neue Trassierung durch die Mühlenpfordstraße 1999, die Eröffnung der neuen Anlagen am Hauptbahnhof 2000, die Querverbindung Hauptbahnhof-Bürgerpark über den Heinrich-Büssing Ring 2000, die Umgestaltung des Bohlwegs und schließlich die Verlängerung nach Stöckheim 2006. Seither ist trotz zahlreicher unerschlossener Fahrgastpotenziale und vielfacher Planungsideen, nach dem endgültigen Scheitern der RegionalStadtbahn defacto nichts mehr passiert. Ob die 95er noch die seit Jahren in Planung befindliche Verlängerung in Volkmarode oder gar nach Rautheim erleben werden?


Am 27. Mai 2000 wurde das neue Nahverkehrsterminal am Hauptbahnhof mit bereits vorgesehener Integration der RegioStadtbahn eingeweiht. Mit von der Partie war nicht nur GT6S 9553, sondern auch der in historischen Zustand zurückversetzte LHB GT6 15. Es dürfte einer der wenigen offiziellen Anlässe gewesen sein, bei denen dieser historisch wertvolle Triebwagen aus eigener Kraft zum Einsatz kam. Seit einer letzten Sonderfahrt im Oktober 2000, ist der GT6 15 schadhaft und mit abgelaufenen Fristen abgestellt und wurde seither nur zu wenigen Anlässen als Exponat vor die Schuppentüren gezogen. Ein Schicksal, dass auch den GT6S drohen könnte, deren Elektronik mangels Ersatzteilen für den musealen Erhalt wohl nur schwer instandhaltbar sein dürfte. Falls denn überhaupt eines der Fahrzeuge erhalten bleiben wird. Noch ist ein Einsatzende der GT6S in Braunschweig allerdings nicht konkret absehbar und die Fahrzeuge sind von Montag bis Samstag auch nach 30 Jahren weiterhin im Linienbetrieb zu erleben.


Der Einführung der Niederflurwagen folgte in den 2000er-Jahren der logische nächste Schritt: Der Umbau der Haltestellen vom einfachen Einstieg von der Fahrbahn hin zu ebenerdigen Einstiegen mittels Niederflurbahnsteigen. Ein plakatives Beispiel findet sich zur Haltestelle Burgundenplatz. Am 17. April 2003 erfolgte der Einstieg noch klassisch in Straßenmitte von der Fahrbahn, als GT6S gerade von der Endschleife Siegfriedviertel als Linie 2 Richtung Hauptbahnhof gestartet war.


Ein Jahr später verschwenken die Gleise am Burgundenplatz an den Fahrbahnrand, von wo aus über Niederflurbahnsteige ebenerdig eingestiegen werden kann. GT6S 9553 ist als Linie 6 am 1. Oktober 2003 unterwegs Richtung Broitzem. Während sich die Umstellung auf Niederflurwagen vergleichsweise lang hinzog und erst Anfang der 2020er-Jahre weitgehend abgeschlossen werden konnte, schritt der Haltestellenausbau verglichen mit vielen anderen Betrieben recht schnell voran. Nach der Haltestelle Ludwigstraße im Jahr 2014, fehlte bis 2018 nurmehr der Abschnitt auf der Helmstedter Straße mit den Haltestellen Marienstift und Ackerstraße. Inzwischen ist 20 Jahre später an vielen Stellen gar die zweite Stufe des Ausbaus gestartet, bei denen die taktilen Leitelemente noch einmal verbessert, akustische Ansagen installiert und die Bahnsteige noch einmal wenige Zentimeter erhöht werden, um auch Rollstuhlfahrern das selbstständige Ein- und Aussteigen zu ermöglichen.


