6 Länder, 11 Tage, 15 Trambetriebe IX: Auf der Suche nach Düwag und Rastatt durch Timișoara

Nachdem wir den Vormittag noch in Arad verbracht haben, wollen wir nun am Nachmittag noch dem 60 Kilometer südlich gelegenen Timișoara einen kurzen Besuch abstatten und uns auf die Suche nach den letzten Düwag und Rastatt-Fahrzeugen machen.


Dienstag, 1. Juni 2014: Auf der Suche nach Düwag und Rastatt durch Timișoara

Nach nicht einmal einer Stunde Fahrt erreichten wir aus Arad kommend am frühen Nachmittag die rund 320.000 Einwohner zählende Großstadt Timișoara südlich von Arad. Timișoara ist damit gemeinsam mit Cluj-Napoca die zweitgrößte Stadt des Landes, wer diesen Titel tatsächlich inne hat, darüber gibt es immer wieder Diskussionen, aber die doch mit hoher Dunkelziffer erhobenen Bevölkerungszahlen lassen hier kein entgültiges Urteil zu.
Mit einer Streckenlänge von knapp über 30 Kilometern und bis zu sieben Linien, die das recht engmaschige Netz bedienen, ist der Straßenbahnbetrieb jedenfalls erheblich bedeutsamer als in Cluj-Napoca und trägt gemeinsam mit dem ausgedehnten Trolleybusnetz die Hauptlast des öffentlichen Verkehrs in der Stadt.

Die Vielfalt des Wagenparks hat in den vergangenen Jahren durch die Abstellung diverser Gebrauchtwagen etwas abgenommen. Zum Einsatz kommen hauptsächlich die Kurzgelenkwagen von Hansa und Wegmann aus Bremen, sowie von Rathgeber aus München. Ein Portrait über diese Fahrzeuge habe ich hier geschrieben: Straßenbahnen im Exil: Hansa, Wegmann und Rathgeber – Kurzgelenkwagen in Timișoara.

Neben den Kurzgelenkwagen kamen und kommen teilweise auch noch klassische Düwag GT6 und GT8, sowie deren Verwandte von Rastatt und DWM zum Einsatz:

In den Jahren 1995 und 2000 konnten aus Karlsruhe insgesamt acht der 1959 bei Düwag und Rastatt gebauten GT8 für die Albtalbahn übernommen werden. Von diesen acht Fahrzeugen stand schon während unseres Besuches 2007 keines mehr im Einsatz und inzwischen sind alle acht Fahrzeuge verschrottet.

Gemeinsam mit den GT8 der Albtalbahn, konnten im Jahr 2000 zusätzlich drei der ab 1964 bei DWM gebauten GT8 für das Karlsruher Stadtnetz übernommen werden. Diese Fahrzeuge sollten nach unserem Wissen noch immer eingesetzt werden. Da wir 2007 keines der drei Fahrzeuge erwischten, war dies einer der Schwerpunkte unserer heutigen Fahrzeugsuche.

Ebenfalls 1995 und 2000 konnten auch 14 der ab 1959 bei DWM gebauten GT6 aus Karlsruhe übernommen werden. Von diesen waren bereits 2007 rund die Hälfte verschrottet, wir konnten allerdings auch noch ein Exemplar im Liniendienst aufnehmen. Ob von den DWM GT6 heute noch welche im Einsatz wären, war nicht so ganz klar herauszufinden. Wir würden aber mal die Augen offenhalten.

Aus Frankfurt gelangten 2005 vier Düwag GT8 (Frankfurter „N-Wagen“) nach Timişoara. Diese konnten wir zwei Jahre nach ihrer Ankunft im Jahr 2007 aufnehmen, allerdings wurden die Fahrzeuge schon nach wenigen Jahren ausgemustert, zwei bereits 2007 verschrottet und auch die beiden verbliebenen Fahrzeuge kommen nicht mehr zum Einsatz. Ein Portrait über die Frankfurter N- und O-Wagen im Exil findet sich hier: Straßenbahnen im Exil: Düwag GT8 – Frankfurter N- und O-Wagen.