Im Zuge des Schloss-Neubaus erfolgte Mitte der 2000er auch der großflächige Umbau des Bohlwegs. Die Dreigleisigkeit vor der Haltestelle Bohlweg (Damm), heute Schloss, wurde dabei aufgegeben und das nie genutzte Dreischienengleis für die RegioStadtbahn eingebaut. Leider hing man noch einer schon damals veralteten Verkehrspolitik nach und versäumte es, den Autoverkehr aus diesem Innenstadtbereich zu verdrängen, oder zumindest stark einzuschränken und unattraktiv zu machen. Gepaart mit der weiterhin extremen Versiegelung des Bohlwegs und vor dem Schloss, wünschte man sich heute bereits die nächste grundlegende Umgestaltung herbei. Was hätte hier mit etwas Weitsicht, selbst mit dem umstrittenen Bau des Schlosses, für eine Aufenthaltsqualität entstehen können… Der Straßenbahnverkehr wurde während der Bauphasen jeweils so lang wie möglich aufrechterhalten, sodass sich GT6S 9556 am 21. August 2005 nach Fertigstellung der Straßenbahntrasse bereits durch die Großbaustelle kämpfen kann.


Am 30. Dezember 2005 ist schließlich auch die Straße westlich der Straßenbahntrasse wieder freigegeben, als GT6S 9561 von der Haltestelle Rathaus kommend über den Bohlweg rollt. Im Hintergrund übrigens der vorhin erwähnte, einzige 81er-Zug, der das mit den GT6S eingeführte Farbschema übernommen hat.


Die bis heute letzte Streckenerweiterung fand am 14. Oktober 2006 mit der beachtlich langen Strecke vom Sachsendamm nach Stöckheim statt. Bereits einige Zeit vorher warb der GT6S 9560 mit der (Ziel)Einfahrt nach Stöckheim und war schließlich auch am Eröffnungskorso beteiligt. Am 11. Oktober 2006 stand die Eröffnung kurz bevor als GT6S 9560 auf der Linie 1 im damaligen Twin-Line-Konzept in der Endschleife Inselwall neben GT6 7759 auf der Linie 6 pausierte.


Gut zwei Wochen später ist der Linienverkehr nach Stöckheim bereits Alltag. In dieser Zeit war der Einsatz der 95er auf der Linie 1 noch nichts Ungewöhnliches. GT6S durchfährt hier am 28. Oktober 2006 die Endschleife Stöckheim. Die weite Flur hinter der Endschleife ist inzwischen vollständig bebaut und sorgt an der Linie 1 für weiteres Fahrgastpotenzial. Mit dem Ende des Twin-Line-Konzepts, der vorübergehenden Einführung der Metro-Linien und der Inbetriebnahme der 07er-NGT8D, wurde der Anblick eines GT6S nach Stöckheim allerdings schon bald zur Seltenheit. Die stark ausgelastete Linie M1 Wenden-Stöckheim wurde später hauptsächlich von den fassungsstarken Hochflurzügen, sowie den NGT8D+B4-Zügen bedient. Die GT6S verdrängte es in dieser Zeit vorwiegend auf die Linien M2 Siegfriedviertel – Heidberg, M4 Radeklint – Helmstedter Straße und M5 Hauptbahnhof – Broitzem.


Am selben Tag war der mit der passenden Beklebung versehene GT6S 9560 auf der Linie 3 unterwegs. Während schon einige Hochflurzüge das neue “Design” mit der simplen, geklebten roten Bauchbinde auf weißem Grund trugen, dürfte GT6S 9560 der erste 95er im bis zur Lieferung der Traminos etwa zehn Jahre aktuellen Erscheinungsbild gewesen sein.


Im Jahr 2007 konnten die Bauarbeiten an Bohlweg und Schloss mit der Platzierung der Quadriga auf dem Dach des Schlosses am 6. Mai schließlich feierlich abgeschlossen. Der für die Feierlichkeiten zwischen Rathaus und Schloss gesperrte Bohlweg sorgte für eine Netzteilung, sodass GT6S 9558 auf ungewohnten Linienwegen und -Verknüpfungen unterwegs war und aus der Georg-Eckert-Straße kommend zur umbenannten Haltestelle Schloss (zuvor Bohlweg/Damm) Richtung Stöckheim abbiegt.


Im Jahr 2007 erhielten die GT6S nach dem Hängebauchschwein 0051 erstmals ernsthafte niederflurige Verstärkung durch die zwölf NGT8D 0751 bis 0762. Im Rahmen des Mobilitätstages stehen GT6S 9554 und NGT8D 0751 am 4. Oktober 2008 Seite an Seite auf dem Betriebshof Altewiek. In Sachen Niederflurigkeit waren die NGT8D mit dem erhöhten Wagenboden über den Antriebsdrehgestellen ein kleiner Schritt zurück, dafür ist die Kapazität insgesamt etwas höher und der Kurvenlauf dieser 100%-Drehgestellwagen gegenüber der GTx-Konstruktion konventionell und unerreicht sanft.


Der Mobilitätstag am 4. Oktober 2008 war gleichzeitig der letzte öffentliche Großanlass auf dem alten Betriebshof Altewiek. Ein Mobilkran ermöglichte einen Überblick über das Gelände.


2008 erhielten die GT6S neue LED-Matrixanzeigen, bei denen man bis heute in Braunschweig leider auf die recht rudimentären, orangen Anzeigen mit niedriger Wiederholrate setzt. Gleichzeitig war der Fahrplanwechsel im Oktober 2008 der Startschuss für die mittlerweile wieder aufgegebenen “Metrolinien”. Bis dahin waren auch alle anderen Linienfahrzeuge mit Matrixanzeigen ausgerüstet worden, sodass die M-Linien nicht mehr auf den Rollbändern integriert werden mussten.


Anfang 2009 endete mit der Inbetriebnahme des neuen Betriebshofes am Hauptgüterbahnhof die Ära des Betriebshof Altewiek. In der Szene war der Betriebshof durch seine offene Einsehbarkeit stets beliebt und bot viel Platz für öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen. Das komplizierte Einrückverfahren, bei dem die Fahrzeuge zunächst eine 180-Grad-Kurve befuhren, um anschließend rückwärts einzurücken, war für Fotografen dank der Möglichkeit perfekter Fahrzeugaufnahmen zwar beliebt, betrieblich aber doch recht umständlich. Zudem waren Kapazität und Ausstattung der Zeit nicht mehr gewachsen. Am Abend des 12. Februar 2009 rückten die letzten Linienwagen aus dem alten Betriebshof aus. Im Anschluss fanden noch Überführungsfahrten der bereits eingerückten Fahrzeuge statt, wie mit GT6S 9551, der hier auf die Helmstedter Straße auf dem Weg zum neuen Betriebshof aus dem alten Betriebshof Altewiek ausrückt.


Nur wenige GT6S konnten im Stadtbild jeweils gleichzeitig mit dem Mitte der 2000er bis 2014 aktuellen Farbschema angetroffen werden. Die meisten GT6S trugen in dieser Zeit Vollwerbungen. Bei jenen mit nur seitlichen Werbungen blieb zunächst weiterhin das ursprüngliche Lackschema an den Fahrzeugenden erhalten und in kurzen Phasen zwischen zwei Werbungen konnten noch bis 2023 immer wieder Teile des alten Design zum Vorschein kommen. Als einer der wenigen GT6S, war 9561 im Jahr 2010 eine Zeit lang vollständig im damals aktuellen Farbschema unterwegs und verlässt am 29. August 2010 die Haltestelle Hauptbahnhof.


Im Sommer 2014 kam es während einer Baustelle zur Isolation des Nordnetzes. Wohl wegen mangelnder Verfügbarkeit von Bussen oder entsprechendem Fahrpersonal, wurde in dieser Zeit ein Inselbetrieb im Norden der Stadt eingerichtet. Einige GT6S wurde dafür zeitweise in der Zwischenschleife Carl-Miele-Straße beheimatet und mittels Tieflader für Werkstatttätigkeiten jeweils zum Betriebshof transportiert. Am 23. Mai 2014 wurde GT6S 9555 am Betriebshof verladen und anschließend zur Schleife Carl-Miele-Straße transportiert.