Weitere GT6 konnten schließlich im Jahr 2006 aus Düsseldorf beschafft werden. Dabei handelte es sich um vier GT6 von Düwag. Ein Portrait der Düsseldorfer GT6 im Exil findet sich hier:
Straßenbahnen im Exil: Düsseldorfer Düwag GT6 in Stettin, Posen und Timișoara.
Zwei letzte Exemplare sollten wohl noch für den Linienbetrieb vorgehalten werden und standen auf unserer Prioritätenliste ganz oben, stand doch während unseres letzten Besuches keines der Fahrzeuge im Einsatz.

Soweit der kleine Überblick über den (Gebraucht)Wagenpark der Straßenbahn in Timișoara. In Rumänien gebaute Timis-2-Züge kommen hier dank der vielen Gebrauchtwagen schon seit vielen Jahren nicht mehr zum Einsatz.

Wir wollten einfach mal in den verbliebenen Stunden des Nachmittages die einzelnen Linien abklappern und versuchen, die ein oder andere Lücke in der Sammlung zu schließen.
Wir steuerten zunächst die innenstadtnahe Bega-Brücke unweit der großen orthodoxen Kathedrale an, stellten das Auto ab und bewegten uns in der Mittagshitze mit viel Bedacht von Schatten zu Schatten einige hundert Meter an der Strecke entlang und schauten was so unterwegs ist. Gleich zu Beginn wurden wir dabei von einem der zum Pick-up umgebauten ehemaligen Timis-2 Triebwagen überrascht.


Der zum Arbeitswagen umgebaute Timis-2 00877 kommt von der Haltestelle Cathedrala in Richtung der Bega-Brücke gefahren.


Kurz vor der Brücke konnte der P-/p-Zug mit 2042 an der Spitze vor der Kathedrale aufgenommen werden, welche sich zur grünen Jahreszeit doch recht rar macht hinter den Bäumen.


Der Wegmann Triebwagen 3523 trägt noch seine letzte Lackierung aus der Hansestadt, während der Beiwagen 3738 bereits in die aktuelle Wellenlackierung in lila/weiß/schwarz versetzt wurde.


Der Hansawagen 3477 verlässt die Haltestelle Cathedrala in Richtung der großen Brücke über die Bega. Der schwarze Rammbock dient der Montage eines Schneepfluges im Winter.


Der P-/p-Zug aus 2041 und 3027 überquert den Bulevardul Republicii. Von allen drei Kurzgelenkbauarten war an diesem Tag noch mindestens ein Hängerzug im Einsatz.

Nun ging es erstmal zurück zum Auto. Die Temperaturen waren doch irgendwie schwer auszuhalten über längere Zeit und so hechteten wir mehr oder weniger von Schatten zu Schatten. Die restliche Zeit fuhren wir die verschiedensten Stellen im Netz an, um auf den vielen Linien nach den uns noch fehlenden Fahrzeugtypen Ausschau zu halten. Über den Depotzaun sichteten wir zumindest schonmal einen der umlackierten DWM GT6, welcher noch einigermaßen einsatzbereit aussah. Ansonsten war hier rumänientypisch jede Menge Schrott hinterstellt, welcher in Teilen wohl noch als Ersatzteilspender diente.


Wegmann 3519 passiert auf der Linie 2 den Abzweig zum Bahnhof.


Von eben dort kommt Wegmann 3525 als Linie 1.


Weiter in Richtung Depot taucht Hansawagen 3435 aus der „Strada Johann Nepomuk Preyer“ auf. Einen durchaus eindrucksvollen Einst/Jetzt-Vergleich an dieser Stelle ist hier zu sehen: Picture in Time: Straßenbahn Timișoara.


Der DWM GT6 171 war im Depot abgestellt, sah aber grundsätzlich noch einigermaßen fit aus – jedenfalls im Vergleich zum davor vor sich hin rostenden Timis 2… In dieser Lackierung hatten wir den Wagen jedenfalls auch noch nicht aufgenommen.