Am Abend des 26. Juni 2014 wird der GT6S 9556 an der Zwischenschleife Carl-Miele-Straße auf den Tieflader gezogen.


Ab 2014 erhielten die GT6S Gesellschaft von der nunmehr dritten Niederflurserie, den zunächst 18 Traminos von Solaris. 2019 folgten sieben weitere Fahrzeuge, nun schon unter der Regie von Stadler geliefert. Bei beiden Lieferungen zog sich die Inbetriebnahme in die Länge, eine Ablösung drohte den GT6S aber ohnehin weiter nicht, standen doch zunächst noch die letzten Hochflurzüge zur Ablösung an, wobei zwei Züge weiterhin für Spitzenverkehre und als Reserve im Bestand blieben. Das kleine gepflasterte Stück an der Zufahrtsstrecke zum Betriebshof wurde bereits für die zuvor gesehenen Fahrzeugüberstellungen ins Nordnetz angelegt, sodass die zweite Tramino-Serie nicht mehr in der Nacht mitten in der Stadt wie noch 2014, sondern unmittelbar am Betriebshof abgeladen werden konnte. GT6S 9561 rückt als letztes Fahrzeug für die nächsten Stunden planmäßig nach einer morgendlichen Verstärkerleistung ein, sodass im Anschluss genügend Zeit für das Abladen des nagelneuen Tramino 1952 blieb.


Mit den Traminos hielt ab 2014 endlich auch wieder ein ernsthaftes Lackschema Einzug. Während man bei den 07er-NGT8D bislang lediglich bei den meisten Fahrzeugen die Köpfe in die neuen Farben tauchte, erhielten die GT6S inzwischen alle das neue Lackschema. Die GT6S 9551, 9554, 9556, 9557, 9559 und 9560 sogar auf der gesamten Fahrzeuglänge, womit sie, wenn gerade einmal auch vollständig werbefrei, auf meiner Beliebtheitsliste deutlich aufstiegen. Die Jahre zuvor doch zeitweise ein wenig die hässlichen Entlein im Fahrzeugpark und etwas vernachlässigt, freut sich das Auge bei so einem ordentlich daherkommenden Fahrzeug wie GT6S 9556 am 11. November 2024 an der Haltestelle Am Magnitor und der Auslöser wird gern betätigt. Man wünschte sich auch mal einen 07er-NGT8D in solcher Aufmachung! Aktuell sind es diese, die leider zum Großteil recht unfotogen daherkommen.


Seit der Verlängerung der Strecke nach Broitzem war die Endschleife der Zwischenetappe Am Lehmanger für den Linienbetrieb nicht mehr notwendig und brachte auch sonst betrieblich kaum Vorteile. Dennoch blieb die Schleife noch bis 2017 erhalten. In diesen Jahren war die daran vorbeiführende Linie M5 Hauptbahnhof-Broitzem insbesondere nach der Ausmusterung der meisten Hochflurzüge eine Hochburg der GT6S. Durch den 10-Minuten-Takt waren die inzwischen meist zu kleinen Fahrzeuge hier besser aufgehoben, als auf den stark ausgelasteten Linien M1 und M3, oder auf der im 15-Minuten-Takt auch der Bezeichnung nach inzwischen von M2 wieder zur normalen 2 zurückgestuften Linie. Am 15. April 2015 passiert GT6S 9555 die Einfahrt in die alte Schleifenanlage Am Lehmanger.


Am 19. Oktober 2018 ist die ehemalige Schleife nicht einmal mehr zu erahnen, als GT6S 9552 in die Haltestelle am Lehmanger Richtung Broitzem einfährt. Inzwischen sind die Metrolinien Geschichte und die Linie 5 hat ab Oktober 2019 eine Herabstufung auf den neuen 15-Minuten-Grundtakt hinnehmen müssen. So sind die GT6S für die Linie 5 mit starken Schülerspitzen inzwischen deutlich zu klein und von Montag bis Freitag nur noch selten auf der 5 anzutreffen. Stattdessen tummeln sie sich nun vorwiegend auf der Verstärkerlinie 10, der im 7/8-Minuten-Takt bedienten Linie 3 und auf der schwächer ausgelasteten Linie 4.