Auf der Linie 9 wurden wir schließlich fündig. Die Linie fährt vom Gara de Nord im Westen der Stadt, über das Depot zum Piața Gheorghe Domășneanu, wo sie in dem großen Kreisverkehr im Osten der Stadt wendet. Die Strecke verläuft also in einem großen Bogen durch den Süden der Stadt und erreicht die Innenstadt gar nicht, weshalb wir den Wagen bislang auch nicht gesehen hatten und gezielt auch nochmal diesen Teil des Netzte angelaufen waren. Jedenfalls begegnete uns der DWM GT8 mitten auf dem Bulevardul Liviu Rebreanu in Richtung Gara de Nord. Schnell einen U-Turn eingelegt, das Fahrzeug an der nächsten Haltestelle überholt und nach einer geeigneten Fotomöglichkeit gesucht. Kurz vor dem Depot wurden wir an der Haltestelle Transilvania fündig und konnten den frisch lackierten GT8 ein erstes Mal perfekt von links ablichten.


Der DWM GT8 109 hält als Linie 9 auf dem Weg zum Gara de Nord an der Haltestelle Transilvania.


Neben dem Depot erwarteten wir die Rückfahrt des GT8 109, so war auch das Türseitenbild im Kasten und wir konnten einen dicken Haken hinter diesen Fahrzeugtyp auf unserer Liste machen, der uns beim letzten Besuch vollständig gemieden hatte.


Der bereits bekannte Wegmann-Zug 3523 und 3738 in der östlichen Endschleife der Linie 4 Ciarda Rosie.

Viele Linien fehlten uns jetzt nicht mehr, ein letzter Anlaufpunkt war die Linie 5, vom Gara de Est nach Ronat, welche nur den nördlichen Teil der Stadt durchfährt und die wir auch noch nicht gesehen hatten. Auf der Kreuzung an der Haltestelle Piața Badea Cârțan erblickten wir schließlich den zweiten Volltreffer des Tages, den Düsseldorfer GT6 2502. Die Linie 5 nutzt den großen Ring zum Gara de Est gleichzeitig als Wendemöglichkeit und so folgten wir dem Düsseldorfer Richtung Bahnhof, überholten ihn auf der pittoresken Grünstrecke parallel zu CFR und erwarteten ihn schließlich bei bestem Türseitenlicht an der Haltestelle Parcul Uzinei. Anschließend fuhren wir wieder zum Gara de Est zurück und warteten bis der Wagen aus dem Westen der Stadt zurückkommen würde. Die Wartezeit war mit dem Fotografieren der vorbeirumpelnden Wegmann- und Hansawagen auf den Linien 1, 2 und 6 schnell vergangen.


GT6 2502 aus Düsseldorf auf der Linie 5 an bei der Haltestelle Parcul Uzinei.


Das kurze Stück vom Gara de Est aus parallel zur CFR-Strecke mutet schon beinahe ländlich an. Hier begegnet uns erneut der Hansawagen 3477 mit dem Schneepflugequipment, zu dem auch die orange Warnleuchte auf dem Nummernkasten gehört.


Hansawagen 3477 am Gara de Est


Schon kommt der GT6 2502 aus Düsseldorf zurück zum Gara de Est. Rechts befindet sich für die hier endende Linie 5 eine Schleife, in die der Wagen gleich einbiegen wird, um durchfahrende Kurse der anderen Linien passieren zu lassen. Anschließend wird er seine Fahrt im Uhrzeigersinn durch den großen Ring entlang des Gara de Est fortsetzten.

Das war doch dann nochmal ein voller Erfolg unseres kurzen Abstechers nach Timișoara. Gleich beide noch eingesetzten Fahrzeugtypen unserer Fehlliste konnten im Einsatz angetroffen werden und beide mit jeweils nur einem Exemplar. Mehr Glück geht dann wohl kaum…

Wir machten uns zufrieden auf die letzten Kilometer unserer heutigen Etappe ins ungarische Szeged, wo wir am frühen Abend ankommen wollten.

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