Nur bei Umleiterverkehren bot sich nach der Inbetriebnahme der Strecke durch die Friedrich-Wilhelm-Straße noch die Möglichkeit, die GT6S auf der Betriebsstrecke Lessingplatz aufzunehmen. Eine solche Möglichkeit bot sich im April 2016: Umleiter und Verstärker in der Löwenstadt. GT6S 9554 passiert am 18. April 2016 den Augusttorwall Richtung Kennedyplatz. Das zweite Richtungsgleis verläuft an dieser Stelle auf der anderen Seite des Häuserblocks.


Der Übergang zwischen zwei Lackierungsgenerationen zeigt sich am 14. Oktober 2017 an der Haltestelle Am Magnitor. Das Frontelement wurde bei GT6S 9553 bereits getauscht oder neu lackiert, während der restliche Wagen nach einer Werbelöschung wieder in der ursprünglichen Lackierung der 90er-Jahre auftritt. GT6S 9554 trägt dagegen auf voller Fahrzeuglänge das neue Design.


Im Jahr 2017 feierte die Braunschweiger Straßenbahn “120 Jahre Elektrische” mit einem großen, seither nicht wiederholten Fahrzeugkorse bis nach Stöckheim am 28. Oktober 2017. Mit von der Partie war auch GT6S 9554 als Repräsentant seiner Baureihe, der hier hinter GT6 8165 auf die Endschleife Salzdahlumer Weg zurollt.


Eine große Sanierungsmaßnahme war der Umbau des Streckenabschnittes auf der Helmstedter Straße zwischen Leonhardplatz und dem Abzweig zum Betriebshof hinter der Ackerstraße. In diesem Zuge wurde auch die enge Kurve für die ehemalige Einfahrt zum Betriebshof Altewiek entfernt. Im Frühjahr 2019 waren alle Arbeiten abgeschlossen und auch die letzten Baustelleneinrichtungen entfernt, sodass ungestörte Aufnahmen entlang der sanierten Strecke mit GT6S 9556 am 4. Februar 2019 entstehen konnten. Die GT6S sind auch heute noch Stammgäste auf der Linie 4.


Auch die zuvor noch als letzte Haltestelle auf der Fahrbahn gelegene Haltestelle Ackerstraße wurde in diesem Zuge komplett umgestaltet. Den neuen Zustand sehen wir hier im Schneetreiben des 29. Januar 2021 mit GT6S 9557 Richtung Radeklint. Im Laufe des Jahres 2021 erhielten die GT6S neue, an die Traminos angelehnte Fahrgastinformationbildschirme im Innenraum. Bis dahin waren noch die etwas aus der Zeit gefallenen LED-Matrixleuchtbänder installiert, welche als Einzeiler lediglich die nächste Haltestelle anzeigen konnten.


Später am selben Tag wurde das ebenso werbefreie und auf ganzer Länge im Tramino-Design gehaltene Schwesterfahrzeug 9556 zur blauen Stunde am Inselwall abgepasst. Die großangelegte Sanierung der Schleife erfolgte bis Anfang 2025, sodass auch diese Aufnahmen schon wieder historisch ist.


2020 erfolgte die Umbaumaßnahme am Bahnhof Gliesmarode. Kurz zuvor konnte mit GT6S 9551 am 16. Januar 2020 noch der alte Zustand festgehalten werden. Im Oktober 2019 erfolgte zudem der letzte große Fahrplanwechsel, der der Linie 3 von Montag bis Freitag in den Hauptverkehrszeiten einen 5/10-Minutentakt bescherte. Seither sind die GT6S auf dieser Linie wieder Stammgäste.


Ein völlig neues Einsatzgebiet erhielten die GT6S mit der Einführung der Linie 10 zum Fahrplanwechsel im Oktober 2019. Insbesondere seit die Anzahl der Hochflurfahrzeuge mit Inbetriebnahme der 19er-Traminos nicht mehr zur Bedienung der Linie ausreichte, werden inzwischen nicht selten alle Kurse der Linie 10 mit GT6S gefahren. Am 1. Dezember 2021 hatte sich der Zug aus GT6 7756 und B4 7772 auf die Linie 5 verirrt, während GT6S 9561 als Linie 10 in der Schleife am Hauptbahnhof pausierte.


Die Sanierung der großen Umsteigeanlage Lincolnsiedlung erlebten die GT6S somit unmittelbar, da auch die Linie 10 zeitweise immer wieder von den Baumaßnahmen betroffen war. Im Frühjahr 2022 sind die Arbeiten bereits abgeschlossen, als GT6S 9559, kurz nach Fahrtbeginn an der Carl-Miele-Straße, als Linie 10 aus der Haltestellenanlage Lincolnsiedlung Richtung Hauptbahnhof ausfährt.


Mit der mindestens vorübergehenden Abstellung des letzten Hochflurzuges für den Liniendienst im November 2025, sind die GT6S inzwischen die Oldies auf Linie in Braunschweig und die Linie 10 eine sichere Bank, um die mittlerweile 30 Jahre alten Fahrzeuge anzutreffen. Einer der beliebtesten Fotoabschnitte an der 10 findet sich wohl rund um das Wendentor, dass GT6S 9556 am 24. März 2022 Richtung Hauptbahnhof passiert.


An einem Freitagabendspiel der Eintracht wurde die Linie 10 am 17. Februar 2023 im Verlaufe des Nachmittages nach Wenden verlängert, um Fans aus dem Norden der Stadt zum Stadion zu bringen. Neben der sonst in der Regel zu 100% mit Traminos bedienten Linie 1, war der Anblick eines GT6S in der Schleife Wenden Heideblick eine Besonderheit.


Ein ebenfalls ungewohnter Anblick war die Linie 35E im Sommer 2023. Während der Sommerferien wurden die Gleise der Weststadtstrecken vom Friedrich-Wilhelm-Platz über den Kalenwall zum Europaplatz saniert. Die verbliebenen Reste der Linien 3 und 5 wurden zur Linie 35E Volkmarode – Hauptbahnhof vereint und hauptsächlich mit NGT8D und GT6S bedient. So ergab sich am 27. Juli 2023 eine Aufnahme von GT6S 9552 kurz vor der Haltestelle Am Magnitor mit der Liniennummer 35E


Und auch 2025 drehen die GT6S, 30 Jahre nach ihrer Anlieferung, noch ihre Runden durch die Löwenstadt. Hier GT6S 9552, der – fast unglaublich – nun auch schon seit 30 Jahren denselben Werbepartner hat, am 1. März 2025 vor der Haltestelle St. Leonhard/Stadthalle auf der Helmstedter Straße. 

Eine grundlegende Zweiterstellung, wie bei anderen Betrieben, ist den Fahrzeugen neben den üblichen Sanierungsmaßnahmen nie zu Teil geworden und nicht mehr vorgesehen, auch da die Kapazität der Wagen derzeit nicht mehr zu Fahrgastzahlen und Bedienungskonzept passt. Stattdessen läuft aktuell die Ausschreibung zur Ablösung der 95er, mit der wohl spätestens gegen Ende des Jahrzehnts gerechnet werden kann. Wer die GT6S in Braunschweig noch in Betrieb erleben möchte, hat also noch genügend Zeit dazu in den kommenden Jahren und sollte sich am besten an den Linien 3, 4 und 10 umsehen. Außer auf der Linie 1, trifft man die Wagen mit ihrem charakteristischen Singen der Elektronik aber vereinzelt auch weiterhin auf allen anderen Linien an. Auch der verunfallte GT6S 9559 wird aktuell wieder instandgesetzt, sodass mit GT6S 9560 lediglich eines der zwölf Fahrzeuge bereits ausgemustert ist.

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